Kryptokriege 3.0 — heise-Kommentar von Frank Rieger

In einem Kom­men­tar bei heise — hier — stellt Frank Rie­ger vom Chaos Com­pu­ter Club klar, worum es eigent­lich geht, wo die Her­aus­for­de­run­gen und Fron­ten in der Aus­ein­an­der­set­zung liegen.

Ich halte sei­nen Text für sehr anre­gend, weil er zeigt, dass es für alle tech­nisch inter­es­sier­ten oder ver­sier­ten (Ver­bre­cher) leicht mög­lich ist, den­noch unbe­merkt zu kom­mu­ni­zie­ren, dass aber aller zivile Wider­stand früh­zei­tig über die gefor­derte Vorrats-Metadatenspeicherung zugäng­lich wird. Und obwohl auch schon vor den letz­ten Anschlä­gen die mut­maß­li­chen Täter in allen ent­spre­chen­den Dateien erfasst waren, schei­terte es doch an der Aus­wer­tung bzw. am (man­geln­den) Per­so­nal, mit den Daten etwas zu tun.

Rie­ger stellt aber auch klar, dass es darum geht, dem Staat (und sei­nen Geheim­diens­ten) ver­trauen kön­nen zu müs­sen. — Die Frage ist, ob das nach den bekannt gewor­de­nen Fäl­len mit­brauch­ter Geheim­dienst­rechte, sei es beim BND, bei der NSA, GCHC oder bei der CIA, ange­bracht ist. — Was für irgend­je­man­den (außer den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner) les­bar ist, ist es bald für alle Welt.

Nach den Erfah­run­gen mit staat­li­chem Macht­miss­brauch (in der DDR, im »3. Reich« und in der Bun­des­re­pu­blik) möchte ich so wenig staat­li­che Ein­griffe wie mög­lich. Der beste Schutz ist ein dezen­tra­les Sys­tem mit siche­rer Zustel­lung und Ende-zu-Ende Ver­schlüs­se­lung. Inso­fern ist der Vor­schlag bzw. die For­de­rung des CCC nach einem Ver­bot unver­schlüs­sel­ter Über­mitt­lung oder Spei­che­rung begründet.

Gegen die Kom­pro­mit­tie­rung von Sys­te­men (»back­doors«, Tro­ja­ner, …) lässt sich etwas tun, wenn man die Unter­neh­men ver­pflich­tet, im Falle eines erfolg­rei­chen Angriffs alle Kun­den anzu­schrei­ben und ein Son­der­kün­di­gungs­recht ein­zu­räu­men. — Dann wür­den Sys­teme sicher!

eben an der Haltestelle… — schon lange nicht mehr körperlich bedroht…

Eben fuhr ich mit den Stadt­bahn, ein paar Sta­tio­nen bloß. Musste mein Tages­ti­cket aus­nut­zen, und so habe ich einen ohne­hin ver­ab­re­de­ten Weg mit Bus und Bahn zurückgelegt.

Auf dem Rück­weg hatte ich gut vier Minu­ten lang auf die Bahn zu war­ten. Außer mir stan­den auf dem Hoch­bahn­steig ein Kin­der­wa­gen, ein pol­tern­der Herr, ein paar Jahre jün­ger als ich, denke ich. Außer­dem die Mut­ter des Kin­des im Wagen, die noch­mal einige Jahre jün­ger war als der Mann. Der nun war offen­bar nicht nüch­tern. Sie warf ihm die Fahne vor, die ich spä­ter auch zu rie­chen bekam. Er wollte in die wohl gemein­same (?) Woh­nung, sie erst­mal, ob einer mut­maß­lich vom Mann gebro­che­nen Nase, ins Kran­ken­haus. Er drohte, sie pol­terte von Anzeige. Er griff nach dem Kin­der­wa­gen, sie brüllte ihn an, dass er nicht der Erzeu­ger sei. Ich stand auf­merk­sam (und so auch wahr­nehm­bar) dane­ben, vier oder fünf Meter ent­fernt. — Und wurde nicht recht schlau aus ihr. Er warf ihr Betäu­bungs­mit­tel­kon­sum vor.

Offen­sicht­lich hielt irgend­et­was sie von einem mas­si­ven Vor­ge­hen ab: Warum Stra­ßen­bahn statt Not­ruf? Warum rede­ten beide? Irgend­et­was schien sie an ihm zu hal­ten. Sein Begehr war, in die Woh­nung zu gehen, sein Zeug zu holen. Sie sagte: »Das kannst Du, wenn ich wie­der aus dem Kran­ken­haus zurück bin, in das ich muss, weil du mich geschla­gen hast…« — Er: »Gib mir den Schlüs­sel!« — Sie: »Ohne mich geht nichts, wenn ich wie­der zurück bin, stelle ich dein Zeug vor die Tür. — Ich zeig dich an…«

Schließ­lich fragte sie mich, ob ich bereit sei, die Poli­zei zu rufen, was ich umge­hend bestä­tigte, mein Handy zückte und ent­spre­chend die Num­mer ein­gab. Er sprang auf mich zu und sie sagte »noch nicht!« — Er drohte mir an, mich kran­ken­haus­reif zu schla­gen. Ich warte, das bes­ser nicht zu ver­su­chen, zumal er nicht nüch­ten sei. — Ich sehe sicher nicht bedroh­lich aus (will das auch nicht), bin aber auch nicht gerade einer, den man mal eben so weg­pus­ten könnte.

Die Bahn kam, ohne dass ich einen Not­ruf abge­setzt hatte, wir stie­gen sämt­lich ein, die Frau mit dem Kin­der­wa­gen, er setzte sich gegen­über hin, und ich blieb auf­merk­sam in der Nähe. Einige Sta­tio­nen spä­ter stieg ich aus. — Ich bin froh, dass es zu kei­ner kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung gekom­men ist. — Und ich bin ver­wirrt über diese Umgangs­weise. So, wie die bei­den mit­ein­an­der spra­chen (brüll­ten?!) spre­che ich nie mit jeman­dem und ich bin sehr weit davon ent­fernt, auch nur so zu den­ken. Ich glaube, ich lebe in einer ande­ren Welt.

Jetzt über­lege ich, ob ich mich hätte frü­her oder nach­drück­li­cher ein­mi­schen sol­len. — Ich weiß es nicht. Ich hätte das sicher sofort getan, wäre sie nach­drück­li­cher gewe­sen ihm gegen­über. Aber so? — Allen, die in Bezie­hun­gen leben, wün­sche ich, dass es nie so weit kommt, dass sie so mit­ein­an­der umge­hen. Allen Kin­dern wün­sche ich, dass sie in güns­ti­ge­ren Kon­stel­la­tio­nen auf­wach­sen können.

Terrorismus stoppen? — CIA, Fremdenlegion & Co…

Jetzt möchte man »for­eign figh­ters« hin­dern, in Kampf­ge­biete zu kom­men. Gilt das eigent­lich auch für die Frem­den­le­gion (was unter­schei­det die eigent­lich vom Kon­zept der IS)? Wäre doch etwas, was die Atten­tä­ter dort eine Aus­trock­nung des mör­de­ri­schen Sump­fes, am bes­ten ein­schließ­lich der Geld­ströme, die den »Ter­ror« über­haupt erst ermög­li­chen, bewirkten.

Was sind eigent­lich Droh­nen­an­griffe aus der Per­spek­tive zivi­ler Opfer ande­res als Ter­ror? — Und die, die das bil­li­gend in Kauf neh­men, aus­füh­ren oder von Ram­stein aus ermög­li­chen, nenne ich nicht unbe­dingt mit Tucholsky »Mör­der«, wohl aber, weil sie Völker-, Kriegs– und Men­schen­rechte bre­chen, Ter­ro­ris­ten. Wie auch sonst? Was sind denn Fol­ter­ge­fäng­nisse ande­res als Ter­ror? Und also han­delt es sich um Ter­ro­ris­ten. — Neben­bei bin ich dabei begriffs­ge­schicht­lich mit Tho­mas Hob­bes auf der siche­ren Seite (vgl. hier)

Spä­tes­tens seit dem Cel­ler Loch und Gla­dio müss­ten die Unwis­sen­den ja gemerkt haben, dass es auch so etwas wie »Staats­ter­ro­ris­mus« im enge­ren Sinne gibt. Dass eine Legal­de­fi­ni­tion von akti­ven Poli­ti­kern lie­ber nicht in Gesetze geschrie­ben wird, ver­blüfft mich nicht. Wer möchte sich selbst schon ans Mes­ser liefern?

Das Prin­zip von Ter­ror ist ja gerade, eine Furcht in der Öffent­lich­keit zu erzeu­gen. Es geht — siehe oben ver­linkte Defi­ni­tion — eben gerade nicht um mili­tä­ri­sche Umstürze oder Gebiets­ver­än­de­run­gen (wie bei Guer­rilla), son­dern darum, die Furcht als poli­ti­schen Effekt zu gebrau­chen. Inso­fern waren die fran­zö­si­schen Atten­tä­ter eben nicht nicht ganz im Web ange­kom­men, son­dern noch im Print-Journalismus (Zeitungsredaktion/Druckerei). Heute gehört zu einer ordent­li­chen Ver­wer­tungs­kette auch noch die Urhe­ber­rechts­ab­gabe für Ent­haup­tungs­vi­deos, inklu­sive der Abmah­nun­gen durch die Kanz­leien, die mut­maß­li­che »Redtube«-Kunden auch abmah­nen. Legal? — Ille­gal? — Ganz egal.

Was hilft denn gegen Terror(ismus)? Rechts­si­cher­heit (also die Mög­lich­keit, bei erfah­re­nem Unrecht dies juris­tisch über­prü­fen zu las­sen — wer bil­ligt das Droh­nen­op­fern zu? Oder Guantanamo-Insassen?), Ver­fah­rens­si­cher­heit (statt Will­kür — also glei­che Ver­fol­gung für US-Präsidenten, wenn sie Men­schen­rechte miss­ach­ten wie für alle ande­ren, wer fol­tert kommt ins Gefäng­nis, ohne Anse­hen der Per­son), vor allem aber hilft Infor­ma­tion und Wissen/Bildung gegen Ter­ror: Wenn ich glei­che Kennt­nisse über Ver­fas­sungs­schutz­mit­ar­bei­ter oder BND­ler habe, wie die über mich, dann macht das die Bun­des­re­pu­blik siche­rer. Wenn die­ser Grund­satz für alle gilt, wenn also alle gleich-berechtigt sind, nicht nur laut US-Verfassung »gleich geschaf­fen« (that all men are crea­ted equal), dann schafft das Sicher­heit und wehrt dem Terror.

Ja, dass es aus­ge­flippte Spin­ner gibt, die andere Auf­fas­sun­gen haben als üblich, weil sie Abtrei­bungs­kli­ni­ken anzün­den, weil sie Zei­tungs­re­dak­teure besei­ti­gen wol­len oder weil sie etwas gegen Juden haben: Sol­che Spin­ner wird es geben. — Es ist wün­schens­wert, um sie zu wer­ben, aber nicht mit Gulags, son­dern auf Augen­höhe. Not­falls muss man die Taten juris­tisch verfolgen.

Mehr Sor­gen mache ich mir um die, die das Gewalt­mo­no­pol wahr­neh­men: Sie nei­gen stets zu Miss­brauch. Und die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trolle (etwa der Geheim­dienste) ist ein Witz aber eben keine wirk­same Kontrolle.

Einen Aus­weg sehe ich nicht, aber die Bestre­bun­gen gegen for­eign figh­ters und (Staats-)terroristen sind ein Anfang.

Ehre ist nicht meine Kategorie, aber Echtheit

Was mich an den Umtrie­ben der so genann­ten »poli­ti­schen Klasse« am meis­ten stört ist die Ver­lo­gen­heit und der Eigen­nutz, der von einer Annahme der eige­nen Über­le­gen­heit aus denkt. Sei es, dass man des­halb andere vir­tu­ell bespit­zeln dürfe oder sie mate­ri­ell fol­tern. Es setzt alles vor­aus, dass die, die so han­deln, sich als »Über­men­schen« ver­ste­hen. Jeden­falls eben nicht als »normal«.

Dass man andere, not­falls die Welt, belügt und betrügt, lässt sich wohl nur so recht­fer­ti­gen. Und damit ver­letzt, wer so han­delt, die Grund­be­din­gun­gen jeder dia­lo­gi­schen Struk­tur: Dass näm­lich die Regeln für die Dia­log­part­ner gleich­be­rech­tigt sind. Sonst ließe sich eine dia­lo­gi­sche Logik (nach Kamlah/Lorenzen) eben nicht konzipieren.

Mir geht es dabei weni­ger darum, dass jemand sein Gesicht ver­lie­ren könnte, wenn er ertappt wird. Da hilft keine Gedächt­nis­lü­cke à la Kohl… Es geht mir darum, dass ich mir selbst (und ande­ren) weni­ger vor­ma­che. Ich weiß, wie ich bin, und weil ich das weiß, möchte ich weni­ger irgend­wel­chen idea­li­sier­ten mora­li­schen oder sons­ti­gen Idea­len genü­gen, son­dern im Wis­sen um meine engen Gren­zen echt bleiben.

Zwar bin ich gar kein Freu­dia­ner, aber ich wurde ein­mal als »per­so­ni­fi­zier­tes Über-Ich« bezeich­net, als ich zu Stu­di­en­zei­ten einen Freund erin­nerte, doch sein Licht beim Ver­las­sen des Zim­mers zu löschen: Des unnö­ti­gen Strom­ver­brauchs wegen (es war eine klas­si­sche Glüh­lampe). Ich halte davon wenig, abs­trakte Werte oder ange­nom­mene gesell­schaft­li­che Pra­xen an sich für das Maß der Dinge zu hal­ten. Daher wäre ich kei­ner, der in stark hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren gut passte: Cosa Nos­tra oder Bun­des­wehr sind keine idea­len Arbeit­ge­ber für mich. Aber ich finde, dass auch in klei­nen Din­gen die Grund­sätze, nach denen einer lebt, erkenn­bar wer­den dürfen.

Ja, es gibt Men­schen, etwa mei­nen hie­si­gen Chef­kom­men­ta­tor, der ich kei­nes­falls dran erin­nerte, eine Lampe zu löschen. — Aber ich sammle sei­nen Müll auf oder ein. Das hat weni­ger mit sei­nen Maxi­men zu tun als mit den meinen.

Gar nicht weit von mei­nem Wohn­ort gibt es eine Brü­cke unter dem Schnell­weg, an die jemand gesprüht hat: »Die meis­ten Men­schen hören auf zu rudern, wenn sie am Ruder sind.« (ein­mal bei Seite gelas­sen, dass es hätte hei­ßen sol­len »sobald«): So kommt es mir der­zeit in unse­rem Gemein­we­sen vor. Da sind wenige jen­seits der Kom­mu­nal­po­li­tik, die mich über­zeu­gen mit ihren Leben und Weben. — Nach­dem nun Weih­nach­ten vor­bei ist, gehe ich einen Schritt wei­ter: Wenn die »patrio­ti­schen« Demons­tra­tio­nen der­zeit auch in vie­lem dane­ben sind, — siehe etwa hier (gemeint ist der Text der Bür­ger­rent­ler — okay, Ortho­gra­phie und Inter­prunk­tion gehen so gar nicht) -, so finde ich doch man­che poli­ti­sche Reak­tion noch weni­ger legi­tim (was nicht ein­fach ist, denn zwi­schen Null und den Pegida-Leuten ist nicht viel Luft).

Wenn so viele Men­schen auf die Stra­ßen gehen, und eben nicht allein Men­schen aus dem poli­tisch weit rech­ten Bereich, dann tun die Mäch­ti­gen gut daran, das nicht zu unter­schät­zen. Wid­ri­gen­falls könnte sich »das Volk« ande­res Per­so­nal suchen, die Ver­tre­tung zu machen. Bei Wah­len jeden­falls ist inzwi­schen wenig zu ändern. Bis­her habe ich stets mit­ge­wählt, wenn ich durfte. Aber ich werde von Wahl zu Wahl weni­ger ein­falls­reich, wen ich eigent­lich noch wäh­len kann. In einer Regie­rung der Alter­na­tiv­lo­sig­keit, sind die ande­ren auch nicht besser.

Ich mache keine Pegida-Demos mit, aber ich komme mehr und mehr dahin, statt jeman­den anzu­kreu­zen, einen ungül­ti­gen Wahl­zet­tel mit allen durch­ge­stri­che­nen Namen abzu­ge­ben. — Wenn hier Poli­ti­ker mit­le­sen, die in der Lan­des– oder Bun­des­po­li­tik enga­giert sind, und mich für ihre Wäh­ler­kli­en­tel hal­ten, lade ich gern ein, um mich zu buh­len: Ich habe nicht nur für Zeu­gen Jeho­vas immer ein Stünd­chen Zeit… Ter­min­ver­ein­ba­rung gern via E-Mail.

Aus der Wahl der sie­ben Dia­kone in Apos­tel­ge­schichte 6 immer­hin lässt sich ler­nen, dass Mur­ren nur ein Indiz ist. Wenn aber die Apos­tel und die »Urge­meinde« die berech­tig­ten Anfra­gen zur Ver­sor­gung der nicht-jüdischstämmigen Wit­wen nicht beach­tet hät­ten, hätte des Urchris­ten­tum in inne­rer Strei­tig­keit über so eine Neben­sa­che zer­bre­chen kön­nen. — Wenn man­che, die sich als Abge­hängte ver­ste­hen, nicht in der Poli­tik vor­kom­men, brau­chen sich die, die am Ruder sind, nicht zu wun­dern, wenn die Wahl­be­tei­li­gung sinkt. Mit der Teil­habe sinkt eben auch die Teilnahme.

 

»Wie macht ihr das eigentlich mit den Predigten online?«

Ganz ein­fach: Wir schnei­den die Got­tes­dienste in mei­ner Gemeinde mit. Das tut der­je­nige, der am Misch­pult sitzt. Die CD kommt ins Archiv und wird auf Wunsch gegen Kos­ten­be­tei­li­gung an die Besu­chen­den in Kopie zur Ver­fü­gung gestellt. Eine Kopie oder das Ori­gi­nal nehme ich anschlie­ßend mit. Schneide aus dem Got­tes­dienst die Pre­digt (was erleich­tert wird, wenn ent­spre­chende Start­mar­ken gesetzt wer­den) her­aus, opti­miere sie in Logic Audio ein wenig, kon­ver­tiere nach MP3 und stelle sie in meine Dropbox.

Wenn ich die Pre­digt habe, ver­su­che ich, sie zeit­nah zur Ver­fü­gung zu stel­len. — Manch­mal aber bin ich nicht im Got­tes­dienst in mei­ner Gemeinde, dann kann es schon ein­mal etwas dauern.

Die Tücke ist, dass eigent­lich die Pre­digt­texte ja von unter­schied­li­chen Bibel­ge­sell­schaf­ten urhe­ber­recht­lich geschützt sind. Viel­fach habe ich daher die Pre­digt­texte her­aus­ge­schnit­ten. Je nach­dem, ob dies — ohne die Pre­digt unver­ständ­lich zu machen — mach­bar ist. Am liebs­ten wäre es mir, wenn die Lesung des Tex­tes vor der Pre­digt geschähe, aber das habe ich sel­ten in der Hand. — Am 4. Januar werde ich es so hal­ten oder eine eigene (urhe­ber­rechts­freie) Über­set­zung anfertigen.

Nach rund drei Mona­ten wer­den die Pre­dig­ten online gelöscht (auch im die Drop­box wie­der frei zu geben), denn wir möch­ten ja nicht alles für alle Zeit kon­ser­vie­ren, son­dern denen, die nicht zum Got­tes­dienst kom­men kön­nen, weil sie z.B. krank sind, eine Mög­lich­keit zum Nach­hö­ren zu geben. Man­che Pre­dig­ten sind so »dicht«, dass sie gerne hin­ter­her noch ein­mal ange­hört wer­den. Auch von denen, die sie live erlebt haben.

Die Anzahl der Zugriffe sind aus­ge­spro­chen unter­schied­lich: Beson­ders beliebt sind Pre­dig­ten eines Theo­lo­gie­pro­fes­sors, der gele­gent­lich bei uns in der Gemeinde pre­digt. Klar, die Stu­die­ren­den möch­ten gern wis­sen, wer er so ist. Aber auch sonst: Zwi­schen 0 und eini­gen hun­dert Zugrif­fen gibt es ein­fach alles.

wenig neues — aber viel Material: CIA Folterreport

Interrogation

CIA Fol­ter­be­richt

An den letz­ten Tagen habe ich einige Zeit mit der Lek­türe die­ser 255 Sei­ten ver­bracht. Ein ernüch­ten­des und depri­mie­ren­des Doku­ment, wie Men­schen einer füh­ren­den Kul­tur­na­tion mei­nen, mit ande­ren umge­hen zu kön­nen — einige mei­nen, sie müss­ten es gar.

Diese Lek­türe ist sehr uner­freu­lich, weil sich ein Über­le­gen­heits­den­ken hier so körperlich-materialisiert gegen Gefan­gene rich­tet, das ich schon bei den NSA-Praktiken zeigte, als die, die es als legi­tim anse­hen, andere abzu­hö­ren, die gesamte welt­weite Kom­mu­ni­ka­tion überwachten.

Ich gehe nicht davon aus, dass die, die diese Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ange­ord­net haben, sich dafür in Den Haag wer­den ver­ant­wor­ten müs­sen, und das lässt lei­der die Nürn­ber­ger Pro­zesse nach­träg­lich zu Sie­ger­jus­tiz wer­den. — Das ist das Fatale. Ent­we­der gel­ten die Men­schen­rechte für alle und über­all. Dann müs­sen sich alle, die sie miss­ach­ten, dafür ent­spre­chen­den Pro­zes­sen stel­len. Das halte ich vom Anspruch des uni­ver­sa­len Rechts für wünschenswert.

Oder es han­delt sich um eine Art von Schau­pro­zes­sen, die man stets nur ande­ren (etwa aus Ex-Jugoslawien) zuteil wer­den lässt. Ähn­lich wie bei der Über­wa­chung der NSA erin­nert das allen­falls an StaSi-Verhältnisse, bloß waren die (tech­nisch) nicht so weit. Fort­schritt aber sollte nicht allein tech­ni­scher sein. Nicht allein das Fol­tern oder das Abhö­ren betref­fen. — Huma­ni­tä­rer Fort­schritt ist der, der den ande­ren als Men­schen achtet.

Das Signal, das die USA in die­ser Hin­sicht in den letz­ten Jah­ren aus­sen­den, ist kon­tra­pro­duk­tiv als Vor­bild. — Ich kann sehr wohl ver­ste­hen, dass wer das Bild der USA in den Medien sieht, sich die­sen Staat nicht zum Vor­bild neh­men mag. Da mag ein Kali­fat attrak­ti­ver erschei­nen. Oder ein sons­ti­ges Modell, mit einem König, einer Par­tei oder was auch immer.

Wenn das Ergeb­nis von Auf­klä­rung und Demo­kra­tie CIA-Folter und Mons­anto Saat­gut, Chlor-Geflügel und Schwei­ne­bucht heißt, und eine Über­wa­chung der welt­wei­ten Kom­mu­ni­ka­tion als wohl­fei­les Mit­tel aner­kennt, dann muss man sich nicht wun­dern, wenn hier­zu­lande einige etwas gegen Frei­han­dels­ab­kom­men haben: Eine gewisse Kul­tur ist die Basis für Han­del und für Frei­heit. Alle sind gleich und einige sind gleicher.

Ich schätze viel Kul­tur aus den USA, die Pho­to­gra­phie der West­küste, den Jazz usw. Ja, es gibt Kul­tur. Lei­der gibt es auch vie­les andere, das ich gar nicht schätze. Der oben ver­linkte Bericht ist die häss­li­che Fratze. Und: Wenn das »God’s own coun­try« ist, dann möchte ich die­sem Gott nicht begeg­nen. Es wäre der Gott des Gemetzels.

Martenstein zum sozialen Geschlecht…

Dass für Unter­neh­men stets die krea­tive Aus­le­gung gesetz­li­cher Vor­schrif­ten nötig ist, um das zu tun, was man möchte, ganz unab­hän­gig von den Plä­nen mög­li­cher Gesetz­ge­bung, illus­triert — sehr nett — in einer iro­ni­schen Über­spit­zung Harald Mar­ten­stein in der Zeit: Es geht um Vor­stands­pos­ten und die Frau­en­quote… Hier.

Wäh­rend mei­ner Stu­di­en­zeit in Bie­le­feld war ich mal Finanz­re­fe­rent im AStA. Wir hat­ten regel­mä­ßige Voll­ver­samm­lun­gen abzu­hal­ten, und auf denen wurde mal der Antrag einer quo­tier­ten Reden­den­liste gestellt. Es soll­ten also eine Liste für Frauen und eine für Män­ner geführt wer­den, und abwech­selnd von der einen und der ande­ren jemand auf­ge­ru­fen werden.

Ein Kol­lege (oder war es eine Kol­le­gin?) wischte die Anre­gung mti dem Hin­weis vom Tisch, dass man ja sol­che Liste nicht nach sekun­dä­ren Geschlechts­merk­ma­len füh­ren könne, son­dern nach dem Emp­fin­den. Dies aber zu erfra­gen, wäre kaum prak­ti­ka­bel. Und so blieb es bei einer Liste, was im Nach­hin­ein immer­hin den Vor­zug bie­tet, alle die, die auf kei­ner der bei­den Lis­ten recht pass­ten, nicht zu diskriminieren.

wieder einmal empfohlen: Neu​sprech​.org »widerrufliche Gratiseinwilligung«

Nach­dem Google die­je­ni­gen Pres­se­er­zeug­nisse, die sich haben ein erwei­ter­tes Leis­tungs­schutz­recht häkeln las­sen, schlicht aus­lis­tete, die enspre­chen­den Sei­ten also über die Such­ma­schine nicht mehr gefun­den wur­den, wil­lig­ten die aus­ge­lis­te­ten ein, aber eben nur »wider­ruf­lich«. Der Arti­kel hier lohnt, weil er über Gna­den– und Herr­schafts­ver­hält­nisse nachdenkt.

neuer E-Mail Schlüssel auf Impressumsseite

E-Mails zu ver­schlüs­seln ist ein­fach! — Das glaubt mir kaum jemand, aber meist ist es so, dass die, die behaup­ten, es sei kom­pli­ziert, das noch nie gemacht haben.

Was man aber nicht kennt, ist meist schwie­rig gegen­über dem, was eine regel­mä­ßige Pra­xis ist. Damit die Ver­schlüs­se­lung gelingt, ist mein neuer (der alte war abge­lau­fen) Schlüs­sel auf der Impressums-Seite her­un­ter­zu­la­den. — Um es mit Tim Ren­ner zu sagen: »Con­ve­ni­ence — we adore you« (in sei­nem Buch »Kin­der der Tod ist gar nicht so schlimm« über die Down­load­an­ge­bote von Porno-Anbietern, die es den gro­ßen Musik­ver­la­gen vor­ge­macht haben mit dem ein­fa­chen Kauf…

Gute Hilfe für Ersttäter/innen gibt es bei youtube (Stich­worte Enig­mail) und bei Heise (siehe beson­ders den Video-Clip unten). Anders gesagt: Bei sol­chen Kon­tak­ten, mit denen regel­mä­ßig E-Mails aus­ge­tauscht wer­den, ist es keine Kunst, ver­schlüs­selt zu mai­len. Ansons­ten muss man eben bloß den Schlüs­sel (den öffent­li­chen des Kor­re­spon­denz­part­ners) aus glaub­wür­di­ger Quelle (am bes­ten per­sön­lich) erhal­ten. Hoffe, dass nicht jemand meine Seite hackt und den Schlüs­sel gegen einen ande­ren aus­tauscht. Wer das sicher stel­len möchte, dass der Schlüs­sel auf der Seite mei­ner ist, möge mich auf ande­rem Wege um Bestä­ti­gung fragen.

Alles andere geht ein­fach. — Los jetzt: Wenn wir alle ver­schlüs­selt mai­len, machen wir den Diens­ten das Leben etwas schwe­rer, und das ist wünschenswert.

ich werde vermisst — auf facebook…

In den let­zen Tagen hörte ich von drei oder vier geschätz­ten Men­schen, dass sie mich auf face­book ver­mis­sen. Das kann ich ver­ste­hen, denn eine bequeme Mög­lich­keit, etwas von ande­ren mit­zu­be­kom­men, fällt damit (mich betref­fend) flach. — Und alles andere ist mehr Auf­wand. Auch das kann ich nach­voll­zie­hen. Man kann ja nicht so ein­fach drei Dut­zend Home­pages am Tag absur­fen, auch nicht alle Kon­takte per Brief oder mit per­sön­li­chen Tref­fen pfle­gen. — Ich ver­stehe die Problematik.

Aber: Auch wenn ich damit leben kann, dass das, was ich bei face­book teilte, werb­lich aus­ge­wer­tet wurde, ich kann und möchte nicht damit leben, dass Staa­ten den Anspruch erhe­ben, die Kor­re­spon­denz von Mensch zu Mensch mit­zu­le­sen. So lange es mög­lich ist, dass ich mich direkt (live und in Farbe) mit Men­schen unüber­wacht unter­halte, werde ich das tun. Ansons­ten gibt es eben eher nichts pri­va­tes, jeden­falls nicht per Tele­fon oder unver­schlüs­selt. Wohl gemerkt: Es geht mir nicht darum, etwas zu ver­ber­gen: Ich bin eher ein offe­ner Mensch und scheue keine ande­ren, die in und auf mein Leben und Weben gucken. — Allein: Ich möchte gern einen trans­pa­ren­ten Staat und kei­nen trans­pa­ren­ten Bür­ger. Und daher bleibt mir nur, das eine oder andere nicht zu schrei­ben oder zu sagen. Nicht weil es gegen mich ver­wandt wer­den könnte, son­dern weil ich das geschützte Wort für wich­tig halte, um über­haupt zu kom­mu­ni­zie­ren, denn wer ver­stan­den hat, dass es keine Bot­schaft an sich gibt, son­dern nur ein »offe­nes Kunst­werk«, eine »inten­tio lec­to­ris«, und wer dann noch weiß, wie wenig aus­ge­reift die über die Kom­mu­ni­ka­tion aus­ge­wor­fe­nen Netze sind, der kann nur stau­nen, dass Staa­ten für der­ar­ti­gen Kin­der­kram so viel Geld ausgeben.

Das möchte ich nicht. Es ist ethisch falsch. Es ist poli­tisch falsch. — Ich kann es nicht ver­hin­dern, aber ich kann ent­schei­den, ob ich mit­ma­che. Bei Twit­ter und face­book habe ich ent­schie­den, nicht mehr mit zu machen, nach­dem die GCHQ– und NSA-Dokumente durch Snow­den ver­öf­fent­licht wur­den. Ich wusste, dass das mög­lich ist. Ich dachte aber, dass Staa­ten, die es kön­nen, sich ent­spre­chen­der Maß­nah­men ent­hal­ten (so wie man sich aus guten Grün­den der Neu­tro­nen­bombe oder bio­lo­gi­scher Waf­fen ent­hält). — Ich irrte. Kein Auf­schrei, keine Empö­rung, nicht ein­mal dras­ti­sche Ände­run­gen in der Wahl­be­tei­li­gung oder in den gewähl­ten Par­teien. Okay. Also habe ich falsch gedacht. — Und diese Medien verlassen.

Sei­ner­zeit hatte ich drü­ber nach­ge­dacht (Bei­träge z.B. hier), ob ich kom­plett aus­steige aus dem Netz, also keine E-Mail, kein Tele­fon oder Handy, Brief­post und Tele­gramm wären dann die Alter­na­tive gewe­sen. Ich habe mich aus bestimm­ten und guten Grün­den dage­gen ent­schie­den. — Ich habe vie­les geän­dert, etwa die Cli­ents zum Mai­len, die Brow­ser, Own­Cloud statt Drop­box usw.

Im Okto­ber ver­gan­ge­nen Jah­res fragte ein Freund nach mei­nem Rück­zug aus eini­gen Ange­bo­ten im Netz nach und ich schrieb einen Brief, den ich (in leicht über­ar­bei­te­ter Form) hier ver­öf­fent­lichte. — Da wird das meiste deut­lich, denke ich.

Der­zeit passt mein Modus für mich. — Dass es an einem Unrechts­be­wusst­sein bei staat­li­chen Stel­len man­gelt, viel­mehr die »Rechts­auf­fas­sung des BND nicht von die­ser Welt« scheint, wie Rechts­an­walt Tho­mas Stadt­ler hier neu­lich schrieb, macht mei­nen Ent­schluss nicht rück­nehm­bar, son­dern lässt eher drü­ber nach­den­ken, mich wei­ter zurück zu zie­hen. So weit aber bin ich noch nicht.

 

manchmal wünschte ich mir einen Jeremia…

beson­ders zur Regie­rungs­kri­tik in Israel. Warum eigent­lich gibt es so wenig pro­phe­ti­sche Worte heute? — Nein, liebe Lesende, ich fände es hier zu ein­fach, dar­auf zu ver­wei­sen, dass mit Jesus der Mes­sias gekom­men sei und damit das Ende der Pro­phe­ten in klas­si­scher Tra­di­tion. Heute bräuchte es sehr wohl Men­schen, die im Namen Got­tes in die Zeit hin­ein die Staats­füh­rung und die Völ­ker auf den Weg Got­tes zurückrufen.

Ich zitiere den glück­li­cher­weise (in urhe­ber­recht­li­cher Sicht) hin­rei­chend früh ver­stor­be­nen Ödön v. Hor­váth aus »Jugend ohne Gott«

»Um was geht es hier?

›Recht ist, was der eige­nen Sipp­schaft frommt‹, sagt das Radio. Was uns nicht gut tut, ist Unrecht. Also ist alles erlaubt, Mord, Raub, Brand­stif­tung, Mein­eid – ja, es ist nicht nur erlaubt, son­dern es gibt über­haupt keine Unta­ten, wenn sie im Inter­esse der Sipp­schaft began­gen wer­den! Was ist das?

Der Stand­punkt des Ver­bre­chers.« (Kapi­tel 5)

Mir kommt es so vor, als wäre das ver­kappte »Recht zur Selbst­ver­tei­di­gung«, das bedeu­tet, Häu­ser zu ver­nich­ten, weil auch Atten­tä­ter drin gewohnt haben (die aber sind längst erschos­sen, brau­chen also kein irdi­sches Haus mehr, andere Bewoh­nende ver­mut­lich schon) ein Vor­wand für etwas, was eher »Recht des Stär­ke­ren« ist. Man könnte es auch als Kriegs­ver­bre­chen betrach­ten. Bloß: Bis sich irgend­ein Gerichts­hof der Sache annähme, wenn jemand klagte, wären die Klä­ger längst unbe­haust umge­kom­men. Gen­fer Kon­ven­tion, Hager Land­kriegs­ord­nung, das alles nutzt bei der­art asy­me­ti­schen Ver­hält­nis­sen nur sehr begrenzt.

Bei Hor­váth steht etwas vor­her die Frage, um die es mir stets auch zu gehen scheint: Sind eigent­lich alle Men­schen Men­schen? Falls ja, sollte man sie so behan­deln! — Dann aber müsste das auch für Paläs­ti­nen­ser oder ara­bi­sche Israeli gel­ten. — Da ja inzwi­schen gemeinfrei:

Nun stand der Vater des N vor mir. Er hatte einen selbst­si­che­ren Gang und sah mir auf­recht in die Augen. »Ich bin der Vater des Otto N.« »Freut mich, Sie ken­nen­zu­ler­nen, Herr N«, ant­wor­tete ich, ver­beugte mich, wie es sich gehört, bot ihm Platz an, doch er setzte sich nicht. »Herr Leh­rer«, begann er, »mein Hier­sein hat den Grund in einer über­aus erns­ten Ange­le­gen­heit, die wohl noch schwer­wie­gende Fol­gen haben dürfte. Mein Sohn Otto teilte mir ges­tern nach­mit­tag in hel­ler Empö­rung mit, daß Sie, Herr Leh­rer, eine schier uner­hörte Bemer­kung fal­len gelas­sen hät­ten –« »Ich?«

»Jawohl, Sie!«

»Wann?«

»Anläß­lich der gest­ri­gen Geo­gra­phie­stunde. Die Schü­ler schrie­ben einen Auf­satz über Kolo­ni­al­pro­bleme, und da sag­ten Sie zu mei­nem Otto: Auch die Neger sind Men­schen. Sie wis­sen wohl, was ich meine?«

»Nein.«

Ich wußte es wirk­lich nicht. Er sah mich prü­fend an. Gott, muß der dumm sein, dachte ich.

»Mein Hier­sein«, begann er wie­der lang­sam und betont, »hat sei­nen Grund in der Tat­sa­che, daß ich seit frü­hes­ter Jugend nach Gerech­tig­keit strebe. Ich frage Sie also: ist jene omi­nöse Äuße­rung über die Neger Ihrer­seits in die­ser Form und in die­sem Zusam­men­hang tat­säch­lich gefal­len oder nicht?«

»Ja«, sagte ich und mußte lächeln: »Ihr Hier­sein wäre also nicht umsonst –«

»Bedauere bitte«, unter­brach er mich schroff, »ich bin zu Scher­zen nicht auf­ge­legt! Sie sind sich wohl noch nicht im kla­ren dar­über, was eine der­ar­tige Äuße­rung über die Neger bedeu­tet?! Das ist Sabo­tage am Vater­land! Oh, mir machen Sie nichts vor! Ich weiß es nur zu gut, auf welch heim­li­chen Wegen und mit welch per­fi­den Schli­chen das Gift ihrer Huma­ni­täts­du­se­lei unschul­dige Kin­der­see­len zu unter­höh­len trachtet!«

Nun wurds mir aber zu bunt! »Erlau­ben Sie«, brauste ich auf, »das steht doch bereits in der Bibel, daß alle Men­schen Men­schen sind!«

»Als die Bibel geschrie­ben wurde, gabs noch keine Kolo­nien in unse­rem Sinne«, dozierte fel­sen­fest der Bäcker­meis­ter. »Eine Bibel muß man im über­tra­ge­nen Sinn ver­ste­hen, bild­lich oder gar nicht! Herr, glau­ben Sie denn, daß Adam und Eva leib­haf­tig gelebt haben oder nur bild­lich?! Na also! Sie wer­den sich nicht auf den lie­ben Gott hin­aus­re­den, dafür werde ich sor­gen!« (Jugend ohne Gott, Kapi­tel 3)

Wie das FBI Dr. Martin Luther King per Brief den Selbstmord nahelegte…

Die Elec­tro­nic Fron­tier Foun­da­tion (EFF) hat den Brief an Dr. Mar­tin Luther King ver­öf­fent­licht, den die­ser vom FBI erhielt, um ihn zur Selbst­tö­tung zu ver­an­las­sen. Vor­her hatte man sei­ner Frau fin­gierte Ehebruch-Hinweise zukom­men las­sen und ver­suchte mit allen Mit­teln die Zusam­men­ar­beit der schwar­zen Bür­ger­recht­ler durch Keile zu bre­chen. — Eigent­lich nicht ver­wun­der­lich, aber den­noch wider­lich. Hier ist das Doku­ment und ein beglei­ten­der Arti­kel zu finden.

Ich schließe mich sehr den Gedan­ken der EFF an, wie viel ein­fa­cher und güns­ti­ger es heute wäre, King zu über­wa­chen. Damals waren Mikro­phone klo­big und es muss­ten Filme aus ver­steck­ten Kame­ras geholt und ent­wi­ckelt wer­den. Beamte über­wach­ten die Wege Kings. Heute ist das alles mit einem mani­pu­lier­ten Smart­phone zu haben.

Die tech­ni­sche Ent­wick­lung ist seit den 1960er Jah­ren fort­ge­schrit­ten, unsere Kul­tur den Umgangs mit­ein­an­der jedoch lei­der gar nicht. Wer heute so mäch­tige Feinde hat, ist noch viel schlech­ter dran als damals.

über »geprüft« und »anerkannt«

Heute früh nahm ich eine »Nach­bar­schafts­an­ge­bot« eines Kos­me­tik­in­sti­tuts aus dem Post­kas­ten. Eine staat­lich geprüfte Kos­me­ti­ke­rin hat in der Nähe ein neues Insti­tut errich­tet, sie bie­tet einen gewis­sen Rabatt zum Ken­nen­ler­nen und legte eine Ange­bots­liste bei. So weit, so gut und so üblich. — Ich blieb am Begriff »staat­lich geprüft« hän­gen. Auch ein KFZ, das alles andere als sicher ist, kann, wenn es dem TÜV vor­ge­führt wurde und keine neue hoheit­li­che Pla­kette erhielt, wohl als »TÜV-geprüft« gel­ten, denn eben das hat ja der TÜV gemacht: geprüft. Dass die Prü­fung nicht erfolg­reich ver­lief, hin­dert nicht daran, dass es eine Prü­fung war, dass die Rost­laube also geprüft ist.

Frü­her fand sich bei man­chen Orten das  Prä­di­kat »staat­lich aner­kann­ter Luft­kur­ort«. Das ist etwas ande­res als »Bit­ter­feld: geprüfte Luftqualität«.

Ich möchte nicht an den Qua­li­tä­ten der Kos­me­ti­ke­rin zwei­feln, son­dern hin­wei­sen auf eine sprach­li­che Nach­läs­sig­keit, die hier­zu­lande ein­ge­ris­sen ist. Sie reiht sich ein in das »wir beten zusam­men« (statt »gemein­sam«) und das »wir sehen uns« (jeder sich? ) statt »ein­an­der«. Auch halte ich daran fest, dass »Abzüge« nur im Kon­takt­ver­fah­ren mög­lich sind, also gewöhn­lich 1 : 1 von Fil­men. Sonst han­delt es sich um Aus­be­lich­tun­gen (wenn ich auf z.B. Pho­to­pa­pier vom Laser eines Groß­la­bors meine digi­ta­len Bil­der aus­ge­ben lasse) oder Dru­cke (wobei man strei­ten kann, ob die Tin­ten­tröpf­chen drü­cken). Kurz: Das Gespür für sprach­li­che Bilder/Metaphern schwin­det, so meine Einschätzung.

Das wäre zu ver­schmer­zen, denn meist funk­tio­niert die Kom­mu­ni­ka­tion ja den­noch. — Zu befürch­ten ist, so gebe ich zu beden­ken, dass zwei Risi­ken drohen:

  • Ein­mal ein vor­sätz­li­cher Miss­brauch (dass sich etwa jemand dar­auf beruft, er habe den Gebraucht­wa­gen ja nicht als »in Ord­nung«, son­dern nur als »TÜV-geprüft« verkauft).
  • Sollte Witt­gen­stein recht haben, dass sich alles, was sich klar den­ken lasse, auch klar sagen lasse, dann ist der mög­li­che Umkehr­schluss zu beden­ken: Fan­gen wir uns durch sprach­li­che Unsau­ber­keit und Unge­nau­ig­keit eine gedank­li­che Unsau­ber­keit ein? Ich sage nicht, die­ser Umkehr­schluss wäre zwin­gend, viel­leicht nicht ein­mal erlaubt.  — Das Risiko aber sehe ich wohl.

Beide Vari­an­ten mög­li­cher Fol­gen erschei­nen mir gesell­schaft­lich nicht erstre­bens­wert. — Sicher, ange­sichts der Welt­po­li­tik sind das Detail­pro­bleme, aber mir scheint, dass heute sehr viel mit den Mit­teln der Spra­che getan und »gemacht« wird. Je genauer wir mit die­sem uni­ver­sel­len Werk­zeug umzu­ge­hen wis­sen und uns bemü­hen, desto besser.

Viel­leicht sollte ich beim nächs­ten Post zu so einem Thema ein­mal an einem Geset­zes­ent­wurf anset­zen? Die Genau­ig­keit ist oft auch dort nicht höher als bei der »staat­lich geprüf­ten Kos­me­ti­ke­rin«. Allein, ich fürchte, dass die Ver­span­nun­gen aus Rechts­tex­ten nicht ein­mal mit einer Ganz­kör­per­mas­sage aus­zu­bü­geln sein könnten.

Wenn große Lösungen fehlen…

In den letz­ten Tagen und Wochen höre ich öfters — und sogar von älte­ren Men­schen, die den 2. Welt­krieg noch mit­be­kom­men haben -,  dass sie die Welt nicht mehr ver­ste­hen. Weder ver­stehe man die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin, die von der Zen­sur­sula zur Flinten-Uschi mutiert sei, noch, wie man sich heute wech­sel­sei­tig Köpfe abschla­gen könne oder es noch immer keine (abseh­bare) Lösung für den Israel-Palästina-Konflikt gebe. Man dachte, dass die Phase der Kreuz­züge und der religiös-motivierten Kriege (etwa des drei­ßig­jäh­ri­gen) abge­schlos­sen sei. — Dem ist offen­bar nicht so.

Der Ost-West Kon­flikt besteht nicht mehr. Die Schu­len trai­nie­ren Schü­ler ent­spre­chend den Wün­schen der Wirt­schaft zu ange­pass­ten Markt­teil­neh­men­den. Sta­tus­sym­bole wach­sen an Wert­schät­zung (»hast Du schon das neue iPhone«), weil es für andere Werte als käuf­li­che in Zei­ten des ein­heit­li­chen Euro an Umrech­nungs­kur­sen fehlt. Musik, Male­rei, Lite­ra­tur, ja sicher, es gibt so Men­schen, die das betrei­ben. Wenn sie damit Geld verdienen…

Dass es aber andere Werte gibt und dass nicht allein die Infla­tion den Bestand ver­min­dert, ist kaum mehr mehr­heits­fä­hig. Mit dem Ende des DDR brach die Sys­te­mal­ter­na­tive, die ver­mut­lich nie eine war, weg. — Glaube macht sich bei Sala­fis­ten breit und bei Fun­da­men­ta­lis­ten unter­schied­li­cher Deno­mi­na­tio­nen. Die Mehr­heit hat bereits um die Zeit des 1. Welt­kriegs mit Gott wenig am Hute und noch weni­ger im All­tag mit Gott zu tun. Lei­der. Wei­ter­le­sen

wie die NSA der Briefpost nutzt…

Kartenausschnitt...

Kar­ten­aus­schnitt…

Nach­dem bei E-Mail und Tele­fon klar ist, dass mit­ge­hört bezie­hungs­weise mit­ge­le­sen wird von staat­li­chen Diens­ten, schreibe ich Pri­va­tes nicht in Mails und meide ent­spre­chen­des am Tele­fon. Statt­des­sen schreibe ich mehr Briefe — und teils auch Kar­ten. Bevor­zugt sol­che, die gerin­gen Kon­trast zum Kar­ten­hin­ter­grund haben, etwa ein Bild unter der zu beschrei­ben­den Seite, das  die auto­ma­ti­sche Erken­nung erschwert.

Dass ver­schlos­sene Briefe geöff­net wer­den, nehme ich nicht als Nor­mal­fall an. Bei Pri­vat­brie­fen schreibe ich den Absen­der bewusst nicht dahin, wo ihn die Post gern hätte. Son­dern auf die Rück­seite. Das ver­dop­pelt den Auf­wand beim Scan­nen. — Ein Freund schreibt den Absen­der bevor­zugt in Sütterlin.

Wie weit sind wir gekom­men mit unse­rer »offe­nen Gesell­schaft«, wenn harm­lose Pri­vat­leute sol­che Maß­nah­men ergrei­fen, weil sie nicht möch­ten, dass staat­li­che Stel­len sich Rechte neh­men, die wir ihnen mora­lisch nicht zubil­li­gen? — Ja, mein Chef­kom­men­ta­tor und Kar­ten­schrei­ber hat recht, es sind Rück­zugs­ge­fechte. Und: So wer­den wir — durch die frei­wil­lige Auf­gabe vor­han­de­ner Frei­hei­ten — sicher nicht die freie Kom­mu­ni­ka­tion beför­dern. Es ist mehr die frei­wil­lige Selbst­kon­trolle oder der Zen­sor –> die Schere im Kopf.

Ein wei­te­rer Freund äußert sich nicht mehr in Kom­men­ta­ren, weil er weiß, dass eine Zuord­nung über die IP-Adressen so ein­fach ist. — Um da zu hören, was er zu die­sem oder jenem denkt, muss man gemein­sam Abend­brot essen. — Ich denke drü­ber nach, ob es »ver­geb­lich« ist, was wir kom­mu­ni­zie­ren­den Rück­zugs­ge­fecht­ler da trei­ben. Auch dies ist eitel und Haschen nach Wind, sagte der Pre­di­ger… — Danke für die Karte!

Byung-Chul Han — über die Glätte und mehr

»Es gibt einen inter­es­san­ten Zusam­men­hang zwi­schen glat­ter Haut, glat­ter Kunst und glat­ter Poli­tik. Die poli­ti­sche Hand­lung im empha­ti­schen Sinne braucht aber eine Vision und einen hohen Ein­satz. Sie muss auch ver­let­zen kön­nen. Das tut aber die glatte Poli­tik von heute nicht. Nicht nur Angela Mer­kel, son­dern die Poli­ti­ker von heute sind nicht fähig dazu. Sie sind nur noch gefäl­lige Hand­lan­ger des Sys­tems. Sie repa­rie­ren da, wo das Sys­tem aus­fällt, und zwar im schö­nen Schein der Alter­na­tiv­lo­sig­keit. Die Poli­tik muss aber eine Alter­na­tive anbie­ten. Sonst unter­schei­det sie sich nicht von der Dik­ta­tur. Heute leben wir in einer Dik­ta­tur des Neo­li­be­ra­lis­mus. Im Neo­li­be­ra­lis­mus ist jeder von uns Unter­neh­mer sei­ner selbst. Kapi­ta­lis­mus zu Zei­ten von Marx hatte eine ganz andere Arbeits­struk­tur. Die Wirt­schaft bestand aus Fabrik­be­sit­zern und Fabrik­ar­bei­tern, und kein Fabrik­ar­bei­ter war der Unter­neh­mer sei­ner selbst. Es fand eine Fremd­aus­beu­tung statt. Heute fin­det eine Selbst­aus­beu­tung statt – ich beute mich aus in der Illu­sion, dass ich mich ver­wirk­li­che.« (hier)

Die Zeit bie­tet hier ein anre­gen­des Inter­view mit dem Ber­li­ner Phi­lo­so­phen Byung-Chul Han. Der Text ist in sei­ner Kürze für meine Wahr­neh­mung hoch­gra­dig anregend.

»Löschersuchen eines Webseiteneintrages« erhalten von mail@tele[…].net

Weil ich 2011 einen Bei­trag geschrie­ben habe, in dem es darum ging, dass mich eine 0800-Rufnummer beläs­tigt (der Bei­trag steht hier), erhielt ich heute eine E-Mail, die eigent­lich an einen ande­ren Blog­ger adres­siert ist. Betreff­zeile lau­tet »Löscher­su­chen eines Web­sei­ten­ein­tra­ges«. — Nun kann ich ja ver­ste­hen, dass irgend jeman­dem der Bei­trag (und auch der­je­nige, des eigent­lich ange­schrie­be­nen ande­ren Blog­gers zur sel­ben Ruf­num­mer) nicht gefällt. Sei es, dass inzwi­schen die Num­mer neu zuge­teilt sei oder warum auch immer. Jeden­falls sind meine Erfah­run­gen von 2011 ja eben genau so abge­lau­fen, wie dort dar­ge­stellt. Inso­fern ist es wie mit jeder älte­ren Nach­richt: Sie muss nicht mehr aktu­ell sein. Den Anspruch aber, dass alle meine Bei­träge stets aktu­ell gehal­ten wer­den, habe ich kei­nes­falls. — »Was ich geschrie­ben habe, habe ich geschrie­ben«, soll schon Pila­tus gesagt haben.

Inso­fern habe ich nichts dage­gen, wenn jemand bei Google & Co. sich bemüht, ggf. ein Such­er­geb­nis nicht ange­zeigt zu bekom­men. Ich aber werde mei­nen Arti­kel nicht ändern. — Neben­bei: Die Num­mer ist bei mir wei­ter­hin gesperrt, und es sind etli­che hinzu gekommen.

Heute nun hat mir jemand mit­ge­teilt, dass er/sie/es die Num­mer pri­vat zuge­teilt bekom­men habe. Das kann ich nicht beur­tei­len. Ich werde auch nicht tele­fo­nie­ren in die­ser Ange­le­gen­heit. Um es noch ein­mal klar zu sagen: Ich behaupte nicht, dass die Ruf­num­mer aktu­ell beläs­tigt, wohl aber, dass sie wei­ter­hin gesperrt ist. Und ich wurde A.D. 2011 von die­ser Num­mer beläs­tigt. — In der emp­fan­ge­nen E-Mail ist von ver­öf­fent­lich­ten Kom­men­ta­ren die Rede. Ich weiß nicht, ob sich das über­haupt auf mein Sudel­web bezieht, denn die Kom­men­tare haben viel mit »cold call« zu tun, aber wenig mit der Num­mer. In die­sem Zusam­men­hang und über­haupt zum unsäg­li­chen Thema »Löscher­su­chen« ver­weise ich ein­fach ein­mal auf einen aus­ge­zeich­ne­ten Wiki­ar­ti­kel — hier.

übers Bloggen in Zeiten von Abmahnungen und Überwachung

Gar nicht so ein­fach finde ich es, in die­sen Zei­ten zu blog­gen. Per­sön­li­ches, das mich oder andere, Freunde etwa, betrifft: eher nicht. Bil­der lie­ber Leute: ja, aber nur nach Rück­spra­che oder sol­che, die sie als »Bei­werk« zei­gen oder als Werk der Bild­kunst gel­ten kön­nen. Klar, auch hier­bei lasse ich es mög­li­cher­weise dar­auf ankommen.

Die Haf­tung bei Zita­ten, Links usw. ist hoch und damit erfor­dert zu blog­gen mehr als nur Ideen und mini­ma­les tech­ni­sches Geschick. Ich bin mir gewiss, dass diese Seite über­wacht wird — und es kam mehr­fach vor, dass ich Kom­men­tare als (sogar ein­mal) hand­schrift­li­chen Brief erhielt, weil Kom­men­ta­to­ren nichts ins Netz schrei­ben wollten.

Ande­rer­seits fände ich es bedau­er­lich, wenn das aktive Nut­zen des Net­zes nicht mehr mög­lich würde ohne eigene Rechts­ab­tei­lung und hin­rei­chend Mit­tel, um mög­li­che Kla­gen durchzustehen.

Die Reich­weite des Sudel­webs ist merk­lich zurück­ge­gan­gen, seit ich nicht mehr bei Face­book dabei bin und bei Twit­ter. Wäh­rend ich dort meine neuen Texte jeweils öffent­lich machte, hatte ich ca. 120 Besu­chende täg­lich. Seit­her sind es 20–30. Klar, es gibt Spit­zen­tage, da sind es über drei­hun­dert, aber auch sol­che mit < 10 Besu­chen­den kom­men (sel­ten) vor.

Für mich ist das Sudel­web eine Mög­lich­keit, das, was mich beschäf­tigt, inso­fern es sich für eine grö­ßere Öffent­lich­keit eig­net, zu tei­len mit ande­ren. Viele Men­schen, mit denen ich zu tun hatte, als Kon­takte aktiv zu pfle­gen, mit Anru­fen, Brie­fen, Besu­chen usw. schaffe ich nicht. Ja, ich schreibe Rund­briefe von Zeit zu Zeit. Die sind etwas andere als das Sudel­web. Sie trauen sich, etwas per­sön­li­cher zu wer­den. Auch sonst schreibe ich Briefe (und lese gern selbst wel­che). E-Mail und Tele­fon nutze ich aber eher nicht für pri­va­tes, da davon aus­zu­ge­hen ist, das sie über­wacht wer­den. Nicht dass es viel zu ver­ber­gen gäbe, allein: Es steht m.E. denen, die fin­den, über­wa­chen zu müs­sen, mei­ner Mei­nung nach nicht zu.

Fürs Sudel­web, mein Blog, bleibt damit eine kleine aber feine Rest­menge an The­men. — Der­zeit bin ich viel beschäf­tigt, viel unter­wegs, vor allem ist meine Brille in Repa­ra­tur, und mit den Ein-Tages-Kontaktlinsen ist Bild­schirm­ar­beit müh­sa­mer. Resul­tut: Hier gibt es nicht so viel neue Bei­träge wie man­che und ich selbst es wünsch­ten.  — Aber es geht wei­ter, denn es gibt die Lust an der und die Not­wen­dig­keit zur Kom­mu­ni­ka­tion. Sie bleibt mir wich­tig. Die Netz­ge­meinde, auch und gerade die, die regel­mä­ßig hier­her kom­men, liegt/liegen mir am Herzen.

Trotz aller Regu­lie­rung und juris­ti­schen Fall­stri­cke: Ich sudele wei­ter, in mei­nen Sudel­hef­ten — und eben auch (etwas gefil­tert) hier.

sind wir wieder so weit? Staat liest wieder Briefe mit…

Der Bericht ist knapp und geht zurück auf eine Anfrage im Thü­rin­gi­schen Land­tag. Dass es in den ande­ren Län­dern aber eine gänz­lich abwei­chende Pra­xis gibt, halte ich nicht für wahr­schein­lich. Da wer­den also wie­der (mobil wie sta­tio­när) an vier Anla­gen Briefe auf­ge­dampft. — Natür­lich nicht mehr von der Staats­si­cher­heit; die Ein­rich­tung, die diese Auf­ga­ben über­nom­men hat, heißt ja nun Ver­fas­sungs­schutz. — Eigent­lich steht das Brief­ge­heim­nis da drin, in der Ver­fas­sung. — Das darf aber — dank G-10 Gesetz — nicht über­mä­ßig genau genom­men wer­den, denn das Nähere regelt eben nicht die Verfassung.

Mir kommt es bis­wei­len vor, als wäre die Funk­tion des Ver­fas­sungs­schut­zes hier­zu­lande ver­gleich­bar dem Pro­dukt­schutz: Schutz des Pro­dukts vor dem Ver­brau­cher. Wer die Ver­fas­sung so schützt, dass die dort erklär­ten Grund­rechte andern­orts auf­ge­ho­ben wer­den, der kon­ter­ka­riert das höhere Gut durch die Methode es zu erreichen.

Ande­rer­seits ist es doch schön, wie tra­di­tio­nelle Hand­werke hier­zu­lande gepflegt wer­den. Das Öff­nen von Brie­fen hat ja lange Tra­di­tion. Viel­leicht gibt es gar Fami­lien, die von GeStaPo zu StaSi zu Ver­fas­sungs­schutz die Fami­li­en­tra­di­tio­nen wei­ter­ge­ben. — »Auf­ge­dampft nach altem Familienrezept…«

Hier der Arti­kel dazu und hier die klei­nen Anfragen.

zum Netzpolitik-Blogbeitrag aus dem NSA-Untersuchungsausschuss

Es geht um die­sen Bei­trag. Hier wird wie­der ein­mal (das war offen­bar man­chen in irgend­ei­nen Akten­ord­ner gerutscht und damit erst­mal weg) dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Grund­rechte so hei­ßen, weil sie immer und über­all gel­ten. Das schreibt zwar Andre Meis­ter, aber es geht zurück auf die juris­ti­schen Gut­ach­ten nicht zuletzt von Herrn Papier, ehe­mals Bun­des­ver­fas­sungs­rich­ter und Herrn Hoffmann-Riem. Gel­tung immer und über­all bedeu­tet, dass auch Afgha­nen in ihrem Land nicht bespit­zelt wer­den dür­fen. Ihre Kom­mu­ni­ka­tion muss allen deut­schen Behör­den (und Unter­neh­men) ebenso als ver­trau­lich gel­ten wie alles, was hier passiert.

Wenn Behör­den Kennt­nis von ent­spre­chen­den Aus­spä­hun­gen haben und nicht ein­schrei­ten, han­deln sie gesetzeswidrig.

Mei­nes Erach­tens han­delt es sich bei den Vor­trä­gen und auch bei den Ant­wor­ten aller drei juris­ti­schen Gut­ach­ter um eine Stern­stunde par­la­men­ta­ri­scher Arbeit: Allein, es kommt drauf an, was die Abge­ord­ne­ten draus machen.

über Kommentare hier im Sudelweb…

freue ich mich gewöhn­lich. Auch dann, wenn sie weit von mei­ner eige­nen Posi­tion ent­fernt sind. — Die Wer­bung und die unech­ten Kom­men­tare wurde mehr und mehr, ich hatte daher nur eine Woche lang Arti­kel frei­ge­ge­ben für Kom­men­tare. Nun kamen Beschwer­den, also habe ich das Inter­val auf drei Wochen (21 Tage) erhöht. Neue Texte im Blog sind so lange kommentierbar.

Wei­ter­hin gebe ich alle (ech­ten) Kom­men­tare frei. — Schließ­lich hafte ich pres­se­recht­lich. Das bedeu­tet aber auch, dass die Kom­men­tare nicht auto­ma­tisch (sofort) erschei­nen, son­dern ich sie erst lesen/fregeben muss.

Kunstfreiheit am Ende, dafür Kinderverstümmelung erlaubt

Der­zeit wird im Gefolge der so genann­ten »Edathy-Affäre« ziem­lich laut drü­ber nach­ge­dacht, Pho­to­gra­phien unbe­klei­de­ter Kin­der nicht legal han­deln zu las­sen. — Wer sich in der jün­ge­ren Geschichte der Pho­to­gra­phie etwas aus­kennt, käme nie auf die Idee, dass uns das hier in Europa droht. Ich denke etwa an Jock Stur­ges, der alles andere als ein Kin­der­pro­no­graph ist. Das haben inzwi­schen sogar US-Gerichte fest­ge­stellt, aber die reli­giöse Rechte fand seine Bil­der offen­sicht­lich befremd­li­cher als Mel Gib­sons zehn Jahre alten Film »Die Pas­sion Christi«.

Sicher kann man drü­ber nach­den­ken, ob es legi­tim ist, Bil­der ande­rer über­haupt anzu­fer­ti­gen. Das wurde und wird ja auch im Koran the­ma­ti­siert und im alt­tes­ta­ment­li­chen Bild­nis­ver­bot fin­det sich das Thema ebenso. — Es wird glück­li­cher­weise im Juden­tum und im Chris­ten­tum kaum beach­tet. Selbst in der inner-islamischen Dis­kus­sion gehen die Aus­le­gun­gen sehr weit auseinander.

Ich selbst mache mich vor lau­ter Liebe zum Bild fort­ge­setzt straf­bar, denn ich nehme nicht allein Men­schen auf, ich ver­breite und ver­öf­fent­li­che die Bil­der sogar. — Das geht natür­lich nicht. Juris­ten haben ja nichts zu tun, wenn jeder ein­fach Musik machen dürfte, ohne die GEMA zu fra­gen, wenn jeder pho­to­gra­phie­ren oder zeich­nen könnte, was er (oder sie) möchte. Viel­leicht sollte ich doch eher fern­se­hen? Aus einem Buch ande­ren vor­zu­le­sen? Nicht erlaubt, es sei denn, ich frage vor­her die Urhe­ber­rechts­hal­ter. Oder sollte statt Jazz auf Alte Musik umsteigen.

Ich stelle mir gerade vor, dass zukünf­tig Sal­ga­dos Afrika-Bilder unter­er­nähr­ter Kin­der (auch nackt) Porno-verdächtig sind. Auf den Bil­dern der Befrei­ung der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, gleich ob 1945 oder anderswo, könn­ten auch Kin­der sein. Sollte des­halb Ernst Fried­richs Mate­rial aus dem 1. Welt­krieg nicht mehr in den Han­del gera­ten? Sollte die Gedenk­stätte Bergen-Belsen ihre Filme umschnei­den? — Das immer­hin schüfe Arbeits­plätze jen­seits der Juris­ten, näm­lich bei den Cut­tern. Gerade bei der Kri­sen– und Kriegs­be­richt­er­stat­tung, ich denke etwa an Nacht­weys Bil­der aus Ex-Jugoslawien, wären viele Bil­der nicht mehr ver­käuf­lich, weder zu ver­brei­ten noch zu veröffentlichen.

Ich halte nichts von Por­no­gra­phie, schon gar nicht von Kin­der­por­no­gra­phie. — Und ich kann gut ver­ste­hen, dass Miss­brauchs­op­fer, etwa aus Jesui­ti­schen Inter­na­ten, sehr schlechte Erfah­run­gen gemacht haben, wie das schu­li­sche »Macht­ge­fälle« gegen sie ver­wandt wurde. ABER: Ich fände es ehr­li­cher, zu sagen: Kin­der­bil­der gehö­ren (ob beklei­det oder unbe­klei­det) ver­bo­ten. Ich wäre sofort dafür, sehe aber, dass das eine große Ein­schrän­kung bedeu­tete. Die kann ich eigent­lich nicht wollen.

Wenn wir dahin kämen, dann wäre es auch ange­bracht, die Kna­ben­be­schnei­dung ohne medi­zi­ni­sche Indi­ka­tion zu unter­sa­gen. — Nicht alles, das Eltern (aus wel­chen Grün­den auch immer) ermög­li­chen oder beför­dern, ob bei 12 Stäm­men oder anderswo, ist zum bes­ten des Kin­des. Gerade im Bereich des (Neo-)Satanismus ist Kin­des­miss­brauch oft mit Wis­sen der Eltern nicht unüb­lich. So ist es in ande­ren Welt­an­schau­un­gen mit der Beschnei­dung, übri­gens glei­cher­ma­ßen von Mäd­chen wie Jungen.

Bildung muss sich wieder lohnen?

Hannover University - Conti Campus

Uni Han­no­ver, Conti Campus

Der Gegen­wert eines »Dr.« vor dem Namen ist in der Poli­tik durch­aus kal­ku­lier­bar. Für bestimmte Ämter oder Funk­tio­nen gilt wei­ter­hin das »sine qua non« (ohne dies geht es nicht). Bil­dung wird heut­zu­tage aber mehr und mehr zur Schein-Bildung, es geht um Titel, Zer­ti­fi­kate. »Sym­bo­li­sches Kapi­tal« muss mehr und mehr kon­ver­ti­bel wer­den in Euro oder Dollar.

Dass es wei­ter­hin »Orchi­de­en­fä­cher« gibt, die sehr sehr wenige Absolvent/inn/en her­vor­brin­gen, gilt man­chem Bil­dungs­öko­no­men als Dorn im Auge. Ägyp­to­lo­gie oder kop­ti­sche Kir­chen­ge­schichte wer­den offen­bar weni­ger nach­ge­fragt als klas­si­sche Juris­ten, Maschi­nen­bauer oder Betriebswirte.

Was man sich als Gesell­schaft leis­tet, das ist ein Kom­pro­miss. Ich meine aber, dass es gut ist, wenn sich ein Gemein­we­sen auch Orchi­de­en­fä­cher leis­tet. Neben guten Schu­len, selbst­ver­ständ­lich. So lange die Bezah­lung für Orchi­de­en­kund­ler so viel nied­ri­ger ist als bei klas­si­schen Mehr­heits­fä­chern, wird sich die tief­ge­hende Bil­dung gegen­über einer ein­fa­che­ren Berufs­qua­li­fi­ka­tion nicht über die Maßen aus­brei­ten. Wenn jemand als Ägyp­to­loge weiß, dass es nur sehr wenige fach­li­che Stel­len gibt und für alle ande­ren, die keine die­ser raren Stel­len ergat­tern kön­nen, etwas ande­res aus dem Stu­dium gemacht wer­den muss, sind doch alle zufrie­den. Den Luxus, dass es auch sol­che Fächer gibt, die ja zumin­dest kein CERN brau­chen, scha­det nicht.

Ein Freund ist Ur– und Früh­ge­schicht­ler und hat auch Vök­ler­kunde in sei­nem Abschluss ste­hen. Nun macht er ganz etwas ande­res. Das scha­det weder noch wäre es so, dass das, was er gelernt hat, ihm nicht nutzte. Das Stu­dium als »Bil­dung« ver­stan­den ist eben keine »Aus­bil­dung«. Muss es aber auch nicht, denn man kann sich, mit dem nöti­gen Hin­ter­grund, in vie­les ein­ar­bei­ten. Das eben ist ist ja »Bil­dung«: Die Fähig­keit, immer wie­der neues zu ler­nen. Um in die Tiefe eines Faches oder Gebie­tes ein­zu­tau­chen ist aber Muße wich­tig, die seit Bolo­gna kaum gege­ben ist. Inso­fern sind Bache­lor und Mas­ter­ab­schlüsse ein Bruch mit einer frucht­ba­ren Tra­di­tion und ein Zei­chen der Öko­no­mi­sie­rung, das kaum geeig­net ist, dem hum­boldt­schen Ziel der Annä­he­rung des Men­schen an Gott durch Bil­dung zu die­nen. — So gese­gen ist es kein Wun­der, dass man­cher Abschluss gerade implodiert.

Blütenlese — Metablog

Gutes und Anre­gen­des wei­ter­zu­sa­gen, das hilft allen. Einige Arti­kel las ich in den letz­ten Tagen, die ich hier weiterempfehle.

  1. Im ers­ten Link geht es bei der Süd­deut­schen um eine unkon­ven­tio­nelle Gemeinde in Berlin-Mitte. Mir scheint es typisch, aber auch etwas struk­tu­rell belie­big, dass sich für die ent­spre­chende geist­li­che Nie­sche ein Ange­bot fin­det. Warum nicht? In den USA hätte (hat) es der­glei­chen vor 25 Jah­ren bereits gege­ben, bei uns dre­hen sich gerade bei den Kir­chen wegen der star­ken (und staat­lich beför­der­ten) Stel­lung der gro­ßen Kir­chen die Uhren etwas lang­sa­mer, wenn­gleich man all­mäh­lich über die Ablö­sung der Kom­pen­si­ons­leis­tun­gen nach dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss nach­denkt. — Eine Gemeinde für die jun­gen Krea­ti­ven, die Berlin-Mitte bevöl­kern. Jesus in Baby­lon, so heißt das Kino, in des­sen Räu­men sich wöchent­lich rund 400 Men­schen versammeln…
  2. Dass eini­ges im Betäu­bungs­mit­tel­recht nicht unbe­dingt dazu ange­tan ist, den Druck aus dem gesell­schaft­li­chen Druck­kes­sel zu neh­men, dass beson­ders das orga­ni­sierte Ver­bre­chen weit­aus weni­ger Markt­fel­der hätte, gäbe es keine der­ar­ti­gen Ver­bote, dass sogar in den Ursprungs­län­dern eini­ger Betäu­bungs­mit­tel, etwa in Mexiko oder Afgha­nis­tan, die Kon­flikte so gar nicht bestän­den, wenn es nicht die Dro­gen als Export­schla­ger gäbe, kann jeder­mann wis­sen. Nun for­dern — hier nach­zu­le­sen bei Tele­po­lis — 106 Straf­rechts­pro­fes­so­ren eine Erneue­rung und Über­ar­bei­tung der gesetz­li­chen Grundlagen…
  3. Vor rund einem Jahr wurde nach dem Auf­schrei aus tra­di­tio­nell jüdi­schen und mus­li­mi­schen Krei­sen die Beschnei­dung von Kna­ben wie­der erlaubt. Dabei waren die Nadeln noch nicht kühl, so dass begrün­dete Zwei­fel beste­hen, ob das Gesetz nicht in sei­ner jet­zi­gen Form ver­fas­sungs­wid­rig ist. Dass die viel­fach ein­ge­setzte Creme zur »Betäu­bung« für die­sen Zweck nicht zuge­las­sen ist, ist ein rie­si­ger Pat­zer, dass sehr junge Kin­der keine ent­wi­ckelte Schmerz­emp­fin­dung hät­ten, ist eine steile These, die mehr­heit­lich als wider­legt ange­se­hen wird. Dass eine anäs­the­sis­ti­sche Behand­lung durch ritu­elle Beschnei­der (immer­hin eine anspruchs­volle medi­zi­ni­sche Auf­gabe) ein­fach sei, ist Unfug.  Hier in der Süd­deut­schen kann der Arti­kel nach­ge­le­sen wer­den. — Mir scheint der ein­zige Aus­weg (der die Per­sön­lich­keits­rechte des Kin­des ernst nimmt), auf die Beschnei­dung von Mäd­chen und Kna­ben zu ver­zich­ten, bis diese erwach­sen sind.
  4. Ver­mut­lich bin ich nicht allein, wenn ich man­ches an Poli­tik als »den sel­ben Brei« erlebe, gleich ob von schwarz-gelb oder schwarz-rot. Dass nun hier­für das Stich­wort der Poli­tik­ver­dros­sen­heit nicht hin­reicht, zeigt der span­nende Telepolis-Artikel, der dar­über nach­denkt, ob der Feh­ler nicht in der Demo­kra­tie an sich läge. Dann näm­lich wird sich auch bei einer Wahl ande­rer nichts wesent­lich ändern. Wei­ter­hin geht es darum, ob, wenn wir die Demo­kra­tie als ursäch­lich für die Ent­kopp­lung von »poli­ti­scher Klasse« und ande­ren anse­hen, ja noch keine Dik­ta­tur oder Mon­ar­chie gefor­dert, allein: Es gilt das Abglei­ten in eine Olig­ar­chie zu ver­hin­dern, was ange­sicht grö­ße­rer Reich­wei­ten (»Glo­ba­li­sie­rung«) der Ent­schei­dun­gen nicht ein­fach ist.

Sicher, das alles ist keine Lösung, aber es sind doch immer­hin sol­che Fel­der, über deren Beste­hen wir uns poli­tisch ver­stän­di­gen müs­sen, wenn wir die Schwie­rig­kei­ten über­win­den möch­ten. Ich bin eher rat­los, sehe der­zeit kei­nen Ansatz in den vier genann­ten Fel­dern. Dass sich der kirch­li­che Markt dif­fe­ren­ziert, das finde ich jeden­falls am wenigs­ten tragisch.

die politische Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland II

Der erste Teil die­ses Tex­tes hat dahin geführt, dass die Kate­go­rie des Bür­gers bzw. der Bür­ge­rin schwam­mig, unsi­cher, viel­leicht über­flüs­sig gewor­den ist. Dis­junkte Begriffe sind es nicht mehr, seit es dop­pelte Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten gibt. Und je mehr wir über Grenz­fälle nach­den­ken, desto mehr komme ich ins Fra­gen und Nach­den­ken, ob es nicht eher wie mit PKW ist: Wenn man ein Fahr­zeug drei Monate lang an einem Ort hat, gehört es dort angemeldet.

Selbst­ver­ständ­lich bedarf es etwa auch für das Wäh­len einer gewis­sen Zeit, die jemand in der Statd oder im Land wohnt. In der Spät­an­tike, als das Chris­ten­tum sich aus­brei­tete, war in wei­ten Tei­len das römi­sche Reich prä­sent, dane­ben etwa Per­sien, Indien usw. Wei­ter­le­sen

die politische Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland…

Von Klem­pe­rer lässt sich auch ler­nen, dass gerade im Bereich der Poli­tik die Spra­che ver­rä­te­risch ist. Wer in den 1950er Jah­ren ff. den Begriff der »Gast­ar­bei­ter« prägte, der konnte doch nicht allen Erns­tes anneh­men, dass die­ses Kon­zept auf­gehe. Wenn Arbeits­kräfte benö­tigt wer­den, die es nicht im Lande gibt (gleich, ob es um Spe­zi­al­kennt­nisse geht oder um die Bereit­schaft, für Löhne zu arbei­ten, die nie­mand der »Ein­hei­mi­schen« akzep­tierte), so wer­den und wur­den zu allen Zei­ten aus dem Aus­land die erfor­der­li­chen »human res­sour­ces« beschafft. Das ist nicht grund­sätz­lich anders als bei der Skla­ve­rei in der Antike, in den USA, in Katar oder Saudi Arabien.

Die sel­ben Grund­sätze gel­ten für hoch spe­zia­li­sierte Fach­kräfte, ob sie nun etwas vom Kathe­dral­bau ver­ste­hen wie im Mit­tel­al­ter oder von hier­zu­lande beschränkt beforsch­ba­rer Bio­tech­no­lo­gie: Es gibt einen Markt für Arbeits­kräfte. — Siehe auch »Brain-Drain«.

Ein Natio­nal­be­wusst­sein aber gibt es mit zuneh­men­der Mobi­li­tät zuneh­mend weni­ger. Skills (Fer­tig­kei­ten) sind gefragt, weni­ger aber ver­tiefte natio­nale Kennt­nisse. Gefragt ist weni­ger das Wis­sen um mit­tel­deut­sche Lyrik als die Fer­tig­keit, ein Füh­rer­schein­for­mu­lar aus­zu­fül­len. Was trennt in die­sen Zei­ten von »drin­nen« (= deutsch) und »drau­ßen« (= aus­län­disch)? Das Natio­nal­kri­te­rium bei Kant war ja noch neben einem Ter­ri­to­rium, einem Recht, einer Spra­che die eine Reli­gion. Letz­te­res ist längst gefal­len. Und es geht auch. Ter­ri­to­rium und Recht sind eher Kri­te­rien nach außen: Sie gren­zen ein Land, etwas Deutsch­land, gegen ein ande­res ab. Gegen­über ande­ren Län­dern deut­scher Spra­che etwa sind diese Para­me­ter his­to­risch bedingt, aber an sich belie­big. Wenn man von deut­schen Kom­po­nis­ten spricht, wer­den selbst­ver­ständ­lich die öster­rei­chi­schen der Wie­ner Klas­sik eingemeindet.

Ich gebe zu, dass es für die, die außer ihrem Deutsch-Sein wenig haben, wor­auf sie stolz sein kön­nen, bedroh­lich wir­ken kann, hier post­mo­dern zu den­ken. Was hin­dert es, den Begriff der Nation als sol­chen bedeu­tend freier zu gebrau­chen, und Deutsch­land bewusst als Ter­ri­to­rium, Rechts­ge­biet und Sprech­ge­mein­schaft (ob es die­ses Kri­te­ri­ums bedarf?) zu ver­ste­hen? Mit der Ein­la­dung, an sol­che Men­schen, die hier gebraucht wer­den, auch Bürger/innen zu wer­den. Im Jahre 2000 wurde im nörd­li­chen Licht­hof des  Reichs­tags­ge­bäude die­ses Kunst­ob­jekt »Der Bevöl­ke­rung« von Hans Haa­cke errich­tet. Denk­bar knapp ent­schied man für die­ses Werk, zwei Stim­men Mehr­heit genüg­ten. Man­chen schien die spie­le­ri­sche Auf­nahme und Ver­frem­dung des »Dem Deut­schen Volke« außen am Reichs­tags­ge­bäude wie eine natio­nale Enteignung.

Neben all den prak­ti­schen Fra­gen, ob man bloß einer Nation ange­hö­ren kann, oder ob es mit der dop­pel­ten oder gar mehr­fa­chen Staats­an­ge­hö­rig­keit eine Ent­spre­chung unse­rer glo­ba­li­sier­ten Kul­tur gäbe, ob Ein­bür­ge­rungs­tests glei­cher­ma­ßen auch für hier gebo­rene »native Ger­mans« wün­schens­wert wären, … Die Grund­frage scheint mir, ob wir der Annahme einer Kate­go­rie »Natio­na­li­tät« bedür­fen? Und: Wenn »ja«, dann für wel­che Zwe­cke genau? Natür­lich, fürs Pass­we­sen. Aber: Reicht nicht eine Anmeldung?

In einem zwei­ten Teil die­ses Bei­trags werde ich gerade nach der »Letzt­be­grün­dung« fra­gen. — Gar nicht ein­fach, im Staate der Glaubensfreiheit.

orthodoxe Spiritualität und Nominalismus-Realismus-Streit — »Imjaslavie«

Imjas­la­vie meint die Ver­eh­rung Got­tes in der ver­eh­rung des Namens Got­tes. Die­ses spi­ri­tu­elle Pra­xis in der ortho­do­xen Kir­che geht auf eine geist­li­che Übung beson­ders der Athos­mön­che zurück, die ein Kon­zil vor bald ein­hun­dert Jah­ren theo­lo­gisch ein­ord­nen wollte. Allein, durch die Okto­ber­re­vo­lu­tion kam es dazu nicht mehr. Zum Ein­stieg emp­fehle ich den aus­ge­zeich­ne­ten Wiki-Artikel, hier.  Es gibt Par­al­le­len zum Jesus-Gebet, das ja über den Bereich der Ortho­do­xie hin­aus ver­brei­tet ist.

Klar, die­ses Imjaslavie-Gebet bleibt eine spi­ri­tu­elle Übung und eben gerade keine Simio­tik. Inso­fern finde ich jedoch die Klar­stel­lung Hol­ger Kußes unglück­lich, dass die Über­ein­stim­mung des Got­tes­na­mens mit Gott »geist­lich wahr« wäre, unglück­lich, denn sie wider­spricht dem Wahr­heits­ver­ständ­nis der klas­si­schen Aus­sa­ge­lo­gik und der Dia­lo­gi­schen Logik: Sicher ist es eine »Wirk­lich­keit« für den Beter. Die Unter­schei­dung zwi­schen dem Gegenstands-/Wahrnehmungsbereich (»Wirk­lich­keit«) und dem Bereich der Aus­sa­gen (»Wahr­heit«) fehlt bei Kuße (hier).

»Die Geg­ner der Imjas­la­vcy argu­men­tie­ren streng „nomi­na­lis­tisch“[30] und behar­ren auf der Saus­sur­schen Unter­schei­dung und strik­ten Tren­nung von Signi­fi­kat, Signi­fi­kant und der Sache selbst. Die rus­si­schen Sprach­phi­lo­so­phen in der Tra­di­tion des Imjas­la­vie hin­ge­gen neh­men Über­le­gun­gen auf und zum Teil vor­weg, die im Wes­ten mit Namen wie Lud­wig Witt­gen­stein, John Searle und Saul Kripke ver­bun­den sind[31].« (hier)

Von der Debatte in der Sla­wis­tik ver­stehe ich lei­der gar nichts, kann aber aus mei­nen Begeg­nun­gen mit ortho­do­xer Theo­lo­gie (in der alten Kir­che habe ich mich eini­ger­ma­ßen aus­führ­lich mit die­sem inter­es­san­ten Feld theo­lo­gi­schen Fei­erns und Lebens, das in vie­lem ganz anders vor­geht als west­kirch­li­che Kasu­is­tik und Dia­lek­tik) sagen, dass diese oft ver­blüfft, weil sie teils grund­ver­schie­dene Her­an­ge­hens­wei­sen lebt. — Ums mit Botho Strauß (in Paare, Pas­san­ten) zu sagen: »Ohne Dia­lek­tik den­ken wir auf Anhieb düm­mer; aber es muss sein: ohne sie.« (vgl. hier)

Erstaun­lich finde ich, dass Anhän­ger des Imjas­la­vie quasi durch die Hin­ter­tür nicht allein einen Universalien-Realismus auf­le­ben las­sen, son­dern eben auch bemer­kens­werte theo­lo­gi­sche Impli­ka­tio­nen in Kauf neh­men. Wenn im Namen Got­tes Gott zuge­gen ist, was mei­nen wir, wenn wir eine sol­che Aus­sage tref­fen? Gerade ange­sichts der Unaus­sprech­lich­keit des Eigen­na­mens Got­tes für man­che From­men? — Die Deu­tung des »gehei­ligt werde dein Name« der Zeu­gen Jeho­vas halte ich in die­sem Sinne für keine Anwen­dung. Im Aus­spre­chen des Namens Got­tes ver­än­dert sich, so meine (eini­ger­ma­ßen auge­klärte, west­li­che und methodisch-kulturalistische Her­an­ge­hens­weise) vor allem die Situa­tion für den Beter. Es han­delt sich um eine Art Selbst­ver­ge­wis­se­rung. Ein per­for­ma­ti­ver Sprech­akt, der durch das Aus­spre­chen des Namens Got­tes die Situa­tion zu einer gehei­lig­ten macht. So weit, so nach­voll­zieh­bar. Hier­für reicht der kleine Werk­zeug­kof­fer der Sprech­akt­theo­rie. Inwie­fern aber das (Da-)Sein Got­tes vom Namen abhängt, das ver­schließt sich trotz des Wis­sens um Exo­dus 3,14 (Gott stellt sich dem Mose am bren­nen­den Dorn­busch als »ich bin der Sei­ende« vor) und alles, was folgt.

Prag­ma­tisch kann ich nach­voll­zie­hen, dass die Benen­nung der Dinge etwas mit ihrem (für mich) Da-Sein zu tun hat. »Erst was zur Spra­che kommt, kommt zur Welt«. — Klar, diese Gedan­ken fin­den sich ja auch im elo­his­ti­schen Schöp­fungs­be­richt (Gen.1,1ff) und — wenn man so möchte — in der Ein­füh­rung ers­ter Begriffe in Witt­gen­steins Phi­lo­so­phi­schen Unter­su­chun­gen. Prag­ma­tisch den­kend ist meine Fol­ge­ung hier­aus aber die, dass ich dies nicht im Sinne eines Rea­lis­mus oder gar eines Begriffs-Realismus denke, son­dern anders herum: Um damit umge­hen zu kön­nen, bedarf etwas einer Bezeich­nung, eines Namens. Ohne ein Bezeich­nung kann ich ein­fach nicht auf etwas mich bezie­hen. Wenn aber Sprach­han­deln meint, dass ich an etwas etwas mit Wor­ten tue, etwa kenn­zeich­nen, auf­for­dern, …, dann ist es hierzu metho­disch erfor­der­lich, auf etwas mich zu bezie­hen. — Und diese Ein­füh­rung ers­ter Begriffe geht prag­ma­tisch gut: »Iss dei­nen Nach­tisch!« — Wenn das Kind dar­auf etwas ande­res tut, wird er geta­delt, isst es den Nach­tisch, wird es gelobt, und weiß in der Folge, was »Nach­tisch« meint. Mit Eigen­na­men muss das nicht anders gemacht wer­den. (Aber okay, ich denke da mög­li­cher­weise zu kul­tu­ra­lis­tisch).

Das Ent­lang­den­ken an Moti­ven ortho­do­xer Mys­tik für mich in Sack­gas­sen und Apo­rien. — Finde jedoch den Gedan­ken des Begriffs­rea­lis­mus im Imjas­le­vie aus­ge­spro­chen anregend.

eine kleine Änderung — mit großen Folgen…

Am mor­gen, 1. Novem­ber 2013, gibt es stan­des­amt­lich die Mög­lich­keit, auf die Ein­tra­gung eines Geschlechts nach der Kinds­ge­burt zu verzichten.

»Kann das Kind weder dem weib­li­chen noch dem männ­li­chen Geschlecht zuge­ord­net wer­den, so ist der Per­so­nen­stands­fall ohne eine sol­che Angabe in das Gebur­ten­re­gis­ter ein­zu­tra­gen.« (siehe hier)

In viel­fa­cher Hin­sicht mühen sich Eltern, ihren Kin­dern ein Leben in der Gesell­schaft zu erleich­tern. Eine der Maß­nah­men, die viel­fach unge­eig­net und gar töd­lich war, war die medi­zi­ni­sche Fest­le­gung auf ein Geschlecht. Neben mög­li­cher Trau­ma­ti­sie­rung bewirk­ten ent­spre­chende Ein­griffe im Kin­des­al­ter mög­li­cher­weise eine Fest­le­gung ent­ge­gen der Selbst­wahr­neh­mung, und das führte (kon­tin­gent, nicht not­wen­dig — vgl. Ock­ham) viel­fach in den Suicid.

Gerade dann, wenn wir erken­nen, dass vie­les in der Welt weni­ger klar und ein­deu­tig ist, als unsere Schul­weis­heit sich das vor­stellt, ist es eher ange­bracht, die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit den Men­schen anzu­pas­sen, etwa durch Ver­zicht auf die Kate­go­rie »Geschlecht«, als die Men­schen der Ord­nung anzu­pas­sen: Die The­ra­pie gerade geschlecht­li­cher »Vor­find­lich­kei­ten« hilft fast nie. Dies ist zumin­dest eine posi­tive Wir­kung der Debatte, die ja nie nur um »Sexus«, son­dern auch um »Gen­der« geht (und: Ja, ich stimme der Posi­tion Judith But­lers, dass die Tren­nung in »sex« und »gen­der« auch wie­derum kar­te­sia­nisch und arti­fi­zi­ell sei, zu!). — Es ist viel weni­ger »typi­sche« weiblich/männlich, als viel­fach ange­nom­men. — Emp­feh­lens­wert ist der oben ver­linkte Arti­kel »Inter­se­xua­li­tät« aus Wiki.

Das scha­det mei­nes Erach­tens nicht. — Der Ver­lust einer Kate­go­rie ist mei­nes Erach­tens ein gro­ßer Fort­schritt, weil er zeigt, dass nicht die Kate­go­rien (als Begriffe) aus dem pla­to­ni­schen gött­li­chen Ide­en­him­mel kom­men, son­dern ganz im Sinne Aris­to­te­les Abs­trak­tio­nen aus den Einzel-Dingen seien (also induk­tive Methode statt der deduk­ti­ven). Mir schien es, als wäre der Nominalismus-Realismus-Streit mehr­fach klar ent­schie­den, spä­tes­tens bei Wil­helm v. Ock­ham, einer sehr klu­gen Posi­tion, die man­ches aus dem »lin­gu­is­tic turn« vor­weg­dachte. — Frei nach Ock­ham: Es gibt nicht das Geschlecht… Nul­lus sexus est.

Die Schwie­rig­kei­ten von Eltern, die gefragt wer­den, was denn ihr Kind sei, Mäd­chen oder Junge, kann ich nach­voll­zie­hen: Sie wer­den bes­ten­falls ant­wor­ten: »Das ist nicht klar.« Glück­li­cher­weise ist da ja das Spek­trum nicht auf rosa oder blau beschränkt, son­dern eher regenbogen-farbig. Gut, wenn die juris­ti­sche Abbil­dung unse­rer Welt end­lich dahin kommt, nicht mehr zu haben, als wir haben: Es geht auch ohne Eindeutigkeiten.

Opti­mis­tisch bin ich, wenn es in Fol­ge­de­bat­ten darum geht, ob nun mög­li­cher­weise Ehe oder Lebens­part­ner­schaft für Men­schen ohne Geschlechts­fest­le­gung laut Amt passt: Das wird sich fin­den, und ver­mut­lich ist ja noch einige Jahre lang Zeit, diese Fra­gen zu klä­ren. Es steht nicht zu erwar­ten, dass die Juris­ten arbeits­los würden.

»unter Freunden hört man sich nicht ab«

sagte ges­tern in einem Inter­view der geschäfts­füh­rende Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter. — Gemeint hatte er ver­mut­lich »unter Freun­den hört man ein­an­der nicht ab«. Mit ande­ren Wor­ten: Wer die USA zum Freund habe, braucht keine Feinde mehr. Wir stel­len fest: Mit Recht als Instru­ment allein ist dem aktu­el­len Sach­ver­halt nicht bei­zu­kom­men. Natür­lich gibt es deut­sches Recht, aber sobald die Daten außer­halb sind, gilt das nicht mehr. Und wir leben eben, zumin­dest inso­fern es die Kom­mu­ni­ka­tion angeht, in einem glo­ba­len Dorf. Weil man im Dorf wech­sel­sei­tig auf­ein­an­der ange­wie­sen ist, bedarf es einer Dorf­kul­tur, die für das »glo­bale Dorf« noch nicht ent­wi­ckelt ist.

Das Lesen der Tage­bü­cher ande­rer gilt als mora­li­sches Tabu (es sei denn, jemand ver­öf­fent­licht die mit zeit­li­chem Abstand selbst). Den­noch boo­men Diary Slams in grö­ße­ren deut­schen Städ­ten. Das sind Ver­an­stal­tun­gen, in denen Men­schen in mitt­le­ren Jah­ren aus ihren Jugend­ta­ge­bü­chern vor­le­sen. Pein­lich­kei­ten, erste Liebe usw. — Das ermög­licht zumin­dest den Zuhö­ren­den etwas Fremd­schä­men und Unter­hal­tung, die Ver­an­stal­ter neh­men den Ein­tritt und der Wirt hat den Umsatz.

Nach­dem nun eini­ger­ma­ßen deut­lich ist, dass auch die Kanz­le­rin auf einem ihrer Tele­fone abge­hört wurde, ist deut­lich, dass die Unart, aller Leute Daten zu sam­meln alle zu Ver­däch­ti­gen macht. — Abends gab es einen Kom­men­tar im Deutsch­land­funk, dass es zunächst ein­mal einer Eini­gung über den Schutz der Pri­vat­heit in Europa bedürfe, um dann mit den USA zu mit einer Stimme zu reden. Lei­der sei kaum zu erwar­ten, dass hier wirk­same Ent­schei­dun­gen fal­len, denn auch euro­päi­sche, ja auch deut­sche, Ermitt­ler und Dienste wün­schen nicht zu viel Pri­vat­heit für die Bevöl­ke­rung. Nun, nach­dem der Kasus Mer­kel in der Öffent­lich­keit Wel­len schlage, bestehe die Chance, dass es zu einer poli­ti­schen Wil­len­än­de­rung komme — so wie nach Fukus­hima bei der Frage nach der Nut­zung von Kernenergie.

Die Ansätze zu einer Kul­tur des Aus­tau­sches dar­über, was wir ein­an­der über alle Län­der– und Sprach­gren­zen zubil­li­gen und zutrauen, sind seit der Hager Land­kriegs­ord­nung lei­der kaum fort­ent­wi­ckelt wor­den. Die fast uni­ver­selle Ver­füg­bar­keit von Coca Cola ist noch keine Kul­tur im enge­ren Sinne. Es fehlt ein trans­kul­tu­rel­ler Knigge, ein Hand­buch guten Beneh­mens, und zwar nicht nur für Poli­ti­ker, son­dern eben auch für Mili­tärs (damit es nie wie­der ein Abu-Ghuraib gibt…) und für Tou­ris­ten, denn Kin­der­sex ist in Thai­land nicht bes­ser als anderswo. Bin ich bloß ein idea­lis­ti­scher Spin­ner, der nicht wahr haben möchte, dass ein Mensch dem ande­ren zum Wolf wird (homo homini lupus)? — Ich weiß es nicht. Ich gehe aber davon aus, dass eine der Wirk­wei­sen von Kul­tur ist, Trie­bau­s­le­ben zu kana­li­sie­ren. Ein Sadist wird wei­ter Sadist blei­ben, aber: In einer BDSM–Kul­tur wird er viel­leicht ein­ver­nehm­lich und sicher mit ande­ren umge­hen, statt als Mili­tär­aus­bil­der andere zu drangsalieren.

Von der Poli­tik allein erwarte ich hierzu nicht viel, denn ver­mut­lich gibt es die pas­sen­den Dos­siers über fast alle. Dumm wären die Dienste, wenn sie nicht bei Zei­ten Kom­pro­mat sam­mel­ten. Was hilft, das ist eine latente Öffent­lich­keit, eben über Wiki­leaks, über Snow­dens Daku­mente, und es wäre ein Whistleblower-Schutz. Letz­te­res ist nicht zu erwar­ten, um so bes­ser, wenn ein­zelne die hohen per­sön­li­chen Risi­ken zu tra­gen bereit sind. Anders ändert sich nichts. Auch Jan Hus wurde freies Geleit zuge­sagt, als er zum Kon­stan­zer Kon­zil kam. Den­noch wurde er ver­brannt (heute gibt es neu​sprech​.org, da hieße das in den übli­chen poli­ti­schen Euphe­mis­men viel­leicht »ther­misch wie­der­ver­wer­tet« oder »pyro­ly­tisch neu­tra­li­siert«). — Und doch: rund 100 Jahre spä­ter hieb Luther mit sei­nem The­sen­an­schlag in die selbe Kerbe und diese Refor­ma­tion an Haupt und Glie­dern fand ja zumin­dest etwas Nie­der­schlag bei einigen.

 

 

Leseempfehlung: Hans-Martin Pawlowski: Recht und Moral im Staat der Glaubensfreiheit

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loh­nen­der Lesestoff…

Dank eines Phi­lo­so­phie­pro­fes­sors in Bie­le­feld im Stu­dium kenne ich einige Texte, die mich schon vor zwan­zig Jah­ren beein­druck­ten, von Hans-Martin Paw­low­ski. Der ist Jurist, inzwi­schen eme­ri­tiert, und er denkt sehr anre­gend und vor allem in einer Spra­che, die das Kom­pli­zierte eher deut­lich und zugäng­lich macht. Andere for­mu­lie­ren so schwuls­tig, dass noch das Ein­fachste kom­pli­ziert wird. — Ich schätze die, die sehr weit den­ken, aber des­halb keine kom­pli­zierte Spra­che wäh­len müss­ten. (Witt­gen­stein, Bonhoeffer, …)

Die Auf­fas­sun­gen, die viel­fach unse­rem Zusam­men­le­ben zugrunde legen, sind nicht direkt expli­ziert. Sie sind in unse­rer Art des Lebens ange­legt, oft sind sie durch Vor­stel­lun­gen begrün­det, die dem Recht zugrunde lie­gen, ohne dass sie direkt darin zu fin­den wären. In sei­ner Ein­füh­rung in die Juris­ti­sche Metho­den­lehre erwähnt Paw­low­ski etwa das Schäch­ten von Tie­ren, das Anhän­ger des Juden­tums und des Islam für erfor­der­lich hal­ten, das aber andere im sel­ben Staat aus Grün­den des Tier­schut­zes ableh­nen. Was ist in sol­chen Fäl­len »rich­tig« und wie kann ent­schie­den wer­den, so dass das Recht seine Funk­tion erfül­len kann?

Als vor bald ein­ein­halb Jah­ren das Thema der Kna­ben­be­schnei­dung aus welt­an­schau­li­chen Grün­den mit dem Recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit kol­li­dierte, griff ich wie­der zu Paw­low­ski. Klar ist, dass wir im Staat der Glau­bens­frei­heit leben, dass eben keine Letzt­be­grün­dung aus irgend einem hei­li­gen Buch bezo­gen wer­den kann. Wie aber kann dann metho­disch sau­ber zwi­schen wider­spre­chen­den Begrün­dun­gen ent­schei­den, wenn die »über­welt­li­chen« Letzt­be­grün­dun­gen eben nur noch für einige maß­geb­lich sind?

Auch ange­sichts der NSA und GCHQ-Abhör-/Überwachungsaffären scheint mir in der Frage nach der Begrün­dung des Rechts ein Ansatz­punkt zur Lösung der Dilem­mata zu lie­gen. — Ich denke daran der­zeit ent­lang und herum, ergrif­fen aber habe ich es bis­her nicht. Mir scheint Paw­low­skis Lite­ra­tur in dem Zusam­men­hang über­aus hilf­reich. Wenn ich wei­ter bin mit den Nach­den­ken, folgt hier etwas von mei­nen Ergebnissen.

Koalitionsverhandlungen — lesbar bedacht

Von vie­len höre ich, dass sie ja keine große Koali­tion gewollt hät­ten. — Ja, warum haben sie die dann ermöglicht?

Andere fan­den vor der Wahl, dass die gro­ßen »Her­aus­for­de­run­gen« — frü­her hätte man gesagt »Pro­bleme« vgl. »her­aus­for­dernde Kin­der« vs. »Pro­blem­kin­der« -, etwa die Ren­ten– und Euro­krise — aber auch das Gesund­heits­sys­tem — einer gro­ßen und umfas­sen­den Lösung bedürf­ten, also sei eine große Koali­tion das Mit­tel der Wahl. Und ent­spre­chend haben sie dann auch gewählt.

Wenn ich die­ser Tage die Äuße­run­gen höre, mit denen die CDU/CSU auf ihren 41 % her­um­rei­tet, finde ich dies sehr anstren­gend. Juni­or­part­ner in einer gro­ßen Koali­tion zu wer­den, das scheint mir nicht beson­ders erstre­bens­wert. Die Nach­teile, wenn die SPD es nicht wird, lie­gen über­wie­gend bei der CDU/CSU. Warum also sollte man es nicht dar­auf ankom­men las­sen: Wenn es kei­nen ange­mes­se­nen Vor­schlag für einen Koali­ti­ons­ver­trag gibt, dann gibt es eben Neu­wah­len oder eine Min­der­heits­re­gie­rung, an der sich Frau Mer­kel abar­bei­ten kann, mit hohen Risi­ken, sowohl im Bun­des­rat abzu­blit­zen wie bei den ande­ren Par­teien im Bundestag.

Mit bren­nen­der Sorge sehe ich, dass die The­men der Netz­po­li­tik für die gro­ßen Par­teien offen­bar Neu­land blei­ben, unge­fähr so, wie es mit dem Umwelt­schutz in den 1970 und frü­hen 1980er Jah­ren war. Ein ent­spre­chen­des Minis­te­rium fin­det man über­flüs­sig, die Kom­mis­sion soll ihre Arbeit ein­stel­len, die bis­he­rige Jus­tiz­mi­nis­te­rin — immer­hin ein Boll­werk gegen den Gro­ßen Lausch­an­griff — ist nur noch bis 22. Okto­ber im Amt, anschlie­ßend bloß noch kom­mis­sa­risch. Eine span­nende Frage am Rande: Was pas­siert eigent­lich, wenn jemand als Minis­te­rin oder Minis­ter die Ent­las­sungs­ur­kunde, gegen 17 Uhr am kom­men­den Diens­tag in Emp­fang nimmt, dann aber auf die Bitte des Bun­des­prä­si­den­ten, das Amt wei­ter kom­mis­sa­risch zu ver­se­hen, ein­fach »nein« sagt? Müsste man mal erle­ben. Es würde viel­leicht, zumal wenn es eines der unver­zicht­ba­ren Res­sorts wäre, die Dinge etwas beschleunigen.

In der wirt­schafts­li­be­ra­len FDP war vie­len der Bereich der Freiheits-, Bür­ge­rin­nen– und Bür­ger­rechte abhan­den gekom­men, was ihr mög­li­cher­weise neben ande­rem das Aus­schei­den ein­brockte. In der CDU/CSU und auch in der SPD waren diese Berei­che kaum je stark ent­wi­ckelt. Einer Koali­tion sehe ich inso­fern mit sehr gemisch­ten Gefüh­len ent­ge­gen: Sicher ist das Thema des Min­dest­loh­nes eines, wenn­gleich eher umfas­send gedacht wie im alten FDP-Konzept vom Bür­ger­geld bzw. der nega­ti­ven Steuer, das bei Pira­ten und Links­par­tei eine Wie­der­auf­nahme fand. (Warum wen­det da eigent­lich nie­mand Urhe­ber– und andere Schutz­rechte an? — Wenn Apple mit dem Steu­ern mobi­ler End­ge­räte über Ges­ten auf einem Touch­screen Samsungs Geräte aus dem Markt hal­ten kann, muss doch dass etwa Pira­ten schon für den Gebrauch des Wor­tes »Bür­ger­geld« an die Urhe­ber zah­len müs­sen — hat die ent­spre­chende FDP-nahe Stif­tung eigent­lich Wort­mar­ken­schutz bean­tragt? — dann könnte man Wett­be­wer­bern gleich abmahnen?!)

Beim SWIFT-Abkommen, bei den Flug­gast­ab­kom­men und vie­lem ande­ren, das den Schutz der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in Sachen ihrer Daten betrifft, haben die bei­den (eigent­lich ja drei) gro­ßen Par­teien in den letz­ten zwan­zig Jah­ren fast alles durch­ge­wun­ken. Ich jeden­falls finde das uner­träg­lich, mich über­zeugt man so nicht.

Es wun­derte mich nicht, wenn nach vier Wochen Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen die SPD-Parteibasis das Opus »Koali­ti­ons­ver­trag« dem Papier­re­cy­cling zuführt (Recy­cling hat man ja seit den 1990er Jah­ren gelernt, das ist kein »Neu­land« mehr), und wir dann im Januar noch ein­mal wäh­len dür­fen. Mit offe­nem Aus­gang. Viel­leicht haben dann ja AfD und Pira­ten mehr Men­schen, die fin­den, dass ent­we­der die D-Mark oder der Netz kein Neu­land sein sollten.

Meta-Blogger: alter​na​tiv​los​.org Folge 30 über NSA & Co.

Die aktu­elle Folge der Audio-Podcasts von Frank und Fefe ist erschie­nen, und nach bald fünf Mona­ten Sen­de­pause lohnt diese ziem­lich lange Sen­dung sehr. Es sind bald drei Stun­den, die ich ges­tern hörte. Bei mir stellte die­ser anre­gende Rück­blick auf alte Kryp­to­gra­phie, Enigma, kal­ten Krieg und NSA über zahl­rei­che Zwi­schen­sta­tio­nen die Ver­bin­dung zwi­schen zahl­rei­chen Schnip­seln halb­ver­ges­se­nen Wis­sens in mei­nem Hin­ter­kopf her. Ich bin den bei­den daher aus­ge­spro­chen dank­bar für diese Sendung.

Gerade denen, die bis­her über Geheim­dienste, Ver­schlüs­se­lung, Sicher­heit, Inter­net usw. kaum nach­ge­dacht haben, sei die anre­gende und sehr fein nach­be­ar­bei­tete Folge (klingt ton­tech­nisch bes­ser als viele vor­he­rige) sehr empfohlen.

Hier geht es zur aktu­el­len Folge (ein­schließ­lich eini­ger Lite­ra­tur­tips) und hier geht es zu allen drei­ßig bis­he­ri­gen Fol­gen alternativlos.

Josia und wir — unfrisierte Gedanken, eben mal dahingesudelt…

Beim Nach­den­ken über 2. Könige 22, die Refor­men des Alt­tes­ta­ment­li­chen Königs Josia rund eine Gene­ra­tion vor Ende des Süd­rei­ches, und den Par­al­lel­text in 2. Chro­nik 34 komme ich zu dem Ergeb­nis, dass bei allen gern gemach­ten Par­al­le­len mit heu­ti­ger Reue und Buße ich Josia nicht als Vor­bild sehen mag. Die Vor­ge­schichte: Bei Bau­ar­bei­ten am Tem­pel wird ein Gesetz­buch gefun­den, ver­mut­lich eine Vor­form des Deu­te­ro­no­mi­ums, das wir in End­ge­stalt als 5. Buch Mose in unse­ren Bibel­aus­ga­ben fin­den. Die­sen Text lässt Josia sich vor­le­sen, und er erschrickt, weil die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit weit von dem im Gesetz gefor­der­ten Ideal abweicht. Der König ist erschüt­tert, tut Buße, zer­reißt seine Klei­der und kehrt um zu Gott. Neben die per­sön­li­che Reue tritt, dass der König die Ver­feh­lun­gen des Vol­kes bereut und in der Folge auch die Hei­li­gen Höhen ver­nich­ten lässt, eine Kult­zen­tra­li­sa­tion im Tem­pel vor­an­bringt und das Pas­sah­fest von einem Fami­li­en­fest zu einem Pil­ger­fest (zum Tem­pel) formt. Haus­göt­ter wer­den ver­nich­tet, ebenso sons­tige Kultstätten.

Warum ich das nicht wün­schens­wert für heute finde? Zwi­schen 622 v. Chr. und 2013 n. Chr. liegt viel Zeit, sicher. Das aber ist es nicht. Der Haupt­un­ter­schied liegt darin, dass es trotz aller Bemü­hun­gen Kon­stan­tins, Theo­do­sius‹ und ande­rer — auch im Hei­li­gen Römi­schen Reich deut­scher Nation (also bis 1803) — hier­zu­lande kein Bun­des­volk und kei­nen Bund mit Gott gibt. Chris­ten­tum ist stets eine Frage der indi­vi­du­el­len Ant­wort auf den Ruf in die Nach­folge. — Wir leben in einem »Staat der Glau­bens­frei­heit« (nach einem Buch­ti­tel von H.-M. Paw­low­ski, siehe auch hier). Damit sind grund­sätz­lich die Hei­lig­tü­mer oder Pra­xen aller Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gleich­be­rech­tigt. Ja, das schreibe ich als Chris­ten­mensch und Über­zeu­gungs­tä­ter, eben weil ich glaube und hoffe, dass Gott der Herr der Geschichte ist. Und weil ich mit Got­tes Geist rechne und den Rat des Gama­liel für eine gute sys­te­mi­sche Über­le­gung halte. Wei­ter­le­sen

Aufklärung…

Bes­ter M.,

gern küm­mere ich mich um Auf­klä­rung. Ich werde zum Thema auch noch etwas blog­gen, denn Du bist nicht der Ein­zige, der nicht alles nach­voll­zie­hen kann. Jetzt aber hier ein paar Takte zum Thema.

Bei Ange­bo­ten im Netz, etwa bei Face­book, gibt es Nut­zungs­be­din­gun­gen, die man akzep­tie­ren kann. Wenn man es nicht tut, kann man Face­book nicht nut­zen. Das ist so weit in Ord­nung, finde ich. Dass aber »Vater Staat« mit­liest wie »Mut­ter StaSi«, das geht mei­nes Erach­tens nicht. Und zwar geht es aus Prin­zip nicht, nicht weil ich beson­ders geheim­nis­krä­me­risch wäre, denn das war und bin ich nicht.

Erst­mal ein paar prak­ti­sche Ant­wor­ten auf Deine Fra­gen: Ja, die @real-net.de und die @frawemedia.de-Adresse gehen wei­ter­hin; da bin ich zu errei­chen. Weil ich meine Num­mern im Netz ste­hen habe (und im Tele­fon­buch), werde ich von vie­len Anru­fen gelö­chert. Daher die »White-List«, die mein Tele­fon ohne eine bekannte Num­mer gar nicht klin­geln las­sen, son­dern eben den Anruf­be­ant­wor­ter ansprin­gen las­sen. Kurz: Du wirst da auch drauf lan­den. Aber: Ich rufe ja zurück. Kein Ding. Oder Du nutzt das Handy, das geht bis­her unge­fil­tert. Wei­ter­le­sen

wäre ich die Telefonseelsorge, stellte ich den Betrieb umgehend ein…

Man­ches Gespräch hilft, ob nun mit guten Freun­den, Psy­cho­the­ra­peu­ten, Seel­sor­gen­den oder eben auch mit der Tele­fon­seel­sorge. Wäre ich eine Kran­ken­kasse, stellte ich ange­sichts der Tele­fon­über­wa­chung umge­hend die Erstat­tung der ent­spre­chen­den Hono­rare (»aus­führ­li­che Bera­tung, auch tele­fo­nisch«) ein, denn allein das Fak­tum der Über­wa­chung kon­ter­ka­riert den mög­li­chen Erfolg.

Wäre ich an ent­schei­den­der Stelle bei der Tele­fon­seel­sorge, stellte ich den Betrieb zum Schutz der Kli­en­ten umge­hend ein. Und zwar unter Pro­test. Es geht nicht, dass Hil­fe­su­chende Frei­wild wild­ge­wor­de­ner Über­wa­cher sind, bloß weil sie keine US-Staatsangehörigkeit vor­wei­sen kön­nen. — Selbst der US-Pass schützt, wie sich mehr und mehr her­aus­stellt, nicht.

Wenn der »Ver­fas­sungs­schutz« einer­seits Jour­na­lis­ten und ande­rer­seits Anwälte aus­späht, steht es mit der Ver­fas­sung sicher nicht zum besten.

Um zu begrün­den, zu legi­ti­mie­ren, dass diese »gerin­gen Ein­griffe« erfor­der­lich, ja not­wen­dig wären, wer­den immer wie­der die ent­deck­ten Atten­tä­ter prä­sen­tiert. Das Argu­ment, dass wid­ri­gen­falls Kin­der­por­no­gra­phie und andere Scheuß­lich­kei­ten »ein­fach so« getauscht wür­den, begeg­net uns immer wie­der. Das stimmt sicher auch. Es begrün­det aber nicht, warum Men­schen über­haupt ohne einen Poli­zis­ten mit­ein­an­der reden dür­fen. Wenn alles jeder­zeit und über­all über­wacht ist, wür­den sicher mehr Ver­bre­chen im Vor­feld ver­hin­dert. Kaf­fee­trin­ken am Sonn­tag? Nicht ohne behörd­li­che Geneh­mi­gung und Anwe­sen­heit eines Ermitt­lungs­be­am­ten! Stamm­tisch in der Kneipe? Da kann ja alles aus­ge­heckt wer­den. So etwas bedürfte aus Sicher­heits­grün­den der Über­wa­chung. — Wer den Gedan­ken wei­ter denkt, gelangt dahin, sich zu fra­gen, warum denn plötz­lich, bloß weil Men­schen über Ent­fer­nung mit­ein­an­der spre­chen, etwa per Chat, jemand dies über­wa­chen muss… Wird es plötz­lich, weil beide nicht am sel­ben Tisch sit­zen, gefährlicher?

Kein Pau­sen­hof, auf dem nicht gebrannte CDs und ande­res ille­gal getauscht wird. Die Schü­ler soll­ten je in einem ein­zel­nen Ver­schlag eine Vier­tel­stunde Pause machen dür­fen, aber ohne mit ande­ren zu spre­chen. Sie könn­ten sich ja zu kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gun­gen zusam­men­schlie­ßen, etwa um eine Straf­tat (einen Klin­gel­streich, eine kol­lek­tive Ver­ge­wal­ti­gung, alles ist mög­lich) zu pla­nen. Sie könn­ten auch in einer Garage eine Com­pu­ter­firma grün­den, die rund vier­zig Jahre spä­ter zur wert­volls­ten Marke auf­steigt. Das kann man nicht zulassen.

Entscheidung gefallen: Ich bleibe — aber anders.

Liebe Lesende,

mir fiel es nicht leicht, zu ent­schei­den, ob ich mein Bio­top Inter­net (»code is poe­try«) nicht ver­las­sen sollte. Ich habe mich dage­gen ent­schie­den. Eini­ges ist anders, ich bleibe weg bei Face­book, Twit­ter usw. Ich werde nichts per­sön­li­ches übers Tele­fon bespre­chen. Und oft lan­den zukünf­tig Anrufe auf mei­nem Anruf­be­ant­wor­ter, zumal sol­che, deren Num­mern und deren Inha­ber nicht von Ange­sicht bekannt sind. In mei­ner Drop­box lan­den zukünf­tig zwar wei­ter Pre­dig­ten, die ich als MP3 für die Gemeinde und dar­über hin­aus ver­füg­bar machen möchte. Pri­va­tes aber lan­det dort nicht mehr. Bei Brow­ser und Mail-Clienet habe ich auf quell­of­fene Soft­ware umgestellt.

Mehr zum Thema ein ande­res Mal. Ich danke allen, die mit­ge­dacht und gera­ten haben. Danke, liebe Freunde. Einer wies mich auf ein Zitat aus Man­fred Krugs »Abge­hauen« hin, das ich gern zitierte, wenn das Urhe­ber­recht das zuließe, tut es aber nicht. Daher den Tenor in eige­nen Wor­ten: Wenn alles über­all abge­hört wird, folgt, über­all alles zu sagen. — Ganz so weit gehe ich eben gerade nicht. Der­zeit über­wö­gen bei mir die Kol­la­te­ral­schä­den die reine Lehre. Und so gern ich kon­se­quent bin: Nicht um jeden Preis. Bei der Lek­türe des Pro­gramms der Pira­ten fiel mir auf, dass dort Lek­to­rat erfor­der­lich wäre: Wenn der Code die­ser Web­site so wenig regel­ge­lei­tet geschrie­ben wäre wie etwa die Zei­chen­set­zung im Pira­ten­pro­gramm, liefe die Site nie! — Das allein hin­dert bereits daran, Pirat zu wer­den; da brau­che ich dann nicht mehr auf die Inhalte zu sehen.

eine Woche Karenzzeit — keine Beiträge hier.

Liebe Lesende,

hier gab es wie­der­holt zu lesen, dass mich die NSA, NCHQ und BND-Überwachung als tech­ni­sche Mög­lich­keit nicht wun­dern, dass sie mich aber mora­lisch zutiefst ent­täu­schen. Ich will bis Monats­ende ent­schei­den, ob ich das Netz als gan­zes ver­lasse, also diese Domain lösche, alle E-Mail Adres­sen ebenso und auch Tele­fon und DSL abmelde. Noch ist alles offen, und es wird bis zum kom­men­den Wochen­ende hier keine Bei­träge mehr geben.

Ob es dann wei­ter­geht, oder ob alles ver­schwin­det, wird sich zei­gen. Ich bin unsicher.

Weil ich in die­ser Zeit eher nach­denke, werde ich mög­li­che Kom­men­tare nicht zulas­sen, weil ich sie nicht zeit­nah mode­rie­ren kann/möchte.

CU — falls das die Rich­tung wird. Wid­ri­gen­falls Adieu.

facebook, foursquare und twitter gelöscht.

Mor­gens habe ich in einem Kom­men­tar bereits dar­auf hin­ge­wie­sen — hier: Kom­men­tare auf­ru­fen -, dass ich mei­nen Facebook-Zugang auf­ge­löst habe. Das betrifft auch twit­ter und fours­quare. Ob ich wei­ter gehe, will ich bis zum Monats­ende ent­schei­den. — Siehe Kom­men­tar. Neben­bei: Auch etli­che mei­ner email-Anschriften wer­den gelöscht. Einst­wei­len siehe Impressum.

Nur noch ein­mal hier der Hin­weis: Ein Netz, das vorratsdaten-gespeichert ist, das auch in pri­va­ten Berei­chen NSA und GCHQ über­wacht wird, ist wie ein ver­gif­te­ter Brun­nen. — Ich bin noch nicht sicher, ob ich ganz aus­steige, aber zumin­dest werde ich das Was­ser nicht trinken.

Meine Predigt von heute

Unter dem Titel »In der Welt — nicht von der Welt. Von der Frei­heit von Chris­ten­men­schen ange­sichts #prism & Co.« zu Mat­thäus 13,44–46 kann hier als mp3-Datei ange­hört oder her­un­ter­ge­la­den wer­den. Sie wurde gehal­ten in der EmK Johanneskirche-Hannover.

über Öffentliches und Privates — und die Kultur des Unterschieds

Ja, ich schreibe hier öffent­lich. Mein »Sudel­web« hat auf der Skala von »per­sön­lich« bis »hoch-offiziell« eine Mit­tel­stel­lung. Das sind Ver­öf­fent­li­chun­gen, aber eben nicht sol­che, die sämt­lich zu 100 % aus­ge­reift und abge­schlos­sen wären, wie ich es etwa für eine Buch­ver­öf­fent­li­chung mir vor­stelle. Ich schreibe über vie­les, ins­be­son­dere um die Dinge, die von gesell­schaft­li­cher Bedeu­tung sind oder wer­den kön­nen. Das betrifft man­ches an Theo­lo­gie, es betrifft Lite­ra­tur, Kunst, Poli­tik und Recht. Als Dienst­leis­tung an den Lesen­den schreibe ich auch über Dinge, die mir gefal­len, die ich emp­fehle, und über sol­che Pro­dukte, um die ich zukünf­tig einen Bogen machte.

Über viele wei­tere Sach­ver­halte und The­men denke ich nach, spre­che mit ande­ren dar­über. Oft sind das die The­men, die noch nicht auf der Stufe der Öffent­lich­keit ange­kom­men sind. Ein Bei­spiel: Wenn zwei sich ver­lie­ben, so ist das eher pri­vat, wenn sie sich trauen las­sen, so ist das öffent­lich. — Es geht um gra­du­elle Unter­schiede. Einige The­men halte ich bewusst aus dem öffent­li­chen Dis­kurs raus, weil sie mir hier­für wenig geeig­net schei­nen. Und nun kom­men sta­tis­ti­sche Ver­fah­ren wie #prism & Co., die alles sam­meln, des­sen sie hab­haft wer­den kön­nen (und das ist lei­der sehr viel) an Kom­mu­ni­ka­tion und dar­über ihr Rele­vanz­kri­te­rium wer­fen. Wie­der­holt schrieb ich, dass es eine Frage unse­rer Kul­tur ist, die das Gegen­über ach­tet — oder eben auch nicht. Ob man dann die­ses Gegen­über »über­wacht«, dis­kri­mi­niert oder »psy­cha­tri­siert« (vgl. Fall Moll­ath), ins Gefäng­nis oder Lager wirft, miss­han­delt oder fol­tert: Auch dies sind gra­du­elle Unter­schiede. Wei­ter­le­sen

Bundesinnenminister untersagt Digitalkameras.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter unter­sagt Digi­tal­ka­me­ras. Seit die Foto­la­bore keine kin­der­por­no­ga­phi­schen Auf­nah­men mehr beim Ent­wi­ckeln ent­de­cken kön­nen, steht die Ermitt­lungs­ar­beit auf moras­ti­gem Grund. Dru­cker und Digi­cams wer­den daher ab kom­men­dem Jahr ver­bo­ten. Labor­be­darf wird nur noch an Käu­fer mit tadel­lo­sem Füh­rungs­zeug­nis abge­ben. — »Unan­ge­kün­digte Kon­trol­len in der Dun­kel­kam­mer behal­ten wir uns vor!«, so der Innen­mi­nis­ter. Bei Cewe­Co­lor, Fuji & Co. gilt ab sofort das Vier-Augen-Prinzip mit wech­seln­den Teams.

Der Innen­mi­nis­ter ver­neinte, dass Deutsch­land tech­no­lo­gisch abge­hängt werde: »Die Sicher­heit unse­rer Kin­der sollte uns das wert sein.«

Mautgerechtigkeit und Terrorkampf…

Nach ihrem gest­ri­gen Tref­fen tei­len Innen­mi­nis­ter und Ver­kehrs­mi­nis­ter gemein­sam mit, dass sie bei den Her­aus­for­de­run­gen, die sich aus der wach­sen­den Bedroh­nung und aus den Ver­kehrs­in­fra­struk­tur­kos­ten erge­ben, zu einem Durch­bruch gekom­men seien: Die Maut­ka­me­ras seien in der Lage, nicht nur Kenn­zei­chen zu erken­nen, son­dern dank neuer Soft­ware auch die Fah­rer (und Bei­fah­rer) von PKW mit den Pho­tos des neuen Elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­wei­ses bzw. der Gesund­heits­karte abzu­glei­chen. So könne die PKW-Maut gerecht (weil Strecken-bezogen) gleich mit der KFZ-Steuer ver­rech­net wer­den (Rück­zah­lun­gen für Wenig­fah­rende bzw. Nach­for­de­run­gen für Viel­fah­rer im Fol­ge­jahr) und ande­rer­seits wer­den auf ein­fa­che Weise umfas­sende Bewe­gungs­pro­file mög­lich, die sicher­stel­len, dass — etwa nach Anschlä­gen — schnell die Schul­di­gen ermit­telt wer­den könn­ten. Der Innen­mi­nis­ter wies auf das gleich­zei­tig in Kraft tre­tende Ver­mum­mungs­ver­bot hin: Einige, gerade ältere, Auto­fah­rer füh­ren teils noch mit Hut: Das sei ab April 2014 dann ein Bußgeld-bewährtes Vergehen.

In einer zwei­ten Aus­bau­stufe könne man auch die hin­te­ren PKW-Beifahrer steu­er­lich erfas­sen, diese müss­ten dann ab April 2015 bei Maut­brü­cken aus dem Fens­ter sehen, sofern sie auf einem der seit­li­chen Sitze säßen. Wenn das an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Brü­cken nicht geschehe, werde das Fahr­zeug gestoppt und die Iden­ti­fi­ka­tion durch die Auto­bahn­po­li­zei durchgefährt.

Warum mich #prism nicht überrascht hat.

Das mut­maß­li­che Aus­spä­hen auch pri­va­tes­ter Lebens­be­rei­che durch die us-amerikanische NSA ver­wun­dert mich nicht. Seit ich Dür­ren­matts Phy­si­ker gele­sen habe, bin ich eini­ger­ma­ßen gewiss, dass, was tech­nisch mög­lich ist, auch gemacht wird. Hier­bei ist es prin­zi­pi­ell gleich, ob es sich um LSD in Ver­neh­mun­gen han­delt oder um bio­lo­gi­sche Waf­fen, um das »finale Weg­räu­men« unpas­sen­der Poli­ti­ker oder eben um einen Internet-Staubsauger, der alle für ver­däch­tig hält, weil alle Raster-befahndet und über­wacht wer­den (GPS-Handy als elek­tro­ni­sche Fußfessel).

Es wun­dert mich nicht. — Es ver­drießt mich aber. Man­gelnde Fair­ness ist zunächst ein Zei­chen von man­geln­der Kin­der­stube, von Defi­zi­ten im Bereich des Wis­sens und Leben des­sen, was sich gehört und was all­ge­meine Umgangs­pra­xis sein soll. Tech­ni­schen Fort­schritt seit der Antike habe ich viel zu benen­nen, moralisch-ethischen Fort­schritt sehe ich kei­nen. Wei­ter­hin spie­len viele unfair, und — das schlimmste — hal­ten das für »in Ord­nung«, weil es doch um ein höhe­res Ziel geht. — So aber kann nicht gespielt wer­den. Wer die ver­ein­bar­ten Dia­lo­g­re­geln miss­ach­tet, steigt aus dem Spiel aus.

Viele kom­men damit durch, leben in ihrem geschütz­ten Bereich, aber: So ein Gemein­we­sen, in dem es nicht ein­mal die gesetz­li­chen Regeln für einige gibt, ist kei­nes, das mir attrak­tiv schiene, dort zu leben und mich ein­zu­brin­gen. Diese Mecha­nis­men sind Men­schen mei­nes Alters seit spä­tes­tens dem Cel­ler Loch bewusst. — Und lei­der scheint das inzwi­schen eher das »Kleine 1 x 1 des Herr­schafts­wis­sens« zu sein, wie man mit Undercover-Maßnahmen die öffent­li­che Mei­nung manipuliert.

Ges­tern ging es um die Straf­bar­keit von Kor­rup­tion bei Abge­ord­ne­ten, der Tages­ord­nung­punkt war sie­ben mal nicht behan­delt wor­den, von denen, deren Zustän­dig­keit dies wäre. Er wurde auch zum ach­ten Mal nicht behan­delt, und damit ist das Thema in die­ser Legis­la­tur­pe­riode erle­digt. Man­che The­men las­sen sich eine gewisse Zeit lang aus­sit­zen. Doch geht der Krug so lange zum Brun­nen, bis er zer­bricht. — Sol­ches Zer­bre­chen kün­digt sich durch ein­zelne feine (Haar-)Risse an, und von denen zeigt unsere Gesell­schaft viele. Weil bekannt­lich die ange­schla­gene Tasse die ist, die am längs­ten hält, muss das nicht hei­ßen, dass mor­gen eine Revo­lu­tion käme, das halte ich nicht für wahr­schein­lich. Aber wir berei­ten den Boden mit der­ar­tig vie­len Spreng­lö­chern, dass unser gesell­schaft­li­cher »com­mon ground« ein Minen­feld. Wenn hier Umwäl­zun­gen gesche­hen, dann oft unkon­trol­lier­bar (siehe Ende der DDR). So lange also zu gestal­ten ist, scheint es mir löb­lich, wenn Edward Snow­den die us-amerikanische Pra­xis öffent­lich macht. Es wird nichts ändern.

So lange sich nicht der Stil ändert, wie wir mit­ein­an­der umge­hen, wird sich jemand fin­den, der abhört. Inso­fern hilft der Ver­such, der NSA in die Spei­chen zu fal­len nichts, denn er wird das Rad nicht anhal­ten und schon gar nicht zurück dre­hen kön­nen. Er wird viel­mehr unters Rad gera­ten. — Wenn hin­ge­gen (in Fami­lien, Kin­der­gar­ten, Schule und andern­orts) wir eine Kul­tur der Ver­trau­lich­keit leben, der Ach­tung vor dem Ande­ren und der Fair­ness, und wenn diese mög­lichst viele erreicht, beson­ders die, die an Schalt– und Macht­stel­len kom­men, dann besteht Hoff­nung, dass die unfai­ren Spie­ler vom Spiel aus­ge­schlos­sen wer­den. Ich bedarf kei­nes Geheim­diens­tes, weder eines im Inland noch anderswo. Ich wün­sche kei­nen und halte es für ein Spar­po­ten­zial, die Vorratsdaten-Speicher zu löschen. Was das an Ser­ver­strom spa­ren hilft…

zum Zensus 2011

Das Thema der Volks­zäh­lun­gen ist ja seit der Zeit Davids ein belas­te­tes. Nun sind die Ergeb­nisse der letz­ten Zäh­lung (bzw. Daten­zu­sam­men­füh­rung mit Stich­probe) vom 9. Mai 2011 inzwi­schen ver­öf­fent­licht. Wer Inter­esse hat, fin­det hier ent­spre­chende Infor­ma­tio­nen. Ich emp­fehle, für eine Stadt, etwa in mei­nem Fall »Han­no­ver«, die ent­spre­chen­den Pdf-Dateien her­un­ter zu laden. Mir fällt auf, wie schwam­mig viele unse­rer Begriffe sind, und fast möchte ich den Sta­tis­ti­kern zuru­fen: »Speak ortho«.

Eine Kurio­si­tät am Rande, um zu illus­trie­ren, was ich meine: Vor Jah­ren hielt mich mit­ten in Han­no­ver sams­tags nachts eine Poli­zei­t­streife an. Ich fuhr Auto und wurde gefragt, ob ich vor Fahrt­an­tritt etwas getrun­ken habe. Erstaunt sah ich die Ord­nungs­kräfte an, und fragte, ob sie mein­ten, dass ich sonst so alt gewor­den wäre, ohne je etwas getrun­ken zu haben. — Man kon­kre­ti­sierte die Frage: Ob ich vor Fahrt­an­tritt Alko­hol getrun­ken habe. –Das bejahte ich, denn am Sonn­tag zuvor war ich beim Abend­mahl. — Wie gesagt: sams­tags nachts, gegen 1 Uhr früh. Man bat mich in ein Test­ge­rät zu bla­sen, was ich gern tat. Tja. Aber: Wer so prä­zi­sie for­mu­liert, kann keine Soft­ware schreiben.

Und nun zu zwei Bei­spie­len aus dem Zen­sus. Da gibt es »Evan­ge­li­sche Kir­che (öffent­lich recht­lich)«. Als Glied der evangelisch-methodistischen Kir­che gehöre ich einer Kir­che an, die Kör­per­schaft öffent­li­chen Rechts ist. Aber: Das ist hier nicht gemeint. Ver­mut­lich fände ich mich unter »Sons­tige«. Es liegt an der nicht hin­rei­chend prä­zi­sen For­mu­lie­rung, dass ich eine sol­che Frage nicht anders beant­wor­ten würde als »Evan­ge­li­sche Kir­che, öffent­lich recht­lich«, auch wenn auf mei­ner Steu­er­be­schei­ni­gung kein Kir­chen­steu­er­ab­zug ein­ge­tra­gen ist. Ver­mut­lich würde ich sogar kla­gen, dass ent­we­der der Bogen geän­dert wird oder mein Kreuz unter Evan­ge­li­sche Kir­che (öffent­lich recht­lich) erfasst wer­den muss.

Noch ein Bei­spiel aus dem Schnitt­be­reich zweier Rechts­ge­biete: röm.-kath. Pries­ter und Mön­che wer­den ver­mut­lich unter Fami­li­en­stand »ledig« gezählt. Das trifft selbst­re­dend kei­nes­wegs ihr Selbst­ver­ständ­nis und das der röm.-kath. Amts­kir­che gemäß CIC, denn ledig heißt ja, dass da quasi eine Partnerschafts-Stelle zu beset­zen sei. Sie sind aber ver­hei­ra­tet, wenn­gleich nicht mit einer Frau, son­dern mit der Braut Christi, der Gemeinde. Was soll also so jemand nun ange­ben? — An die Ver­wer­fun­gen zwi­schen staat­li­chem und kirch­li­chen Zivil­recht in der Folge der Bis­marck­schen Zivil­ehe und der Grün­dung der selb­stän­di­gen evangelisch-lutherischen Kir­che (SELK) möchte ich hier erin­nern und an den Kul­tur­kampf um diese Phänomene.

Sicher sind das jeweils Details, um die sich die ent­spre­chen­den Sta­tis­ti­ker nicht beküm­mern. Das ist weder ihr Anlie­gen noch sonst wie bedeut­sam für die Belange staat­li­cher Bevöl­ke­rungs­ver­wal­tung. Doch liegt bekannt­lich die Rele­vanz im Auge der Betra­che­rin. Mir fiel auf, dass im Zen­sus »Hoch­schul­ab­schluss« unter »höchs­tem beruf­li­chem Abschluss« auf­ge­führt ist. Dabei ist eine Hoch­schule eine Schule. Sie hat eben gerade nicht »Aus­bil­dung« zum Ziel, son­dern »Bil­dung«, zumin­dest in der heren Theo­rie trotz »Bologna-Prozess«. Daher schließt sich ja ein Volon­ta­riat, Refe­ren­da­riat, Vika­riat etc. an, die erst beruf­lich qua­li­fi­zie­ren. Inso­fern meine ich, dass eine Hoch­schul­bil­dung unter einen Schul­ab­schluss gehört. Aber das ist ver­mut­lich wider den Wort­stamm und die Ursprungs­be­deu­tung legal umde­fi­niert, dabei wäre es dies­be­züg­lich hilf­reich, wenn man auch die Hoch­schu­len umbenennte.

1986 bereits rief ange­sicht der Volks­zäh­lung 1987 Diet­rich Kitt­ner, der han­no­ver­sche Kaba­ret­tist, dazu auf, kei­nes­falls das Vor­ha­ben zu boy­kot­tie­ren, son­dern ledig­lich, aus Furcht vor Feh­lern, die ja mit hohen Stra­fen bewährt wären, etwa auf die amt­li­che Nach­ver­mes­sung der eige­nen Wohn­räume zu drän­gen, ersatz­weise auf Über­sen­dung der ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten zur genauen Ermitt­lung der Wohn­raum­grö­ßen und amt­lich geeich­ten Mess­ge­rä­tes. Und so in jedem Ein­zel­fall. Er meinte damals, dass die­ses Vor­ge­hen das Pro­ze­dere um ver­mut­lich sechs bis acht Jahre ver­län­gern könne…

Sherlock Holmes und das Tal des Grauens — und die britische Fernsehserie »Sherlock«

Grauen_1Natür­lich habe ich die Sher­lock Hol­mes Kri­mis von A. C. Doyle gele­sen, auf deutsch und als eng­li­sches Hör­buch habe ich sie auch gehört und teils gele­sen. Neu­lich bekam ich ein kos­ten­lo­ses e-Book vom Tal des Grau­ens (oder »der Angst« — im Ori­gi­nal »Val­ley of Fear«) und das habe ich gelesen.

Es war eine erfreu­li­che Wie­der­be­geg­nung mit dem Krimi nach über zwan­zig Jah­ren. Ja, ich gebe zu: Teils las ich län­ger als ich wollte, ein­fach des Tex­tes wegen. Aber auch dies ist die­ser Tage nicht neu: Es gibt ja Kor­rek­tu­ren zu lesen — Ende der Vor­le­sungs­zeit bedeu­tet auch Zeit der Haus– und Abschluss­ar­bei­ten -, also komme ich in der »Frei­zeit« der­zeit kaum aus der Lek­türe her­aus und stelle hier mal fest: Mei­nen Rund­funk­ge­bühr, die jetzt »Teil­neh­mer­bei­trag« heiß (nähme ich teil, trüge ich bei, tue ich aber nicht, muss aber trotz­dem zahlen)t, habe ich bezahlt, aber »vor­be­halt­lich gericht­li­cher Klä­rung«. Wei­ter­hin sehe ich nicht fern und hoffe, dass die Kla­gen ein Kip­pen der Ver­drei­fa­chung mei­ner »Bei­trags­pflicht« bewirken.

Jeden­falls las ich also das »Tal des Grau­ens« und stelle fest, wie sehr in sei­ner etwas arro­gan­ten Art der »Sher­lock« Doyles in der bri­ti­schen Serie (die ich auf DVD bevor­rate) getrof­fen ist. Ja, so kommt er im Text her­über: Einige Grade schlauer und viel weni­ger »begrenzt« im Den­ken als die Poli­zis­ten. Dass mehr als ein Drit­tel des Tex­tes in den USA spielt und sich als Bericht des anfangs mut­maß­lich Ermor­de­ten tarnt, geht für die­ses Buch in Ordnung.

Die Ver­hält­nisse die­ses us-amerikanischen Tales der Angst oder des Grau­ens, die fin­den sich auch heute noch, und nicht nur in so genann­ten Bana­nen­re­pu­bli­ken. Dass Mäch­tige ihre Macht miss­brau­chen und gerade auch in poli­ti­schen Ämtern Macht nicht nur zum größt­mög­li­chen Nut­zen der größt­mög­li­chen Anzahl von Men­schen ein­ge­setzt wird, ist kaum neu. Dass Rei­che immer Rei­cher wer­den und andere wenig Anteil an den Res­sour­cen erhal­ten, gilt (fast) über­all. Inso­fern: Im Wes­ten nichts neues. Und doch eine Stu­die, die auch heute noch lohnt, geht es doch darum, wie weit »ver­deckte Ermitt­ler« gehen und gehen dür­fen. Auch der Ethi­ker hat also etwas von die­ser leicht les­ba­ren Lek­türe, die eigent­lich bloß unter­hal­ten möchte.

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gestern vor 50 Jahren: Zweites Vatikanisches Konzil

Der Blick auf die welt­wei­ten Kir­chen kann auch aus der Per­spek­tive eines Metho­dis­ten kaum über die bedeu­ten­den und ein­schnei­den­den Ände­run­gen hin­weg­se­hen, die das Zweite Vati­ka­ni­sche Kon­zil aus­ge­löst hat. Es begann (ges­tern) vor 50 Jah­ren und dau­erte bis Dezem­ber 1965 an. Die­ses Kon­zil hatte, ohne hier ins Detail gehen zu wol­len, dafür gibt es Hubert Jedins »Kleine Kon­zi­li­en­ge­schichte« oder wenigs­tens den Wiki-Artikel, das Thema der Bezie­hung der Kir­che zur moder­nen Welt, zu ande­ren Welt­an­schau­un­gen, zur Öku­mene. Außer­dem folgte eine Lit­ur­gie­re­form, die für katho­li­sche Ver­hält­nisse beacht­lich ist. Nicht zuletzt folgte ganz über­wie­gend die Messe in den Landessprachen.

Anders gesagt: Das Zweite Vati­ka­ni­sche Kon­zil ist die ver­mut­lich größte Reform der Katho­li­schen Kir­che in der Neu­zeit von innen her­aus. Nicht umsonst wird das Kon­zil in sei­nen Wir­kun­gen, gerade von den Kri­ti­kern — z.B. Lef­eb­vre — mit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion ver­gli­chen. Bis heute geht — gerade inner­halb der röm.-kath. Kir­che — die Aus­ein­an­der­set­zung darum, ob die Refor­men bedeu­tend zu weit gin­gen. Dies beto­nen die Tra­di­tio­na­lis­ten. Sie sehen den Nie­der­gang der röm.-kath. Kir­che in den 1970er und 1980er Jah­ren bis heute als eine Folge des »Rück­zugs« von eigent­lich unauf­geb­ba­ren Posi­tio­nen und Ansprü­chen der Kir­che. Wei­ter­le­sen

achtsame Kommunikation und kreuz​.net

Die meis­ten Men­schen lesen angeb­lich vor allem sol­che Nach­rich­ten, hören sol­che Radio­sen­der, sehen sol­che Fern­seh­pro­gramme, die in der eige­nen Auf­fas­sung bestä­ti­gen. Beson­ders auf­fäl­lig sei dies in den USA, in denen fast jede Nische mit einem ent­spre­chen­den Sen­der bestückt sei, so dass man nichts zur Kennt­nis neh­men müsse, das das eigene Welt– und Selbst­bild erschüt­tern könne. So weit das All­ge­meine. Was mich betrifft, so kann ich zwar grund­sätz­lich ähn­li­ches ver­mel­den, ich höre vor allem Deutsch­land­funk, WDR-5 und NDR-Info, lese vor allem Zeit und Süd­deut­sche (und das vor allem im Netz, gele­gent­lich kaufe ich mal eine Aus­gabe), lese regel­mä­ßig einige Blogs und folge in der Tat — etwa auf Twit­ter — den so genann­ten Link­sevan­ge­li­ka­len von Sojour­ners und Fresh Expres­si­ons sowie der UMC, der »Dach­kir­che« mei­ner ev.-meth. Kir­che.

Um es nicht zu ein­sei­tig wer­den zu las­sen, das eigene Welt­bild, ver­ordne ich mir gele­gent­lich eine ordent­li­che Por­tion NDR Radio-Niedersachsen (kaum erträg­lich!) und junge Frei­heit, dazu dann Bild​.de und aus Grün­den der Voll­stän­dig­keit eben auch kreuz​.net. Letz­tere geis­tern seit der ver­gan­ge­nen Woche durch alle Medien, weil sie nach dem Tode Dirk Bachs der­ma­ßen ver­bal aus­ge­teilt haben, dass ein Ver­le­ger eines Män­ner­ma­ga­zins für gleich­ge­schlecht­lich Ori­en­tierte inzwi­schen eine Beloh­nung von 15.000 € für Hin­weise aus­ge­setzt hat, die zur Ergrei­fung der Hin­ter­män­ner bzw. –frauen füh­ren, die kreuz​.net betrei­ben. Wei­ter­le­sen

die Todesstrafe ist die schlimmste Form von Ungeduld…

»Ich ver­stehe diese Schi­zo­phre­nie der US-Amerikaner nicht. Nen­nen sich Chris­ten, Bush sogar Metho­dist, und sind prak­ti­zie­rende Scharf­rich­ter. Kön­nen wir nicht mal ein Zei­chen set­zen und als Metho­dis­ten sol­che Mit­glie­der ›exkom­mu­ni­zie­ren‹. Sol­len die doch woan­ders beten. Und wenn sie begrif­fen haben, worum es geht, dür­fen sie wie­der­kom­men.« — schrieb ein Freund ges­tern bei Facebook.

Amnesty Inter­na­tio­nal macht der­zeit eine Kam­pa­gne gegen die Todes­strafe anläss­lich des inter­na­tio­na­len Tages gegen die Todes­strafe, der am 10. Okto­ber began­gen wird. Eines der Pla­kate, die da von Amnesty täg­lich prä­sen­tiert wer­den, die Argu­mente nen­nen und illus­trie­ren, das ich bei Face­book teilte, pro­vo­zierte einen Freund aus der Gemeinde zu die­ser These.  Wei­ter­le­sen

Statt Feiertagsreden zum 3. Oktober lieber Motorradtour nach Bergen-Belsen…

Was tun, wenn ein Fei­er­tag mit­ten in der Woche liegt, er sich somit als Brü­ck­en­tag wenig anbie­tet? Ein­fach man ruhig ange­hen, dachte ich mir. Tra­di­tio­nell habe ich bereits öfter den 3. Okto­ber zu Aus­flü­gen nach Bergen-Belsen genutzt. Wenn das Wet­ter mit­spielt ist das eine guter Tag, um drü­ber nach­zu­den­ken, wor­auf eigent­lich unser gesell­schaft­li­ches Mit­ein­an­der auf­baut, was unter dem Pflas­ter liegt an Schre­cken und Unmenschlichkeiten.

Bei die­sem Mal war ich nicht allein, son­dern fuhr mit mei­nem Bru­der je mit einem Motor­rad… Tra­di­tio­nell mit einem Zwi­schen­stop am Aller­kraft­werk in Oldau. In der Gedenk­stätte habe ich bei die­sem Besuch den Schwer­punkt auf die Dis­pla­ced Per­sons gelegt, und mir scheint, dass die Idee des Natio­nal­staa­tes mit einem ein­heit­li­chen Recht, fes­ten Gren­zen und eben auch einer — nach Kant — ein­heit­li­chen Reli­gion und Spra­che so gar nicht passt. Dass das auch heute nicht so rich­tig ein­schlä­gig ist, zeigt sich für alle bei der Reli­gion, aber es ist eben auch mit den »natio­na­len Min­der­hei­ten« (Süd­schles­wig­sche Min­der­heit in Schleswig-Holstein und etwa Sor­ben) nicht pas­sen. Das Modell aber passt auch nicht bei Roma und Sinti. Als ich wie­der mal die Ver­wer­fun­gen und das Bemü­hen um Nor­ma­li­tät sah, die da von 1945 bis 1950 herrsch­ten, mit jiddisch-deutschen Hoch­zeits­ein­la­dun­gen und pol­ni­schen Zeug­nis­sen für Motorrad-Schlosserinnen, mit erneut unwür­di­gem Umgang deut­scher Behör­den mit den geschun­de­nen und miss­han­del­ten See­len, hatte ich den Ein­druck, wie dünn der kul­tu­relle Mut­ter­bo­den ist. Dar­un­ter aber hat sich man­ches gehal­ten aus der Zeit vor 1945 und — dies beson­ders ein­drück­lich — aus einer emp­fun­de­nen »natio­na­len« Höher­wer­tig­keit.  Wei­ter­le­sen

Über Parallelitäten und Gesellschaften

Die Rede von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten höre ich seit eini­gen Jah­ren vor allem bezo­gen auf so genannte Migranten-Quartiere, in denen sich eigene Struk­tu­ren und Ord­nun­gen ent­wi­ckel­ten, wie man sagt. Im Rah­men der Sarazin-Debatte ging es um sol­che in Ber­lin und beson­ders in so genann­ten »Brennpunktschulen«.

Einige kon­ter­ten, dass man­che abge­ho­bene »Schich­ten« oder »Mil­lieus« — etwa in der Ein­kom­mens­spitze und auch in der Poli­tik — lange schon in Par­al­lel­wel­ten leb­ten. Dass sie mit den Sor­gen und Nöten der Otto-Normalbürger nichts zu tun hät­ten, weil sie auch nicht drauf ange­wie­sen seien. Schwie­rig wird es eigent­lich nur dann, wenn ein­mal Urteile nicht zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wer­den, weil dann die ent­spre­chen­den Abheb­ler zügig auf dem Boden der Nor­ma­li­tät, zuge­ge­ben ist die­je­nige hin­ter Git­tern eine spe­zi­elle, ankommen.

Diese Tren­nung in unter­schied­li­che Schich­ten oder Mil­lieus, mei­net­we­gen auch Klas­sen, führt zum schwin­den­der Chan­cen­gleich­heit. Dies beginnt mit dem Wohn­ort, und ent­spre­chen­den Ange­bo­ten für Kin­der, setzt sich über die Schu­len fort und führt zu einer ererb­ten Armut bzw. zu ererb­tem Wohl­stand, was, über einige Gene­ra­tio­nen betrach­tet, in eine Art »Kas­ten­we­sen« mün­det. Die Illu­sio­nen der 1970er Jahre sind dem Para­digma des Mark­tes zum Opfer gefal­len und die Sozia­len Bekennt­nisse bzw. Denk­schrif­ten wer­den von der Mehr­heit der Men­schen hier­zu­lande schon lange nicht mehr zur Kennt­nis genommen.

Nun aber zu mei­ner Par­al­lele: Wir kön­nen, so meine ich, von Micha und Amos, den Pro­phe­ten, eine Menge ler­nen. Ich möchte hier nicht auf die Details ein­ge­hen, stelle aber fest, dass gesell­schaft­li­cher Über­schuss (»sur­plus« wie die Sozi­al­ge­schicht­ler unter den Alt­tes­ta­ment­lern sagen) leicht dazu führt, dass die Ver­tei­lung die­ses Wohl­stands so erfolgt, dass die, die (poli­ti­sche, mili­tä­ri­sche, wirt­schaft­li­che, …) Macht haben, diese nut­zen, um ein über­pro­por­tio­na­les Stück vom Kuchen abzubekommen.

In der Nähe mei­nes Eltern­hau­ses gibt es ein Graffiti:

»Die meis­ten Men­schen hören auf zu rudern, wenn sie am Ruder sind.«

Natür­lich gibt es (oder sollte ich sagen: »natur-notwendig«) immer Werte, »von denen einige Leute mehr haben wer­den als alle ande­ren zusam­men. Mehr Sterne am Kra­gen, mehr Strei­fen auf der Brust, sicht­bar oder unsicht­bar, denn arm und reich wird es immer geben, genau wie dumm und gescheit. Und der Kir­che … ist lei­der nicht die Macht gege­ben, zu bestim­men, wie ein Staat regiert wer­den soll.« (Ö. v. Hor­várth, Jugend ohne Gott, Kapi­tel ›Auf der Suche nach den Idea­len der Mensch­heit‹ — seit 2009 gemein­frei, da »glück­li­cher­weise« der Ver­fas­ser in Paris 1938 vom Ast erschla­gen wor­den ist).

Der Dia­log zwi­schen dem Leh­rer als Ich-Erzähler Hor­váths und dem Dorf­pfar­rer geht noch wei­ter und führt dahin, dass die (röm.-katholische Amts-)kirche nicht anders könne als auf der Seite der Mäch­ti­gen zu ste­hen. Das ist in der Heils­ar­mee und bei den Jesus-Freaks anders — und auch in mei­ner Kir­che steht man zwar gewiss nicht in Oppo­si­tion zum Staat; aber in Dis­tanz und stets auf Seite der Opfer, vgl. etwa das ange­spro­chene Sozia­len Grund­sätze der EmK.  Doch stellt sich mit Bon­hoef­fer die Frage, ob es genüge, die Opfer unter dem Rad zu ver­sor­gen, oder ob es nicht erfor­der­lich ist, dem Rad in die Spei­chen zu fallen?

Man­da­ten­ethisch gefragt: Ist es nicht nötig, mehr zu tun als zu pre­di­gen und indi­vi­du­al­ethisch anstän­dig zu leben? Könnte es nicht nötig wer­den, zu mah­nen und unsere Mög­lich­kei­ten als Chris­ten­men­schen und als Gemein­den mah­nend in die Waag­schale zu wer­fen, weil die Gerech­tig­keit einer Gesell­schaft — zumin­dest bei Micha und Amos — an denen bemes­sen wird, die sich nicht selbst hel­fen kön­nen. Und eben die kom­men heute wie­der mehr und mehr unter die Räder.

Das deut­sche Sys­tem der »sozia­len Markt­wirt­schaft« aus der Tra­di­tion des Ordo-Liberalismus muss sich daran mes­sen las­sen, ob es den Men­schen dient, den Men­schen, nicht bloß eini­gen. Wenn das nicht so ist, wenn die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit und die Chan­cen­un­gleich­heit stei­gen, dann führt die wirt­schaft­li­che Frei­heit eben zu zahl­rei­chen ande­ren Unfrei­hei­ten, zu ein­ge­schränk­ter Teil­habe der meisten.

In den USA gibt es seit eini­ger Zeit eine Dis­kus­sion »what would Jesus cut«, bei der es darum geht, dass Haus­halts­an­sätze eben auch ein geist­li­ches Doku­ment sind. Wo sparte Jesus ein? Bei der Steu­er­stun­dung für Allein­er­zie­hende? Oder beim Spit­zen­steu­er­satz? Mehr dazu gibt es hier.

Ich habe selbst noch keine Ant­wor­ten, sehe aber, dass die Fra­gen der Zeit eine ganz neue Qua­li­tät der Her­aus­for­de­rung für die gesamte Gesell­schaft — und für die, die sich als Chris­tin­nen und Chris­ten ver­ste­hen, auch eine geist­li­che Her­aus­for­de­rung — bedeutet.