Ein Experiment: Analog s/w photographieren 002

Nachdem wir nun einen Film und eine Kamera haben, stellt sich die Frage, wie wir die Belichtung bestimmen. Sollte die Kamera Belichtungszeit und Blende selbst wählen, haben wir keine andere Wahl. Ideal aber wäre es, wenn wir hier selbst vorwählen könnten.

Gerade ältere Kameras haben oft keinen Belichtungsmesser eingebaut (oder – auch nicht schlecht) Zeit und Blende funktionieren leidlich genau manuell, der Belichtungsmesser aber erfordert eine Batterie (die leer ist, ausgelaufen oder nicht mehr erhältlich oder was auch immer): Dann müssen wir selbst messen.

Belichtung messen mit einer App (iOS)

iOS-App Pocket Light Meter

Ich kann Pocket Light Meter sehr empfehlen. Das ist eine kostenlose App, bei der alles Erforderliche enthalten ist. Die Filmempfindlichkeit stellt man ein, wählt Zeit oder Blende und der je andere passende Parameter wird für das Motiv im markierten Feld angezeigt.

Die Empfindlichkeit ist subjektiv

Der ISO-Wert ist in seiner Messung zwar standardisiert, ich empfehle aber, diesen (für den Anfang und als Faustformel) um 1/3 bis 2/3 Stufen niedriger anzusetzen als auf der Packung abgedruckt. Somit wird der Film entsprechend überbelichtet.

Wenn beim digitalen Photographieren gilt: “expose to the right” (also auf die Lichter belichten, so nämlich, dass die nicht ausbrennen, clippen, übersteuern), so gilt beim Film das Umgekehrte: Auf die Schatten wird belichtet. Die hellen Stellen im Bild stellen für den Film keine große Herausforderung dar. Wo aber der Film durchsichtig ist, da ist einfach bloß schwarz. Also lieber etwas reichlicher belichten!

Wer es genau nimmt und selbst entwickelt, der wird die Entwicklung und die Empfindlichkeit an den Motivkontrast anpassen (“Zonenmesssystem”), aber das ist nichts für den Anfang. – Grundsatz also: Lieber etwas reichlich belichten als zu knapp.

Welche Filmempfindlichkeit brauche ich denn?

Das kommt auf die Verhältnisse an: Wenn ich draußen photographiere, kann ich mit ISO 100/21° auskommen (also effektiv ISO 80/20° bzw. ISO 64/19°, wenn ich um 1/3 bis 2/3 reichlicher belichte, wie empfohlen). Ich erhalte dann Belichtungszeiten, die sich im Hellen durchaus aus der Hand machen lassen. Bei Blende 2.8, 4 oder 5.6 werde ich 1/60 s oder 1/125 s erhalten. In praller Sonne auch weniger lange Zeiten. Innenräume erfordern bei dieser Empfindlichkeit aber ein Stativ (und das macht es wieder unbequemer).

Für ein erstes Experiment mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen empfehle ich ISO 400/27° als Ausgangspunkt. Ja, das ist ist mehr als ich draußen brauchte, aber ich habe auch im Schatten noch genug Reserven. Auch für sich bewegende Motive ist die höhere Empfindlichkeit willkommen, so lassen sich Sportler einfrieren.

Gegen zu kurze Zeiten helfen Graufilter (die ändern nichts, außer dass sie Licht schlucken, somit kann man länger belichten, was Wasser fließend erscheinen lässt etc.)

Fortsetzung folgt…