Mono­­chrom-Cast Nr. 009: ana­log trai­niert auch digi­tal

Es gibt viel zu beach­ten, damit die Bil­der im Kopf auch anschlie­ßend mit den Bil­dern erreicht wer­den. Dabei hilft das digi­ta­le Arbei­ten durch sei­ne sofor­ti­ge Kon­trol­le und auch durch sei­ne »Duld­sam­keit«, die Feh­ler las­sen sich oft noch aus­glei­chen. Ande­rer­seits hilft die Pau­se zwi­schen Auf­nah­me und Bild, dem selbst gemach­ten Bild kri­tisch gegen­über zu tre­ten. Die eige­ne Inten­ti­on lässt sich deut­lich bes­ser mit zeit­li­chem Abstand beur­tei­len, ob wir sie näm­lich erreicht haben oder nicht.

In den 1990er Jah­ren kali­brier­te ich lan­ge Fil­me und Ent­wick­ler. Inzwi­schen weiß ich um die Kon­trast­um­fän­ge und gebrau­che dies, mei­ne ana­lo­gen Auf­nah­men auf die Schat­ten zu mes­sen, so dass die­se durch­ge­zeich­net wer­den. Die Ent­wick­lung sorgt dann dafür, dass der Kon­trast­um­fang passt und die Lich­ter da lan­den, wo sie gebraucht wer­den. – Digi­tal belich­te ich eher auf die Lich­ter (»expo­se to the right«), auf dass die nicht aus­bren­nen.

Mei­ne Nach­läs­sig­keit fiel mir auf, als ich neu­lich digi­ta­le Por­traits von 25 Men­schen in Fol­ge anfer­tig­te: Ich stell­te erst in Ligh­troom fest, dass ich bei einem Ter­min (von bis­her zwei­en) sämt­li­che Auf­nah­men um 0,4 Stu­fen reich­li­cher hät­te belich­ten sol­len. Kein Pro­blem in Ligh­troom zu kor­ri­gie­ren, aber ich hät­te die­sen Feh­ler ana­log nicht gemacht, weil ich mit mei­nem Blitz­be­lich­tungs­mes­ser alles vor­her aus­ge­mes­sen hät­te. – So blieb es bei einem kur­zen Blick aufs Rück­dis­play und auf das His­to­gramm.

Was ich digi­tal aber ler­ne (durch die sofor­ti­ge Kon­trol­le oder auch in der Nach­be­ar­bei­tung), das kann ich sofort ana­log nut­zen. Was ich ana­log ler­ne, das hilft mir auch bei den digi­ta­len Auf­nah­men. Wer viel ler­nen möch­te, kommt ana­log wei­ter, denn das Medi­um ist weni­ger feh­ler­to­le­rant.

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Mono­­chrom-Cast Nr. 008: Den Sen­sor nach Bedarf wäh­len…

In die­ser Aus­ga­be mei­nes Mono­­chrom-Cast geht es um die neue Kame­ra, die ich dadurch erhal­te, einen spe­zi­el­len Film in mei­ne alte Kame­ra ein­zu­le­gen. Ana­lo­ge Tech­nik erlaubt mir neue Bild­ergeb­nis­se mit alter Tech­nik. Die jewei­li­gen Optio­nen gilt es zu ergrei­fen, den Film und Ent­wick­ler ent­spre­chend der Bild­in­ten­ti­on zu wäh­len. – Bei einer digi­ta­len Kame­ra aber habe ich nur den einen Sen­sor, den mir das Gehäu­se anbie­tet. Ein Wech­sel ist nur durch Wech­sel der Kame­ra mög­lich.

Hier geht es um die Chan­cen, mit jedem Film­wech­sel einen neu­en Sen­sor zur Ver­fü­gung zu haben. Die­se Chan­ce ist auch eine Her­aus­for­de­rung, die Wahl zur Bild­ge­stal­tung bewusst ein­zu­set­zen. Ich nut­ze eine Hand vol­ler unter­schied­li­cher Fil­me mit fünf oder sechs ver­schie­de­nen Ent­wick­lern. Das sind also schon eine Anzahl an Vari­an­ten. Ja, bei Film (außer bei Groß­bild) legt man sich für zehn, zwölf oder 36 Auf­nah­men fest. Kann nicht zwi­schen­durch ohne wei­te­res die Emp­find­lich­keit ver­än­dern. Dafür kann ich, so neue Mate­ria­li­en erschei­nen, die­se auch mit Kame­ras, die weit älter sind, nut­zen. Ein Bei­spiel sind die Direk­t­­po­­si­­tiv-Mate­­ria­­li­en, die seit eini­gen Jah­ren auf dem Markt sind.

Sen­sor­rei­ni­gung ist ana­log kaum ein The­ma. – Und wenn die klas­si­schen Nega­ti­ve für das Ver­grö­ßern mir nicht mehr genü­gen, kann ich (ein­fach durch ange­pass­te Belich­tung und Ent­wick­lung) sol­che für den Albu­­min- oder Pla­tin­druck erzeu­gen. Mit der sel­ben Kame­ra.

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Mono­­chrom-Cast Nr. 005 – Die Kame­ra­wahl: Manch­mal kommt es aufs For­mat an…

Die Wahl der Kame­ra wird bei mir ganz wesent­lich durch zwei Kenn­grö­ßen geprägt: Durch das Sei­ten­ver­hält­nis und durch den Suchertyp. Mit unter­schied­li­chen Kame­ras ent­ste­hen – bedingt durch das jewei­li­ge Sei­ten­ver­hält­nis – unter­schied­lich kom­po­nier­te Bil­der. Ich spre­che dar­über, war­um ich bestimm­te For­ma­te sehr schät­ze, etwa das Qua­drat des 6 x 6 For­mats oder das »Ide­al­for­mat« 6 x 7 cm. Ande­rer­seits gibt es For­ma­te, die mich nicht anspre­chen – wie 3:4 etwa. So bei 4,5 x 6 oder MFT.

Neben dem Sei­te­ver­hält­nis ist für mich die Wahl zwi­schen einer Kame­ra mit Matt­schei­be (im Schacht­su­cher oder mit schwar­zem Tuch zu betrach­ten) oder mit Durch­­­blick-Sucher ent­schei­dend. Bei letz­te­rer bli­cke ich eher aufs Motiv, statt aufs Bild. Bei der schon zwei­di­men­sio­na­len Matt­schei­be, die ich mit bei­den Augen betrach­ten kann, habe ich gleich­sam ein Bild vor Augen, statt »bloß« das Motiv.

Nicht immer kann man die Kame­ra frei wäh­len. Wenn aber doch, so sind mir das Sei­ten­ver­hält­nis und der Sucher wesent­li­che Kri­te­ri­en.

Auf dem Bild zu die­sem Pod­cast habe ich die Lin­hof Tech­ni­ka 70 mit ihrer Matt­schei­be (56 mm x 72 mm – etwa 6:7, Ide­al­for­mat) abge­bil­det. Die­se Kame­ra bie­tet auch einen Mess­su­cher mit einer effek­tiv grö­ße­ren Basis des Ent­fer­nungs­mes­sers als die Lei­ca M6 das tut.

Das Werk­zeug wirkt auf das Werk ein. Ich mei­ne, dass das auch in der Pho­to­gra­phie gilt. Dar­um kom­po­nie­re ich lie­ber vor­her als hin­ter­her Aus­schnit­te zu wäh­len. Beim Ver­grö­ßern las­se ich gern den Film­rand im Bild. Spu­ren des Werk­zeugs gleich­sam.

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