Dieser Tage werden in allen Gemeinden der Hannoverschen Landeskirche die Kandidatinnen und Kandidaten gesucht, Artikel zur Vorstellung geschrieben, gegegebenenfalls Unterschriftenlisten mit Gemeindenglieder-Unterschriften (wenigstens zehn braucht es ja für Kandidierende) zusammengetragen. Ich finde es wichtig, dass sich Menschen in Gemeinden mit ihren Gaben einbringen. Und gute Verwaltung und Leitung wird in den Gemeinden gebraucht. So weit, so gut.
Der Anspruch ist, dass Gemeinde für alle Getauften da sein soll. Darüber hinaus soll sie in ihrem Bereich missionarisch bzw. evangelistisch wirken, also auch solche Menschen ansprechen, die (noch) nicht Christen sind. Andererseits brechen die personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten seit Jahren weg. De facto gilt es also gezielt zurück zu bauen, so dass kein übermäßiger Schaden für das Leben und Weben der Gemeinde entsteht. Stellenkürzungen usw. sind allenthalben durch die Kirchenvorstände und die kirchlichen Verwaltungen (in Kirchenkreisen und auch den kirchlichen Verbänden und Einrichtungen) so durchzuführen, dass das kirchliche Leben weitergeht. Weiterlesen
Dieser Artikel in La Stampa berichtet, dass ein Mitglied der Kuwaitischen Königsfamilie zum Christentum konvertiert sei und nun um sein Leben fürchte. Bedauerlicherweise ist es noch immer so, dass Religionsfreiheit, und zwar positiv (als Freiheit zu einer Religionsausübung) wie negativ (als Freiheit von religiöser Bindung) vielen Menschen nicht möglich ist. In einigen Regionen dieser Erde meinen Menschen an der Macht, dass sie den Glauben anderer bestimmen könnten. Zumindest versucht man, Konversionen zu bestrafen.
Mir scheint, dass ein Wechsel des Glaubens mitunter passieren kann, ja muss. Wenn jemand Christ wird, kann er vorher alles denkbare andere gewesen sein. Auch denkbar, dass jemand vom Christen zum Heiden wird, weil ihm oder ihr der Glaube abhanden kommt. Konversionen kommen vor. Mancher wird Moslem, manche wird Jüdin, Hindu oder was auch immer. Dass es für jemanden, ob nun politischer Machthaber oder überzeugter Gemeinde-Mitarbeitender, dem Glaube wichtig ist, eine wichtige Entscheidung ist, wohin jemand konvertiert, wenn damit eben auch »heilsrelevante« Entscheidungen getroffen werden, könnte er oder sie auf die Idee kommen, hier unliebsame Konversionen unter höchste Strafen zu stellen. Selbst das aber bringt nichts.
Ich freue mich, wenn jemand Christ wird. — Und ich achte alle, die anderweitig konvertieren. Ich finde es teils überaus schade, aber ich achte die Freiheit der anderen höher als meine Einschätzung der möglichen Folgen. Wenn ich einem gewesenen Christen, der jetzt Moslem ist, helfe, auch helfe, ein besserer Moslem zu werden, dann kann ich ihm etwas von Gottes Liebe, die ich glaube, widerspiegeln.
Für mich ist der Bericht in La Stampa eine Steilvorlage für ein Gedankenexperiment:
Was wäre, wenn Kanzlerin Dr. Merkel zum Islam konvertierte? Weiterlesen
Wenn ich in Marburg bin, gehe ich in die Universitätsbuchhandlung Ewert. Auch in Heidelberg kenne ich eine Buchhandlung, an der ich kaum vorbeigehen kann, weil ich weiß, dass ich dort erfahrungsgemäß mindestens ein oder zwei Bücher finde, die ich suche; teils suche ich sie, ohne es zu wissen.
Von Umberto Eco gibt es einen Streichholzbrief, eine dieser Glossen aus L’Espresso, in dem er von Bibliotheken schreibt: Solchen, in denen man leben kann und garantiert etwas findet, das man nicht gesucht hat. Die entsprechenden Bibliotheken sind dermaßen sortiert, dass es große Präsenzbereiche gibt, in denen man als Besucher an Bücher heran kann. Denn wenn man ohnehin schon wissen muss, was man sucht, dann braucht man nicht zu suchen. Dann ist ein Online-Bestellsystem wirtschaftlicher. Wenn man aber stets gespannt ist, was da noch an unentdeckten Schätzen zu entdecken ist, dann machen Bibliotheken — und in ähnlicher Weise eben auch Buchhandlungen — Lust auf mehr.
Die Großbuchhandlungen, die in allen neuen Einkaufszentren aus dem Boden sprießen, die braucht niemand. Jedenfalls dann nicht, wenn man Zugang zum Internet hat. Dank des Zentralen Verzeichnisses Antiquarischer Bücher (zvab.com) und Amazons usw. brauche ich nicht mit der Bahn oder dem Auto in eine Innenstadt zu fahren, um dort doch nicht zu finden, was ich suche. Es dann schließlich zu bestellen und noch einmal in die Stadt zu fahren, um das bestellte Buch abzuholen. Nein. Wenn ich weiß, was ich suche, dann kaufe ich es (gern auch antiquarisch) und lasse es mir liefern.
Und nun kommt der Werbeblock. In Stuttgart ist Lindemanns Fotobuchhandlung lange spezialisiert. Diese Buchhandlung verschickt per email und auch per Drucksache regelmäßig gut gemachte Informationen über Neuerscheinungen (gerade auch die außerhalb Deutschlands, von denen man sonst kaum etwas mitbekäme) und — vielleicht das beste — es gibt immer Restexemplare und Sonderposten, die zu sehr attraktivem Preis angeboten werden. Ein Beispiel (fiktiv): Wer ein Servicehandbuch zur Reparatur des Zentralverschlusses einer alten Rolleicord sucht, hat bei Lindemanns sicher gute Chancen, vielleicht als Reprint, vielleicht als kanadische Ausgabe oder wie auch immer. Ich freue mich seit rund zwanzig Jahren an den Empfehlungen und den Angeboten, die ich aus Stuttgart von Zeit zu Zeit kaufe, sei es aus dem Bereich Fotokunst oder Fototechnik. Hier sind die Links zu den Sonderangeboten, da könnte auch etwas für meine Lesenden dabei sein, so dachte ich mir. — Nebenbei: Ich werde für die »Werbung« nicht bezahlt, bin vielmehr überzeugt, dass gute Angebote weitergesagt werden sollten.
»@Peer: Bist Du Gott?
Bei Dir klingt es immer so, als würdest Du die ›Wahrheit‹ kennen (von der ich ausgehe, dass ich sie als Mensch nicht kennen kann) …« (Markus, 27.01.2012)
Diese Frage schien mir schon einigermaßen thematisch abwegig, aber ich verstand sie als (provozierte) Reaktion auf den vorherigen Beitrag durch den angesprochenen Kommentator. Stilistisch handelt es sich um eine rhethorische Frage, also eine, die keine Antwort erwartet, sondern sich lediglich des formalen Fragens bedient, um auszusagen: »Du bist nicht Gott.« — denn nur ein solcher könnte in der argumentativen Strategie die Wahrheit kennen.
»Ja, ich bin ein Gott. Doch eher einer wie Wotan, weniger wie Euer Jehova. So schlecht wie Jehova bin ich nicht.
Übrigens, wenn du davon ausgehst, daß du die Wahrheit nicht kennen kannst, dann meinst du doch zumindestens diese eine Wahrheit erkannt zu haben, die du demgemäß gar nicht erkennen kannst. Deine übernommene Denkfigur falsifiziert sich also schon selbst. Nütze diesen Hinweis zu deinem Heil. Dich von mir stoßend zeig ich ihn dir. Auf nach Rom!
(Warnung: dieser Beitrag könnte Spuren von Anspielungen enthalten, die nur für Wagnerianer verständlich sind.)« (Peer Scherenberg, 27.01.2012)
Die Antwort nimmt die Frage als (offene) Frage, übersieht geflissentlich, dass es sich um keine echte Frage handelt, sondern um eine rhetorische, und beantwortet sie zudem eben gerade nicht im Sinne der argumentativen Strategie des Fragers: Die Antwort lautet »ja — ich bin ein Gott«.
Die folgende Ausführung fußt selbstverständlich auf den unterschiedlichen Bedeutungen von »Wahrheit« und »erkennen« zwischen Fragendem und Antwortendem. Anzunehmen ist, dass der Fragende annimmt, dass gemäß Joh. 14,6 Jesus »Weg, Wahrheit und Leben« sei. Dies aber vermöge nur der Glaubende zu »erkennen«, und zwar in dem Sinne, dass Glaube keine menschliche Option sei, sondern ein Geschenk Gottes. Zu erkennen, wer und inwiefern er Wahrheit sei, sei eben gerade nicht menschlich, sondern göttlich — und eben denen möglich, denen Gott sich offenbare. So verstehe ich Markus’ Intention.
Demgegenüber setzt Peer Scherenberg voraus, dass das, was man kann, ein menschliches Vermögen sei, dass also der Frager Markus gar nicht erkannt haben könne, gemäß seiner eigenen Argumentation. Im Hintergrund ist stets (bei Markus) 1. Kor.13,12b: »Nun erkennen wir stückweise, dann aber werden wir erkennen, gleich wie wir erkannt sind.« Sollte der Antwortende recht haben, hätte sich der Frager in der Tat selbst widerlegt. Alles hängt an den »Ebenen«, auf denen die Begriffe je angesiedelt werden.
»Ich weiß nichts, ich glaube. Wie Du.« (Markus, 28.01.2012)
Das ist wohl eher ein Hinweis zu Selbstverständnis denn ein Argument. Es folgt der »inneren Logik«, die oben dargestellt ist.
»Ich denke, du nicht. Das ist der Unterschied. Denn Vorgänge des Geistes sind unmittelbar evident.
Du solltest erstmal in die philosophische Grundschule gehen und dort insbesondere Kurse in formaler Logik und Erkenntnistheorie besuchen. Beides fehlt dir zu 100% und daher kannst du hier nicht mitreden, denn dir fehlt das grundsätzliche Arbeitswerkzeug.
Stattdessen versucht du es durch religiöses Gebrabbel zu ersetzen, wie armselig! Versuch doch erstmal zu denken, nachher kannst du immer noch geistigen Selbstmord begehen, indem du dich irgendeiner religiösen Sekte in die Arme wirfst. Aber vorher solltest du erstmal SELBST GEDACHT haben. Das sollte jeder einmal, bevor er anfängt zu glauben.« (Peer Scherenberg, 28.01.2012)
Dem dritten Satz widerspreche ich entschieden. Vorgänge des Geistes sind spätestens seit dem »linguistic turn« alles andere als »unmittelbar evident«. Vergleiche etwa Artikel »Evidenz« bei Wiki oder Wittgenstein (eben daher):
»Ja, ich glaube, daß jeder Mensch zwei menschliche Eltern hat; aber die Katholiken glauben, daß Jesus nur eine menschliche Mutter hatte. Und Andre könnten glauben, es gebe Menschen, die keine Eltern haben, und aller gegenteiligen Evidenz keinen Glauben schenken. Die Katholiken glauben auch, daß eine Oblate unter gewissen Umständen ihr Wesen gänzlich ändert, und zugleich, daß alle Evidenz das Gegenteil beweist. Wenn also Moore sagte ›Ich weiß, daß dies Wein und nicht Blut ist‹, so würden Katholiken ihm widersprechen.« (Ludwig Wittgenstein, Über Gewissheit, § 239)
Wenngleich hier die Tirade der Vorwürfe an den Gesprächspartner substanziell wenig zutreffendes ausführt, denn — ich glaube nicht zu viel persönliche Details preiszugeben — : Markus studiert durchaus Philosophie. In der Sache ist der Punkt, dass Wahrheit ja ein Prädikat ist, das Sätzen verliehen werden kann. Wahrheit aber ist nichts, das Sachverhalten beigelegt werden könnte. Der Satz: Gießen liege zwischen Marburg und Frankfurt ist bezüglich unserer Sprachkonventionen zutreffend, aber nicht bezüglich der Dinge in der Welt. Der Übergang von empirischen Sachverhalten in die sprachlichen Aussagen wurde wohl von Peer Scherenberg vorausgesetzt, was ich seit dem liguistic turn nicht mehr für zulässig halte.
Dass nebenbei Glauben kein Widerpart zum Denken seien muss, sondern — etwa in der Prototheologie — der Gegenstandsbereich der Rekonstruktion einer Fachdisziplin seien kann, vermisse ich. Anders gesagt: Wir befinden uns für den Atheisten in einer »möglichen Welt« (im Sinne Wittgensteins), in der bestimmte Aussagen (theologischer und biblischer Natur) angenommen werden dürfen, und in dieser Welt bringen wir den logisch-sprachphilosophischen Werkzeugkasten zum Anschlag, um methodisch ausgereift bestimmte Schlüsse relativ zum Set der Annahmen für probabilistisch, bewiesen, angenommen oder widerlegt anzusehen und entsprechend zu benennen. Nicht mehr, nicht weniger.
Dass man aber deshalb einander nicht unbedingt in die methodische Vorschule zurücksetzen muss, das scheint mir evident.
Anfang Januar besuchte ich Freunde, die ich einige Jahre lang nicht getroffen hatte. Wie das so ist, wenn man je an seinem Ort recht ein– und angebunden ist. Bei mir war es viel Gemeindearbeit, bei ihnen Beruf und Kinder, die die Zeit reichlich füllten.
Wir kamen auch auf meinen Kirchenwechsel zu sprechen und ein Freund sagte: »Ah, Methodist bist Du jetzt… meine Schwester ist inzwischen auch Methodist. Sie sucht sich immer die lebendigste Gemeinde aus.« — Ich kenne die Schwester zu wenig, um dazu wirklich etwas zu sagen. Jedenfalls ist die Gemeindesuche wohl etwas, das sehr unterschiedlich angegangen werden kann. In der Tat kann man nach einer attraktiven Gemeinde suchen, nach einer, mit Mitarbeitenden, mit denen man auf einer Wellenlänge liegt und entsprechend einfach ins Gespräch kommen kann.
Man kann nach dem suchen, was man besonders wünscht/braucht. Wer etwa einen guten Chor möchte, sollte nach einer Gemeinde mit einem solchen Ausschau halten. Wem eine lebendige Hauskreisarbeit wichtig ist, möglichst mit einem bestehenden Angebot in Wohnortnähe, der hat ein Kriterium. Weiterlesen
Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass bei einer Kundgebung nationalsozialistisch Gesonnener als »Chiffre« nun der Titelsong aus Paulchen Panther gesungen wurde. Diese Musik wurde von der Zwickauer Nazi-Zelle (»NSU«) in ihren Bekennervideos als Hintergrundmusik gewählt.
Zutreffend stellt die Süddeutsche dar, dass man ja schlecht, bloß weil bestimmte Chiffren in rechten Kreisen gebraucht würden, Buchstaben des Alphabets (wie »AH« oder 18 (die entsprechenden Zahlwerte) für Adolf Hitler oder »HH«/88 für »Heil Hitler«) oder Ziffern verbieten könne. — Das ginge in der Tat zu weit. Was aber hindert eigentlich daran, bei urheberrechtlich geschützten Werken, diejenigen zur Kasse zu bitten, die diese öffentlich aufführen, ohne hierfür befugt zu sein? Die entsprechende GEMA-Direktion ist doch gar nicht weit vom Ort der Kundgebung in München entfernt?
Wenn entsprechende Bescheide wie bei den Laternenumzügen von Kindergärten an die Parteien und die (sicher nach den einschlägigen Überwachungsvideos auszumachenden) Einzelsänger zugestellt würden, wäre es doch endlich mal eine kreative Auslegung des rostigen Urheberrechts-Säbels.
Merke: Da, wo strafrechtlich keine Handhabe ist, bleibt immer noch der zivilrechtliche Weg. Vielleicht haben ja die Urheber bestimmte Aufführungseinschränkungen verfügt? Dann bliebe noch die (kostenbewährte) Unterlassungsverfügung…
Nebenbei: Als ich Paulchen Panther las, dachte ich erstmal als Peter Panter, eines der Pseudonyme Kurt Tucholskys, um die Weltbühne nicht zu Tucholsky-lastig erscheinen zu lassen… Dass die Rechtsgerichteten seine Songs sängen, hätte mich verwundert. Wäre aber zumindest (dank seines Suizids vor mehr als 70 Jahren) urheberrechtlich unbedenklich.
Ich wollt es wäre Kundgebung und die GEMA käme.
 Diese Marmelade ist ein »Fruchtaufstrich«
Lebensmittelrecht ist ein Gebiet für sich. Da werden die Claims sauber abgesteckt. Da muss das Fleisch durch halb Europa gefahren werden, um dann in Parma o.ä. zum Schinken zu werden. Feta ist eben nicht aus Kuhmilch (und darf nicht irgendwoher kommen) und Marmelade muss gekocht werden. Und wenn sie nicht gekocht wird? — Dann ist es eben keine Marmelade. Dann heißt das eben »Fruchtaufstrich«: Das macht den Orangen gar nichts. Nicht einmal mir, dem Konsumenten, macht es etwas. Ich finde, dass die Produkte der Dänen ganz im Gegenteil sehr empfehlenswert sind, auch dann, wenn es sich eben nicht um Marmelade handelt.
Wenn jemand weiß, wie es mit dem britischen Lebensmittelrecht ist: Muss »marmelade« (englisch) auch gekocht werden? Wie sieht das mit »jam« aus? — Dänen lügen nicht, und ich schere mich nicht drum, wie der Aufstrich heißt. Hauptsache ist, dass er schmeckt.

- der Platz, an dem ich arbeite…
Eine Zeit lang fand ich es attraktiv, wenn alle möglichen Daten und Informationen allenthalben verfügbar wären, also auf einem Server, mit dem ich mich von überall her verbinden könnte. Daten, Termine, Kontakte… Was kann man da nicht alles mit sich tragen, wenn man bloß ein paar Zugangsdaten (und evtl. Schlüssel für verschlüsselte Daten) mit sich trägt.
Inzwischen finde ich es deutlich praktischer, die Daten mit dem Füllfederhalter in den Kalender zu schreiben, und wenn es um Terminvorschläge geht, dann eben mit Bleistift, so dass ich die nicht benötigten Optionen anschließend ausradieren kann. Diese Kalender von rado habe ich seit vielen Jahren in Betrieb. Sie zeigen eine Woche auf einer Doppelseite, was meinen Bedürfnissen gut entspricht: Ich plane ja auch so — von Woche zu Woche. Und immer wieder freue ich mich an den Aphorismen, die es Woche für Woche im Kalender gibt. Etwa im Hauskreis merke ich, wie viel schneller ich mit Stift und Kalender bin als andere mit der kalenderführung im Smartphone…
Bei den hier an meinem Arbeitsplatz zu findenden Gegenständen gibt es jeweils eine kleine Geschichte, an der ich die Sudelweb-Lesenden teilhaben lassen möchte: Weiterlesen
Wer kein Nerd ist, hört Musik über Lautsprecher, so ein verbreitetes (Vor-)urteil. Das sehe ich anders, denn beim Hören mit Lautsprechern ist stets der Hörraum wichtig: Klingt der schlecht, macht es keinen Spaß. Auch die optimale Hörposition ist selten praktikabel, zumal dann, wenn man sich in Wohnräumen bewegt.

- Sennheiser HD-265 linear — geschlossener dynamischer Kopfhörer
Wer gerne lauter hört, muss Rücksicht auf Mitbewohnende und Nachbarn nehmen: Kopfhörer wirken hier Wunder, um den Hausfrieden herzustellen bzw. zu bewahren. Bei mir ging es mit dem bewussten Musikgenuss so los, dass ich einen CD-Player kaufte und einen anständigen Kopfhörer, den ich bis heute habe und seinerzeit bewusst dazu erwarb, mit ihm auch aufzunehmen. Unter meinem geschlossenen Kopfhörer, einem Sennheiser HD-265 linear, sind seit dem zahlreiche CDs (und DVD-A) entstanden. Er leistete mir stets gute Dienste und erhielt bisher einmal (nachdem ich ihn verliehen hatte) ein neues Kabel und — nach Jahren regelmäßigen Gebrauchs — einmal neue Ohrpolster.
Anfangs besaß ich keine Lautsprecher, nur diesen Kopfhörer, hörte somit direkt am Kopfhörerausgang meines damaligen CD-Spielers, DAT-Recorders etc. Dann an der Audio-Workstation, am RME-Fireface… Einen großen Fortschritt gab es, als ich vor Jahren einen Kopfhörerverstärker anschaffen musste, weil ich mit meiner damaligen Band Paradawgma so aufnehmen sollte, dass jeder in einem Kämmerchen unter einem eigenen Kopfhörer spielte — vor sich ein oder zwei Neumänner oder AKG-C414. Damals hörte ich erstmal die HiFi-Referenz-Kopfhörerverstärker an. Und stellte fest, was alles mehr geht — über das hinaus, was meine eingebauten Kopfhörerbuchsen lieferten. Ich hörte auch, was die Studiotechnik zum Thema zu bieten hat: Den Phonitor von spl, und entschied mich für eine viel günstigere Lösung, die ich bis heute für auch vier– oder fünfmal so teuren Geräten für überlegen halte: Den Presonus HP4, einen vierkanaligen Kopfhörerverstärker (Paradawgma ist und war ein Quartett) für wenig Geld.
 Jecklin Float electrostat
Zu der Zeit hatte ich bereits lange zwei Jecklin Float electrostat-Kopfhörer im Betrieb, die ich bis heute liebe. Jürg Jecklin, der Erfinder dieser »Weltraumhelme« war Tonmeister bei Schweizer Radio und erfand diese unförmigen, aber sehr gut klingenden (mit dem letzten Speisegerät) Ohrlautsprecher, um im Aufnahmewagen gut abhören zu können, besondern hinsichtlich der Phasenlage ist mehr mit frei vor den Ohren hängenden Elektrostaten zu entscheiden, weil man die Richtungsinformationen von Schall aufs Trommelfell und Schall über die Ohrschnecke auch mit nur einem Ohr nutzen kann, um Richtungshören zu entwickeln.
Exkurs: Wer mit Im-Ohr-Hörern hört, hat diesen zweiten Schallweg über die Schnecke und das Außenohr nicht, was leicht als Mangel empfunden werden kann, den man mit mehr Lautstärke zu kompensieren suchen könnte. Das aber tut dem Gehör nicht gut.
Die Jecklin Float Electrostaten werden mit einem Speiseteil betrieben, das an den Lautsprecherausgang (also an die Boxenklemmen) des Leistungsverstärkers angeschlossen wird. Das Speiseteil benötigt außerdem Netzspannung. Durch ein sechsadriges Kabel wird der Ohrlautsprecher mit dem Signal (links/rechts) und der Polarisationsspannung versorgt, denn wie bei Elektrostaten üblich funktioniert er so, dass eine sehr leichte und große Membran aus einer metallisch bedampften Folie sich in dem Feld eines polarisierten Kondensators bewegt. Diese Folie ist sehr viel schneller als es die Membranen dynamischer Kopfhörer wären; sie bewegt sich äußerst feinfühlig und gibt besonders hohe Frequenzen quasi
 Speisegerät zum Jecklin Float electrostat (erlaubt Anschluss von zwei Floats)
wie live wieder. Somit kann man deutlich besser den Raum hören (Reflexionen) und kann — das ist einer der wichtigsten Anwendungsfälle bei mir — stundenlang Musik schneiden. Wenn ich an Flügel-CDs denke mit weit über 1.000 Schnitten in 60 Minuten… Und jeder muss unhörbar gemacht werden… Da hilft in langen Nächten ein ermüdungsfreies Hören unterm Jecklin-Float.
Im Wissen, was Elektrostaten vermögen, hatte ich natürlich auch die Produkte von Stax ausführlicher gehört. Der Omega war nicht so mein Fall, und erst vor rund einem Jahr fand ich im Lambda Pro eine Ergänzung, die mir hilft, eigene und andere Aufnahmen noch einmal kritisch unter die akustische Lupe zu nehmen. Wohlfeil gab es diese Kombination mit dem passenden Transistor-Verstärker SRM-1/MK-2 Professional bei ebay im europäischen Ausland. Und da ich diese Kopfhörer nutze, vor allem zum Schneiden und Aufnehmen, sehe ich nicht so den Nutzwert (für mich) ich z.B. dem spl-Phonitor, an den ich ja wieder dynamische Kopfhörer anschließen müsste. Wozu?
 Sennheiser HD-600 (offener dynamischer Kopfhörer)
Zwei Freunde, die studieren und für ihr Musikhören gute Kopfhörer suchten, legten sich je einen Sennheiser HD-600 zu. Einen der beiden habe ich heute leihweise hier. Habe ihn mit den anderen genannten Hörern verglichen. Der HD-600 ist meiner Meinung der beste dynamische Sennheiser Kopfhörer. Ich mag den HD-800 gar nicht (den 700er kenne ich noch nicht). Der 650er ist mir zu »ge-sounded«, also zu sehr akustisch färbend, da finde ich den HD-600 deutlich neutraler, und das ist es, was ich mir von Kopfhörern erwarte: Ich möchte ja die Musik hören, möglichst unverfärbt. Wenn ich eine Brille kaufe, dann ja auch eine, deren Gläser möglichst gut entspiegelt sind und eben nicht eine mit rosaroten Gläsern, um die Welt in rosafarbigen Tönen zu sehen.
Der HD-600 ist für unerfahrene Hörende deutlich einfacher zugänglich als der im Bass unechte Klang eines geschlossenen Kopfhörers wie des HD-265, den ich weiterhin schätze, insbesondere da, wo eben aus dem Kopfhörer nichts ins Mikrophon übersprechen soll/darf. Der HD-600 ist völlig offen, entsprechend hören andere, was die Nutzerin drunter hört. Das kann stören, aber man ist eben auch nicht völlig isoliert. Er klingt bewundernswert durchsichtig, hat
 Stax Lambda Pro (elektrostatisch, 580 V Polarisationsspannung)
einen geringen Anpressdruck, so dass die Ohren nicht belastet werden, man kann als Brillenträger die weichen Polster gut über die Brillenbügel schieben und schwitzt nicht drunter — was bei den dicht schließenden Ohrstücken des HD-265 linear schon der Fall ist (und auch unterm Stax Lambda Pro!)
Der HD-600 ist meine Empfehlung für alle, die einen richtig guten (dynamischen) Kopfhörer suchen; um ähnlichen Wohlklang mit Lautsprechern zu erreichen, muss man richtig tief in die Tasche greifen. — Und: Das Hören mit Kopfhörern ist an sich etwas anderes als mit Lautsprechern: Man nimmt Störungen eher wahr. Schlecht produzierte Aufnahmen erscheinen ungeschönt. Das kann lästig sein/werden. Manche CDs (auch bei mir im Regal) sind dermaßen nachlässig produziert, dass ich sie nicht über Kopfhörer ertrage. Andererseits zeigen gute Produktionen unterm Kopfhörer noch mehr von ihrer Qualität.
Der HD-265 linear ist für meine Aufnahmen weiterhin unentbehrlich. Und: Wer aus einem dynamischen Kopfhörer das Maximum herausholen möchte, dem sei das Probehören unterschiedlicher Kopfhörerverstärker empfohlen. Der oben verlinkte Presonus ist im Preis-/Leistungsverhältnis beachtlich. Wenn man den HD-600 oder den HD-265 linear an den Mini-Klinkenanschluss des MacBooks anschließt, dann ist es wie ein sehr anständiger Lautsprecher. Mit einem guten Kopfhörerverstärker kann man aber deutlich näher an den Live-Eindruck herankommen.
 Stax Verstärker SRM-1/Mk-2 Pro (mit 1 x 230 V und 1 x 580 V Polarisationsspannung)
Die Elektrostaten sind eine Welt für sich, auf jeden Fall anders. Nicht unbedingt an sich besser. Eine verblüffende Eigenschaft ist, dass die »Federsteifigkeit« der Membran dynamischer Töner (ob im Lautsprecher oder im Kopfhörer) leider nicht linear verläuft: Wenn der Töner aus der Nulllage schwingt, steigt seine »Härte«. Die als »lineare Feder« gedachte Membran (=Tauchspule) ist eben leider nicht so linear wie in der Theorie gedacht. Hörbar wird das etwa bei den Ein– und Ausschwingvorgängen etwa stehender Klavierakkorde mit gedrücktem Pedal. Die klingen im Elektrostaten deutlich »echter«. — Ich liebe meine Jecklins. Der Stax ist ziemlich anstrengend: Wenn da Aufnahmen nicht 100 % gut gemacht sind, wird es schnell unerträglich. Aber: Als quasi akustisches Mikroskop sind die unersetzlich. Die Jecklins aber sind völlig unangestrengt nutzbar, klingen einfach »wie live«. — Und noch einmal: Wenn jemand nicht weiß, was er braucht, aber weiß, dass er akustisch anspruchsvoll ist, dann sind die Sennheiser HD-600 eine sehr gute Wahl, mit der man lange sehr zufrieden seien kann.
Wenn das, was jemand glaubt, substanziell ist, dann ist eine wesentlich und untrennbar mit dem verbunden, dessen Substanz es ist. Etwas Christ, das ist, wie etwas schwanger völliger Unfug. In der antiken und mittelalterlichen Philosophie wird, das werden die meisten Sudelweb-Lesenden sicher wissen, unterschieden zwischen Substanz und Akzidenz. Etwas, das auch weggelassen werden kann, ist ein Akzidenz, so seit Aristoteles. Sicher, inzwischen gab es den liguistic turn und inzwischen leben wir in der so genannten Postmoderne. Dazu später mehr.
Wenn es also (erstmal klassisch beschrieben) so ist, dass Christ-Sein substanziell ist, dann kann man es nicht ausblenden, wenn es um die Steuererklärung geht oder um die Zeitgestaltung. Die zeitlichen Prioritätensetzungen unter christlichen Fußballfans weist eher darauf hin, dass fast alles eher substanziell ist als Gott und die Beziehungspflege zu ihm.
Ich skizziere mal einen ganz normalen Fall: Da gibt es Menschen, die sonntags Lobpreismusik schätzen und Angebote für Kinder durch die Gemeinde für elementar halten. Am Dienstag aber gibt es im Brotberuf ebenso wenig die Frage »what would Jesus do?« wie bei der Auswahl von Finanzprodukten. Klar, wer fremd geht, muss sich in frommen Kreisen schief ansehen lassen. — Aber: Das lässt sich aushalten, wie es scheint.
Anders gesagt: Diese Haltung christlichen Zwiedenkens spricht eher dafür, von akzidentiellem Christentum zu sprechen. Es ist wie ein Hobby, dem man nachgeht, aber eben bloß ein– oder zweimal wöchentlich. Andere joggen. Man könnte es auch durch einen anderen »Zeitvertreib« substituieren.
Mir scheint manches an Fragen, wie Gemeinde seien sollte, was notwendig, erforderlich, hinreichend sei, vielfach daran ausgerichtet, ob es sich um eine Interessengemeinschaft handelt, so etwas, wie einen Sportverein. Man hört gerne erbauliche Predigten, hin und wieder auch mal eine ermahnende. Zu Weihnachten mal ein paar Lieder trällern. Aber bitte nicht zu viel, bitte nicht extrem! Bloß nicht fanatisch werden. Wohin das führt, das sieht man ja in den USA…
Leider sieht man das dort viel zu selten. Im Bible Belt gibt es hohe Wahrscheinlichkeit für die Todesstrafe und für körperliche Misshandlung von Kindern und Jugendlichen, aber leider wird hier nicht weiter nach what would Jesus do gefragt als anderswo, wenn es etwa um die Haushaltspolitik der Staaten geht. Jim Wallis und andere im linksevangelikalen Lager fragen What would Jesus cut? im Hinblick auf die Haushaltskürzungen: Wo kürzte wohl Jesus? Wo also sollten Christenmenschen Einsparungen im Etat vornehmen?
Wenn es so ist, dass wir Christenmenschen, und, ja ich schließe mich selbst durchaus ein, zwar nicht von dieser Welt sind, wohl aber in ihr, dann sollten wir, so finde ich, entsprechend zu leben uns bemühen. Ich fordere hier keinesfalls irgendwelche religiösen Übungen oder gar eine konservative, C-parteiliche Haltung. Aber: Wenn es so ist, dass wir Gottes Fußvolk sind, dann sind wir dazu da, dass durch uns andere etwas von dem erfahren, was das Evangelium ausmacht. Das geht aber nicht in Gottesdiensten, christlicher Musik, sondern vor allem in den Kontakten, die jeder von uns hat. In der Schule, Uni, Arbeit, im Verein, in der Nachbarschaft und eben auch im Finanzamt, wenn nötig. Und ich meine nicht, dass es quasi allgemeine Christenpflicht werden solle, die heidnische Umwelt mit frommen Traktaten zu traktieren, sondern dass es dran ist, endlich das zu leben, was wir sagen, dass es uns ausmacht: Dass wir endlich substanzielle Christen sind und werden.
Nicht dass ich es schon ergriffen hätte, ich jage ihm aber nach. — Und ich betone, dass unsere Zeit in vieler Hinsicht die Dinge erleichtert. Verfolgung droht uns hier nicht in dem Maße wie in der frühen Christenheit unter Nero. Andererseits macht die oben erwähnte Postmoderne es nicht einfach: Es gibt — vielleicht anders als früher — eben nicht den einen Weg, sondern es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Auch als Christenmensch. Nur um einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Christen kommen in vielen, ja vermutlich in (fast) allen Kirchen vor, jedoch ist es keinesfalls so, dass alle, die in Kirchen Mitglied wären oder hingingen, deshalb als Christen, also NachfolgerInnen Christi, betrachtet werden sollten.
Wenn ich also bitten darf: Mehr Substanz, bitte…
 Halbinsel Holnis (Ostsee) mit Hasselblad Flexbody und 1:3.5/60
Vor Jahren habe ich mit meiner Schwester und einem befreundeten Paar mit kleinem Kind Urlaub in Schleswig-Holsteins Halbinsel Holnis gemacht. Wir waren mit einem Auto unterwegs und ich bin viel durch die Natur gelaufen, um zu photographieren. Getreu Ansel Adams Ausspruch: »Die beste Kamera ist die schwerste, die ich tragen kann« hatte ich nicht bedacht, dass ich zu Fuß unterwegs seien würde.
Ein Manfrotto 055 Stativ mit entsprechendem Kugelkopf trug ich im Köcher über der einen Schulter, den Rimowa-Koffer (wasserdicht, schwimmfähig, aber nicht gerade leicht) mit Flexbody und 500C-Gehäuse samt einigen Filmmagazinen und drei Objektiven über der anderen. Um den Hals baumelte mein Spotmeter. Ich schätze bald zwanzig Kilogramm Balast. Einige Bilder aber entstanden in den Zeiten, wo es nicht um gemeinsame Mahlzeiten und nötige Erholungspausen ging.
Ein Vorzug beim Flexbody ist, dass man — quasi wie bei einer Fachkamera — durch Neigen von Objektiv relativ zum Film die Lage der Schärfenebene beeinflussen kann. Beim Bild oben konnte ich so von 20 cm bis unendlich Schärfe erzeugen, ohne übermäßig abblenden zu müssen, was ja die Bildqualität (der Beugung wegen) nicht gesteigert hätte.
Wunstorf ist ja nicht so weit, da kann ich ja mal hinfahren, um einen Freund aus der Gemeinde predigen zu hören, dachte ich mir. 45 km sind es nach meinem Navigationsgerät. Am Donnerstag zuvor hatte ich die Strecke bereits zurück gelegt, wollte eigentlich zur Bibelarbeit, die aber ausfiel: Die Wunstorfer wussten das dank Info-email, bloß hatte wohl niemand erwartet, dass jemand aus Hannover kommen könne.
Ich bin ja unermüdlich und frustrationsresistent. Jedenfalls fuhr ich am Sonntag früh wieder hin, diesmal zu Küsters Hof, einer »Eventkneipe«, deren Saal für die Gottesdienste bei Bedarf angemietet wird. In Wunstorf und drum herum gibt es viele Famlien, viele kleine Kinder. Jedenfalls beginnt der Gottesdienst dort erst um 11 Uhr. Das bringt meinen Sonntagsrhythmus etwas durcheinander. Ich fuhr wie üblich und nutzte einen der McD-Kaffee-Coupons, um bei einer ermäßigten Kaffeespezialität den Sonntag zu beginnen. Mit Heft, Füllfederhalter und Kaffee ist das durchaus eine schöpferische Phase guter Ideen geworden.
G.W. ist nicht allein als Laie hin-und-wieder mit Predigten befasst. Für ihn ist es gewöhnlich, den Menschen den Kopf zu waschen und eine entsprechende Predigt hatte ich nicht ausgeschlossen. Schließlich ist er Haar– und Kopfhautpfleger (Friseurmeister) und nutze seinen Salon durchaus missionarisch: »Friseure müssen, wenn sie seifen, reden…« Anders als bei Kästners »Guido Stich« ist das bei G. weniger national, dafür eher christlich…
Die Predigt richtete sich — und das ist auch in meiner Gemeinde nicht das Übliche — bewusst an die »noch-nicht-Christen«. Um Religion ging es, was das eigentlich sei. Man höre ja stets von Religionsfreiheit. Hier dürfe man glauben, Gemeinden gründen, drüber reden. Das sei ja nicht überall so. In manchen Gegenden empfehle es sich, erstmal zu schauen, ob ein Sprengsatz unter der Kirchenbank deponiert sei. Oder wer mal versucht habe, in der Türkei eine Kirche zu bauen… Bei uns gehe das so weit, dass bekennende Atheisten einräumen: »Gott-sei-Dank ist das Wetter heute besser…« Weiterlesen
 Zwei-Wort-Satz: Adenosintriphosphat protoniert
Adenosintriphosphat ist unmittelbar verfügbare Energie für den Stoffwechsel. Eigentlich ein simples Molekül, aber eines, an dessen Namen mancher Leser scheitert.
Meine Schwester gebraucht dieses Wort als Beispiel für ein meinem Neffen beizubringendes Lemma für dessen demnächst anstehenden Kindenarzttermin kurz vor dem zweiten Geburtstags. Bis dahin sollen kleine Kinder ja so genannte Zwei-Wort-Sätze zu bilden in der Lage sein.
Das alles im Rahmen der Ermittlung, wie weit der individuelle Entwicklungsstand der Norm entspricht, hinter ihr zurück bleibt oder aber diese übertrifft. Zwei-Wort-Sätze wie »Martin — Hand« oder »Baum — bumm« als der Weihnachtsbaum umfiel, das kann ja jeder. Ich fand, dass sinnvolle Lemmata wie »Einkommensteuer-Rückerstattung« zu trainieren wären, damit der entsprechende Kinderarzt einmal etwas außergewöhnliches zu hören bekomme. Meine Schwester aber, wie es sich für eine anständige Naturwissenschaftlerin gehört, findet, dass Adenosintriphosphat ein besser geeigneter Begriff wäre, wenn man den Arzt beeindrucken wolle.
 Neffe Martin packt ein »Kinderbuch« aus.
Was eigentlich, wenn man das nicht so spielerisch angehen kann, weil einfach die Förderung nicht passt oder die individuellen Möglichkeiten keine entsprechend schnelle Entwicklung ermöglichen? Ich weiß es nicht, werde aber gelegentlich mal eine Freundin fragen, die sich mit so etwas auskennt.
Das Kinderbuch übrigens, das Martin hier auspackt, ist eher für mich als für ihn. Kein Wunder: Bisher sind ja die besonderen Förderbereiche vorrangig im Einkommensteuerrecht und in der Biochemie definiert. Bei meiner Schwester kann ich, fürchte ich, mit neutestamentlicher Theologie weniger landen. — Aber das kommt noch. Martin kann und muss ja noch einiges lernen. Dann gibt es auch für die entsprechenden Ärzte eine Menge an Neuigkeiten zu entdecken. Wie etwa wäre Mozarts »musikalische Entwicklung« mit vier Jahren von einem entsprechendem Vorschularzt beurteilt worden?
 Moschee, Duisburg am Karfreitag
Am Karfreitag war ich — ich schrieb drüber — in Duisburg. Erst in einem Gottesdienst in der ev.-meth. Gemeinde. Anschließend wollte ich in den Landschaftspark Duisburg Nord/Emscher. Und erstaunlicherweise gibt es zwei Emscherstraßen in Duisburg. Ohne richtig hinzusehen, habe ich die falsche ausgewählt und mein Navigationsgerät führte mich in die völlig falsche Gegend. Aber immerhin kam ich an dieser Moschee vorbei, die eindrucksvoll an der Straße stand.
Auch war gerade Gemeindefest — für mehrere Tage. Am Karfreitag angemessen zurückhaltend. Ein Herr sprach mich an, als ich vom Parkplatz gegenüber photographierte, er lud mich ein. Ich wusch die Beine des Stativs und stellte meine Schuhe in ein Regal an der Tür, es ist ja nicht mein erster Besuch in einer Moschee. Es war etwa 11:30 Uhr vormittags, also noch etwa zweieinhalb Stunden bis zum Freitagsgebet.
Ein herrlicher Sakralraum. Vielen Dank für die Einladung. — Ich wünsche dieser und allen anderen Gemeinden hier im Lande eine gesegnete Zeit — und dachte mir, Weihnachten wäre ein guter Termin, das Osterbild zu veröffentlichen. Es braucht mehr Wissen voneinander, mehr Christen, die Moscheen besuchen, den Koran lesen, etwas arabisch lernen, mehr gute Nachbarschaft und gemeinsames Feiern. Und das gilt auch für Juden und viele andere Gemeinden, die es hierzulande gibt. Das Fest in Duisburg war ein guter Anlass. Für mich war der Besuch ein Stück des Themas von Karfreitag.
Im Vergleich zur kleinen ev.-meth. Kapelle, die nach dem zweiten Weltkrieg aus den USA gespendet worden war, ist diese Moschee wirklich eindrucksvoll. Offenbar muss es den Gemeindegliedern in größerem Maße ein Anliegen sein, einen passenden Gebetsraum vorzuhalten.
Ganz ohne Neid: Ein feines, eindrucksvolles Gebäude, das zum Beten einlädt. Vielen Dank für die Gastfreundschaft.
Gerrit war’s, der Sänger (und Schellenkranz-Schüttler) von Q-Bic, der mich im Internet auf Dirty Loops aus Schweden hinwies. Das war vor rund einem halben Jahr. Immerhin gehörte ich noch zu den ersten 100, die deren Stücke frei herunterluden. Was machen nun eigentlich Dirty Loops? Das sind drei Schweden, die offenbar Spaß an der Musik haben, die sie machen.
Wenn ich etwas beim Dualen System Deutschland (DSD) zu sagen hätte, dann verpflichtete ich Dirty Loops, weil sie aus musikalischen Reststoffen, eigentlich aus »Müll«, hinreißende Musik zu machen wissen. Beispiel gefällig? Justin Bieber ist Teenie-Idol und Mütter-Ikone, und ich hoffe, dass er sich in mehrfacher Hinsicht davor zu schützen wissen möge, wie Herr Westerwelle einst Schwiegermutters Liebling zu werden. Habe mir (mit mehreren Hinweisen, dass dieses Stück in Deutschland leider nicht erreichbar sei) jedenfalls Justin Biebers »Baby« angehört. Ein Stück, dessen die Welt m.E. nicht bedarf. — Doch »de gustibus non est disputandum«, daher, weil sich also über Geschmack zu streiten nicht lohnt, hier die Version, die seit heute 18 Uhr von Dirty Loops online gestellt wurde.
Wer mehr braucht, möge sich Britney Spears’ erinnern, die ja nicht zuletzt wegen ihrer besonders geistfreier Thesen zur Todesstrafe aufgefallen ist. Jedoch ist viel in ihrer Musik auch gewöhnlich eher schnelllebiger Wohlstandsabfall. Und auch hier wissen die schwedischen Recycling-Fachleute eine Lösung, wie aus Altstoffen wieder sinnvolle Lösungen für den Alltag werden: Hier nämlich gibt es die nachhaltig aufgearbeitete Fassung von Spears »Circus«.
Wenn das nicht die richtige Musik ist für einen Winterabend, an dem die Finger und die Zähne lautstark an– und aufeinander zu klappern drohen, dann weiß ich auch nicht.
Danke, Gerrit, das war ein ausgezeichneter Hinweis.
(auf die Minute) erhielt ich eine email von einem Freund, dem ich Anfang Dezember (2010) zu seinem Geburtstag geschrieben hatte. — Ich bedauere zutiefst, dass er den Kontakt abgebrochen hat. Selbstverständlich habe ich keinen Kontakt gesucht, aber es wäre mir eine riesige Freude, wenn er sich wieder mal meldete…
Hier die mail:
»frank weber, ich wünsche keine briefe mehr von dir zu erhalten und, dass du mich aus allen adressbüchern oder elektroscheiße löschst. ich möchte nicht mit dir in verbindung gebracht werden.«
Ebenso wenig wie man jemanden aus seiner Geschichte oder Erinnerung löschen kann, habe ich dem Wunsch nachgegeben, ihn »irgendwie« zu löschen. Aber ich war über die Maßen getroffen. Dies war in dieser Hinsicht eine Erstaufführung. Mir wäre es eine Ehre und ein Vergnügen, da weiterzumachen, wo wir mal waren — oder aber ganz neu anzufangen.
derzeit jedoch — und das schon seit Jahrzehnten — bedeutet es eine Spaßpartei für Besserverdienende, die sich gegebenenfalls selbst zum Flugblatt machen. Statt die Bürger/innen/rechte zu schützen, insbesondere auch die der informationellen Selbstbestimmung, der privaten Inanspruchnahme von Urhebendenrechten usw., senkte man den Mehrwertsteuersatz auf Hotelübernachtungen.
Anders gesagt: Dass der FDP ein Generalsekretär von der Fahne ging, finde ich nach dem Sandkastenregiment der derzeitigen Führendenriege wenig verwunderlich. Gerade dann, wenn stimmt, was alle Welt sagt, dass Herr Lindner clever sei, dann ist es verwunderlich, dass andere nicht das Weite suchen.
An anderer Stelle im Internet las ich von der typischen Rattenmetapher, dass diese nämlich das sinkende Schiff verließen. Mich erinnert es eher an Gerhart Hauptmanns gleichnamiges Werk: Dort geht es um Neid, Intrige, soziale Not und Besitzstandswahrung — fast wie in der FDP.
Dass nun, nachdem einer seine Tätigkeit verlagert, alle Welt ihn schilt, das kenne ich aus eigener Erfahrung von vor knapp einem Jahr. — »Unverantwortlich.« — »Doch nicht zu diesem Zeitpunkt…« usw. In der Regel schätze ich, dass einigermaßen aufgeweckte und wenig affektgeleitete Menschen sich gut überlegen, wenn sie etwas verändern, etwa ein Tätigkeitsfeld. Dass das nie ohne »Schäden« geht, gerade für die Kollegen, ist klar. Jedoch ist ja das Wesen solcher Entscheidungen, unerträgliche oder uneffektive Rahmenbedigungen, die man nicht verändern kann, zurückzulassen, um an anderer Stelle die eigenen Gaben und Begabungen besser einbringen zu können.
In dieser Hinsicht wünsche ich Herrn Lindner, dass sich ein entsprechend passender Platz für ihn bald finden möge. — Vielleicht haben ja andere, aufstrebende Parteien Verwendung für einen gewesenen FDP-Generalsekretär?
Aus den Lecker Lyrik Chroniken zu St. Martin-Anderten…
Kollektiv Lindenstraße
zum 8. Oktober 2011
Samstag, 10 Uhr, Gemeindehaus St. Martin: Das Küchenteam — teils noch nicht, teils noch immer wach — tritt an zur Instruktion. Der Diakon verweist auf Sparmaßnahmen: Bitte preiswert einkaufen, die Finanzlage ist angespannt wie nie usw. … — Das Servierteam stoppelt seit acht Uhr früh Kartoffeln auf den abgeernteten Äckern am Kronsberg.
Das Küchenteam beschäftigt sich zuerst unter Andreas Anleitung mit dem Kratzen dreier Säcke Futterrüben — Aufschrift: »für Schweinemast oder Bundeswehr«, da das kulinarische Motto bei dieser Lecker Lyrik »…rund um die Möhre« lautet. Nur böse Zungen behaupten, dass eigentlich die Kleinnager (Meerschweine und Zwerghasen) bei Michael und Katrin gemästet werden sollen. Weiterlesen
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heute fuhr ich in der Mittagspause hinter einigen Fahrschul-PKW, die sämtlich vom Parkplatz des Fahrlehrerverbands Niedersachsen kamen: Der liegt direkt meiner Arbeitsstätte gegenüber. Ich war unterwegs zu einigen Einkäufen auf der Karlsruher Straße und fuhr dann über die Kreuzung Kronsberger Straße in Richtung Hannover. Hinter der früheren »Feuerwache« ist eine Filiale der fast food Kette McDonald’s gelegen. Allein: Man darf nicht auf den McD-Parkplatz abbiegen, denn da ist eine Sperrfläche und etwas später eine durchgezogene Linie. Etwa einhundert Meter weiter darf man, denn dort ist die Linie dann nicht mehr durchgezogen, auf den Parkplatz der Esso-Tankstelle kann man fahren.
 slow food im Kunstmuseum Wolfsburg
Unmittelbar vor mir fuhren jedenfalls vier Fahrschul-PKW über die durchgezogene Linie auf den Mc-D.-Parkplatz. — Ich war verblüfft und fuhr meines Weges. Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher (Farm der Tiere) bzw. »quod licet iovi non licet bovi« (»Was Jupiter darf, das darf der Ochs noch lange nicht…«)
Aber was soll es, wenn man Internet-Verhinderer, die immerhin copy & paste beherrschen, zu EU-Internet-Beratern macht, warum dann nicht Fahrlehrer als »Verkehrssünder« bzw. als abschreckende Beispiele. Fehlt eigentlich bloß noch, dass Robert Mugabe zum UN-Menschenrechtsbeauftragten ernannt wird…
Mehr wäre vielleicht auch zu viel erwartet. Tragisch finde ich, dass vier PKW bestätigen, dass der Geschmack niedersächsischer Fahrlehrender mit dem fast food von Mc.-D. kompatibel sind. Gegenbeispiel gefällig? Am vergangenen Sonntag war ich in Wolfsburg im Kunstmuseum, um die Henri Cartier-Bresson Ausstellung anzusehen. Das Museum öffnete erst um 11 Uhr, so blieb Zeit, vor der Öffnung einen Cappuccino im Museumsrestaurant zu trinken: Und siehe da: Slow Food ist angesagt. Wäre doch etwas für Fahrlehrer?
marzipanisierte Backbirne mit Preiselbeeren und Vanillesauce
- Je Person eine Birne, gerne eher einheimische, harte. Nicht so empfehlenswert sind Abate (aus Italien) oder gar chinesische Birnen! Die Birne wird gewaschen, nicht geschält, halbiert und Blume, Kerngehäuse und Strunk werden entfernt. Die Birnen werden für ca. 20 Minuten bei 120–150° C bei Umluft im Ofen vorgegart. Wer viele hat, kann so zahlreiche Bleche (und entsprechend mehr Birnen) vorbereiten.
Die Füllung wird gefertigt aus
- Preiselbeeren (aus dem Glas)
- Marzipanrohmasse
- Vanille bzw. Vanillin
- Honig
- wenig Zimt
Die Füll-Masse wird anstelle des Kerngehäuses in die Birnen gestrichen und die Oberseite der Birnen mit einer dünnen Schicht der Masse bedeckt.
Vor dem Servieren kommen die Birnenhälften noch einmal bei 150° C für 15 Minuten in den Ofen (Umluft).
Das Rezept für die Vanillesauce ist nichts neues. Die hatten wir schon einmal früher. Wir haben sie aus Bourbonvanille, Milch, Speisestärke und Zucker bereitet. Und warm über die halbierte marzipanisierte Birne geben.
Bratäpfel kennt jeder, Backbirnen jedoch sind wirklich etwas eigenes, sehr zu empfehlen. Allerdings muss man beachten, dass die Birnen roh nicht zu geschmacklos seien sollten. Lieber etwas härter! Guten Appetit.
Pilzrahmragout
- 200 g Pilze (Champignons) putzen
- 1 Zwiebel und
- 1 Knoblauchzehe hacken,
- etwas Petersilie hacken
- 2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen
darin die Pilze für fünf Minuten anbraten. Dann
- 1/2 EL Butter, Zwiebel, Knoblauch dazugeben
- Salzen,
- Pfeffern
- mit 100 ml Weißwein ablöschen/einkochen (bei Lecker Lyrik nahmen wir wegen der Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Alkohol alkoholfreien Sekt)
- 150 ml Brühe zugeben/aufkochen.
- 150 ml geschlagene Sahne unterrühren, Petersilie zugeben, abschmecken.
Petersilienknödel
- 300 g altbackene Brötchen (falls nicht verfügbar, Weißbrot/Toastbrot mit Semmelbröseln mischen) in Scheiben schneiden,
- 1 Zwiebel würfeln
- in Butter andünsten
- ca. 1/2 l Milch zur Zwiebel — erwärmen und dann über die Brötchen gießen. Für zehn Minuten ziehen lassen.
- 1 Bund Petersilie hacken, mit
- 3 Eiern,
- Salz, Pfeffer, Muskat zur Brötchenmasse geben.
Aus der Masse acht Knödel formen und in Salzwasser für 20 Minuten ziehen lassen.
Zwetschenkompott
- 500 g Pflaumen (besser, wenn zu haben: Zwetschen), kleinschneiden
- 150 ml Fruchtsaft (Traube oder Kirsche)
- 1 Messerspitze gemahlene Nelken
- 3 EL Zucker
aufkochen, für fünf Minuten lang köcheln lassen.
- 1 TL Speisestärke mit 1 EL Wasser verrühren, hinzugeben, aufkochen, für 1 Minute köcheln lassen, vom Herd nehmen, auskühlen lassen.
Bei Lecker Lyrik haben wir zwei kleine Knödel je Person mit einer Kelle Pilzrahmragout und einem Esslöffel voller Pflaumenkompotts angerichtet. Die Knödel machen jedoch erstaunlich satt. Wenn dies aber einer von vier Gängen ist, dann sind zwei Knödel zu viel.
Statlers herbstlicher Rotkohlsalat
- 250 g Rotkohl
putzen, Strunk herausschneiden, in 2 mm breite Streifen schneiden, leicht salzen, stampfen (oder mit Küchenmaschine zerkleinern)
- 100 g Knollensellerie
fein raspeln, zum Kohl geben.
- 4 TL Zitronensaft
- 100 g Joghurt
- 1 EL Öl
- Salz, Pfeffer
verrühren und mit den übrigen Zutaten vermischen
- 1 Apfel
in kleine Stückchen schneiden, zugeben
- 10 halbe Walnüsse
dazu geben, vorausgesetzt niemand ist gegen die Nüsse allergisch.
Alles etwa eine halbe Stunde lang durchziehen lassen.
Bei Lecker Lyrik war unser Interesse, die Speisen sehr »klassisch« zu halten. Daher kein Curry, keine exotischen Komponenten, nur Salz, Pfeffer, Joghurt… Aber: Ohne Apfel wäre es zu klassisch, zu wenig peppig. Und bei den Mengen (für ca. 100 Personen) bei Lecker Lyrik war eine Küchenmaschine unersetzlich. War so schon Grenzwertig, 15 kg Rotkohl kleinzumachen…
Rahmige Zucchinisuppe:
- 300 g Kartoffeln
- 300 g Zucchini
- 2 mittelgroße Zwiebeln
- 180 g Schlagsahne
- 1 l Gemüsebrühe
- Salz, Pfeffer, Muskat, Curry
Kartoffeln, Zucchini und Zwiebeln in etwas Olivenöl leicht andünsten, mit Gemüsebrühe aufgießen und ca. 15 Min. lang kochen lassen. Sahne einrühren und alles mit dem Mixstab pürieren, nach Geschmack würzen.
Das Vollkornbrot haben wir aus unterschiedlichen Mehlen (Vollkornmehlen), mit Haferflocken und Sesam mit Hefe, Salz, Wasser, Garam Masala und etwas Olivenöl gebacken. Einfacher Hefeteig. Schwierig ist es, das Brot auf warm zu servieren und dennoch in Scheiben schneiden zu können (warmes Brot reißt und bricht leicht, ist aber nicht einfach zu schneiden).
Kochen ist offenbar so vertraut, dass ähnlich wie Liebe oder Hass, alle gewisse Anknüpfungspunkte im je eigenen Leben finden können. Andererseits: Es muss schon etwas besonderes sein. Niedrigtemperatur-gegart, ungewohnte Kombinationen und wenn das nicht reicht, dann kochen Prominente um die Wette.
Mich verwundert, dass parallel dazu, dass das Zubereiten von Speisen in den Familien immer weniger üblich wird, zumindest, wenn man das Erhitzen einer Fertigpizza nicht mitrechnet oder das »Kochen« von Fertigpüree, die Leute im Fernsehen immer ausgefallener ihre Gerichte aufbrezeln müssen.
Ich brauche eigentlich nur ein paar guter Tomaten oder einen Romanesco, und schon habe ich Spaß an der Zubereitung und auch am Essen anschließend. Ein gutes Brot lässt mich strahlen — und das ist keine billige Anspielung auf Japan… Nach einer Woche außerhalb deutscher Brotkultur merke ich, was vielerorts fehlt. Klar, ich kann auch anders und mit den jeweiligen lokalen Kulturen gut leben. Aber: So wie ich das Licht in Niedersachsen schätze, so mag ich auch ein anständiges Brot!
Mir scheint, dass es für mehr gute Küche weniger überflüssige Kochbücher oder Kochshows braucht als vielmehr mehr gemeinsames Kochen und Essen. Lecker Lyrik ist (auch) aus diesem Ansatz heraus entstanden. Wer mal eine gute Suppe gekocht hat, dem kann Magg* und Co. nicht vorgaukeln, dass es genüge, ein Tütchen Pulvers in warmes Wasser zu rühren. Dass es auch andere Geschmacksträger gibt als Glutamate, Salz, Zucker und scharf, das merkt, wer einen guten Obst– und Gemüsehändler, einen interessierten Biofleischer und eine anständige Bäckerei kennt und die Lieferanten sich zu nutze macht.
In den nächsten Tagen werden die Rezepte der Lecker Lyrik Speisen hier veröffentlicht. — Zum Nachkochen, schließlich steht Weihnachten vor der Tür.
In der Tradition meiner Geburtstags-Essays nutze ich heute einen weiteren Brief, den ich einem Freund zum Geburtstag geschrieben habe als Text im Sudelweb. — Hoch soll er leben, der A., der sich als Geisteswissenschaftler im Berliner Literaturwissenschaftsbetrieb verdingt.
Bester A.,
der Media-Markt wirbt damit, dass Weihnachten unterm Baum entschieden werde. Das ist — wie Du vielleicht auf meinem »Sudelweb« gelesen hast — eine Betrachtungsweise, der ich mich nicht anschließen mag. Überhaupt scheint mir, dass die Betrachtung fast aller Phänomene in unserer Gesellschaft mit ausgesprochen wenigen Pradigmatata gedeutet wird: Eines ist das des Marktes (gerne für alles wirtschaftliche…) ein weiteres ist das des sportlichen Wettkampfes. Weihnachten, wenn es unterm Baum entschieden wird, ist hier einem Fußballspiel gleichgesetzt, das eben in der Nachspielzeit oder beim Elfmeterschießen entschieden wird.
Mir scheint, dass die Engführung auf zwei solche Muster nicht passt, weil dies dazu führt, dass etwa Hochschul»bildung« schnell als »Wirtschaftsfaktor« in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung betrachtet werden kann: Im Vergleich zu welchen OECD-Ländern ist die Bundesrepublik mit ihrem Anteil an Akademikern unter den Spitzenplätzen. — Du hörst es heraus: Auch hier die Sicht eines sportlichen Wettkampfes: In welchen Disziplinen belegt die Bundesrepublik wieder die vorderen Plätze? In den entsprechenden anderen Disziplinen sind es dann leicht die unter »ferner liefen«-Positionen, und die möchte niemand haben! Weiterlesen
 Mausoleum v. Alten — 1 s bei f/11
Mehrfach war ich im Sommer nach der Arbeit noch mit Kamera unterwegs. Besonders habe ich mir die Gegend zwischen Laatzen, Döhren, Wilkenburg angesehen, bin viel an der Leine herumgestromert.
Freunde zogen nach Alt-Laatzen, und vorher schon schätzte ich die Leinelandschaft.
 Mausoleum v. Alten mit dem Handy. 04.08.2011
Am 4. August jedenfalls bin ich im Sundern spazierengegangen. Das gehört zu Hemmingen und es handelt sich um einen früheren Leinearm, der jetzt nicht mehr direkt mit dem Fluss verbunden ist, wohl aber ein Feuchtgebiet bildet mit Auwald und entsprechenden Mücken und — nun die Besonderheit — mit dem Mausoleum der Familie von Alten. In den Napoleonischen Kriegen war Carl August v. Alten aktiv und wer sich ausführlicher für den früheren Staatsmann und Militär interessiert, der möge hier nachlesen.
Das Mausoleum jedenfalls steht zwischen Wilkenburg und Hemmingen und wurde von Laves geplant und von Stadtbaurat Hase vollendet. Nach dem 2. Weltkrieg diente es als Steinbruch und wurde weitgehend zerstört. — Und ist in einem erbarmungswürdigen Zustand für ein Baudenkmal, das einmal so aussah:
Die Familie von Alten war für Hannover und die nähere Umgebung prägend, allein der von Altensche Garten am Rande des Lindener Bergs ist ein herrliches Naherholungsgebiet mitten in der Stadt, in dem gespielt wird und Eltern Kindenwagen auf den Wegen umherschieben. Im Sommer findet Freiluft-Jazz statt und gegrillt wird auch.
 Zweiäugige Rolleiflex mit Handy aufgenommen
 Mausoleum v. Alten »Im Sundern«
Neulich schrieb ich, dass ich eigentlich erst dann hinreichend genau hinschaue, wenn ich auf die zweidimensionale Mattscheibe der Kamera blicke. — In der Tat stelle ich fest, dass ich es genieße, durch die Gegend zu laufen oder auch mit dem Rad zu fahren. Mit einer Sucherkamera photographiere ich etwas. Das geht jeweils in die Richtung der »Abbildung«. Wenn ich aber mit der Mattscheibe arbeite, dann ist es anders: Die Flächen und Kontraste erschließen sich zu bildgebenden Strukturen.
Mir geht es dann nicht mehr darum, etwas abzubilden, sondern ein Bild zu schaffen. Die (mutmaßliche) Wirklichkeit ist dann nur noch Rohstoff, der später mit Hilfe von Objektiv und Verschluss in Silberhäufchen im Film und dann — entweder analog vergrößert oder gescannt — zu einem Bild wird.
In diesem Stadium haben die Hintergrundinformationen zum Motiv, wie ich sie oben gegeben habe, allenfalls unterhaltende Wirkung als »Dreingabe«.
Im Vergleich zu dem ruhenden Fluggast auf dem Brüsseler Flughafen — photographiert mit der Kleinbild-Messsucherkamera (mit Messsucher zum Durchblicken) — fällt mir die bewusstere Gestaltung hier (mit Mattscheibensucher zum Draufblicken) auf. — Geht das eigentlich nur mir so? Oder können andere, die photographieren, meine Beobachtungen bestätigen?
Noch ein Gedanke zum Abschluss: Mir hilft oft ein zeitlicher Abstand zwischen der Aufnahme und der Ausarbeitung, weil ich hierdurch die »Situation« nicht mehr als so prägend empfinde. Ich versuche dann, wenn zwischen Aufnahme und Ausarbeitung z.B. einige Monate liegen, einfach das bestmögliche Resultat aus dem Negativ zu machen. Wenn ich näher dran bin, fehlt mir der Abstand. Die Ausarbeitung wird dann möglicherweise »naturalistischer«, aber nach meiner Einschätzung nicht besser.
- es sei denn, dort steht die Krippe.
Die Werbung, die derzeit der Media Markt macht, geht einfach am Kern des Festes vorbei, denn selbst dann, wenn es aus Sicht des Einzelhandels vor allem um ein Drittel des Jahresumsatzes geht, den man im Weihnachtsgeschäft erhofft, so ist das in mehrfacher Hinsicht irreführend und eine Mittel, das zu Weihnachten ungefähr so viel beiträgt, wie Alkohol als Lösungsmittel von Beziehungsproblemen: Ja, Alkohol ist ein gutes Lösungsmittel: Manche Beziehung hat er gelöst. Manchen Arbeitsvertrag usw. Probleme aber nie. Weiterlesen
Heute kommt der »runde Tisch« zum Thema sexueller Kindesmissbrauch zu seinem Abschluss. Dass Geschlechtlichkeit vielfach mit Scham verbunden ist, mit Privatheit, ist spätestens seit der Schurzproduktion Adams und Evas nichts neues. Dass Selbstbestimmung in diesem Bereich wichtig ist, scheint mittlerweile klar. Dei Kopplung gerade kirchlicher Übergriffigkeit ist ein Elend, das, nachdem es öffentlich ruchbar wurde, zahlreiche Austritte ausgelöst hat. Sicher nicht bei denen, die kein Heil außerhalb der römisch-katholischen Kirche sehen, wohl aber bei solchen, die innerlich längst distanziert waren und einen Tropfen brauchten, der das Fass zum überlaufen brachte.
Eigentlich geht es mir um die Parallele zwischen sexueller Selbstbestimmung und informationeller Selbstbestimmung. Dass Denken und Sprechen eben nicht immer für die Öffentlichkeit bestimmt ist — wie dieser Blogbeitrag — scheint denen, die da Daten-übergriffig sind, kein Frage zu sein. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat den »Leitfaden zum Datenzugriff« der Generalstaatsanwaltschaft München veröffentlicht. Hinsichtlich der staatlichen Übergriffigkeit ist von Vertraulichkeit und Intimität nicht mehr auszugehen. Hier ist das pdf-Dokument. Dass auch rechtlich das Eis sehr dünn (bis nicht vorhanden) ist, auf dem einige der Maßnahmen fußen, lässt sich im Kommentar in Rechtsanwalt Vetters Lawblog nachlesen. Entrüstet ist der AK Vorratsdatenspeicherung. Weiterlesen
 Nickerchen auf dem Flughafen Brüssel
Wer fliegt, muss oft auf Anschluss warten. Manchmal sind es viele Stunden. Ich saß neulich neben einem Herrn, der über 30 Stunden in Flugzeugen und auf Flughäfen zu verbringen hatte.
Was soll man auf Flughäfen tun? Einen Kaffee trinken? Ja, vielleicht, wenn der Cappucchino lächerliche 3,90 € kostet… In Brüssel kann man Schokolade oder Pralinen kaufen, aber selbst mit den zollfrei-Bedingungen ist das teuer. Man kann internationale Zeitungen einkaufen und studieren. Ein Roman eignet sich gut. Bloß stellte ich fest, dass Eco manchmal mehr Aufmerksamkeit und Wachheit erfordert, als ich nach kurzer Nacht und Sitzen in engen Flugzeugen aufzubieten in der Lage bin.
Der Herr hier macht sicher keinen Fehler, wenn er die Pause zum Schlafen nutzt. Ob freilich seine Haltung als »orthopädisch empfehlenswert« anzusehen ist, das mögen führende Chiropraktoren beurteilen. Ich saß in der Nähe und als ich sah, wie sich der Flugkollege einrichtete, griff ich nach einiger Zeit zur Kamera. — Ich hatte einen niedrig-empfindlichen Film eingelegt, so kam ich mit dem gedämpften Licht gerade so zurecht. Zu den technischen Details habe ich bei flickr etwas geschrieben, einfach das Photo anklicken, wenn es interessiert.
Nachdem ich bereits länger kein Konzert von Selmore Driveby gehört hatte, fand ich, es sei mal wieder an der Zeit. Der Video bei Youtube spricht mich an, und auch, wenn »Post Hardcore« nicht so ganz meine Musik ist — die würde ich eher im akustischen Jazz verorten -, so ist es wunderbar, Überzeugungstäter live zu hören, die offenbar auch Spaß an dem haben, was sie machen.
Jedenfalls gab es überraschend zwei Konzerte dieser Band in der letzten Woche. Am Donnerstag konnte ich nicht, also beschloss ich, am Samstag nach Barsinghausen in das Konzert zu fahren. Hierfür nahm ich gerne den Weg in Kauf und »Falkenkeller« — naja, nicht unbedingt mein bevorzugter Konzertort… Oft sind politisch gut gemeinte Veranstalter nicht unbedingt diejenigen, die die beste Akustik bieten.
Jedenfalls las ich von den günstigen Getränkepreisen und der Veranstaltung hier. Was ich nicht las, war, dass das Konzert wegen baupolizeilicher Auflagen nicht im Falkenkeller stattfinden konnte, weil dort nur maximal 15 Personen zugleich zugelassen seien. — Also beantragte man eine Kundgebung und nach Sprachbeiträgen, die insbesondere auch die Anschläge von politisch rechter Seite auf den Falkenkeller erwähnten. Die Sprecher empfanden auch die baupolizeilichen Auflagen bzw. Anordnungen als Schikane und baten um Solidarität. Nachdem es zu Auseinandersetzungen mit politisch Rechtsgesinnten gekommen war, wohl mit Verletzten, fand die Kundgebung mit Polizeischutz statt. Weiterlesen
Die Ansage im letzten Gottesdienst war bemerkenswert: Heute, Samstag vor dem 1. Advent, um 15 Uhr: Kaffeetrinken und »heiliges Adventsschmücken«. Allein der Ausdruck war so abgefahren und zugleich elegant, dass ich sofort gekommen wäre. Ich hatte aber vorher schon zugesagt. Sieben oder acht Leute kamen zusammen, und schmückten unter fachkundiger Anleitung einer Schmückerfahrenen. Allein drei Männer, die sich mit dem Zusammenbau eines Herrenhuter-Sterns befassten. In der größten Ausgabe ist dieser Stern an Komplexität mit einem Ikea-Kleiderschrank der Pax-Reihe vergleichbar. Sie schafften es, und mussten erstmal Wagenrad-große Kränze aufzuhängen. Auf Leitern bis unter die Kirchendecke.
Fühlte mich an den Hausputz beim Maulwurf im »Wind in den Weiden« erinnert:
»The Mole had been working very hard all the morning, […] First with brooms, then with dusters; then on ladders and steps and chairs, with a brush a pail of whitewash; till he had dust in his throat and eyes, and splashes of whitewash all over his black fur, and an aching back and weary arms.« (Kenneth Grahame, The Wind in the Willows, muss leider die englische Ausgabe zitieren, da die Übersetzer urheberrechtlich nicht hinreichend lange verstorben sind…)
Kurz: Es war ein feines Miteinander und ein voradventliches Ereignis. Danke, Kollegen, es war mir ein Vergnügen. — Einschließlich Kaffee und Apfelstrudel in der Pause. Am Ende war es überaus adventlich.
Gute Gottesdienste sind meiner Meinung solche, in denen Gott und Mensch in Kontakt geraten. Solche Gottesdienste weiß ich sehr zu schätzen. Ja, ich bin ein Kirchgänger, und zwar aus dem Grund, dass ich in Gottesdiensten immer wieder Gott auf die Spur zu kommen meine.
Musik, feststehende Stücke wie das Vaterunser oder der Segen und auch das jeweilig Spezielle der einzelnen Gottesdienste bzw. der einzelnen Sonntage, etwa der Wochenspruch, liegen mir am Herzen. Ich halte die Gottesdienste wider alle anderen Auffassungen für eine zentrale Veranstaltung von Gemeinde. Sicher nicht die einzig wichtige Veranstaltung, auch Hauskreise und Kleine Gruppen sind da außerordentlich wichtig. Auch einzelne Dienstgruppen, etwa der Chor usw. sind für einzelne prägend und unverzichtbar.
Gestern war wieder einmal die Gottesdienstwerkstatt. Wir haben uns mit den Übergängen befasst, insbesondere also mit den Punkten, an denen moderiert werden muss. Wie kommt man z.B. vom Kinderlied (nach dem die Kinder in ihre Kinderkirche gehen) zur Lesung? Was sagt der Lektor oder die Lektorin? Was überhaupt soll gesagt werden? Wieviel »Persönliches« ist gut und erwünscht, was stört eher…
Das Nachdenken drüber ist kostbar, denn es soll ja helfen, dass die Gottesdienste besser darin werden, die Menschen anzusprechen, die kommen. Und evtl. auch Gäste, neue Leute, nicht im Regen stehen zu lassen, sondern, bildlich gesprochen, an die Hand zu nehmen.
Wenn sich Gemeinden um ihre Gottesdienste kümmern, ist das ein gutes Zeichen, eines der Wertschätzung für Gottesdienste und Besuchende. Viel zu viele Gottesdienste sind lieblos gemacht, und — wen wundert’s — das merken die Menschen: Und bleiben weg. Wenn die Form und der Inhalt nicht relevant sind für die Menschen, dann haben heute alle gute Gründe, etwas anderes mit ihrer Zeit zu tun. Lebenszeit ist ein knappes Gut.
Immer wieder merken wir, wo wir an Grenzen stoßen: Anspiele… wären schön, aber wer soll sie machen? Lobpreis-Teil (mit vier neueren geistlichen Liedern) ist losgelöst vom Thema und kann und muss es auch sein: Wer sollte es anders machen? Wir haben ja ohnehin nicht so viele, die musikalisch leitend mitzumachen bereit und in der Lage sind… Technik: Ja, wenn wir mehr Techniker hätten, die mit den Dingen vertraut wären…
Aber: Wenn wir so viele in der Gemeinde sind, wie wir sind: Da scheinen mir überaus zahlreiche Gaben brach zu liegen. Sehr wünschte ich mir, dass sich Formen fänden, diese Charismen, diese Geschenk-Begabungen, geistlich zu heben. Ich meine, dass wir gut ausgestattet sind. Es ist genug für alle da.
Es scheint mir, dass wir als gesamte Gemeinde (immerhin sind wir ja als ev.-meth. Gemeinde nicht so groß) unsere Gottesdienste wieder neu als unsere Aufgabe ansehen sollten. Es geht nicht um ein Wellness-Paket mit wöchentlicher Zurüstung. Sicher kommt auch das vor. Aber in erster Linie geht es darum, dass Gott einlädt, zu seinem Wort und Sakrament. Er lädt aber eben nicht bloß uns ein, sondern auch durch uns. — Wenn wir das leben, einladende Gemeinschaft, dann wird es mehr zu einer Lebens– und Dienstgemeinschaft: Dazu sind Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi da, nicht bloß Hauptamtliche.
Mir scheint, dass es so, wie es eine Taufe gibt, auch nur eine Berufung gibt: Da sind nicht unterschiedliche Level, Christ, Mitarbeiter, Hauptamtlicher… Und man braucht kein »high-scoring for heaven«, sondern wir alle sind — so wie wir sind — Gott wichtig und für ihn brauchbar. Dass er uns auf dem Weg verändert, fromm gesagt, »uns heiligt«, ist eine Nebenwirkung der Nachfolge. Die Jünger liefen ja auch erstmal so mit Jesus mit, wie sie waren. Als Menschen mit ihren jeweiligen beruflichen Hintergründen. Dass sie dann mehr und anderes wurden, war quasi eine »Nebenwirkung«.
Ganz praktisch: Ich kann mir gut vorstellen, statt Musik zu machen oder zu predigen, mich ans Mischpult zu setzen: Es gibt viele, die da noch Gaben zu heben haben, die dringend gebraucht werden. Ich wünsche mir sehr, dass Gott in dieser Richtung wirken möge.
Ich bin über die Antwort zur Kleinen Anfrage den Staatstrojaner betreffend, entsetzt. So viel technische Ignoranz und derartige politische Nebelkerzen finde ich demokratisch unangebracht und ich fühle mich auf den Arm genommen. Das kann doch nicht alles sein, dass man in der Regierung aus der Presse informiert wird. Und dass man nicht einmal die z.B. Veröffentlichungen des Chaos Computer Clubs hinreichend gründlich gelesen hat.
Ich sehe ja ein, dass es gewisse Sicherheitsinteressen gibt und dass auch z.B. technische Details vielleicht einfach nicht kompetent geprüft wurden. Wenn das aber so ist, dann wäre es um so wichtiger, dass man das zugibt, wo es vorkam, und schleunigst nachholt.
Die Kleine Anfrage mit den Antworten im Original gibt es hier. Dies Dokument muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehrzahl der Abgeordneten mit so etwas zufrieden gibt!? Auch wenn man in Betracht zieht, dass Kleine Anfragen und andere parlamentarische Bräuche natürlich auch stets ein Mittel der Meinungsmache sind, so darf man sich als Regierung doch nicht dermaßen vorführen lassen, indem man Ignoranten an die Abfassung entsprechender Antworten setzt.
Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den Kommentar Felix von Leitners (»Fefe«), der schreibt:
»Oh und die CCC-Demonstration, als wir den Trojaner mit unserem GUI-Tool fernsteuerten, und sogar einen Fake-Trojaner bauten, der dem BKA-GUI-Tool falsche Daten unterschieben kann, die … leugnen sie einfach!
Die Bundesregierung bezeichnete die Möglichkeit, dass der Datenstrom abgehört werden könne, nun als »rein theoretische« Möglichkeit, für die Fachwissen und Zeit nötig seien, die eine überwachte Person wohl eher nicht habe.
Ich habe das zufällig aus der Nähe gesehen. Der Code, um einen vorbeirauschenden Kontrollkanal zu entschlüsseln, passt in eine traditionelle Email-Signature:
my $key = »\x49\x03\x93\x08\x19\x94\x96\x94\x28\x93\x83\x04\x68\x28\xa8\xf5«.
«\x0a\xb9\x94\x02\x45\x81\x93\x1f\xbc\xd7\xf3\xad\x93\xf5\x32\x93«;
my $cipher = Crypt::Rijndael->new( $key, Crypt::Rijndael::MODE_ECB() );
my $plain = $ciper->decrypt($daten);
Der Code für den kompletten Fake-Trojaner, der falsche Screenshots zurückliefert, waren unter 100 Zeilen Perl.«
Das ist in der Tat bloß die Spitze des Eisbergs. Es fördert meinen Verdruss nicht an der Politik als dem, was alle oder eine große Anzahl betrifft, wohl aber an denen, die derzeit Politik machen. So viel Ahnungslosigkeit finde ich unverantwortlich.
Dass ich »Das Andere Kino« in Lehrte schätze, ist keine Neuigkeit. Seit vielen Jahren bin ich von Zeit zu Zeit mal dort — so dreimal im Jahr durchschnittlich. Jetzt war ich schon wieder da, nach gut einer Woche, und der Grund ist, dass ich Kaurismäkis Filme schätze. Eigentlich geht es mir weniger um die Stoffe, die er erzählt: Auch die sind anregend. Freunde schenkten mir vor Jahren einen Bildband »Schatten im Paradies«, in dem Standbilder aus den Filmen des finnischen Regisseurs zu sehen sind. Etwas Text ist dabei. — Kaurismäki schafft immer wieder Einstellungen von stiller Eleganz. Weiterlesen
 Leinemasch-Wülfel — im September.
Im Spätsommer habe ich ausgedehnte Spaziergänge unternommen. Das hat mehrere Vorzüge: Einmal finden sich so Motive, ich bin weiterhin mehr ein »Bild-Sucher« als ein »Bild-Bauer«.
Zum anderen hilf es mir sehr, spazieren zu gehen, um die Gedanken zu ordnen und einfach nachzudenken. Wenn ich photographiere, dann gucke ich genau hin. Und stelle oft erst dann, auf der Mattscheibe, fest, wie herrlich die Umgebung ist. Merkwürdigerweise ist es so, dass so lange die Dinge 3-dimensional sind, sie mich nicht in gleichem Maße begeistern, wie sie das in 2-D, also als flaches Bild, tun. Wenn ich durch einen Sucher blicke, einfach so, quasi »geradeaus«, dann bleibt die Umwelt allenfalls Motiv, aber erst, wenn das Bild auf der Mattscheibe zweidimensional erscheint, am liebsten auf dem Kopf stehend unter von einem schwarzen Tuch beschattet, aber auch ein Schachtsucher mit Mattscheibe hilft mir zum Bild.
 Willow Creek und Kinokarte vom »anderen Kino« Lehrte
Eigentlich war heute ein Treffen mit einem Schulfreund geplant. Leider musste der wider Erwarten länger arbeiten und sagte ab. So hatte ich die Gelegenheit, mal wieder spontan ins Andere Kino nach Lehrte zu gehen. Dort sah ich »Sommer in Orange«, einen Film, der Anfang der 1980er Jahre spielt, der zeigt, wie eine Gruppe Bhagwanis aus Berlin nach Bayern kommt, um dort auf einem Hof, alternativ zu leben und ein eigenes »Therapiezentrum« aufzubauen.
Dabei sind auch Kinder, die vor lauter mütterlicher Selbstfindung mehr als einmal ohne Frühstück in die Schule müssen und vor lauter kindischen Erwachsenen nicht zu Wort und nicht zum Zuge kommen, und sich zwischen konservativen Dörflern und der Kommune ihren Weg suchen müssen.
Die Geschichte ist anregend und lehrreich, dabei aber auch immer wieder komisch. Das Andere Kino schätze ich für die bequemen Kinosessel, die große Leinwand, die nur 4,00 € Eintritt und vor allem für die Auswahl der Filme.
Neben Ecos »Friedhof in Prag« lese ich gerade die Geschichte von Willow Creek, dieser Gemeinde, die sich vor den Toren Chicagos um gelebte Relevanz für Zeitgenossen ohne frommen Hintergrund bemüht. Es handelt sich bei dem Buch um eine sehr erhellende Skizze zahlreicher Schiffbrüche und doch heißen Bemühens, teils weit über eigene Kräfte.
Was mich beide zusammen denken lässt, das ist folgendes: Manche betreiben Glauben oder religiöse Praxis als eine Art von Flucht vor Pflichten oder gar vor der Welt. So wie die Sanyassins im oben genannten Film. Diese Art von »Religiosität« ist es stets gewesen, die ich abschreckend und geradezu furchtbar fand. — Attraktiv hingegen finde ich es, wenn Menschen, weil sie glauben, anderen anders, liebevoller zu begegnen wissen: Das mindeste ist Mitleid, Sympathie im Eigensinn des Wortes. Dann fangen einige Urwaldkliniken an und andere setzen sich für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen. Andere schaffen es vielleicht, einfach etwas mehr Mitmenschlichkeit zu leben. Das wäre sehr wünschenswert und erforderlich.
Im oben gezeigten Buch über die Geschichte Willow Creeks hängen sich einige sehr in das Projekt einer Gemeinde hinein, die Kirchenferne erreichen möchte. Dafür bringen sie ihre Zeit, Kraft, ihr Geld ein. Es ist ihnen ein echtes Anliegen, weil die Vorstellung ihnen unerträglich ist, dass die Kirchenfernen von etablierten Gemeinden ignoriert werden. Wenn nicht explizit, so doch wenigstens immanent: Die Formen vieler Kirchen und Gemeinden sind einfach ohne »liturgische Klimmzüge« nicht geeignet für viele »normale Leute«. Das merken die, und bleiben weg. — In vielen Gemeinden geht es ums Wohlfühlen derjenigen, die da sind. Hütten bauen: Vielleicht wird’s nie wieder so schön.
Allein: Gemeinden sind dazu da, Gottes Fußvolk, Boten seiner frohen Botschaft in die Welt hinein, zu sein. Ob das gelingt, das liegt bei Gott. Es aber zu wollen und sich entsprechend zu bemühen, das halte ich für dringend geboten. Wenn aber aus »Jüngern« dann eines Tages »Mitarbeitende« und schließlich gar »Älteste« werden, dann droht stets der Geist Gottes auf der Strecke zu bleiben. So »funktionieren« Christenmenschen noch eine Zeit lang, ähnlich wie Hühner ohne Kopf, die auch noch laufen können. Von Nachfolge sind sie aber lange entfernt: »Höre, Herr, dein Knecht redet!« — Ganz anders als bei Samuels Berufung (1. Sam.3,10).
Es kann doch nicht angehen, dass sich die Mehrzahl hiesiger Gemeinden damit genügen lässt, ihre Gottesdienstzeiten irgendwo auszuhängen und zu sagen: »Wer kommen mag, kann ja kommen…« — Das ist nicht »gehet hin in alle Welt…« (Mt.28,18–20). Und wenn Liebe nicht einmal innerhalb einer Familie oder Kommune (siehe im Film) funktioniert, dann sollte man erstmal üben, mit anderen entsprechend umzugehen, bevor man ans Predigen geht.
 Frösche und Kröten — interessante Farben…
 Leben unter Wasser.
Meine Schwester hat mir eine Einladung ins »Sealife« nach Herrenhausen geschenkt. Am vergangenen Samstag waren wir da, meine Schwester, mein Neffe und ich. — Die beiden waren wohl schon früher da, ich aber nicht. Hatte daher auch keine Vorstellung, wie dunkel es da werden könne.
Jedenfalls habe ich es genossen, den Fischen, Reptilien usw. zuzusehen. Rochen von unten, Seepferdchen sind graziös, wenn sie so durchs Wasser gleiten. Schildkröten können erstaunlich tauchen. Sebastians Unterwasser-Vorliebe kann ich um so mehr nachvollziehen, als ich diese Formen und Farben faszinierend finde. — Bloß: Farbe ist irgendwie nicht so mein photographisches Metier.
Wäre sehr interessiert an Hinweisen auf richtig gute, gerne mittelformatige oder großbildliche (auch historische) Unterwasserbilder in schwarz-weiß. Vielleicht gibt es ja etwas wie Blossfeldts »Urformen der Kunst« oder Renger-Patzschs frühe botanische Aufnahmen?
Wer kennt sich entsprechend in der Photographie-Geschichte aus? Jedenfalls habe ich mich bemüht, mal in Farbe zu denken, was mir nicht leicht fällt. Und die Bilder sind grenzwertig, weil die Empfindlichkeit weit hochgeregelt werden musste, damit ich überhaupt noch akzeptable Belichtungszeiten erhielt.
 Fisch gibts!
Die Farben sprengen leicht den Bereich der von der eingesetzten Kamera abbildbaren Farben. Insbesondere bei den Neonfarben droht das Rot zu clippen (also an den Anschlag zu kommen). Man muss schon aufpassen. RGB-Tonwertdiagramme helfen.
Jedenfalls hatten mein Neffe Martin und ich eine Menge Spaß da — und ich danke meiner Schwester auf diesem Weg. Martin sieht hier nicht 100 % glücklich aus, aber das änderte sich, als er ein paar Kekse zu knabbern bekam. — Beim Frühstück hatte er irgendwie noch keine Appetit.
 Mein Neffe Martin und ich im Sealife — Aufnahme von meiner Schwester
Man muss keine Jahreskarte fürs »Sealife« bevorraten (eine solche habe ich für Herrenhausen, und schätze besonders den Berggarten und die Gewächshäuser, gerade im Winter). Aber: Wenigstens einmal hinzugehen, das kann ich nur sehr empfehlen. Eindrucksvoller aber fand ich die — deutlich größeren — Rochen und Fische im Aquarium auf Helgoland. Das ist insgesamt übersichtlicher, aber es ist faszinierend, den Fischen zuzusehen.
 renovierter Jugendraum Johanneskirche
Am vergangenen Freitag wurde der renovierte Jugendraum in meiner Gemeinde eingeweiht. Pastor Rainer Huhn machte das gut und auch sonst waren mehr interessierte Gemeindeglieder älteren Jahrgangs anwesend als Jugendliche und Jugendmitarbeitende.
Jugendarbeit braucht Raum, das ist ein Faktum. Einen Ort, an dem man sich treffen kann, an dem verlässlich jemand ansprechbar ist. Das gilt für alle Gemeinden.
Lange gab es in der Johanneskirche eine richtig gute Jugendarbeit. Damals war ich (so 1985ff) auch öfters da. Jetzt geht es wieder neu los und ich freue mich sehr drüber.
Liebe Jugendliche, herzlich wünsche ich Euch alles gute, also Gottes Segen für die neue Arbeit.
 Jakobi Musikantenstadl — 11.11.11 um 19.11 Uhr
Eben war ich im Jazz-Gottesdienst in der Jakobikirche in Kirchrode. Dort wuchs ich auf und war lange in Jakobi aktiv. Insofern freue ich mich, wenn das Gemeindeleben wächst und gedeiht. Wirklich überrascht war ich, als ich heute um »19.11 Uhr« zum Jazzgottesdienst unter dem Motto »Musikantenstadl« kam. Die Kirche war ordentlich besucht, ja bunt gefüllt. Vorschulkinder waren da, die meisten Besuchenden waren zwischen 30 und rund 50 Jahren alt (eine kirchlich rare Gruppe), aber auch Seniorinnen und Senioren waren da. So weit, so gut.
Für gute Musik habe ich ja auch etwas übrig, und schätze sehr, was Uwe Rehling (keyb.), Thomas Richter (dr.), Reiner Grams (tp.) da spielten. Gut, der GEMA wegen muss man sich Sorgen machen, denn der landeskirchliche Pauschalvertrag mit der Verwertungsgesellschaft deckt ja nur neues geistliches Lied ab. Für Jazz wäre jeweils eine gesonderte Anmeldung (und Abgeltung) von Nöten. Die drei jedenfalls sind ja als Musiker je für sich und auch miteinander kein Grund, das Weite zu suchen.
Andererseits: Wenn die wirklich an der Musik arbeiteten, dann wäre viel mehr drin. Es waren Standards, die sie spielten. Und es klang, wie früher, wenn ich bei Telefonkapellen einstieg: Eine Stunde proben, spielen, Gage, gut. Wer musikalisch fit ist und sein Instrument beherrscht, kann aber weit mehr aus den Stücken holen. Die drei könnten es! Es war »Elevator plus« Musik, das, was man zum Buffet im Hotel gebrauchen kann. Gut, anständig, aber eben auch nichts außergewöhnliches.
 Thomas Richter (dr.), Reiner Grams (tp./flh.), Uwe Rehling (keyb.)
Was aber für mich gar nicht passen wollte, das war der gottesdienstliche Rahmen zur Musik. Man stelle sich eine Abfolge von »Szenen« oder »Nummern« vor, dazwischen ein Psalm (mit gesungenem Kehrvers), einige neue geistliche Lieder, eine Predigt über soziales Engagement von Shakira (»Waka, waka«) und die geistlichen Grundlagen. Der Einstieg war eine Comedy-Persiflage (selbst-ironisierende Lederhosen-Musikantenstadl-Version).
Dazwischen ein Dialog mit »Luther« über Musik und über die heilsame Funktion, die Musik (beim König David, Sauls »Musiktherapeuten«, heute…) habe. Eigentlich müsste man also eine Art »Praxisgebühr« statt einer Kollekte sammeln, denn hier werde quasi »medizinisch« und »therapeutisch« an der Gemeinde gehandelt.
Für mich passte das alles nicht recht zueinander. Nicht, dass ich etwas gegen Amateur-Comedy hätte: Bloß macht das noch keinen Gottesdienst. Und die Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen erschienen mir eher »gewollt« als »naheliegend«.
Mich verwunderte schon der stete Beifall. Wenn die Musik »ad maiorem dei gloriam« gemacht wird, dann wären »Halleluja!«-Rufe angemessener. Oder waren gab es in der Predigt von Rolf Wohlfahrt nach einer passenden Metapher eigentlich keinen Beifall?
 eine »Nummer« der Nummernrevue aka »Gottesdienst«
Meine Folge: Werde zukünftig diese »Gottesdienste« meiden und hoffe, dass die, die kommen, trotz dessen, was mich abschreckt, von Gott in diesen Gottesdiensten angesprochen werden mögen.
 »Tragwerk« Ateliers in Wülfel
Tragwerk ist der Name einer Atelieranlage und eines »Musikclubs«, in dem meines Wissens seit Jahren leider keine Konzerte mehr stattfanden.
Meines Wissens handelt es sich um eine frühere Ausbildungswerkstatt von Siemens. Im Sommer war ich in der Leinemasch unterwegs, mit der Hasselblad und einem Weitwinkelobjektiv, einem Magazin und einem Handbelichtungsmesser. Im Bogensport-Gelände hoffte ich auf Bilder, fand ein brütendes Storchenpaar. Und schließlich, auf dem Rückweg zum Auto, kam ich wieder an diesem Gebäude vorbei. Inzwischen hatte das Licht die Richtung gewechselt.
Es passte mit der Helligkeit für ein Bild aus freier Hand. Besonders gefiel mir die Vilsa-Mineralwasserwerbung, die wie poliert aussieht, und die Mauer des Gebäudes. Binnen kurzer Zeit war alles auf der Mattscheibe angeordnet und wenig später — binnen 1/125 s — war der Film belichtet.
Ich liebe Gebäude, Anlagen und Gesichter, denen man den nagenden Zahn der Zeit ansieht… So auch hier. Dass aber aus dem Motiv ein Bild wird, das setzt voraus, dass das Licht stimmt, so dass meine »Visualisierung« sich auf den Film bannen lässt. Mir geht es nicht um möglichst realistische Reproduktion, sondern darum, dass das Bild als Bild funktioniert.
Das Sprengelmuseum in Hannover ist eine gute Adresse für Gegenwartskunst und klassische Moderne. Mit der Sammlung Ann und Jürgen Wilde gibt es bedeutende Leihgaben und bereits öfters gab es eindrucksvolle Photoausstellungen, etwa zu 150 Jahren Photographie und zu Renger-Patzsch.
Die Ausstellung »Photography calling« habe ich am vergangenen Donnerstag besucht, lange schon stand sie auf meinem Plan. Und ich bin — angesichts der Größe der Ausstellung und der positiven Berichterstattungen in der Presse — enttäuscht. Ja, sie ist groß und umfangreich, aber auch konzeptuell etwas beliebig… Vor allem aber fehlt mir etwas entscheidendes, das mich zu »vintage prints« ins Museum treibt: Technische Hinweise. Wenn ich »bloß Bilder« ansehen möchte, dann kann ich die entsprechenden Arte-Dokumentationen ansehen oder einen Bildband respektive entsprechende Internetseiten, sofern die Photokünstler solche unterhalten. Aber gerade bei den »fine art« Ausarbeitern, denen mein besonderes Interesse gilt, ist eben kein Scan oder Druck in der Lage, mir zu zeigen, welches Photopapier, welche Entwickler, welche Art von Retuschefarben usw. die Ersteller einsetzten. Hierzu muss ich das Original/einen Handabzug bzw. eine Autorenvergrößerung sehen.
Wenn der Audio Guide bloß basale Fakten vermittelt, die vielleicht jemandem weiterhelfen, der nichts von den Bechers gehört hat, okay. Aber: Mich interessieren deren Stippchen im Hochglanz Baryt-Bild und wie sie damit umgehen (durch dezent spiegelndes Glas und entsprechende Beleuchtungswinkel kaum zu sehen — aber doch vorhanden).
Bei anderen wundert man sich über die Farben (der Dye-Transfer-Bilder), der Audio-Guide erzählt von einem »Druckverfahren, das in der Werbebranche üblich war«, so weit war mir das klar. Aber wer sich schon einmal mit diesem Verfahren befasst hat, der möchte gerne Details wissen, denn ich habe — z.B. von Ctein — schon ganz andere Dye-Transfer Farbanmutungen gesehen. Manche übertriebene Farbe liegt einfach an mangelnder handwerklicher Fertigkeit.
Die Leihgaben der Wilde-Sammlung waren für mich in dieser Hinsicht erholsam, denn die Mehrzahl der »Photography calling«-Bilder waren technisch-handwerklich mäßig (z.B. fand ich die Diane Airbus-Bilder zwar ansprechend gedacht, aber in der handwerklichen Umsetzung ein gutes Stück vom fine art print entfernt). Und das waren eindeutig eher stärkere der Bilder in der Ausstellung.
Insofern blieb die Ausstellung für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche, am »Gezeigten«, am Motiv, statt an der Frage nach der Darstellungsweise, ausgerichtet. Wer etwas anderes sehen möchte, möge einfach mal die bei mir verlinkten »flickraten« anklicken. Gleich rechts in der Spalte…
Kurz: Für mich war es leider des handwerklich-Technischen viel zu wenig. Ein Gutteil der gezeigten Bilder holte mich nicht ab, weil einfach auch in technischer Hinsicht offensichtlich Potenzial verschenkt wurde. Nichts gegen Riebesehls Agrarlandschaften in Niedersachsen. Bloß: Wenn er da schon mit Großbildkamera unterwegs ist, warum liefert er dann so »bewusst langweilige« (bzw. »dokumentarisch unablenkende«) Bilder mit weißem Himmel und bewusst frei von einem interessantem Sonnenlicht. Wie ein Katalogbild — im Lichtzelt. Ähnlich geht es mir mit den Industriehallen der Bechers… Klar, das kann man machen. Nichts lenkt ab. Aber: Als Bild sind diese Bilder recht langweilig. Und die Gebäude sind allenfalls für Architekturgeschichtler so von Interesse, stets frontal, bei diffusem Licht, ohne emotionale Beziehung.
Kurz: Nicht meine photographische Welt. Bei meinem Ilseder Wasserturm schrieb immerhin ein Kollege:
»Just joking, Frank — yours is a fine image (and a good deal more interesting than those catalogues of stuff the Bechers were in to).«
 Andy McKee »The Art of Motion«
Diese CD empfahl mir ein »früherer Gitarrenschüler«, der eigentlich musikalisch ganz andere Sachen macht. Ich weiß nicht, wie weit er mit seinem Plan gekommen ist, sich ein oder zwei Stücke von Andy McKee und weiteren Leuten aus der CandyRat-Records-Ecke rauszuhören.
Er hat mich nicht ganz falsch eingeschätzt. Wer wie ich sehr die Musik von Michael Hedges und Mike Manring schätzt, der könnte ja in der Tat auch Pierre Bensusan im Schrank haben (habe ich vollständig) und eben auch mit den CandyRat-Records Leuten etwas anzufangen wissen. Letzteres aber ist bei mir weit weniger der Fall.
Nicht dass ich hier falsch verstanden werde: Das ist überaus fein gemachte akustische Gitarrenmusik auf einem technisch außerordentlich hohen Niveau. Und gerade die teils rhythmisch vertrackten Strukturen machten es mir nicht leicht, derartiges zu spielen — ich käme aber auch nicht so auf die Idee.
Ich habe vielmehr weniger durcharrangierte Musik lieb: Mir sind Tuck Andress oder Joe Pass mit Ella Fitzgerald deutlich lieber (bei Joe Pass mag ich den mittigen Ton nicht).
Beim Nachdenken, woran das liegen mag, scheint es mir wie folgt: Auf einem dermaßen technisch hohen Niveau Musik zu machen, das geht entweder arrangiert und erarbeitet. Das ist etwa das, was ein Musiker, der von der Klassik kommt, macht, wenn er ein Stück einstudiert. Man trifft Entscheidungen, legt fest, wie dies oder jenes denn aufgefasst werden möge.
Und dann versucht man, die bestmögliche Interpretation abzuliefern. Im Extrem wird diese aus unterschiedlichen Anläufen (Takes) zusammengeschnitten, und fertig ist die CD. — Klar, so kann man das machen. Das hat nicht nur eine lange Tradition, es hat eine Menge Vorzüge, so vorzugehen.
Das andere Vorgehen besteht darin, sich eine große Anzahl von Möglichkeiten zu erhalten, also weder Lagen noch Voicings für ein Stück wirklich festgelegt zu haben, sondern so sich einzuarbeiten, dass alles möglich bleibt. Dass im Augenblick des Spielens erst entschieden wird, welche von vielen Möglichkeiten jetzt passt. Das ist es, was Joe Pass und Ella Fitzgerald machten (Anspieltipp: CDs »Speak Love« und »Take Love Easy«). Und das ist es, was Tuck & Patti betreiben. Zugegeben, wenn man als Ehepaar seit dreißig Jahren miteinander spielt und lebt, dann kann man sich auf diese Art musikalischer Vertrautheit einlassen, nehme ich an. — Es ist deutlich unsicherer, denn es erfordert nicht nur ein gerütteltes Maß an Spielfertigkeit, sondern darüber hinaus ein außerordentlich waches Gehör und ebensolchen Geist, denn wenn man sich anschließend etwa die Stimmführungen anhört/ansieht, dann zeigt sich, wie viel an Kontrapunktik und gelebter Harmonielehre dort »just in time« zum Anschlag gebracht wird. Beispiel? Tuck Andress’ Version von Stevie Wonders »I wish«.
Auf einem deutlich niedrigeren Niveau bemühe ich mich auch drum. Und mir fiel neulich, als ich den Hannoveraner Gitarristen Ulli Kiehm sah, auf, wie gut der dies beherrscht. Er macht Musik. Nie klingt es »fertig«, sondern stets im Fluss.
Zurück zu Andy McKee: Wer wohlklingende CDs liebt und etwa mit Bensusans »Altiplanos« etwas anzufangen weiß, der wird hier mehr als begeistert sein. Insofern finde ich, dass diese CD in meinem Regal nicht fehlen sollte, auch wenn sie nicht zu meiner Leib– und Magenmusik werden wird. — Eben fand ich einen passenden Kommentar, bei folgendem Tuck Andress Video (»Up and At It«), da schreibt jemand:
»Andy McKee couldn’t carry this guys amp in the studio.« (was stimmt, denn Tuck Andress spielt direkt in die Anlage, kein Amp…)
Gerade ist der Reformationstag vorbeigegangen und kaum einer hat es bemerkt, weil es eben kein Feiertag mehr ist — außer in einigen »mitteldeutschen« Ländern. Da forderte bekanntlich Luther eine Reform an Haupt und Gliedern der Kirche. Er wollte die bestehende reformieren, was entstand, das ist eine Konfessions– und Denominationsfamilie, eben die der protestantischen Kirchen.
Mir scheint überall dass da, wo es falsch läuft in Kirchen, einer gründlichen Umkehr (metanoia) bedarf. - Dass es zu allen Zeiten (außer in den letzten Zeiten, wenn man dem Apokalyptiker Johannes glauben darf) etwas gibt, wo es falsch läuft, liegt auf der Hand: Schließlich sind es Menschen, die da handeln, und die haben oft auch eigene, ganz menschliche, Interessen, die sie verfolgen. Nach den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen gab es in den Jahren 2009 und 2010 erdrutschartige Austrittszahlen. Niemand steht gerne am Pranger, das kann ich gut verstehen.
Ich meine aber, dass es wenig angebracht ist, hier mit juristischen Mitteln zum Beispiel Journalisten untersagen zu lassen, bestimmte (Meinungs-)Äußerungen zu verbreiten. Das ist ein ganz ungeeignetes Mittel, um Schaden vom Evangelium und von der Kirche abzuwenden.
Insofern bin ich froh, über diesen klärenden Artikel, in dem regensburg-digital berichtet, wie erst ein zweitinstanzliches Urteil, das durch großzügige Lesendenspenden ermöglicht wurde, die Meinungsäußerung den Journalisten gestattet. Weiterlesen
Die »Stiftung Lesen« hat nicht nur einen Bericht vorgestellt, in dem gezeigt werden kann, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, ca. eine halbe Schulnote besser in Mathematik abschneiden als andere. Nein, die Stiftung bläst zum heißen Herbst, mit dem Vorlesetag am 18. November. Dieses Datum wird mit einer eigenen Domain beworben und auch mit fertig gestalteten Materialien, Plakaten, Foto-Einverständniserklärung und online-Anmeldung. Die Bahn und die Wochenzeitung »Die Zeit« fördern das Projekt des Vorlesetags.
Nun bin ich ein großer Freund des Vorlesens, aber auch einer, der nicht recht verstehen kann, wie man öffentlich zu derartigen Straftaten aufrufen kann: Das Lesen von urheberrechtlich geschützten Texten in der Öffentlichkeit kann eine Aufführung oder ein Vortrag sein. Und ein solcher ist keineswegs mit dem Kauf des Buches abgegolten.
Bei einigen CDs eines Rezitators mit einer Jazzband (»JazzTalk mit Röhrkasten«) habe ich Erfahrungen sammeln können, wie schwierig es ist, die entsprechenden Freigaben von den Rechteinhabern (bzw. den von Erbengemeinschaften beauftragten Rechtsanwälten) zu erlangen. Das ist ein Heiden-Schreibkram und macht dermaßen viel Arbeit, dass eine — gar öffentliche — Einladung zu solchem »Rechtsbruch« nicht drin ist.
Es sei denn, ich lese etwa Apuleius von Madauras »Goldenen Esel« oder anderes Material, bei dem Autor, Übersetzende usw. hinreichend lange verstorben sind. Goethe also und Schiller, Horvarth gerade so, aber Kästner keinesfalls! Böll ist tabu und James Krüss sowieso. Tja, liebe Kinder, gebt fein Acht — ich hab euch etwas mitgebracht, und das ist mindestens siebzig Jahre alt (sofern der Autor/die Autorin unmittelbar anschließend der Literatur einen Dienst erwiesen hat, indem er/sie es vorzog abzuleben). Sollte aber es sich um ein Jugendwerk handeln und der Urheber/die Urheberin lange leben, dann folgt, dass diese Texte leider ungeeignet sind für den Vorlesetag. Pech gehabt. — Es könnte freilich auch passieren, dass inzwischen von der VG Wort (die am Markt ja reichlich verfügbaren) studierten Geisteswissenschafter/innen wie GEZ-Kontrolleure oder GEMA-Informanten ausschwärmen, um die Vorlesetag-Veranstalter anschließend mit entsprechenden Rechnungen zur Kasse zu bitten:
»Sehr geehrte Leiterin der Kindertagesstätte X in Y,
durch öffentliche Einladung haben Sie für den 18. November 2011 zu einem so genannten Lesetag eingeladen. Hierbei wurden u.a. zwei Kindergedichte der von uns vertretenen Autoren Z und A öffentlich aufgeführt/vorgetragen. Hierfür besaßen Sie keine Freigabe der Rechteinhaber, wir erlauben uns daher, Ihnen unsere Unterlassungserklärung zur Unterschrift zuzusenden, zusammen mit einer Rechnung über BCD Euro.
Sollten Sie …«
Möchten Sie oder möchtest Du das, lieber Leser? Nein? Ja, dann empfehle ich, ganz schnell Texte aus der Reclam Universalbibliothek zu beschaffen und alles zu unterlassen, was zu solchen »Missverständnissen« führen könnte. Lesen, gar laut, in der Bahn übrigens, kann auch noch gegen deren Beförderungsbedingungen verstoßen, weil es ja ein »unangemeldeter Vortrag«/»Erbringung von Leistungen« in den Zügen ist. Lesen ist silber, Schweigen ist Gold.
Wer nun meint, dass ich hier übertriebe, dem sei dieser Artikel empfohlen, der die Vergütung der Schulen an die Rechteinhaber nicht bloß wirtschaftlich regelt, sondern die Schulen zwingt, auf 1 % aller Computer einen »Schultrojaner« zu installieren, der so genannte »Plagiate«, also nicht urheberrechtlich abgegoltene Texte, Bilder, Musik … zu erkennen und zu melden. Ja, es gibt eine Menge Beamtenrechtlicher und sonstiger Rechte, die hier tangiert werden. Und das alles, weil es bis heute kein vernüftiges Immaterialgüterrecht gibt. Liebe Juristinnen und Juristen, wäre das nicht mal ein Feld, auf dem eine Lösung dringend erforderlich ist? Wir können doch nicht länger so tun, als wären »Plagiate« mit den Mitteln der Goethezeit nachgedruckte Bücher, wenn jemand ein Diagramm aus dem Schulbuch scannt und in seine Facharbeit einfügt! Natürlich kann man erwarten, dass der Schüler den Verlag anschreibt, den Rechteinhaber der Graphik ausfindig macht, mit diesem sich privatrechtlich einigt, und, sagen wir mal 5,80 EUR + 7 % Mehrwertsteuer überweist. Bloß muss dann die Zeit zur Abfassung entsprechender Arbeiten deutlich ausgedehnt werden, denn ich weiß aus eigener Praxis, wie lange so etwas dauern kann.
Abschließend ein letzter Vorschlag: Wer ein Netbook sein eigen nennt, evtl. einen UMTS-Zugang hat, kann auch einfach aus dieser Seite, meinem Sudelweb vorlesen, einfach meinen Namen und die Internetadresse nennen, zum Beispiel nach der Lesung oder am Anfang, und alles ist gut, denn die Texte hier stehen unter Creative Commons Lizenz.
 Alte Fabrikhalle (Ilseder Hütte)
Der Gebrauch weitwinkliger Objektive ist grundsätzlich nicht einfach, denn es geht ja darum, dass man quasi »zwangsläufig« Perspektiveindrücke erhält, die »unnatürlich« sind: Es kommt mehr aufs Bild als das gewohnte Maß — und das geht optisch selten ohne scheinbare oder tatsächliche Widersprüche zwischen menschlicher Wahrnehmung und Abbildungsgeometrie.
Hier habe ich das 90 mm Weitwinkelobjektiv eingesetzt, weil es die Halle mächtig erscheinen ließ. So erst wurde sie eindrucksvoll. Erwogen hatte ich, ob ein Querformat dem Bild nicht besser getan hätte, aber in dem Fall hätte ich entweder Giebel oder Boden abschneiden müssen oder aber mehr Abstand zum Objekt einnehmen — und letzteres hätte mich wieder in die Lage verminderter Bilddramatik gesetzt. Also beließ ich es beim Hochformat — und bin bis heute unsicher (auch wenn ein Kollege bei flickr den Vordergrund ruhig und nicht störend findet), ob nicht ein Wegschneiden des Vordergrunds dem Bild helfen könnte.
Gerne hätte ich auch ein höheres Stativ gehabt, aber nur zum Photographieren, nicht, um es stundenlang herum zu tragen. Es hätte dann weniger Kameraverstellung bedurft. Aber man nimmt, was man hat. Konkret ist es ein Manfrotto 055 mit einem ordentlichen Kugelkopf, den ich eigentlich mal für die Hasselblad angeschafft hatte, der aber auch die Großbildkameras (bis 4x5 Zoll) ordentlich trägt. Zumal es hier ja keinen Spiegelschlag gibt.
Für die technisch Interessierten: Toyo 45A mit Fuji 8/90 auf Neopan Acros 100 (E.I. 64), Rollei High Speed in der Schale, Scan mit Epson V700 und Bearbeitung in Aperture.
 Ilseder Hütte — Wasserturm
Die Ilseder Hütte ist nicht weit weg, und der Weg dorthin ist im Spätsommer herrlich, also war ich eines Tages nach der Arbeit wieder mit Kamera dorthin unterwegs, glücklicherweise sind die Tage ja hierzulande lang. Ich kam gegen 18 Uhr an und hatte zwei oder drei Stunden lang Zeit, auf dem Industriedenkmalsgelände herumzustreifen.
Nun kennt ja fast jeder, der sich mit Photographie befasst, die Wasserturmbilder der Eheleute Becher, Bernd & Hilla, die da eine Art abstrahierenden Herangehens betreiben, quasi »extensionale Semantik« (Nelson Godman), zu schauen, was alles Wassertürme sind, um die »Bedeutung« des Begriffs »Wasserturm« auf diesem Wege zu ermitteln.
Das kann man alles machen, und wer wäre ich, die Bechers dafür zu kritisieren. Allein: Mir sagen deren Bilder (das gilt für viele dieser »Zusammenschauen« der Bechers) wenig. Dass bewusst »langweiliges« Licht dort gewählt wird, damit nicht vom Motiv abgelenkt werde, das widerspricht meiner Sympathie für feine Bilder, die eben nicht »etwas« abbilden, sondern selbst zu einem Gegenstand der Betrachtung werden, gleich ob es sich um Schatten handelt, um Pflanzendetails oder eben um einen Wasserturm wie bei dem aus der Ilseder Hütte.
Am Wochenende habe ich noch ein paar weitere Negative gescannt und bearbeitet, so dass da mehr kommen kann. Für die technisch interessierten Lesenden: Aufgenommen mit einer 4x5 Zoll Toyo 45A mit Fujinon 5.6/150 auf Neopan Acros 100 (E.I. 64), entwickelt in der Schale in Rollei High Speed und gescannt mit Epson V700, Bearbeitung in Aperture.
 Gebr. Scharfenberg — Jeremias an Gitarre und Gesang
 Someday Jacob: Jörn Schlüter & Uli Kringler
Ein merkwürdiges Konzert… Eigentlich sollte »Someday Jacob« in der Kneipe spielen, eben im »Gig« am Lindener Marktplatz. Doch hatte man bei der Planung übersehen, dass irgendein wichtiges Fußballspiel am selben Abend angesetzt war. Also musste das in der Kneipe übertragen werden, denn so ein Ereignis zieht ja bekanntlich Besuchende.
Wenn man aber eine Band hat, die von auswärts kommt und eine Tournee absolviert, dann kann man der natürlich nicht einfach absagen: In dieser Hinsicht steht das Gig zu seinen Zusagen. Also wurde das Konzert in den (eigentlich viel zu großen) Gig-Saal verlegt, und fand dort am 29. September statt. In weiser Voraussicht hatte »Someday Jacob« erstens den Raum quasi quer gedreht, also so, dass deutlich weniger Abstand zwischen »Publikum« und Band bestand. Andererseits hatte man sich mit den Gebrüdern Scharfenberg eine lokale Vorgruppe geholt, die auch einige Fans mitbrachte.
Es war ein richtig gutes Konzert. Jeremias’ Stücke habe ich bei reMember, bei Jeremy Rian und anderswo gehört: Nie haben sie mir so gut gefallen wie von diesen drei Brüdern — und das war deren zweites gemeinsames Konzert seit langem.
Eigentlich bin ich hingegangen, weil ich nicht bloß Jeremias kenne und schätze, sondern weil ich Uli Krieglers Gitarrenplatte Café Cinema schätze, besonders die dortigen, eher jazzigen, Stücke mit Vibraphon oder mit Saxophon. Hatte ihn aber noch nie live gehört. Das änderte sich, wenngleich er (leider) vor allem E-Gitarre und (auf dem Photo zum Beispiel) Banjo spielte. Eine feine Musik. Vielen Dank.
 Q-Bics 5-Saiter Bass (Oliver Kaetels Instrument)
Dies ist der Bass von Oliver Kaetel, der bekanntlich bei Q-Bic spielt. Bekanntlich ist diese Position nicht gerade die, in der Bassisten bevorzugt ihre Instrumente spielen. Beim Konzert in der Philharmonie im September wurde die Band vom Pech verfolgt und ließ sich doch nicht verdrießen: Sie machten aus allem das beste und den Fans im Publikum gefiel es: Der Gitarrenverstärker von Tobias war frisch vom Service gekommen und fiel leider mitten im zweiten Set aus, einfach so, vermutlich wieder die gleiche kalte Lötstelle wie vor dem Einsenden zum Service.
Gut, erörtert wurde auch, ob es evtl. ein Kabelproblem gewesen seien könne. Jedenfalls ereignete sich dieser Verstärker-Ausfall (wohl der Band, die — wie Q-Bic — noch einen Ersatz-Verstärker im Auto hat) just in dem Augenblick, als auch bei Oliver eine Saite seines Basses riss. Das sind ziemlich kräftige Drähte, weshalb man sie gewöhnlich weit vor dem Zeitpunkt eines Verschleißens auszutauschen pflegt. Und anders als dünnste E-Gitarrensaiten ist auch beim Stimmen wenig Risiko auszumachen, dass man etwas zu weit dreht an der Mechanik. Oli musste also die Saite wechseln, Tobi den »Ersatzverstärker« (der eigentlich nicht für die Wiedergabe von Gitarren gemacht ist) so weit regeln, dass er nutzbar wurde, darüber zu spielen.
Nach rund 12 Minuten Umbaupause ging es weiter, und es tat der Musik keinen Abbruch: Auch mit dem »drahtigeren« Gitarrenklang ließ sich leben. Die Musik groovte wie eh und je. Und das Publikum, das ja immerhin Eintritt bezahlt hatte, wurde von der Band verwöhnt. Danke. Leider waren weniger stimmungsfreudige Fans da, aber von Bandseite: Kompliment! Das nenne ich professionelle Lösungen.
 Pelikan Souverän 605 mit Herbin »Éclat de Saphir«
Ich schrieb neulich über die gute Tinte von Omas, dem norditalienischen Schreibgerätehersteller. Eine weitere Tinte hat es neben dieser bis in meine Füllfederhalter geschafft: J. Herbins »Éclat de Saphir«. Die Farbe auf dem Papier ist nicht ganz so satt wie bei Omas bzw. der (quasi identischen, preislich aber teils attraktiveren) Visconti-Tinte, sie erinnert eher an Blaubeermuffins — genauer an die dort verbackenen Blaubeeren.
Ich weiß, das klingt teils esoterisch, teils unkonkret. Es bleibt dabei: Die passende Tinte erst macht das Schreiben zum Vergnügen, und ich nutze Omas/Visconti einerseits und andererseits diese Éclat de Saphir. Wer etwas bei flickr sucht, kann leicht von beiden Farbmuster finden.
Für alle, die sich fragen, worauf das Tintenfass denn stehe: Das ist eine Kalos-Bibelhülle (mit entsprechender Füllung), also: Ein solides Fundament.

- Lecker Lyrik Vorbereitung (Küchenszene)… — Photo: Markus Wolter
Die elfte Lecker Lyrik ist vorbei. Ich bin froh und dankbar, dass alles gut gegangen ist. In den Jahren seit der ersten Lecker Lyrik, bei der ich tags drauf morgens die Küsterin traf, die kam, um alles für den Gottesdienst herzurichten, ich wischte gerade die Flure und hatte die letzte Spülmaschine voller Geschirr ausgeschaltet, diese Zeiten sind vorbei.
Lecker Lyrik fing als eine (gute?!) Idee an, alles andere war anfangs noch unausgereift und verbesserbar. Nach den letzten Ausgaben von Lecker Lyrik hat sich in weiten Teilen eine sehr gute Vorbereitung durch das (nach der zweiten oder dritten Ausgabe) gewachsene Team mit unterschiedlichen Bereichen entwickelt, Katrin und ich kümmern uns vor allem um die Küche, Andrea ums Servierteam, ums Abwaschteam, wir alle arbeiten an der Pausengestaltung und daran, wie die je nächste Lecker Lyrik überhaupt laufen soll. Michael Krebs koordiniert die Jugendlichen, stellt da den Informationsfluss sicher und überwacht das Budget (und macht die Abrechnung). Er managt auch den Vorverkauf, Aufbau in Saal und Kirche und führt durch den Abend.
Markus als jüngster im Team nimmt sich die Freiheit, am Abend im Saal zu sein — und bei diesem Mal sprang er beim Kellnern ein, weil eine geplante Mitarbeitende wegen einer Weisheitszahn-Operation ausfiel. Markus ist es aber auch, der leidenschaftlich mit acht oder zehn Leuten Rotkohl schneidet oder hobelt, Birnen aushöhlt oder selbst noch mal einen Text beisteuert — und somit den dritten Block bestritt.
Am schwierigsten sind für uns in der Vorbereitung — und das ist weit mehr als die eine Woche Lecker Lyrik (in der eingekauft, vorbereitet, gekocht, … wird) — die Auswahl der Lesenden. Andreas Johst war ein »Zufallsfund«, ein alter Freund aus Studientagen, der längst etwas ganz anderes macht. Er meldete sich auf mein Blog hin, und wir trafen uns eines abends, sprachen über vieles und eben auch darüber, dass er schreibe. Ein Mustertext kam wenig später und das Lecker-Lyrik-Team fands gut.
Bei der AWO-Lyrikgruppe war schon länger von Andrea ein Gespräch angedacht. Als sie dann mit den Dichterinnen und Dichtern ins Gespräch kam, entwickelte sich schnell Begeisterung auf allen Seiten. Die hatten richtig Lust, und wir hatten — zwischen zweimal Prosa — einen gelungenen lyrischen Mittelblock.
Zum Konzept von Lecker Lyrik gehört, möglichst in einem Block der ganz jungen Generation ein Forum zu bieten. Markus hatte an der Uni — Aushänge angebracht, das Zentrum für kreatives Schreiben hat unser Gesuch herumgeschickt, nach Göttingen und Berlin haben wir unsere Fühler ausgestreckt, aber das Bachelor und Master-System führt dazu, dass die meisten kaum über das Verfassen von Hausarbeiten und die Lektüre von Gedichten und allenfalls theoretischen Schriften hinaus kommen. Von dort bis zu eigenen Texten ist es ein weiter Weg!
Nach einiger Zeit der Suche bot Markus an: »Ich könnte ja mein ›weiteres Kapitel‹ zu Pu der Bär lesen, das ich für die Uni geschrieben habe«. Der Text gefiel im Team. — Für die zahlreichen jugendlichen Mitwirkenden hatten wir im August ein kleines »Dankeschön-Fest« geplant, das leider wegen zahlreicher Absagen ausfiel. Absurditäten und Besonderheiten in der Lecker Lyrik Geschichte hatte unser derzeit fünfköpfiges Team gesammelt und zu einem Text zusammengefügt. Mit diesem Text (und Pu) stand dann der dritte Block.
Als Vorankündigung: Die Rezepte werden hier in den nächsten Tagen folgen und auch der Text zu Lecker Lyrik, der ja eigentlich fürs Team gedacht war (die meisten wuschen ab aber waren anderweitig im Einsatz).
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