Liebe Lesende,
das Thema der Negativ– und Diascans ist weit entfernt von dem, was die meisten annehmen: Ich beklagte mich über die automatischen Scans, die Rossmann (also Fuji) einem bietet, wenn man seinen schwarz-weiß Film auf Farbfilmbasis (»chromogenen Schwarzweißfilm«) dort zum Entwickeln und Scannen einschließlich Sicherung auf CD-R abgibt. Hier schon danke ich Max, der die Bilder mit meiner Zeiss Ikon und einem Leica M 2,0/50 von mir gemacht hat. Klar ist, dass bei diesem Film nicht die höchste Auflösung zu erwarten ist. Aber es soll ja auch am »gewöhnlichen« Photographieren ausgerichtet sein. Klar kann man mit guten Trommelscannern einigermaßen mehr aus den Filmen herausholen. Einen sehr instruktiven Test gibt es hier. Aber: Wer hat schon einige 10.000 bis 100.000 € plus Fachpersonal zur Hand?
Es geht hier also um folgendes: Viele Kleinbildphotographierende möchten auch »hybrid« arbeiten, also den Film in der Kamera je nach motivlichen und anderen Gegebenheiten wählen einerseits, dann aber die Nachbearbeitung digital durchführen. Dabei ist die kritische Schnittstelle die Digitalisierung der Filme. Ich habe einfach mal drei Schritte im Vergleich vorgenommen: Einen dafür mutmaßlich besonders geeigneten Film habe ich zu Rossmann zum Entwickeln und Scannen gegeben. Und ich bekam außer den Negativen eine CD-R mit den Daten zurück. Anschließend habe ich die selben Negative mit einem Epson 4990 und einem Nikon Coolscan 9000 ED digitalisiert.
Der Bildschirm Schnappschuss zeigt es, wie wenig »monochrom« Rossmann die Daten geschafft hat, dazu habe ich bewusst das Diagramm einbezogen. Die eigentliche Tücke liegt aber in den nur unzureichenden Gradation: Die Lichter sind einigermaßen ausgebrannt und die Schärfe ist mäßig. Ein Klicken aufs Bild vergrößert es, dann können es technisch interessierte Lesende auch wirklich beurteilen.
Nach einigen Bearbeitungsschritten (angemessene Umrechnung in wirkliches Schwarz-Weiß usw., etwas Feinarbeit an der Tonwertkurve) sieht der Scan vom Großlabor eigentlich ganz gut aus, so, dass man bis 13 cm x 18 cm Bilder von den Daten anfertigen lassen könnte. Optimal aber geht das nicht, weil eine neutrale Graustufenwiedergabe im Großlabor nicht das Merkmal der Prozessoptimierung darstellt. Besser geht es, mit einem profilierten Drucker wie meinem HP-Proofgerät und einem passenden
schwarz-weiß Farbprofil. Wie gesagt: Bis A5 kann man damit glücklich werden und beim ISO 400/27° Film sind ja nicht die feinsten Details so maßgeblich. — Nebenstehend also das Bild. Die Kompression als jpeg macht es bei den Großlabor-Scans nicht besser. Guckt Euch das Bild mal mit 100 % Größe an.
Die nächste Stufe ist mein bewährter und geschätzter Epson 4990-Scanner, der mit VueScan-Software und mehrfach-Abtastung für Mittelformat und Großbild durchaus überzeugt. Leider ist die optische Auflösung, die er effektiv bringt (vgl. etwa auch hier, Test vom Nachfolger) nur bei ca. 2000 dpi, was für das Kleinbildformat mit seinen nur 24 mm x 36 mm deutliche Grenzen setzt. Ich finde, dass mit etwas »Handarbeit« eine deutlich bessere Wiedergabe erreicht werden kann das Großlabor sie liefert.
Ja, ich gebe zu, der Bildschirm-Schnappschuss ist etwas zu dunkel auf manchen Monitoren - und in der Datei ist ein Farbprofil meines Monitors eingebettet, was man vieleicht auch nicht unbedingt braucht fürs Netz… Aber ich bitte mal auf die Schärfe zu achten. Und die Tonwertskala ist ja vorhanden. Man kann also leicht die Hauttöne etwas heller wiedergeben. Auf jeden Fall sind meine grauen Haare leicht differenzierbar. Was sehr komfortabel ist, das ist der Scanvorgang an sich mit dem Epson: Eine Vorschau aller Negative im Filmhalter ist fix erzeugt, der Rahmen ausgewählt oder ein Ausschnitt bestimmt. Und einige Minuten später ist das Werk vollbracht und die Daten sind auf der Festplatte.
Zum letzten Bildschirm-Schnappschuss: Bei diesem recht grobkörnigen Film ist es begrenzt nützlich, ihn mit sehr hohen Auflösungen zu scannen. Ich habe es dennoch mal getan mit 4000 dpi auf einem Nikon Coolscan 9000 ED. Das Bild steht hier rechts. 
Der Nikon Scanner ist ein Biest: Er ist doppelt so »raumgreifend« wie das Epson Modell, und auch Vorschau, Ausschnittwahl usw. sind nicht so komfortabel (und schnell) wie beim Epson, obwohl ich VueScan mit den zahlreichen Möglichkeiten sehr schätze. Aber die Scanqualität ist es, auf die es schließlich ankommt. Also bin ich bereit, notfalls mit »Zwischengas« zu kuppeln usw. Auch hier empfiehlt es sich, das Bild anzuklicken und zu vergrößern, bis es mit 100 % dargestellt wird. Bei diesem grobkörnigen Film ist zumindest einiges an »Kornschärfe« (sofern man das bei Farbstoffwolken sagen kann) sichtbar. Auch den Nikon Scanner habe ich mit Vuescan betrieben und mehrfach abtasten lassen.
Ich sollte gelegentlich noch einmal das vollständige Negativ beifügen… Auf jeden Fall finde ich, dass mit einer so gescannten Vorlage ein A3 bis A2-Druck möglich ist. Gerade bei kleineren Endformaten finde ich aber die chemischen Vergrößerungen von einer ganz anderen Qualität: Da bestimmt dann nicht ein Raster eines Druckers, was an Informationen wiedergegeben wird, sondern ich kann beim klassischen Analog-Bild notfalls mit der Lupe mehr und immer mehr entdecken.
Während ich diesen Text hier fertigschreibe, sitze ich vor Arbeitsbeginn in meinem Büro und sehe auf Ansel Adams »In Golden Canyon, Death Valley« von 1948 auf dem Kalender, der mich in diesem Jahr erfreut. Ich betone: 1948! Feine Bilder waren auch da machbar, ganz ohne sich um Farbprofile oder Details der Scansoftware zu kümmern.
Noch zwei erhellende Texte zum Thema »Magic Bullet« — also: »Wenn ich dieses oder jenes Werkzeug hätte oder benutzte, dann…« — einmal photographisch und einmal musikalisch (da besteht genau das selbe Risiko, sich in allerlei Technik-Esoterik zu verrennen!)
Das ist ein sehr schönes Bild von dir, Frank — das beste, was ich von dir gesehen habe. SEHR GUT!