Gedanken für potenzielle KV-Kandidierende…

Die­ser Tage wer­den in allen Gemein­den der Han­no­ver­schen Lan­des­kir­che die Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten gesucht, Arti­kel zur Vor­stel­lung geschrie­ben, gege­ge­be­nen­falls Unter­schrif­ten­lis­ten mit Gemeindenglieder-Unterschriften (wenigs­tens zehn braucht es ja für Kan­di­die­rende) zusam­men­ge­tra­gen. Ich finde es wich­tig, dass sich Men­schen in Gemein­den mit ihren Gaben ein­brin­gen. Und gute Ver­wal­tung und Lei­tung wird in den Gemein­den gebraucht. So weit, so gut.

Der Anspruch ist, dass Gemeinde für alle Getauf­ten da sein soll. Dar­über hin­aus soll sie in ihrem Bereich mis­sio­na­risch bzw. evan­ge­lis­tisch wir­ken, also auch sol­che Men­schen anspre­chen, die (noch) nicht Chris­ten sind. Ande­rer­seits bre­chen die per­so­nel­len und wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten seit Jah­ren weg. De facto gilt es also gezielt zurück zu bauen, so dass kein über­mä­ßi­ger Scha­den für das Leben und Weben der Gemeinde ent­steht. Stel­len­kür­zun­gen usw. sind allent­hal­ben durch die Kir­chen­vor­stände und die kirch­li­chen Ver­wal­tun­gen (in Kir­chen­krei­sen und auch den kirch­li­chen Ver­bän­den und Ein­rich­tun­gen) so durch­zu­füh­ren, dass  das kirch­li­che Leben wei­ter­geht. Wei­ter­le­sen

über Konversionen.

Die­ser Arti­kel in La Stampa berich­tet, dass ein Mit­glied der Kuwai­ti­schen Königs­fa­mi­lie zum Chris­ten­tum kon­ver­tiert sei und nun um sein Leben fürchte. Bedau­er­li­cher­weise ist es noch immer so, dass Reli­gi­ons­frei­heit, und zwar posi­tiv (als Frei­heit zu einer Reli­gi­ons­aus­übung) wie nega­tiv (als Frei­heit von reli­giö­ser Bin­dung) vie­len Men­schen nicht mög­lich ist. In eini­gen Regio­nen die­ser Erde mei­nen Men­schen an der Macht, dass sie den Glau­ben ande­rer bestim­men könn­ten. Zumin­dest ver­sucht man, Kon­ver­sio­nen zu bestrafen.

Mir scheint, dass ein Wech­sel des Glau­bens mit­un­ter pas­sie­ren kann, ja muss. Wenn jemand Christ wird, kann er vor­her alles denk­bare andere gewe­sen sein. Auch denk­bar, dass jemand vom Chris­ten zum Hei­den wird, weil ihm oder ihr der Glaube abhan­den kommt. Kon­ver­sio­nen kom­men vor. Man­cher wird Mos­lem, man­che wird Jüdin, Hindu oder was auch immer. Dass es für jeman­den, ob nun poli­ti­scher Macht­ha­ber oder über­zeug­ter Gemeinde-Mitarbeitender, dem Glaube wich­tig ist, eine wich­tige Ent­schei­dung ist, wohin jemand kon­ver­tiert, wenn damit eben auch »heils­re­le­vante« Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den, könnte er oder sie auf die Idee kom­men, hier unlieb­same Kon­ver­sio­nen unter höchste Stra­fen zu stel­len. Selbst das aber bringt nichts.

Ich freue mich, wenn jemand Christ wird. — Und ich achte alle, die ander­wei­tig kon­ver­tie­ren. Ich finde es teils über­aus schade, aber ich achte die Frei­heit der ande­ren höher als meine Ein­schät­zung der mög­li­chen Fol­gen. Wenn ich einem gewe­se­nen Chris­ten, der jetzt Mos­lem ist, helfe, auch helfe, ein bes­se­rer Mos­lem zu wer­den, dann kann ich ihm etwas von Got­tes Liebe, die ich glaube, widerspiegeln.

Für mich ist der Bericht in La Stampa eine Steil­vor­lage für ein Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn Kanz­le­rin Dr. Mer­kel zum Islam kon­ver­tierte? Wei­ter­le­sen

über gute Buchhandlungen und die, die die Welt nicht braucht…

Wenn ich in Mar­burg bin, gehe ich in die Uni­ver­si­täts­buch­hand­lung Ewert. Auch in Hei­del­berg kenne ich eine Buch­hand­lung, an der ich kaum vor­bei­ge­hen kann, weil ich weiß, dass ich dort erfah­rungs­ge­mäß min­des­tens ein oder zwei Bücher finde, die ich suche; teils suche ich sie, ohne es zu wissen.

Von Umberto Eco gibt es einen Streich­holz­brief, eine die­ser Glos­sen aus L’Espresso, in dem er von Biblio­the­ken schreibt: Sol­chen, in denen man leben kann und garan­tiert etwas fin­det, das man nicht gesucht hat. Die ent­spre­chen­den Biblio­the­ken sind der­ma­ßen sor­tiert, dass es große Prä­senz­be­rei­che gibt, in denen man als Besu­cher an Bücher heran kann. Denn wenn man ohne­hin schon wis­sen muss, was man sucht, dann braucht man nicht zu suchen. Dann ist ein Online-Bestellsystem wirt­schaft­li­cher. Wenn man aber stets gespannt ist, was da noch an unent­deck­ten Schät­zen zu ent­de­cken ist, dann machen Biblio­the­ken — und in ähnli­cher Weise eben auch Buch­hand­lun­gen — Lust auf mehr.

Die Groß­buch­hand­lun­gen, die in allen neuen Ein­kaufs­zen­tren aus dem Boden sprie­ßen, die braucht nie­mand. Jeden­falls dann nicht, wenn man Zugang zum Inter­net hat. Dank des Zen­tra­len Ver­zeich­nis­ses Anti­qua­ri­scher Bücher (zvab​.com) und Ama­zons usw. brau­che ich nicht mit der Bahn oder dem Auto in eine Innen­stadt zu fah­ren, um dort doch nicht zu fin­den, was ich suche. Es dann schließ­lich zu bestel­len und noch ein­mal in die Stadt zu fah­ren, um das bestellte Buch abzu­ho­len. Nein. Wenn ich weiß, was ich suche, dann kaufe ich es (gern auch anti­qua­risch) und lasse es mir liefern.

Und nun kommt der Wer­be­block. In Stutt­gart ist Lin­de­manns Foto­buch­hand­lung lange spe­zia­li­siert. Diese Buch­hand­lung ver­schickt per email und auch per Druck­sa­che regel­mä­ßig gut gemachte Infor­ma­tio­nen über Neu­er­schei­nun­gen (gerade auch die außer­halb Deutsch­lands, von denen man sonst kaum etwas mit­be­käme) und — viel­leicht das beste — es gibt immer Rest­ex­em­plare und Son­der­pos­ten, die zu sehr attrak­ti­vem Preis ange­bo­ten wer­den. Ein Bei­spiel (fik­tiv): Wer ein Ser­vice­hand­buch zur Repa­ra­tur des Zen­tral­ver­schlus­ses einer alten Rollei­cord sucht, hat bei Lin­de­manns sicher gute Chan­cen, viel­leicht als Reprint, viel­leicht als kana­di­sche Aus­gabe oder wie auch immer. Ich freue mich seit rund zwan­zig Jah­ren an den Emp­feh­lun­gen und den Ange­bo­ten, die ich aus Stutt­gart von Zeit zu Zeit kaufe, sei es aus dem Bereich Foto­kunst oder Foto­tech­nik. Hier sind die Links zu den Son­der­an­ge­bo­ten, da könnte auch etwas für meine Lesen­den dabei sein, so dachte ich mir. — Neben­bei: Ich werde für die »Wer­bung« nicht bezahlt, bin viel­mehr über­zeugt, dass gute Ange­bote wei­ter­ge­sagt wer­den sollten.

Kommentare zu Kommentaren…

»@Peer: Bist Du Gott?

Bei Dir klingt es immer so, als wür­dest Du die ›Wahr­heit‹ ken­nen (von der ich aus­gehe, dass ich sie als Mensch nicht ken­nen kann) …« (Mar­kus, 27.01.2012)

Diese Frage schien mir schon eini­ger­ma­ßen the­ma­tisch abwe­gig, aber ich ver­stand sie als (pro­vo­zierte) Reak­tion auf den vor­he­ri­gen Bei­trag durch den ange­spro­che­nen Kom­men­ta­tor. Sti­lis­tisch han­delt es sich um eine rhe­tho­ri­sche Frage, also eine, die keine Ant­wort erwar­tet, son­dern sich ledig­lich des for­ma­len Fra­gens bedient, um aus­zu­sa­gen: »Du bist nicht Gott.« — denn nur ein sol­cher könnte in der argu­men­ta­ti­ven Stra­te­gie die Wahr­heit kennen.

»Ja, ich bin ein Gott. Doch eher einer wie Wotan, weni­ger wie Euer Jehova. So schlecht wie Jehova bin ich nicht.

Übri­gens, wenn du davon aus­gehst, daß du die Wahr­heit nicht ken­nen kannst, dann meinst du doch zumin­des­tens diese eine Wahr­heit erkannt zu haben, die du dem­ge­mäß gar nicht erken­nen kannst. Deine über­nom­mene Denk­fi­gur fal­si­fi­ziert sich also schon selbst. Nütze die­sen Hin­weis zu dei­nem Heil. Dich von mir sto­ßend zeig ich ihn dir. Auf nach Rom!

(War­nung: die­ser Bei­trag könnte Spu­ren von Anspie­lun­gen ent­hal­ten, die nur für Wag­ne­ria­ner ver­ständ­lich sind.)« (Peer Sche­ren­berg, 27.01.2012)

Die Ant­wort nimmt die Frage als (offene) Frage, über­sieht geflis­sent­lich, dass es sich um keine echte Frage han­delt, son­dern um eine rhe­to­ri­sche, und beant­wor­tet sie zudem eben gerade nicht im Sinne der argu­men­ta­ti­ven Stra­te­gie des Fra­gers: Die Ant­wort lau­tet »ja — ich bin ein Gott«.

Die fol­gende Aus­füh­rung fußt selbst­ver­ständ­lich auf den unter­schied­li­chen Bedeu­tun­gen von »Wahr­heit« und »erken­nen« zwi­schen Fra­gen­dem und Ant­wor­ten­dem. Anzu­neh­men ist, dass der Fra­gende annimmt, dass gemäß Joh. 14,6 Jesus »Weg, Wahr­heit und Leben« sei. Dies aber ver­möge nur der Glau­bende zu »erken­nen«, und zwar in dem Sinne, dass Glaube keine mensch­li­che Option sei, son­dern ein Geschenk Got­tes. Zu erken­nen, wer und inwie­fern er Wahr­heit sei, sei eben gerade nicht mensch­lich, son­dern gött­lich — und eben denen mög­lich, denen Gott sich offen­bare. So ver­stehe ich Mar­kus’ Intention.

Dem­ge­gen­über setzt Peer Sche­ren­berg vor­aus, dass das, was man kann, ein mensch­li­ches Ver­mö­gen sei, dass also der Fra­ger Mar­kus gar nicht erkannt haben könne, gemäß sei­ner eige­nen Argu­men­ta­tion. Im Hin­ter­grund ist stets (bei Mar­kus) 1. Kor.13,12b: »Nun erken­nen wir stück­weise, dann aber wer­den wir erken­nen, gleich wie wir erkannt sind.« Sollte der Ant­wor­tende recht haben, hätte sich der Fra­ger in der Tat selbst wider­legt. Alles hängt an den »Ebe­nen«, auf denen die Begriffe je ange­sie­delt werden.

»Ich weiß nichts, ich glaube. Wie Du.« (Mar­kus, 28.01.2012)

Das ist wohl eher ein Hin­weis zu Selbst­ver­ständ­nis denn ein Argu­ment. Es folgt der »inne­ren Logik«, die oben dar­ge­stellt ist.

»Ich denke, du nicht. Das ist der Unter­schied. Denn Vor­gänge des Geis­tes sind unmit­tel­bar evi­dent.
Du soll­test erst­mal in die phi­lo­so­phi­sche Grund­schule gehen und dort ins­be­son­dere Kurse in for­ma­ler Logik und Erkennt­nis­theo­rie besu­chen. Bei­des fehlt dir zu 100% und daher kannst du hier nicht mit­re­den, denn dir fehlt das grund­sätz­li­che Arbeitswerkzeug.

Statt­des­sen ver­sucht du es durch reli­giö­ses Gebrab­bel zu erset­zen, wie arm­se­lig! Ver­such doch erst­mal zu den­ken, nach­her kannst du immer noch geis­ti­gen Selbst­mord bege­hen, indem du dich irgend­ei­ner reli­giö­sen Sekte in die Arme wirfst. Aber vor­her soll­test du erst­mal SELBST GEDACHT haben. Das sollte jeder ein­mal, bevor er anfängt zu glau­ben.« (Peer Sche­ren­berg, 28.01.2012)

Dem drit­ten Satz wider­spre­che ich ent­schie­den. Vor­gänge des Geis­tes sind spä­tes­tens seit dem »lin­gu­is­tic turn« alles andere als »unmit­tel­bar evi­dent«. Ver­glei­che etwa Arti­kel »Evi­denz« bei Wiki oder Witt­gen­stein (eben daher):

»Ja, ich glaube, daß jeder Mensch zwei mensch­li­che Eltern hat; aber die Katho­li­ken glau­ben, daß Jesus nur eine mensch­li­che Mut­ter hatte. Und Andre könn­ten glau­ben, es gebe Men­schen, die keine Eltern haben, und aller gegen­tei­li­gen Evi­denz kei­nen Glau­ben schen­ken. Die Katho­li­ken glau­ben auch, daß eine Oblate unter gewis­sen Umstän­den ihr Wesen gänz­lich ändert, und zugleich, daß alle Evi­denz das Gegen­teil beweist. Wenn also Moore sagte ›Ich weiß, daß dies Wein und nicht Blut ist‹, so wür­den Katho­li­ken ihm wider­spre­chen.« (Lud­wig Witt­gen­stein, Über Gewiss­heit, § 239)

Wenn­gleich hier die Tirade der Vor­würfe an den Gesprächs­part­ner sub­stan­zi­ell wenig zutref­fen­des aus­führt, denn — ich glaube nicht zu viel per­sön­li­che Details preis­zu­ge­ben — : Mar­kus stu­diert durch­aus Phi­lo­so­phie. In der Sache ist der Punkt, dass Wahr­heit ja ein Prä­di­kat ist, das Sät­zen ver­lie­hen wer­den kann. Wahr­heit aber ist nichts, das Sach­ver­hal­ten beige­legt wer­den könnte. Der Satz: Gie­ßen liege zwi­schen Mar­burg und Frank­furt ist bezüg­lich unse­rer Sprach­kon­ven­tio­nen zutref­fend, aber nicht bezüg­lich der Dinge in der Welt. Der Übergang von empi­ri­schen Sach­ver­hal­ten in die sprach­li­chen Aus­sa­gen wurde wohl von Peer Sche­ren­berg vor­aus­ge­setzt, was ich seit dem ligu­is­tic turn nicht mehr für zuläs­sig halte.

Dass neben­bei Glau­ben kein Wider­part zum Den­ken seien muss, son­dern — etwa in der Pro­to­theo­lo­gie — der Gegen­stands­be­reich der Rekon­struk­tion einer Fach­dis­zi­plin seien kann, ver­misse ich. Anders gesagt: Wir befin­den uns für den Athe­is­ten in einer »mög­li­chen Welt« (im Sinne Witt­gen­steins), in der bestimmte Aus­sa­gen (theo­lo­gi­scher und bib­li­scher Natur) ange­nom­men wer­den dür­fen, und in die­ser Welt brin­gen wir den logisch-sprachphilosophischen Werk­zeug­kas­ten zum Anschlag, um metho­disch aus­ge­reift bestimmte Schlüsse rela­tiv zum Set der Annah­men für pro­ba­bi­lis­tisch, bewie­sen, ange­nom­men oder wider­legt anzu­se­hen und ent­spre­chend zu benen­nen. Nicht mehr, nicht weniger.

Dass man aber des­halb ein­an­der nicht unbe­dingt in die metho­di­sche Vor­schule zurück­set­zen muss, das scheint mir evi­dent.

Church-Shopping oder: Wie unterschiedliche Menschen sich ihre Gemeinden suchen…

Anfang Januar besuchte ich Freunde, die ich einige Jahre lang nicht getrof­fen hatte. Wie das so ist, wenn man je an sei­nem Ort recht ein– und ange­bun­den ist. Bei mir war es viel Gemein­de­ar­beit, bei ihnen Beruf und Kin­der, die die Zeit reich­lich füllten.

Wir kamen auch auf mei­nen Kir­chen­wech­sel zu spre­chen und ein Freund sagte: »Ah, Metho­dist bist Du jetzt… meine Schwes­ter ist inzwi­schen auch Metho­dist. Sie sucht sich immer die leben­digste Gemeinde aus.« — Ich kenne die Schwes­ter zu wenig, um dazu wirk­lich etwas zu sagen. Jeden­falls ist die Gemein­de­su­che wohl etwas, das sehr unter­schied­lich ange­gan­gen wer­den kann. In der Tat kann man nach einer attrak­ti­ven Gemeinde suchen, nach einer, mit Mit­ar­bei­ten­den, mit denen man auf einer Wel­len­länge liegt und ent­spre­chend ein­fach ins Gespräch kom­men kann.

Man kann nach dem suchen, was man beson­ders wünscht/braucht. Wer etwa einen guten Chor möchte, sollte nach einer Gemeinde mit einem sol­chen Aus­schau hal­ten. Wem eine leben­dige Haus­kreis­ar­beit wich­tig ist, mög­lichst mit einem beste­hen­den Ange­bot in Wohn­ort­nähe, der hat ein Kri­te­rium. Wei­ter­le­sen

Wo bleibt denn die GEMA, wenn man sie mal braucht?

Die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, dass bei einer Kund­ge­bung natio­nal­so­zia­lis­tisch Geson­ne­ner als »Chif­fre« nun der Titel­song aus Paul­chen Pan­ther gesun­gen wurde. Diese Musik wurde von der Zwi­ckauer Nazi-Zelle (»NSU«) in ihren Beken­ner­vi­deos als Hin­ter­grund­mu­sik gewählt.

Zutref­fend stellt die Süd­deut­sche dar, dass man ja schlecht, bloß weil bestimmte Chif­fren in rech­ten Krei­sen gebraucht wür­den, Buch­sta­ben des Alpha­bets (wie »AH« oder 18 (die ent­spre­chen­den Zahl­werte) für Adolf Hit­ler oder »HH«/88 für »Heil Hit­ler«) oder Zif­fern ver­bie­ten könne. — Das ginge in der Tat zu weit. Was aber hin­dert eigent­lich daran, bei urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Wer­ken, die­je­ni­gen zur Kasse zu bit­ten, die diese öffent­lich auf­füh­ren, ohne hier­für befugt zu sein? Die ent­spre­chende GEMA-Direktion ist doch gar nicht weit vom Ort der Kund­ge­bung in Mün­chen entfernt?

Wenn ent­spre­chende Bescheide wie bei den Later­nen­um­zü­gen von Kin­der­gär­ten an die Par­teien und die (sicher nach den ein­schlä­gi­gen Über­wa­chungs­vi­deos aus­zu­ma­chen­den) Ein­zel­sän­ger zuge­stellt wür­den, wäre es doch end­lich mal eine krea­tive Aus­le­gung des ros­ti­gen Urheberrechts-Säbels.

Merke: Da, wo straf­recht­lich keine Hand­habe ist, bleibt immer noch der zivil­recht­li­che Weg. Viel­leicht haben ja die Urhe­ber bestimmte Auf­füh­rungs­ein­schrän­kun­gen ver­fügt? Dann bliebe noch die (kos­ten­be­währte) Unterlassungsverfügung…

Neben­bei: Als ich Paul­chen Pan­ther las, dachte ich erst­mal als Peter Pan­ter, eines der Pseud­onyme Kurt Tuchols­kys, um die Welt­bühne nicht zu Tucholsky-lastig erschei­nen zu las­sen… Dass die Rechts­ge­rich­te­ten seine Songs sän­gen, hätte mich ver­wun­dert. Wäre aber zumin­dest (dank sei­nes Sui­zids vor mehr als 70 Jah­ren) urhe­ber­recht­lich unbedenklich.

Ich wollt es wäre Kund­ge­bung und die GEMA käme.

Warum »Fruchtaufstrich« statt »Marmelade«…

Diese Mar­me­lade ist ein »Fruchtaufstrich«

 

Lebens­mit­tel­recht ist ein Gebiet für sich. Da wer­den die Claims sau­ber abge­steckt. Da muss das Fleisch durch halb Europa gefah­ren wer­den, um dann in Parma o.ä. zum Schin­ken zu wer­den. Feta ist eben nicht aus Kuh­milch (und darf nicht irgend­wo­her kom­men) und Mar­me­lade muss gekocht wer­den. Und wenn sie nicht gekocht wird? — Dann ist es eben keine Mar­me­lade. Dann heißt das eben »Frucht­auf­strich«: Das macht den Oran­gen gar nichts. Nicht ein­mal mir, dem Kon­su­men­ten, macht es etwas. Ich finde, dass die Pro­dukte der Dänen ganz im Gegen­teil sehr emp­feh­lens­wert sind, auch dann, wenn es sich eben nicht um Mar­me­lade handelt.

Wenn jemand weiß, wie es mit dem bri­ti­schen Lebens­mit­tel­recht ist: Muss »mar­me­lade« (eng­lisch) auch gekocht wer­den? Wie sieht das mit »jam« aus? — Dänen lügen nicht, und ich schere mich nicht drum, wie der Auf­strich heißt. Haupt­sa­che ist, dass er schmeckt.

der Platz, an dem ich arbeite…

der Platz, an dem ich arbeite…

Eine Zeit lang fand ich es attrak­tiv, wenn alle mög­li­chen Daten und Infor­ma­tio­nen allent­hal­ben ver­füg­bar wären, also auf einem Ser­ver, mit dem ich mich von über­all her ver­bin­den könnte. Daten, Ter­mine, Kon­takte… Was kann man da nicht alles mit sich tra­gen, wenn man bloß ein paar Zugangs­da­ten (und evtl. Schlüs­sel für ver­schlüs­selte Daten) mit sich trägt.

Inzwi­schen finde ich es deut­lich prak­ti­scher, die Daten mit dem Füll­fe­der­hal­ter in den Kalen­der zu schrei­ben, und wenn es um Ter­min­vor­schläge geht, dann eben mit Blei­stift, so dass ich die nicht benö­tig­ten Optio­nen anschlie­ßend aus­ra­die­ren kann. Diese Kalen­der von rado habe ich seit vie­len Jah­ren in Betrieb. Sie zei­gen eine Woche auf einer Dop­pel­seite, was mei­nen Bedürf­nis­sen gut ent­spricht: Ich plane ja auch so — von Woche zu Woche. Und immer wie­der freue ich mich an den Apho­ris­men, die es Woche für Woche im Kalen­der gibt. Etwa im Haus­kreis merke ich, wie viel schnel­ler ich mit Stift und Kalen­der bin als andere mit der kalen­der­füh­rung im Smartphone…

Bei den hier an mei­nem Arbeits­platz zu fin­den­den Gegen­stän­den gibt es jeweils eine kleine Geschichte, an der ich die Sudelweb-Lesenden teil­ha­ben las­sen möchte:  Wei­ter­le­sen

… etwas auf die Ohren: Kopfhörer und Ohrlautsprecher

Wer kein Nerd ist, hört Musik über Laut­spre­cher, so ein ver­brei­te­tes (Vor-)urteil. Das sehe ich anders, denn beim Hören mit Laut­spre­chern ist stets der Hör­raum wich­tig: Klingt der schlecht, macht es kei­nen Spaß. Auch die opti­male Hör­po­si­tion ist sel­ten prak­ti­ka­bel, zumal dann, wenn man sich in Wohn­räu­men bewegt.

Senn­hei­ser HD-265 linear — geschlos­se­ner dyna­mi­scher Kopfhörer

Wer gerne lau­ter hört, muss Rück­sicht auf Mit­be­woh­nende und Nach­barn neh­men: Kopf­hö­rer wir­ken hier Wun­der, um den Haus­frie­den her­zu­stel­len bzw. zu bewah­ren. Bei mir ging es mit dem bewuss­ten Musik­ge­nuss so los, dass ich einen CD-Player kaufte und einen anstän­di­gen Kopf­hö­rer, den ich bis heute habe und sei­ner­zeit bewusst dazu erwarb, mit ihm auch auf­zu­neh­men. Unter mei­nem geschlos­se­nen Kopf­hö­rer, einem Senn­hei­ser HD-265 linear, sind seit dem zahl­rei­che CDs (und DVD-A) ent­stan­den. Er leis­tete mir stets gute Dienste und erhielt bis­her ein­mal (nach­dem ich ihn ver­lie­hen hatte) ein neues Kabel und — nach Jah­ren regel­mä­ßi­gen Gebrauchs — ein­mal neue Ohrpolster.

Anfangs besaß ich keine Laut­spre­cher, nur die­sen Kopf­hö­rer, hörte somit direkt am Kopf­hö­rer­aus­gang mei­nes dama­li­gen CD-Spielers, DAT-Recorders etc. Dann an der Audio-Workstation, am RME-Fireface… Einen gro­ßen Fort­schritt gab es, als ich vor Jah­ren einen Kopf­hö­rer­ver­stär­ker anschaffen musste, weil ich mit mei­ner dama­li­gen Band Para­dawgma so auf­neh­men sollte, dass jeder in einem Käm­mer­chen unter einem eige­nen Kopf­hö­rer spielte — vor sich ein oder zwei Neu­män­ner oder AKG-C414. Damals hörte ich erst­mal die HiFi-Referenz-Kopfhörerverstärker an. Und stellte fest, was alles mehr geht — über das hin­aus, was meine ein­ge­bau­ten Kopf­hör­er­buch­sen lie­fer­ten. Ich hörte auch, was die Stu­dio­tech­nik zum Thema zu bie­ten hat: Den Pho­ni­tor von spl, und ent­schied mich für eine viel güns­ti­gere Lösung, die ich bis heute für auch vier– oder fünf­mal so teu­ren Gerä­ten für über­le­gen halte: Den Pre­so­nus HP4, einen vier­ka­na­li­gen Kopf­hö­rer­ver­stär­ker (Para­dawgma ist und war ein Quar­tett) für wenig Geld.

Jeck­lin Float electrostat

Zu der Zeit hatte ich bereits lange zwei Jeck­lin Float electrostat-Kopfhörer im Betrieb, die ich bis heute liebe. Jürg Jeck­lin, der Erfin­der die­ser »Welt­raum­helme« war Ton­meis­ter bei Schwei­zer Radio und erfand diese unför­mi­gen, aber sehr gut klin­gen­den (mit dem letz­ten Spei­se­ge­rät) Ohr­laut­spre­cher, um im Auf­nah­me­wa­gen gut abhö­ren zu kön­nen, beson­dern hin­sicht­lich der Pha­sen­lage ist mehr mit frei vor den Ohren hän­gen­den Elek­tro­sta­ten zu ent­schei­den, weil man die Rich­tungs­in­for­ma­tio­nen von Schall aufs Trom­mel­fell und Schall über die Ohr­schne­cke auch mit nur einem Ohr nut­zen kann, um Rich­tungs­hö­ren zu entwickeln.

Exkurs: Wer mit Im-Ohr-Hörern hört, hat die­sen zwei­ten Schall­weg über die Schne­cke und das Außen­ohr nicht, was leicht als Man­gel emp­fun­den wer­den kann, den man mit mehr Laut­stärke zu kom­pen­sie­ren suchen könnte. Das aber tut dem Gehör nicht gut.

Die Jeck­lin Float Elec­tro­sta­ten wer­den mit einem Spei­se­teil betrie­ben, das an den Laut­spre­cher­aus­gang (also an die Boxen­klem­men) des Leis­tungs­ver­stär­kers ange­schlos­sen wird. Das Spei­se­teil benö­tigt außer­dem Netz­span­nung. Durch ein sechs­ad­ri­ges Kabel wird der Ohr­laut­spre­cher mit dem Signal (links/rechts) und der Pola­ri­sa­ti­ons­span­nung ver­sorgt, denn wie bei Elek­tro­sta­ten üblich funk­tio­niert er so, dass eine sehr leichte und große Mem­bran aus einer metal­lisch bedampf­ten Folie sich in dem Feld eines pola­ri­sier­ten Kon­den­sa­tors bewegt. Diese Folie ist sehr viel schnel­ler als es die Mem­bra­nen dyna­mi­scher Kopf­hö­rer wären; sie bewegt sich äußerst fein­füh­lig und gibt beson­ders hohe Fre­quen­zen quasi

Spei­se­ge­rät zum Jeck­lin Float elec­trostat (erlaubt Anschluss von zwei Floats)

wie live wie­der. Somit kann man deut­lich bes­ser den Raum hören (Refle­xio­nen) und kann — das ist einer der wich­tigs­ten Anwen­dungs­fälle bei mir — stun­den­lang Musik schnei­den. Wenn ich an Flügel-CDs denke mit weit über 1.000 Schnit­ten in 60 Minu­ten… Und jeder muss unhör­bar gemacht wer­den… Da hilft in lan­gen Näch­ten ein ermü­dungs­freies Hören unterm Jecklin-Float.

Im Wis­sen, was Elek­tro­sta­ten ver­mö­gen, hatte ich natür­lich auch die Pro­dukte von Stax aus­führ­li­cher gehört. Der Omega war nicht so mein Fall, und erst vor rund einem Jahr fand ich im Lambda Pro eine Ergän­zung, die mir hilft, eigene und andere Auf­nah­men noch ein­mal kri­tisch unter die akus­ti­sche Lupe zu neh­men. Wohl­feil gab es diese Kom­bi­na­tion mit dem pas­sen­den Transistor-Verstärker SRM-1/MK-2 Pro­fes­sio­nal bei ebay im euro­päi­schen Aus­land. Und da ich diese Kopf­hö­rer nutze, vor allem zum Schnei­den und Auf­neh­men, sehe ich nicht so den Nutz­wert (für mich) ich z.B. dem spl-Phonitor, an den ich ja wie­der dyna­mi­sche Kopf­hö­rer anschlie­ßen müsste. Wozu?

Senn­hei­ser HD-600 (offe­ner dyna­mi­scher Kopfhörer)

Zwei Freunde, die stu­die­ren und für ihr Musik­hö­ren gute Kopf­hö­rer such­ten, leg­ten sich je einen Senn­hei­ser HD-600 zu. Einen der bei­den habe ich heute leih­weise hier. Habe ihn mit den ande­ren genann­ten Hörern ver­gli­chen. Der HD-600 ist mei­ner Mei­nung der beste dyna­mi­sche Senn­hei­ser Kopf­hö­rer. Ich mag den HD-800 gar nicht (den 700er kenne ich noch nicht). Der 650er ist mir zu »ge-sounded«, also zu sehr akus­tisch fär­bend, da finde ich den HD-600 deut­lich neu­tra­ler, und das ist es, was ich mir von Kopf­hö­rern erwarte: Ich möchte ja die Musik hören, mög­lichst unver­färbt. Wenn ich eine Brille kaufe, dann ja auch eine, deren Glä­ser mög­lichst gut ent­spie­gelt sind und eben nicht eine mit rosa­ro­ten Glä­sern, um die Welt in rosa­far­bi­gen Tönen zu sehen.

Der HD-600 ist für uner­fah­rene Hörende deut­lich ein­fa­cher zugäng­lich als der im Bass unechte Klang eines geschlos­se­nen Kopf­hö­rers wie des HD-265, den ich wei­ter­hin schätze, ins­be­son­dere da, wo eben aus dem Kopf­hö­rer nichts ins Mikro­phon über­spre­chen soll/darf. Der HD-600 ist völ­lig offen, ent­spre­chend hören andere, was die Nut­ze­rin drun­ter hört. Das kann stö­ren, aber man ist eben auch nicht völ­lig iso­liert. Er klingt bewun­derns­wert durch­sich­tig, hat

Stax Lambda Pro (elek­tro­sta­tisch, 580 V Polarisationsspannung)

einen gerin­gen Anpress­druck, so dass die Ohren nicht belas­tet wer­den, man kann als Bril­len­trä­ger die wei­chen Pols­ter gut über die Bril­len­bü­gel schie­ben und schwitzt nicht drun­ter — was bei den dicht schlie­ßen­den Ohr­stü­cken des HD-265 linear schon der Fall ist (und auch unterm Stax Lambda Pro!)

Der HD-600 ist meine Emp­feh­lung für alle, die einen rich­tig guten (dyna­mi­schen) Kopf­hö­rer suchen; um ähnli­chen Wohl­klang mit Laut­spre­chern zu errei­chen, muss man rich­tig tief in die Tasche grei­fen. — Und: Das Hören mit Kopf­hö­rern ist an sich etwas ande­res als mit Laut­spre­chern: Man nimmt Stö­run­gen eher wahr. Schlecht pro­du­zierte Auf­nah­men erschei­nen unge­schönt. Das kann läs­tig sein/werden. Man­che CDs (auch bei mir im Regal) sind der­ma­ßen nach­läs­sig pro­du­ziert, dass ich sie nicht über Kopf­hö­rer ertrage. Ande­rer­seits zei­gen gute Pro­duk­tio­nen unterm Kopf­hö­rer noch mehr von ihrer Qualität.

Der HD-265 linear ist für meine Auf­nah­men wei­ter­hin unent­behr­lich. Und: Wer aus einem dyna­mi­schen Kopf­hö­rer das Maxi­mum her­aus­ho­len möchte, dem sei das Pro­be­hö­ren unter­schied­li­cher Kopf­hö­rer­ver­stär­ker emp­foh­len. Der oben ver­linkte Pre­so­nus ist im Preis-/Leistungsverhältnis beacht­lich. Wenn man den HD-600 oder den HD-265 linear an den Mini-Klinkenanschluss des Mac­Books anschließt, dann ist es wie ein sehr anstän­di­ger Laut­spre­cher. Mit einem guten Kopf­hö­rer­ver­stär­ker kann man aber deut­lich näher an den Live-Eindruck herankommen.

Stax Ver­stär­ker SRM-1/Mk-2 Pro (mit 1 x 230 V und 1 x 580 V Polarisationsspannung)

Die Elek­tro­sta­ten sind eine Welt für sich, auf jeden Fall anders. Nicht unbe­dingt an sich bes­ser. Eine ver­blüf­fende Eigen­schaft ist, dass die »Feder­stei­fig­keit« der Mem­bran dyna­mi­scher Töner (ob im Laut­spre­cher oder im Kopf­hö­rer) lei­der nicht linear ver­läuft: Wenn der Töner aus der Null­lage schwingt, steigt seine »Härte«. Die als »lineare Feder« gedachte Mem­bran (=Tauch­spule) ist eben lei­der nicht so linear wie in der Theo­rie gedacht. Hör­bar wird das etwa bei den Ein– und Aus­schwing­vor­gän­gen etwa ste­hen­der Kla­vier­ak­korde mit gedrück­tem Pedal. Die klin­gen im Elek­tro­sta­ten deut­lich »ech­ter«. — Ich liebe meine Jeck­lins. Der Stax ist ziem­lich anstren­gend: Wenn da Auf­nah­men nicht 100 % gut gemacht sind, wird es schnell uner­träg­lich. Aber: Als quasi akus­ti­sches Mikro­skop sind die uner­setz­lich. Die Jeck­lins aber sind völ­lig unan­ge­strengt nutz­bar, klin­gen ein­fach »wie live«. — Und noch ein­mal: Wenn jemand nicht weiß, was er braucht, aber weiß, dass er akus­tisch anspruchs­voll ist, dann sind die Senn­hei­ser HD-600 eine sehr gute Wahl, mit der man lange sehr zufrie­den seien kann.

substantieller Glaube — gibt es auch anderen?

Wenn das, was jemand glaubt, sub­stan­zi­ell ist, dann ist eine wesent­lich und untrenn­bar mit dem ver­bun­den, des­sen Sub­stanz es ist. Etwas Christ, das ist, wie etwas schwan­ger völ­li­ger Unfug. In der anti­ken und mit­tel­al­ter­li­chen Phi­lo­so­phie wird, das wer­den die meis­ten Sudelweb-Lesenden sicher wis­sen, unter­schie­den zwi­schen Sub­stanz und Akzi­denz. Etwas, das auch weg­ge­las­sen wer­den kann, ist ein Akzi­denz, so seit Aris­to­te­les. Sicher, inzwi­schen gab es den ligu­is­tic turn und inzwi­schen leben wir in der so genann­ten Post­mo­derne. Dazu spä­ter mehr.

Wenn es also (erst­mal klas­sisch beschrie­ben) so ist, dass Christ-Sein sub­stan­zi­ell ist, dann kann man es nicht aus­blen­den, wenn es um die Steu­er­er­klä­rung geht oder um die Zeit­ge­stal­tung. Die zeit­li­chen Prio­ri­tä­ten­set­zun­gen unter christ­li­chen Fuß­ball­fans weist eher dar­auf hin, dass fast alles eher sub­stan­zi­ell ist als Gott und die Bezie­hungs­pflege zu ihm.

Ich skiz­ziere mal einen ganz nor­ma­len Fall: Da gibt es Men­schen, die sonn­tags Lob­preis­mu­sik schät­zen und Ange­bote für Kin­der durch die Gemeinde für ele­men­tar hal­ten. Am Diens­tag aber gibt es im Brot­be­ruf ebenso wenig die Frage »what would Jesus do?« wie bei der Aus­wahl von Finanz­pro­duk­ten. Klar, wer fremd geht, muss sich in from­men Krei­sen schief anse­hen las­sen. — Aber: Das lässt sich aus­hal­ten, wie es scheint.

Anders gesagt: Diese Hal­tung christ­li­chen Zwie­den­kens spricht eher dafür, von akzi­den­ti­el­lem Chris­ten­tum zu spre­chen. Es ist wie ein Hobby, dem man nach­geht, aber eben bloß ein– oder zwei­mal wöchent­lich. Andere jog­gen. Man könnte es auch durch einen ande­ren »Zeit­ver­treib« substituieren.

Mir scheint man­ches an Fra­gen, wie Gemeinde seien sollte, was not­wen­dig, erfor­der­lich, hin­rei­chend sei, viel­fach daran aus­ge­rich­tet, ob es sich um eine Inter­es­sen­ge­mein­schaft han­delt, so etwas, wie einen Sport­ver­ein. Man hört gerne erbau­li­che Pre­dig­ten, hin und wie­der auch mal eine ermah­nende. Zu Weih­nach­ten mal ein paar Lie­der träl­lern. Aber bitte nicht zu viel, bitte nicht extrem! Bloß nicht fana­tisch wer­den. Wohin das führt, das sieht man ja in den USA…

Lei­der sieht man das dort viel zu sel­ten. Im Bible Belt gibt es hohe Wahr­schein­lich­keit für die Todes­strafe und für kör­per­li­che Miss­hand­lung von Kin­dern und Jugend­li­chen, aber lei­der wird hier nicht wei­ter nach what would Jesus do gefragt als anderswo, wenn es etwa um die Haus­halts­po­li­tik der Staa­ten geht. Jim Wal­lis und andere im link­sevan­ge­li­ka­len Lager fra­gen What would Jesus cut? im Hin­blick auf die Haus­halts­kür­zun­gen: Wo kürzte wohl Jesus? Wo also soll­ten Chris­ten­men­schen Ein­spa­run­gen im Etat vornehmen?

Wenn es so ist, dass wir Chris­ten­men­schen, und, ja ich schließe mich selbst durch­aus ein, zwar nicht von die­ser Welt sind, wohl aber in ihr, dann soll­ten wir, so finde ich, ent­spre­chend zu leben uns bemü­hen. Ich for­dere hier kei­nes­falls irgend­wel­che reli­giö­sen Übun­gen oder gar eine kon­ser­va­tive, C-parteiliche Hal­tung. Aber: Wenn es so ist, dass wir Got­tes Fuß­volk sind, dann sind wir dazu da, dass durch uns andere etwas von dem erfah­ren, was das Evan­ge­lium aus­macht. Das geht aber nicht in Got­tes­diens­ten, christ­li­cher Musik, son­dern vor allem in den Kon­tak­ten, die jeder von uns hat. In der Schule, Uni, Arbeit, im Ver­ein, in der Nach­bar­schaft und eben auch im Finanz­amt, wenn nötig. Und ich meine nicht, dass es quasi all­ge­meine Chris­ten­pflicht wer­den solle, die heid­ni­sche Umwelt mit from­men Trak­ta­ten zu trak­tie­ren, son­dern dass es dran ist, end­lich das zu leben, was wir sagen, dass es uns aus­macht: Dass wir end­lich sub­stan­zi­elle Chris­ten sind und werden.

Nicht dass ich es schon ergrif­fen hätte, ich jage ihm aber nach. — Und ich betone, dass unsere Zeit in vie­ler Hin­sicht die Dinge erleich­tert. Ver­fol­gung droht uns hier nicht in dem Maße wie in der frü­hen Chris­ten­heit unter Nero. Ande­rer­seits macht die oben erwähnte Post­mo­derne es nicht ein­fach: Es gibt — viel­leicht anders als frü­her — eben nicht den einen Weg, son­dern es gibt eine Viel­zahl von Mög­lich­kei­ten. Auch als Chris­ten­mensch. Nur um einem mög­li­chen Miss­ver­ständ­nis vor­zu­beu­gen: Chris­ten kom­men in vie­len, ja ver­mut­lich in (fast) allen Kir­chen vor, jedoch ist es kei­nes­falls so, dass alle, die in Kir­chen Mit­glied wären oder hin­gin­gen, des­halb als Chris­ten, also Nach­fol­ge­rIn­nen Christi, betrach­tet wer­den sollten.

Wenn ich also bit­ten darf: Mehr Sub­stanz, bitte…

Halbinsel Holnis (Ostsee) mit Flexbody

Far North Germany - Holnis.

Halb­in­sel Hol­nis (Ost­see) mit Has­selb­lad Flex­body und 1:3.5/60

Vor Jah­ren habe ich mit mei­ner Schwes­ter und einem befreun­de­ten Paar mit klei­nem Kind Urlaub in Schleswig-Holsteins Halb­in­sel Hol­nis gemacht. Wir waren mit einem Auto unter­wegs und ich bin viel durch die Natur gelau­fen, um zu pho­to­gra­phie­ren. Getreu Ansel Adams Aus­spruch: »Die beste Kamera ist die schwerste, die ich tra­gen kann« hatte ich nicht bedacht, dass ich zu Fuß unter­wegs seien würde.

Ein Man­frotto 055 Sta­tiv mit ent­spre­chen­dem Kugel­kopf trug ich im Köcher über der einen Schul­ter, den Rimowa-Koffer (was­ser­dicht, schwimm­fä­hig, aber nicht gerade leicht) mit Flex­body und 500C-Gehäuse samt eini­gen Film­ma­ga­zi­nen und drei Objek­ti­ven über der ande­ren. Um den Hals bau­melte mein Spot­me­ter. Ich schätze bald zwan­zig Kilo­gramm Balast. Einige Bil­der aber ent­stan­den in den Zei­ten, wo es nicht um gemein­same Mahl­zei­ten und nötige Erho­lungs­pau­sen ging.

Ein Vor­zug beim Flex­body ist, dass man — quasi wie bei einer Fach­ka­mera — durch Nei­gen von Objek­tiv rela­tiv zum Film die Lage der Schär­fe­ne­bene beein­flus­sen kann. Beim Bild oben konnte ich so von 20 cm bis unend­lich Schärfe erzeu­gen, ohne über­mä­ßig abblen­den zu müs­sen, was ja die Bild­qua­li­tät (der Beu­gung wegen) nicht gestei­gert hätte.

Küsters Hof am 15. Januar 2012, ein Gottesdienst mit Predigt von G.W.

Wunstorf ist ja nicht so weit, da kann ich ja mal hin­fah­ren, um einen Freund aus der Gemeinde pre­di­gen zu hören, dachte ich mir. 45 km sind es nach mei­nem Navi­ga­ti­ons­ge­rät. Am Don­ners­tag zuvor hatte ich die Stre­cke bereits zurück gelegt, wollte eigent­lich zur Bibel­ar­beit, die aber aus­fiel: Die Wunstor­fer wuss­ten das dank Info-email, bloß hatte wohl nie­mand erwar­tet, dass jemand aus Han­no­ver kom­men könne.

Ich bin ja uner­müd­lich und frus­tra­ti­ons­re­sis­tent. Jeden­falls fuhr ich am Sonn­tag früh wie­der hin, dies­mal zu Küs­ters Hof, einer »Event­kneipe«, deren Saal für die Got­tes­dienste bei Bedarf ange­mie­tet wird. In Wunstorf und drum herum gibt es viele Fam­lien, viele kleine Kin­der. Jeden­falls beginnt der Got­tes­dienst dort erst um 11 Uhr. Das bringt mei­nen Sonn­tags­rhyth­mus etwas durch­ein­an­der. Ich fuhr wie üblich und nutzte einen der McD-Kaffee-Coupons, um bei einer ermä­ßig­ten Kaf­fee­spe­zia­li­tät den Sonn­tag zu begin­nen. Mit Heft, Füll­fe­der­hal­ter und Kaf­fee ist das durch­aus eine schöp­fe­ri­sche Phase guter Ideen geworden.

G.W. ist nicht allein als Laie hin-und-wieder mit Pre­dig­ten befasst. Für ihn ist es gewöhn­lich, den Men­schen den Kopf zu waschen und eine ent­spre­chende Pre­digt hatte ich nicht aus­ge­schlos­sen. Schließ­lich ist er Haar– und Kopf­haut­pfle­ger (Fri­seur­meis­ter) und nutze sei­nen Salon durch­aus mis­sio­na­risch: »Fri­seure müs­sen, wenn sie sei­fen, reden…« Anders als bei Käs­t­ners »Guido Stich« ist das bei G. weni­ger natio­nal, dafür eher christlich…

Die Pre­digt rich­tete sich — und das ist auch in mei­ner Gemeinde nicht das Übli­che — bewusst an die »noch-nicht-Christen«. Um Reli­gion ging es, was das eigent­lich sei. Man höre ja stets von Reli­gi­ons­frei­heit. Hier dürfe man glau­ben, Gemein­den grün­den, drü­ber reden. Das sei ja nicht über­all so. In man­chen Gegen­den emp­fehle es sich, erst­mal zu schauen, ob ein Spreng­satz unter der Kir­chen­bank depo­niert sei. Oder wer mal ver­sucht habe, in der Tür­kei eine Kir­che zu bauen… Bei uns gehe das so weit, dass beken­nende Athe­is­ten ein­räu­men: »Gott-sei-Dank ist das Wet­ter heute bes­ser…« Wei­ter­le­sen

Adenosintriphosphat und Kleinkindarzttermine

Zwei-Wort-Satz: Ade­nos­in­tri­phos­phat protoniert

Ade­nos­in­tri­phos­phat ist unmit­tel­bar ver­füg­bare Ener­gie für den Stoff­wech­sel. Eigent­lich ein sim­ples Mole­kül, aber eines, an des­sen Namen man­cher Leser scheitert.

Meine Schwes­ter gebraucht die­ses Wort als Bei­spiel für ein mei­nem Nef­fen bei­zu­brin­gen­des Lemma für des­sen dem­nächst anste­hen­den Kin­den­arzt­ter­min kurz vor dem zwei­ten Geburts­tags. Bis dahin sol­len kleine Kin­der ja so genannte Zwei-Wort-Sätze zu bil­den in der Lage sein.

Das alles im Rah­men der Ermitt­lung, wie weit der indi­vi­du­elle Ent­wick­lungs­stand der Norm ent­spricht, hin­ter ihr zurück bleibt oder aber diese über­trifft. Zwei-Wort-Sätze  wie »Mar­tin — Hand« oder »Baum — bumm« als der Weih­nachts­baum umfiel, das kann ja jeder. Ich fand, dass sinn­volle Lem­mata wie »Einkommensteuer-Rückerstattung« zu trai­nie­ren wären, damit der ent­spre­chende Kin­der­arzt ein­mal etwas außer­ge­wöhn­li­ches zu hören bekomme. Meine Schwes­ter aber, wie es sich für eine anstän­dige Natur­wis­sen­schaft­le­rin gehört, fin­det, dass Ade­nos­in­tri­phos­phat ein bes­ser geeig­ne­ter Begriff wäre, wenn man den Arzt beein­dru­cken wolle.

Neffe Mar­tin packt ein »Kin­der­buch« aus.

Was eigent­lich, wenn man das nicht so spie­le­risch ange­hen kann, weil ein­fach die För­de­rung nicht passt oder die indi­vi­du­el­len Mög­lich­kei­ten keine ent­spre­chend schnelle Ent­wick­lung ermög­li­chen? Ich weiß es nicht, werde aber gele­gent­lich mal eine Freun­din fra­gen, die sich mit so etwas auskennt.

Das Kin­der­buch übri­gens, das Mar­tin hier aus­packt, ist eher für mich als für ihn. Kein Wun­der: Bis­her sind ja die beson­de­ren För­der­be­rei­che vor­ran­gig im Ein­kom­men­steu­er­recht und in der Bio­che­mie defi­niert. Bei mei­ner Schwes­ter kann ich, fürchte ich, mit neu­tes­ta­ment­li­cher Theo­lo­gie weni­ger lan­den. — Aber das kommt noch. Mar­tin kann und muss ja noch eini­ges ler­nen. Dann gibt es auch für die ent­spre­chen­den Ärzte eine Menge an Neu­ig­kei­ten zu ent­de­cken. Wie etwa wäre Mozarts »musi­ka­li­sche Ent­wick­lung« mit vier Jah­ren von einem ent­spre­chen­dem Vor­schul­arzt beur­teilt worden?

Karfreitag in Duisburg — ein Moscheebesuch…

Duisburg, Mosque

Moschee, Duis­burg am Karfreitag

Am Kar­frei­tag war ich — ich schrieb drü­ber — in Duis­burg. Erst in einem Got­tes­dienst in der ev.-meth. Gemeinde. Anschlie­ßend wollte ich in den Land­schafts­park Duis­burg Nord/Emscher. Und erstaun­li­cher­weise gibt es zwei Emscher­stra­ßen in Duis­burg. Ohne rich­tig hin­zu­se­hen, habe ich die fal­sche aus­ge­wählt und mein Navi­ga­ti­ons­ge­rät führte mich in die völ­lig fal­sche Gegend. Aber immer­hin kam ich an die­ser Moschee vor­bei, die ein­drucks­voll an der Straße stand.

Auch war gerade Gemein­de­fest — für meh­rere Tage. Am Kar­frei­tag ange­mes­sen zurück­hal­tend. Ein Herr sprach mich an, als ich vom Park­platz gegen­über pho­to­gra­phierte, er lud mich ein. Ich wusch die Beine des Sta­tivs und stellte meine Schuhe in ein Regal an der Tür, es ist ja nicht mein ers­ter Besuch in einer Moschee. Es war etwa 11:30 Uhr vor­mit­tags, also noch etwa zwei­ein­halb Stun­den bis zum Freitagsgebet.

Ein herr­li­cher Sakral­raum. Vie­len Dank für die Ein­la­dung. — Ich wün­sche die­ser und allen ande­ren Gemein­den hier im Lande eine geseg­nete Zeit — und dachte mir, Weih­nach­ten wäre ein guter Ter­min, das Oster­bild zu ver­öf­fent­li­chen. Es braucht mehr Wis­sen von­ein­an­der, mehr Chris­ten, die Moscheen besu­chen, den Koran lesen, etwas ara­bisch ler­nen, mehr gute Nach­bar­schaft und gemein­sa­mes Fei­ern. Und das gilt auch für Juden und viele andere Gemein­den, die es hier­zu­lande gibt. Das Fest in Duis­burg war ein guter Anlass. Für mich war der Besuch ein Stück des The­mas von Karfreitag.

Im Ver­gleich zur klei­nen ev.-meth. Kapelle, die nach dem zwei­ten Welt­krieg aus den USA gespen­det wor­den war, ist diese Moschee wirk­lich ein­drucks­voll. Offen­bar muss es den Gemein­de­glie­dern in grö­ße­rem Maße ein Anlie­gen sein, einen pas­sen­den Gebets­raum vorzuhalten.

Ganz ohne Neid: Ein fei­nes, ein­drucks­vol­les Gebäude, das zum Beten ein­lädt. Vie­len Dank für die Gastfreundschaft.

Musik muss bewegen. »Dirty Loops«

Ger­rit war’s, der Sän­ger (und Schellenkranz-Schüttler) von Q-Bic, der mich im Inter­net auf Dirty Loops aus Schwe­den hin­wies. Das war vor rund einem hal­ben Jahr. Immer­hin gehörte ich noch zu den ers­ten 100, die deren Stü­cke frei her­un­ter­lu­den. Was machen nun eigent­lich Dirty Loops? Das sind drei Schwe­den, die offen­bar Spaß an der Musik haben, die sie machen.

Wenn ich etwas beim Dua­len Sys­tem Deutsch­land (DSD) zu sagen hätte, dann ver­pflich­tete ich Dirty Loops, weil sie aus musi­ka­li­schen Rest­stof­fen, eigent­lich aus »Müll«, hin­rei­ßende Musik zu machen wis­sen. Bei­spiel gefäl­lig? Jus­tin Bie­ber ist Teenie-Idol und Mütter-Ikone, und ich hoffe, dass er sich in mehr­fa­cher Hin­sicht davor zu schüt­zen wis­sen möge, wie Herr Wes­ter­welle einst Schwie­ger­mut­ters Lieb­ling zu wer­den. Habe mir (mit meh­re­ren Hin­wei­sen, dass die­ses Stück in Deutsch­land lei­der nicht erreich­bar sei) jeden­falls Jus­tin Bie­bers »Baby« ange­hört. Ein Stück, des­sen die Welt m.E. nicht bedarf. — Doch »de gus­ti­bus non est dis­putan­dum«, daher, weil sich also über Geschmack zu strei­ten nicht lohnt, hier die Ver­sion, die seit heute 18 Uhr von Dirty Loops online gestellt wurde.

Wer mehr braucht, möge sich Brit­ney Spears’ erin­nern, die ja nicht zuletzt wegen ihrer beson­ders geist­freier The­sen zur Todes­strafe auf­ge­fal­len ist. Jedoch ist viel in ihrer Musik auch gewöhn­lich eher schnell­le­bi­ger Wohl­stands­ab­fall. Und auch hier wis­sen die schwe­di­schen Recycling-Fachleute eine Lösung, wie aus Alt­stof­fen wie­der sinn­volle Lösun­gen für den All­tag werden: Hier näm­lich gibt es die nach­hal­tig auf­ge­ar­bei­tete Fas­sung von Spears »Cir­cus«.

Wenn das nicht die rich­tige Musik ist für einen Win­ter­abend, an dem die Fin­ger und die Zähne laut­stark an– und auf­ein­an­der zu klap­pern dro­hen, dann weiß ich auch nicht.

Danke, Ger­rit, das war ein aus­ge­zeich­ne­ter Hinweis.

Vor einem Jahr

(auf die Minute) erhielt ich eine email von einem Freund, dem ich Anfang Dezem­ber (2010) zu sei­nem Geburts­tag geschrie­ben hatte. — Ich bedauere zutiefst, dass er den Kon­takt abge­bro­chen hat. Selbst­ver­ständ­lich habe ich kei­nen Kon­takt gesucht, aber es wäre mir eine rie­sige Freude, wenn er sich wie­der mal meldete…

Hier die mail:

»frank weber, ich wün­sche keine briefe mehr von dir zu erhal­ten und, dass du mich aus allen adress­bü­chern oder elek­tro­scheiße löschst. ich möchte nicht mit dir in ver­bin­dung gebracht werden.«

Ebenso wenig wie man jeman­den aus sei­ner Geschichte oder Erin­ne­rung löschen kann, habe ich dem Wunsch nach­ge­ge­ben, ihn »irgend­wie« zu löschen. Aber ich war über die Maßen getrof­fen. Dies war in die­ser Hin­sicht eine Erst­auf­füh­rung. Mir wäre es eine Ehre und ein Ver­gnü­gen, da wei­ter­zu­ma­chen, wo wir mal waren — oder aber ganz neu anzufangen.

früher bedeutete »liberal« mal freiheitlich…

der­zeit jedoch — und das schon seit Jahr­zehn­ten — bedeu­tet es eine Spaß­par­tei für Bes­ser­ver­die­nende, die sich gege­be­nen­falls selbst zum Flug­blatt machen. Statt die Bürger/innen/rechte zu schüt­zen, ins­be­son­dere auch die der infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mung, der pri­va­ten Inan­spruch­nahme von Urhe­ben­den­rech­ten usw., senkte man den Mehr­wert­steu­er­satz auf Hotelübernachtungen.

Anders gesagt: Dass der FDP ein Gene­ral­se­kre­tär von der Fahne ging, finde ich nach dem Sand­kas­ten­re­gi­ment der der­zei­ti­gen Füh­ren­den­riege wenig ver­wun­der­lich. Gerade dann, wenn stimmt, was alle Welt sagt, dass Herr Lind­ner cle­ver sei, dann ist es ver­wun­der­lich, dass andere nicht das Weite suchen.

An ande­rer Stelle im Inter­net las ich von der typi­schen Rat­ten­me­ta­pher, dass diese näm­lich das sin­kende Schiff ver­lie­ßen. Mich erin­nert es eher an Ger­hart Haupt­manns gleich­na­mi­ges Werk: Dort geht es um Neid, Intrige, soziale Not und Besitz­stands­wah­rung — fast wie in der FDP.

Dass nun, nach­dem einer seine Tätig­keit ver­la­gert, alle Welt ihn schilt, das kenne ich aus eige­ner Erfah­rung von vor knapp einem Jahr. — »Unver­ant­wort­lich.« — »Doch nicht zu die­sem Zeit­punkt…« usw. In der Regel schätze ich, dass eini­ger­ma­ßen auf­ge­weckte und wenig affekt­ge­lei­tete Men­schen sich gut über­le­gen, wenn sie etwas ver­än­dern, etwa ein Tätig­keits­feld. Dass das nie ohne »Schä­den« geht, gerade für die Kol­le­gen, ist klar. Jedoch ist ja das Wesen sol­cher Ent­schei­dun­gen, uner­träg­li­che oder unef­fek­tive Rah­men­be­digun­gen, die man nicht ver­än­dern kann, zurück­zu­las­sen, um an ande­rer Stelle die eige­nen Gaben und Bega­bun­gen bes­ser ein­brin­gen zu können.

In die­ser Hin­sicht wün­sche ich Herrn Lind­ner, dass sich ein ent­spre­chend pas­sen­der Platz für ihn bald fin­den möge. — Viel­leicht haben ja andere, auf­stre­bende Par­teien Ver­wen­dung für einen gewe­se­nen FDP-Generalsekretär?

Aus den Lecker Lyrik Chroniken zu St. Martin-Anderten…

Aus den Lecker Lyrik Chro­ni­ken zu St. Martin-Anderten…

Kol­lek­tiv Lindenstraße

zum 8. Okto­ber 2011

Sams­tag, 10 Uhr, Gemein­de­haus St. Mar­tin: Das Küchen­team — teils noch nicht, teils noch immer wach — tritt an zur Instruk­tion. Der Dia­kon ver­weist auf Spar­maß­nah­men: Bitte preis­wert ein­kau­fen, die Finanz­lage ist ange­spannt wie nie usw. … — Das Ser­vier­team stop­pelt seit acht Uhr früh Kar­tof­feln auf den abge­ern­te­ten Äckern am Kronsberg.

Das Küchen­team beschäf­tigt sich zuerst unter Andreas Anlei­tung mit dem Krat­zen dreier Säcke Fut­ter­rü­ben — Auf­schrift: »für Schwei­ne­mast oder Bun­des­wehr«, da das kuli­na­ri­sche Motto bei die­ser Lecker Lyrik »…rund um die Möhre« lau­tet. Nur böse Zun­gen behaup­ten, dass eigent­lich die Klein­na­ger (Meer­schweine und Zwerg­ha­sen) bei Michael und Kat­rin gemäs­tet wer­den sol­len.  Wei­ter­le­sen

fixe Fahrlehrer auf dem Weg zum Fast Food


Grö­ßere Kartenansicht

heute fuhr ich in der Mit­tags­pause hin­ter eini­gen Fahrschul-PKW, die sämt­lich vom Park­platz des Fahr­leh­rer­ver­bands Nie­der­sach­sen kamen: Der liegt direkt mei­ner Arbeits­stätte gegen­über. Ich war unter­wegs zu eini­gen Ein­käu­fen auf der Karls­ru­her Straße und fuhr dann über die Kreu­zung Krons­ber­ger Straße in Rich­tung Han­no­ver. Hin­ter der frü­he­ren »Feu­er­wa­che« ist eine Filiale der fast food Kette McDonald’s gele­gen. Allein: Man darf nicht auf den McD-Parkplatz abbie­gen, denn da ist eine Sperr­flä­che und etwas spä­ter eine durch­ge­zo­gene Linie. Etwa ein­hun­dert Meter wei­ter darf man, denn dort ist die Linie dann nicht mehr durch­ge­zo­gen, auf den Park­platz der Esso-Tankstelle kann man fahren.

slow food im Kunst­mu­seum Wolfsburg

Unmit­tel­bar vor mir fuh­ren jeden­falls vier Fahrschul-PKW über die durch­ge­zo­gene Linie auf den Mc-D.-Parkplatz. — Ich war ver­blüfft und fuhr mei­nes Weges. Alle Tiere sind gleich, nur man­che sind glei­cher (Farm der Tiere) bzw. »quod licet iovi non licet bovi« (»Was Jupi­ter darf, das darf der Ochs noch lange nicht…«)

Aber was soll es, wenn man Internet-Verhinderer, die immer­hin copy & paste beherr­schen, zu EU-Internet-Beratern macht, warum dann nicht Fahr­leh­rer als »Ver­kehrs­sün­der« bzw. als abschre­ckende Bei­spiele. Fehlt eigent­lich bloß noch, dass Robert Mugabe zum UN-Menschenrechtsbeauftragten ernannt wird…

Mehr wäre viel­leicht auch zu viel erwar­tet. Tra­gisch finde ich, dass vier PKW bestä­ti­gen, dass der Geschmack nie­der­säch­si­scher Fahr­leh­ren­der mit dem fast food von Mc.-D. kom­pa­ti­bel sind. Gegen­bei­spiel gefäl­lig? Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag war ich in Wolfs­burg im Kunst­mu­seum, um die Henri Cartier-Bresson Aus­stel­lung anzu­se­hen. Das Museum öffnete erst um 11 Uhr, so blieb Zeit, vor der Öffnung einen Cap­puc­cino im Muse­ums­re­stau­rant zu trin­ken: Und siehe da: Slow Food ist ange­sagt. Wäre doch etwas für Fahrlehrer?

Lecker Lyrik IV: »mar­zi­pa­ni­sierte Back­birne mit Prei­sel­bee­ren und Vanillesauce«

mar­zi­pa­ni­sierte Back­birne mit Prei­sel­bee­ren und Vanillesauce

  • Je Per­son eine Birne, gerne eher ein­hei­mi­sche, harte. Nicht so emp­feh­lens­wert sind Abate (aus Ita­lien) oder gar chi­ne­si­sche Bir­nen! Die Birne wird gewa­schen, nicht geschält, hal­biert und Blume, Kern­ge­häuse und Strunk wer­den ent­fernt. Die Bir­nen wer­den für ca. 20 Minu­ten bei 120–150° C bei Umluft im Ofen vor­ge­gart. Wer viele hat, kann so zahl­rei­che Ble­che (und ent­spre­chend mehr Bir­nen) vorbereiten.

Die Fül­lung wird gefer­tigt aus

  • Prei­sel­bee­ren (aus dem Glas)
  • Mar­zi­pan­roh­masse
  • Vanille bzw. Vanillin
  • Honig
  • wenig Zimt
    Die  Füll-Masse wird anstelle des Kern­ge­häu­ses in die Bir­nen gestri­chen und die Ober­seite der Bir­nen mit einer dün­nen Schicht der Masse bedeckt.

Vor dem Ser­vie­ren kom­men die Bir­nen­hälf­ten noch ein­mal bei 150° C für 15 Minu­ten in den Ofen (Umluft).

Das Rezept für die Vanil­le­sauce ist nichts neues. Die hat­ten wir schon ein­mal frü­her. Wir haben sie aus Bour­bon­va­nille, Milch, Spei­se­stärke und Zucker berei­tet. Und warm über die hal­bierte mar­zi­pa­ni­sierte Birne geben.

Brat­äp­fel kennt jeder, Back­bir­nen jedoch sind wirk­lich etwas eige­nes, sehr zu emp­feh­len. Aller­dings muss man beach­ten, dass die Bir­nen roh nicht zu geschmack­los seien soll­ten. Lie­ber etwas här­ter! Guten Appetit.

Lecker Lyrik III: »Pilz­rahm­ra­gout an Peter­si­li­en­knö­deln mit Zwetschenkompott«

Pilz­rahm­ra­gout

  • 200 g Pilze (Cham­pi­gnons) putzen
  • 1 Zwie­bel und
  • 1 Knob­lauch­zehe hacken,
  • etwas Peter­si­lie hacken
  • 2 EL Öl in einer Pfanne erhit­zen
    darin die Pilze für fünf Minu­ten anbra­ten. Dann
  • 1/2 EL But­ter, Zwie­bel, Knob­lauch dazugeben
  • Sal­zen,
  • Pfef­fern
  • mit 100 ml Weiß­wein ablöschen/einkochen (bei Lecker Lyrik nah­men wir wegen der Selbst­ver­pflich­tung zum Ver­zicht auf Alko­hol alko­hol­freien Sekt)
  • 150 ml Brühe zugeben/aufkochen.
  • 150 ml geschla­gene Sahne unter­rüh­ren, Peter­si­lie zuge­ben, abschmecken.

Peter­si­li­en­knö­del

  • 300 g alt­ba­ckene Bröt­chen (falls nicht ver­füg­bar, Weißbrot/Toastbrot mit Sem­mel­brö­seln mischen) in Schei­ben schneiden,
  • 1 Zwie­bel würfeln
  • in But­ter andünsten
  • ca. 1/2 l Milch zur Zwie­bel — erwär­men und dann über die Bröt­chen gie­ßen. Für zehn Minu­ten zie­hen lassen.
  • 1 Bund Peter­si­lie hacken, mit
  • 3 Eiern,
  • Salz, Pfef­fer, Mus­kat zur Bröt­chen­masse geben.
    Aus der Masse acht Knö­del for­men und in Salz­was­ser für 20 Minu­ten zie­hen lassen.

Zwet­schen­kom­pott

  • 500 g Pflau­men (bes­ser, wenn zu haben: Zwet­schen), kleinschneiden
  • 150 ml Frucht­saft (Traube oder Kirsche)
  • 1 Mes­ser­spitze gemah­lene Nelken
  • 3 EL Zucker
    auf­ko­chen, für fünf Minu­ten lang köcheln lassen.
  • 1 TL Spei­se­stärke mit 1 EL Was­ser ver­rüh­ren, hin­zu­ge­ben, auf­ko­chen, für 1 Minute köcheln las­sen, vom Herd neh­men, aus­küh­len lassen.

Bei Lecker Lyrik haben wir zwei kleine Knö­del je Per­son mit einer Kelle Pilz­rahm­ra­gout und einem Ess­löf­fel vol­ler Pflau­men­kom­potts ange­rich­tet. Die Knö­del machen jedoch erstaun­lich satt. Wenn dies aber einer von vier Gän­gen ist, dann sind zwei Knö­del zu viel.

Lecker Lyrik II: »Stat­lers herbst­li­cher Rotkohlsalat«

Stat­lers herbst­li­cher Rotkohlsalat

  • 250 g Rot­kohl
    put­zen, Strunk her­aus­schnei­den, in 2 mm breite Strei­fen schnei­den, leicht sal­zen, stamp­fen (oder mit Küchen­ma­schine zerkleinern)
  • 100 g Knol­len­sel­le­rie
    fein ras­peln, zum Kohl geben.
  • 4 TL Zitro­nen­saft
  • 100 g Joghurt
  • 1 EL Öl
  • Salz, Pfef­fer
    ver­rüh­ren und mit den übri­gen Zuta­ten vermischen
  • 1 Apfel
    in kleine Stück­chen schnei­den, zugeben
  • 10 halbe Wal­nüsse
    dazu geben, vor­aus­ge­setzt nie­mand ist gegen die Nüsse allergisch.

Alles etwa eine halbe Stunde lang durch­zie­hen lassen.

Bei Lecker Lyrik war unser Inter­esse, die Spei­sen sehr »klas­sisch« zu hal­ten.  Daher kein Curry, keine exo­ti­schen Kom­po­nen­ten, nur Salz, Pfef­fer, Joghurt… Aber: Ohne Apfel wäre es zu klas­sisch, zu wenig pep­pig. Und bei den Men­gen (für ca. 100 Per­so­nen) bei Lecker Lyrik war eine Küchen­ma­schine uner­setz­lich. War so schon Grenz­wer­tig, 15 kg Rot­kohl kleinzumachen…

Lecker Lyrik Rezept I: Rah­mige Zuc­chi­ni­suppe mit haus­ge­mach­tem Vollkornbrot

Rah­mige Zucchinisuppe:

  • 300 g Kar­tof­feln
  • 300 g Zuc­chini
  • 2 mit­tel­große Zwiebeln
  • 180 g Schlag­sahne
  • 1 l Gemüsebrühe
  • Salz, Pfef­fer, Mus­kat, Curry
Kar­tof­feln, Zuc­chini und Zwie­beln in etwas Oli­venöl leicht andüns­ten, mit Gemü­se­brühe auf­gie­ßen und ca. 15 Min. lang kochen las­sen. Sahne ein­rüh­ren und alles mit dem Mix­stab pürie­ren, nach Geschmack würzen.
Das Voll­korn­brot haben wir aus unter­schied­li­chen Meh­len (Voll­korn­meh­len), mit Hafer­flo­cken und Sesam mit Hefe, Salz, Was­ser, Garam Mas­ala und etwas Oli­venöl geba­cken. Ein­fa­cher Hefe­teig. Schwie­rig ist es, das Brot auf warm zu ser­vie­ren und den­noch in Schei­ben schnei­den zu kön­nen (war­mes Brot reißt und bricht leicht, ist aber nicht ein­fach zu schneiden).

Koch-»Wettkämpfe« und Lust an guten Speisen

Kochen ist offen­bar so ver­traut, dass ähnlich wie Liebe oder Hass, alle gewisse Anknüp­fungs­punkte im je eige­nen Leben fin­den kön­nen. Ande­rer­seits: Es muss schon etwas beson­de­res sein. Niedrigtemperatur-gegart, unge­wohnte Kom­bi­na­tio­nen und wenn das nicht reicht, dann kochen Pro­mi­nente um die Wette.

Mich ver­wun­dert, dass par­al­lel dazu, dass das Zube­rei­ten von Spei­sen in den Fami­lien immer weni­ger üblich wird, zumin­dest, wenn man das Erhit­zen einer Fer­tig­pizza nicht mit­rech­net oder das »Kochen« von Fer­tig­pü­ree, die Leute im Fern­se­hen immer aus­ge­fal­le­ner ihre Gerichte auf­b­re­zeln müssen.

Ich brau­che eigent­lich nur ein paar guter Toma­ten oder einen Roma­nesco, und schon habe ich Spaß an der Zube­rei­tung und auch am Essen anschlie­ßend. Ein gutes Brot lässt mich strah­len — und das ist keine bil­lige Anspie­lung auf Japan… Nach einer Woche außer­halb deut­scher Brot­kul­tur merke ich, was vie­ler­orts fehlt. Klar, ich kann auch anders und mit den jewei­li­gen loka­len Kul­tu­ren gut leben. Aber: So wie ich das Licht in Nie­der­sach­sen schätze, so mag ich auch ein anstän­di­ges Brot!

Mir scheint, dass es für mehr gute Küche weni­ger über­flüs­sige Koch­bü­cher oder Koch­shows braucht als viel­mehr mehr gemein­sa­mes Kochen und Essen. Lecker Lyrik ist (auch) aus die­sem Ansatz her­aus ent­stan­den. Wer mal eine gute Suppe gekocht hat, dem kann Magg* und Co. nicht vor­gau­keln, dass es genüge, ein Tüt­chen Pul­vers in war­mes Was­ser zu rüh­ren. Dass es auch andere Geschmacks­trä­ger gibt als Glut­amate, Salz, Zucker und scharf, das merkt, wer einen guten Obst– und Gemü­se­händ­ler, einen inter­es­sier­ten Bio­flei­scher und eine anstän­dige Bäcke­rei kennt und die Lie­fe­ran­ten sich zu nutze macht.

In den nächs­ten Tagen wer­den die Rezepte der Lecker Lyrik Spei­sen hier ver­öf­fent­licht. — Zum Nach­ko­chen, schließ­lich steht Weih­nach­ten vor der Tür.

Über Märkte, Sporttabellen und den Wissenschafts-»Betrieb«

In der Tra­di­tion mei­ner Geburtstags-Essays nutze ich heute einen wei­te­ren Brief, den ich einem Freund zum Geburts­tag geschrie­ben habe als Text im Sudel­web. — Hoch soll er leben, der A., der sich als Geis­tes­wis­sen­schaft­ler im Ber­li­ner Lite­ra­tur­wis­sen­schafts­be­trieb verdingt.

Bes­ter A.,

der Media-Markt wirbt damit, dass Weih­nach­ten unterm Baum ent­schie­den werde. Das ist — wie Du viel­leicht auf mei­nem »Sudel­web« gele­sen hast — eine Betrach­tungs­weise, der ich mich nicht anschlie­ßen mag. Über­haupt scheint mir, dass die Betrach­tung fast aller Phä­no­mene in unse­rer Gesell­schaft mit aus­ge­spro­chen weni­gen Pra­dig­ma­tata gedeu­tet wird: Eines ist das des Mark­tes (gerne für alles wirt­schaft­li­che…) ein wei­te­res ist das des sport­li­chen Wett­kamp­fes. Weih­nach­ten, wenn es unterm Baum ent­schie­den wird, ist hier einem Fuß­ball­spiel gleich­ge­setzt, das eben in der Nach­spiel­zeit oder beim Elf­me­ter­schie­ßen ent­schie­den wird.

Mir scheint, dass die Eng­füh­rung auf zwei sol­che Mus­ter nicht passt, weil dies dazu führt, dass etwa Hochschul»bildung« schnell als »Wirt­schafts­fak­tor« in der volks­wirt­schaft­li­chen Gesamt­rech­nung betrach­tet wer­den kann: Im Ver­gleich zu wel­chen OECD-Ländern ist die Bun­des­re­pu­blik mit ihrem Anteil an Aka­de­mi­kern unter den Spit­zen­plät­zen. — Du hörst es her­aus: Auch hier die Sicht eines sport­li­chen Wett­kamp­fes: In wel­chen Dis­zi­pli­nen belegt die Bun­des­re­pu­blik wie­der die vor­de­ren Plätze? In den ent­spre­chen­den ande­ren Dis­zi­pli­nen sind es dann leicht die unter »fer­ner liefen«-Positionen, und die möchte nie­mand haben! Wei­ter­le­sen

Mausoleum v. Alten im Sundern (Wilkenburg/Hemmingen)

v. Alten Mausoleum II

Mau­so­leum v. Alten — 1 s bei f/11

Mehr­fach war ich im Som­mer nach der Arbeit noch mit Kamera unter­wegs. Beson­ders habe ich mir die Gegend zwi­schen Laat­zen, Döh­ren, Wil­ken­burg ange­se­hen, bin viel an der Leine herumgestromert.

Freunde zogen nach Alt-Laatzen, und vor­her schon schätzte ich die Leinelandschaft.

Mau­so­leum v. Alten mit dem Handy. 04.08.2011

Am 4. August jeden­falls bin ich im Sun­dern spa­zie­ren­ge­gan­gen. Das gehört zu Hem­min­gen und es han­delt sich um einen frü­he­ren Lei­ne­arm, der jetzt nicht mehr direkt mit dem Fluss ver­bun­den ist, wohl aber ein Feucht­ge­biet bil­det mit Auwald und ent­spre­chen­den Mücken und — nun die Beson­der­heit — mit dem Mau­so­leum der Fami­lie von Alten. In den Napo­leo­ni­schen Krie­gen war Carl August v. Alten aktiv und wer sich aus­führ­li­cher für den frü­he­ren Staats­mann und Mili­tär inter­es­siert, der möge hier nachlesen.

Das Mau­so­leum jeden­falls steht zwi­schen Wil­ken­burg und Hem­min­gen und wurde von Laves geplant und von Stadt­bau­rat Hase voll­en­det. Nach dem 2. Welt­krieg diente es als Stein­bruch und wurde weit­ge­hend zer­stört. — Und ist in einem erbar­mungs­wür­di­gen Zustand für ein Bau­denk­mal, das ein­mal so aussah:

Die Fami­lie von Alten war für Han­no­ver und die nähere Umge­bung prä­gend, allein der von Alten­sche Gar­ten am Rande des Linde­ner Bergs ist ein herr­li­ches Nah­er­ho­lungs­ge­biet mit­ten in der Stadt, in dem gespielt wird und Eltern Kin­den­wa­gen auf den Wegen umher­schie­ben. Im Som­mer fin­det Freiluft-Jazz statt und gegrillt wird auch.

Zweiäu­gige Roll­eif­lex mit Handy aufgenommen

v. Alten Mausoleum

Mau­so­leum v. Alten »Im Sundern«

Neu­lich schrieb ich, dass ich eigent­lich erst dann hin­rei­chend genau hin­schaue, wenn ich auf die zwei­di­men­sio­nale Matt­scheibe der Kamera bli­cke.  — In der Tat stelle ich fest, dass ich es genieße, durch die Gegend zu lau­fen oder auch mit dem Rad zu fah­ren. Mit einer Sucher­ka­mera pho­to­gra­phiere ich etwas. Das geht jeweils in die Rich­tung der »Abbil­dung«. Wenn ich aber mit der Matt­scheibe arbeite, dann ist es anders: Die Flä­chen und Kon­traste erschlie­ßen sich zu bild­ge­ben­den Strukturen.

Mir geht es dann nicht mehr darum, etwas abzu­bil­den, son­dern ein Bild zu schaf­fen. Die (mut­maß­li­che) Wirk­lich­keit ist dann nur noch Roh­stoff, der spä­ter mit Hilfe von Objek­tiv und Ver­schluss in Sil­ber­häuf­chen im Film und dann — ent­we­der ana­log ver­grö­ßert oder gescannt — zu einem Bild wird.

In die­sem Sta­dium haben die Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum Motiv, wie ich sie oben gege­ben habe, allen­falls unter­hal­tende Wir­kung als »Dreingabe«.

Im Ver­gleich zu dem ruhen­den Flug­gast auf dem Brüs­se­ler Flug­ha­fen — pho­to­gra­phiert mit der Kleinbild-Messsucherkamera (mit Mess­su­cher zum Durch­bli­cken) — fällt mir die bewuss­tere Gestal­tung hier (mit Matt­schei­ben­su­cher zum Drauf­bli­cken) auf. — Geht das eigent­lich nur mir so? Oder kön­nen andere, die pho­to­gra­phie­ren, meine Beob­ach­tun­gen bestätigen?

Noch ein Gedanke zum Abschluss: Mir hilft oft ein zeit­li­cher Abstand zwi­schen der Auf­nahme und der Aus­ar­bei­tung, weil ich hier­durch die »Situa­tion« nicht mehr als so prä­gend emp­finde. Ich ver­su­che dann, wenn zwi­schen Auf­nahme und Aus­ar­bei­tung z.B. einige Monate lie­gen, ein­fach das best­mög­li­che Resul­tat aus dem Nega­tiv zu machen. Wenn ich näher dran bin, fehlt mir der Abstand. Die Aus­ar­bei­tung wird dann mög­li­cher­weise »natu­ra­lis­ti­scher«, aber nach mei­ner Ein­schät­zung nicht besser.

Weihnachten wird NICHT unterm Baum entschieden

- es sei denn, dort steht die Krippe.

Die Wer­bung, die der­zeit der Media Markt macht, geht ein­fach am Kern des Fes­tes vor­bei, denn selbst dann, wenn es aus Sicht des Ein­zel­han­dels vor allem um ein Drit­tel des Jah­res­um­sat­zes geht, den man im Weih­nachts­ge­schäft erhofft, so ist das in mehr­fa­cher Hin­sicht irre­füh­rend und eine Mit­tel, das zu Weih­nach­ten unge­fähr so viel bei­trägt, wie Alko­hol als Lösungs­mit­tel von Bezie­hungs­pro­ble­men: Ja, Alko­hol ist ein gutes Lösungs­mit­tel: Man­che Bezie­hung hat er gelöst. Man­chen Arbeits­ver­trag usw. Pro­bleme aber nie. Wei­ter­le­sen

Es geht um Vertraulichkeit und Intimität…

Heute kommt der »runde Tisch« zum Thema sexu­el­ler Kin­des­miss­brauch zu sei­nem Abschluss. Dass Geschlecht­lich­keit viel­fach mit Scham ver­bun­den ist, mit Pri­vat­heit, ist spä­tes­tens seit der Schurz­pro­duk­tion Adams und Evas nichts neues. Dass Selbst­be­stim­mung in die­sem Bereich wich­tig ist, scheint mitt­ler­weile klar. Dei Kopp­lung gerade kirch­li­cher Überg­rif­fig­keit ist ein Elend, das, nach­dem es öffent­lich ruch­bar wurde, zahl­rei­che Aus­tritte aus­ge­löst hat. Sicher nicht bei denen, die kein Heil außer­halb der römisch-katholischen Kir­che sehen, wohl aber bei sol­chen, die inner­lich längst dis­tan­ziert waren und einen Trop­fen brauch­ten, der das Fass zum über­lau­fen brachte.

Eigent­lich geht es mir um die Par­al­lele zwi­schen sexu­el­ler Selbst­be­stim­mung und infor­ma­tio­nel­ler Selbst­be­stim­mung. Dass Den­ken und Spre­chen eben nicht immer für die Öffent­lich­keit bestimmt ist — wie die­ser Blog­bei­trag — scheint denen, die da Daten-übergriffig sind, kein Frage zu sein. Der Arbeits­kreis Vor­rats­da­ten­spei­che­rung hat den »Leit­fa­den zum Daten­zu­griff« der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Mün­chen ver­öf­fent­licht. Hin­sicht­lich der staat­li­chen Überg­rif­fig­keit ist von Ver­trau­lich­keit und Inti­mi­tät nicht mehr aus­zu­ge­hen. Hier ist das pdf-Dokument. Dass auch recht­lich das Eis sehr dünn (bis nicht vor­han­den) ist, auf dem einige der Maß­nah­men fußen, lässt sich im Kom­men­tar in Rechts­an­walt Vet­ters Law­blog nach­le­sen. Ent­rüs­tet ist der AK Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Wei­ter­le­sen

Flughafen-Pause auf dem Sofa…

Having a Nap at Brussels Airport

Nicker­chen auf dem Flug­ha­fen Brüssel

Wer fliegt, muss oft auf Anschluss war­ten. Manch­mal sind es viele Stun­den. Ich saß neu­lich neben einem Herrn, der über 30 Stun­den in Flug­zeu­gen und auf Flug­hä­fen zu ver­brin­gen hatte.

Was soll man auf Flug­hä­fen tun? Einen Kaf­fee trin­ken? Ja, viel­leicht, wenn der Cap­puc­chino lächer­li­che 3,90 € kos­tet… In Brüs­sel kann man Scho­ko­lade oder Pra­li­nen kau­fen, aber selbst mit den zollfrei-Bedingungen ist das teuer. Man kann inter­na­tio­nale Zei­tun­gen ein­kau­fen und stu­die­ren. Ein Roman eig­net sich gut. Bloß stellte ich fest, dass Eco manch­mal mehr Auf­merk­sam­keit und Wach­heit erfor­dert, als ich nach kur­zer Nacht und Sit­zen in engen Flug­zeu­gen auf­zu­bie­ten in der Lage bin.

Der Herr hier macht sicher kei­nen Feh­ler, wenn er die Pause zum Schla­fen nutzt. Ob frei­lich seine Hal­tung als »ortho­pä­disch emp­feh­lens­wert« anzu­se­hen ist, das mögen füh­rende Chi­ro­prak­to­ren beur­tei­len. Ich saß in der Nähe und als ich sah, wie sich der Flug­kol­lege ein­rich­tete, griff ich nach eini­ger Zeit zur Kamera. — Ich hatte einen niedrig-empfindlichen Film ein­ge­legt, so kam ich mit dem gedämpf­ten Licht gerade so zurecht. Zu den tech­ni­schen Details habe ich bei flickr etwas geschrie­ben, ein­fach das Photo ankli­cken, wenn es interessiert.

Demo statt Konzert als Ausweg: Falkenkeller Barsinghausen gestern…

Nach­dem ich bereits län­ger kein Kon­zert von Sel­more Driveby gehört hatte, fand ich, es sei mal wie­der an der Zeit. Der Video bei Youtube spricht mich an, und auch, wenn »Post Hard­core« nicht so ganz meine Musik ist — die würde ich eher im akus­ti­schen Jazz ver­or­ten -, so ist es wun­der­bar, Über­zeu­gungs­tä­ter live zu hören, die offen­bar auch Spaß an dem haben, was sie machen.

Jeden­falls gab es über­ra­schend zwei Kon­zerte die­ser Band in der letz­ten Woche. Am Don­ners­tag konnte ich nicht, also beschloss ich, am Sams­tag nach Bar­sin­g­hau­sen in das Kon­zert zu fah­ren. Hier­für nahm ich gerne den Weg in Kauf und »Fal­ken­kel­ler« — naja, nicht unbe­dingt mein bevor­zug­ter Kon­zer­t­ort… Oft sind poli­tisch gut gemeinte Ver­an­stal­ter nicht unbe­dingt die­je­ni­gen, die die beste Akus­tik bieten.

Jeden­falls las ich von den güns­ti­gen Geträn­ke­prei­sen und der Ver­an­stal­tung hier. Was ich nicht las, war, dass das Kon­zert wegen bau­po­li­zei­li­cher Auf­la­gen nicht im Fal­ken­kel­ler statt­fin­den konnte, weil dort nur maxi­mal 15 Per­so­nen zugleich zuge­las­sen seien. — Also bean­tragte man eine Kund­ge­bung und nach Sprach­bei­trä­gen, die ins­be­son­dere auch die Anschläge von poli­tisch rech­ter Seite auf den Fal­ken­kel­ler erwähn­ten. Die Spre­cher emp­fan­den auch die bau­po­li­zei­li­chen Auf­la­gen bzw. Anord­nun­gen als Schi­kane und baten um Soli­da­ri­tät. Nach­dem es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit poli­tisch Rechts­ge­sinn­ten gekom­men war, wohl mit Ver­letz­ten, fand die Kund­ge­bung mit Poli­zei­schutz statt. Wei­ter­le­sen

heiliges Adventsschmücken

Die Ansage im letz­ten Got­tes­dienst war bemer­kens­wert: Heute, Sams­tag vor dem 1. Advent, um 15 Uhr: Kaf­fee­trin­ken und »hei­li­ges Advents­schmü­cken«. Allein der Aus­druck war so abge­fah­ren und zugleich ele­gant, dass ich sofort gekom­men wäre. Ich hatte aber vor­her schon zuge­sagt. Sie­ben oder acht Leute kamen zusam­men, und schmück­ten unter fach­kun­di­ger Anlei­tung einer Schmü­ck­er­fah­re­nen. Allein drei Män­ner, die sich mit dem Zusam­men­bau eines Herrenhuter-Sterns befass­ten. In der größ­ten Aus­gabe ist die­ser Stern an Kom­ple­xi­tät mit einem Ikea-Kleiderschrank der Pax-Reihe ver­gleich­bar. Sie schaff­ten es, und muss­ten erst­mal Wagenrad-große Kränze auf­zu­hän­gen. Auf Lei­tern bis unter die Kirchendecke.

Fühlte mich an den Haus­putz beim Maul­wurf im »Wind in den Wei­den« erinnert:

»The Mole had been working very hard all the morning, […] First with brooms, then with dus­ters; then on lad­ders and steps and chairs, with a brush a pail of whi­te­wash; till he had dust in his throat and eyes, and splas­hes of whi­te­wash all over his black fur, and an aching back and weary arms.« (Ken­neth Gra­hame, The Wind in the Wil­lows, muss lei­der die eng­li­sche Aus­gabe zitie­ren, da die Über­set­zer urhe­ber­recht­lich nicht hin­rei­chend lange ver­stor­ben sind…)

Kurz: Es war ein fei­nes Mit­ein­an­der und ein vor­ad­vent­li­ches Ereig­nis. Danke, Kol­le­gen, es war mir ein Ver­gnü­gen. — Ein­schließ­lich Kaf­fee und Apfel­stru­del in der Pause. Am Ende war es über­aus adventlich.

über Gottesdienste und Werkstätten…

Gute Got­tes­dienste sind mei­ner Mei­nung sol­che, in denen Gott und Mensch in Kon­takt gera­ten. Sol­che Got­tes­dienste weiß ich sehr zu schät­zen. Ja, ich bin ein Kirch­gän­ger, und zwar aus dem Grund, dass ich in Got­tes­diens­ten immer wie­der Gott auf die Spur zu kom­men meine.

Musik, fest­ste­hende Stü­cke wie das Vater­un­ser oder der Segen und auch das jewei­lig Spe­zi­elle der ein­zel­nen Got­tes­dienste bzw. der ein­zel­nen Sonn­tage, etwa der Wochen­spruch, lie­gen mir am Her­zen. Ich halte die Got­tes­dienste wider alle ande­ren Auf­fas­sun­gen für eine zen­trale Ver­an­stal­tung von Gemeinde. Sicher nicht die ein­zig wich­tige Ver­an­stal­tung, auch Haus­kreise und Kleine Grup­pen sind da außer­or­dent­lich wich­tig. Auch ein­zelne Dienst­grup­pen, etwa der Chor usw. sind für ein­zelne prä­gend und unverzichtbar.

Ges­tern war wie­der ein­mal die Got­tes­dienst­werk­statt. Wir haben uns mit den Über­gän­gen befasst, ins­be­son­dere also mit den Punk­ten, an denen mode­riert wer­den muss. Wie kommt man z.B. vom Kin­der­lied (nach dem die Kin­der in ihre Kin­der­kir­che gehen) zur Lesung? Was sagt der Lek­tor oder die Lek­to­rin? Was über­haupt soll gesagt wer­den? Wie­viel »Per­sön­li­ches« ist gut und erwünscht, was stört eher…

Das Nach­den­ken drü­ber ist kost­bar, denn es soll ja hel­fen, dass die Got­tes­dienste bes­ser darin wer­den, die Men­schen anzu­spre­chen, die kom­men. Und evtl. auch Gäste, neue Leute, nicht im Regen ste­hen zu las­sen, son­dern, bild­lich gespro­chen, an die Hand zu nehmen.

Wenn sich Gemein­den um ihre Got­tes­dienste küm­mern, ist das ein gutes Zei­chen, eines der Wert­schät­zung für Got­tes­dienste und Besu­chende. Viel zu viele Got­tes­dienste sind lieb­los gemacht, und — wen wundert’s — das mer­ken die Men­schen: Und blei­ben weg. Wenn die Form und der Inhalt nicht rele­vant sind für die Men­schen, dann haben heute alle gute Gründe, etwas ande­res mit ihrer Zeit zu tun. Lebens­zeit ist ein knap­pes Gut.

Immer wie­der mer­ken wir, wo wir an Gren­zen sto­ßen: Anspiele… wären schön, aber wer soll sie machen? Lobpreis-Teil (mit vier neue­ren geist­li­chen Lie­dern) ist los­ge­löst vom Thema und kann und muss es auch sein: Wer sollte es anders machen? Wir haben ja ohne­hin nicht so viele, die musi­ka­lisch lei­tend mit­zu­ma­chen bereit und in der Lage sind… Tech­nik: Ja, wenn wir mehr Tech­ni­ker hät­ten, die mit den Din­gen ver­traut wären…

Aber: Wenn wir so viele in der Gemeinde sind, wie wir sind: Da schei­nen mir über­aus zahl­rei­che Gaben brach zu lie­gen. Sehr wünschte ich mir, dass sich For­men fän­den, diese Cha­ris­men, diese Geschenk-Begabungen, geist­lich zu heben. Ich meine, dass wir gut aus­ge­stat­tet sind. Es ist genug für alle da.

Es scheint mir, dass wir als gesamte Gemeinde (immer­hin sind wir ja als ev.-meth. Gemeinde nicht so groß) unsere Got­tes­dienste wie­der neu als unsere Auf­gabe anse­hen soll­ten. Es geht nicht um ein Wellness-Paket mit wöchent­li­cher Zurüs­tung. Sicher kommt auch das vor. Aber in ers­ter Linie geht es darum, dass Gott ein­lädt, zu sei­nem Wort und Sakra­ment. Er lädt aber eben nicht bloß uns ein, son­dern auch durch uns. — Wenn wir das leben, ein­la­dende Gemein­schaft, dann wird es mehr zu einer Lebens– und Dienst­ge­mein­schaft: Dazu sind Nach­fol­ge­rin­nen und Nach­fol­ger Christi da, nicht bloß Hauptamtliche.

Mir scheint, dass es so, wie es eine Taufe gibt, auch nur eine Beru­fung gibt: Da sind nicht unter­schied­li­che Level, Christ, Mit­ar­bei­ter, Haupt­amt­li­cher… Und man braucht kein »high-scoring for hea­ven«, son­dern wir alle sind — so wie wir sind — Gott wich­tig und für ihn brauch­bar. Dass er uns auf dem Weg ver­än­dert, fromm gesagt, »uns hei­ligt«, ist eine Neben­wir­kung der Nach­folge. Die Jün­ger lie­fen ja auch erst­mal so mit Jesus mit, wie sie waren. Als Men­schen mit ihren jewei­li­gen beruf­li­chen Hin­ter­grün­den. Dass sie dann mehr und ande­res wur­den, war quasi eine »Nebenwirkung«.

Ganz prak­tisch: Ich kann mir gut vor­stel­len, statt Musik zu machen oder zu pre­di­gen, mich ans Misch­pult zu set­zen: Es gibt viele, die da noch Gaben zu heben haben, die drin­gend gebraucht wer­den. Ich wün­sche mir sehr, dass Gott in die­ser Rich­tung wir­ken möge.

zur Kleinen Anfrage der Linksfraktion zum »Staatstrojaner«

Ich bin über die Ant­wort zur Klei­nen Anfrage den Staats­tro­ja­ner betref­fend, ent­setzt. So viel tech­ni­sche Igno­ranz und der­ar­tige poli­ti­sche Nebel­ker­zen finde ich demo­kra­tisch unan­ge­bracht und ich fühle mich auf den Arm genom­men. Das kann doch nicht alles sein, dass man in der Regie­rung aus der Presse infor­miert wird. Und dass man nicht ein­mal die z.B. Ver­öf­fent­li­chun­gen des Chaos Com­pu­ter Clubs hin­rei­chend gründ­lich gele­sen hat.

Ich sehe ja ein, dass es gewisse Sicher­heits­in­ter­es­sen gibt und dass auch z.B. tech­ni­sche Details viel­leicht ein­fach nicht kom­pe­tent geprüft wur­den. Wenn das aber so ist, dann wäre es um so wich­ti­ger, dass man das zugibt, wo es vor­kam, und schleu­nigst nachholt.

Die Kleine Anfrage mit den Ant­wor­ten im Ori­gi­nal gibt es hier. Dies Doku­ment muss man sich auf der Zunge zer­ge­hen las­sen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehr­zahl der Abge­ord­ne­ten mit so etwas zufrie­den gibt!? Auch wenn man in Betracht zieht, dass Kleine Anfra­gen und andere par­la­men­ta­ri­sche Bräu­che natür­lich auch stets ein Mit­tel der Mei­nungs­ma­che sind, so darf man sich als Regie­rung doch nicht der­ma­ßen vor­füh­ren las­sen, indem man Igno­ran­ten an die Abfas­sung ent­spre­chen­der Ant­wor­ten setzt.

Ich ver­weise in die­sem Zusam­men­hang auf den Kom­men­tar Felix von Leit­ners (»Fefe«), der schreibt:

»Oh und die CCC-Demonstration, als wir den Tro­ja­ner mit unse­rem GUI-Tool fern­steu­er­ten, und sogar einen Fake-Trojaner bau­ten, der dem BKA-GUI-Tool fal­sche Daten unter­schie­ben kann, die … leug­nen sie einfach!

Die Bun­des­re­gie­rung bezeich­nete die Mög­lich­keit, dass der Daten­strom abge­hört wer­den könne, nun als »rein theo­re­ti­sche« Mög­lich­keit, für die Fach­wis­sen und Zeit nötig seien, die eine über­wachte Per­son wohl eher nicht habe.

Ich habe das zufäl­lig aus der Nähe gese­hen. Der Code, um einen vor­bei­rau­schen­den Kon­troll­ka­nal zu ent­schlüs­seln, passt in eine tra­di­tio­nelle Email-Signature:

my $key = »\x49\x03\x93\x08\x19\x94\x96\x94\x28\x93\x83\x04\x68\x28\xa8\xf5«.
«\x0a\xb9\x94\x02\x45\x81\x93\x1f\xbc\xd7\xf3\xad\x93\xf5\x32\x93«;
my $cipher = Crypt::Rijndael->new( $key, Crypt::Rijndael::MODE_ECB() );
my $plain = $ciper->decrypt($daten);

Der Code für den kom­plet­ten Fake-Trojaner, der fal­sche Screen­shots zurück­lie­fert, waren unter 100 Zei­len Perl.«

Das ist in der Tat bloß die Spitze des Eis­bergs. Es för­dert mei­nen Ver­druss nicht an der Poli­tik als dem, was alle oder eine große Anzahl betrifft, wohl aber an denen, die der­zeit Poli­tik machen. So viel Ahnungs­lo­sig­keit finde ich unverantwortlich.

Aki Kaurismäkis Film »Le Havre« eben im »Anderen Kino« in Lehrte

Dass ich »Das Andere Kino« in Lehrte schätze, ist keine Neu­ig­keit. Seit vie­len Jah­ren bin ich von Zeit zu Zeit mal dort — so drei­mal im Jahr durch­schnitt­lich. Jetzt war ich schon wie­der da, nach gut einer Woche, und der Grund ist, dass ich Kau­ris­mäkis Filme schätze. Eigent­lich geht es mir weni­ger um die Stoffe, die er erzählt: Auch die sind anre­gend. Freunde schenk­ten mir vor Jah­ren einen Bild­band »Schat­ten im Para­dies«, in dem Stand­bil­der aus den Fil­men des fin­ni­schen Regis­seurs zu sehen sind. Etwas Text ist dabei. — Kau­ris­mäki schafft immer wie­der Ein­stel­lun­gen von stil­ler Ele­ganz.  Wei­ter­le­sen

Spaziergänge an wärmeren Tagen…

In the meadows

Leinemasch-Wülfel — im September.

Im Spät­som­mer habe ich aus­ge­dehnte Spa­zier­gänge unter­nom­men. Das hat meh­rere Vor­züge: Ein­mal fin­den sich so Motive, ich bin wei­ter­hin mehr ein »Bild-Sucher« als ein »Bild-Bauer«.

Zum ande­ren hilf es mir sehr, spa­zie­ren zu gehen, um die Gedan­ken zu ord­nen und ein­fach nach­zu­den­ken. Wenn ich pho­to­gra­phiere, dann gucke ich genau hin. Und stelle oft erst dann, auf der Matt­scheibe, fest, wie herr­lich die Umge­bung ist. Merk­wür­di­ger­weise ist es so, dass so lange die Dinge 3-dimensional sind, sie mich nicht in glei­chem Maße begeis­tern, wie sie das in 2-D, also als fla­ches Bild, tun. Wenn ich durch einen Sucher bli­cke, ein­fach so, quasi »gera­de­aus«, dann bleibt die Umwelt allen­falls Motiv, aber erst, wenn das Bild auf der Matt­scheibe zwei­di­men­sio­nal erscheint, am liebs­ten auf dem Kopf ste­hend unter von einem schwar­zen Tuch beschat­tet, aber auch ein Schacht­su­cher mit Matt­scheibe hilft mir zum Bild.

Lieblose Bhagwanis und selbstzufriedene »Christenmenschen«…

Wil­low Creek und Kino­karte vom »ande­ren Kino« Lehrte

Eigent­lich war heute ein Tref­fen mit einem Schul­freund geplant. Lei­der musste der wider Erwar­ten län­ger arbei­ten und sagte ab. So hatte ich die Gele­gen­heit, mal wie­der spon­tan ins Andere Kino nach Lehrte zu gehen. Dort sah ich »Som­mer in Orange«, einen Film, der Anfang der 1980er Jahre spielt, der zeigt, wie eine Gruppe Bhag­wa­nis aus Ber­lin nach Bay­ern kommt, um dort auf einem Hof, alter­na­tiv zu leben und ein eige­nes »The­ra­pie­zen­trum« aufzubauen.

Dabei sind auch Kin­der, die vor lau­ter müt­ter­li­cher Selbst­fin­dung mehr als ein­mal ohne Früh­stück in die Schule müs­sen und vor lau­ter kin­di­schen Erwach­se­nen nicht zu Wort und nicht zum Zuge kom­men, und sich zwi­schen kon­ser­va­ti­ven Dörf­lern und der Kom­mune ihren Weg suchen müssen.

Die Geschichte ist anre­gend und lehr­reich, dabei aber auch immer wie­der komisch. Das Andere Kino schätze ich für die beque­men Kino­ses­sel, die große Lein­wand, die nur 4,00 € Ein­tritt und vor allem für die Aus­wahl der Filme.

Neben Ecos »Fried­hof in Prag« lese ich gerade die Geschichte von Wil­low Creek, die­ser Gemeinde, die sich vor den Toren Chi­ca­gos um gelebte Rele­vanz für Zeit­ge­nos­sen ohne from­men Hin­ter­grund bemüht. Es han­delt sich bei dem Buch um eine sehr erhel­lende Skizze zahl­rei­cher Schiff­brü­che und doch hei­ßen Bemü­hens, teils weit über eigene Kräfte.

Was mich beide zusam­men den­ken lässt, das ist fol­gen­des: Man­che betrei­ben Glau­ben oder reli­giöse Pra­xis als eine Art von Flucht vor Pflich­ten oder gar vor der Welt. So wie die Sanyas­sins im oben genann­ten Film. Diese Art von »Reli­gio­si­tät« ist es stets gewe­sen, die ich abschre­ckend und gera­dezu furcht­bar fand. — Attrak­tiv hin­ge­gen finde ich es, wenn Men­schen, weil sie glau­ben, ande­ren anders, lie­be­vol­ler zu begeg­nen wis­sen: Das min­deste ist Mit­leid, Sym­pa­thie im Eigen­sinn des Wor­tes. Dann fan­gen einige Urwald­kli­ni­ken an und andere set­zen sich für die Abschaf­fung der Skla­ve­rei ein­zu­set­zen. Andere schaf­fen es viel­leicht, ein­fach etwas mehr Mit­mensch­lich­keit zu leben. Das wäre sehr wün­schens­wert und erforderlich.

Im oben gezeig­ten Buch über die Geschichte Wil­low Creeks hän­gen sich einige sehr in das Pro­jekt einer Gemeinde hin­ein, die Kir­chen­ferne errei­chen möchte. Dafür brin­gen sie ihre Zeit, Kraft, ihr Geld ein. Es ist ihnen ein ech­tes Anlie­gen, weil die Vor­stel­lung ihnen uner­träg­lich ist, dass die Kir­chen­fer­nen von eta­blier­ten Gemein­den igno­riert wer­den. Wenn nicht expli­zit, so doch wenigs­tens imma­nent: Die For­men vie­ler Kir­chen und Gemein­den sind ein­fach ohne »lit­ur­gi­sche Klimm­züge« nicht geeig­net für viele »nor­male Leute«. Das mer­ken die, und blei­ben weg. — In vie­len Gemein­den geht es ums Wohl­füh­len der­je­ni­gen, die da sind. Hüt­ten bauen: Viel­leicht wird’s nie wie­der so schön.

Allein: Gemein­den sind dazu da, Got­tes Fuß­volk, Boten sei­ner fro­hen Bot­schaft in die Welt hin­ein, zu sein. Ob das gelingt, das liegt bei Gott. Es aber zu wol­len und sich ent­spre­chend zu bemü­hen, das halte ich für drin­gend gebo­ten. Wenn aber aus »Jün­gern« dann eines Tages »Mit­ar­bei­tende« und schließ­lich gar »Älteste« wer­den, dann droht stets der Geist Got­tes auf der Stre­cke zu blei­ben. So »funk­tio­nie­ren« Chris­ten­men­schen noch eine Zeit lang, ähnlich wie Hüh­ner ohne Kopf, die auch noch lau­fen kön­nen. Von Nach­folge sind sie aber lange ent­fernt: »Höre, Herr, dein Knecht redet!« — Ganz anders als bei Samu­els Beru­fung (1. Sam.3,10).

Es kann doch nicht ange­hen, dass sich die Mehr­zahl hie­si­ger Gemein­den damit genü­gen lässt, ihre Got­tes­dienst­zei­ten irgendwo aus­zu­hän­gen und zu sagen: »Wer kom­men mag, kann ja kom­men…« — Das ist nicht »gehet hin in alle Welt…« (Mt.28,18–20). Und wenn Liebe nicht ein­mal inner­halb einer Fami­lie oder Kom­mune (siehe im Film) funk­tio­niert, dann sollte man erst­mal üben, mit ande­ren ent­spre­chend umzu­ge­hen, bevor man ans Pre­di­gen geht.

Sealife — am Samstag vor einer Woche…

Frö­sche und Krö­ten — inter­es­sante Farben…

Leben unter Wasser.

Meine Schwes­ter hat mir eine Ein­la­dung ins »Sea­life« nach Her­ren­hau­sen geschenkt. Am ver­gan­ge­nen Sams­tag waren wir da, meine Schwes­ter, mein Neffe und ich. — Die bei­den waren wohl schon frü­her da, ich aber nicht. Hatte daher auch keine Vor­stel­lung, wie dun­kel es da wer­den könne.

Jeden­falls habe ich es genos­sen, den Fischen, Rep­ti­lien usw. zuzu­se­hen. Rochen von unten, See­pferd­chen sind gra­ziös, wenn sie so durchs Was­ser glei­ten. Schild­krö­ten kön­nen erstaun­lich tau­chen. Sebas­ti­ans Unterwasser-Vorliebe kann ich um so mehr nach­voll­zie­hen, als ich diese For­men und Far­ben fas­zi­nie­rend finde. — Bloß: Farbe ist irgend­wie nicht so mein pho­to­gra­phi­sches Metier.

Wäre sehr inter­es­siert an Hin­wei­sen auf rich­tig gute, gerne mit­tel­for­ma­tige oder groß­bild­li­che (auch his­to­ri­sche) Unter­was­ser­bil­der in schwarz-weiß. Viel­leicht gibt es ja etwas wie Bloss­feldts »Urfor­men der Kunst« oder Renger-Patzschs frühe bota­ni­sche Aufnahmen?

Wer kennt sich ent­spre­chend in der Photographie-Geschichte aus? Jeden­falls habe ich mich bemüht, mal in Farbe zu den­ken, was mir nicht leicht fällt. Und die Bil­der sind grenz­wer­tig, weil die Emp­find­lich­keit weit hoch­ge­re­gelt wer­den musste, damit ich über­haupt noch akzep­ta­ble Belich­tungs­zei­ten erhielt.

Fisch gibts!

Die Far­ben spren­gen leicht den Bereich der von der ein­ge­setz­ten Kamera abbild­ba­ren Far­ben. Ins­be­son­dere bei den Neon­far­ben droht das Rot zu clip­pen (also an den Anschlag zu kom­men). Man muss schon auf­pas­sen. RGB-Tonwertdiagramme helfen.

Jeden­falls hat­ten mein Neffe Mar­tin und ich eine Menge Spaß da — und ich danke mei­ner Schwes­ter auf die­sem Weg. Mar­tin sieht hier nicht 100 % glück­lich aus, aber das änderte sich, als er ein paar Kekse zu knab­bern bekam. — Beim Früh­stück hatte er irgend­wie noch keine Appetit.

Mein Neffe Mar­tin und ich im Sea­life — Auf­nahme von mei­ner Schwester

Man muss keine Jah­res­karte fürs »Sea­life« bevor­ra­ten (eine sol­che habe ich für Her­ren­hau­sen, und schätze beson­ders den Berg­gar­ten und die Gewächs­häu­ser, gerade im Win­ter). Aber: Wenigs­tens ein­mal hin­zu­ge­hen, das kann ich nur sehr emp­feh­len. Ein­drucks­vol­ler aber fand ich die — deut­lich grö­ße­ren — Rochen und Fische im Aqua­rium auf Hel­go­land. Das ist ins­ge­samt über­sicht­li­cher, aber es ist fas­zi­nie­rend, den Fischen zuzusehen.

Jugendraum eröffnet: Jugendarbeit in Johanniskirche läuft an…

reno­vier­ter Jugend­raum Johanneskirche

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag wurde der reno­vierte Jugend­raum in mei­ner Gemeinde ein­ge­weiht. Pas­tor Rai­ner Huhn machte das gut und auch sonst waren mehr inter­es­sierte Gemein­de­glie­der älte­ren Jahr­gangs anwe­send als Jugend­li­che und Jugendmitarbeitende.

Jugend­ar­beit braucht Raum, das ist ein Fak­tum. Einen Ort, an dem man sich tref­fen kann, an dem ver­läss­lich jemand ansprech­bar ist. Das gilt für alle Gemeinden.

Lange gab es in der Johan­nes­kir­che eine rich­tig gute Jugend­ar­beit. Damals war ich (so 1985ff) auch öfters da. Jetzt geht es wie­der neu los und ich freue mich sehr drüber.

Liebe Jugend­li­che, herz­lich wün­sche ich Euch alles gute, also Got­tes Segen für die neue Arbeit.

Jakobi-Jazz-Gottesdienst — für mich falscher Film…

Jakobi Musi­kan­ten­stadl — 11.11.11 um 19.11 Uhr

Eben war ich im Jazz-Gottesdienst in der Jako­bi­kir­che in Kir­ch­rode. Dort wuchs ich auf und war lange in Jakobi aktiv. Inso­fern freue ich mich, wenn das Gemein­de­le­ben wächst und gedeiht. Wirk­lich über­rascht war ich, als ich heute um »19.11 Uhr« zum Jazz­got­tes­dienst unter dem Motto »Musi­kan­ten­stadl« kam. Die Kir­che war ordent­lich besucht, ja bunt gefüllt. Vor­schul­kin­der waren da, die meis­ten Besu­chen­den waren zwi­schen 30 und rund 50 Jah­ren alt (eine kirch­lich rare Gruppe), aber auch Senio­rin­nen und Senio­ren waren da. So weit, so gut.

Für gute Musik habe ich ja auch etwas übrig, und schätze sehr, was Uwe Reh­ling (keyb.), Tho­mas Rich­ter (dr.), Rei­ner Grams (tp.) da spiel­ten. Gut, der GEMA wegen muss man sich Sor­gen machen, denn der lan­des­kirch­li­che Pau­schal­ver­trag mit der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft deckt ja nur neues geist­li­ches Lied ab. Für Jazz wäre jeweils eine geson­derte Anmel­dung (und Abgel­tung) von Nöten. Die drei jeden­falls sind ja als Musi­ker je für sich und auch mit­ein­an­der kein Grund, das Weite zu suchen.

Ande­rer­seits: Wenn die wirk­lich an der Musik arbei­te­ten, dann wäre viel mehr drin. Es waren Stan­dards, die sie spiel­ten. Und es klang, wie frü­her, wenn ich bei Tele­fon­ka­pel­len ein­stieg: Eine Stunde pro­ben, spie­len, Gage, gut. Wer musi­ka­lisch fit ist und sein Instru­ment beherrscht, kann aber weit mehr aus den Stü­cken holen. Die drei könn­ten es! Es war »Ele­va­tor plus« Musik, das, was man zum Buf­fet im Hotel gebrau­chen kann. Gut, anstän­dig, aber eben auch nichts außergewöhnliches.

Tho­mas Rich­ter (dr.), Rei­ner Grams (tp./flh.), Uwe Reh­ling (keyb.)

Was aber für mich gar nicht pas­sen wollte, das war der got­tes­dienst­li­che Rah­men zur Musik. Man stelle sich eine Abfolge von »Sze­nen« oder »Num­mern« vor, dazwi­schen ein Psalm (mit gesun­ge­nem Kehr­vers), einige neue geist­li­che Lie­der, eine Pre­digt über sozia­les Enga­ge­ment von Shakira (»Waka, waka«) und die geist­li­chen Grund­la­gen. Der Ein­stieg war eine Comedy-Persiflage (selbst-ironisierende Lederhosen-Musikantenstadl-Version).

Dazwi­schen ein Dia­log mit »Luther« über Musik und über die heil­same Funk­tion, die Musik (beim König David, Sauls »Musik­the­ra­peu­ten«, heute…) habe. Eigent­lich müsste man also eine Art »Pra­xis­ge­bühr« statt einer Kol­lekte sam­meln, denn hier werde quasi »medi­zi­nisch« und »the­ra­peu­tisch« an der Gemeinde gehandelt.

Für mich passte das alles nicht recht zuein­an­der. Nicht, dass ich etwas gegen Amateur-Comedy hätte: Bloß macht das noch kei­nen Got­tes­dienst. Und die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Ele­men­ten erschie­nen mir eher »gewollt« als »naheliegend«.

Mich ver­wun­derte schon der stete Bei­fall. Wenn die Musik »ad maio­rem dei glo­riam« gemacht wird, dann wären »Halleluja!«-Rufe ange­mes­se­ner. Oder waren gab es in der Pre­digt von Rolf Wohl­fahrt nach einer pas­sen­den Meta­pher eigent­lich kei­nen Beifall?

eine »Num­mer« der Num­mern­re­vue aka »Gottesdienst«

Meine Folge: Werde zukünf­tig diese »Got­tes­dienste« mei­den und hoffe, dass die, die kom­men, trotz des­sen, was mich abschreckt, von Gott in die­sen Got­tes­diens­ten ange­spro­chen wer­den mögen.

Tragwerk Wülfel…

»Tragwerk«, former »Siemens« Industrial Building - now ateliers for artists

»Trag­werk« Ate­liers in Wülfel

Trag­werk ist der Name einer Ate­lier­an­lage und eines »Musik­clubs«, in dem mei­nes Wis­sens seit Jah­ren lei­der keine Kon­zerte mehr stattfanden.

Mei­nes Wis­sens han­delt es sich um eine frü­here Aus­bil­dungs­werk­statt von Sie­mens. Im Som­mer war ich in der Lei­ne­masch unter­wegs, mit der Has­selb­lad und einem Weit­win­kel­ob­jek­tiv, einem Maga­zin und einem Hand­be­lich­tungs­mes­ser. Im Bogensport-Gelände hoffte ich auf Bil­der, fand ein brü­ten­des Stor­chen­paar. Und schließ­lich, auf dem Rück­weg zum Auto, kam ich wie­der an die­sem Gebäude vor­bei. Inzwi­schen hatte das Licht die Rich­tung gewechselt.

Es passte mit der Hel­lig­keit für ein Bild aus freier Hand. Beson­ders gefiel mir die Vilsa-Mineralwasserwerbung, die wie poliert aus­sieht, und die Mauer des Gebäu­des. Bin­nen kur­zer Zeit war alles auf der Matt­scheibe ange­ord­net und wenig spä­ter — bin­nen 1/125 s — war der Film belichtet.

Ich liebe Gebäude, Anla­gen und Gesich­ter, denen man den nagen­den Zahn der Zeit ansieht… So auch hier. Dass aber aus dem Motiv ein Bild wird, das setzt vor­aus, dass das Licht stimmt, so dass meine »Visua­li­sie­rung« sich auf den Film ban­nen lässt. Mir geht es nicht um mög­lichst rea­lis­ti­sche Repro­duk­tion, son­dern darum, dass das Bild als Bild funktioniert.

Zur Ausstellung »Photography calling« im Sprengelmuseum

Das Spren­gel­mu­seum in Han­no­ver ist eine gute Adresse für Gegen­warts­kunst und klas­si­sche Moderne. Mit der Samm­lung Ann und Jür­gen Wilde gibt es bedeu­tende Leih­ga­ben und bereits öfters gab es ein­drucks­volle Pho­to­aus­stel­lun­gen, etwa zu 150 Jah­ren Pho­to­gra­phie und zu Renger-Patzsch.

Die Aus­stel­lung »Pho­to­gra­phy cal­ling« habe ich am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag besucht, lange schon stand sie auf mei­nem Plan. Und ich bin — ange­sichts der Größe der Aus­stel­lung und der posi­ti­ven Bericht­er­stat­tun­gen in der Presse — ent­täuscht. Ja, sie ist groß und umfang­reich, aber auch kon­zep­tu­ell etwas belie­big… Vor allem aber fehlt mir etwas ent­schei­den­des, das mich zu »vin­tage prints« ins Museum treibt: Tech­ni­sche Hin­weise. Wenn ich »bloß Bil­der« anse­hen möchte, dann kann ich die ent­spre­chen­den Arte-Dokumentationen anse­hen oder einen Bild­band respek­tive ent­spre­chende Inter­net­sei­ten, sofern die Pho­to­künst­ler sol­che unter­hal­ten. Aber gerade bei den »fine art« Aus­ar­bei­tern, denen mein beson­de­res Inter­esse gilt, ist eben kein Scan oder Druck in der Lage, mir zu zei­gen, wel­ches Pho­to­pa­pier, wel­che Ent­wick­ler, wel­che Art von Retus­chefar­ben usw. die Erstel­ler ein­setz­ten. Hierzu muss ich das Original/einen Hand­ab­zug bzw. eine Auto­ren­ver­grö­ße­rung sehen.

Wenn der Audio Guide bloß basale Fak­ten ver­mit­telt, die viel­leicht jeman­dem wei­ter­hel­fen, der nichts von den Bechers gehört hat, okay. Aber: Mich inter­es­sie­ren deren Stipp­chen im Hoch­glanz Baryt-Bild und wie sie damit umge­hen (durch dezent spie­geln­des Glas und ent­spre­chende Beleuch­tungs­win­kel kaum zu sehen — aber doch vorhanden).

Bei ande­ren wun­dert man sich über die Far­ben (der Dye-Transfer-Bilder), der Audio-Guide erzählt von einem »Druck­ver­fah­ren, das in der Wer­be­bran­che üblich war«, so weit war mir das klar. Aber wer sich schon ein­mal mit die­sem Ver­fah­ren befasst hat, der möchte gerne Details wis­sen, denn ich habe — z.B. von Ctein — schon ganz andere Dye-Transfer Far­ban­mu­tun­gen gese­hen. Man­che über­trie­bene Farbe liegt ein­fach an man­geln­der hand­werk­li­cher Fertigkeit.

Die Leih­ga­ben der Wilde-Sammlung waren für mich in die­ser Hin­sicht erhol­sam, denn die Mehr­zahl der »Pho­to­gra­phy calling«-Bilder waren technisch-handwerklich mäßig (z.B. fand ich die Diane Airbus-Bilder zwar anspre­chend gedacht, aber in der hand­werk­li­chen Umset­zung ein gutes Stück vom fine art print ent­fernt). Und das waren ein­deu­tig eher stär­kere der Bil­der in der Ausstellung.

Inso­fern blieb die Aus­stel­lung für mei­nen Geschmack zu sehr an der Ober­flä­che, am »Gezeig­ten«, am Motiv, statt an der Frage nach der Dar­stel­lungs­weise, aus­ge­rich­tet. Wer etwas ande­res sehen möchte, möge ein­fach mal die bei mir ver­link­ten »flick­ra­ten« ankli­cken. Gleich rechts in der Spalte…

Kurz: Für mich war es lei­der des handwerklich-Technischen viel zu wenig. Ein Gut­teil der gezeig­ten Bil­der holte mich nicht ab, weil ein­fach auch in tech­ni­scher Hin­sicht offen­sicht­lich Poten­zial ver­schenkt wurde. Nichts gegen Rie­be­sehls Agrar­land­schaf­ten in Nie­der­sach­sen. Bloß: Wenn er da schon mit Groß­bild­ka­mera unter­wegs ist, warum lie­fert er dann so »bewusst lang­wei­lige« (bzw. »doku­men­ta­risch unab­len­kende«) Bil­der mit wei­ßem Him­mel und bewusst frei von einem inter­es­san­tem Son­nen­licht. Wie ein Kata­log­bild — im Licht­zelt. Ähnlich geht es mir mit den Indus­trie­hal­len der Bechers… Klar, das kann man machen. Nichts lenkt ab. Aber: Als Bild sind diese Bil­der recht lang­wei­lig. Und die Gebäude sind allen­falls für Archi­tek­tur­ge­schicht­ler so von Inter­esse, stets fron­tal, bei dif­fu­sem Licht, ohne emo­tio­nale Beziehung.

Kurz: Nicht meine pho­to­gra­phi­sche Welt. Bei mei­nem Ilse­der Was­ser­turm schrieb immer­hin ein Kollege:

»Just joking, Frank — yours is a fine image (and a good deal more inte­res­ting than those cata­lo­gues of stuff the Bechers were in to).«

Über Techniker und Musiker… Andy McKee, Michael Hedges, Tuck Andress…

Andy McKee »The Art of Motion«

Diese CD emp­fahl mir ein »frü­he­rer Gitar­ren­schü­ler«, der eigent­lich musi­ka­lisch ganz andere Sachen macht. Ich weiß nicht, wie weit er mit sei­nem Plan gekom­men ist, sich ein oder zwei Stü­cke von Andy McKee und wei­te­ren Leu­ten aus der CandyRat-Records-Ecke rauszuhören.

Er hat mich nicht ganz falsch ein­ge­schätzt. Wer wie ich sehr die Musik von Michael Hedges und Mike Man­ring schätzt, der könnte ja in der Tat auch Pierre Bensu­san im Schrank haben (habe ich voll­stän­dig) und eben auch mit den CandyRat-Records Leu­ten etwas anzu­fan­gen wis­sen. Letz­te­res aber ist bei mir weit weni­ger der Fall.

Nicht dass ich hier falsch ver­stan­den werde: Das ist über­aus fein gemachte akus­ti­sche Gitar­ren­mu­sik auf einem tech­nisch außer­or­dent­lich hohen Niveau. Und gerade die teils rhyth­misch ver­track­ten Struk­tu­ren mach­ten es mir nicht leicht, der­ar­ti­ges zu spie­len — ich käme aber auch nicht so auf die Idee.

Ich habe viel­mehr weni­ger durchar­ran­gierte Musik lieb: Mir sind Tuck And­ress oder Joe Pass mit Ella Fitz­ge­rald deut­lich lie­ber (bei Joe Pass mag ich den mit­ti­gen Ton nicht).

Beim Nach­den­ken, woran das lie­gen mag, scheint es mir wie folgt: Auf einem der­ma­ßen tech­nisch hohen Niveau Musik zu machen, das geht ent­we­der arran­giert und erar­bei­tet. Das ist etwa das, was ein Musi­ker, der von der Klas­sik kommt, macht, wenn er ein Stück ein­stu­diert. Man trifft Ent­schei­dun­gen, legt fest, wie dies oder jenes denn auf­ge­fasst wer­den möge.

Und dann ver­sucht man, die best­mög­li­che Inter­pre­ta­tion abzu­lie­fern. Im Extrem wird diese aus unter­schied­li­chen Anläu­fen (Takes) zusam­men­ge­schnit­ten, und fer­tig ist die CD. — Klar, so kann man das machen. Das hat nicht nur eine lange Tra­di­tion, es hat eine Menge Vor­züge, so vorzugehen.

Das andere Vor­ge­hen besteht darin, sich eine große Anzahl von Mög­lich­kei­ten zu erhal­ten, also weder Lagen noch Voi­cings für ein Stück wirk­lich fest­ge­legt zu haben, son­dern so sich ein­zu­ar­bei­ten, dass alles mög­lich bleibt. Dass im Augen­blick des Spie­lens erst ent­schie­den wird, wel­che von vie­len Mög­lich­kei­ten jetzt passt. Das ist es, was Joe Pass und Ella Fitz­ge­rald mach­ten (Anspiel­tipp: CDs »Speak Love« und »Take Love Easy«). Und das ist es, was Tuck & Patti betrei­ben. Zuge­ge­ben, wenn man als Ehe­paar seit drei­ßig Jah­ren mit­ein­an­der spielt und lebt, dann kann man sich auf diese Art musi­ka­li­scher Ver­traut­heit ein­las­sen, nehme ich an. — Es ist deut­lich unsi­che­rer, denn es erfor­dert nicht nur ein gerüt­tel­tes Maß an Spiel­fer­tig­keit, son­dern dar­über hin­aus ein außer­or­dent­lich waches Gehör und eben­sol­chen Geist, denn wenn man sich anschlie­ßend etwa die Stimm­füh­run­gen anhört/ansieht, dann zeigt sich, wie viel an Kon­tra­punk­tik und geleb­ter Har­mo­nie­lehre dort »just in time« zum Anschlag gebracht wird. Bei­spiel? Tuck And­ress’ Ver­sion von Stevie Won­ders »I wish«.

Auf einem deut­lich nied­ri­ge­ren Niveau bemühe ich mich auch drum. Und mir fiel neu­lich, als ich den Han­no­ve­ra­ner Gitar­ris­ten Ulli Kiehm sah, auf, wie gut der dies beherrscht. Er macht Musik. Nie klingt es »fer­tig«, son­dern stets im Fluss.

Zurück zu Andy McKee: Wer wohl­klin­gende CDs liebt und etwa mit Bensu­sans »Alti­pla­nos« etwas anzu­fan­gen weiß, der wird hier mehr als begeis­tert sein. Inso­fern finde ich, dass diese CD in mei­nem Regal nicht feh­len sollte, auch wenn sie nicht zu mei­ner Leib– und Magen­mu­sik wer­den wird. — Eben fand ich einen pas­sen­den Kom­men­tar, bei fol­gen­dem Tuck And­ress Video (»Up and At It«), da schreibt jemand:

»Andy McKee couldn’t carry this guys amp in the stu­dio.« (was stimmt, denn Tuck And­ress spielt direkt in die Anlage, kein Amp…)

Zum Regensburger Maulkorb…

Gerade ist der Refor­ma­ti­ons­tag vor­bei­ge­gan­gen und kaum einer hat es bemerkt, weil es eben kein Fei­er­tag mehr ist — außer in eini­gen »mit­tel­deut­schen« Län­dern. Da for­derte bekannt­lich Luther eine Reform an Haupt und Glie­dern der Kir­che. Er wollte die beste­hende refor­mie­ren, was ent­stand, das ist eine Kon­fes­si­ons– und Deno­mi­na­ti­ons­fa­mi­lie, eben die der pro­tes­tan­ti­schen Kirchen.

Mir scheint über­all dass da, wo es falsch läuft in Kir­chen, einer gründ­li­chen Umkehr (meta­noia) bedarf. - Dass es zu allen Zei­ten (außer in den letz­ten Zei­ten, wenn man dem Apo­ka­lyp­ti­ker Johan­nes glau­ben darf) etwas gibt, wo es falsch läuft, liegt auf der Hand: Schließ­lich sind es Men­schen, die da han­deln, und die haben oft auch eigene, ganz mensch­li­che, Inter­es­sen, die sie ver­fol­gen. Nach den Miss­brauchs­fäl­len in katho­li­schen Ein­rich­tun­gen gab es in den Jah­ren 2009 und 2010 erd­rutsch­ar­tige Aus­tritts­zah­len. Nie­mand steht gerne am Pran­ger, das kann ich gut verstehen.

Ich meine aber, dass es wenig ange­bracht ist, hier mit juris­ti­schen Mit­teln zum Bei­spiel Jour­na­lis­ten unter­sa­gen zu las­sen, bestimmte (Meinungs-)Äußerungen zu ver­brei­ten. Das ist ein ganz unge­eig­ne­tes Mit­tel, um Scha­den vom Evan­ge­lium und von der Kir­che abzuwenden.

Inso­fern bin ich froh, über die­sen klä­ren­den Arti­kel, in dem regensburg-digital berich­tet, wie erst ein zweit­in­stanz­li­ches Urteil, das durch groß­zü­gige Lesen­den­spen­den ermög­licht wurde, die Mei­nungs­äu­ße­rung den Jour­na­lis­ten gestat­tet. Wei­ter­le­sen

Zum Vorlesetag am 18. November

Die »Stif­tung Lesen« hat nicht nur einen Bericht vor­ge­stellt, in dem gezeigt wer­den kann, dass Kin­der, denen regel­mä­ßig vor­ge­le­sen wird, ca. eine halbe Schul­note bes­ser in Mathe­ma­tik abschnei­den als andere. Nein, die Stif­tung bläst zum hei­ßen Herbst, mit dem Vor­le­se­tag am 18. Novem­ber. Die­ses Datum wird mit einer eige­nen Domain bewor­ben und auch mit fer­tig gestal­te­ten Mate­ria­lien, Pla­ka­ten, Foto-Einverständniserklärung und online-Anmeldung. Die Bahn und die Wochen­zei­tung »Die Zeit« för­dern das Pro­jekt des Vorlesetags.

Nun bin ich ein gro­ßer Freund des Vor­le­sens, aber auch einer, der nicht recht ver­ste­hen kann, wie man öffent­lich zu der­ar­ti­gen Straf­ta­ten auf­ru­fen kann: Das Lesen von urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Tex­ten in der Öffent­lich­keit kann eine Auf­füh­rung oder ein Vor­trag sein. Und ein sol­cher ist kei­nes­wegs mit dem Kauf des Buches abgegolten.

Bei eini­gen CDs eines Rezi­ta­tors mit einer Jazz­band (»Jazz­Talk mit Röh­r­kas­ten«) habe ich Erfah­run­gen sam­meln kön­nen, wie schwie­rig es ist, die ent­spre­chen­den Frei­ga­ben von den Rech­te­in­ha­bern (bzw. den von Erben­ge­mein­schaf­ten beauf­trag­ten Rechts­an­wäl­ten) zu erlan­gen. Das ist ein Heiden-Schreibkram und macht der­ma­ßen viel Arbeit, dass eine — gar öffent­li­che — Ein­la­dung zu sol­chem »Rechts­bruch« nicht drin ist.

Es sei denn, ich lese etwa Apu­leius von Madau­ras »Gol­de­nen Esel« oder ande­res Mate­rial, bei dem Autor, Über­set­zende usw. hin­rei­chend lange ver­stor­ben sind. Goe­the also und Schil­ler, Hor­varth gerade so, aber Käs­t­ner kei­nes­falls! Böll ist tabu und James Krüss sowieso. Tja, liebe Kin­der, gebt fein Acht — ich hab euch etwas mit­ge­bracht, und das ist min­des­tens sieb­zig Jahre alt (sofern der Autor/die Auto­rin unmit­tel­bar anschlie­ßend der Lite­ra­tur einen Dienst erwie­sen hat, indem er/sie es vor­zog abzu­le­ben). Sollte aber es sich um ein Jugend­werk han­deln und der Urheber/die Urhe­be­rin lange leben, dann folgt, dass diese Texte lei­der unge­eig­net sind für den Vor­le­se­tag. Pech gehabt. — Es könnte frei­lich auch pas­sie­ren, dass inzwi­schen von der VG Wort (die am Markt ja reich­lich ver­füg­ba­ren) stu­dier­ten Geisteswissenschafter/innen wie GEZ-Kontrolleure oder GEMA-Informanten aus­schwär­men, um die Vorlesetag-Veranstalter anschlie­ßend mit ent­spre­chen­den Rech­nun­gen zur Kasse zu bitten:

»Sehr geehrte Lei­te­rin der Kin­der­ta­ges­stätte X in Y,
durch öffent­li­che Ein­la­dung haben Sie für den 18. Novem­ber 2011 zu einem so genann­ten Lese­tag ein­ge­la­den. Hier­bei wur­den u.a. zwei Kin­der­ge­dichte der von uns ver­tre­te­nen Auto­ren Z und A öffent­lich aufgeführt/vorgetragen. Hier­für besa­ßen Sie keine Frei­gabe der Rech­te­in­ha­ber, wir erlau­ben uns daher, Ihnen unsere Unter­las­sungs­er­klä­rung zur Unter­schrift zuzu­sen­den, zusam­men mit einer Rech­nung über BCD Euro.
Soll­ten Sie …«

Möch­ten Sie oder möch­test Du das, lie­ber Leser? Nein? Ja, dann emp­fehle ich, ganz schnell Texte aus der Reclam Uni­ver­sal­bi­blio­thek zu beschaf­fen und alles zu unter­las­sen, was zu sol­chen »Miss­ver­ständ­nis­sen« füh­ren könnte. Lesen, gar laut, in der Bahn übri­gens, kann auch noch gegen deren Beför­de­rungs­be­din­gun­gen ver­sto­ßen, weil es ja ein »unan­ge­mel­de­ter Vortrag«/»Erbringung von Leis­tun­gen« in den Zügen ist. Lesen ist sil­ber, Schwei­gen ist Gold.

Wer nun meint, dass ich hier über­triebe, dem sei die­ser Arti­kel emp­foh­len, der die Ver­gü­tung der Schu­len an die Rech­te­in­ha­ber nicht bloß wirt­schaft­lich regelt, son­dern die Schu­len zwingt, auf 1 % aller Com­pu­ter einen »Schul­tro­ja­ner« zu instal­lie­ren, der so genannte »Pla­giate«, also nicht urhe­ber­recht­lich abge­gol­tene Texte, Bil­der, Musik … zu erken­nen und zu mel­den. Ja, es gibt eine Menge Beam­ten­recht­li­cher und sons­ti­ger Rechte, die hier tan­giert wer­den. Und das alles, weil es bis heute kein ver­nüf­ti­ges Imma­te­ri­al­gü­ter­recht gibt. Liebe Juris­tin­nen und Juris­ten, wäre das nicht mal ein Feld, auf dem eine Lösung drin­gend erfor­der­lich ist? Wir kön­nen doch nicht län­ger so tun, als wären »Pla­giate« mit den Mit­teln der Goe­the­zeit nach­ge­druckte Bücher, wenn jemand ein Dia­gramm aus dem Schul­buch scannt und in seine Fach­ar­beit ein­fügt! Natür­lich kann man erwar­ten, dass der Schü­ler den Ver­lag anschreibt, den Rech­te­in­ha­ber der Gra­phik aus­fin­dig macht, mit die­sem sich pri­vat­recht­lich einigt, und, sagen wir mal 5,80 EUR + 7 % Mehr­wert­steuer über­weist. Bloß muss dann die Zeit zur Abfas­sung ent­spre­chen­der Arbei­ten deut­lich aus­ge­dehnt wer­den, denn ich weiß aus eige­ner Pra­xis, wie lange so etwas dau­ern kann.

Abschlie­ßend ein letz­ter Vor­schlag: Wer ein Net­book sein eigen nennt, evtl. einen UMTS-Zugang hat, kann auch ein­fach aus die­ser Seite, mei­nem Sudel­web vor­le­sen, ein­fach mei­nen Namen und die Inter­net­adresse nen­nen, zum Bei­spiel nach der Lesung oder am Anfang, und alles ist gut, denn die Texte hier ste­hen unter Crea­tive Com­mons Lizenz.

Alte Fabrikhalle Ilsede — wieder Großformat in schwarz-weiß

Factory Hall Ilsede Steel Plant

Alte Fabrik­halle (Ilse­der Hütte)

Der Gebrauch weit­wink­li­ger Objek­tive ist grund­sätz­lich nicht ein­fach, denn es geht ja darum, dass man quasi »zwangs­läu­fig« Per­spek­tiv­ein­drü­cke erhält, die »unna­tür­lich« sind: Es kommt mehr aufs Bild als das gewohnte Maß — und das geht optisch sel­ten ohne schein­bare oder tat­säch­li­che Wider­sprü­che zwi­schen mensch­li­cher Wahr­neh­mung und Abbildungsgeometrie.

Hier habe ich das 90 mm Weit­win­kel­ob­jek­tiv ein­ge­setzt, weil es die Halle mäch­tig erschei­nen ließ. So erst wurde sie ein­drucks­voll. Erwo­gen hatte ich, ob ein Quer­for­mat dem Bild nicht bes­ser getan hätte, aber in dem Fall hätte ich ent­we­der Gie­bel oder Boden abschnei­den müs­sen oder aber mehr Abstand zum Objekt ein­neh­men — und letz­te­res hätte mich wie­der in die Lage ver­min­der­ter Bild­dra­ma­tik gesetzt. Also beließ ich es beim Hoch­for­mat — und bin bis heute unsi­cher (auch wenn ein Kol­lege bei flickr den Vor­der­grund ruhig und nicht stö­rend fin­det), ob nicht ein Weg­schnei­den des Vor­der­grunds dem Bild hel­fen könnte.

Gerne hätte ich auch ein höhe­res Sta­tiv gehabt, aber nur zum Pho­to­gra­phie­ren, nicht, um es stun­den­lang herum zu tra­gen. Es hätte dann weni­ger Kame­ra­ver­stel­lung bedurft. Aber man nimmt, was man hat. Kon­kret ist es ein Man­frotto 055 mit einem ordent­li­chen Kugel­kopf, den ich eigent­lich mal für die Has­selb­lad ange­schafft hatte, der aber auch die Groß­bild­ka­me­ras (bis 4x5 Zoll) ordent­lich trägt. Zumal es hier ja kei­nen Spie­gel­schlag gibt.

Für die tech­nisch Inter­es­sier­ten: Toyo 45A mit Fuji 8/90 auf Neo­pan Acros 100 (E.I. 64), Rol­lei High Speed in der Schale, Scan mit Epson V700 und Bear­bei­tung in Aperture.

endlich mal gescannt… Wieder Ilseder Hütte

The Ilsede Water Tower

Ilse­der Hütte — Wasserturm

Die Ilse­der Hütte ist nicht weit weg, und der Weg dort­hin ist im Spät­som­mer herr­lich, also war ich eines Tages nach der Arbeit wie­der mit Kamera dort­hin unter­wegs, glück­li­cher­weise sind die Tage ja hier­zu­lande lang. Ich kam gegen 18 Uhr an und hatte zwei oder drei Stun­den lang Zeit, auf dem Indus­trie­denk­mals­ge­lände herumzustreifen.

Nun kennt ja fast jeder, der sich mit Pho­to­gra­phie befasst, die Was­ser­turm­bil­der der Ehe­leute Becher, Bernd & Hilla, die da eine Art abstra­hie­ren­den Her­an­ge­hens betrei­ben, quasi »exten­sio­nale Seman­tik« (Nel­son God­man), zu schauen, was alles Was­ser­türme sind, um die »Bedeu­tung« des Begriffs »Was­ser­turm« auf die­sem Wege zu ermitteln.

Das kann man alles machen, und wer wäre ich, die Bechers dafür zu kri­ti­sie­ren. Allein: Mir sagen deren Bil­der (das gilt für viele die­ser »Zusam­men­schauen« der Bechers) wenig. Dass bewusst »lang­wei­li­ges« Licht dort gewählt wird, damit nicht vom Motiv abge­lenkt werde, das wider­spricht mei­ner Sym­pa­thie für feine Bil­der, die eben nicht »etwas« abbil­den, son­dern selbst zu einem Gegen­stand der Betrach­tung wer­den, gleich ob es sich um Schat­ten han­delt, um Pflan­zen­de­tails oder eben um einen Was­ser­turm wie bei dem aus der Ilse­der Hütte.

Am Wochen­ende habe ich noch ein paar wei­tere Nega­tive gescannt und bear­bei­tet, so dass da mehr kom­men kann. Für die tech­nisch inter­es­sier­ten Lesen­den: Auf­ge­nom­men mit einer 4x5 Zoll Toyo 45A mit Fuji­non 5.6/150 auf Neo­pan Acros 100 (E.I. 64), ent­wi­ckelt in der Schale in Rol­lei High Speed und gescannt mit Epson V700, Bear­bei­tung in Aperture.

Someday Jacob im GIG am 29.09. — und Gebr. Scharfenberg

Gebr. Schar­fen­berg — Jere­mias an Gitarre und Gesang

Some­day Jacob: Jörn Schlü­ter & Uli Kringler

Ein merk­wür­di­ges Kon­zert… Eigent­lich sollte »Some­day Jacob« in der Kneipe spie­len, eben im »Gig« am Linde­ner Markt­platz. Doch hatte man bei der Pla­nung über­se­hen, dass irgend­ein wich­ti­ges Fuß­ball­spiel am sel­ben Abend ange­setzt war. Also musste das in der Kneipe über­tra­gen wer­den, denn so ein Ereig­nis zieht ja bekannt­lich Besuchende.

Wenn man aber eine Band hat, die von aus­wärts kommt und eine Tour­nee absol­viert, dann kann man der natür­lich nicht ein­fach absa­gen: In die­ser Hin­sicht steht das Gig zu sei­nen Zusa­gen. Also wurde das Kon­zert in den (eigent­lich viel zu gro­ßen) Gig-Saal ver­legt, und fand dort am 29. Sep­tem­ber statt. In wei­ser Vor­aus­sicht hatte »Some­day Jacob« ers­tens den Raum quasi quer gedreht, also so, dass deut­lich weni­ger Abstand zwi­schen »Publi­kum« und Band bestand. Ande­rer­seits hatte man sich mit den Gebrü­dern Schar­fen­berg eine lokale Vor­gruppe geholt, die auch einige Fans mitbrachte.

Es war ein rich­tig gutes Kon­zert. Jere­mias’ Stü­cke habe ich bei reMem­ber, bei Jeremy Rian und anderswo gehört: Nie haben sie mir so gut gefal­len wie von die­sen drei Brü­dern — und das war deren zwei­tes gemein­sa­mes Kon­zert seit langem.

Eigent­lich bin ich hin­ge­gan­gen, weil ich nicht bloß Jere­mias kenne und schätze, son­dern weil ich Uli Krieg­lers Gitar­ren­platte Café Cinema schätze, beson­ders die dor­ti­gen, eher jaz­zi­gen, Stü­cke mit Vibra­phon oder mit Saxo­phon. Hatte ihn aber noch nie live gehört. Das änderte sich, wenn­gleich er (lei­der) vor allem E-Gitarre und (auf dem Photo zum Bei­spiel) Banjo spielte. Eine feine Musik. Vie­len Dank.

Q-Bic bleiben professionell, wenngleich vom Pech verfolgt…

Q-Bics 5-Saiter Bass (Oli­ver Kae­tels Instrument)

Dies ist der Bass von Oli­ver Kae­tel, der bekannt­lich bei Q-Bic spielt. Bekannt­lich ist diese Posi­tion nicht gerade die, in der Bas­sis­ten bevor­zugt ihre Instru­mente spie­len. Beim Kon­zert in der Phil­har­mo­nie im Sep­tem­ber wurde die Band vom Pech ver­folgt und ließ sich doch nicht ver­drie­ßen: Sie mach­ten aus allem das beste und den Fans im Publi­kum gefiel es: Der Gitar­ren­ver­stär­ker von Tobias war frisch vom Ser­vice gekom­men und fiel lei­der mit­ten im zwei­ten Set aus, ein­fach so, ver­mut­lich wie­der die glei­che kalte Löt­stelle wie vor dem Ein­sen­den zum Service.

Gut, erör­tert wurde auch, ob es evtl. ein Kabel­pro­blem gewe­sen seien könne. Jeden­falls ereig­nete sich die­ser Verstärker-Ausfall (wohl der Band, die — wie Q-Bic — noch einen Ersatz-Verstärker im Auto hat) just in dem Augen­blick, als auch bei Oli­ver eine Saite sei­nes Bas­ses riss. Das sind ziem­lich kräf­tige Drähte, wes­halb man sie gewöhn­lich weit vor dem Zeit­punkt eines Ver­schlei­ßens aus­zu­tau­schen pflegt. Und anders als dünnste E-Gitarrensaiten ist auch beim Stim­men wenig Risiko aus­zu­ma­chen, dass man etwas zu weit dreht an der Mecha­nik. Oli musste also die Saite wech­seln, Tobi den »Ersatz­ver­stär­ker« (der eigent­lich nicht für die Wie­der­gabe von Gitar­ren gemacht ist) so weit regeln, dass er nutz­bar wurde, dar­über zu spielen.

Nach rund 12 Minu­ten Umbau­pause ging es wei­ter, und es tat der Musik kei­nen Abbruch: Auch mit dem »drah­ti­ge­ren« Gitar­ren­klang ließ sich leben. Die Musik groovte wie eh und je. Und das Publi­kum, das ja immer­hin Ein­tritt bezahlt hatte, wurde von der Band ver­wöhnt. Danke. Lei­der waren weni­ger stim­mungs­freu­dige Fans da, aber von Band­seite: Kom­pli­ment! Das nenne ich pro­fes­sio­nelle Lösungen.

wer schreibt, der bleibt…

Peli­kan Sou­ve­rän 605 mit Her­bin »Éclat de Saphir«

Ich schrieb neu­lich über die gute Tinte von Omas, dem nord­ita­lie­ni­schen Schreib­ge­rä­te­her­stel­ler. Eine wei­tere Tinte hat es neben die­ser bis in meine Füll­fe­der­hal­ter geschafft: J. Her­bins »Éclat de Saphir«. Die Farbe auf dem Papier ist nicht ganz so satt wie bei Omas bzw. der (quasi iden­ti­schen, preis­lich aber teils attrak­ti­ve­ren) Visconti-Tinte, sie erin­nert eher an Blau­beer­muf­fins — genauer an die dort ver­ba­cke­nen Blaubeeren.

Ich weiß, das klingt teils eso­te­risch, teils unkon­kret. Es bleibt dabei: Die pas­sende Tinte erst macht das Schrei­ben zum Ver­gnü­gen, und ich nutze Omas/Visconti einer­seits und ande­rer­seits diese Éclat de Saphir. Wer etwas bei flickr sucht, kann leicht von bei­den Farb­mus­ter finden.

Für alle, die sich fra­gen, wor­auf das Tin­ten­fass denn stehe: Das ist eine Kalos-Bibelhülle (mit ent­spre­chen­der Fül­lung), also: Ein soli­des Fundament.

zu Lecker Lyrik (Samstag vor einer Woche)

Lecker Lyrik Vor­be­rei­tung (Küchen­szene)… — Photo: Mar­kus Wolter

Die elfte Lecker Lyrik ist vor­bei. Ich bin froh und dank­bar, dass alles gut gegan­gen ist. In den Jah­ren seit der ers­ten Lecker Lyrik, bei der ich tags drauf mor­gens die Küs­te­rin traf, die kam, um alles für den Got­tes­dienst her­zu­rich­ten, ich wischte gerade die Flure und hatte die letzte Spül­ma­schine vol­ler Geschirr aus­ge­schal­tet, diese Zei­ten sind vorbei.

Lecker Lyrik fing als eine (gute?!) Idee an, alles andere war anfangs noch unaus­ge­reift und ver­bes­ser­bar. Nach den letz­ten Aus­ga­ben von Lecker Lyrik hat sich in wei­ten Tei­len eine sehr gute Vor­be­rei­tung durch das (nach der zwei­ten oder drit­ten Aus­gabe) gewach­sene Team mit unter­schied­li­chen Berei­chen ent­wi­ckelt, Kat­rin und ich küm­mern uns vor allem um die Küche, Andrea ums Ser­vier­team, ums Abwasch­team, wir alle arbei­ten an der Pau­sen­ge­stal­tung und daran, wie die je nächste Lecker Lyrik über­haupt lau­fen soll. Michael Krebs koor­di­niert die Jugend­li­chen, stellt da den Infor­ma­ti­ons­fluss sicher und über­wacht das Bud­get (und macht die Abrech­nung). Er managt auch den Vor­ver­kauf, Auf­bau in Saal und Kir­che und führt durch den Abend.

Mar­kus als jüngs­ter im Team nimmt sich die Frei­heit, am Abend im Saal zu sein — und bei die­sem Mal sprang er beim Kell­nern ein, weil eine geplante Mit­ar­bei­tende wegen einer Weisheitszahn-Operation aus­fiel. Mar­kus ist es aber auch, der lei­den­schaft­lich mit acht oder zehn Leu­ten Rot­kohl schnei­det oder hobelt, Bir­nen aus­höhlt oder selbst noch mal einen Text bei­steu­ert — und somit den drit­ten Block bestritt.

Am schwie­rigs­ten sind für uns in der Vor­be­rei­tung — und das ist weit mehr als die eine Woche Lecker Lyrik (in der ein­ge­kauft, vor­be­rei­tet, gekocht, … wird) — die Aus­wahl der Lesen­den. Andreas Johst war ein »Zufalls­fund«, ein alter Freund aus Stu­di­en­ta­gen, der längst etwas ganz ande­res macht. Er mel­dete sich auf mein Blog hin, und wir tra­fen uns eines abends,  spra­chen über vie­les und eben auch dar­über, dass er schreibe. Ein Mus­ter­text kam wenig spä­ter und das Lecker-Lyrik-Team fands gut.

Bei der AWO-Lyrikgruppe war schon län­ger von Andrea ein Gespräch ange­dacht. Als sie dann mit den Dich­te­rin­nen und Dich­tern ins Gespräch kam, ent­wi­ckelte sich schnell Begeis­te­rung auf allen Sei­ten. Die hat­ten rich­tig Lust, und wir hat­ten — zwi­schen zwei­mal Prosa — einen gelun­ge­nen lyri­schen Mittelblock.

Zum Kon­zept von Lecker Lyrik gehört, mög­lichst in einem Block der ganz jun­gen Gene­ra­tion ein Forum zu bie­ten. Mar­kus hatte an der Uni — Aus­hänge ange­bracht, das Zen­trum für krea­ti­ves Schrei­ben hat unser Gesuch her­um­ge­schickt, nach Göt­tin­gen und Ber­lin haben wir unsere Füh­ler aus­ge­streckt, aber das Bache­lor und Master-System führt dazu, dass die meis­ten kaum über das Ver­fas­sen von Haus­ar­bei­ten und die Lek­türe von Gedich­ten und allen­falls theo­re­ti­schen Schrif­ten hin­aus kom­men. Von dort bis zu eige­nen Tex­ten ist es ein wei­ter Weg!

Nach eini­ger Zeit der Suche bot Mar­kus an: »Ich könnte ja mein ›wei­te­res Kapi­tel‹ zu Pu der Bär lesen, das ich für die Uni geschrie­ben habe«. Der Text gefiel im Team. — Für die zahl­rei­chen jugend­li­chen Mit­wir­ken­den hat­ten wir im August ein klei­nes »Dankeschön-Fest« geplant, das lei­der wegen zahl­rei­cher Absa­gen aus­fiel. Absur­di­tä­ten und Beson­der­hei­ten in der Lecker Lyrik Geschichte hatte unser der­zeit fünf­köp­fi­ges Team gesam­melt und zu einem Text zusam­men­ge­fügt. Mit die­sem Text (und Pu) stand dann der dritte Block.

Als Vor­an­kün­di­gung: Die Rezepte wer­den hier in den nächs­ten Tagen fol­gen und auch der Text zu Lecker Lyrik, der ja eigent­lich fürs Team gedacht war (die meis­ten wuschen ab aber waren ander­wei­tig im Einsatz).