Sherlock Holmes und das Tal des Grauens — und die britische Fernsehserie »Sherlock«

Grauen_1Natür­lich habe ich die Sher­lock Hol­mes Kri­mis von A. C. Doyle gele­sen, auf deutsch und als eng­li­sches Hör­buch habe ich sie auch gehört und teils gele­sen. Neu­lich bekam ich ein kos­ten­lo­ses e-Book vom Tal des Grau­ens (oder »der Angst« — im Ori­gi­nal »Val­ley of Fear«) und das habe ich gelesen.

Es war eine erfreu­li­che Wie­der­be­geg­nung mit dem Krimi nach über zwan­zig Jah­ren. Ja, ich gebe zu: Teils las ich län­ger als ich wollte, ein­fach des Tex­tes wegen. Aber auch dies ist die­ser Tage nicht neu: Es gibt ja Kor­rek­tu­ren zu lesen — Ende der Vor­le­sungs­zeit bedeu­tet auch Zeit der Haus– und Abschluss­ar­bei­ten -, also komme ich in der »Frei­zeit« der­zeit kaum aus der Lek­türe her­aus und stelle hier mal fest: Mei­nen Rund­funk­ge­bühr, die jetzt »Teil­neh­mer­bei­trag« heiß (nähme ich teil, trüge ich bei, tue ich aber nicht, muss aber trotz­dem zahlen)t, habe ich bezahlt, aber »vor­be­halt­lich gericht­li­cher Klä­rung«. Wei­ter­hin sehe ich nicht fern und hoffe, dass die Kla­gen ein Kip­pen der Ver­drei­fa­chung mei­ner »Bei­trags­pflicht« bewirken.

Jeden­falls las ich also das »Tal des Grau­ens« und stelle fest, wie sehr in sei­ner etwas arro­gan­ten Art der »Sher­lock« Doyles in der bri­ti­schen Serie (die ich auf DVD bevor­rate) getrof­fen ist. Ja, so kommt er im Text her­über: Einige Grade schlauer und viel weni­ger »begrenzt« im Den­ken als die Poli­zis­ten. Dass mehr als ein Drit­tel des Tex­tes in den USA spielt und sich als Bericht des anfangs mut­maß­lich Ermor­de­ten tarnt, geht für die­ses Buch in Ordnung.

Die Ver­hält­nisse die­ses us-amerikanischen Tales der Angst oder des Grau­ens, die fin­den sich auch heute noch, und nicht nur in so genann­ten Bana­nen­re­pu­bli­ken. Dass Mäch­tige ihre Macht miss­brau­chen und gerade auch in poli­ti­schen Ämtern Macht nicht nur zum größt­mög­li­chen Nut­zen der größt­mög­li­chen Anzahl von Men­schen ein­ge­setzt wird, ist kaum neu. Dass Rei­che immer Rei­cher wer­den und andere wenig Anteil an den Res­sour­cen erhal­ten, gilt (fast) über­all. Inso­fern: Im Wes­ten nichts neues. Und doch eine Stu­die, die auch heute noch lohnt, geht es doch darum, wie weit »ver­deckte Ermitt­ler« gehen und gehen dür­fen. Auch der Ethi­ker hat also etwas von die­ser leicht les­ba­ren Lek­türe, die eigent­lich bloß unter­hal­ten möchte.

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gestern vor 50 Jahren: Zweites Vatikanisches Konzil

Der Blick auf die welt­wei­ten Kir­chen kann auch aus der Per­spek­tive eines Metho­dis­ten kaum über die bedeu­ten­den und ein­schnei­den­den Ände­run­gen hin­weg­se­hen, die das Zweite Vati­ka­ni­sche Kon­zil aus­ge­löst hat. Es begann (ges­tern) vor 50 Jah­ren und dau­erte bis Dezem­ber 1965 an. Die­ses Kon­zil hatte, ohne hier ins Detail gehen zu wol­len, dafür gibt es Hubert Jedins »Kleine Kon­zi­li­en­ge­schichte« oder wenigs­tens den Wiki-Artikel, das Thema der Bezie­hung der Kir­che zur moder­nen Welt, zu ande­ren Welt­an­schau­un­gen, zur Öku­mene. Außer­dem folgte eine Lit­ur­gie­re­form, die für katho­li­sche Ver­hält­nisse beacht­lich ist. Nicht zuletzt folgte ganz über­wie­gend die Messe in den Landessprachen.

Anders gesagt: Das Zweite Vati­ka­ni­sche Kon­zil ist die ver­mut­lich größte Reform der Katho­li­schen Kir­che in der Neu­zeit von innen her­aus. Nicht umsonst wird das Kon­zil in sei­nen Wir­kun­gen, gerade von den Kri­ti­kern — z.B. Lef­eb­vre — mit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion ver­gli­chen. Bis heute geht — gerade inner­halb der röm.-kath. Kir­che — die Aus­ein­an­der­set­zung darum, ob die Refor­men bedeu­tend zu weit gin­gen. Dies beto­nen die Tra­di­tio­na­lis­ten. Sie sehen den Nie­der­gang der röm.-kath. Kir­che in den 1970er und 1980er Jah­ren bis heute als eine Folge des »Rück­zugs« von eigent­lich unauf­geb­ba­ren Posi­tio­nen und Ansprü­chen der Kir­che. Wei­ter­le­sen

achtsame Kommunikation und kreuz​.net

Die meis­ten Men­schen lesen angeb­lich vor allem sol­che Nach­rich­ten, hören sol­che Radio­sen­der, sehen sol­che Fern­seh­pro­gramme, die in der eige­nen Auf­fas­sung bestä­ti­gen. Beson­ders auf­fäl­lig sei dies in den USA, in denen fast jede Nische mit einem ent­spre­chen­den Sen­der bestückt sei, so dass man nichts zur Kennt­nis neh­men müsse, das das eigene Welt– und Selbst­bild erschüt­tern könne. So weit das All­ge­meine. Was mich betrifft, so kann ich zwar grund­sätz­lich ähn­li­ches ver­mel­den, ich höre vor allem Deutsch­land­funk, WDR-5 und NDR-Info, lese vor allem Zeit und Süd­deut­sche (und das vor allem im Netz, gele­gent­lich kaufe ich mal eine Aus­gabe), lese regel­mä­ßig einige Blogs und folge in der Tat — etwa auf Twit­ter — den so genann­ten Link­sevan­ge­li­ka­len von Sojour­ners und Fresh Expres­si­ons sowie der UMC, der »Dach­kir­che« mei­ner ev.-meth. Kir­che.

Um es nicht zu ein­sei­tig wer­den zu las­sen, das eigene Welt­bild, ver­ordne ich mir gele­gent­lich eine ordent­li­che Por­tion NDR Radio-Niedersachsen (kaum erträg­lich!) und junge Frei­heit, dazu dann Bild​.de und aus Grün­den der Voll­stän­dig­keit eben auch kreuz​.net. Letz­tere geis­tern seit der ver­gan­ge­nen Woche durch alle Medien, weil sie nach dem Tode Dirk Bachs der­ma­ßen ver­bal aus­ge­teilt haben, dass ein Ver­le­ger eines Män­ner­ma­ga­zins für gleich­ge­schlecht­lich Ori­en­tierte inzwi­schen eine Beloh­nung von 15.000 € für Hin­weise aus­ge­setzt hat, die zur Ergrei­fung der Hin­ter­män­ner bzw. –frauen füh­ren, die kreuz​.net betrei­ben. Wei­ter­le­sen

die Todesstrafe ist die schlimmste Form von Ungeduld…

»Ich ver­stehe diese Schi­zo­phre­nie der US-Amerikaner nicht. Nen­nen sich Chris­ten, Bush sogar Metho­dist, und sind prak­ti­zie­rende Scharf­rich­ter. Kön­nen wir nicht mal ein Zei­chen set­zen und als Metho­dis­ten sol­che Mit­glie­der ›exkom­mu­ni­zie­ren‹. Sol­len die doch woan­ders beten. Und wenn sie begrif­fen haben, worum es geht, dür­fen sie wie­der­kom­men.« — schrieb ein Freund ges­tern bei Facebook.

Amnesty Inter­na­tio­nal macht der­zeit eine Kam­pa­gne gegen die Todes­strafe anläss­lich des inter­na­tio­na­len Tages gegen die Todes­strafe, der am 10. Okto­ber began­gen wird. Eines der Pla­kate, die da von Amnesty täg­lich prä­sen­tiert wer­den, die Argu­mente nen­nen und illus­trie­ren, das ich bei Face­book teilte, pro­vo­zierte einen Freund aus der Gemeinde zu die­ser These.  Wei­ter­le­sen

Statt Feiertagsreden zum 3. Oktober lieber Motorradtour nach Bergen-Belsen…

Was tun, wenn ein Fei­er­tag mit­ten in der Woche liegt, er sich somit als Brü­ck­en­tag wenig anbie­tet? Ein­fach man ruhig ange­hen, dachte ich mir. Tra­di­tio­nell habe ich bereits öfter den 3. Okto­ber zu Aus­flü­gen nach Bergen-Belsen genutzt. Wenn das Wet­ter mit­spielt ist das eine guter Tag, um drü­ber nach­zu­den­ken, wor­auf eigent­lich unser gesell­schaft­li­ches Mit­ein­an­der auf­baut, was unter dem Pflas­ter liegt an Schre­cken und Unmenschlichkeiten.

Bei die­sem Mal war ich nicht allein, son­dern fuhr mit mei­nem Bru­der je mit einem Motor­rad… Tra­di­tio­nell mit einem Zwi­schen­stop am Aller­kraft­werk in Oldau. In der Gedenk­stätte habe ich bei die­sem Besuch den Schwer­punkt auf die Dis­pla­ced Per­sons gelegt, und mir scheint, dass die Idee des Natio­nal­staa­tes mit einem ein­heit­li­chen Recht, fes­ten Gren­zen und eben auch einer — nach Kant — ein­heit­li­chen Reli­gion und Spra­che so gar nicht passt. Dass das auch heute nicht so rich­tig ein­schlä­gig ist, zeigt sich für alle bei der Reli­gion, aber es ist eben auch mit den »natio­na­len Min­der­hei­ten« (Süd­schles­wig­sche Min­der­heit in Schleswig-Holstein und etwa Sor­ben) nicht pas­sen. Das Modell aber passt auch nicht bei Roma und Sinti. Als ich wie­der mal die Ver­wer­fun­gen und das Bemü­hen um Nor­ma­li­tät sah, die da von 1945 bis 1950 herrsch­ten, mit jiddisch-deutschen Hoch­zeits­ein­la­dun­gen und pol­ni­schen Zeug­nis­sen für Motorrad-Schlosserinnen, mit erneut unwür­di­gem Umgang deut­scher Behör­den mit den geschun­de­nen und miss­han­del­ten See­len, hatte ich den Ein­druck, wie dünn der kul­tu­relle Mut­ter­bo­den ist. Dar­un­ter aber hat sich man­ches gehal­ten aus der Zeit vor 1945 und — dies beson­ders ein­drück­lich — aus einer emp­fun­de­nen »natio­na­len« Höher­wer­tig­keit.  Wei­ter­le­sen

Über Parallelitäten und Gesellschaften

Die Rede von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten höre ich seit eini­gen Jah­ren vor allem bezo­gen auf so genannte Migranten-Quartiere, in denen sich eigene Struk­tu­ren und Ord­nun­gen ent­wi­ckel­ten, wie man sagt. Im Rah­men der Sarazin-Debatte ging es um sol­che in Ber­lin und beson­ders in so genann­ten »Brennpunktschulen«.

Einige kon­ter­ten, dass man­che abge­ho­bene »Schich­ten« oder »Mil­lieus« — etwa in der Ein­kom­mens­spitze und auch in der Poli­tik — lange schon in Par­al­lel­wel­ten leb­ten. Dass sie mit den Sor­gen und Nöten der Otto-Normalbürger nichts zu tun hät­ten, weil sie auch nicht drauf ange­wie­sen seien. Schwie­rig wird es eigent­lich nur dann, wenn ein­mal Urteile nicht zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wer­den, weil dann die ent­spre­chen­den Abheb­ler zügig auf dem Boden der Nor­ma­li­tät, zuge­ge­ben ist die­je­nige hin­ter Git­tern eine spe­zi­elle, ankommen.

Diese Tren­nung in unter­schied­li­che Schich­ten oder Mil­lieus, mei­net­we­gen auch Klas­sen, führt zum schwin­den­der Chan­cen­gleich­heit. Dies beginnt mit dem Wohn­ort, und ent­spre­chen­den Ange­bo­ten für Kin­der, setzt sich über die Schu­len fort und führt zu einer ererb­ten Armut bzw. zu ererb­tem Wohl­stand, was, über einige Gene­ra­tio­nen betrach­tet, in eine Art »Kas­ten­we­sen« mün­det. Die Illu­sio­nen der 1970er Jahre sind dem Para­digma des Mark­tes zum Opfer gefal­len und die Sozia­len Bekennt­nisse bzw. Denk­schrif­ten wer­den von der Mehr­heit der Men­schen hier­zu­lande schon lange nicht mehr zur Kennt­nis genommen.

Nun aber zu mei­ner Par­al­lele: Wir kön­nen, so meine ich, von Micha und Amos, den Pro­phe­ten, eine Menge ler­nen. Ich möchte hier nicht auf die Details ein­ge­hen, stelle aber fest, dass gesell­schaft­li­cher Über­schuss (»sur­plus« wie die Sozi­al­ge­schicht­ler unter den Alt­tes­ta­ment­lern sagen) leicht dazu führt, dass die Ver­tei­lung die­ses Wohl­stands so erfolgt, dass die, die (poli­ti­sche, mili­tä­ri­sche, wirt­schaft­li­che, …) Macht haben, diese nut­zen, um ein über­pro­por­tio­na­les Stück vom Kuchen abzubekommen.

In der Nähe mei­nes Eltern­hau­ses gibt es ein Graffiti:

»Die meis­ten Men­schen hören auf zu rudern, wenn sie am Ruder sind.«

Natür­lich gibt es (oder sollte ich sagen: »natur-notwendig«) immer Werte, »von denen einige Leute mehr haben wer­den als alle ande­ren zusam­men. Mehr Sterne am Kra­gen, mehr Strei­fen auf der Brust, sicht­bar oder unsicht­bar, denn arm und reich wird es immer geben, genau wie dumm und gescheit. Und der Kir­che … ist lei­der nicht die Macht gege­ben, zu bestim­men, wie ein Staat regiert wer­den soll.« (Ö. v. Hor­várth, Jugend ohne Gott, Kapi­tel ›Auf der Suche nach den Idea­len der Mensch­heit‹ — seit 2009 gemein­frei, da »glück­li­cher­weise« der Ver­fas­ser in Paris 1938 vom Ast erschla­gen wor­den ist).

Der Dia­log zwi­schen dem Leh­rer als Ich-Erzähler Hor­váths und dem Dorf­pfar­rer geht noch wei­ter und führt dahin, dass die (röm.-katholische Amts-)kirche nicht anders könne als auf der Seite der Mäch­ti­gen zu ste­hen. Das ist in der Heils­ar­mee und bei den Jesus-Freaks anders — und auch in mei­ner Kir­che steht man zwar gewiss nicht in Oppo­si­tion zum Staat; aber in Dis­tanz und stets auf Seite der Opfer, vgl. etwa das ange­spro­chene Sozia­len Grund­sätze der EmK.  Doch stellt sich mit Bon­hoef­fer die Frage, ob es genüge, die Opfer unter dem Rad zu ver­sor­gen, oder ob es nicht erfor­der­lich ist, dem Rad in die Spei­chen zu fallen?

Man­da­ten­ethisch gefragt: Ist es nicht nötig, mehr zu tun als zu pre­di­gen und indi­vi­du­al­ethisch anstän­dig zu leben? Könnte es nicht nötig wer­den, zu mah­nen und unsere Mög­lich­kei­ten als Chris­ten­men­schen und als Gemein­den mah­nend in die Waag­schale zu wer­fen, weil die Gerech­tig­keit einer Gesell­schaft — zumin­dest bei Micha und Amos — an denen bemes­sen wird, die sich nicht selbst hel­fen kön­nen. Und eben die kom­men heute wie­der mehr und mehr unter die Räder.

Das deut­sche Sys­tem der »sozia­len Markt­wirt­schaft« aus der Tra­di­tion des Ordo-Liberalismus muss sich daran mes­sen las­sen, ob es den Men­schen dient, den Men­schen, nicht bloß eini­gen. Wenn das nicht so ist, wenn die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit und die Chan­cen­un­gleich­heit stei­gen, dann führt die wirt­schaft­li­che Frei­heit eben zu zahl­rei­chen ande­ren Unfrei­hei­ten, zu ein­ge­schränk­ter Teil­habe der meisten.

In den USA gibt es seit eini­ger Zeit eine Dis­kus­sion »what would Jesus cut«, bei der es darum geht, dass Haus­halts­an­sätze eben auch ein geist­li­ches Doku­ment sind. Wo sparte Jesus ein? Bei der Steu­er­stun­dung für Allein­er­zie­hende? Oder beim Spit­zen­steu­er­satz? Mehr dazu gibt es hier.

Ich habe selbst noch keine Ant­wor­ten, sehe aber, dass die Fra­gen der Zeit eine ganz neue Qua­li­tät der Her­aus­for­de­rung für die gesamte Gesell­schaft — und für die, die sich als Chris­tin­nen und Chris­ten ver­ste­hen, auch eine geist­li­che Her­aus­for­de­rung — bedeutet.

Schnittstellenbau und Skalierung in kirchlichen Organigrammen

Wer die Lösch-Feldzüge bei Wiki­pe­dia mit dem Kri­te­rium feh­len­der »Rele­vanz« der gelösch­ten Arti­kel etwas ver­folgt hat, weiß, dass EDV-Erfahrene, etwa Felix v. Leit­ner (Fefe) eine andere Form der Schnitt­stel­len, der Benutzenden-Interfaces, emp­feh­len, die allein in ihrer Struk­tur eher Wach­tum ermög­li­chen als Löschung nahe­zu­le­gen. Dies Thema, wie also die Form inhalt­lich rück­wirkt, finde ich schon  lange fas­zi­nie­rend. Als ich mich mit der Ent­ste­hung bestimm­ter theo­lo­gi­scher Modelle in der Alten Kir­che befasste, wurde mir deut­lich, was allein durch die kai­ser­lich ein­be­ru­fe­nen Kon­zi­lien »los­ge­tre­ten« wurde. Plötz­lich muss­ten die Dinge ter­mi­no­lo­gisch fest­ge­legt wer­den, damit ent­scheid­bar wurde, was gel­ten soll und was als fal­sche Lehre ver­wor­fen wer­den sollte. — Dabei ist klar, dass die Kom­pro­miss­for­meln oft theo­lo­gisch weder Fisch noch Fleisch wur­den, sie durf­ten ja kei­ner Seite über die Maßen recht geben, um nicht ande­rer­seits die Gegen­po­si­tion vor den Kopf zu sto­ßen. Gerade in »Glau­bens­din­gen« geht es ja mit Argu­men­ten und Herz­blut zur Sache. Wenn im Nes­t­o­ria­ni­schen Streit um den Titel der »Gott­ge­bä­re­rin« für Maria gestrit­ten wurde, dann gibt es zwar eine ver­wor­fene Lehre, die als nes­t­o­ria­nisch bezeich­net wurde, die aber mit der tat­säch­li­chen Posi­tion des Patriacrchen von Kon­stan­ti­no­pel nur am Rande zu tun hat und schon gar nicht der dahin­ter ste­hen­den Gedan­ken­welt Rech­nung trägt, die Nes­t­o­rius moti­vierte, in der Folge der antio­che­ni­schen Schule so zu argu­men­tie­ren, wie er es tat.

Das ist nicht nur ein rand­stän­di­ges Thema, wenn aktu­ell die Pira­ten­par­tei ver­kün­det, sie habe kein Pro­gramm, son­dern ein »Betriebs­sys­tem«, so ist das vie­len klas­sisch fra­gen­den und den­ken­den Jour­na­lis­ten kaum zugäng­lich: »Wer sagt denn nun, wie es gemacht wird?« — »Wir haben da ein vir­tu­el­les Mei­nungs­bilungs­tool, das erlaubt, mit allen die Frage ad hoc zu ent­schei­den.« Liebe Lese­rin, lie­ber Leser, da pas­sen bis­he­rige Denk­mo­delle nicht, weil die Form eine andere ist. Gerade ist das höchste (irdi­sche) Gre­mium mei­ner Kir­che (ev.-meth.), die Gene­ral­kon­fe­renz in Flo­rida zuende gegan­gen. Für mich ein Anlass, über einen sel­ten bedach­ten Bereich zwi­schen Theo­lo­gie, Orga­ni­sa­ti­ons­lehre und den jewei­li­gen Rück­wir­kun­gen auf die Inhalte nach­zu­den­ken. Wei­ter­le­sen

unlauterer Wettbewerb in der Gastronomie

mehr­fach fal­scher Bon

Die wenigs­ten Gas­tro­no­men wer­den reich. Viele zah­len weit unter Tarif und kom­men den­noch kaum über die Run­den. Der Wett­be­werb ist hart, so dass man­che auch unlau­tere Metho­den anzu­wen­den bereit sind: Ich hatte die­ses Gericht klar und deut­lich zum Ver­zehr in der Gast­stube bestellt. Bekam es auch ent­spre­chend auf dem Tel­ler und nicht etwa in einer Trans­port­ver­pa­ckung. Bevor ich bestel­len konnte, zahlte jemand ande­res, und auch dort, es fiel mir sofort auf, wäh­rend ich an der Kasse stand, war der Bon mit 7 % Mehr­wert­steuer aus­ge­stellt. Die Kun­den bezahlte 24,80 EUR und ging mit zwei wei­te­ren Gäs­ten. Dann bestellte ich. In mei­ner Anwe­sen­heit bezahl­ten zehn Gäste ihre Rech­nun­gen, und acht davon hatte im Lokal (oder auf der Außen­ter­rasse) geses­sen zur Ein­nahme der Speisen.

Bei mei­ner Rech­nung macht der Unter­schied zwi­schen »außer Haus« (ein Freund bemerkte im Inter­net zutref­fend, dass nach Diphtong ein »ß« zu ste­hen habe) 0,96 EUR aus (bei 8 EUR Rech­nungs­be­trag). bei mei­nem Essen wur­den also 0,96 EUR Steu­ern nicht abge­führt. In den ca. 20 Minu­ten, die ich da war, gab es ca. zehn Kun­den, davon acht, die dort aßen. Wenn das Durch­schnitt ist, macht das gut 23 EUR pro h, die der Finanz­mi­nis­ter nicht bekommt. Und das macht am Tag ca. 240 EUR oder bei 30 Tagen im Monat ca. 7.257 EUR. In einem Laden.

Nun muss jeder gucken, wie er oder sie über die Run­den kommt. Und ich finde die Rege­lung mit dem ermä­ßig­ten MwSt.-Satz (7 %) für außer Haus Ver­kauf gegen­über dem vol­len Satz von 19 % für Restau­rant­leis­tun­gen im Lokal wenig ein­leuch­tend und — schlicht gesagt — unglück­lich. Aber das darf m.E. nicht dazu füh­ren, dass die/der Gastronom/in sich einen Vor­teil gegen­über ande­ren durch Steu­er­hin­ter­zie­hung ver­schafft. Ent­we­der zwei Lis­ten (wobei die netto Preise gleich sind, und nur durch unter­schied­li­che Steu­er­sätze die Spei­sen außer Haus 12 % güns­ti­ger wer­den. Oder grö­ßere Por­tio­nen außer Haus. Wie auch immer. Wenn ich im Lokal esse, dann muss die Quit­tung auch die ent­spre­chen­den Steu­ern aus­wei­sen und der Gas­tro­nom möge sie abfüh­ren. Wid­ri­gen­falls wer­den Steu­ern hin­ter­zo­gen und andere, die fair nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen han­deln, unlau­ter über­vor­teilt. Das will ich nicht.

Ich meide die­sen Imbiss und emp­fehle ande­ren, alle Lokale zu mei­den, die so vor­ge­hen. Im Wie­der­ho­lungs­fall bitte ich um eine neue Quit­tung, die die kor­rekte Mehr­wert­steuer ausweist.

Zu: Roman Herzog: »Der ökonomische Putsch«

Am 20. April 2012 lief im Deutsch­land­funk eine ein­drück­li­che Sen­dung, in der es darum geht, wie inter­es­sierte Ein­zelne oder Unter­neh­men mit Spe­ku­la­tio­nen die Demo­kra­tie welt­weit angrei­fen. Sei es in Latein­ame­rika oder nun in Europa. Der Deutsch­land­funk schreibt:

»Gezielte Spe­ku­la­ti­ons­at­ta­cken auf ganze Volks­wirt­schaf­ten, unan­tast­bare Finanz­agen­tu­ren, die Regie­run­gen in die Knie zwin­gen, und ohn­mäch­tige Poli­ti­ker, die gebets­müh­len­ar­tig wie­der­ho­len, es gäbe keine Alter­na­tive: Europa befin­det sich im Wirt­schafts­krieg.« (hier)

Die Sen­dung ist des­halb so emp­feh­lens­wert, weil dort Men­schen sehr weit gedacht haben. Oft wird ja jour­na­lis­tisch stets die glei­che Agen­tur­mel­dung auf­ge­wärmt. Hier wurde recher­chiert und das bei sehr kom­pe­ten­ten Fach­leu­ten. Ich bin nicht sicher, ob die Ergeb­nisse 100 % zutref­fen. Sicher ist aber, dass es mehr als anre­gend ist, die­sen Blick auf die Phä­no­mene zu wagen. Wer Michel Fou­cault 1979 hört bei sei­ner Vor­le­sung, der könnte ihn für einen Pro­phe­ten hal­ten. — Unglaub­lich weit­sich­tig sind seine Ana­ly­sen. Zwi­schen »mün­del­si­cher« und »hoch­spe­ku­la­tiv« bewe­gen sich die Anla­gen, und die ent­spre­chen­den Ban­ker gewin­nen immer — ent­we­der Boni oder Sub­ven­tio­nen, um Insti­tute, die zu groß gewor­den sind, um kon­kurs zu gehen, auf­zu­fan­gen und abzustützen.

Die Sen­dung kann hier vom Deutsch­land­funk her­un­ter gela­den wer­den. Kom­men­tare sind will­kom­men. — Jeden­falls erlebe ich beim Deutsch­land­funk (und manch­mal bei Arte) diese Art anre­gen­den Jour­na­lis­mus, die ich mir auch in RTLs Mit­tags­pro­gramm wünschte, was öfters in einem Imbiss läuft und mir in der Pause den Appe­tit ver­dirbt. Diese Art von Denk­stoff gibt es viel zu sel­ten. Habe mir glatt den Fou­cault aus dem Regel geholt und nachgelesen.

Wenn es tat­säch­lich so ist, dass Argen­ti­nien, das sich 2002 für insol­vent erklärte, ein Aus­weg ist aus dem Stüt­zen sys­tem­re­le­van­ter Banken/Versicherungen, dann ist eben mit »alter­na­tiv­los«, Frau Dr. Mer­kels Lieb­lings­wort lei­der etwas unzu­tref­fen­des ange­spro­chen. Warum das Wort an sich ein Unwort ist, ler­nen wir hier bei http://​www​.neu​sprech​.org.

»Kampfradler« und Kennzeichnungspflicht im Überwachungsstaat

Peter Ram­sauer hat ein neues Thema, bei dem die Ord­nung und der Anstand gefähr­det schei­nen. Die »Kampf­rad­ler«, so habe er gemäß Inter­view in der Neuen Osna­brü­cker Zei­tung beob­ach­tet, miss­ach­te­ten unter den Augen von Poli­zis­ten rote Ampeln und jede Ver­kehrs­re­gel. — Allein das letz­tere kann nicht ganz ernst gemeint sein: Da es poten­zi­ell sehr viele Regeln gibt, zumal im inter­na­tio­na­len Ver­gleich, ist es unwahr­schein­lich, dass Herr Ram­sauer beob­ach­tet hat, wie jede ein­zeln und nach­ein­an­der über­tre­ten werde.

Wenn aber der logi­sche Kate­go­ri­en­feh­ler (All­quan­tor »alle Regeln wur­den gebro­chen«  statt »es gibt Regeln, die gebro­chen wur­den«) güns­tigs­ten­falls eine Aus­druck der Nach­läs­sig­keit seien mag, so ist zu befürch­ten, dass es sich um einen Vor­satz han­delt, um zu dra­ma­ti­sie­ren. Schon Klem­pe­rer wusste, dass der Blick auf die Spra­che zur Beur­tei­lung von Poli­tik hel­fen kann. Im Arti­kel des Tages­spie­gels, hier, kommt ent­spre­chend die Gewerk­schaft der Poli­zei zu Wort. Die For­de­run­gen sind die übli­chen: Kenn­zeich­nung (nicht für die Poli­zis­ten, son­dern für die Rad­fah­ren­den bzw. deren Räder), Stei­ge­rung der Buß­gel­der (auf das Niveau wie bei Kraft­fah­ren­den). Wei­ter­le­sen

über David und Goliath — vor einer Woche!

Heute vor einer Woche war auf einer Bühne an der Expo-Plaza eine Mas­sen­szene zu dre­hen geplant. Freunde such­ten Mit­wir­kende, Sta­tis­ten … über das Inter­net. Ich hatte bis rund 17 Uhr zu arbei­ten und um 19:30 Uhr die »Gottesdienst-Werkstatt« in der Gemeinde. Die Zeit dazwi­schen habe ich den »Machern« ange­bo­ten. Rund ein Dut­zend Sta­tis­ten saß bereits im Foyer herum als ich ein­traf. Und dann kam auch die Crew.

Eine kurze Ein­füh­rung folgte, was das eigent­lich für ein Film sei… Man habe näm­lich am Diens­tag um 10 Uhr früh das Thema vom Ver­an­stal­ter bekom­men, und seit die­sem Zeit­punkt stän­den ins­ge­samt 99 Stun­den Zeit zur Ver­fü­gung, bis der fer­tige Film — Dauer: 99 s — abge­ge­ben wer­den müsse. Aller­dings sei es, wie sich bei der Lek­türe des Klein­ge­druck­ten raus­stellte, doch eine ziem­li­che Aus­beu­tung: Man lasse Tau­sende Teams über­all im Land Filme erstel­len, ver­gebe für drei Bei­träge Preise und sichere sich alle Rechte aller ein­ge­reich­ten Bei­träge. Und eben das wolle die­ser Film the­ma­ti­sie­ren. Nun gehe es um eine Szene mit einem Pro­test­song, und wir müss­ten alle ent­spre­chend mit­schun­keln und dann mit dem Fuß kräf­tig auf­stamp­fen… — Schließ­lich kamen wir in die Pro­ben­bühne, und als auch die Tech­nik Strom hatte, musste ich los zur Got­tes­dienst­werk­statt in der Gemeinde. Aber: Die Geschichte ging zügig weiter…

Inzwi­schen behark­ten die Aus­rich­ter des Wett­be­werbs die han­no­ver­schen Kol­le­gen bereits juris­tisch. Der Vor­wurf der Ver­leum­dung steht im Raum. - Wie war das mit dem gewal­ti­gen Schild und Speer (bei Goli­ath)?  Eben: Ein­schüch­te­rungs­ver­su­che gab es ja auch bereits bei den Phi­lis­tern, bei David und Goli­ath. Und bekannt­lich freut es alle, wenn man­cher Riese uner­war­tet umfällt, muss ja nicht mit einem Loch in der Stirn sein. Könnte auch schon genü­gen, ein­fach mal die Teil­nah­me­be­din­gun­gen und AGB zu ver­än­dern!? Jeden­falls ist der Bei­trag über 14.000 mal ange­klickt seit er bei youtube steht und ist der meis­tauf­ge­ru­fene Film zu die­sem 99 Sekunden-Thema.. Achso, ich soll das Ver­lin­ken oder Ein­bet­ten? Hier!

Gege­be­nen­falls reicht es ja schon, dass einer kommt wie in der fünf­ten Stro­phe Mat­thias Clau­dius’ Gedicht »David und Goliath«:

»Da kam in sei­nem Schä­fer­rock
Ein Jüng­ling zart und fein;
Er hatte nichts als sei­nen Stock,
Als Schleu­der und den Stein,
Und sprach: ›Du hast viel Stolz und Wehr,
Ich komm im Namen Got­tes her.‹«

Damit kön­nen die Kol­le­gen von Amano ja immer­hin die­nen… Und wenn nicht David und Goli­ath, so doch zumin­dest Streisand-Effekt.

über Konversionen.

Die­ser Arti­kel in La Stampa berich­tet, dass ein Mit­glied der Kuwai­ti­schen Königs­fa­mi­lie zum Chris­ten­tum kon­ver­tiert sei und nun um sein Leben fürchte. Bedau­er­li­cher­weise ist es noch immer so, dass Reli­gi­ons­frei­heit, und zwar posi­tiv (als Frei­heit zu einer Reli­gi­ons­aus­übung) wie nega­tiv (als Frei­heit von reli­giö­ser Bin­dung) vie­len Men­schen nicht mög­lich ist. In eini­gen Regio­nen die­ser Erde mei­nen Men­schen an der Macht, dass sie den Glau­ben ande­rer bestim­men könn­ten. Zumin­dest ver­sucht man, Kon­ver­sio­nen zu bestrafen.

Mir scheint, dass ein Wech­sel des Glau­bens mit­un­ter pas­sie­ren kann, ja muss. Wenn jemand Christ wird, kann er vor­her alles denk­bare andere gewe­sen sein. Auch denk­bar, dass jemand vom Chris­ten zum Hei­den wird, weil ihm oder ihr der Glaube abhan­den kommt. Kon­ver­sio­nen kom­men vor. Man­cher wird Mos­lem, man­che wird Jüdin, Hindu oder was auch immer. Dass es für jeman­den, ob nun poli­ti­scher Macht­ha­ber oder über­zeug­ter Gemeinde-Mitarbeitender, dem Glaube wich­tig ist, eine wich­tige Ent­schei­dung ist, wohin jemand kon­ver­tiert, wenn damit eben auch »heils­re­le­vante« Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den, könnte er oder sie auf die Idee kom­men, hier unlieb­same Kon­ver­sio­nen unter höchste Stra­fen zu stel­len. Selbst das aber bringt nichts.

Ich freue mich, wenn jemand Christ wird. — Und ich achte alle, die ander­wei­tig kon­ver­tie­ren. Ich finde es teils über­aus schade, aber ich achte die Frei­heit der ande­ren höher als meine Ein­schät­zung der mög­li­chen Fol­gen. Wenn ich einem gewe­se­nen Chris­ten, der jetzt Mos­lem ist, helfe, auch helfe, ein bes­se­rer Mos­lem zu wer­den, dann kann ich ihm etwas von Got­tes Liebe, die ich glaube, widerspiegeln.

Für mich ist der Bericht in La Stampa eine Steil­vor­lage für ein Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn Kanz­le­rin Dr. Mer­kel zum Islam kon­ver­tierte? Wei­ter­le­sen

Wo bleibt denn die GEMA, wenn man sie mal braucht?

Die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, dass bei einer Kund­ge­bung natio­nal­so­zia­lis­tisch Geson­ne­ner als »Chif­fre« nun der Titel­song aus Paul­chen Pan­ther gesun­gen wurde. Diese Musik wurde von der Zwi­ckauer Nazi-Zelle (»NSU«) in ihren Beken­ner­vi­deos als Hin­ter­grund­mu­sik gewählt.

Zutref­fend stellt die Süd­deut­sche dar, dass man ja schlecht, bloß weil bestimmte Chif­fren in rech­ten Krei­sen gebraucht wür­den, Buch­sta­ben des Alpha­bets (wie »AH« oder 18 (die ent­spre­chen­den Zahl­werte) für Adolf Hit­ler oder »HH«/88 für »Heil Hit­ler«) oder Zif­fern ver­bie­ten könne. — Das ginge in der Tat zu weit. Was aber hin­dert eigent­lich daran, bei urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Wer­ken, die­je­ni­gen zur Kasse zu bit­ten, die diese öffent­lich auf­füh­ren, ohne hier­für befugt zu sein? Die ent­spre­chende GEMA-Direktion ist doch gar nicht weit vom Ort der Kund­ge­bung in Mün­chen entfernt?

Wenn ent­spre­chende Bescheide wie bei den Later­nen­um­zü­gen von Kin­der­gär­ten an die Par­teien und die (sicher nach den ein­schlä­gi­gen Über­wa­chungs­vi­deos aus­zu­ma­chen­den) Ein­zel­sän­ger zuge­stellt wür­den, wäre es doch end­lich mal eine krea­tive Aus­le­gung des ros­ti­gen Urheberrechts-Säbels.

Merke: Da, wo straf­recht­lich keine Hand­habe ist, bleibt immer noch der zivil­recht­li­che Weg. Viel­leicht haben ja die Urhe­ber bestimmte Auf­füh­rungs­ein­schrän­kun­gen ver­fügt? Dann bliebe noch die (kos­ten­be­währte) Unterlassungsverfügung…

Neben­bei: Als ich Paul­chen Pan­ther las, dachte ich erst­mal als Peter Pan­ter, eines der Pseud­onyme Kurt Tuchols­kys, um die Welt­bühne nicht zu Tucholsky-lastig erschei­nen zu las­sen… Dass die Rechts­ge­rich­te­ten seine Songs sän­gen, hätte mich ver­wun­dert. Wäre aber zumin­dest (dank sei­nes Sui­zids vor mehr als 70 Jah­ren) urhe­ber­recht­lich unbedenklich.

Ich wollt es wäre Kund­ge­bung und die GEMA käme.

Warum »Fruchtaufstrich« statt »Marmelade«…

Diese Mar­me­lade ist ein »Fruchtaufstrich«

 

Lebens­mit­tel­recht ist ein Gebiet für sich. Da wer­den die Claims sau­ber abge­steckt. Da muss das Fleisch durch halb Europa gefah­ren wer­den, um dann in Parma o.ä. zum Schin­ken zu wer­den. Feta ist eben nicht aus Kuh­milch (und darf nicht irgend­wo­her kom­men) und Mar­me­lade muss gekocht wer­den. Und wenn sie nicht gekocht wird? — Dann ist es eben keine Mar­me­lade. Dann heißt das eben »Frucht­auf­strich«: Das macht den Oran­gen gar nichts. Nicht ein­mal mir, dem Kon­su­men­ten, macht es etwas. Ich finde, dass die Pro­dukte der Dänen ganz im Gegen­teil sehr emp­feh­lens­wert sind, auch dann, wenn es sich eben nicht um Mar­me­lade handelt.

Wenn jemand weiß, wie es mit dem bri­ti­schen Lebens­mit­tel­recht ist: Muss »mar­me­lade« (eng­lisch) auch gekocht wer­den? Wie sieht das mit »jam« aus? — Dänen lügen nicht, und ich schere mich nicht drum, wie der Auf­strich heißt. Haupt­sa­che ist, dass er schmeckt.

fixe Fahrlehrer auf dem Weg zum Fast Food


Grö­ßere Kartenansicht

heute fuhr ich in der Mit­tags­pause hin­ter eini­gen Fahrschul-PKW, die sämt­lich vom Park­platz des Fahr­leh­rer­ver­bands Nie­der­sach­sen kamen: Der liegt direkt mei­ner Arbeits­stätte gegen­über. Ich war unter­wegs zu eini­gen Ein­käu­fen auf der Karls­ru­her Straße und fuhr dann über die Kreu­zung Krons­ber­ger Straße in Rich­tung Han­no­ver. Hin­ter der frü­he­ren »Feu­er­wa­che« ist eine Filiale der fast food Kette McDonald’s gele­gen. Allein: Man darf nicht auf den McD-Parkplatz abbie­gen, denn da ist eine Sperr­flä­che und etwas spä­ter eine durch­ge­zo­gene Linie. Etwa ein­hun­dert Meter wei­ter darf man, denn dort ist die Linie dann nicht mehr durch­ge­zo­gen, auf den Park­platz der Esso-Tankstelle kann man fahren.

slow food im Kunst­mu­seum Wolfsburg

Unmit­tel­bar vor mir fuh­ren jeden­falls vier Fahrschul-PKW über die durch­ge­zo­gene Linie auf den Mc-D.-Parkplatz. — Ich war ver­blüfft und fuhr mei­nes Weges. Alle Tiere sind gleich, nur man­che sind glei­cher (Farm der Tiere) bzw. »quod licet iovi non licet bovi« (»Was Jupi­ter darf, das darf der Ochs noch lange nicht…«)

Aber was soll es, wenn man Internet-Verhinderer, die immer­hin copy & paste beherr­schen, zu EU-Internet-Beratern macht, warum dann nicht Fahr­leh­rer als »Ver­kehrs­sün­der« bzw. als abschre­ckende Bei­spiele. Fehlt eigent­lich bloß noch, dass Robert Mugabe zum UN-Menschenrechtsbeauftragten ernannt wird…

Mehr wäre viel­leicht auch zu viel erwar­tet. Tra­gisch finde ich, dass vier PKW bestä­ti­gen, dass der Geschmack nie­der­säch­si­scher Fahr­leh­ren­der mit dem fast food von Mc.-D. kom­pa­ti­bel sind. Gegen­bei­spiel gefäl­lig? Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag war ich in Wolfs­burg im Kunst­mu­seum, um die Henri Cartier-Bresson Aus­stel­lung anzu­se­hen. Das Museum öff­nete erst um 11 Uhr, so blieb Zeit, vor der Öff­nung einen Cap­puc­cino im Muse­ums­re­stau­rant zu trin­ken: Und siehe da: Slow Food ist ange­sagt. Wäre doch etwas für Fahrlehrer?

Es geht um Vertraulichkeit und Intimität…

Heute kommt der »runde Tisch« zum Thema sexu­el­ler Kin­des­miss­brauch zu sei­nem Abschluss. Dass Geschlecht­lich­keit viel­fach mit Scham ver­bun­den ist, mit Pri­vat­heit, ist spä­tes­tens seit der Schurz­pro­duk­tion Adams und Evas nichts neues. Dass Selbst­be­stim­mung in die­sem Bereich wich­tig ist, scheint mitt­ler­weile klar. Dei Kopp­lung gerade kirch­li­cher Über­grif­fig­keit ist ein Elend, das, nach­dem es öffent­lich ruch­bar wurde, zahl­rei­che Aus­tritte aus­ge­löst hat. Sicher nicht bei denen, die kein Heil außer­halb der römisch-katholischen Kir­che sehen, wohl aber bei sol­chen, die inner­lich längst dis­tan­ziert waren und einen Trop­fen brauch­ten, der das Fass zum über­lau­fen brachte.

Eigent­lich geht es mir um die Par­al­lele zwi­schen sexu­el­ler Selbst­be­stim­mung und infor­ma­tio­nel­ler Selbst­be­stim­mung. Dass Den­ken und Spre­chen eben nicht immer für die Öffent­lich­keit bestimmt ist — wie die­ser Blog­bei­trag — scheint denen, die da Daten-übergriffig sind, kein Frage zu sein. Der Arbeits­kreis Vor­rats­da­ten­spei­che­rung hat den »Leit­fa­den zum Daten­zu­griff« der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Mün­chen ver­öf­fent­licht. Hin­sicht­lich der staat­li­chen Über­grif­fig­keit ist von Ver­trau­lich­keit und Inti­mi­tät nicht mehr aus­zu­ge­hen. Hier ist das pdf-Dokument. Dass auch recht­lich das Eis sehr dünn (bis nicht vor­han­den) ist, auf dem einige der Maß­nah­men fußen, lässt sich im Kom­men­tar in Rechts­an­walt Vet­ters Law­blog nach­le­sen. Ent­rüs­tet ist der AK Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Wei­ter­le­sen

Demo statt Konzert als Ausweg: Falkenkeller Barsinghausen gestern…

Nach­dem ich bereits län­ger kein Kon­zert von Sel­more Driveby gehört hatte, fand ich, es sei mal wie­der an der Zeit. Der Video bei Youtube spricht mich an, und auch, wenn »Post Hard­core« nicht so ganz meine Musik ist — die würde ich eher im akus­ti­schen Jazz ver­or­ten -, so ist es wun­der­bar, Über­zeu­gungs­tä­ter live zu hören, die offen­bar auch Spaß an dem haben, was sie machen.

Jeden­falls gab es über­ra­schend zwei Kon­zerte die­ser Band in der letz­ten Woche. Am Don­ners­tag konnte ich nicht, also beschloss ich, am Sams­tag nach Bar­sin­g­hau­sen in das Kon­zert zu fah­ren. Hier­für nahm ich gerne den Weg in Kauf und »Fal­ken­kel­ler« — naja, nicht unbe­dingt mein bevor­zug­ter Kon­zer­t­ort… Oft sind poli­tisch gut gemeinte Ver­an­stal­ter nicht unbe­dingt die­je­ni­gen, die die beste Akus­tik bieten.

Jeden­falls las ich von den güns­ti­gen Geträn­ke­prei­sen und der Ver­an­stal­tung hier. Was ich nicht las, war, dass das Kon­zert wegen bau­po­li­zei­li­cher Auf­la­gen nicht im Fal­ken­kel­ler statt­fin­den konnte, weil dort nur maxi­mal 15 Per­so­nen zugleich zuge­las­sen seien. — Also bean­tragte man eine Kund­ge­bung und nach Sprach­bei­trä­gen, die ins­be­son­dere auch die Anschläge von poli­tisch rech­ter Seite auf den Fal­ken­kel­ler erwähn­ten. Die Spre­cher emp­fan­den auch die bau­po­li­zei­li­chen Auf­la­gen bzw. Anord­nun­gen als Schi­kane und baten um Soli­da­ri­tät. Nach­dem es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit poli­tisch Rechts­ge­sinn­ten gekom­men war, wohl mit Ver­letz­ten, fand die Kund­ge­bung mit Poli­zei­schutz statt. Wei­ter­le­sen

zur Kleinen Anfrage der Linksfraktion zum »Staatstrojaner«

Ich bin über die Ant­wort zur Klei­nen Anfrage den Staats­tro­ja­ner betref­fend, ent­setzt. So viel tech­ni­sche Igno­ranz und der­ar­tige poli­ti­sche Nebel­ker­zen finde ich demo­kra­tisch unan­ge­bracht und ich fühle mich auf den Arm genom­men. Das kann doch nicht alles sein, dass man in der Regie­rung aus der Presse infor­miert wird. Und dass man nicht ein­mal die z.B. Ver­öf­fent­li­chun­gen des Chaos Com­pu­ter Clubs hin­rei­chend gründ­lich gele­sen hat.

Ich sehe ja ein, dass es gewisse Sicher­heits­in­ter­es­sen gibt und dass auch z.B. tech­ni­sche Details viel­leicht ein­fach nicht kom­pe­tent geprüft wur­den. Wenn das aber so ist, dann wäre es um so wich­ti­ger, dass man das zugibt, wo es vor­kam, und schleu­nigst nachholt.

Die Kleine Anfrage mit den Ant­wor­ten im Ori­gi­nal gibt es hier. Dies Doku­ment muss man sich auf der Zunge zer­ge­hen las­sen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehr­zahl der Abge­ord­ne­ten mit so etwas zufrie­den gibt!? Auch wenn man in Betracht zieht, dass Kleine Anfra­gen und andere par­la­men­ta­ri­sche Bräu­che natür­lich auch stets ein Mit­tel der Mei­nungs­ma­che sind, so darf man sich als Regie­rung doch nicht der­ma­ßen vor­füh­ren las­sen, indem man Igno­ran­ten an die Abfas­sung ent­spre­chen­der Ant­wor­ten setzt.

Ich ver­weise in die­sem Zusam­men­hang auf den Kom­men­tar Felix von Leit­ners (»Fefe«), der schreibt:

»Oh und die CCC-Demonstration, als wir den Tro­ja­ner mit unse­rem GUI-Tool fern­steu­er­ten, und sogar einen Fake-Trojaner bau­ten, der dem BKA-GUI-Tool fal­sche Daten unter­schie­ben kann, die … leug­nen sie einfach!

Die Bun­des­re­gie­rung bezeich­nete die Mög­lich­keit, dass der Daten­strom abge­hört wer­den könne, nun als »rein theo­re­ti­sche« Mög­lich­keit, für die Fach­wis­sen und Zeit nötig seien, die eine über­wachte Per­son wohl eher nicht habe.

Ich habe das zufäl­lig aus der Nähe gese­hen. Der Code, um einen vor­bei­rau­schen­den Kon­troll­ka­nal zu ent­schlüs­seln, passt in eine tra­di­tio­nelle Email-Signature:

my $key = »\x49\x03\x93\x08\x19\x94\x96\x94\x28\x93\x83\x04\x68\x28\xa8\xf5«.
«\x0a\xb9\x94\x02\x45\x81\x93\x1f\xbc\xd7\xf3\xad\x93\xf5\x32\x93«;
my $cipher = Crypt::Rijndael->new( $key, Crypt::Rijndael::MODE_ECB() );
my $plain = $ciper->decrypt($daten);

Der Code für den kom­plet­ten Fake-Trojaner, der fal­sche Screen­shots zurück­lie­fert, waren unter 100 Zei­len Perl.«

Das ist in der Tat bloß die Spitze des Eis­bergs. Es för­dert mei­nen Ver­druss nicht an der Poli­tik als dem, was alle oder eine große Anzahl betrifft, wohl aber an denen, die der­zeit Poli­tik machen. So viel Ahnungs­lo­sig­keit finde ich unverantwortlich.

Zum Regensburger Maulkorb…

Gerade ist der Refor­ma­ti­ons­tag vor­bei­ge­gan­gen und kaum einer hat es bemerkt, weil es eben kein Fei­er­tag mehr ist — außer in eini­gen »mit­tel­deut­schen« Län­dern. Da for­derte bekannt­lich Luther eine Reform an Haupt und Glie­dern der Kir­che. Er wollte die beste­hende refor­mie­ren, was ent­stand, das ist eine Kon­fes­si­ons– und Deno­mi­na­ti­ons­fa­mi­lie, eben die der pro­tes­tan­ti­schen Kirchen.

Mir scheint über­all dass da, wo es falsch läuft in Kir­chen, einer gründ­li­chen Umkehr (meta­noia) bedarf. - Dass es zu allen Zei­ten (außer in den letz­ten Zei­ten, wenn man dem Apo­ka­lyp­ti­ker Johan­nes glau­ben darf) etwas gibt, wo es falsch läuft, liegt auf der Hand: Schließ­lich sind es Men­schen, die da han­deln, und die haben oft auch eigene, ganz mensch­li­che, Inter­es­sen, die sie ver­fol­gen. Nach den Miss­brauchs­fäl­len in katho­li­schen Ein­rich­tun­gen gab es in den Jah­ren 2009 und 2010 erd­rutsch­ar­tige Aus­tritts­zah­len. Nie­mand steht gerne am Pran­ger, das kann ich gut verstehen.

Ich meine aber, dass es wenig ange­bracht ist, hier mit juris­ti­schen Mit­teln zum Bei­spiel Jour­na­lis­ten unter­sa­gen zu las­sen, bestimmte (Meinungs-)Äußerungen zu ver­brei­ten. Das ist ein ganz unge­eig­ne­tes Mit­tel, um Scha­den vom Evan­ge­lium und von der Kir­che abzuwenden.

Inso­fern bin ich froh, über die­sen klä­ren­den Arti­kel, in dem regensburg-digital berich­tet, wie erst ein zweit­in­stanz­li­ches Urteil, das durch groß­zü­gige Lesen­den­spen­den ermög­licht wurde, die Mei­nungs­äu­ße­rung den Jour­na­lis­ten gestat­tet. Wei­ter­le­sen

Zum Vorlesetag am 18. November

Die »Stif­tung Lesen« hat nicht nur einen Bericht vor­ge­stellt, in dem gezeigt wer­den kann, dass Kin­der, denen regel­mä­ßig vor­ge­le­sen wird, ca. eine halbe Schul­note bes­ser in Mathe­ma­tik abschnei­den als andere. Nein, die Stif­tung bläst zum hei­ßen Herbst, mit dem Vor­le­se­tag am 18. Novem­ber. Die­ses Datum wird mit einer eige­nen Domain bewor­ben und auch mit fer­tig gestal­te­ten Mate­ria­lien, Pla­ka­ten, Foto-Einverständniserklärung und online-Anmeldung. Die Bahn und die Wochen­zei­tung »Die Zeit« för­dern das Pro­jekt des Vorlesetags.

Nun bin ich ein gro­ßer Freund des Vor­le­sens, aber auch einer, der nicht recht ver­ste­hen kann, wie man öffent­lich zu der­ar­ti­gen Straf­ta­ten auf­ru­fen kann: Das Lesen von urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Tex­ten in der Öffent­lich­keit kann eine Auf­füh­rung oder ein Vor­trag sein. Und ein sol­cher ist kei­nes­wegs mit dem Kauf des Buches abgegolten.

Bei eini­gen CDs eines Rezi­ta­tors mit einer Jazz­band (»Jazz­Talk mit Röh­r­kas­ten«) habe ich Erfah­run­gen sam­meln kön­nen, wie schwie­rig es ist, die ent­spre­chen­den Frei­ga­ben von den Rech­te­in­ha­bern (bzw. den von Erben­ge­mein­schaf­ten beauf­trag­ten Rechts­an­wäl­ten) zu erlan­gen. Das ist ein Heiden-Schreibkram und macht der­ma­ßen viel Arbeit, dass eine — gar öffent­li­che — Ein­la­dung zu sol­chem »Rechts­bruch« nicht drin ist.

Es sei denn, ich lese etwa Apu­leius von Madau­ras »Gol­de­nen Esel« oder ande­res Mate­rial, bei dem Autor, Über­set­zende usw. hin­rei­chend lange ver­stor­ben sind. Goe­the also und Schil­ler, Hor­varth gerade so, aber Käs­t­ner kei­nes­falls! Böll ist tabu und James Krüss sowieso. Tja, liebe Kin­der, gebt fein Acht — ich hab euch etwas mit­ge­bracht, und das ist min­des­tens sieb­zig Jahre alt (sofern der Autor/die Auto­rin unmit­tel­bar anschlie­ßend der Lite­ra­tur einen Dienst erwie­sen hat, indem er/sie es vor­zog abzu­le­ben). Sollte aber es sich um ein Jugend­werk han­deln und der Urheber/die Urhe­be­rin lange leben, dann folgt, dass diese Texte lei­der unge­eig­net sind für den Vor­le­se­tag. Pech gehabt. — Es könnte frei­lich auch pas­sie­ren, dass inzwi­schen von der VG Wort (die am Markt ja reich­lich ver­füg­ba­ren) stu­dier­ten Geisteswissenschafter/innen wie GEZ-Kontrolleure oder GEMA-Informanten aus­schwär­men, um die Vorlesetag-Veranstalter anschlie­ßend mit ent­spre­chen­den Rech­nun­gen zur Kasse zu bitten:

»Sehr geehrte Lei­te­rin der Kin­der­ta­ges­stätte X in Y,
durch öffent­li­che Ein­la­dung haben Sie für den 18. Novem­ber 2011 zu einem so genann­ten Lese­tag ein­ge­la­den. Hier­bei wur­den u.a. zwei Kin­der­ge­dichte der von uns ver­tre­te­nen Auto­ren Z und A öffent­lich aufgeführt/vorgetragen. Hier­für besa­ßen Sie keine Frei­gabe der Rech­te­in­ha­ber, wir erlau­ben uns daher, Ihnen unsere Unter­las­sungs­er­klä­rung zur Unter­schrift zuzu­sen­den, zusam­men mit einer Rech­nung über BCD Euro.
Soll­ten Sie …«

Möch­ten Sie oder möch­test Du das, lie­ber Leser? Nein? Ja, dann emp­fehle ich, ganz schnell Texte aus der Reclam Uni­ver­sal­bi­blio­thek zu beschaf­fen und alles zu unter­las­sen, was zu sol­chen »Miss­ver­ständ­nis­sen« füh­ren könnte. Lesen, gar laut, in der Bahn übri­gens, kann auch noch gegen deren Beför­de­rungs­be­din­gun­gen ver­sto­ßen, weil es ja ein »unan­ge­mel­de­ter Vortrag«/»Erbringung von Leis­tun­gen« in den Zügen ist. Lesen ist sil­ber, Schwei­gen ist Gold.

Wer nun meint, dass ich hier über­triebe, dem sei die­ser Arti­kel emp­foh­len, der die Ver­gü­tung der Schu­len an die Rech­te­in­ha­ber nicht bloß wirt­schaft­lich regelt, son­dern die Schu­len zwingt, auf 1 % aller Com­pu­ter einen »Schul­tro­ja­ner« zu instal­lie­ren, der so genannte »Pla­giate«, also nicht urhe­ber­recht­lich abge­gol­tene Texte, Bil­der, Musik … zu erken­nen und zu mel­den. Ja, es gibt eine Menge Beam­ten­recht­li­cher und sons­ti­ger Rechte, die hier tan­giert wer­den. Und das alles, weil es bis heute kein ver­nüf­ti­ges Imma­te­ri­al­gü­ter­recht gibt. Liebe Juris­tin­nen und Juris­ten, wäre das nicht mal ein Feld, auf dem eine Lösung drin­gend erfor­der­lich ist? Wir kön­nen doch nicht län­ger so tun, als wären »Pla­giate« mit den Mit­teln der Goe­the­zeit nach­ge­druckte Bücher, wenn jemand ein Dia­gramm aus dem Schul­buch scannt und in seine Fach­ar­beit ein­fügt! Natür­lich kann man erwar­ten, dass der Schü­ler den Ver­lag anschreibt, den Rech­te­in­ha­ber der Gra­phik aus­fin­dig macht, mit die­sem sich pri­vat­recht­lich einigt, und, sagen wir mal 5,80 EUR + 7 % Mehr­wert­steuer über­weist. Bloß muss dann die Zeit zur Abfas­sung ent­spre­chen­der Arbei­ten deut­lich aus­ge­dehnt wer­den, denn ich weiß aus eige­ner Pra­xis, wie lange so etwas dau­ern kann.

Abschlie­ßend ein letz­ter Vor­schlag: Wer ein Net­book sein eigen nennt, evtl. einen UMTS-Zugang hat, kann auch ein­fach aus die­ser Seite, mei­nem Sudel­web vor­le­sen, ein­fach mei­nen Namen und die Inter­net­adresse nen­nen, zum Bei­spiel nach der Lesung oder am Anfang, und alles ist gut, denn die Texte hier ste­hen unter Crea­tive Com­mons Lizenz.

und noch einmal: Bayerntrojaner

In sei­nem »Internet-Law«-Blog schreibt RA Tho­mas Stad­ler, immer­hin aus Frei­sing in Bay­ern, dass ent­we­der die Staats­re­gie­rung die Öffent­lich­keit falsch infor­miert hat oder vom Lan­des­kri­mi­nal­amt falsch infor­miert wurde, was die Anzahl der Ein­sätze so genann­ter Tro­ja­ner — angeb­lich zur Quellen-Telekomunikationsüberwachung — angeht.

Dabei geht es nicht um die »Abwei­chun­gen im klei­nen 1x1«, son­dern es geht darum, dass Öffent­lich­keit und Land­tag belo­gen wur­den. Das ist nicht hinzunehmen.

»Die jetzt ein­ge­räum­ten 22 Fälle bezie­hen sich nach dem Bericht der SZ auf sol­che Ermitt­lun­gen, bei denen zusätz­lich zur Quellen-TKÜ alle paar Sekun­den heim­lich Browser-Screenshots ange­fer­tigt und an das LKA geschickt wur­den.« (hier)

Diese Pra­xis, dass sich bewusst über gel­ten­des Recht und rich­ter­li­che Anord­nun­gen hin­weg­ge­setzt wird, nennt Heri­bert Prantl in der SZ »eine neue Form von Staats­kri­mi­na­li­tät«.

Ich ver­stehe ja, dass Staats­an­walt­schaft, Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter und ermit­telnde Beamte sie­gen möchte, über das Ver­bre­chen oder wor­über immer. Aber auch hier ist es wie im Sport: Es geht ums Fair Play. Wer unfair spielt, dem wird der Sieg aber­kannt. Und hof­fent­lich nicht bloß von der Sports­ge­richt­bar­keit: Was bei der Frank­reich­rund­fahrt gilt, das sollte auch für Lan­des­kri­mi­nal­äm­ter gel­ten: Kein Doping!

Weil aber der Staat gerade davon lebt, dass die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die ja angeb­lich der eigent­li­che Sou­ve­rän sind, Rechte, ins­be­son­dere Gewalt­rechte und das Gerichts­we­sen (also das Ver­fol­gen von Ver­bre­chen zum Schutz des Gemein­we­sens und der Ein­zel­nen), an den Staat deli­giert, ist die­ser Ver­trau­ens­bruch beson­ders zu tadeln. Das geht nicht. Wenn der Staat so mit den ihm anver­trau­ten Rech­ten umgeht und Schind­lu­der treibt, dann ist es nicht ver­wun­der­lich, wenn ein­zelne oder Grup­pen im Staat ihm Ver­trauen und Gefolg­schaft auf­kün­di­gen. — Und das braucht man dann — staat­li­cher­seits — nicht gleich als »Ter­ro­ris­mus« zu bezeich­nen. Es ist nicht mehr und nicht weni­ger als die Auf­kün­di­gung eines Ver­trags durch eine der Ver­trags­par­teien. Und zwar wegen Ver­trags­ver­let­zun­gen durch den Staat.

Ich hoffe, dass es dahin nicht kom­men muss. Wenn Anwälte und Bür­ger­recht­le­rIn­nen schon auf die Bar­ri­ka­den gehen, glück­li­cher­weise bis­her vor allem ver­bal, dann erin­nert mich das an das Ende der DDR 1989 — auch da führte Über­wa­chung nicht zu mehr Iden­ti­fi­ka­tion der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mit »ihrem« Staat. Mir scheint, dass die Per­sön­lich­keits– und Frei­heits­rechte die Basis für jedes Gemein­we­sen bil­den (sollten).

»wer weiß etwas über frank webers privatleben«?

Such­an­frage

Die Such­an­fra­gen, die auf mein Sudel­web füh­ren, bekomme ich ange­zeigt. Dass sich Men­schen für Anspra­chen zur Sil­ber­hoch­zeit inter­es­sie­ren, gut, das finde ich nicht unge­wöhn­lich. Dass das Gedächt­nis­mahl (in den Jah­ren 2010 und 2011) gesucht wurde, finde ich auch nicht ver­blüf­fend. Bei Zeu­gen Jeho­vas, Ange­hö­ri­gen usw. ist das ein wich­ti­ges Thema.

Dass ein Pro­fes­sor für Ton­meis­ter­aus­bil­dung gesucht wird, gut. Aber: In der letz­ten Zeit gab es mehr­fach Suchen nach »frank webers pri­vat­le­ben«… Ich finde das des­halb ver­blüf­fend, weil ich mich so gar nicht als »Promi« emp­finde. Jeder kann es sehen oder fra­gen — ich stehe auf der Seite mit kom­plet­ten Adress– und Tele­fon­da­ten, ebenso im Tele­fon­buch und bin auch im Netz leicht zu finden.

Sollte ich mich geschmei­chelt füh­len, weil jemand mehr­fach — oder gar meh­rere — danach suchen, wie ich »pri­vat« lebe? Bei mir ist ja das Motto im Sudel­web — und auch dar­über hin­aus — »fra­gen kos­tet nichts«. Alle, die sich also für mehr oder wei­te­res inter­es­sie­ren, kön­nen ja ein­fach mal nach­fra­gen. Ein paar Details aber, um das Inter­esse zu ködern (wer weiß, viel­leicht ist das Inter­esse an mei­nem »Pri­vat­le­ben« auch für mich von Interesse):

Ich schätze gute Bücher, Lite­ra­tur, Theo­lo­gie, Phi­lo­so­phie, gute (beson­ders schwarz-weiße) Pho­to­gra­phien, lebe in Hannover-Anderten und arbeite in Laat­zen. Ich bin ledig, schätze Jazz und Kam­mer­mu­sik, die ich auch auf­nehme. Einige Fächer in mei­nem CD-Regal fül­len meine Auf­nah­men von Spra­che und Musik. Einige Zeit ver­bringe ich mit der Gemeinde, dem Haus­kreis, der »Klei­nen Gruppe« usw. Meine Geschwis­ter, Eltern und mei­nen < 2-jährigen Nef­fen schätze ich sehr. Ich koche gern, auch ohne Fleisch. Für einen Ein-Personen-Haushalt finde ich mich mit zwei 10 l Töp­fen nicht über­mä­ßig aus­ge­stat­tet: Oft habe ich Gäste und genieße es, Freunde im pri­va­ten Umfeld zu tref­fen. Der­zeit bin ich beruf­lich und auch pri­vat viel im Inter­net unter­wegs, wenn­gleich ich immer mal wie­der einen Aus­stieg erwäge: Nach Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, Lausch­an­grif­fen und Bayern-Trojaner fühle ich mich manch­mal wie die, in deren Woh­nung ein­ge­bro­chen wurde, so dass sie selbst nicht mehr hin­ein möch­ten und schließ­lich umzie­hen: Das Netz hat lange schon seine Unschuld ver­lo­ren. Ich notiere Gedan­ken — wenn nicht wirk­lich öffent­lich (wie hier) — eher in Moleskin-Notizbüchern mit Füll­fe­der­hal­tern. Auch mei­nen Kalen­der führe ich wie­der auf Papier — und habe meine Kalen­der seit min­des­tens 1982 in die­ser Weise archiviert.

Ich schreibe hier über vie­les, aber es gibt Berei­che, über die ich nicht schreibe. Wenn sol­che The­men jeman­den ver­tie­fend inter­es­sie­ren, bitte ich ein­fach nach­zu­fra­gen — wenn’s nicht der Innen­mi­nis­ter ist… — Ein­mal im Ernst: Wahr­schein­lich sucht jemand nach dem Pri­vat­le­ben eines ande­ren glei­chen Namens… Ich sollte mich viel­leicht weni­ger wich­tig nehmen…

Unfrisierte Gedanken zu »amtlichen« Trojanern

Vor lau­ter Küchen­kram und Lyrik kam ich bis­her lei­der nicht dazu, über den »Fund« des Chaos Com­pu­ter Clubs (ChCC) zu blog­gen. Fefe, Sys­tem­ana­ly­ti­ker und EDV-Sicherheitsspezialist in Ber­lin, ist beim ChCC aktiv und sam­melt in sei­nem viel­ge­le­se­nen Blog »Ver­schwö­rungs­theo­rien«, er schreibt:

»Wenn die­ser Tro­ja­ner auf einem Rech­ner instal­liert ist, steht der danach für jeden offen wie ein Scheu­nen­tor, ganz ohne dass man einen Exploit bräuchte. Man muss nur anklop­fen und den Tro­ja­ner freund­lich bit­ten. Und das Ker­nel­mo­dul räumt allen loka­len Benut­zern Admin­rechte an. »Scheu­nen­tor« ist zu kurz gegrif­fen, um das kata­stro­phale Sicher­heits­ni­veau die­ser Soft­ware zu beschreiben.«

Inzwi­schen haben auch die eta­blier­ten Medien erkannt, wie weit der demo­kra­ti­sche Flur­scha­den reicht, den diese hand­werk­li­che Stüm­pe­rei aus Amts­stu­ben anzu­rich­ten in der Lage ist. Wei­ter­le­sen

Entlang der Straße… mäßige Bagel und H-Kennzeichen für Motorräder?

Bagel-Restaurant an der Marienstraße

Manch­mal lohnt es nicht, nach einem Ter­min nach Hause zu fah­ren, um dann gleich zum nächs­ten wei­ter­zu­rei­sen. Da bie­tet es sich an, ein­fach in der Stadt zu blei­ben, evtl. einen Kaf­fee zu trin­ken. So weit, so gut. Die Kaffee-Szene ist inzwi­schen ja viel­fäl­tig und man muss kaum befürch­ten, lau­war­mes Was­ser auf Instant-Kaffee als »Kaf­fee­spe­zia­li­tät« vor­ge­setzt zu bekom­men. Ich war in der Mari­en­straße und hatte vier­zig Minu­ten. Außer­dem stand die letzte Mahl­zeit vor Stun­den im Kalen­der. Also zum Bagel-Restaurant. Der Kaf­fee war in der Tat gut, nicht außer­ge­wöhn­lich, aber ordent­lich. Der Bagel mit Tomate und Moza­rella war lei­der weni­ger gut, da zu viel Fertig-Pesto zwei­fel­haf­ter Qualität.

Bagel habe ich bereits bedeu­tend bes­sere geges­sen. Viel­leicht lag es daran, dass der Fei­er­abend der Bedie­ne­rin nicht mehr lange auf sich war­ten ließ… Jeden­falls ist der Trick beim Bagel ja, dass es sich um einen Hefe­teig han­delt, der gekühlt gela­gert wird und durch das Kochen in (Honig-)wasser zu neuem Leben erweckt wird, bevor dann der Back­pro­zess sich anschließt. Bei Hefe­teig kann man bedeu­tende Unter­schiede aus­ma­chen. Die­ser war jeden­falls weit vom Opti­mum entfernt.

his­to­ri­sche BMW bei Fausts Grete

Eben­falls an der Straße fand sich dies alte Motor­rad, dass mich über­le­gen ließ, ob es eigent­lich auch H-Kennzeichen für gepflegte Motor­rä­der mit einem Alter von über drei­ßig Jah­ren gibt. Nach mei­nen Stu­dien müsste (etwa zu Über­füh­run­gen usw.) auch eine Zulas­sung mit roter 07-Nummer mög­lich sein, was — wie­der etwas gelernt — in Öster­reich oder Ita­lien zu Schwie­rig­kei­ten bis zum Ein­zug des Fahr­zeugs füh­ren kann, weil keine Abgaswert-Untersuchung erfor­der­lich wäre. Wer kennt sich mit Ver­kehrs­recht und Zulas­sungs­recht aus?

Warum habe ich noch nie ein Motor­rad mit »H-Kennzeichen« gesehen?

Neben­bei: Immer wie­der werde ich ja gefragt, wie eigent­lich meine Pho­tos hier ent­ste­hen. Die Ant­wort ist im vor­lie­gen­den Fall (und auch bei den letz­ten Arti­keln) ein­fach: Mit dem Handy. Nichts beson­de­res. Lei­der sogar mit ganz unan­ge­mes­se­ner Emp­find­lich­keits­ein­stel­lung, die ich ver­se­hent­lich seit einem Kon­zert­be­such auf ISO 800/30° belas­sen hatte (seit dem 29. September).

Eigent­lich war ich durch­aus zum Pho­to­gra­phie­ren unter­wegs, aber das pas­sierte dann eher mit Mit­tel­for­mat und ich habe die ent­spre­chen­den Filme bis­her nicht ent­wi­ckelt und ent­spre­chend weni­ger gescannt. Was folgt? Fürs pho­to­gra­phi­sche »Geschichten-Erzählen« nutze ich durch­aus die Kamera, die ich dabei habe. Klar, so eine Han­dy­ka­mera ist nicht doll. Aber hin­rei­chend (wenn man sich etwas mit der Nach­be­ar­bei­tung aus­kennt). Zumal dann, wenn ich mich auf die »fei­nen Bil­der« in ana­lo­ger Aus­ar­bei­tung freue.

Die beste Kamera ist — mit Chase Jar­vis und Ken Rock­well — die, die ich gerade dabei habe.

»Was wäre, wenn die EmK (UMC) beide Positionen zur Frage nach Homosexualität vereinbarte?«

Heute begebe ich mich mehr als in juris­ti­sche Grau­zo­nen. Ich habe einen Text von John Elford, Pas­tor der ev.-meth. Kir­che (UMC) in Aus­tin, Texas, USA, den er am 13. Sep­tem­ber hier ver­öf­fent­lichte, ins Deut­sche über­setzt. Meine Über­set­zung ist nicht auto­ri­siert oder geneh­migt. Sollte der Ver­fas­ser For­de­run­gen an mich stel­len oder den Text hier weg­ge­räumt wis­sen wol­len, so käme ich ent­spre­chen­den For­de­run­gen im Rah­men mei­ner Mög­lich­kei­ten nach. Mir geht es um die Anre­gung des Aus­tau­sches auch bei den­je­ni­gen, deren Eng­lisch nicht reicht, den Kom­men­tar im Ori­gi­nal zu lesen.

Frank Weber, 15. Sep­tem­ber 2011

EIN KOMMENTAR: Was wäre, wenn die EmK (UMC) beide Posi­tio­nen zur Frage nach  Homo­se­xua­li­tät vereinbarte?

John Elford, 13. Sep­tem­ber 2011

Von John Elford
Themenkorrespondent

In letz­ter Zeit las ich Arbei­ten von Peter Rollins, einem jun­ger Theo­lo­gen, der der Bewe­gung der sich ent­wi­ckeln­den Kir­chen[1] zuge­rech­net wer­den kann. Dr. Rollins ist stu­dier­ter Phi­lo­soph, mit Schwer­punkt in der post­mo­der­nen Theo­rie. Das Inter­es­san­teste ist, wie er seine Erkennt­nisse aus der phi­lo­so­phi­schen Wis­sen­schaft in seine theo­lo­gi­schen Refle­xio­nen ein­webt und ver­lo­ckende Fra­gen für die Kir­che erhebt. Wei­ter­le­sen

über gesellschaftliche Umbauten, Hartz-IV & Co.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wurde vie­les hier­zu­lande umge­baut. Wir haben seit der Ära Kohl mehr als die drei Fern­seh­pro­gramme, die pri­va­ten, allen voran der kürz­lich ver­stor­bene Herr Kirch, haben unsere Welt-Wahrnehmung deut­lich verändert.

Die Bedro­hung wird nicht mehr so sehr aus der Rich­tung der Umwelt­ver­schmut­zung gese­hen, son­dern mit dem »Clash of Civi­liza­ti­ons« ist eine neue Qua­li­tät auf­ein­an­der­pral­len­der Welt­sich­ten auf­ge­kom­men. Ob nun im Ver­hält­nis des »christ­li­chen Abend­lands« (in dem Chris­tus kaum vor­kommt) zur »isla­mi­schen Welt« oder im Fall der eiser­nen Vor­hänge in Russ­land usw. — und inzwi­schen auch in China, wo man schon Kon­fi­zius aus­gra­ben muss, um noch zu begrün­den, warum so geherrscht wird, wie geherrscht wird. Mit Mao ist das nicht mehr begründ­bar. Wei­ter­le­sen

Laizismus — Letztbegründung — Konsens?

Vor eini­gen Wochen füllte das Bild eines Öster­rei­chi­schen PR-Menschen, der sein Bild im Füh­rer­schein mit einem Nudel­sieb auf dem Kopf hatte durch­set­zen kön­nen, weil er die Lücke aus­ge­nutzt hatte, dass keine Kopf­be­de­ckun­gen zuläs­sig seien außer reli­giö­sen. Also hatte er sich der (nicht ganz ernst gemein­ten) »Kir­che des flie­gen­den Spa­ghet­ti­mons­ters« ange­schlos­sen, und damit das Nudel­sieb als reli­giöse Kopf­be­de­ckung deklariert.

Die amt­li­chen Stel­len haben sich zwei­ein­halb Jahre lang mit dem Herrn Alm her­um­ge­schla­gen (hier ein FAZ-Interview, hier ein Welt-Artikel) — und ihm schließ­lich die Fahr­er­laub­nis mit Nudelsieb-Photo aus­ge­hän­digt. Wahr­schein­lich muss er nun sein Nudel­sieb bei jeder Kon­trolle aufsetzten?

Die Welt hat unter dem Arti­kel gleich bestimmte ver­hül­lende Klei­dung im Islam erklärt — typisch. Der Spie­gel spitzt es hier auf die Lücke in der Gesetz­ge­bung zu und das ist mein eigent­li­ches Thema. Wo Men­schen zusam­men­le­ben, müs­sen sie sich arran­gie­ren. Das trifft natür­lich nicht bloß bei der Frage nach Kopf­be­de­ckun­gen auf amt­li­chen Pho­tos zu. Ich habe Ver­ständ­nis dafür, dass man­cher Athe­ist sich nicht gerne »anfröm­meln« lässt. Dass nach dem Öko­no­mie­kri­te­rium die ein­fa­chere »Welt­deu­tung« eine ist, in der kein Platz ist für (einen) Gott.

Man­ches an Bericht­er­stat­tung über Welt­an­schau­un­gen scheint mit aus die­ser Blick­rich­tung gese­hen: Wenn in Nor­we­gen Anschläge ver­übt wur­den, dann äußern sich zahl­rei­che »Exper­ten« erst in Rich­tung »isla­mis­ti­schen Ter­rors« — um dann, zwei Tage spä­ter, das andere schwarze Schaf des christ­li­chen Fun­da­men­ta­lis­mus zu erbli­cken. In der Fremd­heit ist bei­des dem säku­la­ren Men­schen gleich. Wei­ter­le­sen

Warum 08003301044 jetzt bei mir gesperrt ist…

Ich habe meh­rere Lis­ten in mei­ner Tele­fon­an­lage pro­gram­miert. Eine mit Num­mern, die mich beläs­ti­gen, z.B. weil sie Kaltaquise betrei­ben oder omi­nöse Umfra­gen mit mir durch­füh­ren möch­ten. Nun sehe ich ja ein, dass Call-Center Agent wirk­lich kein schö­ner Beruf ist. Dafür aber kann ich nichts. Ver­schen­ken aber möchte ich weder meine Zeit noch mein Wis­sen. Jeden­falls nicht an Call­cen­ter und deren Kundschaft.

Zurück zu den Lis­ten: Aner­kannte Freunde und Bekannte sind auf einer »white-list« und deren Klin­gel­ton, wenn sie anru­fen, ist ein ande­rer als bei Unbe­kann­ten. Unbe­kannte lan­den oft auf mei­ner Mail­box. Wenn sie wirk­lich etwas für mich wich­ti­ges zu sagen haben, mögen sie das so erle­di­gen. Ich rufe ggf. gerne zurück. — Wenn jemand aber auf mei­ner schwar­zen Liste (in der Fritz­Box) ist, dann wird er ein­fach durch Auf­le­gen abge­wim­melt. Der­zeit sind es rund ein Dut­zend Num­mern, die mich nicht tele­fo­nisch beläs­ti­gen sol­len und kön­nen. Heute kam die oben­ste­hende Num­mer dazu.

Seit Wochen ruft die­ses Call­cen­ter an, zu unter­schied­lichs­ten Zei­ten, auch am Wochen­ende. Offen­bar ist die Idee, dass ich der kos­ten­lo­sen 0800-Nummer wegen zurück­ru­fen werde. Werde ich aber nicht. Dafür habe ich eine Sprach­box geschal­tet, dass, wer etwas möchte, mir die Nach­richt mit­tei­len kann. Neben­bei: Sol­che Nach­rich­ten errei­chen mich in der Regel auch umge­hend, denn meine Fritz­box schickt mir die Nach­richt als mp3-Datei per e-mail auf einem Push-Server. Ich bekomme also umge­hend eine Benach­rich­ti­gung und kann die Nach­richt hören.

Heute nun erreichte mich der Anru­fer, stellte fest, dass ich ja län­ger Telekom-Kunde gewe­sen sei und nun nicht mehr usw. — Dazu wolle man mir Fra­gen stel­len. Ich sagte, dass ich ein­sehe, dass es viel­leicht für die Tele­kom inter­es­sant seien könne, dass ich aber nicht bereit sei, etwas zu ver­schen­ken. Wenn man Aus­kunft wün­sche, müsse ers­tens in einen Mit­schnitt und zwei­tens eine Berech­nung zu ange­mes­se­nem Preis pro Minute ein­ge­wil­ligt wer­den. Ob denn der Anru­fer hierzu bereit sei?

Ab die­sem Zeit­punkt wurde ich wüst beschimpft, dass das Mit­schnei­den usw. straf­bar sei… Dass es an Kin­der­stube man­gele, … Ich hängte ein und über­lege noch, ob mir dies die Zeit wert ist für Beschwerde/Anzeige. Wahr­schein­lich nicht.

 

Frü­her habe ich ja — in weni­ger läs­ti­gen Fäl­len — stets gefragt, wie lange das Inter­view dauere und dann gesagt, dass ich bereit sei, wenn der/die Anrufer/in bereit sei, bevor ich ant­worte, im glei­chen zeit­li­chen Umfang an einer Stu­die zur Pas­to­ral­so­zio­lo­gie teil­zu­neh­men. Und fragte dann nach dem Erst­kon­takt mit Kir­che, nach ggf. guten oder schlech­ten Erfah­run­gen, nach Ein­drü­cken von Haupt­amt­li­chen usw. In der Regel woll­ten das Anru­fer nicht bzw. häng­ten teils nach 2–3 Minu­ten auf. Wer durch­hielt, bekam anschlie­ßend auch meine Ant­wor­ten, sofern nicht zu privat.

Ein posi­ti­ves Bei­spiel: Vor Jah­ren schickte eine Com­pu­ter­zeit­schrift an Abon­nen­ten (war ich damals) einen Fra­ge­bo­gen mit der Zusage, dass jeder zurück­ge­sandte aus­ge­füllte Fra­ge­bo­gen mit eini­gen Dol­lar ver­gü­tet würde. Ich erhielt inner­halb einer Woche nach Rück­sen­dung einige Dol­lar­no­ten im Brief. — So muss das sein!

kurzer Stromausfall und was man angesichts von StuxNet und Celler Loch so denken kann…

Ja, ich gebe es zu, Fefes Blog, das sich spe­zi­ell dem Umschlag von Ver­schwö­rungs­theo­rien zuwen­det, schätze ich. Nicht seine pes­si­mis­ti­sche Sicht auf die Dinge, aber — teils weit her­ge­holte — mög­li­che Zusammenhänge.

Ges­tern abends fiel in Han­no­ver der Strom aus. Und man merkt ja erst, wie abhän­gig unsere Gesell­schaft von sta­bi­ler Strom­ver­sor­gung ist, wenn man sie nicht hat. Knei­pen muss­ten die Heiß­ge­tränke ebenso strei­chen, sich evtl. mit Ker­zen behel­fen, wie die Feu­er­wehr Not­strom für Senio­ren­heime mit Beat­mungs­an­la­gen her­stel­len musste.

Ein Freund schrieb auf meine Twitter-Meldung, »Sind Akws doch unver­zicht­bar?« — Genau das ist eine der Fra­gen. Wenn man an den Klas­si­kern der Detek­tiv­li­te­ra­tur geschult fragt: »Wem nutzt es?« — und also immer erst­mal von einer Hand­lung (also inten­tio­nal) und nicht von einem Wider­fahr­nis (im Sinne klas­si­scher Prag­ma­tik) aus­geht. — Stel­len wir uns also ganz dumm und fra­gen: Wem nutzt ein Strom­aus­fall der je nach Stadt­teil zwi­schen knapp zwan­zig Minu­ten und eini­gen Stun­den dauerte?

Sicher nutzt er nicht all denen, die ein Qua­li­täts­ma­nage­ment für ihre Kühl­ket­ten betrei­ben und keine Not­strom­ag­gre­gate betrei­ben, die kön­nen nun man­che Pro­dukte abschreiben…

Nach­dem ira­ni­sche Zen­tri­fu­gen aus Sie­mens­fer­ti­gung nun durch eine auf­wän­dige Soft­ware­ma­ni­pu­la­tion namens StuxNet (vgl. auch hier) gestört wurde, und der Cyber­ter­ro­ris­mus sogar eigene Bun­des­ein­rich­tun­gen auf den Plan rief, denke ich, sollte man her­aus­fin­den, dass es an einem ähn­li­chen Aus­lö­ser lag, wäre mit dem Strom­aus­fall die Mehr­heit in der Stadt Han­no­ver sicher umge­hend für die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Damit man nach­voll­zie­hen kann, wer so etwas freisetzt/freigesetzt hat. Dass man das bei gen­tech­ni­schen Frei­land­ver­su­chen weni­ger rigo­ros ist, liegt wahr­schein­lich an der bes­se­ren Lobbyarbeit.

Nach­dem hier­zu­lande ja bereits ver­fas­sungs­mä­ßig alle Gewalt in staat­li­chen Hän­den ruht, muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, spä­tes­tens seit dem Cel­ler Loch, dass es für kaum einen ein­zel­nen oder eine Gruppe von Men­schen einen so hohen Nutz­wert für einen Strom­aus­fall gibt, wie das für poli­tisch inter­es­sierte Kreise in Staat oder Par­teien der Fall ist. Mit Diet­rich Kitt­ner könnte man sagen: »Wahr­schein­lich geht immer noch die Mehr­zahl aller Anschläge von staat­li­chen Stel­len aus.« Klar, nach sol­cher Stö­rung steigt der Absatz unter­bre­chungs­freier Strom­ver­sor­gun­gen (USV), aber alle, die wirk­lich rele­vante Risi­ken tra­gen, haben bereits Not­strom­sys­teme. Ban­ken etwa. Senio­ren­heime weni­ger. — Eine Frage der Rele­vanz? Weh dem, der Böses dabei denkt.

Alle Gewalt geht sicher nicht vom Volke aus, son­dern allen­falls vom Staate, näm­lich um Mehr­hei­ten für bestimmte Posi­tio­nen zu wer­ben. — Sicher, es könn­ten auch die­je­ni­gen sein, die einen Aus­bau der Strom­netze beschleu­ni­gen möch­ten, und etwas gegen die juris­ti­schen Maß­nah­men haben, die Grund­stücks­be­sit­zer und andere Betrof­fene gegen sol­che neuen Kabel­tras­sen haben könnten.

In Mar­burg gibt es eine Straße mit mar­kan­tem Namen: Unter dem Gedan­ken­spiel. Unter mei­nem oben­ste­hen­den Gedan­ken­spiel stelle ich ein­mal klar: Es kann auch ein Wider­fahr­nis sein, ein unglück­li­cher Zufall. — Wer den Film Magno­lia schätzt, möge nun über­le­gen, ob es die Ägyp­ter in der Exo­dus­ge­schichte auch für Zufall gehal­ten haben, dass es Frö­sche im Über­fluss gab, im Film gar reg­nete (Ex.8,1).

Unterschiedliche Herangehensweisen — (Gastbeitrag eines Freunds)

Ach­tung: Der fol­gende Text stammt nicht von mir, son­dern einem Freund, der mir das zur Illus­tra­tion unter­schied­li­cher Herangehens-/Umgangsweisen zukom­men ließ. Da es sich mög­li­cher­weise um einen Text von Inter­esse han­delt, scheint mir mein Sudel­web (in meine Sudel­hefte klebe ich ja auch mal Schnip­sel) ein geeig­ne­ter Ort.

Zitat aus einem Spie­gel Arti­kel:
(http://​www​.spie​gel​.de/​s​c​h​u​l​s​p​i​e​g​e​l​/​0​,​1​5​1​8​,​7​6​4​6​5​2​,​0​0​.​h​tml):
»Dann aber sagt Avdil nur: ›Wir wur­den abge­scho­ben. Jetzt sind wir wie­der da.‹ Sie wol­len sich anmel­den, vor­läu­fig, denn Avdil und sein Vater haben noch keine Woh­nung, sie leben erst ein­mal bei Avdils Bru­der. ›Vor­läu­fig anmel­den?‹, die Sach­be­ar­bei­te­rin guckt irri­tiert, ihre Kol­le­gin schüt­telt den Kopf. ›Vor­läu­fig geht nicht. Wir brau­chen eine Bestä­ti­gung des Ver­mie­ters.‹ — Vater und Sohn ver­las­sen den Raum, ste­hen auf einem Flur mit vie­len Türen, und Avdil steckt sich Kopf­hö­rer in die Ohren, so als wolle er diese deut­schen Wör­ter nicht mehr hören: geht nicht.«

Da sieht man die völ­lig unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­weise, die ich und diese Leute haben. Ich wäre da nicht ohne Anmel­dung raus­ge­gan­gen. Wei­ter­le­sen

Etwas Hintergrund zu Sony-Hacks… Es geht ums Urheberrecht

Dass Sony und das Play­Sta­ti­onNet­work immer wie­der von Hackern ange­grif­fen und aus­ge­späht wurde, liegt daran, dass Sony in beson­ders dras­ti­scher Weise juris­tisch gegen einen Hacker vor­ge­gan­gen ist, der eine frü­her beste­hende Mög­lich­keit, die Play­sta­tion mit ande­ren Betriebs­sys­te­men zu betrei­ben, wie­der frei­gab. Sony hatte das in einem Update aus­ge­schlos­sen. Und die­ser Hacker hatte über­haupt nur aus die­sem Grunde (viel Rechen­leis­tung, nied­ri­ger Preis, Mög­lich­keit der Linux Nut­zung) die Kon­sole gekauft.

In der Tat geht es darum, dass an der Soft­ware in tech­ni­schen Gerä­ten in der Regel bloß ein Nut­zungs­recht über­las­sen wird, »wir« Kun­den aber nicht alles damit machen dür­fen, was wir viel­leicht gerne möch­ten. Der erwähnte Hacker hatte die Sperre, die Sony in einem Update errich­tete, mit­tels »reverse engi­nee­ring« aus dem Weg geräumt, und den Weg auch gleich öffent­lich gemacht.

Sony sah hierin einen mar­kan­ten Rechts­bruch und klangte ent­spre­chend. — Der Pro­zess steht noch aus. Auf jeden Fall aber machte sich Sony mit die­ser Klage in der losen Gruppe »Anony­mous« nicht gerade Freunde. Wei­ter­le­sen

#servergate — Piraten und Elefanten in Ameisenhaufen

Gar nicht ein­fach ist es, da zu lie­ben, wo gehasst wird. Da nicht zum außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­tion über­zu­lau­fen, wo der Staat sein Gewalt­mo­no­pol miss­braucht. So gesche­hen am Frei­tag, als — nach Rechts­hil­fe­er­su­chen Frank­reichs — »mal eben« die Ser­ver der Pira­ten­par­tei beschlag­nahmt wur­den. Alle, sämt­li­che Sys­teme waren down. Zwei Tage vor der Wahl in Bre­men ist das schon ein gewal­ti­ger Ein­griff in die Mit­wir­kung der Par­teien an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung. — Dies beson­ders, weil die Pira­ten eben mehr als andere ihre Arbeit und Kom­mu­ni­ka­tion nicht in Par­tei­lo­ka­len und Orts­ver­ei­nen erle­di­gen, son­dern eben im Netz.

Es braucht ja einen guten Grund, so denkt sich der Ver­fas­sungs­sym­pa­thi­sant, dass ein Rich­ter oder eine Rich­te­rin so etwas anord­net. Das ist aber nicht der Fall: In Frank­reich ist einem Kraft­werks­be­trei­ber ein elek­tro­ni­scher Schlüs­sel abhan­den gekom­men. Der­zeit ist nicht öffent­lich bekannt, was genau mit die­sem Schlüs­sel getan wer­den kann. Jeden­falls hat in einem elek­tro­ni­schen Werk­zeug, das viele ein­set­zen, eben auch die Pira­ten­par­tei, jemand (anonym) die­sen Schlüs­sel zugäng­lich abge­legt.  Wei­ter­le­sen

Mord ist kein (legitimes) Mittel der Politik

Eben twit­terte Jim Wal­lis einen Hin­weis auf ein paar Gedan­ken zum Tod von Osama bin Laden dies. Auch die dort genannte Stel­lung­nahme des Vati­kan finde ich hilf­reich. Mir scheint Gewalt gegen Men­schen grund­sätz­lich unan­ge­bracht. Wenn sie aber — etwa zum Schutz vor Ver­bre­chen — erfor­der­lich ist, dann möge sie bitte von den zustän­di­gen Gerich­ten (also z.B. in Den Haag) ange­ord­net werden.

Einen Feind zu töten, das ist keine Hel­den­tat, son­dern Mord. Ich emp­finde mich nicht als Links­ra­di­kal und ich habe nichts gegen die USA. Ja, sie sind »God’s own county«, ebenso wie andere Staa­ten es auch sind. Ich finde die Anschläge vom 11. Sep­tem­ber unse­lig, grau­sam. »Ver­hand­lun­gen hät­ten Hit­ler nicht stop­pen kön­nen und Gewalt­frei­heit helfe nicht«, sagte Barack Obama. Wenn diese Rolle als Welt­po­li­zist der neue Obama ist, so hat das nicht meine Sym­pa­thie.  Wei­ter­le­sen

Meta-Blog: text​log​.de

Heute ein Hin­weis auf eine Seite, die ich schätze, die aber — auch in mei­nem Bekann­ten­kreis — bis­her mei­nes Erach­tens viel zu wenig beach­tet wird. Im Netz gibt es ja zahl­rei­che Quel­len für gemein­freie Texte, sol­che, deren Urhe­ber hin­rei­chend lange tot sind.

http://​www​.text​log​.de

 

Mein Tip heute ist: http://​www​.text​log​.de

Eine gut auf­ge­ar­bei­tete Fas­sung aus­ge­wähl­ter Texte der Phi­lo­so­phie, Medi­zin und Bel­le­tris­tik, dazu einige nütz­li­che Wör­ter­bü­cher. Eben alles, was der auch klas­sisch inter­es­sierte Lesende so braucht, um bei Laune gehal­ten zu werden.

Die Qua­li­tät ist kein Ver­gleich zum Pro­ject Guten­berg (was ja auch — trotz der andern Schrei­bung — die­ser Tage den Ruch mäßi­ger Pla­giate führt), klein, aber fein, so soll es sein. Bei Text​log​.de ist es das auch.

Wo wir dabei sind: Auch das Pro­ject Guten­berg ist eine gute Quelle, für alle, die ein­fach mal Lust auf typo­gra­phi­sches Bas­teln und Satz haben: Einige Texte habe ich von dort kopiert, in LaTeX gesetzt (geht auch in Inde­sign oder Pages) und in klei­ner Auf­lage für Freunde gedruckt. Ein klas­si­sches Geschenk, hand­ge­macht, anre­gend, gerade dann, wenn es eher leicht absei­tige Texte sind, die den­noch einen geho­be­nen Unter­hal­tungs­wert bie­ten. — Für Domi­ni­que: Arbei­tet mit For­mat­vor­la­gen (er klagte da neu­lich drü­ber im Netz)! Beson­ders das lie­be­volle Anpas­sen (etwa die sorg­same Tren­nung zwi­schen Gedan­ken– und Bin­de­stri­chen, das Nach­ar­bei­ten von Anfüh­rungs­zei­chen usw. schult unge­mein, und neben­bei kommt man nicht umhin, sich gründ­lich mit klas­si­schen Tex­ten zu befas­sen). Mus­ter gefäl­lig? Hier

Neben den Buch­han­del, die Anti­qua­riate und die Blog-Szene sind für mich his­tor­sche Aus­ga­ben im Netz getre­ten, die weni­ger Platz im Regel ein­neh­men (gerade bei den Wör­ter­bü­chern!) und etwas vom Grund­ge­dan­ken der freien Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung nahe­le­gen. Also, Leute, lest! Gut abge­han­dene Klas­si­ker sind alle­mal bes­ser als wer­be­un­ter­bro­chene daily Soaps.

Was so gefragt ist im Sudelweb… (Meta-Gesudel)

Neu­lich habe ich mir mal wie­der die Sta­tis­tik der Zugriffe, der Such­an­fra­gen usw. durch­ge­schaut. Die höchste Auf­merk­sam­keit, die meis­ten Zugriffe und Kom­men­tare fin­den nega­tive Kri­ti­ken. Wenn mir etwas gefällt, so inter­es­siert das wenige. Viel­leicht klickt jemand, der mich und mei­nen Geschmack kennt und mög­li­cher­weise teilt, ja auf einen Link. Links all­ge­mein wer­den jedoch über­be­wer­tet. Meist ver­su­che ich ja, mit­tels Links, für die, denen der Zusam­men­hang unbe­kannt ist, einen her­zu­stel­len, aber die wer­den nicht oft angeklickt.

Tech­ni­sche Bespre­chun­gen, ob über mei­nen Gitar­ren­ton, über Kame­ras, die ich benutze oder Scan­ner, gene­rie­ren einen Langzeit-Zugriff. Immer wie­der inter­es­siert sich jemand für den Has­selb­lad Flex­body und klickt ent­spre­chend auch mei­nen Arti­kel dazu an, dank Such­ma­schi­nen, die ihn aus­wer­fen. Mit Rezep­ten ist es ähn­lich, die gehen immer. Vor allem über lange Zeit.

Inter­net­po­li­tik, Urhe­ber­recht, der täg­li­che Kram wird ange­klickt, wenn das Thema aktu­ell ist, aber das betrifft sel­ten mehr als vier­zehn Tage. Von den Arti­keln in der Rubrik »Gemeinde« ist es sehr unter­schied­lich: Anspra­che zur Sil­ber­hoch­zeit wird lau­fend ange­klickt, ver­mut­lich weil jemand selbst eine zu hal­ten hat. Auch die Selbst­ver­pflich­tung zum Kin­des­wohl (für Ehren­amt­li­che in der lan­des­kirch­li­chen Jugend­ar­beit) fin­det Inter­esse, das meiste andere aber wird allen­falls von den Freun­den aus dem Umfeld oder zufäl­lig wahrgenommen.

Im Augen­blick ist die­ser Arti­kel bloß eine Fest­stel­lung. In mei­nem Sudel­heft (ich benutzte ja lei­den­schaft­lich diese klei­nen Notiz­bü­cher) habe ich schon etwas wei­ter gedacht, und werde gezielt ein paar Dinge schrei­ben, die hof­fent­lich interessieren.

Handwerk verkaufen oder Lizenzen?

Dass sich im Wirt­schafts­le­ben man­ches getan hat, ist nicht von der Hand zu wei­sen. Große Unter­neh­men sind eben kein Hand­werks­be­trieb, die man aus eige­nen Rück­la­gen und einem Kre­dit von der Bank eröff­nen kann. Also wer­den andere Finan­zie­rungs­wege gefun­den, zur »Expan­sion« gerne auch Anteils­scheine oder Aktien.

Mit dem Han­del von »Optio­nen« auf etwas, das noch gar nicht pro­du­ziert ist, etwa an Waren­ter­min­bör­sen usw. ist eine wei­tere Stufe erreicht. So weit, so klar. Vor Jah­ren hatte ich in einer Fußball-Tipprunde, zu der mich ein Freund gekö­dert hat, damit er eine Wette gewinne, — ich ver­stehe gar nichts vom Fuß­ball — die Idee, einer Anteils­be­tei­li­gung: Also: Ich betei­li­gen mich an den Tipps eines erfah­re­nen Tip­pers und bekomme so  zumin­dest etwas »Divi­dende«. Lei­der war mein Kon­zept wohl nicht mehr­heits­fä­hig, und nach­dem der Freund seine Wette gewon­nen hatte, konnte ich ja auch wie­der aus der Tip­prunde aus­stei­gen. Wei­ter­le­sen

Kultur ist, wie man mit eigenen Möglichkeiten umgeht

Jemand, der Macht hat, kann sie zum Guten gebrau­chen oder auch miss­brau­chen. Nie­mand ist allein, alle bedür­fen — hier oder da, teils mehr, teils weni­ger — der Hilfe und Unter­stüt­zung ande­rer. Das mer­ken prü­gelnde Ehe­män­ner, wenn sie, pfle­ge­be­dürf­tig, im Alter von den pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen miss­han­delt werden.

Dass Gefan­gene den Wäch­tern extrem aus­ge­setzt sind, erfor­dert um so mehr Cha­rak­ter und ent­schie­dene Wert­ori­en­tie­rung bei den Bewa­chern und denen, die Macht haben. Ein deut­li­ches Bei­spiel, wie leicht sol­che Macht­ge­fälle aus dem Ruder lau­fen kön­nen, fin­det sich bei den Miss­hand­lun­gen in Abu Guraib. — Seit der Gei­ße­lung Jesu durch die römi­schen Sol­da­ten hat sich wenig geän­dert: Lässt man Sol­da­ten, die ja Macht haben, los, för­dert man gar, dass sie, von Vor­ge­setz­ten drang­sa­liert, sich an den Unter­stell­ten »aus­to­ben«, so sind die Fol­gen menschenverachtend.

Das kann man wis­sen. Und zivi­li­sierte Staa­ten soll­ten sich bemü­hen, dass eine Kul­tur der Ach­tung Miss­brauch, Miss­hand­lung und ein­fach eine »aus­ge­lebte« Macht hin­dern. Das ist Sache der Vor­ge­setz­ten. — Wenn die aber unge­bän­digt han­deln, dann pas­sie­ren Dinge wie diese hier ges­tern mit Pfc. Man­ning, dem, der mut­maß­lich ver­trau­li­ches Mate­rial bei Wiki­leaks ver­brei­tet hat. Die New York Times ist ja kein lin­kre­vo­lu­tio­nä­res Blatt, und schreibt den­noch klar, dass es so nicht geht.

Hier ein Absatz aus dem Bericht von Man­nings Anwalt:

»Last night, PFC Man­ning was inex­p­lica­bly strip­ped of all clot­hing by the Quan­tico Brig.  He remai­ned in his cell, naked, for the next seven hours.  At 5:00 a.m., the Brig soun­ded the wake-up call for the detai­nees.  At this point, PFC Man­ning was forced to stand naked at the front of his cell.« (hier)

Wenn der Maß­stab für die Beur­tei­lung im Gesicht der Geschichte darin beste­hen sollte, wie Stär­kere oder Mäch­ti­gere mit Schwä­che­ren oder Ohn­mäch­ti­gen umge­hen, so scheint mir, dass hin­sicht­lich der USA die Umstände kei­nen Nach­ruhm begrün­den kön­nen. Herr Obama, auch ein Frie­dens­no­bel­preis ist kein Grund, den Macht­ap­pa­rat zu missbrauchen!

#guttbye -

Ich frage mich gerade, warum ich so erfor­der­lich und drin­gend gebo­ten fand, dass Herr zu Gut­ten­berg heute sei­nen Rück­tritt erklärte. Er ist wirk­lich spät dran. In so einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung, die Arbeit selbst ange­fer­tigt zu haben und keine ande­ren als die ange­ge­ge­ben Quel­len benutzt zu haben, hat er ja etwas zuge­si­chert, dass — vor­be­halt­lich wei­te­rer Prü­fun­gen der Uni — offen­bar nicht der Fall ist. Somit scheint es mir eine Form des Mein­eids, dies den­noch zuge­si­chert zu haben.

Auch wenn es offen­bar in der CSU zum guten Ton gehört (hier per­si­fliert der Tages­spie­gel), so finde ich es aus zwei Blick­rich­tun­gen uner­träg­lich, sol­che Affäre klein zu reden und aus­sit­zen zu wollen.

  1. Es ver­spot­tet alle, die ehr­lich wis­sen­schaft­lich arbei­ten. Und das finde ich uner­träg­lich. Der »Bil­dungs­stand­ort Deutsch­land« ist nicht zu hal­ten, wenn es offen­bar keine Rolle spielt, wie man sich einen Titel »erwirbt«. Mehr als ver­ste­hen kann ich daher die Erklä­run­gen im offe­nen Brief die­ser vie­len Dok­to­ran­den, die sich auf den Arm genom­men füh­len. — Und sein Dok­tor­va­ter und die gesamte Uni­welt, ja viel­leicht hät­ten sie gründ­li­cher prü­fen müs­sen usw. Aber: So geht man nicht mit einem ande­ren um. Und nur weil Betrug mög­lich ist, ist es noch lange nicht legi­tim, zu betrü­gen oder zu täuschen.
  2. Finde ich es uner­träg­lich, wenn die Frage nach Mein­eid, evtl. Vor­strafe usw. keine Rolle zu spie­len scheint, sofern es poli­tisch oppor­tun ist. Wenn Poli­tik von irgend­et­was abhän­gig ist, dann doch von ihrer Glaub­wür­dig­keit. Wenn man’s real­po­li­tisch betrach­tet, ist es eher das Wohl­wol­len der Lob­by­grup­pen, sehe ich ein. Aber: Die Illu­sion muss doch erlaubt sein, dass man anneh­men darf, es werde von Politiker/inne/n nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen zum Wohl des Vol­kes gehandelt.

Natür­lich machen Men­schen Feh­ler, natür­lich wird gelo­gen und betro­gen. Doch wäre es ange­mes­sen, das ent­we­der zuzu­ge­ben, sobald man es als falsch erkennt, oder doch zumin­dest dann, wenn es öffent­lich wird. Wäre also vor Wochen Herr zu Gut­ten­berg zurück­ge­tre­ten, hätte sich umge­hend selbst ange­zeigt usw. — Pein­lich wäre es auch gewe­sen, aber so? Vom Strahle– und Sau­ber­mann zum ent­we­der Lüg­ner und Betrü­ger oder aber zum ver­wirr­ten »Nicht-Wisser«, was er selbst getan hat? — Muss man dann viel­leicht auch in der aktu­el­len Polik­tik anneh­men, dass er nicht weiß, was er gerade tut? Dass er spä­ter »Über­for­de­run­gen« einräumt?

Auch die Erklä­rung zum Rück­tritt lässt mei­nes Erach­tens keine Ein­sicht erken­nen, dass alle Feh­ler bei ihm lie­gen, nicht bei der bösen Presse. — Wer sol­che Vor­la­gen lie­fert, braucht sich nicht zu wun­dern, wenn sich die Oppo­si­tion bemüht, ihn »poli­tisch abzuschießen«.

Sehr zutref­fend finde ich, dass der Spie­gel schreibt, dass das Netz den Minis­ter besiegt habe. Ich finde dies die Spitzenformulierung:

»Totale Trans­pa­renz, die bequeme Ver­füg­bar­keit aller zen­tra­len Infor­ma­tio­nen, hat die Debatte um Gut­ten­berg bestimmt, im Kon­zert mit der blitz­schnel­len und hoch­ef­fi­zi­en­ten Ver­net­zung jener, die sich all das nicht län­ger bie­ten las­sen woll­ten. Weder die bis zum Schluss guten Umfra­ge­er­geb­nisse des Minis­ters, noch die uner­schüt­ter­li­che Unter­stüt­zung durch das Springer-Schlachtschiff konn­ten Gut­ten­berg am Ende ret­ten. Die alte Regel, dass man in Deutsch­land als Poli­ti­ker kaum stür­zen kann, wenn man ›Bild‹ auf sei­ner Seite hat: Sie gilt nicht mehr. Netz schlägt ›Bild‹ — jeden­falls dann, wenn es wirk­lich etwas nach­zu­wei­sen gibt.« (Quelle? hier!)

Poli­tik, die wirk­lich das Gemein­we­sen im Blick hat, und sich dar­auf aus­rich­tet, tut drin­gend Not. Anders ist bei den Jün­ge­ren Poli­tik­ver­dros­sen­heit nicht auf­zu­hal­ten. Warum sollte man sich denn über­haupt an Wah­len betei­li­gen, sich infor­mie­ren, wenn es eigent­lich gleich ist bzw. ein Plan­spiel von mach­gie­ri­gen Absah­nern? — Genau: Ich sehe nur die Lösung, dass mehr Men­schen den Staat (und zwar nicht als »obrig­keit­li­ches Objekt«, son­dern als gemein­sam zu gestal­ten­des Gemein­we­sen) ernst neh­men, als Wäh­ler, als Eltern, als Poli­ti­ker und als poli­tisch inter­es­sierte. Vor­bild kann es brin­gen, aber nicht, wenn das Vor­bild han­delt wie zu Gut­ten­berg es lange getan hat. Das ist für die Außen­wahr­neh­mung von Poli­tik ähn­lich schäd­lich wie für kon­fes­sio­nelle Schu­len die Missbrauchsfälle!

Der Kom­men­tar der Zeit sieht es ähn­lich wie ich.

über Promotionen, Mogelpackungen und Zeit-Gerechtigkeit

Unab­hän­gig vom Fall zu Gut­ten­berg finde ich Mogel­pa­ckun­gen läs­tig: Sie ver­su­chen andere, mich zum Bei­spiel, für dumm zu ver­kau­fen. Wenn eine 400 g Packung mit »jetzt im neuen Design« ange­prie­sen wird, dann ist mir bewusst, dass es frü­her 500  g waren, und dass nichts gegen das alte Design sprach. Es war genau so gut. Aber es war mehr.

Wenn alte Hüte als neue wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse ver­kauft wer­den sol­len, dann finde ich das dreist. Es belei­digt mein Den­ken. Und ich stelle zwei Trends fest: Men­schen, die wirk­lich am Thema ihrer Pro­mo­tion dran waren, die eine Menge getan haben, las­sen den Titel in der Regel unter den Tisch fal­len. — »Ja, dann habe ich mich einige Zeit mit so einer Farb­stoff­re­ak­tion befasst.« Dass es Jahre des Kris­tall­züch­tens, des Ver­mes­sens usw. waren: Es war eine Übung, wer hart­nä­cki­ger ist: Der Reak­ti­ons­me­cha­nis­mus, den es auf­zu­klä­ren gilt, oder man selbst.

Noch habe ich keine juris­ti­sche Pro­mo­tion gele­sen (bin aber bereit!), aber in den letz­ten Jah­ren ein bis zwei andere pro Jahr. Die meis­ten sind wirk­lich sehr gut — und zumin­dest sehr sach­kun­dig — gemacht. Nicht alle sind lese­freund­lich, weil man­che ein­fach sehr viel vor­aus­set­zen. Andere kann man mit Gewinn lesen, wenn man wachen Auges durch die Welt geht. Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten brin­gen mich als »mün­di­gen Leser« wei­ter. Und auch Arbei­ten ande­rer Fächer als mei­ner eige­nen habe ich mit gro­ßem Gewinn gele­sen. — Nun aber zu einer ande­ren Sorte:

In der Medi­zin und teils in der Juris­te­rei scheint es teils erfor­der­lich, wie es tele­po­lis schreibt:

»In der Poli­tik, wo der Schein mehr zählt als das Sein, gel­ten Dok­tor­ti­tel als schick. Und auch renom­mierte Anwalts­kanz­leien wol­len sich ihre Mes­sing­schil­der und Brief­köpfe nur ungern mit Per­so­nal ohne »Dr.« vor den wer­ten Namen ver­schan­deln las­sen; der­lei aka­de­mi­schen Glanz bezahlt betuchte Man­dant­schaft gerne mit.« (ebd.)

Mar­kus Kom­pas Durch­sicht der juris­ti­schen Pro­mo­tion des Herrn Wes­ter­welle spricht nicht unbe­dingt für wis­sen­schaft­li­chen Ehr­geiz beim Ver­fas­ser. Offen­sicht­lich geben wir uns mit einer dünn­brett­ri­gen Arbeit zu Par­tei­ju­gend­or­gan­si­tio­nen zufrie­den, weil es ja nicht darum geht, mehr als zwei Buch­sta­ben vor dem Namen zu bewir­ken. Rela­tiv zum Ziel sind also sol­che »Arbei­ten« durch­aus adäquat.

Es geht nicht um Wis­sen­schaft, son­dern um eine Mogel­pa­ckung. Das Beste daran ist, dass es zeigt, dass die wirk­lich demo­kra­tischste Res­source, näm­lich Zeit, allen im glei­chen Maße zur Ver­fü­gung steht. Wer Gemein­de­ar­beit macht wie ich, der kann eben ande­res nicht in glei­chem Maße machen — das trös­tete mich, als ich ein ers­tes Mal Tuck & Patti live sah, und kurz davor war, die Gitarre an den Nagel zu hängen.

Wer in der Poli­tik auf allen Par­tei­ta­gen dabei ist, in Aus­schüs­sen usw. sich ein­bringt, der hat ein­fach keine Zeit für Fuß­no­ten und gründ­li­che wis­sen­schaft­li­che Arbeit. — Der Link lohnt, da hat die Süd­deut­sche echte Ghost­wri­ter zu Politiker-Dissertationen befragt… :-)

Ehr­lich wäre es aber, wenn er dann auch nicht den Schein erweckte, son­dern ein­räumte: »Mich inter­es­siert Macht und poli­ti­sche Gestal­tung und nicht juris­ti­sche Details.« — Viel­leicht kom­men wir da ja noch ein­mal hin.

Vorratsdatenspeicherung ist halb so schlimm?

In Gesprä­chen mit Freun­den und Bekann­ten höre ich immer mal wie­der, dass es doch »halb so schlimm« wäre, schließ­lich sol­len ja nicht die Gesprä­che mit­ge­schnit­ten wer­den, son­dern allein die Abrech­nungs­da­ten für »etwas län­ger« auf­be­wahrt wer­den. Außer­dem: Wer nichts zu ver­ber­gen habe, der brau­che sich doch da keine Sor­gen zu machen.

Marco Maas, ein ham­bur­ger Jour­na­list und Bekann­ter, hat mit einem Kol­le­gen für Zeit-online mal eine Visua­li­sie­rung der Daten des Grünen-Politikers Malte Spitz ange­fer­tigt. Der hatte gegen­über sei­nem Pro­vi­der »Tele­kom« durch­ge­setzt, Aus­kunft über die Daten zu erhal­ten, die man dort über ihn speichere.

Das Ergeb­nis ist eine Dar­stel­lung, die sich anfühlt wie »big bro­ther«, aller­dings weder auf einem Niveau des Jah­res 1984 noch auf einen Con­tai­ner geschränkt. Hier geschieht das, was sich His­to­ri­ker für man­che geschicht­li­che Gestalt wün­schen: Dass man doch mög­lichst genaue Aus­kunft für die Nach­welt haben möge, was Poli­ti­ker X oder Y an einem Tag getan habe. Frü­her ließ man Hitler-Tagebücher fäl­schen, heute braucht man eigent­lich nur das Web abzu­gra­sen, Twit­ter­nach­rich­ten und all­ge­mein zugäng­li­che Geo­da­ten mit den gespei­cher­ten Ver­bin­dungs­da­ten in Bezie­hung zu set­zen, und schon wird deut­lich, was da allein mit den »Vor­rats­da­ten« mög­lich ist. Wei­ter­le­sen

David vs. Goliath — Musik-Veranstalter versteigert Inventar seines Baufinanzierers

Ja, ich habe es bei Fefe (Felix v. Leit­ner) gele­sen. Die Geschichte ist grob fol­gende: Ein Musik-Veranstalter wird von sei­nem Bau­fi­nan­zie­rer drang­sa­liert, soll hor­rende Ver­si­che­run­gen für sein altes Haus abschlie­ßen, soll Besu­che zur Begut­ach­tung bezah­len, die gar nicht statt­fin­den usw. — Schließ­lich hat er die Nase voll und sucht sich ein juris­ti­sches Schlupf­loch: Er for­mu­liert einen gerichts­fes­ten Anfra­ge­brief, der nach us-Recht in bestimm­ter Frist bear­bei­tet und beant­wor­tet wer­den muss.

Das tut sein Bau­fi­nan­zie­rer nicht, und hofft wohl, dass die Sache wegen Form­feh­lern ver­san­den wird. — Das aber tritt nicht ein. Und auch als der Musik-Veranstalter einen Pro­zess beim loka­len Gericht führt, sen­det der Bau­fi­nan­zie­rer nicht ein­mal jeman­den zur Ver­tre­tung. — Wäre sicher teu­rer, so denkt man sich, als ggf. eine Buße zu zahlen.

Aber der Musik-Veranstalter besteht auf sei­ner Ant­wort, die er immer noch nicht hat. Also erwirkt er einen Titel: Mit dem ört­li­chen She­riff, dem er 50 $ für Gebüh­ren zahlt, wird beim ört­li­chen Büro des Bau­fi­nan­zie­rers ein Inven­tar erstellt, außer­dem eine amt­li­che Anord­nung erlas­sen, nichts zu ver­kau­fen. Dazu gibt es Pla­kate für die Zwangs­ver­stei­ge­rung. Und damit macht der Musik-Veranstalter ordent­lich Pro­pa­ganda, das hat er schließ­lich gelernt.

Lokale Medien inter­es­sie­ren sich für den Fall, und der Fall wird allein wegen des Image-Schadens für die Bau­fi­nan­zie­rungs­firma teu­rer als gedacht. — Ele­gant gemacht. Hier der Arti­kel im Original.

Zu: Food, Inc. — Was essen wir wirklich? (3sat gestern)

»47.000 Pro­dukte führt ein durch­schnitt­li­cher ame­ri­ka­ni­scher Super­markt. Das Ange­bot scheint gren­zen­los. Doch betrach­tet man die augen­schein­li­che Viel­falt genauer, zeich­nen dafür nur eine Hand­voll Fir­men ver­ant­wort­lich. Wenige große Kon­zerne beherr­schen den Markt. Bei­spiel Fleisch: Gab es 1970 noch Tau­sende von Schlacht­hö­fen in den USA, gibt es heute gerade noch 13. Hüh­ner wer­den heute in der Hälfte der Zeit wie vor 50 Jah­ren dop­pelt so schwer. Die Tiere neh­men so schnell zu, dass die Kno­chen die Fleisch­mas­sen nicht tra­gen kön­nen und sie alle paar Schritte umkip­pen. Hüh­ner­hal­ter wer­den durch hohe Kre­dite abhän­gig von den gro­ßen Fleisch­kon­zer­nen. Wer die Tiere nicht nach deren Vor­ga­ben hält, näm­lich in rie­si­gen Hal­len ohne Tages­licht, dem wird der Ver­trag gekün­digt. Die glei­chen Zustände herr­schen auf dem Saat­gut­markt. 90 Pro­zent aller Soja­boh­nen in den USA ent­hal­ten Gene, auf die die Firma Mons­anto ein Patent hat. Ehe­ma­lige Monsanto-Mitarbeiter, die in die Poli­tik gewech­selt sind, waren feder­füh­rend an der Ent­schei­dung betei­ligt, gen­tech­nisch ver­än­derte Pro­dukte nicht zu kenn­zeich­nen. Mit dem Ergeb­nis, dass heute 70 Pro­zent aller ver­ar­bei­te­ten Pro­dukte in einem ame­ri­ka­ni­schen Super­markt gen­tech­nisch ver­än­derte Zuta­ten ent­hal­ten. Mit aller Macht ver­hin­dern große Kon­zerne in Ame­rika, dass Ver­brau­cher erfah­ren, wie ihr Essen her­ge­stellt wird. Kri­ti­ker wer­den mit Pro­zes­sen über­zo­gen und so mund­tot gemacht. ›Es geht nicht nur darum, was wir essen oder um unsere Gesund­heit, son­dern darum, was wir wis­sen dür­fen.‹ Die­ses Zitat stel­len der Regis­seur Robert Ken­ner und die Jour­na­lis­ten Eric Schlos­ser und Michael Pol­lan an den Anfang ihres Fil­mes. Am Ende zie­hen sie den Schluss: ›Einer der wich­tigs­ten Kämpfe der Ver­brau­cher ist der Kampf um das Wis­sen, was in unse­rem Essen ist und wie es her­ge­stellt wurde.‹ (ARD/WDR)«

Dass es so nicht geht, dass Rin­der, mit Mais gefüt­tert, weder gesund sind noch gesunde Nah­rungs­mit­tel aus dem Fleisch gewon­nen wer­den, ist klar. Dass aber neben der Pro­fit­ma­xi­mie­rung auch Stake Hol­der Values (oder in die­sem Falle doch »Steak Hol­der«?) zuneh­mend wich­tig wer­den, ist ein Punkt, an dem die Öffent­lich­keit ein Inter­esse haben muss. Es kann nicht poli­tisch in Kauf genom­men wer­den, dass jede/r zweite Hispano-US-Bürger/in, der/die ab dem Jahr 2000 gebo­ren wurde, wahr­schein­lich chro­nisch krank wer­den wird, auf­grund der Lebens­mit­tel. Für ande­res, gesün­de­res, bes­se­res Essen reicht das Geld nicht und auch nicht die Zeit, wenn man wenigs­tens zwei Jobs braucht, um als »working poor« über die Run­den zu kommen.

Ange­nehm an die­sem Film ist, dass er nicht flach scho­ckie­ren möchte, son­dern Zusam­men­hänge auf­zeigt, die eigent­lich alle ken­nen (kön­nen), die aber im Zusam­men­hang wir nicht wahr­neh­men. Wir sind erstaun­lich weit ent­fernt von z.B. der künst­li­chen Rei­fung von Toma­ten, damit diese wäh­rend des gesam­ten Jah­res ver­füg­bar werden.

Hüh­ner­häu­ser, die dazu da sind, hun­dert­tau­sende von Hüh­nern zu hal­ten, die kaum mehr gehen kön­nen, weil sie so gezüch­tet sind, dass viel Brust dran ist, viel wei­ßes Fleisch, das dann ent­spre­chende Abneh­mer fin­det, stür­zen die Bau­ern in den Ruin, soll­ten sie nicht ent­spre­chend nach­rüs­ten auf Kon­zern­wün­sche. Denn so ein Hüh­ner­haus lässt sich kaum aus der Rück­lage bezah­len. Eine Schul­den­spi­rale ist pro­gram­miert. Mit Land­wirt­schaft, mit Mit-Geschöpflichkeit und Ehr­furcht vor dem Leben (auch der »Nutz­tiere«) hat das wenig zu tun.

Noch ein­mal aus den »Sozia­len Grund­sät­zen« der evangelisch-methodistischen Kirche:

»Wir befür­wor­ten sol­che Bewirt­schaf­tungs­for­men, die die natür­li­che Boden­frucht­bar­keit erhal­ten und stär­ken, die Viel­falt der Pflan­zen– und Tier­ar­ten schüt­zen, an regio­nale Ver­hält­nisse und Struk­tu­ren ange­passt sind und es erlau­ben, Nutz­tiere art­ge­recht zu hal­ten. Ihre Lebens­be­din­gun­gen sol­len so weit wie mög­lich ihren spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen ent­spre­chen. Wir stre­ben ein effek­ti­ves Land­wirt­schafts­sys­tem an, in dem bei der Pro­duk­tion von Pflan­zen und Tie­ren die natür­li­chen Kreis­läufe beach­tet wer­den, Ener­gie ein­ge­spart und der Ein­satz che­mi­scher Mit­tel auf ein Mini­mum redu­ziert wird. Nach­hal­tige Land­wirt­schaft erfor­dert eine welt­weite Über­prü­fung der Aus­wir­kun­gen land­wirt­schaft­li­cher Anbau­ver­fah­ren auf die Nah­rungs– und Roh­stoff­pro­duk­tion, auf die Bewah­rung von Nutz­tier­ras­sen und Pflan­zen­viel­falt und auf den Erhalt und die Ent­wick­lung von Kul­tur­land­schaf­ten.« (III-Q — Seite 33)

Wenn es in die­ser Hin­sicht in »God’s own coun­try« noch wei­ter gekom­men ist als hier­zu­lande, dann ist die Frage nahe­lie­gend, inwie­weit All­tags– und Wirt­schafts­ethik eigent­lich zum Glau­ben und christ­li­chen Han­deln pas­sen. Ich kann das nicht beant­wor­ten, aber finde, dass die Frage erlaubt seien muss.

Manchmal ist »dagegen« äußerst positiv… JMStV

Dass der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag hand­werk­lich nicht gut gemacht ist und wegen sei­ner Unklar­hei­ten Rech­t­un­si­cher­hei­ten von Anbie­tern wie mir schafft, ist (außer bei den Machern) unumstritten.

Erfreu­li­cher­weise hat das Land Nord­rhein­west­fa­len im Land­tag am 16. Dezem­ber dage­gen gestimmt, somit sind nicht alle Län­der dafür und also wird der »Staats­ver­trag« nicht rati­fi­ziert. Es bleibt die Fas­sung von 2003 in Gel­tung, die prin­zi­pi­ell in glei­che Rich­tung geht, aber man­che läs­ti­gen Unsi­cher­hei­ten ver­mei­det. Wer mehr lesen möchte, kli­cke hier.

Das freut mich, denn es erlaubt mir, wei­ter mein Blog zu betrei­ben ohne mir (wei­tere) graue Haare wach­sen las­sen zu müs­sen wegen der Rechts­un­si­cher­hei­ten und ent­spre­chen­den Haftungsrisikos.

tobt der Krieg zwischen Staaten und Bürger/inne/n schon?

Rechts­an­walt Udo Vet­ter blogt ges­tern, dass es sei­ner Auf­as­sung gemäß keine recht­li­chen Hür­den gibt, Wiki­Leaks zu spie­geln, also auf einem ange­mie­te­ten Ser­ver zur Ver­fü­gung zu stel­len. Hier ist sein Artikel:

»Eine freie, nicht von der öffent­li­chen Gewalt gelenkte, kei­ner Zen­sur unter­wor­fene Presse ist ein Wesens­ele­ment des frei­heit­li­chen Staa­tes; ins­be­son­dere ist eine freie, regel­mä­ßig erschei­nende poli­ti­sche Presse für die moderne Demo­kra­tie unent­behr­lich. Soll der Bür­ger poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen tref­fen, muß er umfas­send infor­miert sein, aber auch die Mei­nun­gen ken­nen und gegen­ein­an­der abwä­gen kön­nen, die andere sich gebil­det haben. Die Presse hält diese stän­dige Dis­kus­sion in Gang; sie beschafft die Infor­ma­tio­nen, nimmt selbst dazu Stel­lung und wirkt damit als ori­en­tie­rende Kraft in der öffent­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung. In ihr arti­ku­liert sich die öffent­li­che Meinung.«

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Spiegel-Urteil vom 5. August 1966

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag hörte ich eine Adv­ent­spre­digt, in der es darum ging, wie wir eigent­lich von ande­ren den­ken und reden, wenn wir uns mit ihnen zusam­men­set­zen und anschlie­ßend eine ent­spre­chende Gesprächs­no­tiz abset­zen, wie es bei Wiki­Leaks zahl­rei­che gibt. — Ich jeden­falls möchte nicht so dis­junkt leben und han­deln. Für die Poli­tik finde ich, dass die Trans­pa­renz deut­lich höher seien sollte als für pri­vate Angelegenheiten.

Dass ein Bür­ger sich dage­gen ver­weh­ren sollte, wenn z.B. Zah­lungs­sys­tem­be­trei­ber die gekauf­ten Pro­dukte zu Per­sön­lich­keits­pro­fi­len kom­plet­tie­ren, und dann der Drogerie-Käuferin eines Schwan­ger­schafts­tests gleich mit der nächs­ten Post Win­deln und Baby­ar­ti­kel anbie­tet, dann finde ich das nicht legi­tim. — Sol­ches Pro­fil steht dem, der dafür da ist, die Scheck­karte anzu­rech­nen nicht zu. In sol­chen Fäl­len hilft Bar­zah­lung. Wei­ter­le­sen

mein Erstkontakt mit Alice Schwarzer

»ereig­nete« sich im Deutsch-Leistungskurs, neben Elke. Die hatte eine schweins­le­derne Schul­mappe, mit einem PorNO-Aufkleber der EMMA drauf. Und Elke war bereits damals reso­lut, sie boxte, teils ver­bal und teils »mecha­nisch«, um sich, wenn Kurs­teil­neh­mende »männ­lich formulierten«.

Ich war erst ver­blüfft, dann ent­setzt, hatte mir keine gro­ßen Gedan­ken darum gemacht, wie eigent­lich die Spra­che unser Den­ken und das Bewusst­sein beein­flusse. Das heißt: Natür­lich hatte ich drü­ber nach­ge­dacht, aber weni­ger dar­über, ob ich »Schü­ler« sagte und »Schü­le­rin­nen und Schü­ler« meinte. Im Latein­un­ter­richt hatte ich gelernt, dass im Plu­ral im Zwei­fel die männ­li­che Form gebraucht würde. Das war so, fak­tisch. Was sollte ich das mit mei­nen 18 Jah­ren in Frage stel­len? — Elke aber las EMMA, und sie war, was ihr hoch anzu­rech­nen ist, bereits damals deut­lich cle­ve­rer als es Alice Schwar­zer in die­ser Hin­sicht bis heute scheint: Elke gebrauchte das Thema, sie wusste das auch iro­nisch zu bre­chen. Nahm es ernst, aber eben nicht bier­ernst. Und das sprach und spricht für Elke. Wei­ter­le­sen

WikiLeaks 1941 — ein Gedankenexperiment

Heute fragt in einem Radio-Essay Burk­hard Müller-Ulrich:

»Wie anders aber sähe die Welt­ge­schichte aus, wenn Wiki­leaks etwa 1941 die Pläne der deut­schen Regie­rung zur Ermor­dung der Juden ver­öf­fent­licht hätte. Das Gedan­ken­spiel macht klar, was für eine gewal­tige Umwäl­zung das Inter­net für jeden Bereich staat­li­chen Han­delns bedeu­tet.« (hier)

Die­sen Gedan­ken Müller-Ulrichs möchte ich wei­ter­spie­len. Ein­mal ange­nom­men, die USA, die UdSSR und die Regie­rung in Groß­bri­tan­nien hät­ten enspre­chende Infor­ma­tio­nen bekom­men, und das wäre zwei Monate spä­ter bei Wiki­leaks nach­zu­le­sen… Wäre wäre dann? Beson­ders: Was wäre, wenn sie nichts dage­gen getan hät­ten? Mit der zwei­tei­li­gen Ver­fil­mung Piux XII. wurde eben die­ses Thema auf­ge­grif­fen. Auch schon Hoch­huts Drama »Der Stell­ver­tre­ter«, das Erwin Pisca­tor insze­nierte und das inter­na­tio­nale Ver­wick­lun­gen brachte. Klar, beim Papst kommt immer noch eine Num­mer mehr mora­li­scher Erwar­tun­gen hinzu. Wei­ter­le­sen

freie Adventslieder vom Musikpiraten — damit die GEMA keine KiTas abmahnen muss…

Dass man­cher Later­nen­um­zug ein kost­spie­li­ges Nach­spiel hatte, weil die GEMA gerne die Urhe­ber­rechts­ab­ga­ben für die »auf­ge­führ­ten« Lie­der haben möchte, hat sich her­um­ge­spro­chen. Man­ches Sin­gen in Alten– und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wurde aus Urhe­ber­rechts­grün­den abgesetzt.

Wer nicht dar­auf ver­zich­ten möchte, kann sich hier beim Musik­pi­ra­ten bedie­nen, der ein Lie­der­buch spe­zi­ell zum Advent zusam­men­ge­stellt haben, mit aus­schließ­lich urhe­ber­rechts­freien Lie­dern. Das Heft ist als pdf oder open Office Doku­ment zu haben, und was mich beson­ders freut: Es ist auch ein ZIP der Ori­gi­nal Lilypond-Notendateien ver­füg­bar. Danke, liebe Piraten.

Ich finde das aus­ge­spro­chen sinn­voll. Ein posi­ti­ves Bei­spiel, wie man ein­fach sich selbst ins Abseits des »nicht-aufgeführt-Werdens« stel­len kann, wenn man das fal­sche Lizenz­mo­dell wählt. Meine Texte und Bil­der hier ste­hen und Crea­tive Com­mons Lizenz und dür­fen unter Nen­nung des Ver­fas­ser­na­mens frei benutzt wer­den. Bei den Pho­tos, die Per­so­nen zei­gen, sind jedoch aus­schließ­lich nicht kom­mer­zi­elle Nut­zen gestat­tet, und dort gilt, zum Schutz der Pho­to­gra­phier­ten: Keine Bear­bei­tung, kein Com­po­sing usw. — also dies fol­gen­des Crea­tive Com­mons Modell.

JMStV — das könnte das Ende von fra​we​me​dia​.de werden

Isotopp schreibt heute in sei­nem Blog:

»Daher bleibt mir nur die Kon­se­quenz, die Regeln für Internet-Startups auch auf meine eige­nen Inhalte anzu­wen­den: Nicht in Deutsch­land, nicht in deut­scher Spra­che und nicht für Deut­sche. Meine bis­he­ri­gen Inhalte nehme ich mor­gen off­line, und falls ich noch ein­mal irgend­was mache, dann für ein Land, das Zukunft hat.

Nicht Deutsch­land.«

Hier gibt es etwas Hin­ter­grund. Dass die­ses Gesetz — wie einige andere — hand­werk­lich sehr nach­läs­sig gemacht ist, ist wenig ver­wun­der­lich. Hier dazu (ich bitte, aber auch die Kom­men­tare zu lesen). Wenn die­ses Gesetz daher so durch­ge­wun­ken wird, wie es der­zeit vor­liegt (hier der Text), dann bedeu­tet das, dass ich sicher­stel­len muss, keine Inhalte anzu­bie­ten, die evtl. die Ent­wick­lung von Kin­dern oder Jugend­li­chen beein­träch­ti­gen könn­ten. Mir fiele man­cher alt­tes­ta­ment­li­che Text ein, der geeig­net wäre, die Ent­wick­lung zu beein­träch­ti­gen. — Hier sind 17 Fra­gen, die man berück­sich­ti­gen sollte. Ich bin nicht sicher, ob ich das kann. Noch weni­ger sicher bin ich mir, ob ich das möchte, denn dies ist ein Pro­jekt, das ich selbst bezahle, in das ich meine Frei­zeit ste­cke ‚und ich habe ja auch andere Interessen.

Mit ande­ren Wor­ten: Seit den Dis­kus­sio­nen um Zen­sur­sula und StaSi2.0 (lei­der sind ja die Wiki-Artikel gelöscht) fühle ich mich mehr und mehr kri­mi­na­li­siert, ohne dass ich mich als Ver­bre­cher fühlte. Weil ich zwar den Aus­tausch schätze, mich aber nicht so wich­tig nehme, dass ich das als Selbst­dar­stel­ler bräuchte, kann ich mir durch­aus vor­stel­len, wenn die Bedin­gun­gen zum Publi­zie­ren hier­zu­lande uner­träg­lich wür­den, ein­fach das Ange­bot ein­zu­stel­len. — Oder aber per Ser­verskript bloß zwi­schen 24 Uhr und 6 Uhr online gehen zu las­sen, ansons­ten auf den Geset­zes­text zu ver­lin­ken oder dergleichen.

Noch sind vier Wochen lang Zeit. — bei mir. Mit Isotopp ist heute Schluss. — Zu spät.

Die Diakonie taufen? — Eigentümlichkeiten und Widersprüchlichkeiten zwischen Kirche und Diakonie

Am Sams­tag war ich bei einem Freund zu Gast. Wir spra­chen über die dia­ko­ni­schen Dienste der Lan­des­kir­che, das Dia­ko­ni­sche Werk, die Alten­pfle­ge­ein­rich­tun­gen, über Kin­der­ta­ges­stät­ten und eine Ent­wick­lung zur Ver­selb­stän­di­gung der Dia­ko­nie von der Gemeinde.

Bereits in der Apos­tel­ge­schichte, Kapi­tel 6, wur­den ja die Dia­kone aus­ge­guckt, damit die Ver­sor­gung der grie­chisch­spra­chi­gen Wit­wen täg­lich ver­sorgt wur­den. Beim Tem­pel gab es wohl nichts für die. Die frühe Gemeinde musste also hier selbst orga­ni­sie­ren. Die Apos­tel aber fan­den es nicht trag­bar, dass sie die Pre­digt und Lehre ver­nach­läs­sig­ten um der Bedürf­ti­gen­ver­sor­gung wil­len. Also wur­den Dia­kone beauf­tragt, die sämt­lich grie­chi­sche Namen tru­gen, von denen man anschlie­ßend viel hört, aber nir­gends, dass der »Sie­be­n­er­kreis« (der Dia­kone) die Sup­pen­kelle an der Armenküchen-Ausgabe bedient. Sie pre­di­gen, tau­fen äthio­pi­sche Finanz­mi­nis­ter usw. Wei­ter­le­sen

es ist etwas faul — im Lande Niedersachen und anderswo:

Der RAV hat eine Liste der mut­maß­li­chen Rechts­brü­che durch die Poli­zei (und aus­län­di­sche Kräfte) zusam­men­ge­stellt (hier). Ich kann zu den Vor­wür­fen selbst keine Stel­lung bezie­hen, kann nicht ein­schät­zen, ob sie begrün­det sind oder eben nicht. Aber: Ich finde es ver­hee­rend für die demo­kra­ti­sche Kul­tur, wenn es auf die Macht­frage her­aus­läuft, auf Metho­den des Bür­ger­kriegs. Das ist bekannt­lich eine Vor­stufe zur Ein­stel­lung: Ich kann nichts ändern, also werde ich Ter­ro­rist. Und aus die­ser Hal­tung folgt nichts gutes. In Gaza hat es ähn­lich angefangen.

Wer damit rech­nen muss, bei Demos ein­ge­kes­selt zu wer­den, immer wie­der nicht als »Sub­jekt«, son­dern als »Objekt« behan­delt zu wer­den, von dem Staat, der ja eigent­lich dem Schutz sei­ner Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ver­pflich­tet seien sollte, der greift eines Tages zu ande­ren Mit­teln: Ja, Spreng­stoffe sind güns­tig, wes­halb sie bei Ter­ro­ris­ten so beliebt sind. Aber auch che­mi­sche Kampf­stoffe sind hier­zu­lande (ent­spre­chende Kennt­nisse vor­aus­ge­setzt) leicht zu haben. Und dann gnade uns Gott, wenn wir quasi »Wei­ma­rer Ver­hält­nisse« auf dem heu­ti­gen tech­ni­schen Niveau bekämen.