Rue Royale live in Göttingen

Ein Kel­ler­raum einer Kneipe in der Göt­tin­ger Innen­stadt am 18. Februar die­ses Jah­res. Ein Klein­wa­gen voll Inter­es­sier­ter aus Han­no­ver, einige wei­tere Bekannte, die in Göt­tin­gen zu uns sto­ßen. Danke an Katha, Sara, Max, Simon und Mar­kus. Wir tref­fen uns erst in einer Studi-WG nahe dem Ver­an­stal­tungs­ort, und als wir schließ­lich an der Kneipe ankom­men, der Ein­tritt ist frei, da stel­len wir fest, dass der »Kon­zert­raum«, ein Kel­ler etwa von den Maßen des Jugend­raums in Ander­ten, bereits gut gefüllt ist. So gut, dass ich mich hin­ter einem Sofa und halb in den Spiel­stan­gen eines zur Wand geklapp­ten Tisch­fuß­balls ein­richte. Schließ­lich möchte ich ja nicht bloß hören, son­dern auch sehen.

Rue Royale sind ein Ehe­paar, das feine Musik macht, er spielt Gitarre und Bass-Drum mit dem Fuß, dazu wird gesun­gen, sie bedient ein Glo­cken­spiel, aller­lei Percussion-Kram und singt eben­falls. In Göt­tin­gen steu­erte noch ein Kol­lege aus den Nie­der­lan­den Kla­vier– oder Bass-Sounds vom Key­board bei. Das musi­ka­li­sche Kon­zept ist aus­ge­spro­chen ein­fach, und mich spricht es sehr an. Wenn man erst­mal begrif­fen hat, dass die Gitarre einen hal­ben Ton tie­fer gestimmt ist, dass manch­mal ein Capo­das­ter zum Ein­satz kommt, dann ist es kein Pro­blem, die Gitar­ren­be­glei­tung in einem Nach­mit­tag raus­zu­hö­ren. Und trotz die­ser funk­tio­na­len Ein­fach­heit finde ich, dass die Musik aus­ge­spro­chen gut funk­tio­niert. Sie groovt, die Stim­men pas­sen sehr gut zusam­men. Das Glo­cken­spiel ist fein und das Gitar­ren­spiel zwar nichts beson­de­res, aber doch sehr zweck­dien­lich. Weil ich auf diese Cha­rak­te­ri­sie­rung des Spiels schon mehr­fach ange­spro­chen wurde, ver­su­che ich hier mal zu ver­deut­li­chen, was ich damit meine:  Wenn jemand Gitarre als Lied­be­glei­tung ein­setzt, als Singer-Songwriter o.ä., dann ist es meist so, dass es darum geht, die Fin­ger auf dem rech­ten Platz zu haben. Also die rich­tige Saite im X. Bund zu drü­cken. Das ist wie jemand, der Orgel spielt. Wer die Gitarre als Instru­ment allein benutzt, wird sich bemü­hen, dahin zu kom­men, dass die Töne leben. Es geht um die Unter­schiede zwi­schen Stac­cato und Legato, um Bin­dings, um die Frage, wie lange jeder ein­zelne Ton klin­gen soll und wie man von einem zum nächs­ten Ton gelangt. Als Ver­gleich: Der Anschlag beim Kla­vier, an dem man bestimmte Pia­nis­ten klar erken­nen kann. Bei Rue Royale ist es eher wie beim Orgelspiel…

Wei­ter zum Kon­zert: Es war wirk­lich feine Musik. Vor allem war, zumin­dest um mich herum, ein Freund war da nicht so glück­lich, das Publi­kum ruhig, was bei so zer­brech­li­cher Musik erfor­der­lich ist.

Zu den Bil­dern: Ankli­cken ver­grö­ßert die Auf­nah­men. Mehr war nicht drin, mit einem 400 ASA Film und einem Leica M 2,0/50 Objek­tiv auf der Zeiss Ikon ZM. 1/8 s bei voll geöff­ne­tem Objek­tiv. Aber dass Musi­ker unter einer 60 W Glüh­lampe spie­len, der Raum sonst mehr oder weni­ger von eini­gen fun­ze­li­gen Lich­tern erhellt wird, das hatte ich nicht erwar­tet. Über­haupt aber fand ich, gerade wegen der Inti­mi­tät der Atmo­sphäre, die gut zur Musik passte, die­ses ein beson­ders gelun­ge­nes Konzert.

Zuge­ge­ben war die Nacht kurz, als ich gegen 1:15 Uhr in mei­nem Bett ankam und die Aus­sicht genie­ßen durfte, Tags drauf um 8 Uhr an mei­nem Schreib­tisch erwar­tet zu werden.

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