Ein Expe­ri­ment: ana­log s/w pho­to­gra­phie­ren 003

Nun haben wir die Kame­ra, den schwarz-weiß Film und auch einen Belich­tungs­mes­ser. Jetzt kann es also los­ge­hen mit den Auf­nah­men. Dabei gilt es zu beach­ten, dass der Ver­zicht auf Far­be ja zu einer Ver­frem­dung und Abs­trak­ti­on der Bil­der rela­tiv zum auf­ge­nom­me­nen Objekt führt. – Viel­leicht ist dies sogar der eigent­li­che Grund, schwarz-weiß zu pho­to­gra­phie­ren?

Wer »etwas« auf­nimmt, weil es sie oder ihn anspricht, kommt schnell dahin, zu bemer­ken, dass ein­zel­ne Bil­der bes­ser oder schlech­ter funk­tio­nie­ren in schwarz-weiß. Wenn die­ses Umden­ken vor der Auf­nah­me geschieht, dann hat man das erreicht, was manch­mal mit dem Über­gang zwi­schen Knip­sen und gestal­te­ter Pho­to­gra­phie beschrie­ben wird. – In Zei­ten, in denen der Ton bei Digi­tal­ka­me­ras aus­ge­schal­tet wer­den kann, ist das ono­ma­to­poe­ti­sche Wort »knip­sen« weni­ger ange­bracht.  Ich spre­che lie­ber vom Prä­vi­sua­li­sie­ren für die Vor­stel­lung vom fer­ti­gen Bild vor der Auf­nah­me.

Der wesent­li­che Punkt ist dabei, dass ich nicht »etwas« fest­hal­te, son­dern ein Bild im Kopf mit pho­to­gra­phi­schen Mit­teln umset­ze. – Das erfor­dert Übung. Viel­leicht hilft ein »mono­chro­ma­ti­sches Betrach­tungs­fil­ter«, das frü­her unter der Kod­ak-Bezeich­nung »Wrat­ten #90« zu haben war. Die­ses Fil­ter lie­fert, wenn man es nur kurz vor die Augen nimmt, ein Bild ähn­lich der Anmu­tung eines schwarz-weiß Pho­tos. – Ein Nach­fol­ge­pro­dukt ist von Tif­fen erhält­lich, falls jemand so etwas wünscht; ich stel­le fest: Inzwi­schen auch schwie­rig zu bekom­men.

Bild­ge­stal­tung in schwarz-weiß

Klar: Schwarz-weiß Bil­der leben nicht von den Far­ben, son­dern von den For­men und Struk­tu­ren. Im Bild soll­ten die­se also auch eine ent­spre­chen­de Rol­le spie­len. Die Kom­po­si­ti­on mit füh­ren­den Lini­en, Flä­chen- und Form­kon­tras­ten auch dem, was neu­deutsch »nega­ti­ve space« (also der Ver­tei­lung von etwas und nichts im Bild) heißt, dar­auf kommt es an.

Wenn man das Den­ken von Bil­dern in schwarz-weiß ein­übt, bleibt der zwei­te Schritt, die Umset­zung. – Die ist wegen der Bedeu­tung der Kom­po­si­ti­on viel­leicht ein­fa­cher vom Sta­tiv aus. Zumin­dest dann, wenn es sich um Land­schafts-, Archi­tek­tur- oder ähn­li­che Moti­ve han­delt, kurz: Alles, das still­hält. Kom­po­si­ti­on im Augen­blick, wie etwa die Street Pho­to­gra­phy das erfor­dert, ist die hohe Schu­le.

Belich­tung

Beim Pho­to­gra­phie­ren auf Film bleibt, dass man auf die Schat­ten belich­tet und auf die Lich­ter ent­wi­ckelt. So weit die rei­ne Leh­re, was bei unter­schied­li­chen Moti­ven auf einem Film mit z.B. 36 Auf­nah­men deut­lich schwie­ri­ger ist als bei Groß­bild-Plan­fil­men, wo jedes Bild ein­zeln ent­wi­ckelt wer­den kann. Den­noch gilt: Was auf dem Nega­tiv nicht durch­ge­zeich­net ist, also die »durch­sich­ti­gen Stel­len« im Film, da kann man nichts ret­ten: Die­se Par­ti­en kön­nen nur schwarz wie­der­ge­ge­ben wer­den.

Gegen­über dem teils gna­den­lo­sen digi­ta­len Bild, ist ein Vor­zug des Arbei­tens auf Film, dass als scharf gilt, wenn das Film­korn scharf wie­der­ge­ge­ben wird. Bei Fil­men mit höhe­rer Emp­find­lich­keit (also etwa ISO 400/27°) gibt es durch­aus sicht­ba­res Korn – zumin­dest im Klein­bild-For­mat. Wenn das Korn scharf wie­der­ge­ge­ben wird, ist eine leich­te Bewe­gungs­un­schär­fe m.E. deut­lich eher ver­zeih­lich. Das ist ein Unter­schied zwi­schen dem ana­lo­gen und digi­ta­len Pho­to­gra­phie­ren, über den wenig nach­ge­dacht wird in der Lite­ra­tur und im Inter­net. Unschär­fe im Motiv (sei es durch die sehr begrenz­te Schärfen­tie­fe oder durch Bewe­gungs­un­schär­fe) wird bei Auf­nah­men auf Film, gera­de sol­chen, die das Film­korn scharf zei­gen, als weni­ger stö­rend emp­fun­den.

Nun gilt es also, einen Film mit pas­sen­den Auf­nah­men zu fül­len.

Fort­set­zung folgt…