Photographie analog und digital: Ziemlich unfrisierte Gedanken!

Ges­tern, am 3. Novem­ber, schrieb Ken Rock­well auf sei­ner Seite, dass die Schnapp­schuss Pho­to­gra­phie­ren­den mitt­ler­weile auf digi­tal umge­stellt haben, Rock­wells Mut­ter etwa. Er stellt aber auch fest, dass bei den ernst­haft pho­to­gra­phie­ren­den (denn »Pho­to­graph« ist ja eine geschützte Berufs­be­zeich­nung hier­zu­lande) eben­so­viel wie frü­her ana­log pho­to­gra­phiert werde.

Zu mei­nen Erfah­run­gen: Seit über 25 Jah­ren ver­ar­beite ich meine Auf­nah­men selbst, teil­weise auch die far­bi­gen mit damals Cibachrome, mit RA-4 und den Vorläufer-Prozessen. Eine Zeit lang habe ich E6 und C-41 auch ent­wi­ckelt. Weil aber mein Inter­esse immer mehr und fast aus­schließ­lich den schwarz-weißen Bil­dern gilt, ist das Ver­hält­nis von s/w zu Farbe bei mir seit Jah­ren ca. 90/10. Die far­bi­gen Bil­der, die ich mache, sind heute ent­we­der (sel­te­ner) auf Dia­film, meist im Mit­tel­for­mat. Anschlie­ßend wer­den die dann gescannt, digi­tal bear­bei­tet und ent­we­der zum Labor geschickt oder aber fein gedruckt. Men­gen­mä­ßig ist das ein gerin­ger Teil. Die ande­ren far­bi­gen Bil­der ent­ste­hen digi­tal (und die sind mir zwar viel weni­ger wich­tig, aber um so lie­ber von ande­ren genom­men). Für ein paar Cent bringt das Groß­la­bor heut­zu­tage meine Dateien zu Papier, und dies (kor­rekte sRGB-Daten vor­aus­ge­setzt) ziem­lich repro­du­zier­bar. Nur: Wenn ich ein gutes Dia auf dem Leucht­pult habe, dann sind auch gute Moni­tore weit abge­schla­gen. Und wenn ich Scala-Dias (schwarz-weiß), gerade in 6 x 6 oder 6 x 7, betrachte, dann ist ein Druck weit abgeschlagen.

Ich schätze ja vor allem das schwarz-weiße Bild. Und zu die­sem Bild, ana­log auf­ge­nom­men und mög­lichst auch ver­grö­ßert, sehe ich keine echte Alter­na­tive. Sicher, ich selbst arbeite auch hybrid: Scanne meine Filme. Aber ich weiß, was ich so alles an Qua­li­tät ver­schenke. Es ginge ja auch anders, und auch dann, wenn es mehr Mühe ist und ein höhe­res Risiko des Total­ver­lusts bie­tet (Trock­nungs­feh­ler: noch ein­mal den Abzug/die Ver­grö­ße­rung neu anfer­ti­gen), Feh­ler beim Auf­zie­hen: noch ein­mal bitte usw. so liebe ich doch die fei­nen Abstu­fun­gen, die eben nicht in einem Ras­ter ver­lo­ren­ge­hen, son­dern — zumal bei hoch­auf­lö­sen­den Fil­men — immer schär­fer wer­den, je genauer man hin­sieht. Weil ich genau die­sen Effekt liebe, ver­grö­ßere ich nicht son­der­lich stark. Fürs Klein­bild reicht mir meist 13 x 18 cm², beim Mit­tel­for­mat meist 22 cm x 22 cm auf 24 x 30 cm² Papier, gele­gent­lich auch mal 28 x 28 cm² auf 30 x 40 cm². Und auch im Groß­bild reicht mir die­ses For­mat eigent­lich (fast) immer. Dar­über hin­aus finde ich den Ton­wert­ver­lust zu hef­tig. Aber ich bin auch kurz­sich­tig, und nehme gerne mal die Brille ab, um dann auch noch 1/4 Ras­ter­punkt große Schrift lesen zu können.

Wegen des gro­ben Ras­ters im Druck (und ich finde meine Dru­cke mit einem HP Desi­gnjet 30 und dem pas­sen­den Pro­fil »gelb-1″ deut­lich bes­ser als RA-4 schwarz­weiße Bil­der von Fuji, wir­ken diese gedruck­ten Bil­der lei­der erst ab einer gewis­sen Größe. A4 ist meist in Ord­nung, A3 schö­ner. Mehr aber bringt es auch nicht recht (abge­se­hen davon, dass ich mir kei­nen grö­ße­ren Dru­cker hin­stel­len möchte). Wer es grö­ßer haben möchte, der sollte zunächst beim Scan­ner im Lotto gewin­nen und Platz haben für einen guten Trom­mel­scan­ner.

Mein Scan­ner ist nicht schlecht. Bei Mit­tel­for­mat oder Groß­bild lässt sich eini­ges aus den Vor­la­gen her­aus­ho­len, aber: Ana­log geht so viel mehr, dass es eine Schande ist, ein Gut­teil der Infor­ma­tio­nen des Films ein­fach weg­fal­len zu lassen.

Wie­der mit Ken Rock­well gesagt:

Black-and-White Prints

If I shot B/W I’d still be in the dar­kroom and shoot not­hing but 4×5″ film. Digi­tal cap­ture opti­mi­zed for color.

Und wei­ter sagt Rock­well an sel­ber Stelle:

Tex­ture in B/W Prints

I work in color, and digi­tal is fan­tas­tic for color. Color pho­to­gra­phy uses color where B/W uses tex­ture. Thus color looks great prin­ted at the 300 DPI limit of modern electro-optical printers.

Tex­ture is a cri­ti­cal, pri­mary ele­ment of B/W pho­to­gra­phy. Tex­ture is only secon­dary in color pho­to­gra­phy. My color work often has no tex­ture: it’s about inter­play among bold swat­ches of color.

Rock­well hat es auf den Kopf getrof­fen. Wenn ein schwarz-weißes Bild von den fei­nen Struk­tu­ren und Tex­tu­ren lebt, dann braucht es eben eigent­lich die Ver­klei­ne­rung vom Groß­bild oder zumin­dest den Kon­takt­ab­zug. Alles andere, ins­be­son­dere irgend­wel­che Ver­su­che eines Blow Up sind an sich schon ver­werf­lich, zumin­dest dann, wenn es um Ton­werte geht, und worum sonst könnte es gehen?

Vor eini­gen Tagen sah ich die Doku­men­ta­tion James Nacht­wey, Kriegs­fo­to­graf, von 2001 mit drei Freun­den. Nacht­weys Bil­der finde ich teils außer­or­dent­lich gut, aber er ist eben Bild­jour­na­list, er möchte mit den Bil­dern eine Geschichte erzäh­len. Wenn das mit den Auf­nah­men gelingt, und ihm gelingt es meist, dann ist sein Ansatz erfolg­reich. Als ich in Ber­lin vor Jah­ren, ich meine 2003, die Aus­stel­lung sei­ner Bil­der sah, da erdrück­ten sie mich fast. — Aber: Als Bild fand ich vie­les zu groß ver­grö­ßert. Vom Klein­bild­ne­ga­tiv auf über 1 m², das sollte man nicht machen, wenn es um Ton­werte geht. Und inso­fern waren mir die Aus­stel­lungs­bil­der zu effektheischend.

Die Nähe zu den Men­schen und die Mensch­lich­keit Nacht­weys sowie seine vir­tuose Tech­nik finde ich ein­drucks­voll, aber Bil­der, die sich in Sil­ber­körn­chen vor den Augen des Betrach­ters zer­le­gen, sobald man näher her­an­tritt, die finde ich nicht ansprechend.

Ich habe lei­der viel weni­ger Zeit fürs Pho­to­gra­phie­ren als frü­her. Und ich freue mich auf die Stun­den im Labor, in denen mir kein zu dru­cken­des Pla­kat, kein zu schrei­ben­des Pro­to­koll oder eine andere Pflicht im Nacken sitzt. Rich­tig gute Bil­der, die loh­nen auch das län­gere Warten.

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>