Herbst­pilz – ana­log mit Flex­bo­dy…

Herbst­pho­tos bedeu­ten für die meis­ten far­bi­ges Laub. Für den, der in schwarz-weiß pho­to­gra­phiert, bie­tet sich das nicht an. – Immer wie­der erin­ne­re ich mich an Paul Strands spä­te Bil­der. Er war ja 1951 aus den USA nach Orge­val in Frank­reich über­sie­delt. In sei­nen letz­ten Jah­ren pho­to­gra­phier­te er in sei­nem Gar­ten. Die Bil­der sind erstaun­lich und beein­dru­ckend. Ähn­lich redu­ziert wie am Anfang sei­ner Wirk­sam­keit: Ganz kon­zen­triert auf die Ton­wer­te und die For­men.

Nah- oder Makro­auf­nah­men mit Mit­tel­for­mat oder Groß­bild sind etwas für Maso­chis­ten? Irgend­wie stimmt es. Man hat nie genug Schärfen­tie­fe. Muss weit abblen­den, so dass ein Sta­tiv unver­zicht­bar wird. Wenn man aber hal­be Minu­ten lang belich­tet, dann kommt der Schwarz­schild-Effekt erschwe­rend hin­zu. Bei Digi­tal­ka­me­ras schaut man, ob es denn so passt. – Ana­log muss man es vor­her wis­sen. Also mes­sen und rech­nen. Weit weni­ger intui­tiv ist das.

Der Flex­bo­dy

Das Bild oben ist ein Scan vom 6×6-Film. – Der Flex­bo­dy ist ein Bal­gen. Hin­ten wird ein Has­sel­b­lad (V-System)-Magazin ange­schlos­sen, vor­ne sitzt ein Has­sel­b­lad Objek­tiv (mit Zen­tral­ver­schluss). Der Bal­gen kann ver­scho­ben wer­den (also Hoch-​/​Tiefverstellung der Front). Er kann auch geneigt wer­den (neu­deutsch »Tilt«). Das lässt sich nut­zen, um die Schär­fee­be­ne nach Scheim­p­flug zu legen, und somit die sehr eng umgrenz­te Schärfen­tie­fe zumin­dest bewusst zu gestal­ten. Ein bis drei Grad Nei­gung und zwei bis fünf Mil­li­me­ter Ver­schie­bung, mehr brauch­te es nicht.

Die­se gerin­gen Ver­stel­lun­gen sind unver­zicht­bar. Das Arbei­ten mit dem Flex­bo­dy ist gleich­sam Groß­bild-light. Moti­ve wie die­se sind es, bei denen ich den Spot-Belich­tungs­mes­ser (ich habe einen von Minol­ta) ein­set­ze. Ich mes­se die Lich­ter und die Tie­fen aus, sehe mir den Kon­trast­um­fang an. Anschlie­ßend lege ich fest, was im fer­ti­gen Bild wie wie­der­ge­ge­ben wer­den soll. Der Rest ist Hand­werk. Rich­ti­ge Ver­län­ge­rungs­fak­to­ren, pas­sen­de Ent­wick­lung …

Beim Pho­to­gra­phie­ren auf der Stra­ße – wie etwa bei den Bil­dern von Max – geht es vor allem ums Motiv, um das, was gezeigt wird. Ja, es wird kom­po­niert, das Motiv im Rah­men des Nega­tivs gezeigt. Dort lebt alles von der Hand­lung. Wie in einem guten Kri­mi­nal­ro­man. – Bei Bil­dern wie mei­nem Pilz aber geht es eher um Rhyth­mus und Form an sich. Ein Pilz wie ande­re eben. Sonst nichts.  Alles liegt im Bild selbst, in den For­men und den Ton­wer­ten. Eine lite­ra­ri­sche Meta­pher bleibt den Lesen­den über­las­sen.

Pho­to­pro­jekt ab 1. Advent…

»You would’n find a talen­ted troll« (Sean Tucker, 2016)

Das Inter­net ist bequem. Belie­big vie­le Arbei­ten ande­rer kann man sich anse­hen. Eine gan­ze Anzahl von Lesen­den kom­men­tiert, und zwar oft nega­tiv. Wer sol­che Kom­men­ta­re erhält, kann sich immer­hin gewiss sein, dass das, was er/​sie online gestellt hat, beacht­lich ist. Sonst gäbe es kei­ne Auf­merk­sam­keit und kei­ne Trol­le. Kei­ne ent­spre­chen­den nega­ti­ven Kom­men­ta­re.

Wenn ich etwas schaf­fen möch­te, dann muss ich mich aufs Werk kon­zen­trie­ren, nicht auf das, was ande­re dazu den­ken. Das habe ich für einen Zeit­raum von sechs Mona­ten vor.

Ich habe beschlos­sen, ab dem 1. Advent ein ana­lo­ges Pho­to­pro­jekt zu star­ten. – Alle wesent­li­chen Din­ge im Leben gesche­hen wei­ter­hin ana­log. – Das soll ein hal­bes Jahr lang lau­fen. Ich wer­de wöchent­lich einen ana­lo­gen schwarz-weiß-Film belich­ten (gleich ob Klein­bild, Mit­tel­for­mat oder Groß­bild) und ent­wi­ckeln. Eini­ge der Auf­nah­men wer­de ich ver­grö­ßern, zumin­dest Kon­takt­ab­zü­ge will ich erstel­len.

Am Ende, nach einem hal­ben Jahr, möch­te ich eini­ge der Bil­der aus­stel­len. Ande­ren über­las­se ich es dann, sich ein Bild zu machen, ob ich in der Zeit Fort­schrit­te gemacht haben wer­de. (Sel­te­ne Gele­gen­heit für Futur II). – Ob ich hier Bil­der zei­ge, ent­schei­de ich dann.

Mono­chrom-Cast

Wenn ande­re Ver­pflich­tun­gen mir die Zeit las­sen, dann wer­de ich über die Pho­tos und mei­ne Ein­sich­ten eine Rei­he an Audio-Pod­casts anfer­ti­gen. Bis zum Ende des Pro­jekts wer­de ich hier kei­ne der Bil­der zei­gen. – In den Pod­casts aber, so hof­fe ich, erhal­ten Inter­es­sier­te einen Ein­blick. Viel­leicht ent­steht ein Bild im Kopf. Bei dem einen oder der ande­ren…

Die Zeit vor dem Moni­tor ist kost­bar. Wir alle haben viel zu tun, wobei wir nicht auf den Moni­tor sehen kön­nen. Ich den­ke, dass ein Pod­cast hilft, den man beim Kochen, Bügeln, Ein­schla­fen usw. hören kann. Selbst schät­ze ich Pod­casts. Fern­se­hen neh­me ich fast nicht wahr, ein Leben ohne Deutsch­land­funk und Pod­casts ist kaum denk­bar. Jeden­falls nicht wün­schens­wert.

War­um soll­te es in sol­chen Bei­trä­gen nicht um Bil­der gehen? Ums Arbei­ten im Labor, um das Nach­den­ken über Aus­schnitts­wahl, Gra­da­ti­on, Belich­tung, Ent­wick­ler? – War­um soll­te es nicht ums Pho­to­gra­phie­ren selbst gehen? Wenn ich eine Groß­bild­ka­me­ra mit­neh­me, fal­len Mikro­phon und Rekor­der kaum ins Gewicht.

Der durch­schnitt­li­che Pod­cast erreicht, so habe ich gele­sen, acht Fol­gen. Ich hof­fe, dass es bei mir mehr wer­den. Die wer­den in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den online gehen, kön­nen aber – z.B. über iTu­nesver­folgt wer­den. Als Titel habe ich »Mono­chrom-Cast« (nicht zu ver­wech­seln mit »mono-Chro­me­cast«) gewählt.

Auch hier, auf mei­ner Web­site, wer­den die Fol­gen erschei­nen. – Für die säku­la­ri­sier­ten unten den Lesen­den: Der 1. Advent ist am Sonn­tag, 27. Novem­ber 2016 und damit beginnt das neue Kir­chen­jahr und mein Pro­jekt.