Wenn große Lösungen fehlen…

In den letz­ten Tagen und Wochen höre ich öfters — und sogar von älte­ren Men­schen, die den 2. Welt­krieg noch mit­be­kom­men haben -,  dass sie die Welt nicht mehr ver­ste­hen. Weder ver­stehe man die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin, die von der Zen­sur­sula zur Flinten-Uschi mutiert sei, noch, wie man sich heute wech­sel­sei­tig Köpfe abschla­gen könne oder es noch immer keine (abseh­bare) Lösung für den Israel-Palästina-Konflikt gebe. Man dachte, dass die Phase der Kreuz­züge und der religiös-motivierten Kriege (etwa des drei­ßig­jäh­ri­gen) abge­schlos­sen sei. — Dem ist offen­bar nicht so.

Der Ost-West Kon­flikt besteht nicht mehr. Die Schu­len trai­nie­ren Schü­ler ent­spre­chend den Wün­schen der Wirt­schaft zu ange­pass­ten Markt­teil­neh­men­den. Sta­tus­sym­bole wach­sen an Wert­schät­zung (»hast Du schon das neue iPhone«), weil es für andere Werte als käuf­li­che in Zei­ten des ein­heit­li­chen Euro an Umrech­nungs­kur­sen fehlt. Musik, Male­rei, Lite­ra­tur, ja sicher, es gibt so Men­schen, die das betrei­ben. Wenn sie damit Geld verdienen…

Dass es aber andere Werte gibt und dass nicht allein die Infla­tion den Bestand ver­min­dert, ist kaum mehr mehr­heits­fä­hig. Mit dem Ende des DDR brach die Sys­te­mal­ter­na­tive, die ver­mut­lich nie eine war, weg. — Glaube macht sich bei Sala­fis­ten breit und bei Fun­da­men­ta­lis­ten unter­schied­li­cher Deno­mi­na­tio­nen. Die Mehr­heit hat bereits um die Zeit des 1. Welt­kriegs mit Gott wenig am Hute und noch weni­ger im All­tag mit Gott zu tun. Lei­der. Wei­ter­le­sen

wie die NSA der Briefpost nutzt…

Kartenausschnitt...

Kar­ten­aus­schnitt…

Nach­dem bei E-Mail und Tele­fon klar ist, dass mit­ge­hört bezie­hungs­weise mit­ge­le­sen wird von staat­li­chen Diens­ten, schreibe ich Pri­va­tes nicht in Mails und meide ent­spre­chen­des am Tele­fon. Statt­des­sen schreibe ich mehr Briefe — und teils auch Kar­ten. Bevor­zugt sol­che, die gerin­gen Kon­trast zum Kar­ten­hin­ter­grund haben, etwa ein Bild unter der zu beschrei­ben­den Seite, das  die auto­ma­ti­sche Erken­nung erschwert.

Dass ver­schlos­sene Briefe geöff­net wer­den, nehme ich nicht als Nor­mal­fall an. Bei Pri­vat­brie­fen schreibe ich den Absen­der bewusst nicht dahin, wo ihn die Post gern hätte. Son­dern auf die Rück­seite. Das ver­dop­pelt den Auf­wand beim Scan­nen. — Ein Freund schreibt den Absen­der bevor­zugt in Sütterlin.

Wie weit sind wir gekom­men mit unse­rer »offe­nen Gesell­schaft«, wenn harm­lose Pri­vat­leute sol­che Maß­nah­men ergrei­fen, weil sie nicht möch­ten, dass staat­li­che Stel­len sich Rechte neh­men, die wir ihnen mora­lisch nicht zubil­li­gen? — Ja, mein Chef­kom­men­ta­tor und Kar­ten­schrei­ber hat recht, es sind Rück­zugs­ge­fechte. Und: So wer­den wir — durch die frei­wil­lige Auf­gabe vor­han­de­ner Frei­hei­ten — sicher nicht die freie Kom­mu­ni­ka­tion beför­dern. Es ist mehr die frei­wil­lige Selbst­kon­trolle oder der Zen­sor –> die Schere im Kopf.

Ein wei­te­rer Freund äußert sich nicht mehr in Kom­men­ta­ren, weil er weiß, dass eine Zuord­nung über die IP-Adressen so ein­fach ist. — Um da zu hören, was er zu die­sem oder jenem denkt, muss man gemein­sam Abend­brot essen. — Ich denke drü­ber nach, ob es »ver­geb­lich« ist, was wir kom­mu­ni­zie­ren­den Rück­zugs­ge­fecht­ler da trei­ben. Auch dies ist eitel und Haschen nach Wind, sagte der Pre­di­ger… — Danke für die Karte!

Byung-Chul Han — über die Glätte und mehr

»Es gibt einen inter­es­san­ten Zusam­men­hang zwi­schen glat­ter Haut, glat­ter Kunst und glat­ter Poli­tik. Die poli­ti­sche Hand­lung im empha­ti­schen Sinne braucht aber eine Vision und einen hohen Ein­satz. Sie muss auch ver­let­zen kön­nen. Das tut aber die glatte Poli­tik von heute nicht. Nicht nur Angela Mer­kel, son­dern die Poli­ti­ker von heute sind nicht fähig dazu. Sie sind nur noch gefäl­lige Hand­lan­ger des Sys­tems. Sie repa­rie­ren da, wo das Sys­tem aus­fällt, und zwar im schö­nen Schein der Alter­na­tiv­lo­sig­keit. Die Poli­tik muss aber eine Alter­na­tive anbie­ten. Sonst unter­schei­det sie sich nicht von der Dik­ta­tur. Heute leben wir in einer Dik­ta­tur des Neo­li­be­ra­lis­mus. Im Neo­li­be­ra­lis­mus ist jeder von uns Unter­neh­mer sei­ner selbst. Kapi­ta­lis­mus zu Zei­ten von Marx hatte eine ganz andere Arbeits­struk­tur. Die Wirt­schaft bestand aus Fabrik­be­sit­zern und Fabrik­ar­bei­tern, und kein Fabrik­ar­bei­ter war der Unter­neh­mer sei­ner selbst. Es fand eine Fremd­aus­beu­tung statt. Heute fin­det eine Selbst­aus­beu­tung statt – ich beute mich aus in der Illu­sion, dass ich mich ver­wirk­li­che.« (hier)

Die Zeit bie­tet hier ein anre­gen­des Inter­view mit dem Ber­li­ner Phi­lo­so­phen Byung-Chul Han. Der Text ist in sei­ner Kürze für meine Wahr­neh­mung hoch­gra­dig anregend.

»Löschersuchen eines Webseiteneintrages« erhalten von mail@tele[…].net

Weil ich 2011 einen Bei­trag geschrie­ben habe, in dem es darum ging, dass mich eine 0800-Rufnummer beläs­tigt (der Bei­trag steht hier), erhielt ich heute eine E-Mail, die eigent­lich an einen ande­ren Blog­ger adres­siert ist. Betreff­zeile lau­tet »Löscher­su­chen eines Web­sei­ten­ein­tra­ges«. — Nun kann ich ja ver­ste­hen, dass irgend jeman­dem der Bei­trag (und auch der­je­nige, des eigent­lich ange­schrie­be­nen ande­ren Blog­gers zur sel­ben Ruf­num­mer) nicht gefällt. Sei es, dass inzwi­schen die Num­mer neu zuge­teilt sei oder warum auch immer. Jeden­falls sind meine Erfah­run­gen von 2011 ja eben genau so abge­lau­fen, wie dort dar­ge­stellt. Inso­fern ist es wie mit jeder älte­ren Nach­richt: Sie muss nicht mehr aktu­ell sein. Den Anspruch aber, dass alle meine Bei­träge stets aktu­ell gehal­ten wer­den, habe ich kei­nes­falls. — »Was ich geschrie­ben habe, habe ich geschrie­ben«, soll schon Pila­tus gesagt haben.

Inso­fern habe ich nichts dage­gen, wenn jemand bei Google & Co. sich bemüht, ggf. ein Such­er­geb­nis nicht ange­zeigt zu bekom­men. Ich aber werde mei­nen Arti­kel nicht ändern. — Neben­bei: Die Num­mer ist bei mir wei­ter­hin gesperrt, und es sind etli­che hinzu gekommen.

Heute nun hat mir jemand mit­ge­teilt, dass er/sie/es die Num­mer pri­vat zuge­teilt bekom­men habe. Das kann ich nicht beur­tei­len. Ich werde auch nicht tele­fo­nie­ren in die­ser Ange­le­gen­heit. Um es noch ein­mal klar zu sagen: Ich behaupte nicht, dass die Ruf­num­mer aktu­ell beläs­tigt, wohl aber, dass sie wei­ter­hin gesperrt ist. Und ich wurde A.D. 2011 von die­ser Num­mer beläs­tigt. — In der emp­fan­ge­nen E-Mail ist von ver­öf­fent­lich­ten Kom­men­ta­ren die Rede. Ich weiß nicht, ob sich das über­haupt auf mein Sudel­web bezieht, denn die Kom­men­tare haben viel mit »cold call« zu tun, aber wenig mit der Num­mer. In die­sem Zusam­men­hang und über­haupt zum unsäg­li­chen Thema »Löscher­su­chen« ver­weise ich ein­fach ein­mal auf einen aus­ge­zeich­ne­ten Wiki­ar­ti­kel — hier.

übers Bloggen in Zeiten von Abmahnungen und Überwachung

Gar nicht so ein­fach finde ich es, in die­sen Zei­ten zu blog­gen. Per­sön­li­ches, das mich oder andere, Freunde etwa, betrifft: eher nicht. Bil­der lie­ber Leute: ja, aber nur nach Rück­spra­che oder sol­che, die sie als »Bei­werk« zei­gen oder als Werk der Bild­kunst gel­ten kön­nen. Klar, auch hier­bei lasse ich es mög­li­cher­weise dar­auf ankommen.

Die Haf­tung bei Zita­ten, Links usw. ist hoch und damit erfor­dert zu blog­gen mehr als nur Ideen und mini­ma­les tech­ni­sches Geschick. Ich bin mir gewiss, dass diese Seite über­wacht wird — und es kam mehr­fach vor, dass ich Kom­men­tare als (sogar ein­mal) hand­schrift­li­chen Brief erhielt, weil Kom­men­ta­to­ren nichts ins Netz schrei­ben wollten.

Ande­rer­seits fände ich es bedau­er­lich, wenn das aktive Nut­zen des Net­zes nicht mehr mög­lich würde ohne eigene Rechts­ab­tei­lung und hin­rei­chend Mit­tel, um mög­li­che Kla­gen durchzustehen.

Die Reich­weite des Sudel­webs ist merk­lich zurück­ge­gan­gen, seit ich nicht mehr bei Face­book dabei bin und bei Twit­ter. Wäh­rend ich dort meine neuen Texte jeweils öffent­lich machte, hatte ich ca. 120 Besu­chende täg­lich. Seit­her sind es 20–30. Klar, es gibt Spit­zen­tage, da sind es über drei­hun­dert, aber auch sol­che mit < 10 Besu­chen­den kom­men (sel­ten) vor.

Für mich ist das Sudel­web eine Mög­lich­keit, das, was mich beschäf­tigt, inso­fern es sich für eine grö­ßere Öffent­lich­keit eig­net, zu tei­len mit ande­ren. Viele Men­schen, mit denen ich zu tun hatte, als Kon­takte aktiv zu pfle­gen, mit Anru­fen, Brie­fen, Besu­chen usw. schaffe ich nicht. Ja, ich schreibe Rund­briefe von Zeit zu Zeit. Die sind etwas andere als das Sudel­web. Sie trauen sich, etwas per­sön­li­cher zu wer­den. Auch sonst schreibe ich Briefe (und lese gern selbst wel­che). E-Mail und Tele­fon nutze ich aber eher nicht für pri­va­tes, da davon aus­zu­ge­hen ist, das sie über­wacht wer­den. Nicht dass es viel zu ver­ber­gen gäbe, allein: Es steht m.E. denen, die fin­den, über­wa­chen zu müs­sen, mei­ner Mei­nung nach nicht zu.

Fürs Sudel­web, mein Blog, bleibt damit eine kleine aber feine Rest­menge an The­men. — Der­zeit bin ich viel beschäf­tigt, viel unter­wegs, vor allem ist meine Brille in Repa­ra­tur, und mit den Ein-Tages-Kontaktlinsen ist Bild­schirm­ar­beit müh­sa­mer. Resul­tut: Hier gibt es nicht so viel neue Bei­träge wie man­che und ich selbst es wünsch­ten.  — Aber es geht wei­ter, denn es gibt die Lust an der und die Not­wen­dig­keit zur Kom­mu­ni­ka­tion. Sie bleibt mir wich­tig. Die Netz­ge­meinde, auch und gerade die, die regel­mä­ßig hier­her kom­men, liegt/liegen mir am Herzen.

Trotz aller Regu­lie­rung und juris­ti­schen Fall­stri­cke: Ich sudele wei­ter, in mei­nen Sudel­hef­ten — und eben auch (etwas gefil­tert) hier.

sind wir wieder so weit? Staat liest wieder Briefe mit…

Der Bericht ist knapp und geht zurück auf eine Anfrage im Thü­rin­gi­schen Land­tag. Dass es in den ande­ren Län­dern aber eine gänz­lich abwei­chende Pra­xis gibt, halte ich nicht für wahr­schein­lich. Da wer­den also wie­der (mobil wie sta­tio­när) an vier Anla­gen Briefe auf­ge­dampft. — Natür­lich nicht mehr von der Staats­si­cher­heit; die Ein­rich­tung, die diese Auf­ga­ben über­nom­men hat, heißt ja nun Ver­fas­sungs­schutz. — Eigent­lich steht das Brief­ge­heim­nis da drin, in der Ver­fas­sung. — Das darf aber — dank G-10 Gesetz — nicht über­mä­ßig genau genom­men wer­den, denn das Nähere regelt eben nicht die Verfassung.

Mir kommt es bis­wei­len vor, als wäre die Funk­tion des Ver­fas­sungs­schut­zes hier­zu­lande ver­gleich­bar dem Pro­dukt­schutz: Schutz des Pro­dukts vor dem Ver­brau­cher. Wer die Ver­fas­sung so schützt, dass die dort erklär­ten Grund­rechte andern­orts auf­ge­ho­ben wer­den, der kon­ter­ka­riert das höhere Gut durch die Methode es zu erreichen.

Ande­rer­seits ist es doch schön, wie tra­di­tio­nelle Hand­werke hier­zu­lande gepflegt wer­den. Das Öff­nen von Brie­fen hat ja lange Tra­di­tion. Viel­leicht gibt es gar Fami­lien, die von GeStaPo zu StaSi zu Ver­fas­sungs­schutz die Fami­li­en­tra­di­tio­nen wei­ter­ge­ben. — »Auf­ge­dampft nach altem Familienrezept…«

Hier der Arti­kel dazu und hier die klei­nen Anfragen.

zum Netzpolitik-Blogbeitrag aus dem NSA-Untersuchungsausschuss

Es geht um die­sen Bei­trag. Hier wird wie­der ein­mal (das war offen­bar man­chen in irgend­ei­nen Akten­ord­ner gerutscht und damit erst­mal weg) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Grund­rechte so hei­ßen, weil sie immer und über­all gel­ten. Das schreibt zwar Andre Meis­ter, aber es geht zurück auf die juris­ti­schen Gut­ach­ten nicht zuletzt von Herrn Papier, ehe­mals Bun­des­ver­fas­sungs­rich­ter und Herrn Hoffmann-Riem. Gel­tung immer und über­all bedeu­tet, dass auch Afgha­nen in ihrem Land nicht bespit­zelt wer­den dür­fen. Ihre Kom­mu­ni­ka­tion muss allen deut­schen Behör­den (und Unter­neh­men) ebenso als ver­trau­lich gel­ten wie alles, was hier passiert.

Wenn Behör­den Kennt­nis von ent­spre­chen­den Aus­spä­hun­gen haben und nicht ein­schrei­ten, han­deln sie gesetzeswidrig.

Mei­nes Erach­tens han­delt es sich bei den Vor­trä­gen und auch bei den Ant­wor­ten aller drei juris­ti­schen Gut­ach­ter um eine Stern­stunde par­la­men­ta­ri­scher Arbeit: Allein, es kommt drauf an, was die Abge­ord­ne­ten draus machen.

über Kommentare hier im Sudelweb…

freue ich mich gewöhn­lich. Auch dann, wenn sie weit von mei­ner eige­nen Posi­tion ent­fernt sind. — Die Wer­bung und die unech­ten Kom­men­tare wurde mehr und mehr, ich hatte daher nur eine Woche lang Arti­kel frei­ge­ge­ben für Kom­men­tare. Nun kamen Beschwer­den, also habe ich das Inter­val auf drei Wochen (21 Tage) erhöht. Neue Texte im Blog sind so lange kommentierbar.

Wei­ter­hin gebe ich alle (ech­ten) Kom­men­tare frei. — Schließ­lich hafte ich pres­se­recht­lich. Das bedeu­tet aber auch, dass die Kom­men­tare nicht auto­ma­tisch (sofort) erschei­nen, son­dern ich sie erst lesen/fregeben muss.

Kunstfreiheit am Ende, dafür Kinderverstümmelung erlaubt

Der­zeit wird im Gefolge der so genann­ten »Edathy-Affäre« ziem­lich laut drü­ber nach­ge­dacht, Pho­to­gra­phien unbe­klei­de­ter Kin­der nicht legal han­deln zu las­sen. — Wer sich in der jün­ge­ren Geschichte der Pho­to­gra­phie etwas aus­kennt, käme nie auf die Idee, dass uns das hier in Europa droht. Ich denke etwa an Jock Stur­ges, der alles andere als ein Kin­der­pro­no­graph ist. Das haben inzwi­schen sogar US-Gerichte fest­ge­stellt, aber die reli­giöse Rechte fand seine Bil­der offen­sicht­lich befremd­li­cher als Mel Gib­sons zehn Jahre alten Film »Die Pas­sion Christi«.

Sicher kann man drü­ber nach­den­ken, ob es legi­tim ist, Bil­der ande­rer über­haupt anzu­fer­ti­gen. Das wurde und wird ja auch im Koran the­ma­ti­siert und im alt­tes­ta­ment­li­chen Bild­nis­ver­bot fin­det sich das Thema ebenso. — Es wird glück­li­cher­weise im Juden­tum und im Chris­ten­tum kaum beach­tet. Selbst in der inner-islamischen Dis­kus­sion gehen die Aus­le­gun­gen sehr weit auseinander.

Ich selbst mache mich vor lau­ter Liebe zum Bild fort­ge­setzt straf­bar, denn ich nehme nicht allein Men­schen auf, ich ver­breite und ver­öf­fent­li­che die Bil­der sogar. — Das geht natür­lich nicht. Juris­ten haben ja nichts zu tun, wenn jeder ein­fach Musik machen dürfte, ohne die GEMA zu fra­gen, wenn jeder pho­to­gra­phie­ren oder zeich­nen könnte, was er (oder sie) möchte. Viel­leicht sollte ich doch eher fern­se­hen? Aus einem Buch ande­ren vor­zu­le­sen? Nicht erlaubt, es sei denn, ich frage vor­her die Urhe­ber­rechts­hal­ter. Oder sollte statt Jazz auf Alte Musik umsteigen.

Ich stelle mir gerade vor, dass zukünf­tig Sal­ga­dos Afrika-Bilder unter­er­nähr­ter Kin­der (auch nackt) Porno-verdächtig sind. Auf den Bil­dern der Befrei­ung der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, gleich ob 1945 oder anderswo, könn­ten auch Kin­der sein. Sollte des­halb Ernst Fried­richs Mate­rial aus dem 1. Welt­krieg nicht mehr in den Han­del gera­ten? Sollte die Gedenk­stätte Bergen-Belsen ihre Filme umschnei­den? — Das immer­hin schüfe Arbeits­plätze jen­seits der Juris­ten, näm­lich bei den Cut­tern. Gerade bei der Kri­sen– und Kriegs­be­richt­er­stat­tung, ich denke etwa an Nacht­weys Bil­der aus Ex-Jugoslawien, wären viele Bil­der nicht mehr ver­käuf­lich, weder zu ver­brei­ten noch zu veröffentlichen.

Ich halte nichts von Por­no­gra­phie, schon gar nicht von Kin­der­por­no­gra­phie. — Und ich kann gut ver­ste­hen, dass Miss­brauchs­op­fer, etwa aus Jesui­ti­schen Inter­na­ten, sehr schlechte Erfah­run­gen gemacht haben, wie das schu­li­sche »Macht­ge­fälle« gegen sie ver­wandt wurde. ABER: Ich fände es ehr­li­cher, zu sagen: Kin­der­bil­der gehö­ren (ob beklei­det oder unbe­klei­det) ver­bo­ten. Ich wäre sofort dafür, sehe aber, dass das eine große Ein­schrän­kung bedeu­tete. Die kann ich eigent­lich nicht wollen.

Wenn wir dahin kämen, dann wäre es auch ange­bracht, die Kna­ben­be­schnei­dung ohne medi­zi­ni­sche Indi­ka­tion zu unter­sa­gen. — Nicht alles, das Eltern (aus wel­chen Grün­den auch immer) ermög­li­chen oder beför­dern, ob bei 12 Stäm­men oder anderswo, ist zum bes­ten des Kin­des. Gerade im Bereich des (Neo-)Satanismus ist Kin­des­miss­brauch oft mit Wis­sen der Eltern nicht unüb­lich. So ist es in ande­ren Welt­an­schau­un­gen mit der Beschnei­dung, übri­gens glei­cher­ma­ßen von Mäd­chen wie Jungen.

Bildung muss sich wieder lohnen?

Hannover University - Conti Campus

Uni Han­no­ver, Conti Campus

Der Gegen­wert eines »Dr.« vor dem Namen ist in der Poli­tik durch­aus kal­ku­lier­bar. Für bestimmte Ämter oder Funk­tio­nen gilt wei­ter­hin das »sine qua non« (ohne dies geht es nicht). Bil­dung wird heut­zu­tage aber mehr und mehr zur Schein-Bildung, es geht um Titel, Zer­ti­fi­kate. »Sym­bo­li­sches Kapi­tal« muss mehr und mehr kon­ver­ti­bel wer­den in Euro oder Dollar.

Dass es wei­ter­hin »Orchi­de­en­fä­cher« gibt, die sehr sehr wenige Absolvent/inn/en her­vor­brin­gen, gilt man­chem Bil­dungs­öko­no­men als Dorn im Auge. Ägyp­to­lo­gie oder kop­ti­sche Kir­chen­ge­schichte wer­den offen­bar weni­ger nach­ge­fragt als klas­si­sche Juris­ten, Maschi­nen­bauer oder Betriebswirte.

Was man sich als Gesell­schaft leis­tet, das ist ein Kom­pro­miss. Ich meine aber, dass es gut ist, wenn sich ein Gemein­we­sen auch Orchi­de­en­fä­cher leis­tet. Neben guten Schu­len, selbst­ver­ständ­lich. So lange die Bezah­lung für Orchi­de­en­kund­ler so viel nied­ri­ger ist als bei klas­si­schen Mehr­heits­fä­chern, wird sich die tief­ge­hende Bil­dung gegen­über einer ein­fa­che­ren Berufs­qua­li­fi­ka­tion nicht über die Maßen aus­brei­ten. Wenn jemand als Ägyp­to­loge weiß, dass es nur sehr wenige fach­li­che Stel­len gibt und für alle ande­ren, die keine die­ser raren Stel­len ergat­tern kön­nen, etwas ande­res aus dem Stu­dium gemacht wer­den muss, sind doch alle zufrie­den. Den Luxus, dass es auch sol­che Fächer gibt, die ja zumin­dest kein CERN brau­chen, scha­det nicht.

Ein Freund ist Ur– und Früh­ge­schicht­ler und hat auch Vök­ler­kunde in sei­nem Abschluss ste­hen. Nun macht er ganz etwas ande­res. Das scha­det weder noch wäre es so, dass das, was er gelernt hat, ihm nicht nutzte. Das Stu­dium als »Bil­dung« ver­stan­den ist eben keine »Aus­bil­dung«. Muss es aber auch nicht, denn man kann sich, mit dem nöti­gen Hin­ter­grund, in vie­les ein­ar­bei­ten. Das eben ist ist ja »Bil­dung«: Die Fähig­keit, immer wie­der neues zu ler­nen. Um in die Tiefe eines Faches oder Gebie­tes ein­zu­tau­chen ist aber Muße wich­tig, die seit Bolo­gna kaum gege­ben ist. Inso­fern sind Bache­lor und Mas­ter­ab­schlüsse ein Bruch mit einer frucht­ba­ren Tra­di­tion und ein Zei­chen der Öko­no­mi­sie­rung, das kaum geeig­net ist, dem hum­boldt­schen Ziel der Annä­he­rung des Men­schen an Gott durch Bil­dung zu die­nen. — So gese­gen ist es kein Wun­der, dass man­cher Abschluss gerade implodiert.

Blütenlese — Metablog

Gutes und Anre­gen­des wei­ter­zu­sa­gen, das hilft allen. Einige Arti­kel las ich in den letz­ten Tagen, die ich hier weiterempfehle.

  1. Im ers­ten Link geht es bei der Süd­deut­schen um eine unkon­ven­tio­nelle Gemeinde in Berlin-Mitte. Mir scheint es typisch, aber auch etwas struk­tu­rell belie­big, dass sich für die ent­spre­chende geist­li­che Nie­sche ein Ange­bot fin­det. Warum nicht? In den USA hätte (hat) es der­glei­chen vor 25 Jah­ren bereits gege­ben, bei uns dre­hen sich gerade bei den Kir­chen wegen der star­ken (und staat­lich beför­der­ten) Stel­lung der gro­ßen Kir­chen die Uhren etwas lang­sa­mer, wenn­gleich man all­mäh­lich über die Ablö­sung der Kom­pen­si­ons­leis­tun­gen nach dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss nach­denkt. — Eine Gemeinde für die jun­gen Krea­ti­ven, die Berlin-Mitte bevöl­kern. Jesus in Baby­lon, so heißt das Kino, in des­sen Räu­men sich wöchent­lich rund 400 Men­schen versammeln…
  2. Dass eini­ges im Betäu­bungs­mit­tel­recht nicht unbe­dingt dazu ange­tan ist, den Druck aus dem gesell­schaft­li­chen Druck­kes­sel zu neh­men, dass beson­ders das orga­ni­sierte Ver­bre­chen weit­aus weni­ger Markt­fel­der hätte, gäbe es keine der­ar­ti­gen Ver­bote, dass sogar in den Ursprungs­län­dern eini­ger Betäu­bungs­mit­tel, etwa in Mexiko oder Afgha­nis­tan, die Kon­flikte so gar nicht bestän­den, wenn es nicht die Dro­gen als Export­schla­ger gäbe, kann jeder­mann wis­sen. Nun for­dern — hier nach­zu­le­sen bei Tele­po­lis — 106 Straf­rechts­pro­fes­so­ren eine Erneue­rung und Über­ar­bei­tung der gesetz­li­chen Grundlagen…
  3. Vor rund einem Jahr wurde nach dem Auf­schrei aus tra­di­tio­nell jüdi­schen und mus­li­mi­schen Krei­sen die Beschnei­dung von Kna­ben wie­der erlaubt. Dabei waren die Nadeln noch nicht kühl, so dass begrün­dete Zwei­fel beste­hen, ob das Gesetz nicht in sei­ner jet­zi­gen Form ver­fas­sungs­wid­rig ist. Dass die viel­fach ein­ge­setzte Creme zur »Betäu­bung« für die­sen Zweck nicht zuge­las­sen ist, ist ein rie­si­ger Pat­zer, dass sehr junge Kin­der keine ent­wi­ckelte Schmerz­emp­fin­dung hät­ten, ist eine steile These, die mehr­heit­lich als wider­legt ange­se­hen wird. Dass eine anäs­the­sis­ti­sche Behand­lung durch ritu­elle Beschnei­der (immer­hin eine anspruchs­volle medi­zi­ni­sche Auf­gabe) ein­fach sei, ist Unfug.  Hier in der Süd­deut­schen kann der Arti­kel nach­ge­le­sen wer­den. — Mir scheint der ein­zige Aus­weg (der die Per­sön­lich­keits­rechte des Kin­des ernst nimmt), auf die Beschnei­dung von Mäd­chen und Kna­ben zu ver­zich­ten, bis diese erwach­sen sind.
  4. Ver­mut­lich bin ich nicht allein, wenn ich man­ches an Poli­tik als »den sel­ben Brei« erlebe, gleich ob von schwarz-gelb oder schwarz-rot. Dass nun hier­für das Stich­wort der Poli­tik­ver­dros­sen­heit nicht hin­reicht, zeigt der span­nende Telepolis-Artikel, der dar­über nach­denkt, ob der Feh­ler nicht in der Demo­kra­tie an sich läge. Dann näm­lich wird sich auch bei einer Wahl ande­rer nichts wesent­lich ändern. Wei­ter­hin geht es darum, ob, wenn wir die Demo­kra­tie als ursäch­lich für die Ent­kopp­lung von »poli­ti­scher Klasse« und ande­ren anse­hen, ja noch keine Dik­ta­tur oder Mon­ar­chie gefor­dert, allein: Es gilt das Abglei­ten in eine Olig­ar­chie zu ver­hin­dern, was ange­sicht grö­ße­rer Reich­wei­ten (»Glo­ba­li­sie­rung«) der Ent­schei­dun­gen nicht ein­fach ist.

Sicher, das alles ist keine Lösung, aber es sind doch immer­hin sol­che Fel­der, über deren Beste­hen wir uns poli­tisch ver­stän­di­gen müs­sen, wenn wir die Schwie­rig­kei­ten über­win­den möch­ten. Ich bin eher rat­los, sehe der­zeit kei­nen Ansatz in den vier genann­ten Fel­dern. Dass sich der kirch­li­che Markt dif­fe­ren­ziert, das finde ich jeden­falls am wenigs­ten tragisch.

die politische Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland II

Der erste Teil die­ses Tex­tes hat dahin geführt, dass die Kate­go­rie des Bür­gers bzw. der Bür­ge­rin schwam­mig, unsi­cher, viel­leicht über­flüs­sig gewor­den ist. Dis­junkte Begriffe sind es nicht mehr, seit es dop­pelte Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten gibt. Und je mehr wir über Grenz­fälle nach­den­ken, desto mehr komme ich ins Fra­gen und Nach­den­ken, ob es nicht eher wie mit PKW ist: Wenn man ein Fahr­zeug drei Monate lang an einem Ort hat, gehört es dort angemeldet.

Selbst­ver­ständ­lich bedarf es etwa auch für das Wäh­len einer gewis­sen Zeit, die jemand in der Statd oder im Land wohnt. In der Spät­an­tike, als das Chris­ten­tum sich aus­brei­tete, war in wei­ten Tei­len das römi­sche Reich prä­sent, dane­ben etwa Per­sien, Indien usw. Wei­ter­le­sen

die politische Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland…

Von Klem­pe­rer lässt sich auch ler­nen, dass gerade im Bereich der Poli­tik die Spra­che ver­rä­te­risch ist. Wer in den 1950er Jah­ren ff. den Begriff der »Gast­ar­bei­ter« prägte, der konnte doch nicht allen Erns­tes anneh­men, dass die­ses Kon­zept auf­gehe. Wenn Arbeits­kräfte benö­tigt wer­den, die es nicht im Lande gibt (gleich, ob es um Spe­zi­al­kennt­nisse geht oder um die Bereit­schaft, für Löhne zu arbei­ten, die nie­mand der »Ein­hei­mi­schen« akzep­tierte), so wer­den und wur­den zu allen Zei­ten aus dem Aus­land die erfor­der­li­chen »human res­sour­ces« beschafft. Das ist nicht grund­sätz­lich anders als bei der Skla­ve­rei in der Antike, in den USA, in Katar oder Saudi Arabien.

Die sel­ben Grund­sätze gel­ten für hoch spe­zia­li­sierte Fach­kräfte, ob sie nun etwas vom Kathe­dral­bau ver­ste­hen wie im Mit­tel­al­ter oder von hier­zu­lande beschränkt beforsch­ba­rer Bio­tech­no­lo­gie: Es gibt einen Markt für Arbeits­kräfte. — Siehe auch »Brain-Drain«.

Ein Natio­nal­be­wusst­sein aber gibt es mit zuneh­men­der Mobi­li­tät zuneh­mend weni­ger. Skills (Fer­tig­kei­ten) sind gefragt, weni­ger aber ver­tiefte natio­nale Kennt­nisse. Gefragt ist weni­ger das Wis­sen um mit­tel­deut­sche Lyrik als die Fer­tig­keit, ein Füh­rer­schein­for­mu­lar aus­zu­fül­len. Was trennt in die­sen Zei­ten von »drin­nen« (= deutsch) und »drau­ßen« (= aus­län­disch)? Das Natio­nal­kri­te­rium bei Kant war ja noch neben einem Ter­ri­to­rium, einem Recht, einer Spra­che die eine Reli­gion. Letz­te­res ist längst gefal­len. Und es geht auch. Ter­ri­to­rium und Recht sind eher Kri­te­rien nach außen: Sie gren­zen ein Land, etwas Deutsch­land, gegen ein ande­res ab. Gegen­über ande­ren Län­dern deut­scher Spra­che etwa sind diese Para­me­ter his­to­risch bedingt, aber an sich belie­big. Wenn man von deut­schen Kom­po­nis­ten spricht, wer­den selbst­ver­ständ­lich die öster­rei­chi­schen der Wie­ner Klas­sik eingemeindet.

Ich gebe zu, dass es für die, die außer ihrem Deutsch-Sein wenig haben, wor­auf sie stolz seien kön­nen, bedroh­lich wir­ken kann, hier post­mo­dern zu den­ken. Was hin­dert es, den Begriff der Nation als sol­chen bedeu­tend freier zu gebrau­chen, und Deutsch­land bewusst als Ter­ri­to­rium, Rechts­ge­biet und Sprech­ge­mein­schaft (ob es die­ses Kri­te­ri­ums bedarf?) zu ver­ste­hen? Mit der Ein­la­dung, an sol­che Men­schen, die hier gebraucht wer­den, auch Bürger/innen zu wer­den. Im Jahre 2000 wurde im nörd­li­chen Licht­hof des  Reichs­tags­ge­bäude die­ses Kunst­ob­jekt »Der Bevöl­ke­rung« von Hans Haa­cke errich­tet. Denk­bar knapp ent­schied man für die­ses Werk, zwei Stim­men Mehr­heit genüg­ten. Man­chen schien die spie­le­ri­sche Auf­nahme und Ver­frem­dung des »Dem Deut­schen Volke« außen am Reichs­tags­ge­bäude wie eine natio­nale Enteignung.

Neben all den prak­ti­schen Fra­gen, ob man bloß einer Nation ange­hö­ren kann, oder ob es mit der dop­pel­ten oder gar mehr­fa­chen Staats­an­ge­hö­rig­keit eine Ent­spre­chung unse­rer glo­ba­li­sier­ten Kul­tur gäbe, ob Ein­bür­ge­rungs­tests glei­cher­ma­ßen auch für hier gebo­rene »native Ger­mans« wün­schens­wert wären, … Die Grund­frage scheint mir, ob wir der Annahme einer Kate­go­rie »Natio­na­li­tät« bedür­fen? Und: Wenn »ja«, dann für wel­che Zwe­cke genau? Natür­lich, fürs Pass­we­sen. Aber: Reicht nicht eine Anmeldung?

In einem zwei­ten Teil die­ses Bei­trags werde ich gerade nach der »Letzt­be­grün­dung« fra­gen. — Gar nicht ein­fach, im Staate der Glaubensfreiheit.

orthodoxe Spiritualität und Nominalismus-Realismus-Streit — »Imjaslavie«

Imjas­la­vie meint die Ver­eh­rung Got­tes in der ver­eh­rung des Namens Got­tes. Die­ses spi­ri­tu­elle Pra­xis in der ortho­do­xen Kir­che geht auf eine geist­li­che Übung beson­ders der Athos­mön­che zurück, die ein Kon­zil vor bald ein­hun­dert Jah­ren theo­lo­gisch ein­ord­nen wollte. Allein, durch die Okto­ber­re­vo­lu­tion kam es dazu nicht mehr. Zum Ein­stieg emp­fehle ich den aus­ge­zeich­ne­ten Wiki-Artikel, hier.  Es gibt Par­al­le­len zum Jesus-Gebet, das ja über den Bereich der Ortho­do­xie hin­aus ver­brei­tet ist.

Klar, die­ses Imjaslavie-Gebet bleibt eine spi­ri­tu­elle Übung und eben gerade keine Simio­tik. Inso­fern finde ich jedoch die Klar­stel­lung Hol­ger Kußes unglück­lich, dass die Über­ein­stim­mung des Got­tes­na­mens mit Gott »geist­lich wahr« wäre, unglück­lich, denn sie wider­spricht dem Wahr­heits­ver­ständ­nis der klas­si­schen Aus­sa­ge­lo­gik und der Dia­lo­gi­schen Logik: Sicher ist es eine »Wirk­lich­keit« für den Beter. Die Unter­schei­dung zwi­schen dem Gegenstands-/Wahrnehmungsbereich (»Wirk­lich­keit«) und dem Bereich der Aus­sa­gen (»Wahr­heit«) fehlt bei Kuße (hier).

»Die Geg­ner der Imjas­la­vcy argu­men­tie­ren streng „nomi­na­lis­tisch“[30] und behar­ren auf der Saus­sur­schen Unter­schei­dung und strik­ten Tren­nung von Signi­fi­kat, Signi­fi­kant und der Sache selbst. Die rus­si­schen Sprach­phi­lo­so­phen in der Tra­di­tion des Imjas­la­vie hin­ge­gen neh­men Über­le­gun­gen auf und zum Teil vor­weg, die im Wes­ten mit Namen wie Lud­wig Witt­gen­stein, John Searle und Saul Kripke ver­bun­den sind[31].« (hier)

Von der Debatte in der Sla­wis­tik ver­stehe ich lei­der gar nichts, kann aber aus mei­nen Begeg­nun­gen mit ortho­do­xer Theo­lo­gie (in der alten Kir­che habe ich mich eini­ger­ma­ßen aus­führ­lich mit die­sem inter­es­san­ten Feld theo­lo­gi­schen Fei­erns und Lebens, das in vie­lem ganz anders vor­geht als west­kirch­li­che Kasu­is­tik und Dia­lek­tik) sagen, dass diese oft ver­blüfft, weil sie teils grund­ver­schie­dene Her­an­ge­hens­wei­sen lebt. — Ums mit Botho Strauß (in Paare, Pas­san­ten) zu sagen: »Ohne Dia­lek­tik den­ken wir auf Anhieb düm­mer; aber es muss sein: ohne sie.« (vgl. hier)

Erstaun­lich finde ich, dass Anhän­ger des Imjas­la­vie quasi durch die Hin­ter­tür nicht allein einen Universalien-Realismus auf­le­ben las­sen, son­dern eben auch bemer­kens­werte theo­lo­gi­sche Impli­ka­tio­nen in Kauf neh­men. Wenn im Namen Got­tes Gott zuge­gen ist, was mei­nen wir, wenn wir eine sol­che Aus­sage tref­fen? Gerade ange­sichts der Unaus­sprech­lich­keit des Eigen­na­mens Got­tes für man­che From­men? — Die Deu­tung des »gehei­ligt werde dein Name« der Zeu­gen Jeho­vas halte ich in die­sem Sinne für keine Anwen­dung. Im Aus­spre­chen des Namens Got­tes ver­än­dert sich, so meine (eini­ger­ma­ßen auge­klärte, west­li­che und methodisch-kulturalistische Her­an­ge­hens­weise) vor allem die Situa­tion für den Beter. Es han­delt sich um eine Art Selbst­ver­ge­wis­se­rung. Ein per­for­ma­ti­ver Sprech­akt, der durch das Aus­spre­chen des Namens Got­tes die Situa­tion zu einer gehei­lig­ten macht. So weit, so nach­voll­zieh­bar. Hier­für reicht der kleine Werk­zeug­kof­fer der Sprech­akt­theo­rie. Inwie­fern aber das (Da-)Seien Got­tes vom Namen abhängt, das ver­schließt sich trotz des Wis­sens um Exo­dus 3,14 (Gott stellt sich dem Mose am bren­nen­den Dorn­busch als »ich bin der Sei­ende« vor) und alles, was folgt.

Prag­ma­tisch kann ich nach­voll­zie­hen, dass die Benen­nung der Dinge etwas mit ihrem (für mich) Da-Sein zu tun hat. »Erst was zur Spra­che kommt, kommt zur Welt«. — Klar, diese Gedan­ken fin­den sich ja auch im elo­his­ti­schen Schöp­fungs­be­richt (Gen.1,1ff) und — wenn man so möchte — in der Ein­füh­rung ers­ter Begriffe in Witt­gen­steins Phi­lo­so­phi­schen Unter­su­chun­gen. Prag­ma­tisch den­kend ist meine Fol­ge­ung hier­aus aber die, dass ich dies nicht im Sinne eines Rea­lis­mus oder gar eines Begriffs-Realismus denke, son­dern anders herum: Um damit umge­hen zu kön­nen, bedarf etwas einer Bezeich­nung, eines Namens. Ohne ein Bezeich­nung kann ich ein­fach nicht auf etwas mich bezie­hen. Wenn aber Sprach­han­deln meint, dass ich an etwas etwas mit Wor­ten tue, etwa kenn­zeich­nen, auf­for­dern, …, dann ist es hierzu metho­disch erfor­der­lich, auf etwas mich zu bezie­hen. — Und diese Ein­füh­rung ers­ter Begriffe geht prag­ma­tisch gut: »Iss dei­nen Nach­tisch!« — Wenn das Kind dar­auf etwas ande­res tut, wird er geta­delt, isst es den Nach­tisch, wird es gelobt, und weiß in der Folge, was »Nach­tisch« meint. Mit Eigen­na­men muss das nicht anders gemacht wer­den. (Aber okay, ich denke da mög­li­cher­weise zu kul­tu­ra­lis­tisch).

Das Ent­lang­den­ken an Moti­ven ortho­do­xer Mys­tik für mich in Sack­gas­sen und Apo­rien. — Finde jedoch den Gedan­ken des Begriffs­rea­lis­mus im Imjas­le­vie aus­ge­spro­chen anregend.

eine kleine Änderung — mit großen Folgen…

Am mor­gen, 1. Novem­ber 2013, gibt es stan­des­amt­lich die Mög­lich­keit, auf die Ein­tra­gung eines Geschlechts nach der Kinds­ge­burt zu verzichten.

»Kann das Kind weder dem weib­li­chen noch dem männ­li­chen Geschlecht zuge­ord­net wer­den, so ist der Per­so­nen­stands­fall ohne eine sol­che Angabe in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­zu­tra­gen.« (siehe hier)

In viel­fa­cher Hin­sicht mühen sich Eltern, ihren Kin­dern ein Leben in der Gesell­schaft zu erleich­tern. Eine der Maß­nah­men, die viel­fach unge­eig­net und gar töd­lich war, war die medi­zi­ni­sche Fest­le­gung auf ein Geschlecht. Neben mög­li­cher Trau­ma­ti­sie­rung bewirk­ten ent­spre­chende Ein­griffe im Kin­des­al­ter mög­li­cher­weise eine Fest­le­gung ent­ge­gen der Selbst­wahr­neh­mung, und das führte (kon­tin­gent, nicht not­wen­dig — vgl. Ock­ham) viel­fach in den Suicid.

Gerade dann, wenn wir erken­nen, dass vie­les in der Welt weni­ger klar und ein­deu­tig ist, als unsere Schul­weis­heit sich das vor­stellt, ist es eher ange­bracht, die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit den Men­schen anzu­pas­sen, etwa durch Ver­zicht auf die Kate­go­rie »Geschlecht«, als die Men­schen der Ord­nung anzu­pas­sen: Die The­ra­pie gerade geschlecht­li­cher »Vor­find­lich­kei­ten« hilft fast nie. Dies ist zumin­dest eine posi­tive Wir­kung der Debatte, die ja nie nur um »Sexus«, son­dern auch um »Gen­der« geht (und: Ja, ich stimme der Posi­tion Judith But­lers, dass die Tren­nung in »sex« und »gen­der« auch wie­derum kar­te­sia­nisch und arti­fi­zi­ell sei, zu!). — Es ist viel weni­ger »typi­sche« weiblich/männlich, als viel­fach ange­nom­men. — Emp­feh­lens­wert ist der oben ver­linkte Arti­kel »Inter­se­xua­li­tät« aus Wiki.

Das scha­det mei­nes Erach­tens nicht. — Der Ver­lust einer Kate­go­rie ist mei­nes Erach­tens ein gro­ßer Fort­schritt, weil er zeigt, dass nicht die Kate­go­rien (als Begriffe) aus dem pla­to­ni­schen gött­li­chen Ide­en­him­mel kom­men, son­dern ganz im Sinne Aris­to­te­les Abs­trak­tio­nen aus den Einzel-Dingen seien (also induk­tive Methode statt der deduk­ti­ven). Mir schien es, als wäre der Nominalismus-Realismus-Streit mehr­fach klar ent­schie­den, spä­tes­tens bei Wil­helm v. Ock­ham, einer sehr klu­gen Posi­tion, die man­ches aus dem »lin­gu­is­tic turn« vor­weg­dachte. — Frei nach Ock­ham: Es gibt nicht das Geschlecht… Nul­lus sexus est.

Die Schwie­rig­kei­ten von Eltern, die gefragt wer­den, was denn ihr Kind sei, Mäd­chen oder Junge, kann ich nach­voll­zie­hen: Sie wer­den bes­ten­falls ant­wor­ten: »Das ist nicht klar.« Glück­li­cher­weise ist da ja das Spek­trum nicht auf rosa oder blau beschränkt, son­dern eher regenbogen-farbig. Gut, wenn die juris­ti­sche Abbil­dung unse­rer Welt end­lich dahin kommt, nicht mehr zu haben, als wir haben: Es geht auch ohne Eindeutigkeiten.

Opti­mis­tisch bin ich, wenn es in Fol­ge­de­bat­ten darum geht, ob nun mög­li­cher­weise Ehe oder Lebens­part­ner­schaft für Men­schen ohne Geschlechts­fest­le­gung laut Amt passt: Das wird sich fin­den, und ver­mut­lich ist ja noch einige Jahre lang Zeit, diese Fra­gen zu klä­ren. Es steht nicht zu erwar­ten, dass die Juris­ten arbeits­los würden.

»unter Freunden hört man sich nicht ab«

sagte ges­tern in einem Inter­view der geschäfts­füh­rende Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter. — Gemeint hatte er ver­mut­lich »unter Freun­den hört man ein­an­der nicht ab«. Mit ande­ren Wor­ten: Wer die USA zum Freund habe, braucht keine Feinde mehr. Wir stel­len fest: Mit Recht als Instru­ment allein ist dem aktu­el­len Sach­ver­halt nicht bei­zu­kom­men. Natür­lich gibt es deut­sches Recht, aber sobald die Daten außer­halb sind, gilt das nicht mehr. Und wir leben eben, zumin­dest inso­fern es die Kom­mu­ni­ka­tion angeht, in einem glo­ba­len Dorf. Weil man im Dorf wech­sel­sei­tig auf­ein­an­der ange­wie­sen ist, bedarf es einer Dorf­kul­tur, die für das »glo­bale Dorf« noch nicht ent­wi­ckelt ist.

Das Lesen der Tage­bü­cher ande­rer gilt als mora­li­sches Tabu (es sei denn, jemand ver­öf­fent­licht die mit zeit­li­chem Abstand selbst). Den­noch boo­men Diary Slams in grö­ße­ren deut­schen Städ­ten. Das sind Ver­an­stal­tun­gen, in denen Men­schen in mitt­le­ren Jah­ren aus ihren Jugend­ta­ge­bü­chern vor­le­sen. Pein­lich­kei­ten, erste Liebe usw. — Das ermög­licht zumin­dest den Zuhö­ren­den etwas Fremd­schä­men und Unter­hal­tung, die Ver­an­stal­ter neh­men den Ein­tritt und der Wirt hat den Umsatz.

Nach­dem nun eini­ger­ma­ßen deut­lich ist, dass auch die Kanz­le­rin auf einem ihrer Tele­fone abge­hört wurde, ist deut­lich, dass die Unart, aller Leute Daten zu sam­meln alle zu Ver­däch­ti­gen macht. — Abends gab es einen Kom­men­tar im Deutsch­land­funk, dass es zunächst ein­mal einer Eini­gung über den Schutz der Pri­vat­heit in Europa bedürfe, um dann mit den USA zu mit einer Stimme zu reden. Lei­der sei kaum zu erwar­ten, dass hier wirk­same Ent­schei­dun­gen fal­len, denn auch euro­päi­sche, ja auch deut­sche, Ermitt­ler und Dienste wün­schen nicht zu viel Pri­vat­heit für die Bevöl­ke­rung. Nun, nach­dem der Kasus Mer­kel in der Öffent­lich­keit Wel­len schlage, bestehe die Chance, dass es zu einer poli­ti­schen Wil­len­än­de­rung komme — so wie nach Fukus­hima bei der Frage nach der Nut­zung von Kernenergie.

Die Ansätze zu einer Kul­tur des Aus­tau­sches dar­über, was wir ein­an­der über alle Län­der– und Sprach­gren­zen zubil­li­gen und zutrauen, sind seit der Hager Land­kriegs­ord­nung lei­der kaum fort­ent­wi­ckelt wor­den. Die fast uni­ver­selle Ver­füg­bar­keit von Coca Cola ist noch keine Kul­tur im enge­ren Sinne. Es fehlt ein trans­kul­tu­rel­ler Knigge, ein Hand­buch guten Beneh­mens, und zwar nicht nur für Poli­ti­ker, son­dern eben auch für Mili­tärs (damit es nie wie­der ein Abu-Ghuraib gibt…) und für Tou­ris­ten, denn Kin­der­sex ist in Thai­land nicht bes­ser als anderswo. Bin ich bloß ein idea­lis­ti­scher Spin­ner, der nicht wahr haben möchte, dass ein Mensch dem ande­ren zum Wolf wird (homo homini lupus)? — Ich weiß es nicht. Ich gehe aber davon aus, dass eine der Wirk­wei­sen von Kul­tur ist, Trie­bau­s­le­ben zu kana­li­sie­ren. Ein Sadist wird wei­ter Sadist blei­ben, aber: In einer BDSM–Kul­tur wird er viel­leicht ein­ver­nehm­lich und sicher mit ande­ren umge­hen, statt als Mili­tär­aus­bil­der andere zu drangsalieren.

Von der Poli­tik allein erwarte ich hierzu nicht viel, denn ver­mut­lich gibt es die pas­sen­den Dos­siers über fast alle. Dumm wären die Dienste, wenn sie nicht bei Zei­ten Kom­pro­mat sam­mel­ten. Was hilft, das ist eine latente Öffent­lich­keit, eben über Wiki­leaks, über Snow­dens Daku­mente, und es wäre ein Whistleblower-Schutz. Letz­te­res ist nicht zu erwar­ten, um so bes­ser, wenn ein­zelne die hohen per­sön­li­chen Risi­ken zu tra­gen bereit sind. Anders ändert sich nichts. Auch Jan Hus wurde freies Geleit zuge­sagt, als er zum Kon­stan­zer Kon­zil kam. Den­noch wurde er ver­brannt (heute gibt es neu​sprech​.org, da hieße das in den übli­chen poli­ti­schen Euphe­mis­men viel­leicht »ther­misch wie­der­ver­wer­tet« oder »pyro­ly­tisch neu­tra­li­siert«). — Und doch: rund 100 Jahre spä­ter hieb Luther mit sei­nem The­sen­an­schlag in die selbe Kerbe und diese Refor­ma­tion an Haupt und Glie­dern fand ja zumin­dest etwas Nie­der­schlag bei einigen.

 

 

Leseempfehlung: Hans-Martin Pawlowski: Recht und Moral im Staat der Glaubensfreiheit

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loh­nen­der Lesestoff…

Dank eines Phi­lo­so­phie­pro­fes­sors in Bie­le­feld im Stu­dium kenne ich einige Texte, die mich schon vor zwan­zig Jah­ren beein­druck­ten, von Hans-Martin Paw­low­ski. Der ist Jurist, inzwi­schen eme­ri­tiert, und er denkt sehr anre­gend und vor allem in einer Spra­che, die das Kom­pli­zierte eher deut­lich und zugäng­lich macht. Andere for­mu­lie­ren so schwuls­tig, dass noch das Ein­fachste kom­pli­ziert wird. — Ich schätze die, die sehr weit den­ken, aber des­halb keine kom­pli­zierte Spra­che wäh­len müss­ten. (Witt­gen­stein, Bonhoeffer, …)

Die Auf­fas­sun­gen, die viel­fach unse­rem Zusam­men­le­ben zugrunde legen, sind nicht direkt expli­ziert. Sie sind in unse­rer Art des Lebens ange­legt, oft sind sie durch Vor­stel­lun­gen begrün­det, die dem Recht zugrunde lie­gen, ohne dass sie direkt darin zu fin­den wären. In sei­ner Ein­füh­rung in die Juris­ti­sche Metho­den­lehre erwähnt Paw­low­ski etwa das Schäch­ten von Tie­ren, das Anhän­ger des Juden­tums und des Islam für erfor­der­lich hal­ten, das aber andere im sel­ben Staat aus Grün­den des Tier­schut­zes ableh­nen. Was ist in sol­chen Fäl­len »rich­tig« und wie kann ent­schie­den wer­den, so dass das Recht seine Funk­tion erfül­len kann?

Als vor bald ein­ein­halb Jah­ren das Thema der Kna­ben­be­schnei­dung aus welt­an­schau­li­chen Grün­den mit dem Recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit kol­li­dierte, griff ich wie­der zu Paw­low­ski. Klar ist, dass wir im Staat der Glau­bens­frei­heit leben, dass eben keine Letzt­be­grün­dung aus irgend einem hei­li­gen Buch bezo­gen wer­den kann. Wie aber kann dann metho­disch sau­ber zwi­schen wider­spre­chen­den Begrün­dun­gen ent­schei­den, wenn die »über­welt­li­chen« Letzt­be­grün­dun­gen eben nur noch für einige maß­geb­lich sind?

Auch ange­sichts der NSA und GCHQ-Abhör-/Überwachungsaffären scheint mir in der Frage nach der Begrün­dung des Rechts ein Ansatz­punkt zur Lösung der Dilem­mata zu lie­gen. — Ich denke daran der­zeit ent­lang und herum, ergrif­fen aber habe ich es bis­her nicht. Mir scheint Paw­low­skis Lite­ra­tur in dem Zusam­men­hang über­aus hilf­reich. Wenn ich wei­ter bin mit den Nach­den­ken, folgt hier etwas von mei­nen Ergebnissen.

Koalitionsverhandlungen — lesbar bedacht

Von vie­len höre ich, dass sie ja keine große Koali­tion gewollt hät­ten. — Ja, warum haben sie die dann ermöglicht?

Andere fan­den vor der Wahl, dass die gro­ßen »Her­aus­for­de­run­gen« — frü­her hätte man gesagt »Pro­bleme« vgl. »her­aus­for­dernde Kin­der« vs. »Pro­blem­kin­der« -, etwa die Ren­ten– und Euro­krise — aber auch das Gesund­heits­sys­tem — einer gro­ßen und umfas­sen­den Lösung bedürf­ten, also sei eine große Koali­tion das Mit­tel der Wahl. Und ent­spre­chend haben sie dann auch gewählt.

Wenn ich die­ser Tage die Äuße­run­gen höre, mit denen die CDU/CSU auf ihren 41 % her­um­rei­tet, finde ich dies sehr anstren­gend. Juni­or­part­ner in einer gro­ßen Koali­tion zu wer­den, das scheint mir nicht beson­ders erstre­bens­wert. Die Nach­teile, wenn die SPD es nicht wird, lie­gen über­wie­gend bei der CDU/CSU. Warum also sollte man es nicht dar­auf ankom­men las­sen: Wenn es kei­nen ange­mes­se­nen Vor­schlag für einen Koali­ti­ons­ver­trag gibt, dann gibt es eben Neu­wah­len oder eine Min­der­heits­re­gie­rung, an der sich Frau Mer­kel abar­bei­ten kann, mit hohen Risi­ken, sowohl im Bun­des­rat abzu­blit­zen wie bei den ande­ren Par­teien im Bundestag.

Mit bren­nen­der Sorge sehe ich, dass die The­men der Netz­po­li­tik für die gro­ßen Par­teien offen­bar Neu­land blei­ben, unge­fähr so, wie es mit dem Umwelt­schutz in den 1970 und frü­hen 1980er Jah­ren war. Ein ent­spre­chen­des Minis­te­rium fin­det man über­flüs­sig, die Kom­mis­sion soll ihre Arbeit ein­stel­len, die bis­he­rige Jus­tiz­mi­nis­te­rin — immer­hin ein Boll­werk gegen den Gro­ßen Lausch­an­griff — ist nur noch bis 22. Okto­ber im Amt, anschlie­ßend bloß noch kom­mis­sa­risch. Eine span­nende Frage am Rande: Was pas­siert eigent­lich, wenn jemand als Minis­te­rin oder Minis­ter die Ent­las­sungs­ur­kunde, gegen 17 Uhr am kom­men­den Diens­tag in Emp­fang nimmt, dann aber auf die Bitte des Bun­des­prä­si­den­ten, das Amt wei­ter kom­mis­sa­risch zu ver­se­hen, ein­fach »nein« sagt? Müsste man mal erle­ben. Es würde viel­leicht, zumal wenn es eines der unver­zicht­ba­ren Res­sorts wäre, die Dinge etwas beschleunigen.

In der wirt­schafts­li­be­ra­len FDP war vie­len der Bereich der Freiheits-, Bür­ge­rin­nen– und Bür­ger­rechte abhan­den gekom­men, was ihr mög­li­cher­weise neben ande­rem das Aus­schei­den ein­brockte. In der CDU/CSU und auch in der SPD waren diese Berei­che kaum je stark ent­wi­ckelt. Einer Koali­tion sehe ich inso­fern mit sehr gemisch­ten Gefüh­len ent­ge­gen: Sicher ist das Thema des Min­dest­loh­nes eines, wenn­gleich eher umfas­send gedacht wie im alten FDP-Konzept vom Bür­ger­geld bzw. der nega­ti­ven Steuer, das bei Pira­ten und Links­par­tei eine Wie­der­auf­nahme fand. (Warum wen­det da eigent­lich nie­mand Urhe­ber– und andere Schutz­rechte an? — Wenn Apple mit dem Steu­ern mobi­ler End­ge­räte über Ges­ten auf einem Touch­screen Samsungs Geräte aus dem Markt hal­ten kann, muss doch dass etwa Pira­ten schon für den Gebrauch des Wor­tes »Bür­ger­geld« an die Urhe­ber zah­len müs­sen — hat die ent­spre­chende FDP-nahe Stif­tung eigent­lich Wort­mar­ken­schutz bean­tragt? — dann könnte man Wett­be­wer­bern gleich abmahnen?!)

Beim SWIFT-Abkommen, bei den Flug­gast­ab­kom­men und vie­lem ande­ren, das den Schutz der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in Sachen ihrer Daten betrifft, haben die bei­den (eigent­lich ja drei) gro­ßen Par­teien in den letz­ten zwan­zig Jah­ren fast alles durch­ge­wun­ken. Ich jeden­falls finde das uner­träg­lich, mich über­zeugt man so nicht.

Es wun­derte mich nicht, wenn nach vier Wochen Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen die SPD-Parteibasis das Opus »Koali­ti­ons­ver­trag« dem Papier­re­cy­cling zuführt (Recy­cling hat man ja seit den 1990er Jah­ren gelernt, das ist kein »Neu­land« mehr), und wir dann im Januar noch ein­mal wäh­len dür­fen. Mit offe­nem Aus­gang. Viel­leicht haben dann ja AfD und Pira­ten mehr Men­schen, die fin­den, dass ent­we­der die D-Mark oder der Netz kein Neu­land seien sollten.

Meta-Blogger: alter​na​tiv​los​.org Folge 30 über NSA & Co.

Die aktu­elle Folge der Audio-Podcasts von Frank und Fefe ist erschie­nen, und nach bald fünf Mona­ten Sen­de­pause lohnt diese ziem­lich lange Sen­dung sehr. Es sind bald drei Stun­den, die ich ges­tern hörte. Bei mir stellte die­ser anre­gende Rück­blick auf alte Kryp­to­gra­phie, Enigma, kal­ten Krieg und NSA über zahl­rei­che Zwi­schen­sta­tio­nen die Ver­bin­dung zwi­schen zahl­rei­chen Schnip­seln halb­ver­ges­se­nen Wis­sens in mei­nem Hin­ter­kopf her. Ich bin den bei­den daher aus­ge­spro­chen dank­bar für diese Sendung.

Gerade denen, die bis­her über Geheim­dienste, Ver­schlüs­se­lung, Sicher­heit, Inter­net usw. kaum nach­ge­dacht haben, sei die anre­gende und sehr fein nach­be­ar­bei­tete Folge (klingt ton­tech­nisch bes­ser als viele vor­he­rige) sehr empfohlen.

Hier geht es zur aktu­el­len Folge (ein­schließ­lich eini­ger Lite­ra­tur­tips) und hier geht es zu allen drei­ßig bis­he­ri­gen Fol­gen alternativlos.

Josia und wir — unfrisierte Gedanken, eben mal dahingesudelt…

Beim Nach­den­ken über 2. Könige 22, die Refor­men des Alt­tes­ta­ment­li­chen Königs Josia rund eine Gene­ra­tion vor Ende des Süd­rei­ches, und den Par­al­lel­text in 2. Chro­nik 34 komme ich zu dem Ergeb­nis, dass bei allen gern gemach­ten Par­al­le­len mit heu­ti­ger Reue und Buße ich Josia nicht als Vor­bild sehen mag. Die Vor­ge­schichte: Bei Bau­ar­bei­ten am Tem­pel wird ein Gesetz­buch gefun­den, ver­mut­lich eine Vor­form des Deu­te­ro­no­mi­ums, das wir in End­ge­stalt als 5. Buch Mose in unse­ren Bibel­aus­ga­ben fin­den. Die­sen Text lässt Josia sich vor­le­sen, und er erschrickt, weil die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit weit von dem im Gesetz gefor­der­ten Ideal abweicht. Der König ist erschüt­tert, tut Buße, zer­reißt seine Klei­der und kehrt um zu Gott. Neben die per­sön­li­che Reue tritt, dass der König die Ver­feh­lun­gen des Vol­kes bereut und in der Folge auch die Hei­li­gen Höhen ver­nich­ten lässt, eine Kult­zen­tra­li­sa­tion im Tem­pel vor­an­bringt und das Pas­sah­fest von einem Fami­li­en­fest zu einem Pil­ger­fest (zum Tem­pel) formt. Haus­göt­ter wer­den ver­nich­tet, ebenso sons­tige Kultstätten.

Warum ich das nicht wün­schens­wert für heute finde? Zwi­schen 622 v. Chr. und 2013 n. Chr. liegt viel Zeit, sicher. Das aber ist es nicht. Der Haupt­un­ter­schied liegt darin, dass es trotz aller Bemü­hun­gen Kon­stan­tins, Theo­do­sius‹ und ande­rer — auch im Hei­li­gen Römi­schen Reich deut­scher Nation (also bis 1803) — hier­zu­lande kein Bun­des­volk und kei­nen Bund mit Gott gibt. Chris­ten­tum ist stets eine Frage der indi­vi­du­el­len Ant­wort auf den Ruf in die Nach­folge. — Wir leben in einem »Staat der Glau­bens­frei­heit« (nach einem Buch­ti­tel von H.-M. Paw­low­ski, siehe auch hier). Damit sind grund­sätz­lich die Hei­lig­tü­mer oder Pra­xen aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gleich­be­rech­tigt. Ja, das schreibe ich als Chris­ten­mensch und Über­zeu­gungs­tä­ter, eben weil ich glaube und hoffe, dass Gott der Herr der Geschichte ist. Und weil ich mit Got­tes Geist rechne und den Rat des Gama­liel für eine gute sys­te­mi­sche Über­le­gung halte. Wei­ter­le­sen

Aufklärung…

Bes­ter M.,

gern küm­mere ich mich um Auf­klä­rung. Ich werde zum Thema auch noch etwas blog­gen, denn Du bist nicht der Ein­zige, der nicht alles nach­voll­zie­hen kann. Jetzt aber hier ein paar Takte zum Thema.

Bei Ange­bo­ten im Netz, etwa bei Face­book, gibt es Nut­zungs­be­din­gun­gen, die man akzep­tie­ren kann. Wenn man es nicht tut, kann man Face­book nicht nut­zen. Das ist so weit in Ord­nung, finde ich. Dass aber »Vater Staat« mit­liest wie »Mut­ter StaSi«, das geht mei­nes Erach­tens nicht. Und zwar geht es aus Prin­zip nicht, nicht weil ich beson­ders geheim­nis­krä­me­risch wäre, denn das war und bin ich nicht.

Erst­mal ein paar prak­ti­sche Ant­wor­ten auf Deine Fra­gen: Ja, die @real-net.de und die @frawemedia.de-Adresse gehen wei­ter­hin; da bin ich zu errei­chen. Weil ich meine Num­mern im Netz ste­hen habe (und im Tele­fon­buch), werde ich von vie­len Anru­fen gelö­chert. Daher die »White-List«, die mein Tele­fon ohne eine bekannte Num­mer gar nicht klin­geln las­sen, son­dern eben den Anruf­be­ant­wor­ter ansprin­gen las­sen. Kurz: Du wirst da auch drauf lan­den. Aber: Ich rufe ja zurück. Kein Ding. Oder Du nutzt das Handy, das geht bis­her unge­fil­tert. Wei­ter­le­sen

wäre ich die Telefonseelsorge, stellte ich den Betrieb umgehend ein…

Man­ches Gespräch hilft, ob nun mit guten Freun­den, Psy­cho­the­ra­peu­ten, Seel­sor­gen­den oder eben auch mit der Tele­fon­seel­sorge. Wäre ich eine Kran­ken­kasse, stellte ich ange­sichts der Tele­fon­über­wa­chung umge­hend die Erstat­tung der ent­spre­chen­den Hono­rare (»aus­führ­li­che Bera­tung, auch tele­fo­nisch«) ein, denn allein das Fak­tum der Über­wa­chung kon­ter­ka­riert den mög­li­chen Erfolg.

Wäre ich an ent­schei­den­der Stelle bei der Tele­fon­seel­sorge, stellte ich den Betrieb zum Schutz der Kli­en­ten umge­hend ein. Und zwar unter Pro­test. Es geht nicht, dass Hil­fe­su­chende Frei­wild wild­ge­wor­de­ner Über­wa­cher sind, bloß weil sie keine US-Staatsangehörigkeit vor­wei­sen kön­nen. — Selbst der US-Pass schützt, wie sich mehr und mehr her­aus­stellt, nicht.

Wenn der »Ver­fas­sungs­schutz« einer­seits Jour­na­lis­ten und ande­rer­seits Anwälte aus­späht, steht es mit der Ver­fas­sung sicher nicht zum besten.

Um zu begrün­den, zu legi­ti­mie­ren, dass diese »gerin­gen Ein­griffe« erfor­der­lich, ja not­wen­dig wären, wer­den immer wie­der die ent­deck­ten Atten­tä­ter prä­sen­tiert. Das Argu­ment, dass wid­ri­gen­falls Kin­der­por­no­gra­phie und andere Scheuß­lich­kei­ten »ein­fach so« getauscht wür­den, begeg­net uns immer wie­der. Das stimmt sicher auch. Es begrün­det aber nicht, warum Men­schen über­haupt ohne einen Poli­zis­ten mit­ein­an­der reden dür­fen. Wenn alles jeder­zeit und über­all über­wacht ist, wür­den sicher mehr Ver­bre­chen im Vor­feld ver­hin­dert. Kaf­fee­trin­ken am Sonn­tag? Nicht ohne behörd­li­che Geneh­mi­gung und Anwe­sen­heit eines Ermitt­lungs­be­am­ten! Stamm­tisch in der Kneipe? Da kann ja alles aus­ge­heckt wer­den. So etwas bedürfte aus Sicher­heits­grün­den der Über­wa­chung. — Wer den Gedan­ken wei­ter denkt, gelangt dahin, sich zu fra­gen, warum denn plötz­lich, bloß weil Men­schen über Ent­fer­nung mit­ein­an­der spre­chen, etwa per Chat, jemand dies über­wa­chen muss… Wird es plötz­lich, weil beide nicht am sel­ben Tisch sit­zen, gefährlicher?

Kein Pau­sen­hof, auf dem nicht gebrannte CDs und ande­res ille­gal getauscht wird. Die Schü­ler soll­ten je in einem ein­zel­nen Ver­schlag eine Vier­tel­stunde Pause machen dür­fen, aber ohne mit ande­ren zu spre­chen. Sie könn­ten sich ja zu kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gun­gen zusam­men­schlie­ßen, etwa um eine Straf­tat (einen Klin­gel­streich, eine kol­lek­tive Ver­ge­wal­ti­gung, alles ist mög­lich) zu pla­nen. Sie könn­ten auch in einer Garage eine Com­pu­ter­firma grün­den, die rund vier­zig Jahre spä­ter zur wert­volls­ten Marke auf­steigt. Das kann man nicht zulassen.

Entscheidung gefallen: Ich bleibe — aber anders.

Liebe Lesende,

mir fiel es nicht leicht, zu ent­schei­den, ob ich mein Bio­top Inter­net (»code is poe­try«) nicht ver­las­sen sollte. Ich habe mich dage­gen ent­schie­den. Eini­ges ist anders, ich bleibe weg bei Face­book, Twit­ter usw. Ich werde nichts per­sön­li­ches übers Tele­fon bespre­chen. Und oft lan­den zukünf­tig Anrufe auf mei­nem Anruf­be­ant­wor­ter, zumal sol­che, deren Num­mern und deren Inha­ber nicht von Ange­sicht bekannt sind. In mei­ner Drop­box lan­den zukünf­tig zwar wei­ter Pre­dig­ten, die ich als MP3 für die Gemeinde und dar­über hin­aus ver­füg­bar machen möchte. Pri­va­tes aber lan­det dort nicht mehr. Bei Brow­ser und Mail-Clienet habe ich auf quell­of­fene Soft­ware umgestellt.

Mehr zum Thema ein ande­res Mal. Ich danke allen, die mit­ge­dacht und gera­ten haben. Danke, liebe Freunde. Einer wies mich auf ein Zitat aus Man­fred Krugs »Abge­hauen« hin, das ich gern zitierte, wenn das Urhe­ber­recht das zuließe, tut es aber nicht. Daher den Tenor in eige­nen Wor­ten: Wenn alles über­all abge­hört wird, folgt, über­all alles zu sagen. — Ganz so weit gehe ich eben gerade nicht. Der­zeit über­wö­gen bei mir die Kol­la­te­ral­schä­den die reine Lehre. Und so gern ich kon­se­quent bin: Nicht um jeden Preis. Bei der Lek­türe des Pro­gramms der Pira­ten fiel mir auf, dass dort Lek­to­rat erfor­der­lich wäre: Wenn der Code die­ser Web­site so wenig regel­ge­lei­tet geschrie­ben wäre wie etwa die Zei­chen­set­zung im Pira­ten­pro­gramm, liefe die Site nie! — Das allein hin­dert bereits daran, Pirat zu wer­den; da brau­che ich dann nicht mehr auf die Inhalte zu sehen.

eine Woche Karenzzeit — keine Beiträge hier.

Liebe Lesende,

hier gab es wie­der­holt zu lesen, dass mich die NSA, NCHQ und BND-Überwachung als tech­ni­sche Mög­lich­keit nicht wun­dern, dass sie mich aber mora­lisch zutiefst ent­täu­schen. Ich will bis Monats­ende ent­schei­den, ob ich das Netz als gan­zes ver­lasse, also diese Domain lösche, alle E-Mail Adres­sen ebenso und auch Tele­fon und DSL abmelde. Noch ist alles offen, und es wird bis zum kom­men­den Wochen­ende hier keine Bei­träge mehr geben.

Ob es dann wei­ter­geht, oder ob alles ver­schwin­det, wird sich zei­gen. Ich bin unsicher.

Weil ich in die­ser Zeit eher nach­denke, werde ich mög­li­che Kom­men­tare nicht zulas­sen, weil ich sie nicht zeit­nah mode­rie­ren kann/möchte.

CU — falls das die Rich­tung wird. Wid­ri­gen­falls Adieu.

facebook, foursquare und twitter gelöscht.

Mor­gens habe ich in einem Kom­men­tar bereits dar­auf hin­ge­wie­sen — hier: Kom­men­tare auf­ru­fen -, dass ich mei­nen Facebook-Zugang auf­ge­löst habe. Das betrifft auch twit­ter und fours­quare. Ob ich wei­ter gehe, will ich bis zum Monats­ende ent­schei­den. — Siehe Kom­men­tar. Neben­bei: Auch etli­che mei­ner email-Anschriften wer­den gelöscht. Einst­wei­len siehe Impressum.

Nur noch ein­mal hier der Hin­weis: Ein Netz, das vorratsdaten-gespeichert ist, das auch in pri­va­ten Berei­chen NSA und GCHQ über­wacht wird, ist wie ein ver­gif­te­ter Brun­nen. — Ich bin noch nicht sicher, ob ich ganz aus­steige, aber zumin­dest werde ich das Was­ser nicht trinken.

Meine Predigt von heute

Unter dem Titel »In der Welt — nicht von der Welt. Von der Frei­heit von Chris­ten­men­schen ange­sichts #prism & Co.« zu Mat­thäus 13,44–46 kann hier als mp3-Datei ange­hört oder her­un­ter­ge­la­den wer­den. Sie wurde gehal­ten in der EmK Johanneskirche-Hannover.

über Öffentliches und Privates — und die Kultur des Unterschieds

Ja, ich schreibe hier öffent­lich. Mein »Sudel­web« hat auf der Skala von »per­sön­lich« bis »hoch-offiziell« eine Mit­tel­stel­lung. Das sind Ver­öf­fent­li­chun­gen, aber eben nicht sol­che, die sämt­lich zu 100 % aus­ge­reift und abge­schlos­sen wären, wie ich es etwa für eine Buch­ver­öf­fent­li­chung mir vor­stelle. Ich schreibe über vie­les, ins­be­son­dere um die Dinge, die von gesell­schaft­li­cher Bedeu­tung sind oder wer­den kön­nen. Das betrifft man­ches an Theo­lo­gie, es betrifft Lite­ra­tur, Kunst, Poli­tik und Recht. Als Dienst­leis­tung an den Lesen­den schreibe ich auch über Dinge, die mir gefal­len, die ich emp­fehle, und über sol­che Pro­dukte, um die ich zukünf­tig einen Bogen machte.

Über viele wei­tere Sach­ver­halte und The­men denke ich nach, spre­che mit ande­ren dar­über. Oft sind das die The­men, die noch nicht auf der Stufe der Öffent­lich­keit ange­kom­men sind. Ein Bei­spiel: Wenn zwei sich ver­lie­ben, so ist das eher pri­vat, wenn sie sich trauen las­sen, so ist das öffent­lich. — Es geht um gra­du­elle Unter­schiede. Einige The­men halte ich bewusst aus dem öffent­li­chen Dis­kurs raus, weil sie mir hier­für wenig geeig­net schei­nen. Und nun kom­men sta­tis­ti­sche Ver­fah­ren wie #prism & Co., die alles sam­meln, des­sen sie hab­haft wer­den kön­nen (und das ist lei­der sehr viel) an Kom­mu­ni­ka­tion und dar­über ihr Rele­vanz­kri­te­rium wer­fen. Wie­der­holt schrieb ich, dass es eine Frage unse­rer Kul­tur ist, die das Gegen­über ach­tet — oder eben auch nicht. Ob man dann die­ses Gegen­über »über­wacht«, dis­kri­mi­niert oder »psy­cha­tri­siert« (vgl. Fall Moll­ath), ins Gefäng­nis oder Lager wirft, miss­han­delt oder fol­tert: Auch dies sind gra­du­elle Unter­schiede. Wei­ter­le­sen

Bundesinnenminister untersagt Digitalkameras.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter unter­sagt Digi­tal­ka­me­ras. Seit die Foto­la­bore keine kin­der­por­no­ga­phi­schen Auf­nah­men mehr beim Ent­wi­ckeln ent­de­cken kön­nen, steht die Ermitt­lungs­ar­beit auf moras­ti­gem Grund. Dru­cker und Digi­cams wer­den daher ab kom­men­dem Jahr ver­bo­ten. Labor­be­darf wird nur noch an Käu­fer mit tadel­lo­sem Füh­rungs­zeug­nis abge­ben. — »Unan­ge­kün­digte Kon­trol­len in der Dun­kel­kam­mer behal­ten wir uns vor!«, so der Innen­mi­nis­ter. Bei Cewe­Co­lor, Fuji & Co. gilt ab sofort das Vier-Augen-Prinzip mit wech­seln­den Teams.

Der Innen­mi­nis­ter ver­neinte, dass Deutsch­land tech­no­lo­gisch abge­hängt werde: »Die Sicher­heit unse­rer Kin­der sollte uns das wert sein.«

Mautgerechtigkeit und Terrorkampf…

Nach ihrem gest­ri­gen Tref­fen tei­len Innen­mi­nis­ter und Ver­kehrs­mi­nis­ter gemein­sam mit, dass sie bei den Her­aus­for­de­run­gen, die sich aus der wach­sen­den Bedroh­nung und aus den Ver­kehrs­in­fra­struk­tur­kos­ten erge­ben, zu einem Durch­bruch gekom­men seien: Die Maut­ka­me­ras seien in der Lage, nicht nur Kenn­zei­chen zu erken­nen, son­dern dank neuer Soft­ware auch die Fah­rer (und Bei­fah­rer) von PKW mit den Pho­tos des neuen Elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­wei­ses bzw. der Gesund­heits­karte abzu­glei­chen. So könne die PKW-Maut gerecht (weil Strecken-bezogen) gleich mit der KFZ-Steuer ver­rech­net wer­den (Rück­zah­lun­gen für Wenig­fah­rende bzw. Nach­for­de­run­gen für Viel­fah­rer im Fol­ge­jahr) und ande­rer­seits wer­den auf ein­fa­che Weise umfas­sende Bewe­gungs­pro­file mög­lich, die sicher­stel­len, dass — etwa nach Anschlä­gen — schnell die Schul­di­gen ermit­telt wer­den könn­ten. Der Innen­mi­nis­ter wies auf das gleich­zei­tig in Kraft tre­tende Ver­mum­mungs­ver­bot hin: Einige, gerade ältere, Auto­fah­rer füh­ren teils noch mit Hut: Das sei ab April 2014 dann ein Bußgeld-bewährtes Vergehen.

In einer zwei­ten Aus­bau­stufe könne man auch die hin­te­ren PKW-Beifahrer steu­er­lich erfas­sen, diese müss­ten dann ab April 2015 bei Maut­brü­cken aus dem Fens­ter sehen, sofern sie auf einem der seit­li­chen Sitze säßen. Wenn das an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Brü­cken nicht geschehe, werde das Fahr­zeug gestoppt und die Iden­ti­fi­ka­tion durch die Auto­bahn­po­li­zei durchgefährt.

Warum mich #prism nicht überrascht hat.

Das mut­maß­li­che Aus­spä­hen auch pri­va­tes­ter Lebens­be­rei­che durch die us-amerikanische NSA ver­wun­dert mich nicht. Seit ich Dür­ren­matts Phy­si­ker gele­sen habe, bin ich eini­ger­ma­ßen gewiss, dass, was tech­nisch mög­lich ist, auch gemacht wird. Hier­bei ist es prin­zi­pi­ell gleich, ob es sich um LSD in Ver­neh­mun­gen han­delt oder um bio­lo­gi­sche Waf­fen, um das »finale Weg­räu­men« unpas­sen­der Poli­ti­ker oder eben um einen Internet-Staubsauger, der alle für ver­däch­tig hält, weil alle Raster-befahndet und über­wacht wer­den (GPS-Handy als elek­tro­ni­sche Fußfessel).

Es wun­dert mich nicht. — Es ver­drießt mich aber. Man­gelnde Fair­ness ist zunächst ein Zei­chen von man­geln­der Kin­der­stube, von Defi­zi­ten im Bereich des Wis­sens und Leben des­sen, was sich gehört und was all­ge­meine Umgangs­pra­xis seien soll. Tech­ni­schen Fort­schritt seit der Antike habe ich viel zu benen­nen, moralisch-ethischen Fort­schritt sehe ich kei­nen. Wei­ter­hin spie­len viele unfair, und — das schlimmste — hal­ten das für »in Ord­nung«, weil es doch um ein höhe­res Ziel geht. — So aber kann nicht gespielt wer­den. Wer die ver­ein­bar­ten Dia­lo­g­re­geln miss­ach­tet, steigt aus dem Spiel aus.

Viele kom­men damit durch, leben in ihrem geschütz­ten Bereich, aber: So ein Gemein­we­sen, in dem es nicht ein­mal die gesetz­li­chen Regeln für einige gibt, ist kei­nes, das mir attrak­tiv schiene, dort zu leben und mich ein­zu­brin­gen. Diese Mecha­nis­men sind Men­schen mei­nes Alters seit spä­tes­tens dem Cel­ler Loch bewusst. — Und lei­der scheint das inzwi­schen eher das »Kleine 1 x 1 des Herr­schafts­wis­sens« zu sein, wie man mit Undercover-Maßnahmen die öffent­li­che Mei­nung manipuliert.

Ges­tern ging es um die Straf­bar­keit von Kor­rup­tion bei Abge­ord­ne­ten, der Tages­ord­nung­punkt war sie­ben mal nicht behan­delt wor­den, von denen, deren Zustän­dig­keit dies wäre. Er wurde auch zum ach­ten Mal nicht behan­delt, und damit ist das Thema in die­ser Legis­la­tur­pe­riode erle­digt. Man­che The­men las­sen sich eine gewisse Zeit lang aus­sit­zen. Doch geht der Krug so lange zum Brun­nen, bis er zer­bricht. — Sol­ches Zer­bre­chen kün­digt sich durch ein­zelne feine (Haar-)Risse an, und von denen zeigt unsere Gesell­schaft viele. Weil bekannt­lich die ange­schla­gene Tasse die ist, die am längs­ten hält, muss das nicht hei­ßen, dass mor­gen eine Revo­lu­tion käme, das halte ich nicht für wahr­schein­lich. Aber wir berei­ten den Boden mit der­ar­tig vie­len Spreng­lö­chern, dass unser gesell­schaft­li­cher »com­mon ground« ein Minen­feld. Wenn hier Umwäl­zun­gen gesche­hen, dann oft unkon­trol­lier­bar (siehe Ende der DDR). So lange also zu gestal­ten ist, scheint es mir löb­lich, wenn Edward Snow­den die us-amerikanische Pra­xis öffent­lich macht. Es wird nichts ändern.

So lange sich nicht der Stil ändert, wie wir mit­ein­an­der umge­hen, wird sich jemand fin­den, der abhört. Inso­fern hilft der Ver­such, der NSA in die Spei­chen zu fal­len nichts, denn er wird das Rad nicht anhal­ten und schon gar nicht zurück dre­hen kön­nen. Er wird viel­mehr unters Rad gera­ten. — Wenn hin­ge­gen (in Fami­lien, Kin­der­gar­ten, Schule und andern­orts) wir eine Kul­tur der Ver­trau­lich­keit leben, der Ach­tung vor dem Ande­ren und der Fair­ness, und wenn diese mög­lichst viele erreicht, beson­ders die, die an Schalt– und Macht­stel­len kom­men, dann besteht Hoff­nung, dass die unfai­ren Spie­ler vom Spiel aus­ge­schlos­sen wer­den. Ich bedarf kei­nes Geheim­diens­tes, weder eines im Inland noch anderswo. Ich wün­sche kei­nen und halte es für ein Spar­po­ten­zial, die Vorratsdaten-Speicher zu löschen. Was das an Ser­ver­strom spa­ren hilft…

zum Zensus 2011

Das Thema der Volks­zäh­lun­gen ist ja seit der Zeit Davids ein belas­te­tes. Nun sind die Ergeb­nisse der letz­ten Zäh­lung (bzw. Daten­zu­sam­men­füh­rung mit Stich­probe) vom 9. Mai 2011 inzwi­schen ver­öf­fent­licht. Wer Inter­esse hat, fin­det hier ent­spre­chende Infor­ma­tio­nen. Ich emp­fehle, für eine Stadt, etwa in mei­nem Fall »Han­no­ver«, die ent­spre­chen­den Pdf-Dateien her­un­ter zu laden. Mir fällt auf, wie schwam­mig viele unse­rer Begriffe sind, und fast möchte ich den Sta­tis­ti­kern zuru­fen: »Speak ortho«.

Eine Kurio­si­tät am Rande, um zu illus­trie­ren, was ich meine: Vor Jah­ren hielt mich mit­ten in Han­no­ver sams­tags nachts eine Poli­zei­t­streife an. Ich fuhr Auto und wurde gefragt, ob ich vor Fahrt­an­tritt etwas getrun­ken habe. Erstaunt sah ich die Ord­nungs­kräfte an, und fragte, ob sie mein­ten, dass ich sonst so alt gewor­den wäre, ohne je etwas getrun­ken zu haben. — Man kon­kre­ti­sierte die Frage: Ob ich vor Fahrt­an­tritt Alko­hol getrun­ken habe. –Das bejahte ich, denn am Sonn­tag zuvor war ich beim Abend­mahl. — Wie gesagt: sams­tags nachts, gegen 1 Uhr früh. Man bat mich in ein Test­ge­rät zu bla­sen, was ich gern tat. Tja. Aber: Wer so prä­zi­sie for­mu­liert, kann keine Soft­ware schreiben.

Und nun zu zwei Bei­spie­len aus dem Zen­sus. Da gibt es »Evan­ge­li­sche Kir­che (öffent­lich recht­lich)«. Als Glied der evangelisch-methodistischen Kir­che gehöre ich einer Kir­che an, die Kör­per­schaft öffent­li­chen Rechts ist. Aber: Das ist hier nicht gemeint. Ver­mut­lich fände ich mich unter »Sons­tige«. Es liegt an der nicht hin­rei­chend prä­zi­sen For­mu­lie­rung, dass ich eine sol­che Frage nicht anders beant­wor­ten würde als »Evan­ge­li­sche Kir­che, öffent­lich recht­lich«, auch wenn auf mei­ner Steu­er­be­schei­ni­gung kein Kir­chen­steu­er­ab­zug ein­ge­tra­gen ist. Ver­mut­lich würde ich sogar kla­gen, dass ent­we­der der Bogen geän­dert wird oder mein Kreuz unter Evan­ge­li­sche Kir­che (öffent­lich recht­lich) erfasst wer­den muss.

Noch ein Bei­spiel aus dem Schnitt­be­reich zweier Rechts­ge­biete: röm.-kath. Pries­ter und Mön­che wer­den ver­mut­lich unter Fami­li­en­stand »ledig« gezählt. Das trifft selbst­re­dend kei­nes­wegs ihr Selbst­ver­ständ­nis und das der röm.-kath. Amts­kir­che gemäß CIC, denn ledig heißt ja, dass da quasi eine Partnerschafts-Stelle zu beset­zen sei. Sie sind aber ver­hei­ra­tet, wenn­gleich nicht mit einer Frau, son­dern mit der Braut Christi, der Gemeinde. Was soll also so jemand nun ange­ben? — An die Ver­wer­fun­gen zwi­schen staat­li­chem und kirch­li­chen Zivil­recht in der Folge der Bis­marck­schen Zivil­ehe und der Grün­dung der selb­stän­di­gen evangelisch-lutherischen Kir­che (SELK) möchte ich hier erin­nern und an den Kul­tur­kampf um diese Phänomene.

Sicher sind das jeweils Details, um die sich die ent­spre­chen­den Sta­tis­ti­ker nicht beküm­mern. Das ist weder ihr Anlie­gen noch sonst wie bedeut­sam für die Belange staat­li­cher Bevöl­ke­rungs­ver­wal­tung. Doch liegt bekannt­lich die Rele­vanz im Auge der Betra­che­rin. Mir fiel auf, dass im Zen­sus »Hoch­schul­ab­schluss« unter »höchs­tem beruf­li­chem Abschluss« auf­ge­führt ist. Dabei ist eine Hoch­schule eine Schule. Sie hat eben gerade nicht »Aus­bil­dung« zum Ziel, son­dern »Bil­dung«, zumin­dest in der heren Theo­rie trotz »Bologna-Prozess«. Daher schließt sich ja ein Volon­ta­riat, Refe­ren­da­riat, Vika­riat etc. an, die erst beruf­lich qua­li­fi­zie­ren. Inso­fern meine ich, dass eine Hoch­schul­bil­dung unter einen Schul­ab­schluss gehört. Aber das ist ver­mut­lich wider den Wort­stamm und die Ursprungs­be­deu­tung legal umde­fi­niert, dabei wäre es dies­be­züg­lich hilf­reich, wenn man auch die Hoch­schu­len umbenennte.

1986 bereits rief ange­sicht der Volks­zäh­lung 1987 Diet­rich Kitt­ner, der han­no­ver­sche Kaba­ret­tist, dazu auf, kei­nes­falls das Vor­ha­ben zu boy­kot­tie­ren, son­dern ledig­lich, aus Furcht vor Feh­lern, die ja mit hohen Stra­fen bewährt wären, etwa auf die amt­li­che Nach­ver­mes­sung der eige­nen Wohn­räume zu drän­gen, ersatz­weise auf Über­sen­dung der ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten zur genauen Ermitt­lung der Wohn­raum­grö­ßen und amt­lich geeich­ten Mess­ge­rä­tes. Und so in jedem Ein­zel­fall. Er meinte damals, dass die­ses Vor­ge­hen das Pro­ze­dere um ver­mut­lich sechs bis acht Jahre ver­län­gern könne…

Sherlock Holmes und das Tal des Grauens — und die britische Fernsehserie »Sherlock«

Grauen_1Natür­lich habe ich die Sher­lock Hol­mes Kri­mis von A. C. Doyle gele­sen, auf deutsch und als eng­li­sches Hör­buch habe ich sie auch gehört und teils gele­sen. Neu­lich bekam ich ein kos­ten­lo­ses e-Book vom Tal des Grau­ens (oder »der Angst« — im Ori­gi­nal »Val­ley of Fear«) und das habe ich gelesen.

Es war eine erfreu­li­che Wie­der­be­geg­nung mit dem Krimi nach über zwan­zig Jah­ren. Ja, ich gebe zu: Teils las ich län­ger als ich wollte, ein­fach des Tex­tes wegen. Aber auch dies ist die­ser Tage nicht neu: Es gibt ja Kor­rek­tu­ren zu lesen — Ende der Vor­le­sungs­zeit bedeu­tet auch Zeit der Haus– und Abschluss­ar­bei­ten -, also komme ich in der »Frei­zeit« der­zeit kaum aus der Lek­türe her­aus und stelle hier mal fest: Mei­nen Rund­funk­ge­bühr, die jetzt »Teil­neh­mer­bei­trag« heiß (nähme ich teil, trüge ich bei, tue ich aber nicht, muss aber trotz­dem zahlen)t, habe ich bezahlt, aber »vor­be­halt­lich gericht­li­cher Klä­rung«. Wei­ter­hin sehe ich nicht fern und hoffe, dass die Kla­gen ein Kip­pen der Ver­drei­fa­chung mei­ner »Bei­trags­pflicht« bewirken.

Jeden­falls las ich also das »Tal des Grau­ens« und stelle fest, wie sehr in sei­ner etwas arro­gan­ten Art der »Sher­lock« Doyles in der bri­ti­schen Serie (die ich auf DVD bevor­rate) getrof­fen ist. Ja, so kommt er im Text her­über: Einige Grade schlauer und viel weni­ger »begrenzt« im Den­ken als die Poli­zis­ten. Dass mehr als ein Drit­tel des Tex­tes in den USA spielt und sich als Bericht des anfangs mut­maß­lich Ermor­de­ten tarnt, geht für die­ses Buch in Ordnung.

Die Ver­hält­nisse die­ses us-amerikanischen Tales der Angst oder des Grau­ens, die fin­den sich auch heute noch, und nicht nur in so genann­ten Bana­nen­re­pu­bli­ken. Dass Mäch­tige ihre Macht miss­brau­chen und gerade auch in poli­ti­schen Ämtern Macht nicht nur zum größt­mög­li­chen Nut­zen der größt­mög­li­chen Anzahl von Men­schen ein­ge­setzt wird, ist kaum neu. Dass Rei­che immer Rei­cher wer­den und andere wenig Anteil an den Res­sour­cen erhal­ten, gilt (fast) über­all. Inso­fern: Im Wes­ten nichts neues. Und doch eine Stu­die, die auch heute noch lohnt, geht es doch darum, wie weit »ver­deckte Ermitt­ler« gehen und gehen dür­fen. Auch der Ethi­ker hat also etwas von die­ser leicht les­ba­ren Lek­türe, die eigent­lich bloß unter­hal­ten möchte.

Grauen_2

gestern vor 50 Jahren: Zweites Vatikanisches Konzil

Der Blick auf die welt­wei­ten Kir­chen kann auch aus der Per­spek­tive eines Metho­dis­ten kaum über die bedeu­ten­den und ein­schnei­den­den Ände­run­gen hin­weg­se­hen, die das Zweite Vati­ka­ni­sche Kon­zil aus­ge­löst hat. Es begann (ges­tern) vor 50 Jah­ren und dau­erte bis Dezem­ber 1965 an. Die­ses Kon­zil hatte, ohne hier ins Detail gehen zu wol­len, dafür gibt es Hubert Jedins »Kleine Kon­zi­li­en­ge­schichte« oder wenigs­tens den Wiki-Artikel, das Thema der Bezie­hung der Kir­che zur moder­nen Welt, zu ande­ren Welt­an­schau­un­gen, zur Öku­mene. Außer­dem folgte eine Lit­ur­gie­re­form, die für katho­li­sche Ver­hält­nisse beacht­lich ist. Nicht zuletzt folgte ganz über­wie­gend die Messe in den Landessprachen.

Anders gesagt: Das Zweite Vati­ka­ni­sche Kon­zil ist die ver­mut­lich größte Reform der Katho­li­schen Kir­che in der Neu­zeit von innen her­aus. Nicht umsonst wird das Kon­zil in sei­nen Wir­kun­gen, gerade von den Kri­ti­kern — z.B. Lef­eb­vre — mit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion ver­gli­chen. Bis heute geht — gerade inner­halb der röm.-kath. Kir­che — die Aus­ein­an­der­set­zung darum, ob die Refor­men bedeu­tend zu weit gin­gen. Dies beto­nen die Tra­di­tio­na­lis­ten. Sie sehen den Nie­der­gang der röm.-kath. Kir­che in den 1970er und 1980er Jah­ren bis heute als eine Folge des »Rück­zugs« von eigent­lich unauf­geb­ba­ren Posi­tio­nen und Ansprü­chen der Kir­che. Wei­ter­le­sen

achtsame Kommunikation und kreuz​.net

Die meis­ten Men­schen lesen angeb­lich vor allem sol­che Nach­rich­ten, hören sol­che Radio­sen­der, sehen sol­che Fern­seh­pro­gramme, die in der eige­nen Auf­fas­sung bestä­ti­gen. Beson­ders auf­fäl­lig sei dies in den USA, in denen fast jede Nische mit einem ent­spre­chen­den Sen­der bestückt sei, so dass man nichts zur Kennt­nis neh­men müsse, das das eigene Welt– und Selbst­bild erschüt­tern könne. So weit das All­ge­meine. Was mich betrifft, so kann ich zwar grund­sätz­lich ähn­li­ches ver­mel­den, ich höre vor allem Deutsch­land­funk, WDR-5 und NDR-Info, lese vor allem Zeit und Süd­deut­sche (und das vor allem im Netz, gele­gent­lich kaufe ich mal eine Aus­gabe), lese regel­mä­ßig einige Blogs und folge in der Tat — etwa auf Twit­ter — den so genann­ten Link­sevan­ge­li­ka­len von Sojour­ners und Fresh Expres­si­ons sowie der UMC, der »Dach­kir­che« mei­ner ev.-meth. Kir­che.

Um es nicht zu ein­sei­tig wer­den zu las­sen, das eigene Welt­bild, ver­ordne ich mir gele­gent­lich eine ordent­li­che Por­tion NDR Radio-Niedersachsen (kaum erträg­lich!) und junge Frei­heit, dazu dann Bild​.de und aus Grün­den der Voll­stän­dig­keit eben auch kreuz​.net. Letz­tere geis­tern seit der ver­gan­ge­nen Woche durch alle Medien, weil sie nach dem Tode Dirk Bachs der­ma­ßen ver­bal aus­ge­teilt haben, dass ein Ver­le­ger eines Män­ner­ma­ga­zins für gleich­ge­schlecht­lich Ori­en­tierte inzwi­schen eine Beloh­nung von 15.000 € für Hin­weise aus­ge­setzt hat, die zur Ergrei­fung der Hin­ter­män­ner bzw. –frauen füh­ren, die kreuz​.net betrei­ben. Wei­ter­le­sen

die Todesstrafe ist die schlimmste Form von Ungeduld…

»Ich ver­stehe diese Schi­zo­phre­nie der US-Amerikaner nicht. Nen­nen sich Chris­ten, Bush sogar Metho­dist, und sind prak­ti­zie­rende Scharf­rich­ter. Kön­nen wir nicht mal ein Zei­chen set­zen und als Metho­dis­ten sol­che Mit­glie­der ›exkom­mu­ni­zie­ren‹. Sol­len die doch woan­ders beten. Und wenn sie begrif­fen haben, worum es geht, dür­fen sie wie­der­kom­men.« — schrieb ein Freund ges­tern bei Facebook.

Amnesty Inter­na­tio­nal macht der­zeit eine Kam­pa­gne gegen die Todes­strafe anläss­lich des inter­na­tio­na­len Tages gegen die Todes­strafe, der am 10. Okto­ber began­gen wird. Eines der Pla­kate, die da von Amnesty täg­lich prä­sen­tiert wer­den, die Argu­mente nen­nen und illus­trie­ren, das ich bei Face­book teilte, pro­vo­zierte einen Freund aus der Gemeinde zu die­ser These.  Wei­ter­le­sen

Statt Feiertagsreden zum 3. Oktober lieber Motorradtour nach Bergen-Belsen…

Was tun, wenn ein Fei­er­tag mit­ten in der Woche liegt, er sich somit als Brü­ck­en­tag wenig anbie­tet? Ein­fach man ruhig ange­hen, dachte ich mir. Tra­di­tio­nell habe ich bereits öfter den 3. Okto­ber zu Aus­flü­gen nach Bergen-Belsen genutzt. Wenn das Wet­ter mit­spielt ist das eine guter Tag, um drü­ber nach­zu­den­ken, wor­auf eigent­lich unser gesell­schaft­li­ches Mit­ein­an­der auf­baut, was unter dem Pflas­ter liegt an Schre­cken und Unmenschlichkeiten.

Bei die­sem Mal war ich nicht allein, son­dern fuhr mit mei­nem Bru­der je mit einem Motor­rad… Tra­di­tio­nell mit einem Zwi­schen­stop am Aller­kraft­werk in Oldau. In der Gedenk­stätte habe ich bei die­sem Besuch den Schwer­punkt auf die Dis­pla­ced Per­sons gelegt, und mir scheint, dass die Idee des Natio­nal­staa­tes mit einem ein­heit­li­chen Recht, fes­ten Gren­zen und eben auch einer — nach Kant — ein­heit­li­chen Reli­gion und Spra­che so gar nicht passt. Dass das auch heute nicht so rich­tig ein­schlä­gig ist, zeigt sich für alle bei der Reli­gion, aber es ist eben auch mit den »natio­na­len Min­der­hei­ten« (Süd­schles­wig­sche Min­der­heit in Schleswig-Holstein und etwa Sor­ben) nicht pas­sen. Das Modell aber passt auch nicht bei Roma und Sinti. Als ich wie­der mal die Ver­wer­fun­gen und das Bemü­hen um Nor­ma­li­tät sah, die da von 1945 bis 1950 herrsch­ten, mit jiddisch-deutschen Hoch­zeits­ein­la­dun­gen und pol­ni­schen Zeug­nis­sen für Motorrad-Schlosserinnen, mit erneut unwür­di­gem Umgang deut­scher Behör­den mit den geschun­de­nen und miss­han­del­ten See­len, hatte ich den Ein­druck, wie dünn der kul­tu­relle Mut­ter­bo­den ist. Dar­un­ter aber hat sich man­ches gehal­ten aus der Zeit vor 1945 und — dies beson­ders ein­drück­lich — aus einer emp­fun­de­nen »natio­na­len« Höher­wer­tig­keit.  Wei­ter­le­sen

Über Parallelitäten und Gesellschaften

Die Rede von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten höre ich seit eini­gen Jah­ren vor allem bezo­gen auf so genannte Migranten-Quartiere, in denen sich eigene Struk­tu­ren und Ord­nun­gen ent­wi­ckel­ten, wie man sagt. Im Rah­men der Sarazin-Debatte ging es um sol­che in Ber­lin und beson­ders in so genann­ten »Brennpunktschulen«.

Einige kon­ter­ten, dass man­che abge­ho­bene »Schich­ten« oder »Mil­lieus« — etwa in der Ein­kom­mens­spitze und auch in der Poli­tik — lange schon in Par­al­lel­wel­ten leb­ten. Dass sie mit den Sor­gen und Nöten der Otto-Normalbürger nichts zu tun hät­ten, weil sie auch nicht drauf ange­wie­sen seien. Schwie­rig wird es eigent­lich nur dann, wenn ein­mal Urteile nicht zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wer­den, weil dann die ent­spre­chen­den Abheb­ler zügig auf dem Boden der Nor­ma­li­tät, zuge­ge­ben ist die­je­nige hin­ter Git­tern eine spe­zi­elle, ankommen.

Diese Tren­nung in unter­schied­li­che Schich­ten oder Mil­lieus, mei­net­we­gen auch Klas­sen, führt zum schwin­den­der Chan­cen­gleich­heit. Dies beginnt mit dem Wohn­ort, und ent­spre­chen­den Ange­bo­ten für Kin­der, setzt sich über die Schu­len fort und führt zu einer ererb­ten Armut bzw. zu ererb­tem Wohl­stand, was, über einige Gene­ra­tio­nen betrach­tet, in eine Art »Kas­ten­we­sen« mün­det. Die Illu­sio­nen der 1970er Jahre sind dem Para­digma des Mark­tes zum Opfer gefal­len und die Sozia­len Bekennt­nisse bzw. Denk­schrif­ten wer­den von der Mehr­heit der Men­schen hier­zu­lande schon lange nicht mehr zur Kennt­nis genommen.

Nun aber zu mei­ner Par­al­lele: Wir kön­nen, so meine ich, von Micha und Amos, den Pro­phe­ten, eine Menge ler­nen. Ich möchte hier nicht auf die Details ein­ge­hen, stelle aber fest, dass gesell­schaft­li­cher Über­schuss (»sur­plus« wie die Sozi­al­ge­schicht­ler unter den Alt­tes­ta­ment­lern sagen) leicht dazu führt, dass die Ver­tei­lung die­ses Wohl­stands so erfolgt, dass die, die (poli­ti­sche, mili­tä­ri­sche, wirt­schaft­li­che, …) Macht haben, diese nut­zen, um ein über­pro­por­tio­na­les Stück vom Kuchen abzubekommen.

In der Nähe mei­nes Eltern­hau­ses gibt es ein Graffiti:

»Die meis­ten Men­schen hören auf zu rudern, wenn sie am Ruder sind.«

Natür­lich gibt es (oder sollte ich sagen: »natur-notwendig«) immer Werte, »von denen einige Leute mehr haben wer­den als alle ande­ren zusam­men. Mehr Sterne am Kra­gen, mehr Strei­fen auf der Brust, sicht­bar oder unsicht­bar, denn arm und reich wird es immer geben, genau wie dumm und gescheit. Und der Kir­che … ist lei­der nicht die Macht gege­ben, zu bestim­men, wie ein Staat regiert wer­den soll.« (Ö. v. Hor­várth, Jugend ohne Gott, Kapi­tel ›Auf der Suche nach den Idea­len der Mensch­heit‹ — seit 2009 gemein­frei, da »glück­li­cher­weise« der Ver­fas­ser in Paris 1938 vom Ast erschla­gen wor­den ist).

Der Dia­log zwi­schen dem Leh­rer als Ich-Erzähler Hor­váths und dem Dorf­pfar­rer geht noch wei­ter und führt dahin, dass die (röm.-katholische Amts-)kirche nicht anders könne als auf der Seite der Mäch­ti­gen zu ste­hen. Das ist in der Heils­ar­mee und bei den Jesus-Freaks anders — und auch in mei­ner Kir­che steht man zwar gewiss nicht in Oppo­si­tion zum Staat; aber in Dis­tanz und stets auf Seite der Opfer, vgl. etwa das ange­spro­chene Sozia­len Grund­sätze der EmK.  Doch stellt sich mit Bon­hoef­fer die Frage, ob es genüge, die Opfer unter dem Rad zu ver­sor­gen, oder ob es nicht erfor­der­lich ist, dem Rad in die Spei­chen zu fallen?

Man­da­ten­ethisch gefragt: Ist es nicht nötig, mehr zu tun als zu pre­di­gen und indi­vi­du­al­ethisch anstän­dig zu leben? Könnte es nicht nötig wer­den, zu mah­nen und unsere Mög­lich­kei­ten als Chris­ten­men­schen und als Gemein­den mah­nend in die Waag­schale zu wer­fen, weil die Gerech­tig­keit einer Gesell­schaft — zumin­dest bei Micha und Amos — an denen bemes­sen wird, die sich nicht selbst hel­fen kön­nen. Und eben die kom­men heute wie­der mehr und mehr unter die Räder.

Das deut­sche Sys­tem der »sozia­len Markt­wirt­schaft« aus der Tra­di­tion des Ordo-Liberalismus muss sich daran mes­sen las­sen, ob es den Men­schen dient, den Men­schen, nicht bloß eini­gen. Wenn das nicht so ist, wenn die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit und die Chan­cen­un­gleich­heit stei­gen, dann führt die wirt­schaft­li­che Frei­heit eben zu zahl­rei­chen ande­ren Unfrei­hei­ten, zu ein­ge­schränk­ter Teil­habe der meisten.

In den USA gibt es seit eini­ger Zeit eine Dis­kus­sion »what would Jesus cut«, bei der es darum geht, dass Haus­halts­an­sätze eben auch ein geist­li­ches Doku­ment sind. Wo sparte Jesus ein? Bei der Steu­er­stun­dung für Allein­er­zie­hende? Oder beim Spit­zen­steu­er­satz? Mehr dazu gibt es hier.

Ich habe selbst noch keine Ant­wor­ten, sehe aber, dass die Fra­gen der Zeit eine ganz neue Qua­li­tät der Her­aus­for­de­rung für die gesamte Gesell­schaft — und für die, die sich als Chris­tin­nen und Chris­ten ver­ste­hen, auch eine geist­li­che Her­aus­for­de­rung — bedeutet.

Schnittstellenbau und Skalierung in kirchlichen Organigrammen

Wer die Lösch-Feldzüge bei Wiki­pe­dia mit dem Kri­te­rium feh­len­der »Rele­vanz« der gelösch­ten Arti­kel etwas ver­folgt hat, weiß, dass EDV-Erfahrene, etwa Felix v. Leit­ner (Fefe) eine andere Form der Schnitt­stel­len, der Benutzenden-Interfaces, emp­feh­len, die allein in ihrer Struk­tur eher Wach­tum ermög­li­chen als Löschung nahe­zu­le­gen. Dies Thema, wie also die Form inhalt­lich rück­wirkt, finde ich schon  lange fas­zi­nie­rend. Als ich mich mit der Ent­ste­hung bestimm­ter theo­lo­gi­scher Modelle in der Alten Kir­che befasste, wurde mir deut­lich, was allein durch die kai­ser­lich ein­be­ru­fe­nen Kon­zi­lien »los­ge­tre­ten« wurde. Plötz­lich muss­ten die Dinge ter­mi­no­lo­gisch fest­ge­legt wer­den, damit ent­scheid­bar wurde, was gel­ten soll und was als fal­sche Lehre ver­wor­fen wer­den sollte. — Dabei ist klar, dass die Kom­pro­miss­for­meln oft theo­lo­gisch weder Fisch noch Fleisch wur­den, sie durf­ten ja kei­ner Seite über die Maßen recht geben, um nicht ande­rer­seits die Gegen­po­si­tion vor den Kopf zu sto­ßen. Gerade in »Glau­bens­din­gen« geht es ja mit Argu­men­ten und Herz­blut zur Sache. Wenn im Nes­t­o­ria­ni­schen Streit um den Titel der »Gott­ge­bä­re­rin« für Maria gestrit­ten wurde, dann gibt es zwar eine ver­wor­fene Lehre, die als nes­t­o­ria­nisch bezeich­net wurde, die aber mit der tat­säch­li­chen Posi­tion des Patriacrchen von Kon­stan­ti­no­pel nur am Rande zu tun hat und schon gar nicht der dahin­ter ste­hen­den Gedan­ken­welt Rech­nung trägt, die Nes­t­o­rius moti­vierte, in der Folge der antio­che­ni­schen Schule so zu argu­men­tie­ren, wie er es tat.

Das ist nicht nur ein rand­stän­di­ges Thema, wenn aktu­ell die Pira­ten­par­tei ver­kün­det, sie habe kein Pro­gramm, son­dern ein »Betriebs­sys­tem«, so ist das vie­len klas­sisch fra­gen­den und den­ken­den Jour­na­lis­ten kaum zugäng­lich: »Wer sagt denn nun, wie es gemacht wird?« — »Wir haben da ein vir­tu­el­les Mei­nungs­bilungs­tool, das erlaubt, mit allen die Frage ad hoc zu ent­schei­den.« Liebe Lese­rin, lie­ber Leser, da pas­sen bis­he­rige Denk­mo­delle nicht, weil die Form eine andere ist. Gerade ist das höchste (irdi­sche) Gre­mium mei­ner Kir­che (ev.-meth.), die Gene­ral­kon­fe­renz in Flo­rida zuende gegan­gen. Für mich ein Anlass, über einen sel­ten bedach­ten Bereich zwi­schen Theo­lo­gie, Orga­ni­sa­ti­ons­lehre und den jewei­li­gen Rück­wir­kun­gen auf die Inhalte nach­zu­den­ken. Wei­ter­le­sen

unlauterer Wettbewerb in der Gastronomie

mehr­fach fal­scher Bon

Die wenigs­ten Gas­tro­no­men wer­den reich. Viele zah­len weit unter Tarif und kom­men den­noch kaum über die Run­den. Der Wett­be­werb ist hart, so dass man­che auch unlau­tere Metho­den anzu­wen­den bereit sind: Ich hatte die­ses Gericht klar und deut­lich zum Ver­zehr in der Gast­stube bestellt. Bekam es auch ent­spre­chend auf dem Tel­ler und nicht etwa in einer Trans­port­ver­pa­ckung. Bevor ich bestel­len konnte, zahlte jemand ande­res, und auch dort, es fiel mir sofort auf, wäh­rend ich an der Kasse stand, war der Bon mit 7 % Mehr­wert­steuer aus­ge­stellt. Die Kun­den bezahlte 24,80 EUR und ging mit zwei wei­te­ren Gäs­ten. Dann bestellte ich. In mei­ner Anwe­sen­heit bezahl­ten zehn Gäste ihre Rech­nun­gen, und acht davon hatte im Lokal (oder auf der Außen­ter­rasse) geses­sen zur Ein­nahme der Speisen.

Bei mei­ner Rech­nung macht der Unter­schied zwi­schen »außer Haus« (ein Freund bemerkte im Inter­net zutref­fend, dass nach Diphtong ein »ß« zu ste­hen habe) 0,96 EUR aus (bei 8 EUR Rech­nungs­be­trag). bei mei­nem Essen wur­den also 0,96 EUR Steu­ern nicht abge­führt. In den ca. 20 Minu­ten, die ich da war, gab es ca. zehn Kun­den, davon acht, die dort aßen. Wenn das Durch­schnitt ist, macht das gut 23 EUR pro h, die der Finanz­mi­nis­ter nicht bekommt. Und das macht am Tag ca. 240 EUR oder bei 30 Tagen im Monat ca. 7.257 EUR. In einem Laden.

Nun muss jeder gucken, wie er oder sie über die Run­den kommt. Und ich finde die Rege­lung mit dem ermä­ßig­ten MwSt.-Satz (7 %) für außer Haus Ver­kauf gegen­über dem vol­len Satz von 19 % für Restau­rant­leis­tun­gen im Lokal wenig ein­leuch­tend und — schlicht gesagt — unglück­lich. Aber das darf m.E. nicht dazu füh­ren, dass die/der Gastronom/in sich einen Vor­teil gegen­über ande­ren durch Steu­er­hin­ter­zie­hung ver­schafft. Ent­we­der zwei Lis­ten (wobei die netto Preise gleich sind, und nur durch unter­schied­li­che Steu­er­sätze die Spei­sen außer Haus 12 % güns­ti­ger wer­den. Oder grö­ßere Por­tio­nen außer Haus. Wie auch immer. Wenn ich im Lokal esse, dann muss die Quit­tung auch die ent­spre­chen­den Steu­ern aus­wei­sen und der Gas­tro­nom möge sie abfüh­ren. Wid­ri­gen­falls wer­den Steu­ern hin­ter­zo­gen und andere, die fair nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen han­deln, unlau­ter über­vor­teilt. Das will ich nicht.

Ich meide die­sen Imbiss und emp­fehle ande­ren, alle Lokale zu mei­den, die so vor­ge­hen. Im Wie­der­ho­lungs­fall bitte ich um eine neue Quit­tung, die die kor­rekte Mehr­wert­steuer ausweist.

Zu: Roman Herzog: »Der ökonomische Putsch«

Am 20. April 2012 lief im Deutsch­land­funk eine ein­drück­li­che Sen­dung, in der es darum geht, wie inter­es­sierte Ein­zelne oder Unter­neh­men mit Spe­ku­la­tio­nen die Demo­kra­tie welt­weit angrei­fen. Sei es in Latein­ame­rika oder nun in Europa. Der Deutsch­land­funk schreibt:

»Gezielte Spe­ku­la­ti­ons­at­ta­cken auf ganze Volks­wirt­schaf­ten, unan­tast­bare Finanz­agen­tu­ren, die Regie­run­gen in die Knie zwin­gen, und ohn­mäch­tige Poli­ti­ker, die gebets­müh­len­ar­tig wie­der­ho­len, es gäbe keine Alter­na­tive: Europa befin­det sich im Wirt­schafts­krieg.« (hier)

Die Sen­dung ist des­halb so emp­feh­lens­wert, weil dort Men­schen sehr weit gedacht haben. Oft wird ja jour­na­lis­tisch stets die glei­che Agen­tur­mel­dung auf­ge­wärmt. Hier wurde recher­chiert und das bei sehr kom­pe­ten­ten Fach­leu­ten. Ich bin nicht sicher, ob die Ergeb­nisse 100 % zutref­fen. Sicher ist aber, dass es mehr als anre­gend ist, die­sen Blick auf die Phä­no­mene zu wagen. Wer Michel Fou­cault 1979 hört bei sei­ner Vor­le­sung, der könnte ihn für einen Pro­phe­ten hal­ten. — Unglaub­lich weit­sich­tig sind seine Ana­ly­sen. Zwi­schen »mün­del­si­cher« und »hoch­spe­ku­la­tiv« bewe­gen sich die Anla­gen, und die ent­spre­chen­den Ban­ker gewin­nen immer — ent­we­der Boni oder Sub­ven­tio­nen, um Insti­tute, die zu groß gewor­den sind, um kon­kurs zu gehen, auf­zu­fan­gen und abzustützen.

Die Sen­dung kann hier vom Deutsch­land­funk her­un­ter gela­den wer­den. Kom­men­tare sind will­kom­men. — Jeden­falls erlebe ich beim Deutsch­land­funk (und manch­mal bei Arte) diese Art anre­gen­den Jour­na­lis­mus, die ich mir auch in RTLs Mit­tags­pro­gramm wünschte, was öfters in einem Imbiss läuft und mir in der Pause den Appe­tit ver­dirbt. Diese Art von Denk­stoff gibt es viel zu sel­ten. Habe mir glatt den Fou­cault aus dem Regel geholt und nachgelesen.

Wenn es tat­säch­lich so ist, dass Argen­ti­nien, das sich 2002 für insol­vent erklärte, ein Aus­weg ist aus dem Stüt­zen sys­tem­re­le­van­ter Banken/Versicherungen, dann ist eben mit »alter­na­tiv­los«, Frau Dr. Mer­kels Lieb­lings­wort lei­der etwas unzu­tref­fen­des ange­spro­chen. Warum das Wort an sich ein Unwort ist, ler­nen wir hier bei http://​www​.neu​sprech​.org.

»Kampfradler« und Kennzeichnungspflicht im Überwachungsstaat

Peter Ram­sauer hat ein neues Thema, bei dem die Ord­nung und der Anstand gefähr­det schei­nen. Die »Kampf­rad­ler«, so habe er gemäß Inter­view in der Neuen Osna­brü­cker Zei­tung beob­ach­tet, miss­ach­te­ten unter den Augen von Poli­zis­ten rote Ampeln und jede Ver­kehrs­re­gel. — Allein das letz­tere kann nicht ganz ernst gemeint sein: Da es poten­zi­ell sehr viele Regeln gibt, zumal im inter­na­tio­na­len Ver­gleich, ist es unwahr­schein­lich, dass Herr Ram­sauer beob­ach­tet hat, wie jede ein­zeln und nach­ein­an­der über­tre­ten werde.

Wenn aber der logi­sche Kate­go­ri­en­feh­ler (All­quan­tor »alle Regeln wur­den gebro­chen«  statt »es gibt Regeln, die gebro­chen wur­den«) güns­tigs­ten­falls eine Aus­druck der Nach­läs­sig­keit seien mag, so ist zu befürch­ten, dass es sich um einen Vor­satz han­delt, um zu dra­ma­ti­sie­ren. Schon Klem­pe­rer wusste, dass der Blick auf die Spra­che zur Beur­tei­lung von Poli­tik hel­fen kann. Im Arti­kel des Tages­spie­gels, hier, kommt ent­spre­chend die Gewerk­schaft der Poli­zei zu Wort. Die For­de­run­gen sind die übli­chen: Kenn­zeich­nung (nicht für die Poli­zis­ten, son­dern für die Rad­fah­ren­den bzw. deren Räder), Stei­ge­rung der Buß­gel­der (auf das Niveau wie bei Kraft­fah­ren­den). Wei­ter­le­sen

über David und Goliath — vor einer Woche!

Heute vor einer Woche war auf einer Bühne an der Expo-Plaza eine Mas­sen­szene zu dre­hen geplant. Freunde such­ten Mit­wir­kende, Sta­tis­ten … über das Inter­net. Ich hatte bis rund 17 Uhr zu arbei­ten und um 19:30 Uhr die »Gottesdienst-Werkstatt« in der Gemeinde. Die Zeit dazwi­schen habe ich den »Machern« ange­bo­ten. Rund ein Dut­zend Sta­tis­ten saß bereits im Foyer herum, als ich ein­traf. Und dann kam auch die Crew.

Eine kurze Ein­füh­rung folgte, was das eigent­lich für ein Film sei… Man habe näm­lich am Diens­tag um 10 Uhr früh das Thema vom Ver­an­stal­ter bekom­men, und seit die­sem Zeit­punkt stän­den ins­ge­samt 99 Stun­den Zeit zur Ver­fü­gung, bis der fer­tige Film — Dauer: 99 s — abge­ge­ben wer­den müsse. Aller­dings sei es, wie sich bei der Lek­türe des Klein­ge­druck­ten raus­stellte, doch eine ziem­li­che Aus­beu­tung: Man lasse Tau­sende Teams über­all im Land Filme erstel­len, ver­gebe für drei Bei­träge Preise und sichere sich alle Rechte aller ein­ge­reich­ten Bei­träge. Und eben das wolle die­ser Film the­ma­ti­sie­ren. Nun gehe es um eine Szene mit einem Pro­test­song, und wir müss­ten alle ent­spre­chend mit­schun­keln und dann mit dem Fuß kräf­tig auf­stamp­fen… — Schließ­lich kamen wir in die Pro­ben­bühne, und als auch die Tech­nik Strom hatte, musste ich los zur Got­tes­dienst­werk­statt in der Gemeinde. Aber: Die Geschichte ging zügig weiter…

Inzwi­schen behark­ten die Aus­rich­ter des Wett­be­werbs die han­no­ver­schen Kol­le­gen bereits juris­tisch. Der Vor­wurf der Ver­leum­dung steht im Raum. - Wie war das mit dem gewal­ti­gen Schild und Speer (bei Goli­ath)?  Eben: Ein­schüch­te­rungs­ver­su­che gab es ja auch bereits bei den Phi­lis­tern, bei David und Goli­ath. Und bekannt­lich freut es alle, wenn man­cher Riese uner­war­tet umfällt, muss ja nicht mit einem Loch in der Stirn sein. Könnte auch schon genü­gen, ein­fach mal die Teil­nah­me­be­din­gun­gen und AGB zu ver­än­dern!? Jeden­falls ist der Bei­trag über 14.000 mal ange­klickt seit er bei youtube steht und ist der meis­tauf­ge­ru­fene Film zu die­sem 99 Sekunden-Thema.. Achso, ich soll das Ver­lin­ken oder Ein­bet­ten? Hier!

Gege­be­nen­falls reicht es ja schon, dass einer kommt wie in der fünf­ten Stro­phe Mat­thias Clau­dius’ Gedicht »David und Goliath«:

»Da kam in sei­nem Schä­fer­rock
Ein Jüng­ling zart und fein;
Er hatte nichts als sei­nen Stock,
Als Schleu­der und den Stein,
Und sprach: ›Du hast viel Stolz und Wehr,
Ich komm im Namen Got­tes her.‹«

Damit kön­nen die Kol­le­gen von Amano ja immer­hin die­nen… Und wenn nicht David und Goli­ath, so doch zumin­dest Streisand-Effekt.

über Konversionen.

Die­ser Arti­kel in La Stampa berich­tet, dass ein Mit­glied der Kuwai­ti­schen Königs­fa­mi­lie zum Chris­ten­tum kon­ver­tiert sei und nun um sein Leben fürchte. Bedau­er­li­cher­weise ist es noch immer so, dass Reli­gi­ons­frei­heit, und zwar posi­tiv (als Frei­heit zu einer Reli­gi­ons­aus­übung) wie nega­tiv (als Frei­heit von reli­giö­ser Bin­dung) vie­len Men­schen nicht mög­lich ist. In eini­gen Regio­nen die­ser Erde mei­nen Men­schen an der Macht, dass sie den Glau­ben ande­rer bestim­men könn­ten. Zumin­dest ver­sucht man, Kon­ver­sio­nen zu bestrafen.

Mir scheint, dass ein Wech­sel des Glau­bens mit­un­ter pas­sie­ren kann, ja muss. Wenn jemand Christ wird, kann er vor­her alles denk­bare andere gewe­sen sein. Auch denk­bar, dass jemand vom Chris­ten zum Hei­den wird, weil ihm oder ihr der Glaube abhan­den kommt. Kon­ver­sio­nen kom­men vor. Man­cher wird Mos­lem, man­che wird Jüdin, Hindu oder was auch immer. Dass es für jeman­den, ob nun poli­ti­scher Macht­ha­ber oder über­zeug­ter Gemeinde-Mitarbeitender, dem Glaube wich­tig ist, eine wich­tige Ent­schei­dung ist, wohin jemand kon­ver­tiert, wenn damit eben auch »heils­re­le­vante« Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den, könnte er oder sie auf die Idee kom­men, hier unlieb­same Kon­ver­sio­nen unter höchste Stra­fen zu stel­len. Selbst das aber bringt nichts.

Ich freue mich, wenn jemand Christ wird. — Und ich achte alle, die ander­wei­tig kon­ver­tie­ren. Ich finde es teils über­aus schade, aber ich achte die Frei­heit der ande­ren höher als meine Ein­schät­zung der mög­li­chen Fol­gen. Wenn ich einem gewe­se­nen Chris­ten, der jetzt Mos­lem ist, helfe, auch helfe, ein bes­se­rer Mos­lem zu wer­den, dann kann ich ihm etwas von Got­tes Liebe, die ich glaube, widerspiegeln.

Für mich ist der Bericht in La Stampa eine Steil­vor­lage für ein Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn Kanz­le­rin Dr. Mer­kel zum Islam kon­ver­tierte? Wei­ter­le­sen

Wo bleibt denn die GEMA, wenn man sie mal braucht?

Die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, dass bei einer Kund­ge­bung natio­nal­so­zia­lis­tisch Geson­ne­ner als »Chif­fre« nun der Titel­song aus Paul­chen Pan­ther gesun­gen wurde. Diese Musik wurde von der Zwi­ckauer Nazi-Zelle (»NSU«) in ihren Beken­ner­vi­deos als Hin­ter­grund­mu­sik gewählt.

Zutref­fend stellt die Süd­deut­sche dar, dass man ja schlecht, bloß weil bestimmte Chif­fren in rech­ten Krei­sen gebraucht wür­den, Buch­sta­ben des Alpha­bets (wie »AH« oder 18 (die ent­spre­chen­den Zahl­werte) für Adolf Hit­ler oder »HH«/88 für »Heil Hit­ler«) oder Zif­fern ver­bie­ten könne. — Das ginge in der Tat zu weit. Was aber hin­dert eigent­lich daran, bei urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Wer­ken, die­je­ni­gen zur Kasse zu bit­ten, die diese öffent­lich auf­füh­ren, ohne hier­für befugt zu sein? Die ent­spre­chende GEMA-Direktion ist doch gar nicht weit vom Ort der Kund­ge­bung in Mün­chen entfernt?

Wenn ent­spre­chende Bescheide wie bei den Later­nen­um­zü­gen von Kin­der­gär­ten an die Par­teien und die (sicher nach den ein­schlä­gi­gen Über­wa­chungs­vi­deos aus­zu­ma­chen­den) Ein­zel­sän­ger zuge­stellt wür­den, wäre es doch end­lich mal eine krea­tive Aus­le­gung des ros­ti­gen Urheberrechts-Säbels.

Merke: Da, wo straf­recht­lich keine Hand­habe ist, bleibt immer noch der zivil­recht­li­che Weg. Viel­leicht haben ja die Urhe­ber bestimmte Auf­füh­rungs­ein­schrän­kun­gen ver­fügt? Dann bliebe noch die (kos­ten­be­währte) Unterlassungsverfügung…

Neben­bei: Als ich Paul­chen Pan­ther las, dachte ich erst­mal als Peter Pan­ter, eines der Pseud­onyme Kurt Tuchols­kys, um die Welt­bühne nicht zu Tucholsky-lastig erschei­nen zu las­sen… Dass die Rechts­ge­rich­te­ten seine Songs sän­gen, hätte mich ver­wun­dert. Wäre aber zumin­dest (dank sei­nes Sui­zids vor mehr als 70 Jah­ren) urhe­ber­recht­lich unbedenklich.

Ich wollt es wäre Kund­ge­bung und die GEMA käme.

Warum »Fruchtaufstrich« statt »Marmelade«…

Diese Mar­me­lade ist ein »Fruchtaufstrich«

 

Lebens­mit­tel­recht ist ein Gebiet für sich. Da wer­den die Claims sau­ber abge­steckt. Da muss das Fleisch durch halb Europa gefah­ren wer­den, um dann in Parma o.ä. zum Schin­ken zu wer­den. Feta ist eben nicht aus Kuh­milch (und darf nicht irgend­wo­her kom­men) und Mar­me­lade muss gekocht wer­den. Und wenn sie nicht gekocht wird? — Dann ist es eben keine Mar­me­lade. Dann heißt das eben »Frucht­auf­strich«: Das macht den Oran­gen gar nichts. Nicht ein­mal mir, dem Kon­su­men­ten, macht es etwas. Ich finde, dass die Pro­dukte der Dänen ganz im Gegen­teil sehr emp­feh­lens­wert sind, auch dann, wenn es sich eben nicht um Mar­me­lade handelt.

Wenn jemand weiß, wie es mit dem bri­ti­schen Lebens­mit­tel­recht ist: Muss »mar­me­lade« (eng­lisch) auch gekocht wer­den? Wie sieht das mit »jam« aus? — Dänen lügen nicht, und ich schere mich nicht drum, wie der Auf­strich heißt. Haupt­sa­che ist, dass er schmeckt.

fixe Fahrlehrer auf dem Weg zum Fast Food


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heute fuhr ich in der Mit­tags­pause hin­ter eini­gen Fahrschul-PKW, die sämt­lich vom Park­platz des Fahr­leh­rer­ver­bands Nie­der­sach­sen kamen: Der liegt direkt mei­ner Arbeits­stätte gegen­über. Ich war unter­wegs zu eini­gen Ein­käu­fen auf der Karls­ru­her Straße und fuhr dann über die Kreu­zung Krons­ber­ger Straße in Rich­tung Han­no­ver. Hin­ter der frü­he­ren »Feu­er­wa­che« ist eine Filiale der fast food Kette McDonald’s gele­gen. Allein: Man darf nicht auf den McD-Parkplatz abbie­gen, denn da ist eine Sperr­flä­che und etwas spä­ter eine durch­ge­zo­gene Linie. Etwa ein­hun­dert Meter wei­ter darf man, denn dort ist die Linie dann nicht mehr durch­ge­zo­gen, auf den Park­platz der Esso-Tankstelle kann man fahren.

slow food im Kunst­mu­seum Wolfsburg

Unmit­tel­bar vor mir fuh­ren jeden­falls vier Fahrschul-PKW über die durch­ge­zo­gene Linie auf den Mc-D.-Parkplatz. — Ich war ver­blüfft und fuhr mei­nes Weges. Alle Tiere sind gleich, nur man­che sind glei­cher (Farm der Tiere) bzw. »quod licet iovi non licet bovi« (»Was Jupi­ter darf, das darf der Ochs noch lange nicht…«)

Aber was soll es, wenn man Internet-Verhinderer, die immer­hin copy & paste beherr­schen, zu EU-Internet-Beratern macht, warum dann nicht Fahr­leh­rer als »Ver­kehrs­sün­der« bzw. als abschre­ckende Bei­spiele. Fehlt eigent­lich bloß noch, dass Robert Mugabe zum UN-Menschenrechtsbeauftragten ernannt wird…

Mehr wäre viel­leicht auch zu viel erwar­tet. Tra­gisch finde ich, dass vier PKW bestä­ti­gen, dass der Geschmack nie­der­säch­si­scher Fahr­leh­ren­der mit dem fast food von Mc.-D. kom­pa­ti­bel sind. Gegen­bei­spiel gefäl­lig? Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag war ich in Wolfs­burg im Kunst­mu­seum, um die Henri Cartier-Bresson Aus­stel­lung anzu­se­hen. Das Museum öff­nete erst um 11 Uhr, so blieb Zeit, vor der Öff­nung einen Cap­puc­cino im Muse­ums­re­stau­rant zu trin­ken: Und siehe da: Slow Food ist ange­sagt. Wäre doch etwas für Fahrlehrer?

Es geht um Vertraulichkeit und Intimität…

Heute kommt der »runde Tisch« zum Thema sexu­el­ler Kin­des­miss­brauch zu sei­nem Abschluss. Dass Geschlecht­lich­keit viel­fach mit Scham ver­bun­den ist, mit Pri­vat­heit, ist spä­tes­tens seit der Schurz­pro­duk­tion Adams und Evas nichts neues. Dass Selbst­be­stim­mung in die­sem Bereich wich­tig ist, scheint mitt­ler­weile klar. Dei Kopp­lung gerade kirch­li­cher Über­grif­fig­keit ist ein Elend, das, nach­dem es öffent­lich ruch­bar wurde, zahl­rei­che Aus­tritte aus­ge­löst hat. Sicher nicht bei denen, die kein Heil außer­halb der römisch-katholischen Kir­che sehen, wohl aber bei sol­chen, die inner­lich längst dis­tan­ziert waren und einen Trop­fen brauch­ten, der das Fass zum über­lau­fen brachte.

Eigent­lich geht es mir um die Par­al­lele zwi­schen sexu­el­ler Selbst­be­stim­mung und infor­ma­tio­nel­ler Selbst­be­stim­mung. Dass Den­ken und Spre­chen eben nicht immer für die Öffent­lich­keit bestimmt ist — wie die­ser Blog­bei­trag — scheint denen, die da Daten-übergriffig sind, kein Frage zu sein. Der Arbeits­kreis Vor­rats­da­ten­spei­che­rung hat den »Leit­fa­den zum Daten­zu­griff« der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Mün­chen ver­öf­fent­licht. Hin­sicht­lich der staat­li­chen Über­grif­fig­keit ist von Ver­trau­lich­keit und Inti­mi­tät nicht mehr aus­zu­ge­hen. Hier ist das pdf-Dokument. Dass auch recht­lich das Eis sehr dünn (bis nicht vor­han­den) ist, auf dem einige der Maß­nah­men fußen, lässt sich im Kom­men­tar in Rechts­an­walt Vet­ters Law­blog nach­le­sen. Ent­rüs­tet ist der AK Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Wei­ter­le­sen

Demo statt Konzert als Ausweg: Falkenkeller Barsinghausen gestern…

Nach­dem ich bereits län­ger kein Kon­zert von Sel­more Driveby gehört hatte, fand ich, es sei mal wie­der an der Zeit. Der Video bei Youtube spricht mich an, und auch, wenn »Post Hard­core« nicht so ganz meine Musik ist — die würde ich eher im akus­ti­schen Jazz ver­or­ten -, so ist es wun­der­bar, Über­zeu­gungs­tä­ter live zu hören, die offen­bar auch Spaß an dem haben, was sie machen.

Jeden­falls gab es über­ra­schend zwei Kon­zerte die­ser Band in der letz­ten Woche. Am Don­ners­tag konnte ich nicht, also beschloss ich, am Sams­tag nach Bar­sin­g­hau­sen in das Kon­zert zu fah­ren. Hier­für nahm ich gerne den Weg in Kauf und »Fal­ken­kel­ler« — naja, nicht unbe­dingt mein bevor­zug­ter Kon­zer­t­ort… Oft sind poli­tisch gut gemeinte Ver­an­stal­ter nicht unbe­dingt die­je­ni­gen, die die beste Akus­tik bieten.

Jeden­falls las ich von den güns­ti­gen Geträn­ke­prei­sen und der Ver­an­stal­tung hier. Was ich nicht las, war, dass das Kon­zert wegen bau­po­li­zei­li­cher Auf­la­gen nicht im Fal­ken­kel­ler statt­fin­den konnte, weil dort nur maxi­mal 15 Per­so­nen zugleich zuge­las­sen seien. — Also bean­tragte man eine Kund­ge­bung und nach Sprach­bei­trä­gen, die ins­be­son­dere auch die Anschläge von poli­tisch rech­ter Seite auf den Fal­ken­kel­ler erwähn­ten. Die Spre­cher emp­fan­den auch die bau­po­li­zei­li­chen Auf­la­gen bzw. Anord­nun­gen als Schi­kane und baten um Soli­da­ri­tät. Nach­dem es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit poli­tisch Rechts­ge­sinn­ten gekom­men war, wohl mit Ver­letz­ten, fand die Kund­ge­bung mit Poli­zei­schutz statt. Wei­ter­le­sen

zur Kleinen Anfrage der Linksfraktion zum »Staatstrojaner«

Ich bin über die Ant­wort zur Klei­nen Anfrage den Staats­tro­ja­ner betref­fend, ent­setzt. So viel tech­ni­sche Igno­ranz und der­ar­tige poli­ti­sche Nebel­ker­zen finde ich demo­kra­tisch unan­ge­bracht und ich fühle mich auf den Arm genom­men. Das kann doch nicht alles sein, dass man in der Regie­rung aus der Presse infor­miert wird. Und dass man nicht ein­mal die z.B. Ver­öf­fent­li­chun­gen des Chaos Com­pu­ter Clubs hin­rei­chend gründ­lich gele­sen hat.

Ich sehe ja ein, dass es gewisse Sicher­heits­in­ter­es­sen gibt und dass auch z.B. tech­ni­sche Details viel­leicht ein­fach nicht kom­pe­tent geprüft wur­den. Wenn das aber so ist, dann wäre es um so wich­ti­ger, dass man das zugibt, wo es vor­kam, und schleu­nigst nachholt.

Die Kleine Anfrage mit den Ant­wor­ten im Ori­gi­nal gibt es hier. Dies Doku­ment muss man sich auf der Zunge zer­ge­hen las­sen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehr­zahl der Abge­ord­ne­ten mit so etwas zufrie­den gibt!? Auch wenn man in Betracht zieht, dass Kleine Anfra­gen und andere par­la­men­ta­ri­sche Bräu­che natür­lich auch stets ein Mit­tel der Mei­nungs­ma­che sind, so darf man sich als Regie­rung doch nicht der­ma­ßen vor­füh­ren las­sen, indem man Igno­ran­ten an die Abfas­sung ent­spre­chen­der Ant­wor­ten setzt.

Ich ver­weise in die­sem Zusam­men­hang auf den Kom­men­tar Felix von Leit­ners (»Fefe«), der schreibt:

»Oh und die CCC-Demonstration, als wir den Tro­ja­ner mit unse­rem GUI-Tool fern­steu­er­ten, und sogar einen Fake-Trojaner bau­ten, der dem BKA-GUI-Tool fal­sche Daten unter­schie­ben kann, die … leug­nen sie einfach!

Die Bun­des­re­gie­rung bezeich­nete die Mög­lich­keit, dass der Daten­strom abge­hört wer­den könne, nun als »rein theo­re­ti­sche« Mög­lich­keit, für die Fach­wis­sen und Zeit nötig seien, die eine über­wachte Per­son wohl eher nicht habe.

Ich habe das zufäl­lig aus der Nähe gese­hen. Der Code, um einen vor­bei­rau­schen­den Kon­troll­ka­nal zu ent­schlüs­seln, passt in eine tra­di­tio­nelle Email-Signature:

my $key = »\x49\x03\x93\x08\x19\x94\x96\x94\x28\x93\x83\x04\x68\x28\xa8\xf5«.
«\x0a\xb9\x94\x02\x45\x81\x93\x1f\xbc\xd7\xf3\xad\x93\xf5\x32\x93«;
my $cipher = Crypt::Rijndael->new( $key, Crypt::Rijndael::MODE_ECB() );
my $plain = $ciper->decrypt($daten);

Der Code für den kom­plet­ten Fake-Trojaner, der fal­sche Screen­shots zurück­lie­fert, waren unter 100 Zei­len Perl.«

Das ist in der Tat bloß die Spitze des Eis­bergs. Es för­dert mei­nen Ver­druss nicht an der Poli­tik als dem, was alle oder eine große Anzahl betrifft, wohl aber an denen, die der­zeit Poli­tik machen. So viel Ahnungs­lo­sig­keit finde ich unverantwortlich.

Zum Regensburger Maulkorb…

Gerade ist der Refor­ma­ti­ons­tag vor­bei­ge­gan­gen und kaum einer hat es bemerkt, weil es eben kein Fei­er­tag mehr ist — außer in eini­gen »mit­tel­deut­schen« Län­dern. Da for­derte bekannt­lich Luther eine Reform an Haupt und Glie­dern der Kir­che. Er wollte die beste­hende refor­mie­ren, was ent­stand, das ist eine Kon­fes­si­ons– und Deno­mi­na­ti­ons­fa­mi­lie, eben die der pro­tes­tan­ti­schen Kirchen.

Mir scheint über­all dass da, wo es falsch läuft in Kir­chen, einer gründ­li­chen Umkehr (meta­noia) bedarf. - Dass es zu allen Zei­ten (außer in den letz­ten Zei­ten, wenn man dem Apo­ka­lyp­ti­ker Johan­nes glau­ben darf) etwas gibt, wo es falsch läuft, liegt auf der Hand: Schließ­lich sind es Men­schen, die da han­deln, und die haben oft auch eigene, ganz mensch­li­che, Inter­es­sen, die sie ver­fol­gen. Nach den Miss­brauchs­fäl­len in katho­li­schen Ein­rich­tun­gen gab es in den Jah­ren 2009 und 2010 erd­rutsch­ar­tige Aus­tritts­zah­len. Nie­mand steht gerne am Pran­ger, das kann ich gut verstehen.

Ich meine aber, dass es wenig ange­bracht ist, hier mit juris­ti­schen Mit­teln zum Bei­spiel Jour­na­lis­ten unter­sa­gen zu las­sen, bestimmte (Meinungs-)Äußerungen zu ver­brei­ten. Das ist ein ganz unge­eig­ne­tes Mit­tel, um Scha­den vom Evan­ge­lium und von der Kir­che abzuwenden.

Inso­fern bin ich froh, über die­sen klä­ren­den Arti­kel, in dem regensburg-digital berich­tet, wie erst ein zweit­in­stanz­li­ches Urteil, das durch groß­zü­gige Lesen­den­spen­den ermög­licht wurde, die Mei­nungs­äu­ße­rung den Jour­na­lis­ten gestat­tet. Wei­ter­le­sen