Kategorie: Photographie

Formen sind stilprägend, ja, sie stehen für eine ganze Epoche. Gutes Produktdesign ist oft noch nach Jahrzehnten an den Formen erkennbar - und an der Nutzbarkeit. Was für die Frisuren und Mode gilt, das gilt im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Automobils, besonders für die Formen der Fahrzeuge.

Am vergangenen Wochenende gab es ein Treffen gar nicht weit von mir, zu dem ich mit einem Freund fuhr. Wir haben beide je eine Kamera mitgenommen. Aus meinem Kurzurlaub in Malmö und Kopenhagen hatte ich gerade die Bilder auf meinen Rechner kopiert. Gut 700 Aufnahmen (okay, durch Löschen bin ich inzwischen auf ca. 500 runter). - Kurz: Ich hatte keine Lust auf digitale Bilder und Nachbearbeitung weiterer Bilder.

Die Wahl der Kamera und drei Festbrennweiten

Statt dessen nahm ich zum Oldtimertreffen die Kleinbild-Messsucherkamera. Die Sonne schien, hohe Empfindlichkeiten brauchte es nicht. :-)

Für mich war es eine gute Wahl, denn die Kamera steht mir nicht im Weg. Ich sehe es, wenn mir jemand in den Bildausschnitt laufen möchte, senke die Kamera, lasse den Menschen passieren. Die Kamera ist unaufdringlich, ich kann photographieren, ohne zu stören. Leise, kein Motor. Sie ist selbst so etwas wie ein Oldtimer, denn sie nutzt Film. Gut, 30 Jahre sind es noch nicht, aber: Die schafft sie auch noch! Meine erste M6 (ohne TTL-Blitzmessung) hatte ich 1990 gekauft; die jetzige bietet etwas mehr Suchervergrößerung (0,85) und ein etwas größeres Belichtungszeitenrad, das sich andersrum dreht als klassisch, dafür entspricht die Drehrichtung den Pfeilen des Belichtungsmessers im Sucher. So weit, so gut.

Die Objektive, die ich mitnahm, passen mit dem Gehäuse zusammen in eine sehr kleine Tasche (Crumpler QuickEscape400): Am meisten war das 35 mm Objektiv im Einsatz. Ich mag es, an einem Fahrzeug entlang zu photographieren, so dass die Details, an denen ich nahe dran bin, groß erscheinen und der Rest des Fahrzeugs in der Ferne (und entsprechend kleiner). Für Details griff ich immer wieder auch zum 50 mm. Nur wenige Aufnahmen entstanden mit 90 mm Brennweite, ich hoffe, nach der Digitalisierung meiner gut zwei Filme hier noch Bilder einbauen zu können, die das veranschaulichen.

Klassische Automobile als Motive

Jede Zeit hat eine bestimmte Farben- und Formensprache. Trabanten sind eben nicht Ferrari-rot. Andererseits passt ein Trabbi-himmelblau eben auch nicht zu einem klassischen Jaguar. Die Kofferraum-Partie eines Oldsmobile oder Buick sieht klassisch aus, aber sie entspricht einer anderen Formensprache als die eines Alfa Romeo Spider. Man muss nicht alles in gleicher Weise mögen. Ich mag zum Beispiel die älteren Daimler sehr, bis vor W126 (116 bzw. 107 und 123). Die folgenden sind mir zu glatt. Älteren Franzosen (Citroen DS, Typ H, Renault R4...) kann ich viel abgewinnen - mit GM-Pickups werde ich nicht warm.

Wenn ich die Fahrzeuge photographiere, dann gehe ich ganz intuitiv vor: Was spricht mich an, was gefällt mir, was erscheint mir als interessantes oder schönes Detail. Ich photographiere also nicht so sehr "etwas", sondern  meine eigenen Vorentscheidungen oder Geschmacksurteile. Wenn ich meine Aufnahmen anschließend sehe, dann kann ich das "Warum" rekonstruieren, aber: Zum Zeitpunkt der Aufnahme denke ich nicht über meine Bilder nach. Da kümmere ich mich darum, das Bild zu machen.

Wenn wir später, nachdem die Technik und Ästhetik einer früheren Epoche eben nicht mehr modern ist, die Erzeugnisse dieser Zeit betrachten, bedeuten sie mir mehr als bloß "alte Autos". Die Zeit wird in Erinnerung gerufen, mit den Filmen, den Geschichten aus der Zeit. Einige Fahrzeuge verbinde ich (auch nicht mehr ganz jung) mit Kindheits- oder Jugenderinnerungen: Ein Freund, mit dem ich einige Male unterwegs war, fuhr erst Ente, dann Suzuki Allrad (SJ); beide gab es am Wochenende zu sehen.

Vermutlich werden wir uns bald dem Ende des automobilen Zeitalters nähern, allein aus Umweltgründen werden die Verbrenner weniger werden müssen und andere Lösungen der Frage nach Mobilität müssen her. Um so wichtiger, dass wir auch da die Geschichte nicht verklären, aber doch kennen - und: Ja, uns dran freuen.

Gut zwei Filme...

Nach der Digitalisierung werde ich hier noch Bilder beifügen. Ich habe gut zwei Kleinbildfilme belichtet, eineinhalb immerhin Fuji Neopan Acros aus meinen Restbeständen. Im Herbst soll es ja eine Neuauflage geben. Bin gespannt. Es ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingsfilme. - Wie üblich habe ich die Negative entwickelt (in Kodak HC-110) und dann mit einer Sigma sd Quattro H und Makro-Objektiv (2.8/105 Sigma) digitalisiert. NegativeLabPro 2.0 leistete mir dabei gute Dienste.

Die Aufnahmetechnik, die Technik der Bildverarbeitung befassen mich sehr, aber emotional bin ich doch mehr von den technischen Meisterwerken vor der Kamera bewegt. Es ist herrlich, gut gemachte (und sorgfältig erhaltene) Oldtimer zu betrachten.

Mono­chrom-Cast abo­nie­ren

beim Monochrom-Cast geht es um analoge schwarz-weiß Photographie. Wer sich hierfür interessiert, für die oder den mag mein Monochrom-Cast interessant sein. Es handelt sich um Audio-Folgen im Bereich von fünf bis 15 Minuten.