Natürlich habe ich die Sherlock Holmes Krimis von A. C. Doyle gelesen, auf deutsch und als englisches Hörbuch habe ich sie auch gehört und teils gelesen. Neulich bekam ich ein kostenloses e-Book vom Tal des Grauens (oder »der Angst« — im Original »Valley of Fear«) und das habe ich gelesen.
Es war eine erfreuliche Wiederbegegnung mit dem Krimi nach über zwanzig Jahren. Ja, ich gebe zu: Teils las ich länger als ich wollte, einfach des Textes wegen. Aber auch dies ist dieser Tage nicht neu: Es gibt ja Korrekturen zu lesen — Ende der Vorlesungszeit bedeutet auch Zeit der Haus– und Abschlussarbeiten -, also komme ich in der »Freizeit« derzeit kaum aus der Lektüre heraus und stelle hier mal fest: Meinen Rundfunkgebühr, die jetzt »Teilnehmerbeitrag« heiß (nähme ich teil, trüge ich bei, tue ich aber nicht, muss aber trotzdem zahlen)t, habe ich bezahlt, aber »vorbehaltlich gerichtlicher Klärung«. Weiterhin sehe ich nicht fern und hoffe, dass die Klagen ein Kippen der Verdreifachung meiner »Beitragspflicht« bewirken.
Jedenfalls las ich also das »Tal des Grauens« und stelle fest, wie sehr in seiner etwas arroganten Art der »Sherlock« Doyles in der britischen Serie (die ich auf DVD bevorrate) getroffen ist. Ja, so kommt er im Text herüber: Einige Grade schlauer und viel weniger »begrenzt« im Denken als die Polizisten. Dass mehr als ein Drittel des Textes in den USA spielt und sich als Bericht des anfangs mutmaßlich Ermordeten tarnt, geht für dieses Buch in Ordnung.
Die Verhältnisse dieses us-amerikanischen Tales der Angst oder des Grauens, die finden sich auch heute noch, und nicht nur in so genannten Bananenrepubliken. Dass Mächtige ihre Macht missbrauchen und gerade auch in politischen Ämtern Macht nicht nur zum größtmöglichen Nutzen der größtmöglichen Anzahl von Menschen eingesetzt wird, ist kaum neu. Dass Reiche immer Reicher werden und andere wenig Anteil an den Ressourcen erhalten, gilt (fast) überall. Insofern: Im Westen nichts neues. Und doch eine Studie, die auch heute noch lohnt, geht es doch darum, wie weit »verdeckte Ermittler« gehen und gehen dürfen. Auch der Ethiker hat also etwas von dieser leicht lesbaren Lektüre, die eigentlich bloß unterhalten möchte.

Der Blick auf die weltweiten Kirchen kann auch aus der Perspektive eines Methodisten kaum über die bedeutenden und einschneidenden Änderungen hinwegsehen, die das Zweite Vatikanische Konzil ausgelöst hat. Es begann (gestern) vor 50 Jahren und dauerte bis Dezember 1965 an. Dieses Konzil hatte, ohne hier ins Detail gehen zu wollen, dafür gibt es Hubert Jedins »Kleine Konziliengeschichte« oder wenigstens den Wiki-Artikel, das Thema der Beziehung der Kirche zur modernen Welt, zu anderen Weltanschauungen, zur Ökumene. Außerdem folgte eine Liturgiereform, die für katholische Verhältnisse beachtlich ist. Nicht zuletzt folgte ganz überwiegend die Messe in den Landessprachen.
Anders gesagt: Das Zweite Vatikanische Konzil ist die vermutlich größte Reform der Katholischen Kirche in der Neuzeit von innen heraus. Nicht umsonst wird das Konzil in seinen Wirkungen, gerade von den Kritikern — z.B. Lefebvre — mit der Französischen Revolution verglichen. Bis heute geht — gerade innerhalb der röm.-kath. Kirche — die Auseinandersetzung darum, ob die Reformen bedeutend zu weit gingen. Dies betonen die Traditionalisten. Sie sehen den Niedergang der röm.-kath. Kirche in den 1970er und 1980er Jahren bis heute als eine Folge des »Rückzugs« von eigentlich unaufgebbaren Positionen und Ansprüchen der Kirche. Weiterlesen
Die meisten Menschen lesen angeblich vor allem solche Nachrichten, hören solche Radiosender, sehen solche Fernsehprogramme, die in der eigenen Auffassung bestätigen. Besonders auffällig sei dies in den USA, in denen fast jede Nische mit einem entsprechenden Sender bestückt sei, so dass man nichts zur Kenntnis nehmen müsse, das das eigene Welt– und Selbstbild erschüttern könne. So weit das Allgemeine. Was mich betrifft, so kann ich zwar grundsätzlich ähnliches vermelden, ich höre vor allem Deutschlandfunk, WDR-5 und NDR-Info, lese vor allem Zeit und Süddeutsche (und das vor allem im Netz, gelegentlich kaufe ich mal eine Ausgabe), lese regelmäßig einige Blogs und folge in der Tat — etwa auf Twitter — den so genannten Linksevangelikalen von Sojourners und Fresh Expressions sowie der UMC, der »Dachkirche« meiner ev.-meth. Kirche.
Um es nicht zu einseitig werden zu lassen, das eigene Weltbild, verordne ich mir gelegentlich eine ordentliche Portion NDR Radio-Niedersachsen (kaum erträglich!) und junge Freiheit, dazu dann Bild.de und aus Gründen der Vollständigkeit eben auch kreuz.net. Letztere geistern seit der vergangenen Woche durch alle Medien, weil sie nach dem Tode Dirk Bachs dermaßen verbal ausgeteilt haben, dass ein Verleger eines Männermagazins für gleichgeschlechtlich Orientierte inzwischen eine Belohnung von 15.000 € für Hinweise ausgesetzt hat, die zur Ergreifung der Hintermänner bzw. –frauen führen, die kreuz.net betreiben. Weiterlesen
»Ich verstehe diese Schizophrenie der US-Amerikaner nicht. Nennen sich Christen, Bush sogar Methodist, und sind praktizierende Scharfrichter. Können wir nicht mal ein Zeichen setzen und als Methodisten solche Mitglieder ›exkommunizieren‹. Sollen die doch woanders beten. Und wenn sie begriffen haben, worum es geht, dürfen sie wiederkommen.« — schrieb ein Freund gestern bei Facebook.
Amnesty International macht derzeit eine Kampagne gegen die Todesstrafe anlässlich des internationalen Tages gegen die Todesstrafe, der am 10. Oktober begangen wird. Eines der Plakate, die da von Amnesty täglich präsentiert werden, die Argumente nennen und illustrieren, das ich bei Facebook teilte, provozierte einen Freund aus der Gemeinde zu dieser These. Weiterlesen
Was tun, wenn ein Feiertag mitten in der Woche liegt, er sich somit als Brückentag wenig anbietet? Einfach man ruhig angehen, dachte ich mir. Traditionell habe ich bereits öfter den 3. Oktober zu Ausflügen nach Bergen-Belsen genutzt. Wenn das Wetter mitspielt ist das eine guter Tag, um drüber nachzudenken, worauf eigentlich unser gesellschaftliches Miteinander aufbaut, was unter dem Pflaster liegt an Schrecken und Unmenschlichkeiten.
Bei diesem Mal war ich nicht allein, sondern fuhr mit meinem Bruder je mit einem Motorrad… Traditionell mit einem Zwischenstop am Allerkraftwerk in Oldau. In der Gedenkstätte habe ich bei diesem Besuch den Schwerpunkt auf die Displaced Persons gelegt, und mir scheint, dass die Idee des Nationalstaates mit einem einheitlichen Recht, festen Grenzen und eben auch einer — nach Kant — einheitlichen Religion und Sprache so gar nicht passt. Dass das auch heute nicht so richtig einschlägig ist, zeigt sich für alle bei der Religion, aber es ist eben auch mit den »nationalen Minderheiten« (Südschleswigsche Minderheit in Schleswig-Holstein und etwa Sorben) nicht passen. Das Modell aber passt auch nicht bei Roma und Sinti. Als ich wieder mal die Verwerfungen und das Bemühen um Normalität sah, die da von 1945 bis 1950 herrschten, mit jiddisch-deutschen Hochzeitseinladungen und polnischen Zeugnissen für Motorrad-Schlosserinnen, mit erneut unwürdigem Umgang deutscher Behörden mit den geschundenen und misshandelten Seelen, hatte ich den Eindruck, wie dünn der kulturelle Mutterboden ist. Darunter aber hat sich manches gehalten aus der Zeit vor 1945 und — dies besonders eindrücklich — aus einer empfundenen »nationalen« Höherwertigkeit. Weiterlesen
Die Rede von Parallelgesellschaften höre ich seit einigen Jahren vor allem bezogen auf so genannte Migranten-Quartiere, in denen sich eigene Strukturen und Ordnungen entwickelten, wie man sagt. Im Rahmen der Sarazin-Debatte ging es um solche in Berlin und besonders in so genannten »Brennpunktschulen«.
Einige konterten, dass manche abgehobene »Schichten« oder »Millieus« — etwa in der Einkommensspitze und auch in der Politik — lange schon in Parallelwelten lebten. Dass sie mit den Sorgen und Nöten der Otto-Normalbürger nichts zu tun hätten, weil sie auch nicht drauf angewiesen seien. Schwierig wird es eigentlich nur dann, wenn einmal Urteile nicht zur Bewährung ausgesetzt werden, weil dann die entsprechenden Abhebler zügig auf dem Boden der Normalität, zugegeben ist diejenige hinter Gittern eine spezielle, ankommen.
Diese Trennung in unterschiedliche Schichten oder Millieus, meinetwegen auch Klassen, führt zum schwindender Chancengleichheit. Dies beginnt mit dem Wohnort, und entsprechenden Angeboten für Kinder, setzt sich über die Schulen fort und führt zu einer ererbten Armut bzw. zu ererbtem Wohlstand, was, über einige Generationen betrachtet, in eine Art »Kastenwesen« mündet. Die Illusionen der 1970er Jahre sind dem Paradigma des Marktes zum Opfer gefallen und die Sozialen Bekenntnisse bzw. Denkschriften werden von der Mehrheit der Menschen hierzulande schon lange nicht mehr zur Kenntnis genommen.
Nun aber zu meiner Parallele: Wir können, so meine ich, von Micha und Amos, den Propheten, eine Menge lernen. Ich möchte hier nicht auf die Details eingehen, stelle aber fest, dass gesellschaftlicher Überschuss (»surplus« wie die Sozialgeschichtler unter den Alttestamentlern sagen) leicht dazu führt, dass die Verteilung dieses Wohlstands so erfolgt, dass die, die (politische, militärische, wirtschaftliche, …) Macht haben, diese nutzen, um ein überproportionales Stück vom Kuchen abzubekommen.
In der Nähe meines Elternhauses gibt es ein Graffiti:
»Die meisten Menschen hören auf zu rudern, wenn sie am Ruder sind.«
Natürlich gibt es (oder sollte ich sagen: »natur-notwendig«) immer Werte, »von denen einige Leute mehr haben werden als alle anderen zusammen. Mehr Sterne am Kragen, mehr Streifen auf der Brust, sichtbar oder unsichtbar, denn arm und reich wird es immer geben, genau wie dumm und gescheit. Und der Kirche … ist leider nicht die Macht gegeben, zu bestimmen, wie ein Staat regiert werden soll.« (Ö. v. Horvárth, Jugend ohne Gott, Kapitel ›Auf der Suche nach den Idealen der Menschheit‹ — seit 2009 gemeinfrei, da »glücklicherweise« der Verfasser in Paris 1938 vom Ast erschlagen worden ist).
Der Dialog zwischen dem Lehrer als Ich-Erzähler Horváths und dem Dorfpfarrer geht noch weiter und führt dahin, dass die (röm.-katholische Amts-)kirche nicht anders könne als auf der Seite der Mächtigen zu stehen. Das ist in der Heilsarmee und bei den Jesus-Freaks anders — und auch in meiner Kirche steht man zwar gewiss nicht in Opposition zum Staat; aber in Distanz und stets auf Seite der Opfer, vgl. etwa das angesprochene Sozialen Grundsätze der EmK. Doch stellt sich mit Bonhoeffer die Frage, ob es genüge, die Opfer unter dem Rad zu versorgen, oder ob es nicht erforderlich ist, dem Rad in die Speichen zu fallen?
Mandatenethisch gefragt: Ist es nicht nötig, mehr zu tun als zu predigen und individualethisch anständig zu leben? Könnte es nicht nötig werden, zu mahnen und unsere Möglichkeiten als Christenmenschen und als Gemeinden mahnend in die Waagschale zu werfen, weil die Gerechtigkeit einer Gesellschaft — zumindest bei Micha und Amos — an denen bemessen wird, die sich nicht selbst helfen können. Und eben die kommen heute wieder mehr und mehr unter die Räder.
Das deutsche System der »sozialen Marktwirtschaft« aus der Tradition des Ordo-Liberalismus muss sich daran messen lassen, ob es den Menschen dient, den Menschen, nicht bloß einigen. Wenn das nicht so ist, wenn die Jugendarbeitslosigkeit und die Chancenungleichheit steigen, dann führt die wirtschaftliche Freiheit eben zu zahlreichen anderen Unfreiheiten, zu eingeschränkter Teilhabe der meisten.
In den USA gibt es seit einiger Zeit eine Diskussion »what would Jesus cut«, bei der es darum geht, dass Haushaltsansätze eben auch ein geistliches Dokument sind. Wo sparte Jesus ein? Bei der Steuerstundung für Alleinerziehende? Oder beim Spitzensteuersatz? Mehr dazu gibt es hier.
Ich habe selbst noch keine Antworten, sehe aber, dass die Fragen der Zeit eine ganz neue Qualität der Herausforderung für die gesamte Gesellschaft — und für die, die sich als Christinnen und Christen verstehen, auch eine geistliche Herausforderung — bedeutet.
Wer die Lösch-Feldzüge bei Wikipedia mit dem Kriterium fehlender »Relevanz« der gelöschten Artikel etwas verfolgt hat, weiß, dass EDV-Erfahrene, etwa Felix v. Leitner (Fefe) eine andere Form der Schnittstellen, der Benutzenden-Interfaces, empfehlen, die allein in ihrer Struktur eher Wachtum ermöglichen als Löschung nahezulegen. Dies Thema, wie also die Form inhaltlich rückwirkt, finde ich schon lange faszinierend. Als ich mich mit der Entstehung bestimmter theologischer Modelle in der Alten Kirche befasste, wurde mir deutlich, was allein durch die kaiserlich einberufenen Konzilien »losgetreten« wurde. Plötzlich mussten die Dinge terminologisch festgelegt werden, damit entscheidbar wurde, was gelten soll und was als falsche Lehre verworfen werden sollte. — Dabei ist klar, dass die Kompromissformeln oft theologisch weder Fisch noch Fleisch wurden, sie durften ja keiner Seite über die Maßen recht geben, um nicht andererseits die Gegenposition vor den Kopf zu stoßen. Gerade in »Glaubensdingen« geht es ja mit Argumenten und Herzblut zur Sache. Wenn im Nestorianischen Streit um den Titel der »Gottgebärerin« für Maria gestritten wurde, dann gibt es zwar eine verworfene Lehre, die als nestorianisch bezeichnet wurde, die aber mit der tatsächlichen Position des Patriacrchen von Konstantinopel nur am Rande zu tun hat und schon gar nicht der dahinter stehenden Gedankenwelt Rechnung trägt, die Nestorius motivierte, in der Folge der antiochenischen Schule so zu argumentieren, wie er es tat.
Das ist nicht nur ein randständiges Thema, wenn aktuell die Piratenpartei verkündet, sie habe kein Programm, sondern ein »Betriebssystem«, so ist das vielen klassisch fragenden und denkenden Journalisten kaum zugänglich: »Wer sagt denn nun, wie es gemacht wird?« — »Wir haben da ein virtuelles Meinungsbilungstool, das erlaubt, mit allen die Frage ad hoc zu entscheiden.« Liebe Leserin, lieber Leser, da passen bisherige Denkmodelle nicht, weil die Form eine andere ist. Gerade ist das höchste (irdische) Gremium meiner Kirche (ev.-meth.), die Generalkonferenz in Florida zuende gegangen. Für mich ein Anlass, über einen selten bedachten Bereich zwischen Theologie, Organisationslehre und den jeweiligen Rückwirkungen auf die Inhalte nachzudenken. Weiterlesen
 mehrfach falscher Bon
Die wenigsten Gastronomen werden reich. Viele zahlen weit unter Tarif und kommen dennoch kaum über die Runden. Der Wettbewerb ist hart, so dass manche auch unlautere Methoden anzuwenden bereit sind: Ich hatte dieses Gericht klar und deutlich zum Verzehr in der Gaststube bestellt. Bekam es auch entsprechend auf dem Teller und nicht etwa in einer Transportverpackung. Bevor ich bestellen konnte, zahlte jemand anderes, und auch dort, es fiel mir sofort auf, während ich an der Kasse stand, war der Bon mit 7 % Mehrwertsteuer ausgestellt. Die Kunden bezahlte 24,80 EUR und ging mit zwei weiteren Gästen. Dann bestellte ich. In meiner Anwesenheit bezahlten zehn Gäste ihre Rechnungen, und acht davon hatte im Lokal (oder auf der Außenterrasse) gesessen zur Einnahme der Speisen.
Bei meiner Rechnung macht der Unterschied zwischen »außer Haus« (ein Freund bemerkte im Internet zutreffend, dass nach Diphtong ein »ß« zu stehen habe) 0,96 EUR aus (bei 8 EUR Rechnungsbetrag). bei meinem Essen wurden also 0,96 EUR Steuern nicht abgeführt. In den ca. 20 Minuten, die ich da war, gab es ca. zehn Kunden, davon acht, die dort aßen. Wenn das Durchschnitt ist, macht das gut 23 EUR pro h, die der Finanzminister nicht bekommt. Und das macht am Tag ca. 240 EUR oder bei 30 Tagen im Monat ca. 7.257 EUR. In einem Laden.
Nun muss jeder gucken, wie er oder sie über die Runden kommt. Und ich finde die Regelung mit dem ermäßigten MwSt.-Satz (7 %) für außer Haus Verkauf gegenüber dem vollen Satz von 19 % für Restaurantleistungen im Lokal wenig einleuchtend und — schlicht gesagt — unglücklich. Aber das darf m.E. nicht dazu führen, dass die/der Gastronom/in sich einen Vorteil gegenüber anderen durch Steuerhinterziehung verschafft. Entweder zwei Listen (wobei die netto Preise gleich sind, und nur durch unterschiedliche Steuersätze die Speisen außer Haus 12 % günstiger werden. Oder größere Portionen außer Haus. Wie auch immer. Wenn ich im Lokal esse, dann muss die Quittung auch die entsprechenden Steuern ausweisen und der Gastronom möge sie abführen. Widrigenfalls werden Steuern hinterzogen und andere, die fair nach den gesetzlichen Regelungen handeln, unlauter übervorteilt. Das will ich nicht.
Ich meide diesen Imbiss und empfehle anderen, alle Lokale zu meiden, die so vorgehen. Im Wiederholungsfall bitte ich um eine neue Quittung, die die korrekte Mehrwertsteuer ausweist.
Am 20. April 2012 lief im Deutschlandfunk eine eindrückliche Sendung, in der es darum geht, wie interessierte Einzelne oder Unternehmen mit Spekulationen die Demokratie weltweit angreifen. Sei es in Lateinamerika oder nun in Europa. Der Deutschlandfunk schreibt:
»Gezielte Spekulationsattacken auf ganze Volkswirtschaften, unantastbare Finanzagenturen, die Regierungen in die Knie zwingen, und ohnmächtige Politiker, die gebetsmühlenartig wiederholen, es gäbe keine Alternative: Europa befindet sich im Wirtschaftskrieg.« (hier)
Die Sendung ist deshalb so empfehlenswert, weil dort Menschen sehr weit gedacht haben. Oft wird ja journalistisch stets die gleiche Agenturmeldung aufgewärmt. Hier wurde recherchiert und das bei sehr kompetenten Fachleuten. Ich bin nicht sicher, ob die Ergebnisse 100 % zutreffen. Sicher ist aber, dass es mehr als anregend ist, diesen Blick auf die Phänomene zu wagen. Wer Michel Foucault 1979 hört bei seiner Vorlesung, der könnte ihn für einen Propheten halten. — Unglaublich weitsichtig sind seine Analysen. Zwischen »mündelsicher« und »hochspekulativ« bewegen sich die Anlagen, und die entsprechenden Banker gewinnen immer — entweder Boni oder Subventionen, um Institute, die zu groß geworden sind, um konkurs zu gehen, aufzufangen und abzustützen.
Die Sendung kann hier vom Deutschlandfunk herunter geladen werden. Kommentare sind willkommen. — Jedenfalls erlebe ich beim Deutschlandfunk (und manchmal bei Arte) diese Art anregenden Journalismus, die ich mir auch in RTLs Mittagsprogramm wünschte, was öfters in einem Imbiss läuft und mir in der Pause den Appetit verdirbt. Diese Art von Denkstoff gibt es viel zu selten. Habe mir glatt den Foucault aus dem Regel geholt und nachgelesen.
Wenn es tatsächlich so ist, dass Argentinien, das sich 2002 für insolvent erklärte, ein Ausweg ist aus dem Stützen systemrelevanter Banken/Versicherungen, dann ist eben mit »alternativlos«, Frau Dr. Merkels Lieblingswort leider etwas unzutreffendes angesprochen. Warum das Wort an sich ein Unwort ist, lernen wir hier bei http://www.neusprech.org.
Peter Ramsauer hat ein neues Thema, bei dem die Ordnung und der Anstand gefährdet scheinen. Die »Kampfradler«, so habe er gemäß Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung beobachtet, missachteten unter den Augen von Polizisten rote Ampeln und jede Verkehrsregel. — Allein das letztere kann nicht ganz ernst gemeint sein: Da es potenziell sehr viele Regeln gibt, zumal im internationalen Vergleich, ist es unwahrscheinlich, dass Herr Ramsauer beobachtet hat, wie jede einzeln und nacheinander übertreten werde.
Wenn aber der logische Kategorienfehler (Allquantor »alle Regeln wurden gebrochen« statt »es gibt Regeln, die gebrochen wurden«) günstigstenfalls eine Ausdruck der Nachlässigkeit seien mag, so ist zu befürchten, dass es sich um einen Vorsatz handelt, um zu dramatisieren. Schon Klemperer wusste, dass der Blick auf die Sprache zur Beurteilung von Politik helfen kann. Im Artikel des Tagesspiegels, hier, kommt entsprechend die Gewerkschaft der Polizei zu Wort. Die Forderungen sind die üblichen: Kennzeichnung (nicht für die Polizisten, sondern für die Radfahrenden bzw. deren Räder), Steigerung der Bußgelder (auf das Niveau wie bei Kraftfahrenden). Weiterlesen
Heute vor einer Woche war auf einer Bühne an der Expo-Plaza eine Massenszene zu drehen geplant. Freunde suchten Mitwirkende, Statisten … über das Internet. Ich hatte bis rund 17 Uhr zu arbeiten und um 19:30 Uhr die »Gottesdienst-Werkstatt« in der Gemeinde. Die Zeit dazwischen habe ich den »Machern« angeboten. Rund ein Dutzend Statisten saß bereits im Foyer herum als ich eintraf. Und dann kam auch die Crew.
Eine kurze Einführung folgte, was das eigentlich für ein Film sei… Man habe nämlich am Dienstag um 10 Uhr früh das Thema vom Veranstalter bekommen, und seit diesem Zeitpunkt ständen insgesamt 99 Stunden Zeit zur Verfügung, bis der fertige Film — Dauer: 99 s — abgegeben werden müsse. Allerdings sei es, wie sich bei der Lektüre des Kleingedruckten rausstellte, doch eine ziemliche Ausbeutung: Man lasse Tausende Teams überall im Land Filme erstellen, vergebe für drei Beiträge Preise und sichere sich alle Rechte aller eingereichten Beiträge. Und eben das wolle dieser Film thematisieren. Nun gehe es um eine Szene mit einem Protestsong, und wir müssten alle entsprechend mitschunkeln und dann mit dem Fuß kräftig aufstampfen… — Schließlich kamen wir in die Probenbühne, und als auch die Technik Strom hatte, musste ich los zur Gottesdienstwerkstatt in der Gemeinde. Aber: Die Geschichte ging zügig weiter…
Inzwischen beharkten die Ausrichter des Wettbewerbs die hannoverschen Kollegen bereits juristisch. Der Vorwurf der Verleumdung steht im Raum. - Wie war das mit dem gewaltigen Schild und Speer (bei Goliath)? Eben: Einschüchterungsversuche gab es ja auch bereits bei den Philistern, bei David und Goliath. Und bekanntlich freut es alle, wenn mancher Riese unerwartet umfällt, muss ja nicht mit einem Loch in der Stirn sein. Könnte auch schon genügen, einfach mal die Teilnahmebedingungen und AGB zu verändern!? Jedenfalls ist der Beitrag über 14.000 mal angeklickt seit er bei youtube steht und ist der meistaufgerufene Film zu diesem 99 Sekunden-Thema.. Achso, ich soll das Verlinken oder Einbetten? Hier!
Gegebenenfalls reicht es ja schon, dass einer kommt wie in der fünften Strophe Matthias Claudius’ Gedicht »David und Goliath«:
»Da kam in seinem Schäferrock
Ein Jüngling zart und fein;
Er hatte nichts als seinen Stock,
Als Schleuder und den Stein,
Und sprach: ›Du hast viel Stolz und Wehr,
Ich komm im Namen Gottes her.‹«
Damit können die Kollegen von Amano ja immerhin dienen… Und wenn nicht David und Goliath, so doch zumindest Streisand-Effekt.
Dieser Artikel in La Stampa berichtet, dass ein Mitglied der Kuwaitischen Königsfamilie zum Christentum konvertiert sei und nun um sein Leben fürchte. Bedauerlicherweise ist es noch immer so, dass Religionsfreiheit, und zwar positiv (als Freiheit zu einer Religionsausübung) wie negativ (als Freiheit von religiöser Bindung) vielen Menschen nicht möglich ist. In einigen Regionen dieser Erde meinen Menschen an der Macht, dass sie den Glauben anderer bestimmen könnten. Zumindest versucht man, Konversionen zu bestrafen.
Mir scheint, dass ein Wechsel des Glaubens mitunter passieren kann, ja muss. Wenn jemand Christ wird, kann er vorher alles denkbare andere gewesen sein. Auch denkbar, dass jemand vom Christen zum Heiden wird, weil ihm oder ihr der Glaube abhanden kommt. Konversionen kommen vor. Mancher wird Moslem, manche wird Jüdin, Hindu oder was auch immer. Dass es für jemanden, ob nun politischer Machthaber oder überzeugter Gemeinde-Mitarbeitender, dem Glaube wichtig ist, eine wichtige Entscheidung ist, wohin jemand konvertiert, wenn damit eben auch »heilsrelevante« Entscheidungen getroffen werden, könnte er oder sie auf die Idee kommen, hier unliebsame Konversionen unter höchste Strafen zu stellen. Selbst das aber bringt nichts.
Ich freue mich, wenn jemand Christ wird. — Und ich achte alle, die anderweitig konvertieren. Ich finde es teils überaus schade, aber ich achte die Freiheit der anderen höher als meine Einschätzung der möglichen Folgen. Wenn ich einem gewesenen Christen, der jetzt Moslem ist, helfe, auch helfe, ein besserer Moslem zu werden, dann kann ich ihm etwas von Gottes Liebe, die ich glaube, widerspiegeln.
Für mich ist der Bericht in La Stampa eine Steilvorlage für ein Gedankenexperiment:
Was wäre, wenn Kanzlerin Dr. Merkel zum Islam konvertierte? Weiterlesen
Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass bei einer Kundgebung nationalsozialistisch Gesonnener als »Chiffre« nun der Titelsong aus Paulchen Panther gesungen wurde. Diese Musik wurde von der Zwickauer Nazi-Zelle (»NSU«) in ihren Bekennervideos als Hintergrundmusik gewählt.
Zutreffend stellt die Süddeutsche dar, dass man ja schlecht, bloß weil bestimmte Chiffren in rechten Kreisen gebraucht würden, Buchstaben des Alphabets (wie »AH« oder 18 (die entsprechenden Zahlwerte) für Adolf Hitler oder »HH«/88 für »Heil Hitler«) oder Ziffern verbieten könne. — Das ginge in der Tat zu weit. Was aber hindert eigentlich daran, bei urheberrechtlich geschützten Werken, diejenigen zur Kasse zu bitten, die diese öffentlich aufführen, ohne hierfür befugt zu sein? Die entsprechende GEMA-Direktion ist doch gar nicht weit vom Ort der Kundgebung in München entfernt?
Wenn entsprechende Bescheide wie bei den Laternenumzügen von Kindergärten an die Parteien und die (sicher nach den einschlägigen Überwachungsvideos auszumachenden) Einzelsänger zugestellt würden, wäre es doch endlich mal eine kreative Auslegung des rostigen Urheberrechts-Säbels.
Merke: Da, wo strafrechtlich keine Handhabe ist, bleibt immer noch der zivilrechtliche Weg. Vielleicht haben ja die Urheber bestimmte Aufführungseinschränkungen verfügt? Dann bliebe noch die (kostenbewährte) Unterlassungsverfügung…
Nebenbei: Als ich Paulchen Panther las, dachte ich erstmal als Peter Panter, eines der Pseudonyme Kurt Tucholskys, um die Weltbühne nicht zu Tucholsky-lastig erscheinen zu lassen… Dass die Rechtsgerichteten seine Songs sängen, hätte mich verwundert. Wäre aber zumindest (dank seines Suizids vor mehr als 70 Jahren) urheberrechtlich unbedenklich.
Ich wollt es wäre Kundgebung und die GEMA käme.
 Diese Marmelade ist ein »Fruchtaufstrich«
Lebensmittelrecht ist ein Gebiet für sich. Da werden die Claims sauber abgesteckt. Da muss das Fleisch durch halb Europa gefahren werden, um dann in Parma o.ä. zum Schinken zu werden. Feta ist eben nicht aus Kuhmilch (und darf nicht irgendwoher kommen) und Marmelade muss gekocht werden. Und wenn sie nicht gekocht wird? — Dann ist es eben keine Marmelade. Dann heißt das eben »Fruchtaufstrich«: Das macht den Orangen gar nichts. Nicht einmal mir, dem Konsumenten, macht es etwas. Ich finde, dass die Produkte der Dänen ganz im Gegenteil sehr empfehlenswert sind, auch dann, wenn es sich eben nicht um Marmelade handelt.
Wenn jemand weiß, wie es mit dem britischen Lebensmittelrecht ist: Muss »marmelade« (englisch) auch gekocht werden? Wie sieht das mit »jam« aus? — Dänen lügen nicht, und ich schere mich nicht drum, wie der Aufstrich heißt. Hauptsache ist, dass er schmeckt.
Größere Kartenansicht
heute fuhr ich in der Mittagspause hinter einigen Fahrschul-PKW, die sämtlich vom Parkplatz des Fahrlehrerverbands Niedersachsen kamen: Der liegt direkt meiner Arbeitsstätte gegenüber. Ich war unterwegs zu einigen Einkäufen auf der Karlsruher Straße und fuhr dann über die Kreuzung Kronsberger Straße in Richtung Hannover. Hinter der früheren »Feuerwache« ist eine Filiale der fast food Kette McDonald’s gelegen. Allein: Man darf nicht auf den McD-Parkplatz abbiegen, denn da ist eine Sperrfläche und etwas später eine durchgezogene Linie. Etwa einhundert Meter weiter darf man, denn dort ist die Linie dann nicht mehr durchgezogen, auf den Parkplatz der Esso-Tankstelle kann man fahren.
 slow food im Kunstmuseum Wolfsburg
Unmittelbar vor mir fuhren jedenfalls vier Fahrschul-PKW über die durchgezogene Linie auf den Mc-D.-Parkplatz. — Ich war verblüfft und fuhr meines Weges. Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher (Farm der Tiere) bzw. »quod licet iovi non licet bovi« (»Was Jupiter darf, das darf der Ochs noch lange nicht…«)
Aber was soll es, wenn man Internet-Verhinderer, die immerhin copy & paste beherrschen, zu EU-Internet-Beratern macht, warum dann nicht Fahrlehrer als »Verkehrssünder« bzw. als abschreckende Beispiele. Fehlt eigentlich bloß noch, dass Robert Mugabe zum UN-Menschenrechtsbeauftragten ernannt wird…
Mehr wäre vielleicht auch zu viel erwartet. Tragisch finde ich, dass vier PKW bestätigen, dass der Geschmack niedersächsischer Fahrlehrender mit dem fast food von Mc.-D. kompatibel sind. Gegenbeispiel gefällig? Am vergangenen Sonntag war ich in Wolfsburg im Kunstmuseum, um die Henri Cartier-Bresson Ausstellung anzusehen. Das Museum öffnete erst um 11 Uhr, so blieb Zeit, vor der Öffnung einen Cappuccino im Museumsrestaurant zu trinken: Und siehe da: Slow Food ist angesagt. Wäre doch etwas für Fahrlehrer?
Heute kommt der »runde Tisch« zum Thema sexueller Kindesmissbrauch zu seinem Abschluss. Dass Geschlechtlichkeit vielfach mit Scham verbunden ist, mit Privatheit, ist spätestens seit der Schurzproduktion Adams und Evas nichts neues. Dass Selbstbestimmung in diesem Bereich wichtig ist, scheint mittlerweile klar. Dei Kopplung gerade kirchlicher Übergriffigkeit ist ein Elend, das, nachdem es öffentlich ruchbar wurde, zahlreiche Austritte ausgelöst hat. Sicher nicht bei denen, die kein Heil außerhalb der römisch-katholischen Kirche sehen, wohl aber bei solchen, die innerlich längst distanziert waren und einen Tropfen brauchten, der das Fass zum überlaufen brachte.
Eigentlich geht es mir um die Parallele zwischen sexueller Selbstbestimmung und informationeller Selbstbestimmung. Dass Denken und Sprechen eben nicht immer für die Öffentlichkeit bestimmt ist — wie dieser Blogbeitrag — scheint denen, die da Daten-übergriffig sind, kein Frage zu sein. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat den »Leitfaden zum Datenzugriff« der Generalstaatsanwaltschaft München veröffentlicht. Hinsichtlich der staatlichen Übergriffigkeit ist von Vertraulichkeit und Intimität nicht mehr auszugehen. Hier ist das pdf-Dokument. Dass auch rechtlich das Eis sehr dünn (bis nicht vorhanden) ist, auf dem einige der Maßnahmen fußen, lässt sich im Kommentar in Rechtsanwalt Vetters Lawblog nachlesen. Entrüstet ist der AK Vorratsdatenspeicherung. Weiterlesen
Nachdem ich bereits länger kein Konzert von Selmore Driveby gehört hatte, fand ich, es sei mal wieder an der Zeit. Der Video bei Youtube spricht mich an, und auch, wenn »Post Hardcore« nicht so ganz meine Musik ist — die würde ich eher im akustischen Jazz verorten -, so ist es wunderbar, Überzeugungstäter live zu hören, die offenbar auch Spaß an dem haben, was sie machen.
Jedenfalls gab es überraschend zwei Konzerte dieser Band in der letzten Woche. Am Donnerstag konnte ich nicht, also beschloss ich, am Samstag nach Barsinghausen in das Konzert zu fahren. Hierfür nahm ich gerne den Weg in Kauf und »Falkenkeller« — naja, nicht unbedingt mein bevorzugter Konzertort… Oft sind politisch gut gemeinte Veranstalter nicht unbedingt diejenigen, die die beste Akustik bieten.
Jedenfalls las ich von den günstigen Getränkepreisen und der Veranstaltung hier. Was ich nicht las, war, dass das Konzert wegen baupolizeilicher Auflagen nicht im Falkenkeller stattfinden konnte, weil dort nur maximal 15 Personen zugleich zugelassen seien. — Also beantragte man eine Kundgebung und nach Sprachbeiträgen, die insbesondere auch die Anschläge von politisch rechter Seite auf den Falkenkeller erwähnten. Die Sprecher empfanden auch die baupolizeilichen Auflagen bzw. Anordnungen als Schikane und baten um Solidarität. Nachdem es zu Auseinandersetzungen mit politisch Rechtsgesinnten gekommen war, wohl mit Verletzten, fand die Kundgebung mit Polizeischutz statt. Weiterlesen
Ich bin über die Antwort zur Kleinen Anfrage den Staatstrojaner betreffend, entsetzt. So viel technische Ignoranz und derartige politische Nebelkerzen finde ich demokratisch unangebracht und ich fühle mich auf den Arm genommen. Das kann doch nicht alles sein, dass man in der Regierung aus der Presse informiert wird. Und dass man nicht einmal die z.B. Veröffentlichungen des Chaos Computer Clubs hinreichend gründlich gelesen hat.
Ich sehe ja ein, dass es gewisse Sicherheitsinteressen gibt und dass auch z.B. technische Details vielleicht einfach nicht kompetent geprüft wurden. Wenn das aber so ist, dann wäre es um so wichtiger, dass man das zugibt, wo es vorkam, und schleunigst nachholt.
Die Kleine Anfrage mit den Antworten im Original gibt es hier. Dies Dokument muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehrzahl der Abgeordneten mit so etwas zufrieden gibt!? Auch wenn man in Betracht zieht, dass Kleine Anfragen und andere parlamentarische Bräuche natürlich auch stets ein Mittel der Meinungsmache sind, so darf man sich als Regierung doch nicht dermaßen vorführen lassen, indem man Ignoranten an die Abfassung entsprechender Antworten setzt.
Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den Kommentar Felix von Leitners (»Fefe«), der schreibt:
»Oh und die CCC-Demonstration, als wir den Trojaner mit unserem GUI-Tool fernsteuerten, und sogar einen Fake-Trojaner bauten, der dem BKA-GUI-Tool falsche Daten unterschieben kann, die … leugnen sie einfach!
Die Bundesregierung bezeichnete die Möglichkeit, dass der Datenstrom abgehört werden könne, nun als »rein theoretische« Möglichkeit, für die Fachwissen und Zeit nötig seien, die eine überwachte Person wohl eher nicht habe.
Ich habe das zufällig aus der Nähe gesehen. Der Code, um einen vorbeirauschenden Kontrollkanal zu entschlüsseln, passt in eine traditionelle Email-Signature:
my $key = »\x49\x03\x93\x08\x19\x94\x96\x94\x28\x93\x83\x04\x68\x28\xa8\xf5«.
«\x0a\xb9\x94\x02\x45\x81\x93\x1f\xbc\xd7\xf3\xad\x93\xf5\x32\x93«;
my $cipher = Crypt::Rijndael->new( $key, Crypt::Rijndael::MODE_ECB() );
my $plain = $ciper->decrypt($daten);
Der Code für den kompletten Fake-Trojaner, der falsche Screenshots zurückliefert, waren unter 100 Zeilen Perl.«
Das ist in der Tat bloß die Spitze des Eisbergs. Es fördert meinen Verdruss nicht an der Politik als dem, was alle oder eine große Anzahl betrifft, wohl aber an denen, die derzeit Politik machen. So viel Ahnungslosigkeit finde ich unverantwortlich.
Gerade ist der Reformationstag vorbeigegangen und kaum einer hat es bemerkt, weil es eben kein Feiertag mehr ist — außer in einigen »mitteldeutschen« Ländern. Da forderte bekanntlich Luther eine Reform an Haupt und Gliedern der Kirche. Er wollte die bestehende reformieren, was entstand, das ist eine Konfessions– und Denominationsfamilie, eben die der protestantischen Kirchen.
Mir scheint überall dass da, wo es falsch läuft in Kirchen, einer gründlichen Umkehr (metanoia) bedarf. - Dass es zu allen Zeiten (außer in den letzten Zeiten, wenn man dem Apokalyptiker Johannes glauben darf) etwas gibt, wo es falsch läuft, liegt auf der Hand: Schließlich sind es Menschen, die da handeln, und die haben oft auch eigene, ganz menschliche, Interessen, die sie verfolgen. Nach den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen gab es in den Jahren 2009 und 2010 erdrutschartige Austrittszahlen. Niemand steht gerne am Pranger, das kann ich gut verstehen.
Ich meine aber, dass es wenig angebracht ist, hier mit juristischen Mitteln zum Beispiel Journalisten untersagen zu lassen, bestimmte (Meinungs-)Äußerungen zu verbreiten. Das ist ein ganz ungeeignetes Mittel, um Schaden vom Evangelium und von der Kirche abzuwenden.
Insofern bin ich froh, über diesen klärenden Artikel, in dem regensburg-digital berichtet, wie erst ein zweitinstanzliches Urteil, das durch großzügige Lesendenspenden ermöglicht wurde, die Meinungsäußerung den Journalisten gestattet. Weiterlesen
Die »Stiftung Lesen« hat nicht nur einen Bericht vorgestellt, in dem gezeigt werden kann, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, ca. eine halbe Schulnote besser in Mathematik abschneiden als andere. Nein, die Stiftung bläst zum heißen Herbst, mit dem Vorlesetag am 18. November. Dieses Datum wird mit einer eigenen Domain beworben und auch mit fertig gestalteten Materialien, Plakaten, Foto-Einverständniserklärung und online-Anmeldung. Die Bahn und die Wochenzeitung »Die Zeit« fördern das Projekt des Vorlesetags.
Nun bin ich ein großer Freund des Vorlesens, aber auch einer, der nicht recht verstehen kann, wie man öffentlich zu derartigen Straftaten aufrufen kann: Das Lesen von urheberrechtlich geschützten Texten in der Öffentlichkeit kann eine Aufführung oder ein Vortrag sein. Und ein solcher ist keineswegs mit dem Kauf des Buches abgegolten.
Bei einigen CDs eines Rezitators mit einer Jazzband (»JazzTalk mit Röhrkasten«) habe ich Erfahrungen sammeln können, wie schwierig es ist, die entsprechenden Freigaben von den Rechteinhabern (bzw. den von Erbengemeinschaften beauftragten Rechtsanwälten) zu erlangen. Das ist ein Heiden-Schreibkram und macht dermaßen viel Arbeit, dass eine — gar öffentliche — Einladung zu solchem »Rechtsbruch« nicht drin ist.
Es sei denn, ich lese etwa Apuleius von Madauras »Goldenen Esel« oder anderes Material, bei dem Autor, Übersetzende usw. hinreichend lange verstorben sind. Goethe also und Schiller, Horvarth gerade so, aber Kästner keinesfalls! Böll ist tabu und James Krüss sowieso. Tja, liebe Kinder, gebt fein Acht — ich hab euch etwas mitgebracht, und das ist mindestens siebzig Jahre alt (sofern der Autor/die Autorin unmittelbar anschließend der Literatur einen Dienst erwiesen hat, indem er/sie es vorzog abzuleben). Sollte aber es sich um ein Jugendwerk handeln und der Urheber/die Urheberin lange leben, dann folgt, dass diese Texte leider ungeeignet sind für den Vorlesetag. Pech gehabt. — Es könnte freilich auch passieren, dass inzwischen von der VG Wort (die am Markt ja reichlich verfügbaren) studierten Geisteswissenschafter/innen wie GEZ-Kontrolleure oder GEMA-Informanten ausschwärmen, um die Vorlesetag-Veranstalter anschließend mit entsprechenden Rechnungen zur Kasse zu bitten:
»Sehr geehrte Leiterin der Kindertagesstätte X in Y,
durch öffentliche Einladung haben Sie für den 18. November 2011 zu einem so genannten Lesetag eingeladen. Hierbei wurden u.a. zwei Kindergedichte der von uns vertretenen Autoren Z und A öffentlich aufgeführt/vorgetragen. Hierfür besaßen Sie keine Freigabe der Rechteinhaber, wir erlauben uns daher, Ihnen unsere Unterlassungserklärung zur Unterschrift zuzusenden, zusammen mit einer Rechnung über BCD Euro.
Sollten Sie …«
Möchten Sie oder möchtest Du das, lieber Leser? Nein? Ja, dann empfehle ich, ganz schnell Texte aus der Reclam Universalbibliothek zu beschaffen und alles zu unterlassen, was zu solchen »Missverständnissen« führen könnte. Lesen, gar laut, in der Bahn übrigens, kann auch noch gegen deren Beförderungsbedingungen verstoßen, weil es ja ein »unangemeldeter Vortrag«/»Erbringung von Leistungen« in den Zügen ist. Lesen ist silber, Schweigen ist Gold.
Wer nun meint, dass ich hier übertriebe, dem sei dieser Artikel empfohlen, der die Vergütung der Schulen an die Rechteinhaber nicht bloß wirtschaftlich regelt, sondern die Schulen zwingt, auf 1 % aller Computer einen »Schultrojaner« zu installieren, der so genannte »Plagiate«, also nicht urheberrechtlich abgegoltene Texte, Bilder, Musik … zu erkennen und zu melden. Ja, es gibt eine Menge Beamtenrechtlicher und sonstiger Rechte, die hier tangiert werden. Und das alles, weil es bis heute kein vernüftiges Immaterialgüterrecht gibt. Liebe Juristinnen und Juristen, wäre das nicht mal ein Feld, auf dem eine Lösung dringend erforderlich ist? Wir können doch nicht länger so tun, als wären »Plagiate« mit den Mitteln der Goethezeit nachgedruckte Bücher, wenn jemand ein Diagramm aus dem Schulbuch scannt und in seine Facharbeit einfügt! Natürlich kann man erwarten, dass der Schüler den Verlag anschreibt, den Rechteinhaber der Graphik ausfindig macht, mit diesem sich privatrechtlich einigt, und, sagen wir mal 5,80 EUR + 7 % Mehrwertsteuer überweist. Bloß muss dann die Zeit zur Abfassung entsprechender Arbeiten deutlich ausgedehnt werden, denn ich weiß aus eigener Praxis, wie lange so etwas dauern kann.
Abschließend ein letzter Vorschlag: Wer ein Netbook sein eigen nennt, evtl. einen UMTS-Zugang hat, kann auch einfach aus dieser Seite, meinem Sudelweb vorlesen, einfach meinen Namen und die Internetadresse nennen, zum Beispiel nach der Lesung oder am Anfang, und alles ist gut, denn die Texte hier stehen unter Creative Commons Lizenz.
In seinem »Internet-Law«-Blog schreibt RA Thomas Stadler, immerhin aus Freising in Bayern, dass entweder die Staatsregierung die Öffentlichkeit falsch informiert hat oder vom Landeskriminalamt falsch informiert wurde, was die Anzahl der Einsätze so genannter Trojaner — angeblich zur Quellen-Telekomunikationsüberwachung — angeht.
Dabei geht es nicht um die »Abweichungen im kleinen 1x1«, sondern es geht darum, dass Öffentlichkeit und Landtag belogen wurden. Das ist nicht hinzunehmen.
»Die jetzt eingeräumten 22 Fälle beziehen sich nach dem Bericht der SZ auf solche Ermittlungen, bei denen zusätzlich zur Quellen-TKÜ alle paar Sekunden heimlich Browser-Screenshots angefertigt und an das LKA geschickt wurden.« (hier)
Diese Praxis, dass sich bewusst über geltendes Recht und richterliche Anordnungen hinweggesetzt wird, nennt Heribert Prantl in der SZ »eine neue Form von Staatskriminalität«.
Ich verstehe ja, dass Staatsanwaltschaft, Landeskriminalämter und ermittelnde Beamte siegen möchte, über das Verbrechen oder worüber immer. Aber auch hier ist es wie im Sport: Es geht ums Fair Play. Wer unfair spielt, dem wird der Sieg aberkannt. Und hoffentlich nicht bloß von der Sportsgerichtbarkeit: Was bei der Frankreichrundfahrt gilt, das sollte auch für Landeskriminalämter gelten: Kein Doping!
Weil aber der Staat gerade davon lebt, dass die Bürgerinnen und Bürger, die ja angeblich der eigentliche Souverän sind, Rechte, insbesondere Gewaltrechte und das Gerichtswesen (also das Verfolgen von Verbrechen zum Schutz des Gemeinwesens und der Einzelnen), an den Staat deligiert, ist dieser Vertrauensbruch besonders zu tadeln. Das geht nicht. Wenn der Staat so mit den ihm anvertrauten Rechten umgeht und Schindluder treibt, dann ist es nicht verwunderlich, wenn einzelne oder Gruppen im Staat ihm Vertrauen und Gefolgschaft aufkündigen. — Und das braucht man dann — staatlicherseits — nicht gleich als »Terrorismus« zu bezeichnen. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die Aufkündigung eines Vertrags durch eine der Vertragsparteien. Und zwar wegen Vertragsverletzungen durch den Staat.
Ich hoffe, dass es dahin nicht kommen muss. Wenn Anwälte und BürgerrechtlerInnen schon auf die Barrikaden gehen, glücklicherweise bisher vor allem verbal, dann erinnert mich das an das Ende der DDR 1989 — auch da führte Überwachung nicht zu mehr Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit »ihrem« Staat. Mir scheint, dass die Persönlichkeits– und Freiheitsrechte die Basis für jedes Gemeinwesen bilden (sollten).

- Suchanfrage
Die Suchanfragen, die auf mein Sudelweb führen, bekomme ich angezeigt. Dass sich Menschen für Ansprachen zur Silberhochzeit interessieren, gut, das finde ich nicht ungewöhnlich. Dass das Gedächtnismahl (in den Jahren 2010 und 2011) gesucht wurde, finde ich auch nicht verblüffend. Bei Zeugen Jehovas, Angehörigen usw. ist das ein wichtiges Thema.
Dass ein Professor für Tonmeisterausbildung gesucht wird, gut. Aber: In der letzten Zeit gab es mehrfach Suchen nach »frank webers privatleben«… Ich finde das deshalb verblüffend, weil ich mich so gar nicht als »Promi« empfinde. Jeder kann es sehen oder fragen — ich stehe auf der Seite mit kompletten Adress– und Telefondaten, ebenso im Telefonbuch und bin auch im Netz leicht zu finden.
Sollte ich mich geschmeichelt fühlen, weil jemand mehrfach — oder gar mehrere — danach suchen, wie ich »privat« lebe? Bei mir ist ja das Motto im Sudelweb — und auch darüber hinaus — »fragen kostet nichts«. Alle, die sich also für mehr oder weiteres interessieren, können ja einfach mal nachfragen. Ein paar Details aber, um das Interesse zu ködern (wer weiß, vielleicht ist das Interesse an meinem »Privatleben« auch für mich von Interesse):
Ich schätze gute Bücher, Literatur, Theologie, Philosophie, gute (besonders schwarz-weiße) Photographien, lebe in Hannover-Anderten und arbeite in Laatzen. Ich bin ledig, schätze Jazz und Kammermusik, die ich auch aufnehme. Einige Fächer in meinem CD-Regal füllen meine Aufnahmen von Sprache und Musik. Einige Zeit verbringe ich mit der Gemeinde, dem Hauskreis, der »Kleinen Gruppe« usw. Meine Geschwister, Eltern und meinen < 2-jährigen Neffen schätze ich sehr. Ich koche gern, auch ohne Fleisch. Für einen Ein-Personen-Haushalt finde ich mich mit zwei 10 l Töpfen nicht übermäßig ausgestattet: Oft habe ich Gäste und genieße es, Freunde im privaten Umfeld zu treffen. Derzeit bin ich beruflich und auch privat viel im Internet unterwegs, wenngleich ich immer mal wieder einen Ausstieg erwäge: Nach Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriffen und Bayern-Trojaner fühle ich mich manchmal wie die, in deren Wohnung eingebrochen wurde, so dass sie selbst nicht mehr hinein möchten und schließlich umziehen: Das Netz hat lange schon seine Unschuld verloren. Ich notiere Gedanken — wenn nicht wirklich öffentlich (wie hier) — eher in Moleskin-Notizbüchern mit Füllfederhaltern. Auch meinen Kalender führe ich wieder auf Papier — und habe meine Kalender seit mindestens 1982 in dieser Weise archiviert.
Ich schreibe hier über vieles, aber es gibt Bereiche, über die ich nicht schreibe. Wenn solche Themen jemanden vertiefend interessieren, bitte ich einfach nachzufragen — wenn’s nicht der Innenminister ist… — Einmal im Ernst: Wahrscheinlich sucht jemand nach dem Privatleben eines anderen gleichen Namens… Ich sollte mich vielleicht weniger wichtig nehmen…
Vor lauter Küchenkram und Lyrik kam ich bisher leider nicht dazu, über den »Fund« des Chaos Computer Clubs (ChCC) zu bloggen. Fefe, Systemanalytiker und EDV-Sicherheitsspezialist in Berlin, ist beim ChCC aktiv und sammelt in seinem vielgelesenen Blog »Verschwörungstheorien«, er schreibt:
»Wenn dieser Trojaner auf einem Rechner installiert ist, steht der danach für jeden offen wie ein Scheunentor, ganz ohne dass man einen Exploit bräuchte. Man muss nur anklopfen und den Trojaner freundlich bitten. Und das Kernelmodul räumt allen lokalen Benutzern Adminrechte an. »Scheunentor« ist zu kurz gegriffen, um das katastrophale Sicherheitsniveau dieser Software zu beschreiben.«
Inzwischen haben auch die etablierten Medien erkannt, wie weit der demokratische Flurschaden reicht, den diese handwerkliche Stümperei aus Amtsstuben anzurichten in der Lage ist. Weiterlesen
 Bagel-Restaurant an der Marienstraße
Manchmal lohnt es nicht, nach einem Termin nach Hause zu fahren, um dann gleich zum nächsten weiterzureisen. Da bietet es sich an, einfach in der Stadt zu bleiben, evtl. einen Kaffee zu trinken. So weit, so gut. Die Kaffee-Szene ist inzwischen ja vielfältig und man muss kaum befürchten, lauwarmes Wasser auf Instant-Kaffee als »Kaffeespezialität« vorgesetzt zu bekommen. Ich war in der Marienstraße und hatte vierzig Minuten. Außerdem stand die letzte Mahlzeit vor Stunden im Kalender. Also zum Bagel-Restaurant. Der Kaffee war in der Tat gut, nicht außergewöhnlich, aber ordentlich. Der Bagel mit Tomate und Mozarella war leider weniger gut, da zu viel Fertig-Pesto zweifelhafter Qualität.
Bagel habe ich bereits bedeutend bessere gegessen. Vielleicht lag es daran, dass der Feierabend der Bedienerin nicht mehr lange auf sich warten ließ… Jedenfalls ist der Trick beim Bagel ja, dass es sich um einen Hefeteig handelt, der gekühlt gelagert wird und durch das Kochen in (Honig-)wasser zu neuem Leben erweckt wird, bevor dann der Backprozess sich anschließt. Bei Hefeteig kann man bedeutende Unterschiede ausmachen. Dieser war jedenfalls weit vom Optimum entfernt.
 historische BMW bei Fausts Grete
Ebenfalls an der Straße fand sich dies alte Motorrad, dass mich überlegen ließ, ob es eigentlich auch H-Kennzeichen für gepflegte Motorräder mit einem Alter von über dreißig Jahren gibt. Nach meinen Studien müsste (etwa zu Überführungen usw.) auch eine Zulassung mit roter 07-Nummer möglich sein, was — wieder etwas gelernt — in Österreich oder Italien zu Schwierigkeiten bis zum Einzug des Fahrzeugs führen kann, weil keine Abgaswert-Untersuchung erforderlich wäre. Wer kennt sich mit Verkehrsrecht und Zulassungsrecht aus?
Warum habe ich noch nie ein Motorrad mit »H-Kennzeichen« gesehen?
Nebenbei: Immer wieder werde ich ja gefragt, wie eigentlich meine Photos hier entstehen. Die Antwort ist im vorliegenden Fall (und auch bei den letzten Artikeln) einfach: Mit dem Handy. Nichts besonderes. Leider sogar mit ganz unangemessener Empfindlichkeitseinstellung, die ich versehentlich seit einem Konzertbesuch auf ISO 800/30° belassen hatte (seit dem 29. September).
Eigentlich war ich durchaus zum Photographieren unterwegs, aber das passierte dann eher mit Mittelformat und ich habe die entsprechenden Filme bisher nicht entwickelt und entsprechend weniger gescannt. Was folgt? Fürs photographische »Geschichten-Erzählen« nutze ich durchaus die Kamera, die ich dabei habe. Klar, so eine Handykamera ist nicht doll. Aber hinreichend (wenn man sich etwas mit der Nachbearbeitung auskennt). Zumal dann, wenn ich mich auf die »feinen Bilder« in analoger Ausarbeitung freue.
Die beste Kamera ist — mit Chase Jarvis und Ken Rockwell — die, die ich gerade dabei habe.
Heute begebe ich mich mehr als in juristische Grauzonen. Ich habe einen Text von John Elford, Pastor der ev.-meth. Kirche (UMC) in Austin, Texas, USA, den er am 13. September hier veröffentlichte, ins Deutsche übersetzt. Meine Übersetzung ist nicht autorisiert oder genehmigt. Sollte der Verfasser Forderungen an mich stellen oder den Text hier weggeräumt wissen wollen, so käme ich entsprechenden Forderungen im Rahmen meiner Möglichkeiten nach. Mir geht es um die Anregung des Austausches auch bei denjenigen, deren Englisch nicht reicht, den Kommentar im Original zu lesen.
Frank Weber, 15. September 2011
EIN KOMMENTAR: Was wäre, wenn die EmK (UMC) beide Positionen zur Frage nach Homosexualität vereinbarte?
John Elford, 13. September 2011
Von John Elford
Themenkorrespondent
In letzter Zeit las ich Arbeiten von Peter Rollins, einem junger Theologen, der der Bewegung der sich entwickelnden Kirchen[1] zugerechnet werden kann. Dr. Rollins ist studierter Philosoph, mit Schwerpunkt in der postmodernen Theorie. Das Interessanteste ist, wie er seine Erkenntnisse aus der philosophischen Wissenschaft in seine theologischen Reflexionen einwebt und verlockende Fragen für die Kirche erhebt. Weiterlesen
In den vergangenen Jahren wurde vieles hierzulande umgebaut. Wir haben seit der Ära Kohl mehr als die drei Fernsehprogramme, die privaten, allen voran der kürzlich verstorbene Herr Kirch, haben unsere Welt-Wahrnehmung deutlich verändert.
Die Bedrohung wird nicht mehr so sehr aus der Richtung der Umweltverschmutzung gesehen, sondern mit dem »Clash of Civilizations« ist eine neue Qualität aufeinanderprallender Weltsichten aufgekommen. Ob nun im Verhältnis des »christlichen Abendlands« (in dem Christus kaum vorkommt) zur »islamischen Welt« oder im Fall der eisernen Vorhänge in Russland usw. — und inzwischen auch in China, wo man schon Konfizius ausgraben muss, um noch zu begründen, warum so geherrscht wird, wie geherrscht wird. Mit Mao ist das nicht mehr begründbar. Weiterlesen
Vor einigen Wochen füllte das Bild eines Österreichischen PR-Menschen, der sein Bild im Führerschein mit einem Nudelsieb auf dem Kopf hatte durchsetzen können, weil er die Lücke ausgenutzt hatte, dass keine Kopfbedeckungen zulässig seien außer religiösen. Also hatte er sich der (nicht ganz ernst gemeinten) »Kirche des fliegenden Spaghettimonsters« angeschlossen, und damit das Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung deklariert.
Die amtlichen Stellen haben sich zweieinhalb Jahre lang mit dem Herrn Alm herumgeschlagen (hier ein FAZ-Interview, hier ein Welt-Artikel) — und ihm schließlich die Fahrerlaubnis mit Nudelsieb-Photo ausgehändigt. Wahrscheinlich muss er nun sein Nudelsieb bei jeder Kontrolle aufsetzten?
Die Welt hat unter dem Artikel gleich bestimmte verhüllende Kleidung im Islam erklärt — typisch. Der Spiegel spitzt es hier auf die Lücke in der Gesetzgebung zu und das ist mein eigentliches Thema. Wo Menschen zusammenleben, müssen sie sich arrangieren. Das trifft natürlich nicht bloß bei der Frage nach Kopfbedeckungen auf amtlichen Photos zu. Ich habe Verständnis dafür, dass mancher Atheist sich nicht gerne »anfrömmeln« lässt. Dass nach dem Ökonomiekriterium die einfachere »Weltdeutung« eine ist, in der kein Platz ist für (einen) Gott.
Manches an Berichterstattung über Weltanschauungen scheint mit aus dieser Blickrichtung gesehen: Wenn in Norwegen Anschläge verübt wurden, dann äußern sich zahlreiche »Experten« erst in Richtung »islamistischen Terrors« — um dann, zwei Tage später, das andere schwarze Schaf des christlichen Fundamentalismus zu erblicken. In der Fremdheit ist beides dem säkularen Menschen gleich. Weiterlesen
Ich habe mehrere Listen in meiner Telefonanlage programmiert. Eine mit Nummern, die mich belästigen, z.B. weil sie Kaltaquise betreiben oder ominöse Umfragen mit mir durchführen möchten. Nun sehe ich ja ein, dass Call-Center Agent wirklich kein schöner Beruf ist. Dafür aber kann ich nichts. Verschenken aber möchte ich weder meine Zeit noch mein Wissen. Jedenfalls nicht an Callcenter und deren Kundschaft.
Zurück zu den Listen: Anerkannte Freunde und Bekannte sind auf einer »white-list« und deren Klingelton, wenn sie anrufen, ist ein anderer als bei Unbekannten. Unbekannte landen oft auf meiner Mailbox. Wenn sie wirklich etwas für mich wichtiges zu sagen haben, mögen sie das so erledigen. Ich rufe ggf. gerne zurück. — Wenn jemand aber auf meiner schwarzen Liste (in der FritzBox) ist, dann wird er einfach durch Auflegen abgewimmelt. Derzeit sind es rund ein Dutzend Nummern, die mich nicht telefonisch belästigen sollen und können. Heute kam die obenstehende Nummer dazu.
Seit Wochen ruft dieses Callcenter an, zu unterschiedlichsten Zeiten, auch am Wochenende. Offenbar ist die Idee, dass ich der kostenlosen 0800-Nummer wegen zurückrufen werde. Werde ich aber nicht. Dafür habe ich eine Sprachbox geschaltet, dass, wer etwas möchte, mir die Nachricht mitteilen kann. Nebenbei: Solche Nachrichten erreichen mich in der Regel auch umgehend, denn meine Fritzbox schickt mir die Nachricht als mp3-Datei per e-mail auf einem Push-Server. Ich bekomme also umgehend eine Benachrichtigung und kann die Nachricht hören.
Heute nun erreichte mich der Anrufer, stellte fest, dass ich ja länger Telekom-Kunde gewesen sei und nun nicht mehr usw. — Dazu wolle man mir Fragen stellen. Ich sagte, dass ich einsehe, dass es vielleicht für die Telekom interessant seien könne, dass ich aber nicht bereit sei, etwas zu verschenken. Wenn man Auskunft wünsche, müsse erstens in einen Mitschnitt und zweitens eine Berechnung zu angemessenem Preis pro Minute eingewilligt werden. Ob denn der Anrufer hierzu bereit sei?
Ab diesem Zeitpunkt wurde ich wüst beschimpft, dass das Mitschneiden usw. strafbar sei… Dass es an Kinderstube mangele, … Ich hängte ein und überlege noch, ob mir dies die Zeit wert ist für Beschwerde/Anzeige. Wahrscheinlich nicht.
Früher habe ich ja — in weniger lästigen Fällen — stets gefragt, wie lange das Interview dauere und dann gesagt, dass ich bereit sei, wenn der/die Anrufer/in bereit sei, bevor ich antworte, im gleichen zeitlichen Umfang an einer Studie zur Pastoralsoziologie teilzunehmen. Und fragte dann nach dem Erstkontakt mit Kirche, nach ggf. guten oder schlechten Erfahrungen, nach Eindrücken von Hauptamtlichen usw. In der Regel wollten das Anrufer nicht bzw. hängten teils nach 2–3 Minuten auf. Wer durchhielt, bekam anschließend auch meine Antworten, sofern nicht zu privat.
Ein positives Beispiel: Vor Jahren schickte eine Computerzeitschrift an Abonnenten (war ich damals) einen Fragebogen mit der Zusage, dass jeder zurückgesandte ausgefüllte Fragebogen mit einigen Dollar vergütet würde. Ich erhielt innerhalb einer Woche nach Rücksendung einige Dollarnoten im Brief. — So muss das sein!
Ja, ich gebe es zu, Fefes Blog, das sich speziell dem Umschlag von Verschwörungstheorien zuwendet, schätze ich. Nicht seine pessimistische Sicht auf die Dinge, aber — teils weit hergeholte — mögliche Zusammenhänge.
Gestern abends fiel in Hannover der Strom aus. Und man merkt ja erst, wie abhängig unsere Gesellschaft von stabiler Stromversorgung ist, wenn man sie nicht hat. Kneipen mussten die Heißgetränke ebenso streichen, sich evtl. mit Kerzen behelfen, wie die Feuerwehr Notstrom für Seniorenheime mit Beatmungsanlagen herstellen musste.
Ein Freund schrieb auf meine Twitter-Meldung, »Sind Akws doch unverzichtbar?« — Genau das ist eine der Fragen. Wenn man an den Klassikern der Detektivliteratur geschult fragt: »Wem nutzt es?« — und also immer erstmal von einer Handlung (also intentional) und nicht von einem Widerfahrnis (im Sinne klassischer Pragmatik) ausgeht. — Stellen wir uns also ganz dumm und fragen: Wem nutzt ein Stromausfall der je nach Stadtteil zwischen knapp zwanzig Minuten und einigen Stunden dauerte?
Sicher nutzt er nicht all denen, die ein Qualitätsmanagement für ihre Kühlketten betreiben und keine Notstromaggregate betreiben, die können nun manche Produkte abschreiben…
Nachdem iranische Zentrifugen aus Siemensfertigung nun durch eine aufwändige Softwaremanipulation namens StuxNet (vgl. auch hier) gestört wurde, und der Cyberterrorismus sogar eigene Bundeseinrichtungen auf den Plan rief, denke ich, sollte man herausfinden, dass es an einem ähnlichen Auslöser lag, wäre mit dem Stromausfall die Mehrheit in der Stadt Hannover sicher umgehend für die Vorratsdatenspeicherung. Damit man nachvollziehen kann, wer so etwas freisetzt/freigesetzt hat. Dass man das bei gentechnischen Freilandversuchen weniger rigoros ist, liegt wahrscheinlich an der besseren Lobbyarbeit.
Nachdem hierzulande ja bereits verfassungsmäßig alle Gewalt in staatlichen Händen ruht, muss davon ausgegangen werden, spätestens seit dem Celler Loch, dass es für kaum einen einzelnen oder eine Gruppe von Menschen einen so hohen Nutzwert für einen Stromausfall gibt, wie das für politisch interessierte Kreise in Staat oder Parteien der Fall ist. Mit Dietrich Kittner könnte man sagen: »Wahrscheinlich geht immer noch die Mehrzahl aller Anschläge von staatlichen Stellen aus.« Klar, nach solcher Störung steigt der Absatz unterbrechungsfreier Stromversorgungen (USV), aber alle, die wirklich relevante Risiken tragen, haben bereits Notstromsysteme. Banken etwa. Seniorenheime weniger. — Eine Frage der Relevanz? Weh dem, der Böses dabei denkt.
Alle Gewalt geht sicher nicht vom Volke aus, sondern allenfalls vom Staate, nämlich um Mehrheiten für bestimmte Positionen zu werben. — Sicher, es könnten auch diejenigen sein, die einen Ausbau der Stromnetze beschleunigen möchten, und etwas gegen die juristischen Maßnahmen haben, die Grundstücksbesitzer und andere Betroffene gegen solche neuen Kabeltrassen haben könnten.
In Marburg gibt es eine Straße mit markantem Namen: Unter dem Gedankenspiel. Unter meinem obenstehenden Gedankenspiel stelle ich einmal klar: Es kann auch ein Widerfahrnis sein, ein unglücklicher Zufall. — Wer den Film Magnolia schätzt, möge nun überlegen, ob es die Ägypter in der Exodusgeschichte auch für Zufall gehalten haben, dass es Frösche im Überfluss gab, im Film gar regnete (Ex.8,1).
Achtung: Der folgende Text stammt nicht von mir, sondern einem Freund, der mir das zur Illustration unterschiedlicher Herangehens-/Umgangsweisen zukommen ließ. Da es sich möglicherweise um einen Text von Interesse handelt, scheint mir mein Sudelweb (in meine Sudelhefte klebe ich ja auch mal Schnipsel) ein geeigneter Ort.
Zitat aus einem Spiegel Artikel:
(http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,764652,00.html):
»Dann aber sagt Avdil nur: ›Wir wurden abgeschoben. Jetzt sind wir wieder da.‹ Sie wollen sich anmelden, vorläufig, denn Avdil und sein Vater haben noch keine Wohnung, sie leben erst einmal bei Avdils Bruder. ›Vorläufig anmelden?‹, die Sachbearbeiterin guckt irritiert, ihre Kollegin schüttelt den Kopf. ›Vorläufig geht nicht. Wir brauchen eine Bestätigung des Vermieters.‹ — Vater und Sohn verlassen den Raum, stehen auf einem Flur mit vielen Türen, und Avdil steckt sich Kopfhörer in die Ohren, so als wolle er diese deutschen Wörter nicht mehr hören: geht nicht.«
Da sieht man die völlig unterschiedliche Herangehensweise, die ich und diese Leute haben. Ich wäre da nicht ohne Anmeldung rausgegangen. Weiterlesen
Dass Sony und das PlayStationNetwork immer wieder von Hackern angegriffen und ausgespäht wurde, liegt daran, dass Sony in besonders drastischer Weise juristisch gegen einen Hacker vorgegangen ist, der eine früher bestehende Möglichkeit, die Playstation mit anderen Betriebssystemen zu betreiben, wieder freigab. Sony hatte das in einem Update ausgeschlossen. Und dieser Hacker hatte überhaupt nur aus diesem Grunde (viel Rechenleistung, niedriger Preis, Möglichkeit der Linux Nutzung) die Konsole gekauft.
In der Tat geht es darum, dass an der Software in technischen Geräten in der Regel bloß ein Nutzungsrecht überlassen wird, »wir« Kunden aber nicht alles damit machen dürfen, was wir vielleicht gerne möchten. Der erwähnte Hacker hatte die Sperre, die Sony in einem Update errichtete, mittels »reverse engineering« aus dem Weg geräumt, und den Weg auch gleich öffentlich gemacht.
Sony sah hierin einen markanten Rechtsbruch und klangte entsprechend. — Der Prozess steht noch aus. Auf jeden Fall aber machte sich Sony mit dieser Klage in der losen Gruppe »Anonymous« nicht gerade Freunde. Weiterlesen
Gar nicht einfach ist es, da zu lieben, wo gehasst wird. Da nicht zum außerparlamentarischen Opposition überzulaufen, wo der Staat sein Gewaltmonopol missbraucht. So geschehen am Freitag, als — nach Rechtshilfeersuchen Frankreichs — »mal eben« die Server der Piratenpartei beschlagnahmt wurden. Alle, sämtliche Systeme waren down. Zwei Tage vor der Wahl in Bremen ist das schon ein gewaltiger Eingriff in die Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung. — Dies besonders, weil die Piraten eben mehr als andere ihre Arbeit und Kommunikation nicht in Parteilokalen und Ortsvereinen erledigen, sondern eben im Netz.
Es braucht ja einen guten Grund, so denkt sich der Verfassungssympathisant, dass ein Richter oder eine Richterin so etwas anordnet. Das ist aber nicht der Fall: In Frankreich ist einem Kraftwerksbetreiber ein elektronischer Schlüssel abhanden gekommen. Derzeit ist nicht öffentlich bekannt, was genau mit diesem Schlüssel getan werden kann. Jedenfalls hat in einem elektronischen Werkzeug, das viele einsetzen, eben auch die Piratenpartei, jemand (anonym) diesen Schlüssel zugänglich abgelegt. Weiterlesen
Eben twitterte Jim Wallis einen Hinweis auf ein paar Gedanken zum Tod von Osama bin Laden dies. Auch die dort genannte Stellungnahme des Vatikan finde ich hilfreich. Mir scheint Gewalt gegen Menschen grundsätzlich unangebracht. Wenn sie aber — etwa zum Schutz vor Verbrechen — erforderlich ist, dann möge sie bitte von den zuständigen Gerichten (also z.B. in Den Haag) angeordnet werden.
Einen Feind zu töten, das ist keine Heldentat, sondern Mord. Ich empfinde mich nicht als Linksradikal und ich habe nichts gegen die USA. Ja, sie sind »God’s own county«, ebenso wie andere Staaten es auch sind. Ich finde die Anschläge vom 11. September unselig, grausam. »Verhandlungen hätten Hitler nicht stoppen können und Gewaltfreiheit helfe nicht«, sagte Barack Obama. Wenn diese Rolle als Weltpolizist der neue Obama ist, so hat das nicht meine Sympathie. Weiterlesen
Heute ein Hinweis auf eine Seite, die ich schätze, die aber — auch in meinem Bekanntenkreis — bisher meines Erachtens viel zu wenig beachtet wird. Im Netz gibt es ja zahlreiche Quellen für gemeinfreie Texte, solche, deren Urheber hinreichend lange tot sind.
 http://www.textlog.de
Mein Tip heute ist: http://www.textlog.de
Eine gut aufgearbeitete Fassung ausgewählter Texte der Philosophie, Medizin und Belletristik, dazu einige nützliche Wörterbücher. Eben alles, was der auch klassisch interessierte Lesende so braucht, um bei Laune gehalten zu werden.
Die Qualität ist kein Vergleich zum Project Gutenberg (was ja auch — trotz der andern Schreibung — dieser Tage den Ruch mäßiger Plagiate führt), klein, aber fein, so soll es sein. Bei Textlog.de ist es das auch.
Wo wir dabei sind: Auch das Project Gutenberg ist eine gute Quelle, für alle, die einfach mal Lust auf typographisches Basteln und Satz haben: Einige Texte habe ich von dort kopiert, in LaTeX gesetzt (geht auch in Indesign oder Pages) und in kleiner Auflage für Freunde gedruckt. Ein klassisches Geschenk, handgemacht, anregend, gerade dann, wenn es eher leicht abseitige Texte sind, die dennoch einen gehobenen Unterhaltungswert bieten. — Für Dominique: Arbeitet mit Formatvorlagen (er klagte da neulich drüber im Netz)! Besonders das liebevolle Anpassen (etwa die sorgsame Trennung zwischen Gedanken– und Bindestrichen, das Nacharbeiten von Anführungszeichen usw. schult ungemein, und nebenbei kommt man nicht umhin, sich gründlich mit klassischen Texten zu befassen). Muster gefällig? Hier
Neben den Buchhandel, die Antiquariate und die Blog-Szene sind für mich historsche Ausgaben im Netz getreten, die weniger Platz im Regel einnehmen (gerade bei den Wörterbüchern!) und etwas vom Grundgedanken der freien Informationsbeschaffung nahelegen. Also, Leute, lest! Gut abgehandene Klassiker sind allemal besser als werbeunterbrochene daily Soaps.
Neulich habe ich mir mal wieder die Statistik der Zugriffe, der Suchanfragen usw. durchgeschaut. Die höchste Aufmerksamkeit, die meisten Zugriffe und Kommentare finden negative Kritiken. Wenn mir etwas gefällt, so interessiert das wenige. Vielleicht klickt jemand, der mich und meinen Geschmack kennt und möglicherweise teilt, ja auf einen Link. Links allgemein werden jedoch überbewertet. Meist versuche ich ja, mittels Links, für die, denen der Zusammenhang unbekannt ist, einen herzustellen, aber die werden nicht oft angeklickt.
Technische Besprechungen, ob über meinen Gitarrenton, über Kameras, die ich benutze oder Scanner, generieren einen Langzeit-Zugriff. Immer wieder interessiert sich jemand für den Hasselblad Flexbody und klickt entsprechend auch meinen Artikel dazu an, dank Suchmaschinen, die ihn auswerfen. Mit Rezepten ist es ähnlich, die gehen immer. Vor allem über lange Zeit.
Internetpolitik, Urheberrecht, der tägliche Kram wird angeklickt, wenn das Thema aktuell ist, aber das betrifft selten mehr als vierzehn Tage. Von den Artikeln in der Rubrik »Gemeinde« ist es sehr unterschiedlich: Ansprache zur Silberhochzeit wird laufend angeklickt, vermutlich weil jemand selbst eine zu halten hat. Auch die Selbstverpflichtung zum Kindeswohl (für Ehrenamtliche in der landeskirchlichen Jugendarbeit) findet Interesse, das meiste andere aber wird allenfalls von den Freunden aus dem Umfeld oder zufällig wahrgenommen.
Im Augenblick ist dieser Artikel bloß eine Feststellung. In meinem Sudelheft (ich benutzte ja leidenschaftlich diese kleinen Notizbücher) habe ich schon etwas weiter gedacht, und werde gezielt ein paar Dinge schreiben, die hoffentlich interessieren.
Dass sich im Wirtschaftsleben manches getan hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Große Unternehmen sind eben kein Handwerksbetrieb, die man aus eigenen Rücklagen und einem Kredit von der Bank eröffnen kann. Also werden andere Finanzierungswege gefunden, zur »Expansion« gerne auch Anteilsscheine oder Aktien.
Mit dem Handel von »Optionen« auf etwas, das noch gar nicht produziert ist, etwa an Warenterminbörsen usw. ist eine weitere Stufe erreicht. So weit, so klar. Vor Jahren hatte ich in einer Fußball-Tipprunde, zu der mich ein Freund geködert hat, damit er eine Wette gewinne, — ich verstehe gar nichts vom Fußball — die Idee, einer Anteilsbeteiligung: Also: Ich beteiligen mich an den Tipps eines erfahrenen Tippers und bekomme so zumindest etwas »Dividende«. Leider war mein Konzept wohl nicht mehrheitsfähig, und nachdem der Freund seine Wette gewonnen hatte, konnte ich ja auch wieder aus der Tipprunde aussteigen. Weiterlesen
Jemand, der Macht hat, kann sie zum Guten gebrauchen oder auch missbrauchen. Niemand ist allein, alle bedürfen — hier oder da, teils mehr, teils weniger — der Hilfe und Unterstützung anderer. Das merken prügelnde Ehemänner, wenn sie, pflegebedürftig, im Alter von den pflegenden Angehörigen misshandelt werden.
Dass Gefangene den Wächtern extrem ausgesetzt sind, erfordert um so mehr Charakter und entschiedene Wertorientierung bei den Bewachern und denen, die Macht haben. Ein deutliches Beispiel, wie leicht solche Machtgefälle aus dem Ruder laufen können, findet sich bei den Misshandlungen in Abu Guraib. — Seit der Geißelung Jesu durch die römischen Soldaten hat sich wenig geändert: Lässt man Soldaten, die ja Macht haben, los, fördert man gar, dass sie, von Vorgesetzten drangsaliert, sich an den Unterstellten »austoben«, so sind die Folgen menschenverachtend.
Das kann man wissen. Und zivilisierte Staaten sollten sich bemühen, dass eine Kultur der Achtung Missbrauch, Misshandlung und einfach eine »ausgelebte« Macht hindern. Das ist Sache der Vorgesetzten. — Wenn die aber ungebändigt handeln, dann passieren Dinge wie diese hier gestern mit Pfc. Manning, dem, der mutmaßlich vertrauliches Material bei Wikileaks verbreitet hat. Die New York Times ist ja kein linkrevolutionäres Blatt, und schreibt dennoch klar, dass es so nicht geht.
Hier ein Absatz aus dem Bericht von Mannings Anwalt:
»Last night, PFC Manning was inexplicably stripped of all clothing by the Quantico Brig. He remained in his cell, naked, for the next seven hours. At 5:00 a.m., the Brig sounded the wake-up call for the detainees. At this point, PFC Manning was forced to stand naked at the front of his cell.« (hier)
Wenn der Maßstab für die Beurteilung im Gesicht der Geschichte darin bestehen sollte, wie Stärkere oder Mächtigere mit Schwächeren oder Ohnmächtigen umgehen, so scheint mir, dass hinsichtlich der USA die Umstände keinen Nachruhm begründen können. Herr Obama, auch ein Friedensnobelpreis ist kein Grund, den Machtapparat zu missbrauchen!
Ich frage mich gerade, warum ich so erforderlich und dringend geboten fand, dass Herr zu Guttenberg heute seinen Rücktritt erklärte. Er ist wirklich spät dran. In so einer eidesstattlichen Versicherung, die Arbeit selbst angefertigt zu haben und keine anderen als die angegegeben Quellen benutzt zu haben, hat er ja etwas zugesichert, dass — vorbehaltlich weiterer Prüfungen der Uni — offenbar nicht der Fall ist. Somit scheint es mir eine Form des Meineids, dies dennoch zugesichert zu haben.
Auch wenn es offenbar in der CSU zum guten Ton gehört (hier persifliert der Tagesspiegel), so finde ich es aus zwei Blickrichtungen unerträglich, solche Affäre klein zu reden und aussitzen zu wollen.
- Es verspottet alle, die ehrlich wissenschaftlich arbeiten. Und das finde ich unerträglich. Der »Bildungsstandort Deutschland« ist nicht zu halten, wenn es offenbar keine Rolle spielt, wie man sich einen Titel »erwirbt«. Mehr als verstehen kann ich daher die Erklärungen im offenen Brief dieser vielen Doktoranden, die sich auf den Arm genommen fühlen. — Und sein Doktorvater und die gesamte Uniwelt, ja vielleicht hätten sie gründlicher prüfen müssen usw. Aber: So geht man nicht mit einem anderen um. Und nur weil Betrug möglich ist, ist es noch lange nicht legitim, zu betrügen oder zu täuschen.
- Finde ich es unerträglich, wenn die Frage nach Meineid, evtl. Vorstrafe usw. keine Rolle zu spielen scheint, sofern es politisch opportun ist. Wenn Politik von irgendetwas abhängig ist, dann doch von ihrer Glaubwürdigkeit. Wenn man’s realpolitisch betrachtet, ist es eher das Wohlwollen der Lobbygruppen, sehe ich ein. Aber: Die Illusion muss doch erlaubt sein, dass man annehmen darf, es werde von Politiker/inne/n nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohl des Volkes gehandelt.
Natürlich machen Menschen Fehler, natürlich wird gelogen und betrogen. Doch wäre es angemessen, das entweder zuzugeben, sobald man es als falsch erkennt, oder doch zumindest dann, wenn es öffentlich wird. Wäre also vor Wochen Herr zu Guttenberg zurückgetreten, hätte sich umgehend selbst angezeigt usw. — Peinlich wäre es auch gewesen, aber so? Vom Strahle– und Saubermann zum entweder Lügner und Betrüger oder aber zum verwirrten »Nicht-Wisser«, was er selbst getan hat? — Muss man dann vielleicht auch in der aktuellen Poliktik annehmen, dass er nicht weiß, was er gerade tut? Dass er später »Überforderungen« einräumt?
Auch die Erklärung zum Rücktritt lässt meines Erachtens keine Einsicht erkennen, dass alle Fehler bei ihm liegen, nicht bei der bösen Presse. — Wer solche Vorlagen liefert, braucht sich nicht zu wundern, wenn sich die Opposition bemüht, ihn »politisch abzuschießen«.
Sehr zutreffend finde ich, dass der Spiegel schreibt, dass das Netz den Minister besiegt habe. Ich finde dies die Spitzenformulierung:
»Totale Transparenz, die bequeme Verfügbarkeit aller zentralen Informationen, hat die Debatte um Guttenberg bestimmt, im Konzert mit der blitzschnellen und hocheffizienten Vernetzung jener, die sich all das nicht länger bieten lassen wollten. Weder die bis zum Schluss guten Umfrageergebnisse des Ministers, noch die unerschütterliche Unterstützung durch das Springer-Schlachtschiff konnten Guttenberg am Ende retten. Die alte Regel, dass man in Deutschland als Politiker kaum stürzen kann, wenn man ›Bild‹ auf seiner Seite hat: Sie gilt nicht mehr. Netz schlägt ›Bild‹ — jedenfalls dann, wenn es wirklich etwas nachzuweisen gibt.« (Quelle? hier!)
Politik, die wirklich das Gemeinwesen im Blick hat, und sich darauf ausrichtet, tut dringend Not. Anders ist bei den Jüngeren Politikverdrossenheit nicht aufzuhalten. Warum sollte man sich denn überhaupt an Wahlen beteiligen, sich informieren, wenn es eigentlich gleich ist bzw. ein Planspiel von machgierigen Absahnern? — Genau: Ich sehe nur die Lösung, dass mehr Menschen den Staat (und zwar nicht als »obrigkeitliches Objekt«, sondern als gemeinsam zu gestaltendes Gemeinwesen) ernst nehmen, als Wähler, als Eltern, als Politiker und als politisch interessierte. Vorbild kann es bringen, aber nicht, wenn das Vorbild handelt wie zu Guttenberg es lange getan hat. Das ist für die Außenwahrnehmung von Politik ähnlich schädlich wie für konfessionelle Schulen die Missbrauchsfälle!
Der Kommentar der Zeit sieht es ähnlich wie ich.
Unabhängig vom Fall zu Guttenberg finde ich Mogelpackungen lästig: Sie versuchen andere, mich zum Beispiel, für dumm zu verkaufen. Wenn eine 400 g Packung mit »jetzt im neuen Design« angepriesen wird, dann ist mir bewusst, dass es früher 500 g waren, und dass nichts gegen das alte Design sprach. Es war genau so gut. Aber es war mehr.
Wenn alte Hüte als neue wissenschaftliche Erkenntnisse verkauft werden sollen, dann finde ich das dreist. Es beleidigt mein Denken. Und ich stelle zwei Trends fest: Menschen, die wirklich am Thema ihrer Promotion dran waren, die eine Menge getan haben, lassen den Titel in der Regel unter den Tisch fallen. — »Ja, dann habe ich mich einige Zeit mit so einer Farbstoffreaktion befasst.« Dass es Jahre des Kristallzüchtens, des Vermessens usw. waren: Es war eine Übung, wer hartnäckiger ist: Der Reaktionsmechanismus, den es aufzuklären gilt, oder man selbst.
Noch habe ich keine juristische Promotion gelesen (bin aber bereit!), aber in den letzten Jahren ein bis zwei andere pro Jahr. Die meisten sind wirklich sehr gut — und zumindest sehr sachkundig — gemacht. Nicht alle sind lesefreundlich, weil manche einfach sehr viel voraussetzen. Andere kann man mit Gewinn lesen, wenn man wachen Auges durch die Welt geht. Literaturwissenschaftliche Arbeiten bringen mich als »mündigen Leser« weiter. Und auch Arbeiten anderer Fächer als meiner eigenen habe ich mit großem Gewinn gelesen. — Nun aber zu einer anderen Sorte:
In der Medizin und teils in der Juristerei scheint es teils erforderlich, wie es telepolis schreibt:
»In der Politik, wo der Schein mehr zählt als das Sein, gelten Doktortitel als schick. Und auch renommierte Anwaltskanzleien wollen sich ihre Messingschilder und Briefköpfe nur ungern mit Personal ohne »Dr.« vor den werten Namen verschandeln lassen; derlei akademischen Glanz bezahlt betuchte Mandantschaft gerne mit.« (ebd.)
Markus Kompas Durchsicht der juristischen Promotion des Herrn Westerwelle spricht nicht unbedingt für wissenschaftlichen Ehrgeiz beim Verfasser. Offensichtlich geben wir uns mit einer dünnbrettrigen Arbeit zu Parteijugendorgansitionen zufrieden, weil es ja nicht darum geht, mehr als zwei Buchstaben vor dem Namen zu bewirken. Relativ zum Ziel sind also solche »Arbeiten« durchaus adäquat.
Es geht nicht um Wissenschaft, sondern um eine Mogelpackung. Das Beste daran ist, dass es zeigt, dass die wirklich demokratischste Ressource, nämlich Zeit, allen im gleichen Maße zur Verfügung steht. Wer Gemeindearbeit macht wie ich, der kann eben anderes nicht in gleichem Maße machen — das tröstete mich, als ich ein erstes Mal Tuck & Patti live sah, und kurz davor war, die Gitarre an den Nagel zu hängen.
Wer in der Politik auf allen Parteitagen dabei ist, in Ausschüssen usw. sich einbringt, der hat einfach keine Zeit für Fußnoten und gründliche wissenschaftliche Arbeit. — Der Link lohnt, da hat die Süddeutsche echte Ghostwriter zu Politiker-Dissertationen befragt…
Ehrlich wäre es aber, wenn er dann auch nicht den Schein erweckte, sondern einräumte: »Mich interessiert Macht und politische Gestaltung und nicht juristische Details.« — Vielleicht kommen wir da ja noch einmal hin.
In Gesprächen mit Freunden und Bekannten höre ich immer mal wieder, dass es doch »halb so schlimm« wäre, schließlich sollen ja nicht die Gespräche mitgeschnitten werden, sondern allein die Abrechnungsdaten für »etwas länger« aufbewahrt werden. Außerdem: Wer nichts zu verbergen habe, der brauche sich doch da keine Sorgen zu machen.
Marco Maas, ein hamburger Journalist und Bekannter, hat mit einem Kollegen für Zeit-online mal eine Visualisierung der Daten des Grünen-Politikers Malte Spitz angefertigt. Der hatte gegenüber seinem Provider »Telekom« durchgesetzt, Auskunft über die Daten zu erhalten, die man dort über ihn speichere.
Das Ergebnis ist eine Darstellung, die sich anfühlt wie »big brother«, allerdings weder auf einem Niveau des Jahres 1984 noch auf einen Container geschränkt. Hier geschieht das, was sich Historiker für manche geschichtliche Gestalt wünschen: Dass man doch möglichst genaue Auskunft für die Nachwelt haben möge, was Politiker X oder Y an einem Tag getan habe. Früher ließ man Hitler-Tagebücher fälschen, heute braucht man eigentlich nur das Web abzugrasen, Twitternachrichten und allgemein zugängliche Geodaten mit den gespeicherten Verbindungsdaten in Beziehung zu setzen, und schon wird deutlich, was da allein mit den »Vorratsdaten« möglich ist. Weiterlesen
Ja, ich habe es bei Fefe (Felix v. Leitner) gelesen. Die Geschichte ist grob folgende: Ein Musik-Veranstalter wird von seinem Baufinanzierer drangsaliert, soll horrende Versicherungen für sein altes Haus abschließen, soll Besuche zur Begutachtung bezahlen, die gar nicht stattfinden usw. — Schließlich hat er die Nase voll und sucht sich ein juristisches Schlupfloch: Er formuliert einen gerichtsfesten Anfragebrief, der nach us-Recht in bestimmter Frist bearbeitet und beantwortet werden muss.
Das tut sein Baufinanzierer nicht, und hofft wohl, dass die Sache wegen Formfehlern versanden wird. — Das aber tritt nicht ein. Und auch als der Musik-Veranstalter einen Prozess beim lokalen Gericht führt, sendet der Baufinanzierer nicht einmal jemanden zur Vertretung. — Wäre sicher teurer, so denkt man sich, als ggf. eine Buße zu zahlen.
Aber der Musik-Veranstalter besteht auf seiner Antwort, die er immer noch nicht hat. Also erwirkt er einen Titel: Mit dem örtlichen Sheriff, dem er 50 $ für Gebühren zahlt, wird beim örtlichen Büro des Baufinanzierers ein Inventar erstellt, außerdem eine amtliche Anordnung erlassen, nichts zu verkaufen. Dazu gibt es Plakate für die Zwangsversteigerung. Und damit macht der Musik-Veranstalter ordentlich Propaganda, das hat er schließlich gelernt.
Lokale Medien interessieren sich für den Fall, und der Fall wird allein wegen des Image-Schadens für die Baufinanzierungsfirma teurer als gedacht. — Elegant gemacht. Hier der Artikel im Original.
»47.000 Produkte führt ein durchschnittlicher amerikanischer Supermarkt. Das Angebot scheint grenzenlos. Doch betrachtet man die augenscheinliche Vielfalt genauer, zeichnen dafür nur eine Handvoll Firmen verantwortlich. Wenige große Konzerne beherrschen den Markt. Beispiel Fleisch: Gab es 1970 noch Tausende von Schlachthöfen in den USA, gibt es heute gerade noch 13. Hühner werden heute in der Hälfte der Zeit wie vor 50 Jahren doppelt so schwer. Die Tiere nehmen so schnell zu, dass die Knochen die Fleischmassen nicht tragen können und sie alle paar Schritte umkippen. Hühnerhalter werden durch hohe Kredite abhängig von den großen Fleischkonzernen. Wer die Tiere nicht nach deren Vorgaben hält, nämlich in riesigen Hallen ohne Tageslicht, dem wird der Vertrag gekündigt. Die gleichen Zustände herrschen auf dem Saatgutmarkt. 90 Prozent aller Sojabohnen in den USA enthalten Gene, auf die die Firma Monsanto ein Patent hat. Ehemalige Monsanto-Mitarbeiter, die in die Politik gewechselt sind, waren federführend an der Entscheidung beteiligt, gentechnisch veränderte Produkte nicht zu kennzeichnen. Mit dem Ergebnis, dass heute 70 Prozent aller verarbeiteten Produkte in einem amerikanischen Supermarkt gentechnisch veränderte Zutaten enthalten. Mit aller Macht verhindern große Konzerne in Amerika, dass Verbraucher erfahren, wie ihr Essen hergestellt wird. Kritiker werden mit Prozessen überzogen und so mundtot gemacht. ›Es geht nicht nur darum, was wir essen oder um unsere Gesundheit, sondern darum, was wir wissen dürfen.‹ Dieses Zitat stellen der Regisseur Robert Kenner und die Journalisten Eric Schlosser und Michael Pollan an den Anfang ihres Filmes. Am Ende ziehen sie den Schluss: ›Einer der wichtigsten Kämpfe der Verbraucher ist der Kampf um das Wissen, was in unserem Essen ist und wie es hergestellt wurde.‹ (ARD/WDR)«
Dass es so nicht geht, dass Rinder, mit Mais gefüttert, weder gesund sind noch gesunde Nahrungsmittel aus dem Fleisch gewonnen werden, ist klar. Dass aber neben der Profitmaximierung auch Stake Holder Values (oder in diesem Falle doch »Steak Holder«?) zunehmend wichtig werden, ist ein Punkt, an dem die Öffentlichkeit ein Interesse haben muss. Es kann nicht politisch in Kauf genommen werden, dass jede/r zweite Hispano-US-Bürger/in, der/die ab dem Jahr 2000 geboren wurde, wahrscheinlich chronisch krank werden wird, aufgrund der Lebensmittel. Für anderes, gesünderes, besseres Essen reicht das Geld nicht und auch nicht die Zeit, wenn man wenigstens zwei Jobs braucht, um als »working poor« über die Runden zu kommen.
Angenehm an diesem Film ist, dass er nicht flach schockieren möchte, sondern Zusammenhänge aufzeigt, die eigentlich alle kennen (können), die aber im Zusammenhang wir nicht wahrnehmen. Wir sind erstaunlich weit entfernt von z.B. der künstlichen Reifung von Tomaten, damit diese während des gesamten Jahres verfügbar werden.
Hühnerhäuser, die dazu da sind, hunderttausende von Hühnern zu halten, die kaum mehr gehen können, weil sie so gezüchtet sind, dass viel Brust dran ist, viel weißes Fleisch, das dann entsprechende Abnehmer findet, stürzen die Bauern in den Ruin, sollten sie nicht entsprechend nachrüsten auf Konzernwünsche. Denn so ein Hühnerhaus lässt sich kaum aus der Rücklage bezahlen. Eine Schuldenspirale ist programmiert. Mit Landwirtschaft, mit Mit-Geschöpflichkeit und Ehrfurcht vor dem Leben (auch der »Nutztiere«) hat das wenig zu tun.
Noch einmal aus den »Sozialen Grundsätzen« der evangelisch-methodistischen Kirche:
»Wir befürworten solche Bewirtschaftungsformen, die die natürliche Bodenfruchtbarkeit erhalten und stärken, die Vielfalt der Pflanzen– und Tierarten schützen, an regionale Verhältnisse und Strukturen angepasst sind und es erlauben, Nutztiere artgerecht zu halten. Ihre Lebensbedingungen sollen so weit wie möglich ihren spezifischen Verhaltensweisen entsprechen. Wir streben ein effektives Landwirtschaftssystem an, in dem bei der Produktion von Pflanzen und Tieren die natürlichen Kreisläufe beachtet werden, Energie eingespart und der Einsatz chemischer Mittel auf ein Minimum reduziert wird. Nachhaltige Landwirtschaft erfordert eine weltweite Überprüfung der Auswirkungen landwirtschaftlicher Anbauverfahren auf die Nahrungs– und Rohstoffproduktion, auf die Bewahrung von Nutztierrassen und Pflanzenvielfalt und auf den Erhalt und die Entwicklung von Kulturlandschaften.« (III-Q — Seite 33)
Wenn es in dieser Hinsicht in »God’s own country« noch weiter gekommen ist als hierzulande, dann ist die Frage naheliegend, inwieweit Alltags– und Wirtschaftsethik eigentlich zum Glauben und christlichen Handeln passen. Ich kann das nicht beantworten, aber finde, dass die Frage erlaubt seien muss.
Dass der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag handwerklich nicht gut gemacht ist und wegen seiner Unklarheiten Rechtunsicherheiten von Anbietern wie mir schafft, ist (außer bei den Machern) unumstritten.
Erfreulicherweise hat das Land Nordrheinwestfalen im Landtag am 16. Dezember dagegen gestimmt, somit sind nicht alle Länder dafür und also wird der »Staatsvertrag« nicht ratifiziert. Es bleibt die Fassung von 2003 in Geltung, die prinzipiell in gleiche Richtung geht, aber manche lästigen Unsicherheiten vermeidet. Wer mehr lesen möchte, klicke hier.
Das freut mich, denn es erlaubt mir, weiter mein Blog zu betreiben ohne mir (weitere) graue Haare wachsen lassen zu müssen wegen der Rechtsunsicherheiten und entsprechenden Haftungsrisikos.
Rechtsanwalt Udo Vetter blogt gestern, dass es seiner Aufassung gemäß keine rechtlichen Hürden gibt, WikiLeaks zu spiegeln, also auf einem angemieteten Server zur Verfügung zu stellen. Hier ist sein Artikel:
»Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates; insbesondere ist eine freie, regelmäßig erscheinende politische Presse für die moderne Demokratie unentbehrlich. Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muß er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere sich gebildet haben. Die Presse hält diese ständige Diskussion in Gang; sie beschafft die Informationen, nimmt selbst dazu Stellung und wirkt damit als orientierende Kraft in der öffentlichen Auseinandersetzung. In ihr artikuliert sich die öffentliche Meinung.«
Bundesverfassungsgericht, Spiegel-Urteil vom 5. August 1966
Am vergangenen Sonntag hörte ich eine Adventspredigt, in der es darum ging, wie wir eigentlich von anderen denken und reden, wenn wir uns mit ihnen zusammensetzen und anschließend eine entsprechende Gesprächsnotiz absetzen, wie es bei WikiLeaks zahlreiche gibt. — Ich jedenfalls möchte nicht so disjunkt leben und handeln. Für die Politik finde ich, dass die Transparenz deutlich höher seien sollte als für private Angelegenheiten.
Dass ein Bürger sich dagegen verwehren sollte, wenn z.B. Zahlungssystembetreiber die gekauften Produkte zu Persönlichkeitsprofilen komplettieren, und dann der Drogerie-Käuferin eines Schwangerschaftstests gleich mit der nächsten Post Windeln und Babyartikel anbietet, dann finde ich das nicht legitim. — Solches Profil steht dem, der dafür da ist, die Scheckkarte anzurechnen nicht zu. In solchen Fällen hilft Barzahlung. Weiterlesen
»ereignete« sich im Deutsch-Leistungskurs, neben Elke. Die hatte eine schweinslederne Schulmappe, mit einem PorNO-Aufkleber der EMMA drauf. Und Elke war bereits damals resolut, sie boxte, teils verbal und teils »mechanisch«, um sich, wenn Kursteilnehmende »männlich formulierten«.
Ich war erst verblüfft, dann entsetzt, hatte mir keine großen Gedanken darum gemacht, wie eigentlich die Sprache unser Denken und das Bewusstsein beeinflusse. Das heißt: Natürlich hatte ich drüber nachgedacht, aber weniger darüber, ob ich »Schüler« sagte und »Schülerinnen und Schüler« meinte. Im Lateinunterricht hatte ich gelernt, dass im Plural im Zweifel die männliche Form gebraucht würde. Das war so, faktisch. Was sollte ich das mit meinen 18 Jahren in Frage stellen? — Elke aber las EMMA, und sie war, was ihr hoch anzurechnen ist, bereits damals deutlich cleverer als es Alice Schwarzer in dieser Hinsicht bis heute scheint: Elke gebrauchte das Thema, sie wusste das auch ironisch zu brechen. Nahm es ernst, aber eben nicht bierernst. Und das sprach und spricht für Elke. Weiterlesen
Heute fragt in einem Radio-Essay Burkhard Müller-Ulrich:
»Wie anders aber sähe die Weltgeschichte aus, wenn Wikileaks etwa 1941 die Pläne der deutschen Regierung zur Ermordung der Juden veröffentlicht hätte. Das Gedankenspiel macht klar, was für eine gewaltige Umwälzung das Internet für jeden Bereich staatlichen Handelns bedeutet.« (hier)
Diesen Gedanken Müller-Ulrichs möchte ich weiterspielen. Einmal angenommen, die USA, die UdSSR und die Regierung in Großbritannien hätten ensprechende Informationen bekommen, und das wäre zwei Monate später bei Wikileaks nachzulesen… Wäre wäre dann? Besonders: Was wäre, wenn sie nichts dagegen getan hätten? Mit der zweiteiligen Verfilmung Piux XII. wurde eben dieses Thema aufgegriffen. Auch schon Hochhuts Drama »Der Stellvertreter«, das Erwin Piscator inszenierte und das internationale Verwicklungen brachte. Klar, beim Papst kommt immer noch eine Nummer mehr moralischer Erwartungen hinzu. Weiterlesen
Dass mancher Laternenumzug ein kostspieliges Nachspiel hatte, weil die GEMA gerne die Urheberrechtsabgaben für die »aufgeführten« Lieder haben möchte, hat sich herumgesprochen. Manches Singen in Alten– und Pflegeeinrichtungen wurde aus Urheberrechtsgründen abgesetzt.
Wer nicht darauf verzichten möchte, kann sich hier beim Musikpiraten bedienen, der ein Liederbuch speziell zum Advent zusammengestellt haben, mit ausschließlich urheberrechtsfreien Liedern. Das Heft ist als pdf oder open Office Dokument zu haben, und was mich besonders freut: Es ist auch ein ZIP der Original Lilypond-Notendateien verfügbar. Danke, liebe Piraten.
Ich finde das ausgesprochen sinnvoll. Ein positives Beispiel, wie man einfach sich selbst ins Abseits des »nicht-aufgeführt-Werdens« stellen kann, wenn man das falsche Lizenzmodell wählt. Meine Texte und Bilder hier stehen und Creative Commons Lizenz und dürfen unter Nennung des Verfassernamens frei benutzt werden. Bei den Photos, die Personen zeigen, sind jedoch ausschließlich nicht kommerzielle Nutzen gestattet, und dort gilt, zum Schutz der Photographierten: Keine Bearbeitung, kein Composing usw. — also dies folgendes Creative Commons Modell.
Isotopp schreibt heute in seinem Blog:
»Daher bleibt mir nur die Konsequenz, die Regeln für Internet-Startups auch auf meine eigenen Inhalte anzuwenden: Nicht in Deutschland, nicht in deutscher Sprache und nicht für Deutsche. Meine bisherigen Inhalte nehme ich morgen offline, und falls ich noch einmal irgendwas mache, dann für ein Land, das Zukunft hat.
Nicht Deutschland.«
Hier gibt es etwas Hintergrund. Dass dieses Gesetz — wie einige andere — handwerklich sehr nachlässig gemacht ist, ist wenig verwunderlich. Hier dazu (ich bitte, aber auch die Kommentare zu lesen). Wenn dieses Gesetz daher so durchgewunken wird, wie es derzeit vorliegt (hier der Text), dann bedeutet das, dass ich sicherstellen muss, keine Inhalte anzubieten, die evtl. die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen beeinträchtigen könnten. Mir fiele mancher alttestamentliche Text ein, der geeignet wäre, die Entwicklung zu beeinträchtigen. — Hier sind 17 Fragen, die man berücksichtigen sollte. Ich bin nicht sicher, ob ich das kann. Noch weniger sicher bin ich mir, ob ich das möchte, denn dies ist ein Projekt, das ich selbst bezahle, in das ich meine Freizeit stecke ‚und ich habe ja auch andere Interessen.
Mit anderen Worten: Seit den Diskussionen um Zensursula und StaSi2.0 (leider sind ja die Wiki-Artikel gelöscht) fühle ich mich mehr und mehr kriminalisiert, ohne dass ich mich als Verbrecher fühlte. Weil ich zwar den Austausch schätze, mich aber nicht so wichtig nehme, dass ich das als Selbstdarsteller bräuchte, kann ich mir durchaus vorstellen, wenn die Bedingungen zum Publizieren hierzulande unerträglich würden, einfach das Angebot einzustellen. — Oder aber per Serverskript bloß zwischen 24 Uhr und 6 Uhr online gehen zu lassen, ansonsten auf den Gesetzestext zu verlinken oder dergleichen.
Noch sind vier Wochen lang Zeit. — bei mir. Mit Isotopp ist heute Schluss. — Zu spät.
Am Samstag war ich bei einem Freund zu Gast. Wir sprachen über die diakonischen Dienste der Landeskirche, das Diakonische Werk, die Altenpflegeeinrichtungen, über Kindertagesstätten und eine Entwicklung zur Verselbständigung der Diakonie von der Gemeinde.
Bereits in der Apostelgeschichte, Kapitel 6, wurden ja die Diakone ausgeguckt, damit die Versorgung der griechischsprachigen Witwen täglich versorgt wurden. Beim Tempel gab es wohl nichts für die. Die frühe Gemeinde musste also hier selbst organisieren. Die Apostel aber fanden es nicht tragbar, dass sie die Predigt und Lehre vernachlässigten um der Bedürftigenversorgung willen. Also wurden Diakone beauftragt, die sämtlich griechische Namen trugen, von denen man anschließend viel hört, aber nirgends, dass der »Siebenerkreis« (der Diakone) die Suppenkelle an der Armenküchen-Ausgabe bedient. Sie predigen, taufen äthiopische Finanzminister usw. Weiterlesen
Der RAV hat eine Liste der mutmaßlichen Rechtsbrüche durch die Polizei (und ausländische Kräfte) zusammengestellt (hier). Ich kann zu den Vorwürfen selbst keine Stellung beziehen, kann nicht einschätzen, ob sie begründet sind oder eben nicht. Aber: Ich finde es verheerend für die demokratische Kultur, wenn es auf die Machtfrage herausläuft, auf Methoden des Bürgerkriegs. Das ist bekanntlich eine Vorstufe zur Einstellung: Ich kann nichts ändern, also werde ich Terrorist. Und aus dieser Haltung folgt nichts gutes. In Gaza hat es ähnlich angefangen.
Wer damit rechnen muss, bei Demos eingekesselt zu werden, immer wieder nicht als »Subjekt«, sondern als »Objekt« behandelt zu werden, von dem Staat, der ja eigentlich dem Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger verpflichtet seien sollte, der greift eines Tages zu anderen Mitteln: Ja, Sprengstoffe sind günstig, weshalb sie bei Terroristen so beliebt sind. Aber auch chemische Kampfstoffe sind hierzulande (entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt) leicht zu haben. Und dann gnade uns Gott, wenn wir quasi »Weimarer Verhältnisse« auf dem heutigen technischen Niveau bekämen.
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