Ein Experiment: Analog s/w photographieren 002

Nachdem wir nun einen Film und eine Kamera haben, stellt sich die Frage, wie wir die Belichtung bestimmen. Sollte die Kamera Belichtungszeit und Blende selbst wählen, haben wir keine andere Wahl. Ideal aber wäre es, wenn wir hier selbst vorwählen könnten.

Gerade ältere Kameras haben oft keinen Belichtungsmesser eingebaut (oder – auch nicht schlecht) Zeit und Blende funktionieren leidlich genau manuell, der Belichtungsmesser aber erfordert eine Batterie (die leer ist, ausgelaufen oder nicht mehr erhältlich oder was auch immer): Dann müssen wir selbst messen. “Ein Experiment: Analog s/w photographieren 002” weiterlesen

Mono­chrom-Cast Nr. 009: ana­log trai­niert auch digi­tal

Es gibt viel zu beach­ten, damit die Bil­der im Kopf auch anschlie­ßend mit den Bil­dern erreicht wer­den. Dabei hilft das digi­ta­le Arbei­ten durch sei­ne sofor­ti­ge Kon­trol­le und auch durch sei­ne »Duld­sam­keit«, die Feh­ler las­sen sich oft noch aus­glei­chen. Ande­rer­seits hilft die Pau­se zwi­schen Auf­nah­me und Bild, dem selbst gemach­ten Bild kri­tisch gegen­über zu tre­ten. Die eige­ne Inten­ti­on lässt sich deut­lich bes­ser mit zeit­li­chem Abstand beur­tei­len, ob wir sie näm­lich erreicht haben oder nicht.

In den 1990er Jah­ren kali­brier­te ich lan­ge Fil­me und Ent­wick­ler. Inzwi­schen weiß ich um die Kon­trast­um­fän­ge und gebrau­che dies, mei­ne ana­lo­gen Auf­nah­men auf die Schat­ten zu mes­sen, so dass die­se durch­ge­zeich­net wer­den. Die Ent­wick­lung sorgt dann dafür, dass der Kon­trast­um­fang passt und die Lich­ter da lan­den, wo sie gebraucht wer­den. – Digi­tal belich­te ich eher auf die Lich­ter (»expo­se to the right«), auf dass die nicht aus­bren­nen.

Mei­ne Nach­läs­sig­keit fiel mir auf, als ich neu­lich digi­ta­le Por­traits von 25 Men­schen in Fol­ge anfer­tig­te: Ich stell­te erst in Ligh­troom fest, dass ich bei einem Ter­min (von bis­her zwei­en) sämt­li­che Auf­nah­men um 0,4 Stu­fen reich­li­cher hät­te belich­ten sol­len. Kein Pro­blem in Ligh­troom zu kor­ri­gie­ren, aber ich hät­te die­sen Feh­ler ana­log nicht gemacht, weil ich mit mei­nem Blitz­be­lich­tungs­mes­ser alles vor­her aus­ge­mes­sen hät­te. – So blieb es bei einem kur­zen Blick aufs Rück­dis­play und auf das His­to­gramm.

Was ich digi­tal aber ler­ne (durch die sofor­ti­ge Kon­trol­le oder auch in der Nach­be­ar­bei­tung), das kann ich sofort ana­log nut­zen. Was ich ana­log ler­ne, das hilft mir auch bei den digi­ta­len Auf­nah­men. Wer viel ler­nen möch­te, kommt ana­log wei­ter, denn das Medi­um ist weni­ger feh­ler­to­le­rant.

Mono­chrom-Cast Nr. 008: Den Sen­sor nach Bedarf wäh­len…

In die­ser Aus­ga­be mei­nes Mono­chrom-Cast geht es um die neue Kame­ra, die ich dadurch erhal­te, einen spe­zi­el­len Film in mei­ne alte Kame­ra ein­zu­le­gen. Ana­lo­ge Tech­nik erlaubt mir neue Bild­ergeb­nis­se mit alter Tech­nik. Die jewei­li­gen Optio­nen gilt es zu ergrei­fen, den Film und Ent­wick­ler ent­spre­chend der Bild­in­ten­ti­on zu wäh­len. – Bei einer digi­ta­len Kame­ra aber habe ich nur den einen Sen­sor, den mir das Gehäu­se anbie­tet. Ein Wech­sel ist nur durch Wech­sel der Kame­ra mög­lich.

Hier geht es um die Chan­cen, mit jedem Film­wech­sel einen neu­en Sen­sor zur Ver­fü­gung zu haben. Die­se Chan­ce ist auch eine Her­aus­for­de­rung, die Wahl zur Bild­ge­stal­tung bewusst ein­zu­set­zen. Ich nut­ze eine Hand vol­ler unter­schied­li­cher Fil­me mit fünf oder sechs ver­schie­de­nen Ent­wick­lern. Das sind also schon eine Anzahl an Vari­an­ten. Ja, bei Film (außer bei Groß­bild) legt man sich für zehn, zwölf oder 36 Auf­nah­men fest. Kann nicht zwi­schen­durch ohne wei­te­res die Emp­find­lich­keit ver­än­dern. Dafür kann ich, so neue Mate­ria­li­en erschei­nen, die­se auch mit Kame­ras, die weit älter sind, nut­zen. Ein Bei­spiel sind die Direkt­po­si­tiv-Mate­ria­li­en, die seit eini­gen Jah­ren auf dem Markt sind.

Sen­sor­rei­ni­gung ist ana­log kaum ein The­ma. – Und wenn die klas­si­schen Nega­ti­ve für das Ver­grö­ßern mir nicht mehr genü­gen, kann ich (ein­fach durch ange­pass­te Belich­tung und Ent­wick­lung) sol­che für den Albu­min- oder Pla­tin­druck erzeu­gen. Mit der sel­ben Kame­ra.

Mono­chrom-Cast Nr. 005 – Die Kame­ra­wahl: Manch­mal kommt es aufs For­mat an…

Die Wahl der Kame­ra wird bei mir ganz wesent­lich durch zwei Kenn­grö­ßen geprägt: Durch das Sei­ten­ver­hält­nis und durch den Suchertyp. Mit unter­schied­li­chen Kame­ras ent­ste­hen – bedingt durch das jewei­li­ge Sei­ten­ver­hält­nis – unter­schied­lich kom­po­nier­te Bil­der. Ich spre­che dar­über, war­um ich bestimm­te For­ma­te sehr schät­ze, etwa das Qua­drat des 6 x 6 For­mats oder das »Ide­al­for­mat« 6 x 7 cm. Ande­rer­seits gibt es For­ma­te, die mich nicht anspre­chen – wie 3:4 etwa. So bei 4,5 x 6 oder MFT.

Neben dem Sei­te­ver­hält­nis ist für mich die Wahl zwi­schen einer Kame­ra mit Matt­schei­be (im Schacht­su­cher oder mit schwar­zem Tuch zu betrach­ten) oder mit Durch­blick-Sucher ent­schei­dend. Bei letz­te­rer bli­cke ich eher aufs Motiv, statt aufs Bild. Bei der schon zwei­di­men­sio­na­len Matt­schei­be, die ich mit bei­den Augen betrach­ten kann, habe ich gleich­sam ein Bild vor Augen, statt »bloß« das Motiv.

Nicht immer kann man die Kame­ra frei wäh­len. Wenn aber doch, so sind mir das Sei­ten­ver­hält­nis und der Sucher wesent­li­che Kri­te­ri­en.

Auf dem Bild zu die­sem Pod­cast habe ich die Lin­hof Tech­ni­ka 70 mit ihrer Matt­schei­be (56 mm x 72 mm – etwa 6:7, Ide­al­for­mat) abge­bil­det. Die­se Kame­ra bie­tet auch einen Mess­su­cher mit einer effek­tiv grö­ße­ren Basis des Ent­fer­nungs­mes­sers als die Lei­ca M6 das tut.

Das Werk­zeug wirkt auf das Werk ein. Ich mei­ne, dass das auch in der Pho­to­gra­phie gilt. Dar­um kom­po­nie­re ich lie­ber vor­her als hin­ter­her Aus­schnit­te zu wäh­len. Beim Ver­grö­ßern las­se ich gern den Film­rand im Bild. Spu­ren des Werk­zeugs gleich­sam.

Herbst­pilz – ana­log mit Flex­bo­dy…

Herbst­pho­tos bedeu­ten für die meis­ten far­bi­ges Laub. Für den, der in schwarz-weiß pho­to­gra­phiert, bie­tet sich das nicht an. – Immer wie­der erin­ne­re ich mich an Paul Strands spä­te Bil­der. Er war ja 1951 aus den USA nach Orge­val in Frank­reich über­sie­delt. In sei­nen letz­ten Jah­ren pho­to­gra­phier­te er in sei­nem Gar­ten. Die Bil­der sind erstaun­lich und beein­dru­ckend. Ähn­lich redu­ziert wie am Anfang sei­ner Wirk­sam­keit: Ganz kon­zen­triert auf die Ton­wer­te und die For­men.

Nah- oder Makro­auf­nah­men mit Mit­tel­for­mat oder Groß­bild sind etwas für Maso­chis­ten? Irgend­wie stimmt es. Man hat nie genug Schärfen­tie­fe. Muss weit abblen­den, so dass ein Sta­tiv unver­zicht­bar wird. Wenn man aber hal­be Minu­ten lang belich­tet, dann kommt der Schwarz­schild-Effekt erschwe­rend hin­zu. Bei Digi­tal­ka­me­ras schaut man, ob es denn so passt. – Ana­log muss man es vor­her wis­sen. Also mes­sen und rech­nen. Weit weni­ger intui­tiv ist das.

Der Flex­bo­dy

Das Bild oben ist ein Scan vom 6×6-Film. – Der Flex­bo­dy ist ein Bal­gen. Hin­ten wird ein Has­sel­b­lad (V-System)-Magazin ange­schlos­sen, vor­ne sitzt ein Has­sel­b­lad Objek­tiv (mit Zen­tral­ver­schluss). Der Bal­gen kann ver­scho­ben wer­den (also Hoch-​/​Tiefverstellung der Front). Er kann auch geneigt wer­den (neu­deutsch »Tilt«). Das lässt sich nut­zen, um die Schär­fee­be­ne nach Scheim­p­flug zu legen, und somit die sehr eng umgrenz­te Schärfen­tie­fe zumin­dest bewusst zu gestal­ten. Ein bis drei Grad Nei­gung und zwei bis fünf Mil­li­me­ter Ver­schie­bung, mehr brauch­te es nicht.

Die­se gerin­gen Ver­stel­lun­gen sind unver­zicht­bar. Das Arbei­ten mit dem Flex­bo­dy ist gleich­sam Groß­bild-light. Moti­ve wie die­se sind es, bei denen ich den Spot-Belich­tungs­mes­ser (ich habe einen von Minol­ta) ein­set­ze. Ich mes­se die Lich­ter und die Tie­fen aus, sehe mir den Kon­trast­um­fang an. Anschlie­ßend lege ich fest, was im fer­ti­gen Bild wie wie­der­ge­ge­ben wer­den soll. Der Rest ist Hand­werk. Rich­ti­ge Ver­län­ge­rungs­fak­to­ren, pas­sen­de Ent­wick­lung …

Beim Pho­to­gra­phie­ren auf der Stra­ße – wie etwa bei den Bil­dern von Max – geht es vor allem ums Motiv, um das, was gezeigt wird. Ja, es wird kom­po­niert, das Motiv im Rah­men des Nega­tivs gezeigt. Dort lebt alles von der Hand­lung. Wie in einem guten Kri­mi­nal­ro­man. – Bei Bil­dern wie mei­nem Pilz aber geht es eher um Rhyth­mus und Form an sich. Ein Pilz wie ande­re eben. Sonst nichts.  Alles liegt im Bild selbst, in den For­men und den Ton­wer­ten. Eine lite­ra­ri­sche Meta­pher bleibt den Lesen­den über­las­sen.