über den Ver­zicht auf Bil­der von Men­schen…

Wider Erwar­ten geht es hier nicht um die Euro­päi­sche Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung, es geht dar­um, wes­halb ich der­zeit kaum Bil­der von Men­schen auf­neh­me und wes­halb ich die­se – wenn eben doch – ana­log den Abge­bil­de­ten zukom­men las­se:

In den NATO-Nach­rüs­tungs­de­bat­ten for­der­te der Alt-Kon­ser­va­ti­ve Paul Carell (immer­hin im 3. Reich Pres­se­spre­cher des Außen­mi­nis­ters) die »Vor­ne­ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten« der Bun­des­wehr aus­zu­bau­en. Als Jour­na­list, als der er arbei­te­te, for­der­te er die Fer­ti­gung von Neu­tro­nen­waf­fen, die – so die Theo­rie – mehr Scha­den bei Mensch und Tier anrich­ten und weni­ger durch Spreng- und Brand­wir­kung scha­den. Zwar ver­ste­he ich wenig von Kern­waf­fen, aber doch so viel, um zu wis­sen, dass das rela­tiv zu ande­ren Nukle­ar­waf­fen zutrifft, aber doch nur rela­tiv klei­ne Unter­schie­de sind.

Das Bild oben könn­te so eine Stra­ßen­ca­fé-Auf­nah­me sein: Nach dem Ein­satz einer ent­spre­chen­den Neu­tro­nen­bom­be, eben ohne Mensch und Tier. Mir ist ein Pos­ter aus mei­ner Jugend im Kopf, das die­sen Auf­druck trug.

Nun aber zurück zum The­ma: War­um kaum Bil­dern von Men­schen der­zeit? Ich schät­ze Men­schen und möch­te sie nicht zum Objekt machen. Bil­dern, in denen Model­le qua­si Klei­der­stän­der oder Schmuck­trä­ger sind, machen Men­schen zu Objek­ten.

Die ande­ren Bil­der, ech­te Por­traits, die etwas von der See­le des Por­trai­tier­ten zei­gen, sind mir zwar viel­leicht in unse­rem Ver­hält­nis von Mensch zu Mensch ange­bracht, sie eig­nen sich aber nicht für ein (grö­ße­res) Publi­kum, dafür sind sie, wenn­gleich voll­kom­men beklei­det, zu intim.

Kommt aber nichts von der Per­sön­lich­keit zum Tra­gen, dann wäre ein ent­spre­chen­des Bild völ­lig bedeu­tungs­los und es bräuch­te nicht auf­ge­nom­men zu wer­den.

Es geht also für mich weni­ger um recht­li­che Fra­gen der »Rech­te am Bild« (durch den Pho­to­gra­phen) und am »eige­nen Bild« (sei­tens des Por­trai­tier­ten), es geht um das, was ich ver­tret­bar fin­de, um ethi­sche Kate­go­ri­en und mora­li­sche Ein­ord­nun­gen im Zeit­al­ter der Repro­du­zier­bar­keit von »Kunst­wer­ken«. Bei digi­ta­len Bil­dern ist das ja belie­big mög­lich. Wür­de das Bild nicht vom Ser­ver auf den Rech­ner, das Smart­pho­ne der Betrach­ten­den über­tra­gen, gäbe es nichts zu sehen.

Mein Nach­den­ken zum The­ma befruch­te­te die erneu­te Lek­tü­re des klas­si­schen Tex­tes John Ber­gers »War­um sehen wir Tie­re an?« und mei­ne Fest­stel­lung, dass ich ungern Zoo­tie­re betrach­te und noch weni­ger gern pho­to­gra­phie­re, denn die kön­nen nicht weg. Ich sehe ihnen beim Fres­sen, Schla­fen, bei der Paa­rung und immer­zu zu. – Und das fin­de ich unan­ge­bracht.

Vor zwölf Jah­ren sah ich im städ­ti­schen Kunst­mu­se­um in Pal­ma auf Mal­lor­ca eine Aus­stel­lung namens »Por­trait und Mas­ke«, die eben die­sen Unter­schied auf­zei­gen woll­te: Zwi­schen Bil­dern, die etwas mehr von einem Men­schen zei­gen und Bil­dern von der (bloß äußer­li­chen) Mas­ke bzw. Scha­le.

Wenn ich Bil­der von Men­schen mache, dann bin ich mir zumin­dest bewusst, dass ich in ihre Intim­sphä­re ein­drin­gen muss, wenn ich ein rele­van­tes Bild auf­neh­men möch­te. – Andern­falls braucht es kein Bild.