Nach­dem ich im letz­ten Jahr kei­nen Kalen­der zusam­men bekom­men habe, gibt es nun wie­der einen. Im Jahr 2017 hat­te ich zahl­rei­che unter­schied­li­che Bil­der mit (und das ist es vor allem) viel­fäl­ti­gen Sei­ten­ver­hält­nis­sen: Qua­dra­ti­sche vom 6x6 Nega­tiv, 6x7 (»Ide­al­for­mat«), 4x5 (vom Groß­bild), dane­ben 2:3 (Klein­bild oder digi­tal) und aller­lei ande­res. Vor allem ergab sich kein the­ma­tisch schlüs­si­ges Kon­zept, in das mei­ne Bil­der gepasst hät­ten. Also habe ich Anfang Dezem­ber 2017, obwohl ich schon alles bereit­ste­hen hat­te, die Spi­ral­bin­dung erst­mals selbst zu machen, kei­nen Kalen­der erstellt.

Im Jahr 2017 hat­te ich sehr viel ana­log pho­to­gra­phiert; habe das Pro­jekt ver­folgt (bis in den Mai), einen Film pro Woche zu belich­ten und zu ent­wi­ckeln. Das war mir eine gute Übung, aber lei­der für einen Kalen­der nicht pas­send. – Im aus­ge­hen­den Jahr 2018 habe ich auch ana­log pho­to­gra­phiert, jedoch sind alle Bil­der im Kalen­der von digi­ta­len Vor­la­gen. Ein paar Tage lang war ich im März in Pal­ma de Mal­lor­ca, war in Lübeck und in Kiel im Herbst je für ein Wochen­en­de. Im Mai zwei Tage lang in Koblenz und ein­fach mal sonn­tags nach­mit­tags in Pader­born mit dem Motor­rad. Bei die­sen sehr kur­zen Urlau­ben bin ich viel her­um­ge­lau­fen, 20–30 km am Tag, habe hier und da einen Kaf­fee getrun­ken, mich auf eine Bank gesetzt. So ent­stan­den die Bil­der hier. Hin­zu kommt, dass ich manch­mal frei­tags nach­mit­tags in der Markt­hal­le bin, mir fei­ne Gemü­se anse­he, manch­mal etwas kau­fe und dann einen Cap­puc­ci­no trin­ke (– so ent­stand das Titel­bild).

Bil­der von Men­schen sind recht­lich mehr als in der Grau­zo­ne. Nie könn­te, dürf­te oder wür­de ich die­se Bil­der im Inter­net ver­öf­fent­li­chen. In mei­ner Kalen­der­auf­la­ge von < 20 Stück fin­de ich es jedoch trag­bar. Die gesetz­li­che Über­re­gu­lie­rung (DSGVO usw.) macht das krea­ti­ve Dasein schon sehr schwie­rig. Wenn ich alles genau näh­me, könn­te ich mei­ne ana­lo­ge Dun­kel­kam­mer schlie­ßen (Betriebs­stät­ten- und Umwelt­si­cher­heits­an­for­de­run­gen) und soll­te musi­ka­lisch von Jazz auf Barock oder alte Musik umstel­len (da sind die Urhe­ber­rechts­an­sprü­che ver­jährt) und mög­lichst bloß noch Pflan­zen­de­tails (bevor­zugt in öffent­li­chen Wäl­dern) auf­neh­men.

Die meis­ten mei­ner Bil­der (nicht im Kalen­der, son­dern bei dem, was ich auf­ge­nom­men habe) ent­hal­ten kei­ne Men­schen. Es han­delt sich um Struk­tu­ren, Details, Kon­tras­te. Mich inter­es­sie­ren Ton­wert­par­ti­tu­ren, also das, was als Aus­druck funk­tio­niert, dar­um habe ich ent­spre­chen­de Bil­der auf­ge­nom­men und teils lang­wie­rig aus­ge­ar­bei­tet (1–3 h je Bild sind da nicht außer­ge­wöhn­lich, son­dern eher der Nor­mal­fall). Inso­fern sind die Bear­bei­tung in Labor oder am Rech­ner ver­gleich­bar lang­wie­rig. – Mein Inter­es­se gilt dabei der Palet­te von weiß zu schwarz: Dass kein schwarz »absäuft« (und bloß noch schwarz ist) und kein weiß »aus­brennt« und eben zeich­nungs­lo­ses Weiß bleibt.

Dass das der aktu­el­len und der his­to­ri­schen jour­na­lis­ti­schen Pho­to­gra­phie nicht ent­spricht, ist mir wohl bewusst. – Der bri­ti­sche Pho­to­graph Sean Tucker (auch gelern­ter Theo­lo­ge) plä­dier­te jüngst in einem You­tube-Plä­doy­er für sehr dunk­le Bil­der, die in Kauf neh­men, dass Schat­ten auch sehr dun­kel wer­den. Das kann ich nach­voll­zie­hen, es ist die Ästhe­tik des Film Noir (– Ursprüng­lich ging es um die düs­te­ren Stof­fe (etwa eine fins­te­re Sor­te von Kri­mis etc.), die erzählt wur­den, aber eben zuneh­mend auch mit­tels stär­ke­rer Kon­tras­te, und das bedeu­tet nicht zuletzt: aus­ge­brann­ter Lich­ter und abge­sof­fe­ner Schat­ten. –), der 60er Jah­re »Low Key«-Photographie. Ich aber stre­be an, dass man Schuss- und Kett­garn im Anzug­stoff unter­schei­den kann, wenn man denn hin­rei­chend hin­sieht. Das gelingt nicht immer, aber ich arbei­te dar­an. Inso­fern ver­or­te ich mich eher in der Schu­le der deut­schen »neu­en Sach­lich­keit«. Zum Glück gibt es vie­le Wege zu inter­es­san­ten Bil­dern, viel zu ent­de­cken im All­tag. Das ist mir ein wich­ti­ger Punkt mei­ner Bil­der: Ich sehe mehr­mals genau hin: Bei der Auf­nah­me und fast noch mehr beim Aus­ar­bei­ten.

Zur hand­werk­li­chen Sei­te:

Die Bil­der (13 Pho­tos je Kalen­der = 12 Monats­bil­der und Deck­blatt) habe ich am Epson Stylus Pro 3880 mit dem Quad­to­ne-RIP gedruckt. Das ist bei 19 Exem­pla­ren ziem­lich lang­wie­rig – 247 Sei­ten sind ja auch schon etwas, wenn man zehn Bil­der pro Stun­de rech­net (und das ist eher hoch gegrif­fen), so erge­ben sich gut 41 Stun­den Druck­zeit.

Weil das Mate­ri­al der Pho­to­sei­ten (Epson Lust­re Pho­to Paper) nicht gut manu­ell zu beschrif­ten ist (es soll ja Men­schen geben, die ins Kalen­da­ri­um etwas ein­tra­gen möch­ten), habe ich das Kalen­da­ri­um (erstellt in Apple-Pho­tos, Export als pdf, dann wei­te­re Anpas­sun­gen in Affi­ni­ty Desi­gner) auf mat­tes Papier gedruckt (an einem Canon-Ink­jet-MFP). Das Pho­to hängt jeweils oben, das Kalen­da­ri­um nach unten, bei­de ver­bun­den durch eine Draht­spi­ral­bin­dung. Da habe ich im Herbst 2017 (nach­dem ich das frü­her beim Fein­buch­bin­der habe machen las­sen) eine Stan­ze und Bin­de­ma­schi­ne erstan­den. Ab der zwei­ten Kalen­der­edi­ti­on, die ich selbst fer­ti­ge, rech­net sich das. Eine Papprück­wand liegt hin­ter dem Dezem­ber-Kalen­da­ri­um, ein 112 g/m²-Trans­pa­rent­pa­pier mit dem Titel (und mei­nem Namen usw.) vor dem Titel­bild, so dass die­ses durch­scheint. Das Trans­pa­rent­pa­pier ist am Laser­dru­cker bedruckt, die Gestal­tung wie­der aus Affi­ni­ty Desi­gner. Das Stan­zen, Ein­hän­gen in die Draht­spi­ra­le, dabei jeweils Zusam­men­tra­gen der Bil­der und Kalen­da­ri­ums­blät­ter in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge und das Abschlie­ßen­de Ver­schlie­ßen der Spi­ra­le hält doch gerau­me Zeit auf. Wer es nach­ma­chen möch­te, der/​die soll­te hier reich­lich rech­nen.

Das Auf­hän­ge­loch (vom Trans­pa­rent-Titel bis vor das Dezem­ber Kalen­da­ri­um) boh­re ich jeweils (auf einer Schneid­un­ter­la­ge und einer Lage dün­ner Pap­pe) mit so einem Zenith-Papier­boh­rer (gibt es bei z.B. Boe­s­ner).

In zahl­rei­chen Jah­ren habe ich mei­nen Kalen­der dru­cken las­sen. Die Kos­ten waren ver­gleich­bar (bei damals 20–30 Exem­pla­ren), so aber ist die Qua­li­tät des Drucks (Pig­ment­tin­te mit Quad­To­ne-RIP) deut­lich über dem, was mir gute Dienst­leis­ter aus dem 4‑Farb-Druck boten. Kalen­da­ri­um und Bin­dung sind noch nicht per­fekt, aber nicht schlecht. – Der Vor­teil der Selbst­fer­ti­gung besteht dar­in, dass ich ggf. ein Exem­plar nach­ma­chen kann, dass ich zeit­lich fle­xi­bel bin. Spät erst habe ich das (jet­zi­ge) Titel­bild statt eines Bil­des mit Men­schen im Café gewählt. Es bie­tet mehr Ruhe, gera­de auch für den dar­über lie­gen­den trans­pa­ren­ten Titel.